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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-07-02 · 27 (2.7.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
27 (2.7.1930)
Date
1930-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«halten werden. In bemerkenswerter Weise drücken Jidj die V< ziehungen der Hochschule zur jüdischen und zur wissenschaftlichen Oeffentlichkeit aus durch die Teilnahme an den Feiern in Berlin und in Dessau zum Mendelssohnjubiläum, sowie an' der Feier zum 76jährigen Bestehen des Jüdisch-theologischen Seminars in Breslau; mehr aber noch durch Berufungen der Dozenten zu Gast- und Austauschvorlesungen im In- und Ausland. Prof. Dr. Julius Guttanann hält von Februar bis Juni 1930 Vorlesungen über jüdische Religtonsphilosophie am Hebrctv Union College in Cincinnati; Rabb. Dr. Baeck hat aus Einladung der Evangelisch-Theologischen Fakultäten in Gießen und Marburg im. Januar dieses Jahres gut besuchte Vorlesungen gehalten. Als Prcisaufgabe über das Thema „Moses Mendelssohns Bibelübersetzung in ihrer literarischen und exegetischen Bedeutung" ist eine Bearbeitung von Frl. Dr. Ellen Littmann eingegangen und preisgekrönt worden; sür 1930 sind drei weitere Arbeite^ ans dem Gebiet der jüdischen Geschichte, der Bibelwissenschast und der Religionsphilosophie ausgeschrieben worden. Der Münsterialcrlaß, durch den die jüdische Religion als Prüfungsfach sür das höhere Lehramt zugelassen wird und die Hochschule als eine der dariir anerkannten Anstalten vor neue und wichtige Aufgaben stellt, ist in der Presse bereits eingehend erörtert worden. Ebenso ist das Anwachsen des theologischen Nachwuchses an den Seminaren Gegenstand regster öffentlicher Diskussion gewesen. Es hat sich zahlenmäßig so ansgewirkt, daß im Sommersemcster 1929 79 ordentliche und 21 außerordentliche, im Wintersemester 1929 30 gar 97 ordentliche und 16 außerordentliche Hörer zu verzeichnen waren, Es ist begreiflich, daß unter diesen Umständen die .Hörsäle oft nicht mehr ansrcichten und daß die starke Belastung der Dozenten und Beamten kaum noch erträglich ist. Tie Bibliothek der Hochschule hat durch Kauf und Schenkungen wiederum den nennenswerten Zuwachs von über 500 Büchern aus allen Gebieten jüdischen Wissens erfahren, Rechnungsbcricht und Bilanz geben über Bermögensstand und -Bewegung Aufschluß: Nur die eine Hälfte etwa der JahrcSausgaben konnte durch Zinsen und durch Beiträge von Landesverbänden und Gemeinden gedeckt werden; für die Deckung der anderen Hälfte war die Hochschule auf Beiträge der Mitglieder und auf Spenden angewiesen. Der Notgemeinschasr mit denr Breslauer Seminar konnte Oberkantor Davidsohn in mühevoller Werbearbeit etwa 32 000 Mark zuführen. Dennoch blieben infolge der zunehmenden Verschlechterung der Wirtschaftslage die Einnahmen der .Hochschule hinter den Ausgaben um mehr als 6000 Mark zurück, wodurch die JahreSrcchnung mit einem Fehlbetrag von 18 000 Mark abschließt. Die bereits erwähnte Arbeit von Dr. Albeck geht von dem Problem, der vormischnischen, außerrabbinischen Hallacha aus, wie sie uns im pseudopigraphischen Schrifttum vielfach vorlicgt, und untersucht es am Beispiel des „Buches der Jubiläen". Auf Grund eingehender Prüfung kommt Dr. Albeck zu dem Ergebnis, daß die .Halacha des Jubiläenbuchcs in keinem wesentlichen Punkte mit der pharisäischen Halacha übereinstimmt, dagegen viele Berührungspunkte mit der sektirischen ausweist. Standpunkt des Buches und Gesamtauffassung des Schriftwortes sind zivnsellos nicht pharisäisch; sein Verfasser war allerdings auch