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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-08-06 · 32 (6.8.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
32 (6.8.1930)
Date
1930-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Synagoge ftrihnlc heilige Begeisterung und leidenschaftliche Hingabe an die Gemeinde. Der Jude selbst, das klassische 'Opfer sr^ialer Ungerechtigkeit, hat immer jedes begangene soziale Unrecht empfunden — kein Wunder, dah ihn der brennende Wunsch erfüllt, es in Recht zu verwandeln. Nicht nur das Judentum, - auch ihre Tochterreligionen haben reichliche aus dem goldenen Brunnen der prophetischen Inspiration geschöpft. Können wir daran zweifeln, daß auf diese religiösen Einflüsse schließlich alle Bestrebungen zurückzuführen sind, die dem sozialen Fortschritt dienen, sei es in den Sicherheits- und Schutzvorschriften der Industrie, in dem Verbot der Frauen- und Kinderarbeit unserer Tage, in den Reformen der Gesetzgebung uiid des Strafvollzugs? Das alles ist nur ein Anfang, vieles bleibt noch zu tun — wir müssen nur die Gefahr vermeiden, die im Vergessen liegt. , Wahrhaft liberales Judentum wird ständigen Fortschritt im Gesetz und in beit Propheten finden. Wenn wir mit dem Psalmisten sprechen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von denen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt von Gott" so fühlen wir uns befreit, und als ob wir die Ideale des Propheten von neuem entdeckten, so füllen sie uns mit neuer Kraft, um sie zum Segen der Menschheit zu verwirklichen. Immer müssen wir uns jedoch vor Augen halten, daß das Ideal sozialer Gerechtigkeit von allem, was Philanthropie heißt, vollkommen verschieden ist. Sie ist auch kein Teil und keine Abteilung sozialer Arbeit, sie hat nichts mit der Pflege der Kranken und der Hilfe für die Bedürftigen zu tun. Tie Wichtigkeit s ozialcr Arbeit soll keineswegs unterschätzt werden, aber sie ist ein Palliativmittel, das durch die Mängel unserer Zivilisation notwendig geworden ist. Sie wird immer notwendiger werden, weil sie das Leben der Menschen untereinander und unter den verschiedenartigsten Verhältnissen in eine bestimmte Ordnung zu bringen hat. „Philanthropie als solche ist notwendig", sagt Rabbiner Edward R. Israel, „wegen der sozialen und wirtschaftlichen Mißstände, doch ist es das ethische Gebot der Religionen, nicht zuviel Kraft aus das Verbinden der sozialen Wunden zu verwenden, vielmehr sind die Wurzeln der Not aufzusuchen; dort ist, wie bei jeder Krankheit, Heilung zu versuchen mit Vernunft und Erfahrung und wirtschaftlicher Sachkenntnis, denn Ethik allein kann keine Hilfe bringen. Soziale Gerechtigkeit ist das Prinzip, soziale Arbeit ist im besten Falle nur ein .Hilfsmittel. Sie unterstützt die soziale Gerechtigkeit, aber sie kann sie nicht ersetzen, ja sie würde vollkommen ausgcschaltet werden können, wenn das Ideal der sozialen Gerechtigkeit, das die Fundamente bildet, je voll erreicht werden könnte. Beide werden von der Religion geboten und gepriesen — aber sie sind nur zwei von den vielen glänzenden Facetten des .Kleinods der Religion, dessen Substanz von keinem der beiden ersetzt werden kann, auch von beiden zusammen nicht." Während ich als Laie es für eine der höchsten Pflichten einer Religionsgesellschaft halte, dahin zu wirken, daß sich innerhalb ihres Rahmens soziale Verantwortlichkeit entwickelt, glaube ich nicht, daß dies die Pflicht der Synagoge allein sei. Diese kann den Weg zur Lösung des Problems zeigen, aber sie braucht alle menschlichen Erfahrungen und Kräfte und ruft sie aus zur Mitarbeit, um das Ziel zu erreichen. Ich verlange vom Weltverband für Liberales Judentum noch kein ganz fest umrisscnes Programm. Gewiß müssen wir jede Möglichkeit parteipolitischer Gegensätze vermeiden. Fest auf der Erde sollen wir stehen, ohne vorzugeben, daß wir ein Allheilmittel für