Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 27 (2.7.1930)
- Date
- 1930-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachhall zur Dresdner Tagung Ergänzungen. — Würdigung in der Oeffmtttchkeit. — Lehren. Ter Festgottesdienst in der Synagoge, dem allen Semperbau, erfolgte zwar etwas abweichend von dem sonstigen Ritus, man konnte aber in der Anordnung und Auswahl der Gebete noch keine» volle Anerkennung liberaler Wünsche, nur einen Kompromiß zwischen den in Frage kommenden Richtungen bemerken. Frei von den sonstigen Fesseln, in zündenden, fühlbar von Herzen kommenden Worten gab Herr Rabbiner T r. Wolf in seiner Predigt seine innersten Gedanken und Wünsche für eine geistige, zeitlich lebendige Erneuerung des Judentums den Zuhörern, welche inzwischen ziemlich vollzählig aus den verschiedenen Zentren eingetrofsen waren, mit auf den Weg. Tas Bild, von dem er ausging, war das des Sabbathlcnchters mit den sieben von ihm symbolisch behandelten, die einzelnen Wochentage bedeutenden Kerzen. Eine davon und wohl die wichtigste ist die des Glaubens, und hier kam es Tr. Wolf darauf an, den Unterschied klarzulegen im Glauben des Orthodoxen an überlieferte Geschichten und Wunder gegenüber dem Glaubenslicht des wahrhaft Liberalen, dem die Welt etwas naturhaft Göttliches und darum Heiliges sei durch die lebendige Schöpferkraft, die sich in ihr offenbare. Ein anderes Licht: das der Treue, wobei er betonte, daß das Neue des Liberalismus in uralten Dingen des Judentums, wenn auch nicht in geschriebenen Gesetzesformeln wurzle und daß Freiheit (des GMes) nicht mit Willtür gleichgesetzt oder verwechselt werden dürfe. Als besonders erfreulich ist auch noch nachzutragen, daß die Tagung deutlich machte, daß offensichtlich' in den „neutralen" Organisationen der frühere Neutralitätsbegriff, dejr mehr oder weniger Passivität bedeutete, eine Wandlung zur zur Aktivität erfahren hat. Es war wohl die erste Tagung liberaler Jugend, die offiziell vom Vorsitzenden einer' Gemeinde begrüßt wurde, und bei der Vertreter her großen neutralen Organisationen in Begrüßungs - Ansprachen ihre Sympathie zum Ausdruck brachten. Es seien in diesem Zusammenhang nur erwähnt die Tatsache, daß für den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Herr Rudolf Apt darauf hinwies, daß die überwältigende Mehrzahl der C.-V.-Mitglieder sich zu den Liberalen zählen dürfte und daß der C.-V. deshalb ganz besonders interessiet sei, daß das Band zur liberalen Jugend fest geknüpft sei. Vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten nahm der Vorstand der Ortsgruppe vollzählig an den Hauptberatungen teil. Für den R. j. F. versicherte Herr Sälli Saul bei selbstverständlicher Betonung der Neutralität des R. j. F. den Willen zur Förderung auch der jüdisch-liberalen Bestrebungen. Ein ziemlich ausführlicher Bericht im„ Israel. Familienblatt" erinnert daran, daß Dresden die Heimatgemeinde und Wirkungsstätte eines Bahnbrechers des Liberalismus Emil Lehmann gewesen ist und bedauert, daß von keinem der Redner, besonders der Dresdener, dieses mit seinem Geiste über der Tagung schwebenden genius loci Erwähnung aeschah. Ferner wird aus der Unklarheit sich kreuzender Ansichten (in der Generalaussprachel die Lehre gezogen, daß es dem Liberalismus bei aller Notwendigkeit seiner Existenz und allein Guten, das er schon gebracht hat an einer den jüdischen Menschen von heute mitfortreißenden Formu- Mitteilungen aus dem Büro der Vereinigung An die Teilnehmer der jüdisch-liberalen Weltverbandstagung vom 19. dis 22. Juli 1930 in London. Es ist unseren Londoner Freunden gelungen, für die Tagungsteilnehmer eine Fahrpreisermäßigung zu erwirken, derzufolge die Reise 2. Klasse von Köln nach London und zurück insgesamt nur 3.15/—, Pfund, also etwa M. 75.