Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-07-23 · 30 (23.7.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
30 (23.7.1930)
Date
1930-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614083--3655-2621270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10. Zahrgang Rümmer 30 IMchMemleZülmz Beilage 23. Zull 1930 Liberaler Partikularismus Von Rabbiner Tr. Gottschalk, Frankfnrt a. M. Es gab eine Zeit, damals, als mancher alte Liberale von heute noch jung war, da war es selbstverständlich, daß man dem Liberalismus als Wesensmoment die Ausgabe übertrug, das Judentum welt- und kultursähig zu machen, der Umwelt zuzustreben und apf. Mittel zu sinnen, sich mit dieser Umwelt zu verständigen. Nicht zuletzt sah man als ein solches Mittel die Verwendung der deutschen Sprache im Gottesdienst an. Die Erfolge, die man von solchen Teirdenzen und Mitteln bei Nichtjuden und Juden erhoffte, stellten sich nicht im gewünschten Maße ein. Bei Nichtjuden nicht, weil man die Kraft und den Trotz und die politische Triebfeder des Antisemitismus wohl viel zu 'sehr^unterschätzte und 'sich nicht damit absurden wollte und auch heute nicht überall absinden will, das; wir uns gegen diese Erscheinung wehren können, sie aber nie mit der Wurzel ausrotten werden. Ter Antisemitismus ist unser Schatten, der uns, nicht schützend freilich, sondern immer bedrohend von je verfolgt hat und verfolgen wird. Wir können stolz auf ihn sein, denn er ist Zeichen unserer Kraft, unseres Wertes, unserer Unzerstörbarkeit. Nicht einen Augerüblick aber sollte und dürfte er auf unsere jüdischen Entschlüsse, die der Umwelt, dem Univversalismus des Judentums zugute kommen, von Einfluß sein. Wenn man Worten glauben könnte, ist er es nicht. Taten aber sprechen anders. Dann nämlich, wenn man die Fortexistenz des Antisemitismus dazu benutzt, den bisherigen Weg als nutzlos, gefährlich, falsch zu bezeichnen, wenn man deshalb, weil man ja doch nicht geliebt wird, nicht mehr Liebe nach außen abgeben oder doch erst in zweiter und dritter Reihe und in erster nur an sich denken möchte. Wie sehr man damit gegen den jüdischen Stolz arbeitet, den man immer verkündet, sieht man nicht, wie sehr man den Wert der bisher verkündeten Ideale verkleinert, wie sehr man dem Judentum, nicht bloß dem Liberalismus, den eigenen Weg zur Anerkennung als Weltreligion versperrt, scheint gleichgültig zu sein. Man behält das Wort bei und — sondert sich ab und sperrt sich ein und kann sich in neuen Experimenten zur Erhaltung der „Eigenart" gar nicht genug tun und gar nicht genug betonen, wie das „höchste" Werk des Juden nur das sein kann, das dem Juden dient. Man weiß, was gemeint ist und begreift es, wenn solche Gedankengänge von den grundsätzlich „eigenartig" eingestellten Juden kommen. Aber sie kommen eben auch von liberaler Seite, bis in die jüngste Gegenwart hinein. Es ist doch nur ein „Golus", in dem wir hier leben, und ohne Hebräisch ist kein Judentum und kein Gottesdienst möglich. Bor allem aber wird bie^ Frage aufgeworfen, und damit sind wir bei den innerjüdischen Mißverständnissen und Unklarheiten, ja ganz schwerwiegenden Folgen, wodurch sind wir denn jüdisch, wenn nicht durch Absonderung, Partikularismus, Formen und Bräuche. Es kann niemand verwehrt sein, diesen Liberalismus zu predigen, keinem alten, keinem jungen Liberalen. Beowunderlich ist nur eines: daß dieser Liberalismus der Einschränkung und „Eigenart" aus die Stimmen überhaupt nicht hört, die doch auch aus jungen Kreisen und auch bis heute und auch aus älteren Kreisen vernehmbar sind und die Wurzel des Uebels ganz anders sehen und ganz andere Wünsche Vorträgen. Sie haben offenbar sein Lebensrecht, sie find unbequeme Mahner, für sie braucht man nicht da zu sein. Ihr seid liberal, aber