menschliches Leid oder erkrankte Moral besäßen, denn wir wissen, daß mit der fortschreitenden Entwicklung der Lebensbedingungen auch die Lebensauffassung und die Lebensführung sich ändern. Darum müssen wir bei allen Vorschlägen für sozialen Fortschritt die Möglichkeit anderer und neuer Verhältnisse offen lassen. Wir empfehlen, daß der Weltverband eine Reihe kurzer Artikel zur Verteilung vorbereite, die sich z. B. auf folgende Themen beziehen: „Tie Stellung des Judentums zur Arbeit", „Das Judentum utifc soziale Gerechtigkeit", „Sozialstudium und Judentum", „Moderne Industrie im Lichte der sozialen Ethik des Judentums", „Ter Jude und die soziale Gesetzgebung". 1. Wir schlagen vor, daß solche Artikel unter der Verantwortung des Ausschusses für sozialen Fortschritt bearbeitet, herausgegeben und an jüdische Gemeinden und an jüdische Zeitschriften aller Länder zur Verteilung und zur Veröffentlichung versandt werden. Besonders kämen für die erzieherischen Zwecke dieser Artikel solche Länder in Betracht, wo die Beziehung der Religion zu modernen sozialen Idealen noch nicht klar genug erkannt wird. 2. Wir beantragen, daß der Weltverband mit der „Gesellschaft für Internationale Beziehungen der Industrie" in Verbindung trete, deren Geschäftsstelle im Haag ist, und der ¥ Gottesdienste * Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiftrstraße 29*30). Freitag, 8. Augnst, 7.30 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat voos. Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norde« (Schönhauser Allee 102). Freitag, 8. August, 7.15 Uhr abends. Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Mehler. Sonnabend, 9. August, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlln-Westend. Der erste Gottesdienst nach den Ferien findet am 29. August statt. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Tecilienschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 8. August, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein. Berlin. Jüdische Rrsorm*8«meivd«. Gottesdienste am Sonntag, den 10. August. Johannisstraße 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Jelski. Kleiststraße 10: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. führende Männer aus dem Gebiete sozialer Wissenschaften aus Amerika und Europa angehören, damit von dieser Stelle aus der Einfluß und die Wirkung der Religion in den menschlichen Beziehungen zur Industrie erkannt bzw. anerkannt werde. Jene Gesellschaft wird sicherlich das Interesse an ihrer Arbeit seitens des Weltverbandes sehr begrüßen. 3. Wsr empfehlen Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften, — wo sie möglich ist, — damit eine gemeinsame Kommission mit einer Organisation wie die Versöhnungsgemeinschaft in England (Fellowship of Reevneiliativn) und dem Eopec (Conference on Politics, Economies and Citiyenship) sowie mit ähnlichen Organisationen in Beziehung trete zum Zwecke gemeinsamer Anssprache. 4. Wir beantragen, daß in den verschiedenen Ländern Ausschüsse eingesetzt werden, die die Beziehungen der Juden zu den Wirtschaftsverhältnissen ihrer Länder studieren und darüber berichten, auch über die relativen Zahlen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, über Berufsuub Arbeitsverschiedenheit und -Umschichtung und über der: Anteil einzelner Juden in der Arbeit für sozialen Fortschritt. 5. Wir beantragen, das Programm des Zentralverbandes amerikanischer Rabbiner für soziale Gerechtigkeit als Basis für vergleichende Studien zu übernehmen, die in den angeschlosfenen Ländern feststellen sollen, wie weit die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden mit der Grundlage des Programms übereinstimmt und von ihr abweicht; besonders wird festzustellen sein, ob und inwieweit Löhne, Arbeitszeit, Versicherung usw. diesem Programm entsprechen. Es wird sich z. B. zweifellos Herausstellen, daß England und Deutschland in Punkten der Sozialgesetzgebung und der Sozialversicherung' den Vereinigten Staaten weit voraus sind. Eine solche Erhebung kann zu praktischer Zusammenarbeit führen und die notwendigen Grundlagen in Daten und Zahlen abgeben für die gemeinsame Aufstellung eines Arbeitsplans für soziale Gerechtigkeit seitens des Weltverbandes. 