kein Sadduzäer, sondern ein Sektierer, der unabhäugig von der Tradition das Schristwort erklärte; dadurch berührt er sich häufig mit den Karäern. Dem Hcnochkrcise, der den Pharisäern fremd tvar, hat er nahe gestanden. In der Generalversammlung der Hochschule am 12. Juni 1930 wurde der Geschäftsbericht eutgegengenommen und dem Vorstand Entlastung erteilt. Die ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums wurden, wiedergewählt. In der daran anschließenden Sitzung des Kuratoriums bat der Vorsitzeitdc Justizrat Dr. Seligsohn, ihn mit Rücksicht auf sein hohes Alter nicht wiederzuwühlen. Au seine Stelle wurde Rechtsanwalt Dr. Heinrich Vcit-Snnon zum ersten Vorsitzenden gewählt. Bochum. (Silberhochzeit des 1. Vorsitzenden der Gemeinde 2t. Schöuewald.) Ter Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengcineinde, Dr. Siegmund Schöncwald, beging an der Seite seiner Gattin Frau Ottilie Schönewald, Mitglied des Landesverbandes, das Fest der silbernen Hochzeit. Groß war die Zahl der Gratulanten, die sich am Srmstag nach dem Morgengottesdienst, zu dem die Gemeinde besonders eingeladen hatte, einstellten. Vorstand und Repräscntantenvecsammlung, Verbände und Vereine überbrachten durch ihre Sprecher dem Silberpaar den Dank sür die rastlose, von hohem Idealismus getragene Arbeit, die beide Gatten gemeinsam bisher für das Judentum und für die Allgemeinheit geleistet haben. Mit diesem Dank verbanden sie die besten Wünsche für die Zukunft. Der Jüdische Frauenbund hatte seine Gründerin und 1. Vorsitzende anläßlich der Generalversammlung schon geehrt. Ansprachen und Aufführungen wechselten mit gesanglichen Darbietungen und Reigentänzen der Hortkinder ab. Die zahlreich erschienenen Frauen hatten sich hier zu einer schlichten, feierlichen Weihestunde vereinigt. Den zahlreichen Gratulanten schließen sich auch die Kreise des liberalen Judentums an, dem sich das Jubelpaar auf das Tiefste verbunden jveiß und dem es stets mit Rat und Tat zur Seite stand. Breslau. (Einladung.) §err Oberkantor Josef So rin nt nngeladen worden, als Gast im großen Tempel zu Stockholm Anfang September im Sabbatgottesdienst vorzubeten. Duisburg. (Von der Tagung des Vereins Israeli tusche/ Lehrer der Rhein Provinz und Westfalens, ^n Dmsburg fand die diesjährige Tagung am 10. und 11. Juni statt Die wird zu einem Marksteine in der Geschichte unseres Vereinwerden. Vor 70 Jahren schufen ernste Männer die Pensionskass unseres Vereins, welche die Alters- und Hinterdliebenenversorgung deren damals noch kein jüdrscher Lehrer teilhaftig war, Lbecnedmei solte. Sic hat jahrzehntelang segensreich gewirkt, Not gelindert un! Tränen getrocknet. Gründer und Epigonen hüteten sie mit Rech wie ein Heiligtum, das die Vereinsmitglieder schützend umlagerten Schon winkte sie Schutz ihren Beschützern; da kam der Krieg, vernlchtete die Jugend, machte Wohlstand schwinden, ließ mühsam er wordene Vermögen verfallen, der Witwen und Waisen letzter Trost Em Jahrzehnt mühten wir uns vergebens an dem Wicderaufba, unserer P.-K. — Schweren Herzens haben wir ihr in Duisburg dm Lerchenstein setzen müssen. Standesnot ließ sie einst erstehen, de Zeiten Not hieß sie untergehen. Der Geist aber, aus dem sie gebor« und emporgetragen worden war, wird alle Not überdauern. Er spracl zu uns aus den Ruinen. Hilfsbereit verzichteten in geordneten. Ver hältnissen Lebende auf ihr Erbe aus der Kasse zugunsten solche Anspruchsberechtigten, denen andere Einnahmequellen nicht fließen Ein Fonds würbe für eine Hilsskasse sichergestellt; so hat eigentlich nu die Form