Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 28 (9.7.1930)
- Date
- 1930-07-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Für den Verwaltung-, vorsianö erfiniiCiO der Generalsekretär Tr. Israel Auerbach den Rccheuschailsberichi. Das Finanzjabr 1929 >var ein schwierige?. Die Herstellung der Druckwerke, insbesondere der Statistik und dcr Mendelssohn Ausgabe, erforderte große Mittel. Die Ausgaben haben deshalb gegen das Borjahr eine erhebliche Steigerung erfahren, mit denen die Einnahme» trotz bcdeulcndcr Spenden, infolge der Wirtschaftskrise, nicht Schritt halten konnten. Die Entivicklung des Akademie Berlages ist eine langsam aufstrigende. Wenig erfreulich war der finanzielle Stand der Hermann Eohen Stiftung. Es bleibt zu hoffen, daß die Hilfsbereitschaft der Judenhcit sich der Akademie in stärkerem Maße zuwcndct, damit das für ihren Fortbestand unentbehrliche .Htultnrmcrt dauern und weiter wirken kann. Dem Perwallungsvorstand ivurdc Entlastnug erteilt. Ter Etat für 1930 in Höhe von Mk. 170 000 in Einnahmen und Ausgabe» wurde Lenchmigt. In den Ausschuß wurde Herr Sally Bradt, dcr Bruder des Begründers der Akademie, hinzugewählt. Nach Erledigung des «geschäftlichen Teiles hielt Tr. Ernst Simon, Jerusalem, einen Vortrag über „Franz Roscnziveig und das jüdische Bildungsproblem". Breslau. (Sitzung der G f m e l n d e v e r l r e l II II g.) Tie Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer fast vierstündigen lehren Sitzung vor dcr Sommerpause am 2. d. Mts. fast ausschließlich mit der Interpellation der zionistischen Fraktion über „Wirlschaflsnol". Nachdem ein Antrag, die Interpellation in geheimer Sitzung zu de sprechen, weil sonst leicht Schaden entstehen könnte, aus Einspruch der zionistischen Fraktion stillschweigend fallen gelassen worden >var, er stattete Gcmeiudevertrctcr Nothmann ei» umfangreiches Rcscrat, in dessen Eingang er betonte, daß es sich bei ihm heute um keine, ganz, präzisen Vorschläge handele, sondern nm solche, die in der Zukunft zum Ziele führen könnten, zur Behebung oder wenigstens zur Lin derung der Wirtschaftsnot. Was Rechtsanwalt Nothmann dann ans. führte, war den Lesern der „Indisch liberalen Zeitung" und der Mai-Nummer der „Jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" absolut nichts Neues. Er rieb sich dann auch kräftig an den Wohda schen Ausführungen zu diesem Thema. Vom Vorstanbstische führte Frau Paula Lllendorff aus, daß schon alles versucht worden wäre, daß es jetzt aber darauf ankäme, sofortige Hilfe zu bringen. Ein Notstandsansschuß sollte sich zusammcnschlirßen, um eine Notstandsaktion ins Leben zu rufen. Alle verfügbaren Mittel müßten in der Gemeinde belassen werden. Eine neue Altersversorgung müßtte für die ailerärmstcn Mitbürger geschaffen werden. An kleinen Wohnmngen fehle es besonders. Tic Ausführungen der einzelnen Tebatlxredner beschäftigten sich immer nur mit Teilproblemcn. Ter kom servative Gemeindevcrtreter Tr. Schlesinger verlangte auch konkrete Vorschläge für die Gegenwart. Bemerkenswert waren seine an die Zionisten gerichteten Worte, jetzt nur soviel zum 'Aufbauwerk nach Palästina za schicken, wie dort unbedingt notwendig märe, die übrigen Mittel aber im Lande zu lassen. Schließlich gelangten die Nothmannschcn und die OllendorZsschcn Vorschläge zur Annahme. Die Versammlung stellte außerdem einen erheblichen Betrag der Mittelstandshilsc für Tarlchen zur Verfügung. Frankfurt fl. SW. (Sitzung dcr G e m c i n d c v c r t r e t u n g.) Die Gemeindevertretung nahm in der Sitzung vom 2. Juli Stellung zu den Vorstandsbeschlüsseu über den Etat. Eine Anfrage des Herrn Dr. Wolf (lib.) gab Anlaß zu einer