6. Wir beantragen als letztes, uns, den Ausschuß für Sozialen Fortschritt, zu ermächtigen, einen solchen Arbeitsplan für soziale Gerechtigkeit vorzubereiten. Wenn ein solcher Plan von dem Weltverband ausgeht, so wird er nicht nur allen Juden, sondern der gesamten Menschheit Hoffnung und Mut geben. Darum halten wir unseren Antrag für gerechtfertigt, für zeitgemäß und für äußerst notwendig. Alle die obigen Anträge bilden einen Arbeitsplan, der in seiner Ganzheit erst in Jahren zur Ausführung kommen kann. Aus praktischen Gründen wollen wir ihn einen „Arbeitsplan für l0 Jahre" nennen. Was vielleicht darin als übertriebene Forderung erscheinen mag, dünkt uns unendlich wichtig und sicherlich möglich. Zum Schluß wage ich noch die Behauptung, das; das liberale Judentum sich nicht loslösen kann von den Fragen und Problemen, die die soziale Weltordnung stören, wenn es seiner inneren Natur treu bleiben will. Das liberale Judentum kann es nicht ablehnen, Stellung zu dem ewigen Recht des Menschen zu nehmen, noch das Unrecht zurückzuweisen, das in unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen liegt; das liberale Judmtum muß. sich zu solchm Zuständen von seinem ethisch-religiösen Standpunkt aus äußern. und unter der Fremdherrschaft (!) zusammenhielt bis auf den heutigen Tag." Man denke sich uns dabei „fossil". So lesen wir auch S. 156: „Es liegt eine ernste Wahrheit darin, daß dies ärmste Volk der Erde, das mit die höchste Kultur des Altertums schuf, zugleich das religiöseste Volk war. Die äußeren Errungenschaften ihrer Kultur sind in Schult und Asche versunken, aber chr Geist, der noch in der Bibel, im Judentum und Christentum zu uns redet, lebt und beherrscht noch die Welt." Also noch im „fossilen" Zustand?! Es fordert auch unseren Widerspruch heraus, wenn (S. 164) bchauptet wird: „Diesen engherzigen Vater des Judenvolkes (klingt etwas gehässig!) wandelte Jesus um zu einem barmherzigen Vater aller Menschen." Abgesehen davon, daß der „engherzige Vater" Vater aller Menschen ist (Belegstellen erübrigen sich!), so müssen wir Juden doch unseren! schmerzlichen Bedauern Ausdruck geben, daß das Christentum aus seinem weltgeschichtlichen Gange den Juden gegenüber nie oder selten barmherzige Gesinnung gelehrt und geübt hat. — -Vorher S. 161 lesen wir: „Die (!) jüdische „Schuma" -ist das Banner gewesen, um das sich das jüdische Volk — wohl bewahrt durch 2000 Jahre — gesammelt hatte." S. 171: „Ein Vaterunser gibt es nicht in der jüdischen noch in irgend einer anderen Religion." Dienemann bemerkt hierüber („Die Lehren des Judentums", Teil 5, Verlag Gustav Engel, Leipzig): „Seine (sc. des Vaterunser) Herkunft aus der Welt des jüdischen Gebets und der jüdischen Frömmigkeit ist bekannt und oft nachgewiesen." Seite 222: „Das Christentum siegte über alle anderen Religionen, weil es eine Märtyrerreligion war." Und das Judentum? Wir lassen den Altmeister Zunz reden: „Wenn es eine Stufenleiter der Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mü welcher sie ertragen worden, adeln, so nehmen es die Inden mit dm Hochgeborenen aller Länder auf, wenn eine Literatur reich genannt wird, die wmige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber?" — Tie fanatischen Angriffe der Bekenner des Christentums gegen die Inden richteten sich nicht nur gegen die Juden sevbst, sondern auch gegen ihre Schriften, besonders gegen den Talmud. Vielfach warm es getaufte Juden, die, von Haß erfüllt gegen ihre früheren Glaubensgmossen, den Talmud, ohne ihn zu kmnen, verunglimpftm und auf seine Vernichtung drangen. So