gewechselt. Schon geht ein neues Hilfswerk seiner Voll endung entgegen. Der wackere Kollege I. B. Levy in Frankfurt a. M. *** lieber Gast unter uns weilte, hat in Bad Ems ein Erholung^ und Altersheim für jüdische Lehrer und deren Hinterbliebene errichtet tvem wurde aus der Vereinskasse ein einmaliger Beitrag dafür über geoen und allen Kollegen die persönliche Unterstützung des edler empfohlen. — Die dargebotenen Vorträge fügte, srch prachtvoll rn den Rahmen ein. Die Eröffnungsrede unseres Vor sitzenden Katzensteln-stcele, die in Inhalt und Form gleich schön war l^e' Vorkommnis aus Schul-- und Bereinsleben im Be rrchtsjahre rm allgemeinen wie im besonderen übersah, schuf wohl tuende Stimmung. Aus der Reihe der nun folgenden Begrüßungs reden ser nur dre des Herrn Stadtschulrats Elschenbroich hervorge Hoben, dre Warme verbreitete und Begeisterung weckte. In dem sick anschließenden Vortrage des Kollegen Dr. Braun-Köln über Dw religröse Leben unserer Zeit und der Religionsunterricht" erreichte di Tagung ihren Höhepunkt. Mit atemloser Spannung wurden di Prachtvollen Ausführungen angehört, die uns eine Weihestunde be reiteten. In den tiefgründigen, einer Forscherarbeit gleichenden Dar bretungen trat naturgemäß die persönliche Einstellung des Referent« deutlich hervor. Anders gerichtete Zuhörer mochten über Eiuzelheiter anderer Auffassung sein, doch sah man von einer Aussprache ab um den Eindruck nicht zu stören, den die anregenden Ausführungen die übrigens veröffentlicht werden sollen, gemacht hatten. — Große: Aufmerksamkeit begegneten auch die wertvollen Ausführungen de< Hcrnr Dr. Klibansky, Direktors der Jawue in Köln, über du künftige jüdische Lehrerbildung. Er wünscht ordentliche Dozentur« an verschiedenen Pädagogischen Akademien für die Vorbildung jüdische: Lehrer, fordert aber auch mit Nachdruck Sicherstellung der Lehrer die an der einzigen noch bestehenden Lehrerbildungsanstalt alten Still m Köln jahrzehntelang ihre Pflicht in vorbildlicher Weise erfüllt haben ¥ Gottesdienste ¥ verlin-vsten. Liberale Synagoge Osten (Kaiferstrahe 20-30). Freilag, 4. Juli, 7.30 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Hans Andorn. Die Gottesdienste in den Synagogen Norden, Wilmersdorf und Westend fallen in der Zeit bis zum 8. August aus. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 6. Juli. Johannisstraße 16: vormittags 10 Uhr, Predigt: Dr. Rofenthai; Klriststraße 10: vormittags 10 Uhr, Predigt: Dr. Jelski. Bedeutungsvoll erscheint ihm die Neueinsührung des Prüfungsfaches über jüdische Religion im wissenschaftlichen Staatsexamen sür das höhere Lehramt. Absolventen der Jawne und der Berliner Vorbereitungsanstalt eröffne sich dadurch aussichtsreiche Zukunft. Bei Besetzung von Sludicnratsstellcn an städtischen und staatlichen höheren Lehranstalten sei Parität zu erstreben. Der Lehrerverband möge alle jüdischen Lehrer sammeln. Er sollte keinen Unterschied zwischen Akademikern und Semiuarikern zulassen. Für die Rabbinervorbildung fordert er pädagogische Vertiefung, möglichst ein praktisch-pädagogisches Examen nach etwa zweijähriger Amtsführung.— Eine Aussprache über die Errichtung von Bezirks-Rabbinaten, die von unserem Freunde Steinhardt-Magdeburg, der uns mit seinem Besuche beehrt hatte, wirkungsvoll beeinflußt wurde, zeitigte die folgenden Entschließungen : 1. Ten schwer um ihren Bestand ringenden Klcingeinemdcn dürfen durch die Errichtung von Bezirksrabbinaten keine finanziellen Lasten erwachsen. 