grundsätzlichen Ans-' spräche über die Bedeutung der Protokolle und ihrer Ausfertigung dwrch den Vorsitzeirden. Ohne daß eS zu einer Beschlußfassung kam, wurde von Seiten des Vorsitzenden mit Klarheit fcstgcstellt, daß die Genehmigung der Gemeindevertretung erforderlich ist. Von den zum Etat bewilligten Subventionen hatte der Vorstand einige herabgesetzt. Tic herabgesetzten Beträge wurden von der Gemeindevertretung genehmigt. Bon einem Beschluß des Vorstandes betreffend Ersparungen im Philantropin ivurdc Kenntnis genommen. Tie Ueber lassung von Räumen im Hause Gervinusstraße an den Minjan- Berein gab der liberalen und volksparteilichen Fraktion Anlaß zur Feststellung, daß hier ausdrückliche Beschlüsse der Gemeindevertretung verletzt feien, nach denen das Haus Gervinusstraße für Ausgaben der Gemeindeverwaltung sreigehalben bleiben solle, was durch die Einrichtung eines Betsaales verhindert werde. Im übrigen wurde ein Nachtragskredit für das Krankenhaus in Höhe von RM. 1000 bewilligt. Köln. (Aus der Repräsentanz.) In der letzten Re vräicntantcnvcrsammlnng wurden die drei turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Karl Kaiser Blüth, Falkcnstcin und Schnelling ivicdecgewählt. Ins Wohlfahrtsamt dcr Synagoge,igemeinde wurden die Repräsentanten Konsul .Herzbcrg, L. Klein und Bader gewählt. Köln. (Tic Z u i! ahme dcr Selb st in o r d e.) In den letzten Wochen sind eine größere Anzahl von Selbstmorden in jüdischen Kreisen Kölns vorgekommen. Sotvohl im Wohlfahrlsamr als auch in der Gcmciwdeverwaltung hat man sich deshalb veranlaßt gesehen, diese bedauerliche Erscheinung zum Gegenstand von ein gehenden Aussprachen zu machen. Man >var sich darüber klar, daß die Selbstmorde eine Folge dcr ivirtschaftlichen Notlage seien, und daß es außerordentlich schwierig sei, wirksame Abhilse zu schassen. Man faßte die Einrichtung von Kredittasse» und von Beratungsstellen ins Auge, tvobei man sich nicht verhehlte, daß mit Rat lvenig gcholseu lvcrde, wenn nicht zugleich die Tat folgen könne. In diesem Zusammenhang nahm der Vorsitzende des Wohlfahrtsamtes und das Mitglied der Gemeindeverwaltung, Herr Karl Kaiser Blüth, wieder die von ihm seinerzeit gegebene Anregung zur Schaffung eines ,G e in e i n d e b l a t t s auf. sügcn. (P c r i ö » 1 i ch c S.) Nach 3.9 jährigem öffentliche» Votksschuldienst ist Lehrer S. Grünewald in den Ruhestand getreten. Während des Krieges übernahm der nun aus dem Amt Scheidende eine evangelische Volksschulklasse und blieb im städtischen Schuldienst bis zu der vor kurzem ausgesprochenen Pensionierung. Bei der Behörde, den Amtsgcnosscn und der Bürgerschaft genoß Lehrer Grüncivald, dcr zugleich Lehrer, Vorbeter und Prediger der jüdischen Gemeinde war, hohes Ansehen. Am deutlichsten kam dies bei der Abschieds feier zum Ausdruck, die ihm anläßlich der Pensionierung bereiter tvurde. 'Auch nach der Befreiung vom össcntlichen Schuldienst ivird .Herr Grünewald die Funktionen des Kultusbeamtcn weiter verwalten. Stuttgart. (S i tz u n g d c s B o r st e h c r a m t t s.) Ter Etat für das Rechnungsjahr 1930 ivurdc vom Plenum gebilligt. An Einnahmen sind 30 619 Mark zu verzeichnen, denen 183 019 Mark Ausgaben gcgrnübersteheir. Ter Fehlbetrag von 10 190 Mark ivird auf die Geniel »deninlage umgerechnel, dann käme noch die Landesumlagc dazu. Tic Jugcndabtcitung ist sehr eifrig an der Arbeit. Es ist ihr gelungen, die ganze jüoisckn Jugend Siuttgarrs, die den einzelnen Vereinen angehört (Kameraden, Bertold Auerbach Verein, Agudas usw.), in einem Iugcndring zusammenzuschließen. Um dieser Jugend jetzt auch ein wirkliches Heim bieten zu können, wünscht die Jugend abteiinng ein