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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-07-23 · 30 (23.7.1930) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
30 (23.7.1930)
Date
1930-07-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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* Sprechsaal : * x Für diese Rubrik überuimmt die Schriftleitung lediglich die preß« gesekliche Verantwortung. „Gemeinschaftsaufgaben" Bon George Goetz. T-utzch die jüdische Presse geht ein Aussatz des Herr» Justizrat Tr. Blau (Frankfurt a. M.). der die Ueberschrist „Jewish Agency und Gemeinden" trägt; der bekannte Vorkämpfer der Jewish Agency setzt sich in diesem Artikel dafür ein, daß die Gemeinden — ungeachtet der eigenen großen sozialen Lasten und der finanziellen Schwierigkeiten — in ihren Etats unter dem Titel „GemeinschaftsauMben" Gelder für die Jewish Agency auswersen. Es wird niemanden gkben, der Herrn Tr. Blau verwehren wollte, seine Meinung öffentliche zu vertreten. Aber man wird verlangen dürfen, daß die Argumentation dann hieb- und stichfest ist. Es soll dabei abgesehen werden von weltanschaulichen Tingcn; z. B. darüber, „daß. Palästina nie aufgehört hat, das Land ihrer Sehnsucht zu sein", gibt es keine Argumentationen, soirdern nur ein Ja dort und ein Nein hier; uns ist Palästina das Land unserer religiösen Werdezeit, unsere Sehnsucht aber gilt der Judentums-VerwiMichung in aller Welt, in den Ländern unserer Wirklichkeit, in unserer Heimat. — Tarüber mögen andere anders denken, wir werden sie zu überzeugen versuchen, aber solange wir sie nicht bekehrt haben, werden wir ihnen erlauben müssen, uns von ihrer Sehnsucht zu sprechen. — Was wir jedoch« als unstatthaft empfinden, ist eine Begründung, die mit offensichtlich objektiven Unrichtigkeiten arbeitet. Bon den östlichen Glaubensgenossen wird gesprochen, denen „ihr Geburtsland selbst cm Almmerliches Leben nicht zu verschaffen gewillt oder imstande ich', und es heißt dann weiter: „Wenn nun jetzt vielen dieser Aermsten sich ein Land zeigt, in dem 'sie mit Hilfe ihrer bessergestcllten Glaubensörüder sich produktiv betätigen, ungestört leben und sich indisch ausleben können, ... so haben die deutsch-jüdischen Gemeinden als solche die Psticht, eine ... Summe dem Fonds zuzusühren. der als Finanzinstrument für das Siedlungswerk in Palästina geschaffen worden ich'. — Ungestört könnten die Juden dort leben, wo wegen blutiger Unruhen und völliger Unsicherheit gerade jetzt die Einwanderung gesperrt wurde! Freilich hält man auch diese Sperrung für einen Verstoß gegen verbriefte Rechte; — aber von „ungestörtem Leben" sprechen, und solche Artikel beifällig lesen, sie in der Presse zirkulieren lassen. nur weil der Autor einen gewissen Ruf hat, — -- was würde man denn machen, wenn z. B. jemand die gute Sache der Emanzipation mit einer ähnlich schlechten Begründung vertreten wollte, etwa damit, daß die Könige von Spanien und die Zaren von Rußland önänntlich dem jüdischen Glauben angehört haben?! — Wir wollen ehrlich mit unfern Gegnern diskutieren, aber wir müssen es uns verbitten, daß offenbar Unrichtiges gesagt wird. Denn: gerade, daß. die Juden in Palästina nicht ungestört leben können, ist ja ein Grund dafür, daß. wir ihr Heimatrecht, ihr Existenzrecht in ihren Geburtsländern fordern; gegenüber zionistischer „Sehnsucht" die Realpolitik der Emanzipation. Tie Utopie des Zionismus mußte Unglück bringen und hat das weltgeschichtliche Unglück der Juden gerade im letzten Jahre grauenhaft vermehrt. Tiefer Wahrheit sollte man ms Gesicht sehen und die klaren Folgerungen daraus ziehen, anstatt daß. man sich durch unstatthafte Propaganda mitschuldig macht. „Täs Mißlingen des Werkes ... muß der Gesamtjudenheit zur Unehre gereichen", schreibt Tr. Blau. Gewisse aber in dem «inne, in dem Brunner in seinem neuen Buche schreibt: „Tie Zeche des Zionismus wird die gesamte Judenheit zu zahlen haben." Will man also Gelder für „Gemeinschaftsaufgaben" in die Etats der Gemeinden ansnehmen, dann sur die Organisationen, die der Emanzipation der Juden in allen ihren Heimatländern dienen, damit wir, nicht auf Grund einer „Sehnsucht", sondern auf Grund eines politischen Rechtes überall „ungestört leben" können. Es gibt keine gesamtjüdische „Gemeinschastsaufgabe", äks ganz allein die Emanzipation. An unsere Freunde und Leser! Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ ist die Zeitung einer durch Gesinnungsgemeinschaft verbundenen Leserschaft. Damit ist ein besonders günstiger Boden für die Wirksamkeit der sogenannten „Kleinen Anzeigen“ geschaffen. Um unseren Freunden und Lesern Gelegenheit zu geben, sich hiervon selbst zu überzeugen, werden wir im Monat Juli kostenlos „Kleine Anzeigen“ bis zu 10 Worten einchliesslich 2 er Ueberschriftsworte aufnehmen.— Und nun: Ueberzeugen Sie sich! Senden Sie uns bis jeweils spätestens Montag im Juli Ihre „Kleine Anzeige“ ein. — Und denken Sie im übrigen auch daran, dass die Jüdisch-liberale Zeitung das Blatt ist, in das Ihre Familien - Anzeigen (auch diese zu massigen Preisen) gehören. Gutschein! Ausschneiden! Gültig für eine Kleine Anzeige in einer der Juli-Ausgaben „Jüdisch-liberalen Zeitung“ gemäss obenstehender Erläuterung Annahmeschluss für Anzeigen ist am Montag der Woche, in der die Anzeige erscheinen soH Kindergärtnerin und Hortnerin sucht Stell ung in Kinderheim oder Hort. Angebote unter K. 8. Breslau ' an die Expedition ds. Blattes. Kurfürstendamm Bahnhof Charlottenburg, Korn- 1 fortzimmer, Balkon, beste Ver- 1 pflegung. 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