2. Vor der Errichtung weiterer Bezirksrabbinate sind die betreffenden Provinzialverbände zu hören. Eine von diesen Verbänden einzusetzende Kommission, aus Rabbinern, Lehrern und Gcmeindevertretern bestehend, hat die Rechte und Pflichten der Bczirksrabbiner den Lehrern und Gemeinden gegenüber genau festzulegcn und vorkommcnde Streitigkeiten entscheidend zu schlichten. 3. Die Versammlung lehnt sür ihr Vereinsgebiet die Errichtung von Bezirksrabbinaten überhaupt ab. Sie erachtet die Schaffung eines Lehrernachwuchses, welcher die pädagogische Akademie zu besuchen hat und für alle in Betracht kominenden Kultusämter eine umfassende Ausbildung genießen muß, seine genügende Besoldung, Sicherstellung und Versorgung einstweilen als dringlichere Aufgabe. — Ein Antrag der Vereinigung jüdischer Schulmänner Groß- Dortmunds, begründet durch ihren Obmann Andorn, „der Reichsverband der jüdischen Lehrcrvcreine wolle die Herausgabe einer Sammlung von Lichtbildern für den Religionsunterricht und sür Belehrung über jüdische Kultur und Kunst", wurde ebenfalls einstimmig angenommen. — Am Dienstag-Abend >var eine große Gesellschaft geeint und nach Schluß der Tagung besichtigten etwa 50 K'onferenzbesucher unter sachkundiger Führung den Duisburger Hafen, den größten Binnenhafen des Kontinents. Elbing. (Gründung e i n e s O st d e u t s ch e n L a n d e s v erbau d e s der deutsch-jüdischen Ingendvcreine.) Hier fand eine Telegicrtentagung der deutsch-jüdischen Jugeudvereine Ostdeutschlands und Danzigs statt. An ihr nahmen Vertreter der „Deutschjüdischen Jugend Schneidemühl", der „Deutsch-jüdischen Jugend Danzig" und des „Jüdischen Jugendvercins Königsberg i. Pr." teil. Diese Organisationen vertreten den bewußt deutschen und jüdischen Standpunkt und sind dem C.-B. angeschlossen. Der erste Teil der Tagung war der Aussprache über die Arbeit der einzelnen Organisationen gewidmet. Die Arbeitsmethoden sollen vertieft und insbesondere die Aufklärungsarbeit ausgedehnt tverden. Die Mitgliederzahl ist in allen Organisationen gewachsen. Die Danzigcr Vereinigung setzt sich aus einer Damen- und einer Herrengruppe zusammen. Besondere Beratungen wurden über die Ausdehnung der Bünde auf andere Orte des deutschen Ostens gepflogen und die Gründung weiterer Gruppen in einer Reihe von Städten in Aussicht genommen. Am zweiten Tage der Beratungen erfolgte der Zusammenschluß der bisher selbständigen Organisationen in strafferer Form aus der Grundlage des Ostdeutschen Landesverbandes der deutsch-jüdischen Jugendvereinigungen. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsauwalt Dr. Erwin Lichtenstein-Königsbcrg (bisher Danzig), zum stellvertretenden Vorsitzenden, Schriftführer und Kassierer Akiba Eger-Königsberg gewählt. Während von den anderen angeschlosseneu Vereinigungen noch die Beisitzer gewählt werden sollen. Die Tagung verlief in jeder Beziehung zufriedenstellend und bedeutete den Anfang einer bedeutend belebteren und besser organisierten Arbeit der deutsch-jüdischen Jugendvereinigungen in Ostdeutschland. Felsberg. (D e n k m a l s w e i h e.) Für die Gefallenen des Ortes, unter denen sich auch Söhne jüdischer Bürger befanden, ist eine Gedenkstätte errichtet worden. Bei der Einweihung des Kricgergedächtnismales sprach nach dem Vorsitzenden des Kriegervereins und dem Ortspfarrer auch Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, eindrucksvolle Worte der Ermahnung zu friedvollem Verhältnis unter allen Volksgenossen; das Wort „Nie wieder Krieg" dürfe nicht nur als Lippenbekenntnis angesehen werden, darum müßten Parteiegoismus, Haß und Neid verschwinden, das Wohl des Ganzen sei über die eigene