eigenes .Hans. In der heutigen Zeit ist an Bauen nickst zu denken, doch ivcrden Mk. 3000 gefordert, die das Mieten und Herrichten einer Sicben-Zimmenvohnung ermöglichen, um auch dem Kind>ergarleii, Kinderhort, Mädchenklub Aufenchatrsräume zu schassen. Das Vorstehern,»! sieht in der Arbeit an der Jugend eine seiner wirb trgsicn Aufgaben und bewilligte die Summe von Mk. 3000 für das Rechnungsjahr 1030. Sehr lebhaft und unerquicklich war die Tis kussion, die ein Antrag Eisinzer, das Tallistragcn auch ivährend des ganzen Gottesdienstes zu gestatten, hcrvorrief. Herr Tr. Flegen heimcr, zlvcitcr Vorsitzender, Vertreter der liberalen Richtung, warnte eindringlich und erklärte mit klaren Worten, daß diese Erweiterung des vor kurzem gefaßten Beschlusses in der Tallissrage von neuem großen Sturm dcr Aufregung in die Gemeinde hineinbringen würde. Wenn diesem Antrag statlgegcdcu würde, könne man sich gefaßt machen, daß die Gegner des Tallistragens sofort mit ihren Forderungcn, als da sind, Tragen des Hutes im Got'tcshause, Sonntagstgottesdienst, wieder auftretcn würden. Ter damalige Beschluß sei doch ein Kompromiß gewesen, um jedem Gemeindemitglicd Freude am Besuch des Gotteshauses zu ermöglichen. Einzelne Gemeindevorsteher wandten dagegen ein, daß sie sich von der Unhaltbarkcil des damals gefaßten Beschusses überzeugt hätten und den Mut hätten, zuzugebeu, daß der Beschluß damals lächerlich war. Es wurde abgestimmt und das Tragen des Tallis von sechs Stimmen gefordert, vier waren dagegen, zwei enthiclticn sich des Stimmrechts. Ter Beschluß ist somit rechtskräftig geworden. Es ist jedoch damit zu rechnen, daß Protest dagegen eingelegt wird. Tas Vorstandsmitglied Herr Kiese legte sofort Beschwerde ein. UttltO. (ßubiiäunt des Altersheims.) Am 9. Juli konnte das Israelitische Altersheim in Unna sein 25 jähriges Bestehen feiern. Im Aufträge des Vorstandes erschien aus diesem Anlaß eine von Rabbiner Tr. Samuel-Essen verfaßte Fcsischrist, die einen interessanten Ucderblick über die Anstaltsgeschichte enthält. Aus Anlaß der Feier fand am 5. Juli in der Anstaltsshnagogc ein Festgotllesbienst statt, bei dem Rabbiner Dr. Samuel-Essen die Predigt hielt. Bei einer Festvcrsammlung am 6. Juli hielt die Festrede Rabbiner Dr. David-Bochum. ... j| * I Aus der Bewegung i- ★ § Elberfeld. (Vom jüdisch-liberalen G e m c i n d e v e r - c i n.) Ter jüdisch-liberale Gemeindeverein Elberfeld hat ein langes Interregnum hinter sich. Nachdem vor etwa 2 Jahren der Vorsitzende, des Vereins sein Amt'zur Verfügung gestellt hatte, fand sich niemand, der die mühevolle Arbeit eines Vercinsvorsitzenden übernehmen wollte. In dankenswerter Weife stellte sich zur Leitung der Geschäfte Herr Victor Fischel trotz seines hohen Alters als alter Vorkämpfer des Liberalismus in unserer Gemeinde zur Verfügung. Was trotz dieses Interregnums in der Hauptsache durch Herrn Fischel in den beiden letzten Jahren geleistet worden ist, ist anerkennenswert und ivird Herrn Fischel nie vergessen werden. Seiner nimmermüden Tätigkeit ist es ivohl in der Hauptsache zuzuschrciben, daß der Verein seine Arbeit niemals eingestellt hat, daß Vorträge, Versammlungen und Sitzungen stattsanden, welche den liberalen Gedairken ivachhiclten und iveitcrpslanzten. Wiederholt ist auch in den vergangenen Jahren die Jugend unserer Stadt ausgesordert rvordcn, an Vorträgen teilzunchmcn, und die gesamte indische Arbeitsgemeinschaft, d. h. ivohl etwa 30 junge Menschen mären zugegen, als der Delegierte unseres Vereins in dcr letzten Generalversammlung über die Tagung berichtete. In dieser letzten (Kencralversammlung stellte Herr Fischet sein Amt im Vorstand unseres