war es bei Johann Pfefferkorn der Fall, gegen den der Humanist Johann Reuchlin (1455 bis 1522), ein Zeitgenosse Ulrich von Huttms, mit Erfolg Front machte. Wenn Hajo Holborn in seinem Werk „Ulrich von Hutten" (Verlag Quelle und Meyer, Leipzig, 1929) Seite 45 von dem „Juden namens Pfefferkorn" spricht, so wäre es wohl richtiger gewesen, von dem getauften Juden zu sprechen. Um Mißverständnissm vorzubeugm, muß darauf hingewiesen werdm, daß zu gleicher Zeit ein getaufter Jude, bekannt unter dem Namen „Pfaff Rapp" spukte, der sich gern „Pfefferkorn" nennm ließ. Dieser wurde in Halle a. S. wegen Kircheyraub und anderer Delikte hingerichtet. Er ist nicht identisch mit dem judmfeindlichen Pamphletrsten Pf., von dem vorhin die Rede war. (Siche Näheres Graetz, Geschichte, Band 9, Seite 169 u. ff.) — Eine gerechte Würdigung des Judmtums finden wir bei christlichen Theologen schr selten — zumal, wenn sie sein Schrifttum nicht aus primärm Quellm kmnm. Oft auch sind die Prämissm, wie gesagt, verheißungsvoll, aber die Schlußfolgerung ist nicht dernentsprecherü). Karl Bornhausm, Professor der Theologie in Breslau, sagt in seinem Buch „Schöpfung" (Verlag Quelle u. Meyer, Leipzig, 1930) Seite 124: „Zu (einem einwandfreien Monotheismus hat sich aus polytheistischen Anschauungen nur (von uns gesperrt das Judmtum entwickelt. Mer das gerade ergibt seine Schwäche als Religion und seinen Vorzug als Ethik." Auch das wird in vollem Umfange nicht anerkannt. Hiernach wird also der Monotheis- Sehen wir nicht eine neue soziale Weltordnung sich aufbauen und eine neue Jugend damit beschäftigt, eine schönere Zukunft, eine glücklichere Gemeinschaft aufzurichten? Werdm diese jungen Männer und Frauen nicht von den religiösen Gemeinschaften verlangen, daß ihr Einfluß endlich wirksam werdet Sind wir bereit zu solcher Verantwortlichkeit gegenüber der sozialen Not? Sind wir imstande, die Sehnsucht unserer Jugend zu erfüllen? Zeigen wir ihr unser Judendentum als Werkzeug zu starkem lebendigen sozialen Fortschritt? Wenn wir das nicht können, wird die Jugend keine Ehrfurcht mehr vor uns haben, und wir werden eine Möglichkeit verlieren, wie sie sich einer religiösen Bewegung selten bietet. An der Lösung der brennenden sozialen Fragen des Tages hat unsere Jugend das stärkste Interesse, das sich bei ihnen mit ethischer Kritik an unserer Zivilisation verschmilzt. Ethische Ziele sind ihr zur Zeit alles. Soll die Religion unserer Väter beiseite stehen, ohne Antwort, ohne Wärme, ohne Anteil, oder soll sie ihnen Begeisterung geben und ihre Ethik mit religiösem Feuer beleben? An das liberale Judentum richtet unsere Jugend diese Fragen! Wie werden wir antworten? Schließlich bringen wir noch das Referat über die Jugendbewegung von R e v. M. L. P e r l z w e i g (L o n d o N). Im Verlauf der besondereu Sitzung, die der Diskussiou über Jugendbewegungen gewidmet war, drängte eine Anzahl der Redner den Vorstand, Schritte zu unternehmen zur Organisation irgendeiner Art von Zusammenarbeit zwischeir der liberalen und Reform-Jugendbewegung in den verschiedenen Ländern auf einer beständigen Grundlage. Nachdem der Vorstand mit den Führern der jüdisch-liberalen Jugendvereine darüber korrespondiert hatte, ernannte er einen Ausschuß bestehend aus Herrn Dr. .Hugo Dofsmann, Frankfurt a. M. (Borsitzender), Fräulein Levy Bauer, Paris, Herrn Roger Strauß, New Nork, und mir. Miß Montagu war inoffizielles Mitglied und, da der Ausschuß gezwungen war, seine Beratungen schriftlich zu führen, siel die Ermittlung der Ansichten von den Ausschußmitgliedern, die nicht ganz einfach war, hauptsächlich auf sie. Der Ausschuß stellte fest, daß die Jugendbetvegung in den verschiedenen Ländern so verschieden in Organisation und Charakter ist, daß er die Begründung eines repräsentativen Weltausschusses, der durch die lokalen Vereine selbst gewählt werden würde, nicht empfehlend