ihr seid unbefriedigt, ihr seid andersreligiös — lernt hebräisch, sondert euch ab, bau/ Palästina, bewundert das Nationaljudentum, haltet die Bräuche, aber möglichst die alten, seid vorsichtig mit Neuerungen, nehmt Rücksicht, Rücksicht, Rücksicht, gefährdet nicht die Einheit: das sind die Antworten, mit denen diese im tiefsten — wirklich im tiefsten Unbefriedigten liberal abgespeist werden. Und all das erhält seine letzte Begründung damit, daß wir in dieser Zeit des jüdischen'„Zerfalls" und des „Aussterbens" uns nur durch vartikularistische Einstetluna retten können. Und, lehrt die liberale Thora weiter, was ist denn ohnehin noch jüdisch an uns, wenn wir Nicht so „eigenartig" denken? Religion, Religiosität — die haben doch Millionen andere Menschen auch. Ethik? Tie haben wir doch mit allen gemeinsam? Wollen wir denn bloß „Menschen" sein und nicht auch Juden? Also ist es doch der Partikularismus, der an die erste, der Universalismus, der an die zweite mrd dritte Stelle gehört und vielleicht noch weiter nach hinten. Noch einmal, niemandem kann ein Liberalismus dieser Art verwehrt sein, jeder muß das Recht haben, seine Ansichten revidieren zu können, besonders wenn er so etwaige Fehler und Sünden früherer Zeit glaubt gutmachen zu können. Nur muß er nicht erwarten können, daß er damit jedem Liberalen, alt oder jung, die Befriedigung verschafft, das Judentum wiedergibt, Zukunstsglaube und -Religiosität. Wenn Liberalismus auf dem Grundsatz beruht, daß man Autoritäten nur freiwillig zustimmen soll und nicht gemäß. Ueberredung, daß. man sich sein Judentum erarbeiten soll und nicht als fertiges System geschenkt erhalten, dann wird man ja ohnehin nicht erwarten können, daß man für jedermann das Heilmittel in Bereitschaft hat. Und in der Tat kann es gegen diesen liberalen Partikularismus nur stärkste Auflehnung geben, nicht um des Kampfes, sondern des Judentums willen. Was das eigentlich Jüdische an uns ist? Unsere Eigenart? Das beantworten wir dahin: daß wir Juden sind mit Religiosität und Ethik. Tas steht uns immler noch in erster Reihe und soll weiter da stehen. Andere sind auch religiös? Andere haben auch Ethik? Was kümmert mich das in diesen: Zusammenhang? Ich gönne es anderen und freue mich mit ihnen, aber ebenso freue ich michdaß. ich auch als Jude Religiosität und Ethik besitze. Und von ihnen zu reden, als Jude davon zu reden, der ganzen Welt davon zu künden, das ist der einzige Partikularismus, den ich nötig habe und den ich gelten lasse. Und so schwer und so stolz und so. begeistert trage ich an dieser „Last" und so unendlich viel verlangt sie von mir, und so viel „Bindung" liegt darin und so viel „Gesetz", daß ich nicht weiß, wo die Arbeit anheben soll. Tenn auch das soll nicht und darf,nicht im Dunkel verschwinden und darf Kein bloßer Wortschwall sein, gut genug st'ir Deklamationen, daß das Judentum eine Religion ist, daß wir, heißt das, nur deshalb da \u\b, damit wir für die Welt da sein können. Nur dazu sotten wir Partikularisten, d. b. Juden sein, damit die Welt dzurch uns gerettet und erlöst werde, ob sie will oder nicht, direkt und indirekt. Nur freilich nicht mit Gewalt, nicht durch Worte allein, nicht durch Hebräisch allein, nicht durch „das" Werk allein, nicht durch „ein" Land allein, nicht durch immer neue Experimente zur Abschließung und zur Einsperrung, zur Ausbildung unserer „Eigenart" — aber dadurch, daß wir mit stürmischer Kraft uns in die Arbeit der Welt werfen, jüdische Religiosität, jüdische Ethik, jüdische Gerechtigkeit, jüdische Liebe, jüdischen Sozialismus, jüdische Freiheit, jüdische Geist- und Persöulichleitsschätzung, mit einem Wort, jüdische Frömmigkeit dort zur Verwirklichung bringen, in jeden: Land, nr jeder Sprache, durch jedes Werk. Wir verstehen noch