Vereins endgültig zur Verfügung. Die neue Wahl für den Vorstand mürbe i» der Weise vorgenonunen, daß nur Wahl zum Vorstand ohne besondere Bezeichnung des Amtes erfolgte; die Verteilung der Aemtcr sollte in einer Borstandssitziing vorgenoin men werden. Diese Vorstaudssitzung hat nun vor menge» Tagen stattgcfunden, und die Aemtcr wurden in dieser Sitzung verteilt wie folgt: 1. Vorsitzender Herr.Hans Fischel, 2. Vorsitzender Herr Rabbiner Dr. Norden, Schriftführer Frau Hede Israel uud Herr Oberkantpr Zivi, Beisitzer die Herren Rcchtsanivälte Dr. Brück und Israel. Mit Bedauern wurde m dieser Sitzung davon Kenntnis genommen, daß Fräulein Laura schweizer ihres hohen Alters wegen ihr Amt als Kassiererin nicht mehr ansüben ivill. Die Wahl eines Kassierers tvird noch erfolgen. Nach Erledigung dieser organisatorischen Fragen beschäftigte sich dcr Vorstand mit der nunmehr zu leistenden Arbeit. Es tvurde besonders beschlossen, eine regere Werbetätigkeit als bisher zu entfalten, damit dcr Verein allmählich wieder zu der Blüte gelangt, welche er früher hatte, und ivelche ihm auch infolge dcr liberalen Einstellung der meisten Gemeindemitgliedcr zukommt. Diese Werbung soll auch auf den Ortsteil Barmen ausgedehnt werden, obgleich die Barmer Gemeinde, weiter für sich noch besteht. Die Großstadt Wuppertal ist nach wie vor in zivei Hrnptgemeinden, Elberfeld und Barmen, getrennt. Diese Trennung hindert nicht, daß die liberal Eingestellten sich zu gemeinsamer Arbeit zusammensinden. Vereinsnachrichten Maeeadi tort in Heringsdorf. Der bereits traditionell gewordene Boxkampf zwischen dem J.B.C. „Maceabi"-Berlin und dem Stettiner Borclub E. V.-Stettin steigt auch in diesem Jahre wieder in Heringsdorf. Zum fünften Male treffen die beiden Vereine dort aufeinander, und zwar dieses Mal am Sonntag, den 27. Juli 1930, nachmittags 49,9 Uhr, int Familienbad (bei Regen im Strandkasino). Stettin zeigt sich verbessert und dürste „Maccabi" es dieses Mal weniger leicht fallen, den Sieg an seine Farben zu heften. Jedenfalls darf mit sportlich guten Kämpfen gerechnet werden., da die Mannschaften beider Vereine ganz aus sich herausgehen werden, um die Ehre für ihren Verein zu retten. l Gl3UbOHS9eUOSSeil! Besucht die Jüdischen Gaststätten Verein Jüd. Hotelbesitzer u. Restaurateure e. V. Geht uns Familienflnzeigen! Herren- und Damenniitze in Synagoge Charlottenburg, Schulstraße Nähe Wilhelmplatz zu vermieten. Näheres Wilhelm 1682 bei A. 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Gültig für eine Kleine Anzeige in einer der Juli-Ausgaben der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ gemäss untenstehender Erläuterung Annahmeschluss iür Anzeigen ist am Montag der Woche, in der die Anzeige erscheinen soll An unsere Freunde und Leser! Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ ist die Zeitung einer durch Gesinnungsgemeinschaft verbundenen Leserschaft. Damit ist ein besonders günstiger Boden für die Wirksamkeit der sogenannten „Kleinen Anzeigen“ geschaffen. Um unseren Freunden und Lesern Gelegenheit zu geben, sich hiervon selbst zu überzeugen, werden wir im Monat Juli kostenlos „Kleine Anzeigen“ bis zu IO Worten einchliesslich 2 er Ueberschriftsworte aufnehmen.— Und nun: Ueberzeugen Sie sich! Senden Sie uns bis jeweils spätestens Montag im Juli Ihre „Kleine Anzeige“ ein. — Und denken Sie im übrigen auch daran, dass die Jüdisch-liberale Zeitung das Blatt ist, in das Ihre Familien - Anzeigen (auch diese zu massigen Preisen) gehören. Verlag: Vereinigung für daliberale Judentum t. 8., Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW.29. —Druck: Hermann Wegner & Co., Berlin-Mariendorf. 5514451