Person zu stellen. Seine eindringliche und gehaltvolle Ansprache machtje auf alle Teilnehmer der Gedächtnisfeier nachhaltigen Eindruck. Heidelberg. (Vereinigung badischer Rabbiner.) Die Vereinigung badischer Rabbiner hat sich in der Sitzung, die am 25. Mai 1930 in den Räumen der Friedrich-Loge in Heidelberg stattfand und an der auch die Kollegen ans der Pfalz teilnahmen, hauptsächlich mit Angelegenheiten praktischer Natur befaßt; u. a. standen folgende Gegenstände zur Beratung: Nach einem Referat von Bezirksrabbiner Greilsheimer-Mosbach wurde beschlossen, den bayerischen Kollegen und Gemeinden in der durch die Einführung des Betäubungszwanges für Schlachtvieh entstehenden Notlage jeden möglichen Beistand zu leisten. Die Versammlung beriet ferner über die vom Oberrat der Israeliten angeregte Statistik der israelitischen .Bevölkerung Badens. — Die Frage, ob Prüfungen oder Inspektionen des Religionsunterrichts vorzuziehen seien, fand eingehende Erörterung. Für Prüfungsbescheide soll ein Formular entworfen werden. Dringend notwendig erscheint eine endgültige Entscheidung des Ober-- rats über den Lehrplan. Bezüglich der Aufnahme ins Judentum wurden die Ansichten zu konkreten Einzelfällcn geäußert. Zum großen Bedauern der badischen Rabbiner legte Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß- Heidelberg aus Gesundheitsrücksichten den Vorsitz nieder, den er seit Gründung der Vereinigung in hingebungsvoller Arbeit durch 14 Jahre der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit inne hatte. Aufrichtiger Dank ist ihm seitens der Kollegen für alle Zeit gewiß. Stadtrabbinep Dr. Schiff-Karlsruhe wurde zum Vorsitzenden gewählt. Heilbronn (Neckar). (Neuer Ehrenbürger.) In einer Zeit, in der von antisemitischer Seite den Juden in manchen Gegenden Deutschlands recht betrübliche Dinge widerfahren, ist es eine kleine Freude, wenn auch einmal wieder nichtjüdische Kreise die Verdienste ihres um, das Allgemeinwohl bemühten jüdischen Mitbürgers anerkennen und seinem Tun Ehre erweisen wollen. Der Gemeinderat der Stadt Heilbronn in Württemberg beschloß, Herrn Max Rosengart, Rechtsanwalt dortselbst, der seit 1890 mit kurzer Unterbrechung bis 1928 dem Gemeinderat angehört hat, zum Ehrenbürger zu ernennen. Herr Rechtsanwalt Rosengart ist auch in der demokratischen Partei seit vielen Jahren aktiv, und ist auch dort Ehrenmitglied. Während seiner Rathaustätigkeit war er auch mehrere Jahre Stellvertreter des Stadtvorstandes. Kassel. (Sitzung des Aeltesten-Kollegiums.) Dem Beschlüsse der letzten Sitzung entsprechend, erstattete Dr. Rudolf Hallo Bericht über die Anlage und den Inhalt der „Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kassel". Die Frage der Drucklegung wird von den Kosten abhängig gemacht werden; es sollen Verhandlungen mit den Druckereien durch eine Kommission eingeleitet werden. Bei dem etwa 500 Druckseiten umfassenden und mit Abbildungen ausgestatteteu Werke wird mit einem Preise von etwa 10 Mark gerechnet werden müssen. Erleichterungen durch Subskriptions-Zeichnungen werden vorgesehen. SroiibWERCkf üillig, ftDohlSchmecJlcnd. nahrhaft. die Gemeinde wird eine größere Anzahl zur Verteilung an Bibliotheken und Einzelpersonen rnschassen. Gcmeindeältester R. Nußbaum sprach dem Berichterstatter sür seine ausklärenden Mitteilungen chen Dank der Gemeindeverwaltung aus. — Der hinsichtlich der Kalenderreform von der Jugendgcuppe der Agudah gestellte Antrag um Unterstützung der Aktion durch Unlerschrist der Gemeinde fand zustimmende Erledigung; mehreren Eingaben um finanzielle