immer den Widerspruch nicht, daß man Ideen, die eine Welt beglücken sollen, durch äußere Grenzpfähle allein in ihrer Kraft und Reinheit und Schönheit und Würde erhalten kann, ja muß. Ideen und Menschen, die dem -Stuvn: der Assimilationsgesahr nicht widerstehen können, tragen das Zeichen ihrer Untergangsreife an der Stirn. Nick» weil das Judentum doch wohl das Gegenteil bewiesen, jüdische Religiosität und Ethik ihre Anhänger durch die Zeiten getragen, sie und nur sie, deshalb sind sie es für uns, in denen allein jüdischer Partilularismus erblickt werden soll. Und lebte jemand nur ihnen allein und beglückte die Welt nur damit, im Bewußtsein seines Judeseins — er wäre Jude, wäre der eoeiste und vollkommenste Partilülacist. Und die Formen und Bräuche? Gottesdienst und hebräsche Sprache? Ost genug ist betont und auch durch die Praxis bewiesen worden, daß. sie niemand ausrotteu, daß sie höchstens mngciomt, ausgewählt, erneuert werden sollen, Nur davon wollen wir nichts hören und dagegen wehren wir uns, das Schauspiel wollen wir der Welt nicht bieten, so das Wort von der Weltreligioi: nicht widerlegen, so unsere Kultursähigkeit nicht beweisen und nicht selber erläutern, das-! wir in ihnen, den Formen und Bräuchen unseren Partikularismus sehen, ohne sie den Untergangs des Judentums Voraussagen, vor allen: ohne hebräische Sprache. Jeoer bediene sich dieser Formen und dieser Sprachje, so weit er will, so wenig er will, aber keiner mache doch, sein Judentum so traurig und so betrüblich klein, daß er jene Tinge an erste Stelle setzt, ihnen einen Sjelbstwert znertännt, eine unumgängliche Notwendigkeit in ihnen erblickt zur Erhaltung der „Eigenart". Noch einmal — die Eigenart heißt Religiosität, Heist Ethik. Und nur soweit und nur weil alles äußere „eigenartige" Wesen jene beiden Großen — Religiosität und Ethik — auch in solchen Formmomenten, von denen der eine mehr, der andere weniger braucht, an und in uns vorüberhuschen läßt, benötigen wir sie, wollen wir sie, grüßen wir sie. Aber wie gering, wie zweresen- und schattenhaft erscheinen und sind sie gegenüber schon einer sozialen Tat. geschweige einem Leben voll zahttöser Taten, geboren aus' wahrhaftem Partikutarismus —'jüdischer Religiosität, jüdischer Ethik. Es gilt durchaus, daß alle, die solchem Liberalismus huldigen, ihre Ausgabe immer wieder erfassen, sich laut Nachdenkliches zu den kommenden jüdischen Gemeindewahlen Im vorigen Jahr erhielt erstmalig von der Berliner Jüdischen Gemeinde die „Hebräische Schulorganisation in Polen, Tarbut" eine Subvention von 1000 M. Damals wurde hier beanstandet, daß gerade in dem Zeitpunkt, in dem die Berliner Jüdische Gemeinde wesentliche Ersparnismaßnahmen durchzusühren gezwungen ist. und die Anforderungen, Die an das Wohlfahrtsamt gestellt weroen, nicht erfüllen kann, eine Subvention für das Schulwesen in Polen bewilligt wird. Wir bezweifelten, daß es zulässig ist, Steuergeldec der Berliner Jüdischen Gemeinden für derartige Zwecke zu verwenden. Nunmehr hat dieses hebräische zionistische Schulwerl in Polen für das jetzige Jahr eine Beihilfe von 6000 RM. erbeten, uno der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat die Repräsentantenversammlung ersucht, wiederum eine Beihilfe von 1000 RM. zu bewilligen. Da darf vielleicht die Frage besonderes Interesse beanspruchen, woraus denn die Geldnot des zionistischen Schulwesens zurückzuführen ist. Als authentische Antwort zitieren wir aus der neuesten Nummer der Zeitschrift oes Verbandes ost'üdischer Organisationen „Jüdische Welt" vom 16. Juli 1930 aus einem Artikel „Tas polnische Judentum und der Palästina-Ambau" des bekannten Zionist ensührers und polnischen Sejm-Abgeordneten Jiz-- chak Grünbaum in Warschau. In diesem Artikel heißt es: ..Wir in Polen