könnte. Andererseits war er überzeugt, daß die World Union durch einen besonderen Ausschuß oder anderes versuchen sollte, die Zusammen/ arbeit zwischen den verschiedenen Jugendorganisationen zu unterstützen und die Bildung eines zentralen repräsentativen Jugend-Ausschusses in jedem Lande zu veranlassen, mit dem sie korrespondierte, und der, wem: immer notwendig, in ihrem Sinne handeln könnte. Da die Bedingungen in jedem Land verschieden sind, glaubte der Jugendausschnß, eine einheitliche Methode für die Ernennung der zentralen Jugendausschüsse, nicht empfehlen zu sollen. Aber er regt an, Vertreter aller Richtungen der lokalen Jugendbewegungen, solvie älter« Männer und Frauen, die besonderes Interesse oder große Erfahrungen in der Jugendbewegung besitzen, in dem Ausschnß zusammenzuschließen. Man glaubt, daß die World Union mit ihrer Unterstützung der zentralen Jugendausschüsse zweckvoll beginnen würde durch die Einrichtung eines regelmäßigen Literaturaustausches und durch vorbereitende Maßnahmen ,für den gelegentlichen Austausch von Rednern. Unterstützt von Miß Montagu wagte ich ferner, beim Vorstand daraus zu dringen, die Bildung von Jugeirdausschüisen zu unterstützen, oder — wenn möglich und wünschenswert — die Gründung von Jugendorganisallonen aus der Grundlage des liberalen Judentums in den Ländern zu veranlassen, wo zur Zeit keine organisierte liberal« oder Reformbewegung besteht. Ich erwarte nicht, daß der Weltverband diese Propaganda beginnen oder versuchen sollte, die Neigung jüdischer» Menschen zu andern jüdischen Richtungen, wo es diese gibt, zu ändern. Aber wir haben Ursache anzunehmen, daß eine große Anzahl von jüdischer: Männern und Frauen in Europa und auch in den britischen Kolonien ohne fruchtbaren Zusammenhang mit organisiertem jüdischreligiösen Leben sind, daß viele von ihnen die Gründung von Studien- MUs als konstitutives Merkmal des Begriffs Religion in Frage gestellt. Der gelehrte Verfasser scheint u. a. völlig zu verkennen, daß aus dem. strengen Monotheismus folgerichtig der .Messi anis m us sich ergeben muß. Weiter S. 134: „In Jeremias ist die altisraelitische Religion über diese Verbindung zwischen Gott und Mensch (nämlich über den „schroffen Theozentrismus") hinausgewachsen und hat sie in der Liebe und Kindschaft gesucht. Aber erst Jesus hat diese Ansätze ganz in das eigene Glaubens- und Selbstgefühl übernommen" usw. Wir wollen nur auf das talmudische Wort: „Der Alliebende verlangt das Herz" Hinweisen. Moritz Lazarus bemerkt in seiner „Ethik des Judentums" S. 231, daß es ohne die lebendigste Regung der sittlichen Gefühle zu einer vollkommenen Erscheinung des Sittlichen nicht kommen könne. Das .hat das Judentum zu allen Zeilen betont. Lediglich nur, um die Superiorrtät geltend zu machen, wird das Judentum als starre Gesetzesreli-gion herabgewürdigt. Schließlich bemerkt Professor Bornhausen (S. 134): „Das Judentum aber blieb im Prinzip des Monotheismus stecken, wurde dadurch antichristlich und näherte sich der Philosophie." „Antichristlich" heißt hier wohl nichts anderes, als daß daS Judentum der Trinitätslehre gegenüber eine andere Stellung einnimmt als das Christentum. Und wenn der jüdische Monotheismus oder sagen wir: das religiöse Empfinden und Denken dem philosophischen Denken „sich nähert", so buchen wir das nicht als Manko. — In einer Zeitschrift für Glaubens- und Gewifsensfteiheit, betitelt „Kirche und Staat" (Advent-Verlag, Hamburg 13) Nr. 2, 1930, lesen wir: „Kein Staat hat ein Recht, Gesetze zu erlassen, die das Glaubensleben .seiner Untertanen regeln sollen. Es bleibt sich ganz gleich, ob diese Untertanen Protestanten, Katholiken, Juden, Mohammedaner oder Heiden sind — gleiches Recht für alle —, sofern sie sonst treue Untertanen, gute Bürger und rechtschaffene Menschm sind." Das unterschreiben wir mit vollem Herzen.

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