Beihilfen, die u. a. vom Hilfsverein der deutschen Juden, der Ehebcratungsstell« in Frankfurt a. M. und dein Verein jüdischer Studenten in der vorigen Sitzung bereits Vorgelegen hatten, wurde zugestimmt. Ein ähnlicher Antrag des Keren-Kajemcth um Gewährung einer Subvention für die Lord Balfour-Ehrung wurde zurückgestellt. Eine lebhafte Aussprache entspann sich noch um den früher erwähnten Subventions-Antrag sür die Jugendgcmeinschaft, der angeblich abgelehnt, nach der wiederholt vertretenen Auffassung mehrerer Mitglieder des Kollegiums aber nur zurückgestellt worden war. Rach iveiterer Beratung kleiner Vorlagen rn öffentlicher Sitzung folgte noch, ein nicht-öffentlicher Teil. — An der Abfassung der „Geschichte der Gemeinde Kassel" sind beteiligt die Herren Landrabbiner Dr. Walter, Direktor Dr. Lazarus, Dr. Hallo, die Rechtsanwälte Dalberg, Dr. Th. Tellevie, Dr. David Goldschmidt und Lehrer Hortvitz. Behandelt werden: die jüdische Religionsschule und Kultusangelegenheiten, die kulturellen und Rechtsverhältnisse bis zur Gegenwart, jüdische Volkskunst und Kunst und Handwerk bei den hessischen Juden im besonderen. Die Gcsamtleitung des Werkes war Dr. Hallo übertragen, der bei seiner Berichterstattung Gelegenheit nahm, den Mitarbeitern sür die außerordentlich fleißige Arbeit und der Kasseler Gemeinde sür die Bewilligung der Mittel und die bisher ge-- leistete Hilfe zu danken. ' Köln. (Aus der R e p r ä s e n l a n t e n v e r j a m m l ung.) Ueber die Regelung des Vcrtragsverhaltnisses zwischen Gemeinde und Gemeinschaft haben mit an anderer Stelle dieses Blattes ausführlich berichtet. Hier sei nur noch einiges Wissenswerte aus der Sitzung der Repräsentanz nachgetragen. Vor Eintritt in die Tagesordnung kam cs zu einem. Zwischenfall. Herr Nathan Kahn (orth.) hatte sich das Wort zu einer persönlichen Bemerkung erbeten. Diese Gelegenheit benutzte er, um eine Erklärung zu verlesen, in der er sich in überaus scharfer Form gegen die Berichterstattung des Israelitischen Familienblattes und anderer jüdischer Zeitungen wandte. Herr Kahn hielt es sür angebracht, vor aller Oeffentlichkeit einen Mann bewußter Entstellung und unverantwortlicher, unwahrer Berichterstattung zu zeihen, der sich vor diesem Forum nicht zur Wehr setzen konnte. Herr Kahn durste trotz der energischen Zwischenrufe, daß derartige Erklärungen nicht vor die Repräsentanz gehörten, sein langes Schreiben bis zu Ende vorlesen. Wir betrachten es nicht als unsere Aufgabe, die Berichterstattung des Israelitischen Familienblattes gegenüber diesen Angriffen in Schutz zu nehmen. Festnageln aber wollten wir es einmal, wie zuweilen die religiöse Pflicht aufga-i faßt wird. Zu einem weiteren Zwischenfall kam es, als der Vertreter der Mittelpartei während der Beratung des Vertragsentwurfes einen „flammenden Protest" von 100 Besuchern der Synagoge. Roonstraße verlas, der sich gegen Bestrebungen wandte, weitere linksgerichtete Reformen in diesem Gotteshaus einzusühren. Auch Herrn Steinitz belehrte man durch Zwischenrufe, daß dieser Protest aber auch gar nichts zu tun habe mit dem Vertrag zwischen Gemeinde und Gemein» schast. Es bedurfte aber des energischsten Dazwischentretens d«S Versammlungsleiters, um Herrn Steinitz zum Schweigen zu bringen.; Es ist uns bekannt, daß in den letzten Wochen eifrig um Unterschriften sür eine Protestaktion geworben wird, die sich gegen die Einführung des liberalen Einheitsgebetbuches irr den Gottesdienst der Roonstraßensynagoge richtet. Bedenkt man, daß bisher von keiner maßgeblichen Seite die Einführung dieses 