nehmen uns säst vom Munde cveq, um sür den Palästinaausbau bciznstcucrn. Mit einem Teile dieses Geldes hätten wir viel auf dem Gebiete unserer Erziehungs- und Kulturarbeit machen können — und wir machen cs nicht. Und wenn Zionisten dieser oder jener Stadt sich an uns mit der Bitte wenden) ihnen vom Gelbe des K. H. I. eine Summe zu bestimmen, damit sie das Defizit ihrer Tarbut^Schule decken können, sagen wir einfach Nein! Und wenn sie uns dann überzeugend klarmachen, dag sie nicht genug Geld für beide Zwecke erreichen können und bei Nichterfüllung ihrer Forderung mit Baratt der Sammlungen sür den K. H. I. drohen, bleiben wir ..arausam", obwohl es uns klar genug ist, daß wir bald Nach'ichKn über einen Lehrcrstreik in der Tarbut-Schule bekommen werden, oder daß ihre Schließung in kurzem erfolgen wird. Möge das obige Beispiel als Jüuft'ation unserer Lage dienen. Mir scheint, Aast weder in Amerika "och in Deutschland der Fall möglich wäre, daß die dortigen Iud^n von der Erhaltung einer dortigen Institution Abstand nehmen, nm das Geld für Palästina zu spenden. Bei uns aber nimmt di"'- Sammelarbcit den absolut ersten Platz ein." Nach dieser Lektüre wissen hiOwenigstens, warum die Berliner Jüdische Gemeinde zionistische Schulwerk in Polen unterstützen muß. Tie Wahlen zu den iüdiscb.'n ">meindelörperschlaften, die am 30. November 1930 in Preußen stattfinden werden, müssen zeigen, ob mit de'~ Bewilligungsmethoden endgültig gebrochen werden wi s S-'e müssen zur Folge haben, daß wieder die ganze S ' lt zugewendet wird den Nöten des deutsche,; identums! und deutlich zu ihm bekennen und mit ihm Menschenseelen zu gewinnen suchen, jüdische und nichtjüdifche. Eine oftgehörte Mahnung verlangt, nicht immer das Trennende zu betonen, sondern das Einigende. Wir unterschreiben das durchaus. Aber es gibt auch Zeiten, wo es nötig ist, das Trennende hervorzuheben, nicht um zum Kampf zu rufen gegen den anderen, aber zum Kamps für die eigene Sache, nicht um gegen die andern zu sammeln, sondern sich selber zu sammeln und seinesgleichen, nicht um den Frieden irgend jemandes zu stören, aber um den Frieden dev eigenen jüdischen Seele sicherzustellen und den Frieder, per gleichgestimmten. Amschau Tagung der Reichsarbeitsgemeinschast der jüdischen Landesverbände. (Amtlich.) Tie Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände trat am Sonntag, den 13. Juli 1930, nach halbjähriger Pause in Berlin zu einer Beratung zusammen. Den Vorsitz, führte der Präsident des Preußischen Landesvcrbanoes, Kammevgerichtsrat Leo Wolfs. Die Versammlung war sehc gut besucht, insbesondere hatten auch die süddeutschen Landesverbände Vertreter in größerer Anzahl entsandt. Zur Sprache kam eine Reihe von Gegenständen, die über den Bezirk eines einzelnen Landes hinaus für die Gesamtheit der deutschen Juden von Wichtigkeit sind. Tie Bedeutung der Tagung lag. wie von den: Vorsitzenden betont wurde, weniger in der Formulierung von bestimmten Beschlüssen als darin, oaß durch die persönliche Berührung der in den einzelnen Verbänden an leitenden und verantwortlichen Stetten stehenden Männer und durch den Austausch! der gegenseitigen Meinungen und Erfahrungen eine Grundlage sür ein einheitliches Vorgehen gewonnen wurde. Tie Versammlung beschäftigte sich zunächst mit der schweren Lage, die durch die allgemeine in Deutschland und besonders unter den Juden herrschiende wirtschaftliche Not geschaffen worden ist. Es wurde im Anschluss an die von der Tagung des Preußisch,m Landesverbandes Ende März d. I. gefaßten Beschlüsse in Aussicht genommen, daß ans allen Teilen Deutschlands dem bereits gebildeten Ausschüsse die vorhandenen Unterlagen zugcführt werden sotten, und daß dann unter Zuziehung süddeutscher Vertreter in einer gemeinsamen Sitzung