— kostet. Bringung hierbei ist, daß zur Hinfahrt nach London der am Donnerstag, 17. Juli, 18.45 Uhr (d. i. abends 3/i7') abgehende Zug benutzt wird. Zur Rückreise von London ist den Teilnehmern die Wahl eines ihnen genehmen Zuges freigestellt, s odaß sie auch über die Tagung hinaus in England verbleiben und die Fahrt auf das Angenehmste mit dem Sommerurlaub verbinden können. Tie Fahrkarte muß bei T h e Hon. Lilv H. Montagu, The Red Lodge, 51 Pa - lace Court, London W. 2, schnellstens unter gleichzeitiger Einsendung von 3.15 Pfund bestellt werden, worauf vie Zusendung von London aus erfolgt. Dagegen müssen sich die Teilnehmer die Fahrkarte von ihrem Heimatort nach Köln und von Köln zurück nach dem Heimatort selbst besorgen. Den Teilnehmern wird ferer in London bereitwilligst Privatquartier besorgt, und bei der sehr weitgehenden Gastfreundschaft ist anzunehme, daß nennenswerte Kosten außer dem Fahrpreis nicht entstehen. Auch das Privatquartier ist bei The Hon. Lily H. Montagu, Adresse obenftehend, zu bestellen. Außer den Anmeldungen nach, London muß unter allen Umstände auch, an.unsere Geschäfts st ell e, Berlin SW 11, Hallesche Str. 1, eine entsprechende Benachrichtigung gesandt werden. In vorzüglicher Hochachtung Vereinigung für das liberale Judentum e. V. gez.: Stern (Rechtsanwalt) Vorsitzender. * Las von Bruno W o y d a auf der Dresdener Tagung der pj-isch«liberelLN Jugendvereine am 15. Juni 1930 gchallene Referat: „Lebensnähe der Religion" ist als Broschüre erschienen. Es wird aNen Ortsgruppen und Mitgliedern als wertvoller und attueNer Tisluffionsstofs empfohlen. Bestellungen zum Preise von M. 0.50 nimmt entgegen: Vereinigung für das liberale Judentum E. D. Berlin SW 11, Hallesche Str. 1 Postscheck-Konto Berlin 137069 * Tie Ortsgruppen-Vorsitz,enden und Bertrauenspersonen nn Reich werden gebeten, mit Rücksicht auf die Reisezeit schon jetzt die Beiträge für das 3. Vierteljahr 1930 einzuziehen und hierherzuseicken. Unsere Einzelmitglieder im Reich« werden ebenfalls gebeten, vor Antritt der Reise uns den MitgliedÄbeitjrag für das 3. Vierteljahr einzusenden. l i e r u n g seines Wesens fehle unb zugleich au einem die verschiedenen Richtungen, dessen Dach er ish einigenden Bande, einem für alle Welt klaren Generalnenner, durch den auch die Jugend anderer Bünde sofort für den Liberalismus zu gewinnen wäre. In der Tat dürfte, wie die zugespitzten Verhältnisse gerade in Tresden zeigen, eine klare Parole oder Propaganda des Liberalismus für sich selbst notwendig sein unb genügen, um die Indolenz mancher Abseits stehender oder lässig gewordener Altliberalcn zu überwinden und dem religiösen Leben in Tresden und anderen Gemeinden neue Impulse zu geben. Jedenfalls hätte der Ortsausschuß unter anderen Umständen, auch in einer anderen Jahreszeit als gerade im Sommer, wo viele sonst interessierte Personen bereits verreist waren, noch bedeutend mehr leisten können. (Das tatsächlich Geleistete war aber bei der Knappheit ursprünglich nicht vorhandener Mittel und der Kürze der um so intensiveren Vorbereitung erstaunlich genug). Besonders verdient nach allgemeinem Urteil anerkannt zu werden, daß sogar auf individuelle Wünsche tunlichst Rücksicht genommen war, nicht nur, was die rituellen Gewohnheiten einer größeren Zahl von Teilnehmern betraf sondern auch hinsichtlich der Belegung der Quartiere. Ter Leiter des Ausschusses, unser Mitarbeiter Tr. Elb hat daraufhin noch besonders freundliche Schreiben aus Frankfurt, Magdeburg, Breslau, Ratibor erhalten. Eine Karte sorgte dafür, daß bei den oftmals schwierigen Vorbereitmrgen auch der Humor nicht fehlte und zwar in folgender, hier natürlich, ohne Namen wiedergegebener Stilblüte: „Heute möchte ich zwei Bitten aussprechen: Herbert X und Franz P sollen, wenn es möglich ist, zusammen schlafen, da sie mir"von den Müttern besonders ans Herz gelegt wurden". STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNQ BERLIN W 66 S MAUERSTR. 