'Gebetbuches propagiert wuü»e, so muß man annehmen, cs handle sich bei dreier Aktion um die Wahlmache einiger Mittelparteiler, die ganz gewiß weder im Gotteshause noch bei sich im stillen Kämmerlein soviel zu beten pflegen wie in diesem vielgehaßten, aber umso weniger gekannten Einheitsgebetbuch gebetet werden könnte. Im übrigen verlief die in der Geschichte der Synagogengemeinde Köln denkwürdige Sitzung recht bewegt, und es zeigte sich das Erfreuliche, daß manche Herren, namentlich die der V o l k s p a r 1 e i, nicht mehr grundsätzlich mit der Orthodoxie zu gehen gedenken, iveun es sich um Angelegenheiten der Liberalen handelt. Das ist ein Faktum, dessen Bedeutung nicht gering angeschlagen lverden darf. Aus den Verhandlungen sei folgendes kurz wiedergegeben: Dr. Frank begründet die Vertragsvorlage des Vorstandes. Er charakterisiert die wenigen Bestimmungen des Vertrages als Ergebnisse eines Kompromisses und weist aus die ganz schlichte, leichtverständliche Fassung des Vertrages hin. Dr. Holstein und Nathan Kahn (orth.) beantragen Vertagung; letzterer auch Aenderung des Wortlautes. Rechtsanwalt Jonas befürwortet den Abschluß des Vertrages und gibt der Hoffnung auf loyale Ausführung der Vertragsbestimmungen Ausdruck. Hirsch und Bär (kons.) schließen sich Holstein und Kahn an. Dr. Blank (lib.) bittet die Repräsentanz, der Vertagung nicht zuzustimmen, rveil sie weittragende Konsequenzen zum Schaden der Gemeinde nach sich ziehen werde. Es habe jeder Gelegenheit gehabt, die Ziele der Gemeinschaft kennen z« lernen; außerdem lägen hi« Satzungen vor und könnten sofort verlesen werden. Dr. Eliel (Vorst.) warnt ebenfalls vor einer nutzlosen Vertagung. Er verliest die wenigen Paragraphen des Gemeinschaftsstatuts. Dr. Frank (Vorst.) weist daraus hin, daß es leichtfertig sei, aus formellen Gründen auf Vertagung zu drängen, weit unweigerlich eine erhebliche Anzahl von Gemeindemitgliedern austretcn werde, wenn heute abend der Vertrag nicht zustande komme. Die Regierung werde ohne Zweifel das geänderte Gemeindestatut genehmigen, und mau könne unbedenklich den Vertrag abschließen. Steinitz (Mittelp.) erklärt, die Kultustrenuung sei nun einmal beschlossen, nun müsse man auch konsequent sein und die Gemeinschaft als Kultusverein anerkennen. Rechtsanwalt Jonas weist ebenfalls auf die Gefahren hin, die eine Vertagung mit sich bringe. Dr. Holstein bemängelt die Bestimmung im Gemeinschastsstatut, wonach nur deutsche Juden ausgenommen werden können. Dr. Blank (lib.) erklärt sich bereit, für die Gemeinschaft in einem Brief an den Gemeindevorstand Erklärungen abzugeben, die die formalen und sachlichen Bedenken gegen den Vertragsabschluß gegenstandslos machen. Genmalkonsul Baumann (Vorsitzender der Repräsentanz) ermahnt schließlich als ältester Repräsentant die Versammlung, dem Vertrag zuzustimmen, wenn anders die Gemeinde nicht unabsehbaren Schaden erleiden solle. Man stehe heute an einem Wendepunkt in der Geschichte der Kölner Gemeinde. Seine mit erhobener Stimme vorgetragenen Worte verfehlen nicht ihre Wirkung, und mit. den Stimmen der Liberalen und dreier Bolksparteiler (Jonas, Prechner und Bader) wird dem Vertrag Zustimmung «teilt. Mit den Worten: Meine Herren, Sie Hasen ber Synagogengemeinde einen großen Dienst erwiesen, beschließt Herr Baumann diesen Punkt der Tagesordnung. Krefeld. (Aus der Gemeinde.) Die Repräsentanten-Bevsammlung stimmte der Vorlage des Vorstandes auf dauernde Anstellung des Oberrahbiners Dr. Vlnhm zu. — Die Kultussteuer soll auch

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