endgültig über die Einberufung der geplanten allgemeinen Wirtschaftslönserenz entschieden lverden soll. Aus dieser ist besonders auch die Gründung von Bezirlsdarlehenskässen ins Auge zu fassen. Tic Vorarbeiten zu: Bildung einer Gesamtorganisation der deutschen Juden, die von allen Seiten als Dringendnotwendig bezeichnet wurde, sollen in der Weise ausgenommen werden, daß zunächst durch den von dem Preußischen Landesverband bereits eingesetzten Ausschuß ein neuer Versasft-ngsentwurs ausgearbcjtet, und daß dieser alsdann einem größeren Kreise von Beauftragten aller Landesverbände vorgelegt wird, der prüfen sott, ob für seine Annahme bei den zuständigen Stellen begründete Aussicht besteht. Es soll unter allen Umstünden vermieden werden, daß der neue Versucht, die deutschen Juden in einen Reichsverband zusarnmenzusässen, wiederum durch unvorhergesehenen Widerspruch maßgebender Stellen zum Scheitern gebracht wird. Als eine weitere sür das gesamte deutsche Judentum äußerst bedeutungsvolle Frage wurde angesichts der ständigen Abnahme der jüdischen Bevölkerung die Durchführung einer zweckmäßigen Bevötterungspolitik bezeichnet. Tie Schwierigkeiten, durch geeignete Maßnahmen eine Besserung herbeizusühren, wurden nicht verkannt. Es wurde den am 24. Februar 1929 durch die von dem Preußischen Landesverband einberufene bevölkerungspolitische Konferenz gefaßten Beschlüssen grundsätzlich zugcstimmt und ihre Verwirklichung in die Wege geleitet. Tie äußerst mißlichen Verhältnisse in den kleinen Landesverbänden, die zum Teil nur eine geringe Zahl Sechen umfassen und deshalb kaum als leistungsfähig angesehen werden können, wurde russ neue besprochen. Es wird erforderlich sein, daß mehrere kleine Verbände sich zusammentun oder Anlehnung au einen der großen Verbände suchen, hie bereit sind, nach ihren besten Kräften dazu beizutragen, das jüdische Leben auch in den kleinen deutschen Ländern zu erhalten und zu stärken. Tie Versammlung beschäftigte sich noch mit einer Reihe weiterer Angelegenheiten, von denen insbesondere die Frage einer wirksamen Unterstützung des jür die Ausbildung konservativer Lehrer unentbehrlichen Seminars in Würzburg hervorgehoben sei. Dieses ist als Reichsanstalt anzusehen; seine Erhaltung liegt daher atten Landesverbänden ob. Tie Vertretung der Landesverbände auf dem Ende August in Berlin zusammentretenden Kongreß des Weltverbandes Schomre Schabbos wurde als wünschenswert bezeichnet. Als Vertreter der Reichsarbeitsgemeinschast in dem Kuratorium, welches unter Führung der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Verwaltung der bisher dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gehörenden Fürsorgeanstalten sich gebildet hat, wurde Kammergerichtsrat Wolft gewählt. Kol Nidre und Hatikwah in das neue amerikanische Reform gebetbnch wieder aufgenommen. Tie Zentral-Konferenz der amerikanischen Rabbiner (Reformrabbiner) f>at mit 64 gegen 58 Stimmen beschlossen, das Kol Nidre in das neue Resormgebetbuch wieder aufzunehmen. Ferner ist beschlossen worben, die Hätnwah neu hereinzunehmen. Tier Beschluss!, Kol Nidre in die Reformlithnrgie wieder einzusühren. erstreckt sich jedoch! bloß auf die traditionelle Melodie und die ersten beiden Worte des Textes. Rabbä Nathan Erom vom, New Parker Temple Emanuel sägte in der Diskussion, für die Wiederaufnahme des Kol Nidre Partei nehmend: Wir sind schon über den Standpunkt des orthodoxen Gebetes hinausgekommen. Nach oen ersten beiden traditionellen Worten sott das Kol Nidre-Gebet neu ergänzt -werden durch Sätze aus den Psalmen, oder man sottte Bialik bitten, dass, er mit den alten ersten beiden Worten einen neuen Text schreibt. Rabb: David Philipson widersetzte sich der Wiederaufnahme

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.