79 FERNRUF: ZENTRUM S023 u. 503« BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IHHEHDEKORATIOHEH ID KOIISTLERISCHER AUSFOMB Paul Rieger 60 Zahre Am 4. Juli vollendet Dr. Paul Rieger, Stadtrabbiner in Stuttgart, sein sechzigstes Lebensjahr. Die Ehrungen, die seine Gemeinde und die dortigen Organisationen ihm darbringen, werden den Dank für das enthalten, was er an seiner engeren Wirkungsstätte leistet, aber darüber hinaus hat ihmnoch ein größerer Kreis zu danken: die Gesamtheit des liberalen Judentums in Deutschland, in der er eine.markante, fest umrissene Stellung einnimmt. Freilich, der nun Sechzigjährige ist, wie man leicht ausrechnen kann, in einem Kriegsjahr geboren, und ein Krieger ist er gewesen und ist er wohl noch: selber kriegführend und aber auch bekriegt von Anderen. Das Wort, das er in seiner Antritt-Predigt am Hamburger Tempel im Jahre 1902 gesprochen haben soll: „Ich bin ein Fanatiker der Wahrheit", ist charakteristisch für ihn geblieben, ebenso aber auch das Echo, das er damit bei Einigen — nicht bei Allen! — fand: „Fanatismus, selbst für die Wahrheit, das ist nicht gut!" Und doch war es gut, denn mit diesem Fanatismus traf er die ins Herz, auf die es zumeist ankam: die Jugend. Wenn man in Hamburg heute an Paul Rieger denkt — man denkt dort an ihn so gewiß, wie er an Hamburg noch denkt, denn seine Amtszeit am Tempel ist für seine Entwicklung entscheidend gewesen — so denkt man an ihn so, wie man ihn sah: umgeben, umringt, umjubelt von Kindern. Das ist das Erste, was ihm das liberale Judentum dankt, daß er eine ganze Generation religiös-liberalen Nachwuchses herangebildet hat; und zu welcher gemeinsamen Tragik verbindet sich sein persönliches Schicksal mit dem allgemeinen Schicksal unserer Bewegung, wenn wir daran denken, wie er, der Lehrer, die Prächtigsten und Besten seiner Schüler, die sich 1911 unter seinem Vorsitz zur ersten existierenden Jüdisch-liberalen Jugendorganisation zusammengeschlossen hatten, in den darauffolgenden Kriegsjahren einen nach dem andern verlieren mußte! Die aber am LÄen blieben, blieben ihm treu, und es legitimiert. ihn als furchtlosen Wahrheitskämpser, daß er die jugendlichen Herzen zu lebenslanger Dankbarkeit fortgerissen hat. Und äls war nicht nur so ein Gesühl; wir wußten, wir erkannten auch den Grund, warum wir ihn verehrten. Das zeigte sich u. a. bei jenem Streit, den er durch eine Hüttenfestpredigt entfacht hatte, weil er gegen die mittelalterliche Auferstehungslehre der Orthodoxie aufgetreten war und als moderner, liberaler Mann gesagt hatte, es gäbe keine persönliche Auferstehung und das biblisch-prophetische Judentum lehre sie auch nicht. — Diese Anschauung hat ihm vielfach den Ruf eines theologischen Außenseiters eingebracht, und doch ist noch nie eine ernsthafte Widerlegung auch nur versucht worden. Aehnlich erging es ihm in Posen 1912 bei der Beratung der „Richtlinien". Er wollte an die Spitze der „Richtlinien" den Gedanken gestellt wissen, der das eigentliche Wesen des Liberalismus ausmacht, daß wir nämlich „das Judentum nicht als übernatürliche Offenbarung, sondern als Religion der Entwicklung betrachten", aber er verfiel mit diesem Borschag einmütiger Ablehnung. Trotz allem aber, wie man ihn auch ablehnte, ebenso sehr holte man ihn, denn man brauchte seine immense Gelehrsamkeit, seine Arbeit, seinen Rat. Als der Hamburger Tempel ein neues, modernes Gebetbuch herausgeben mußte, beauftragte er Dr. Rieger, es zu verfassen. Rieger erwies sich als «in feinsinniger Sprachschöpfer, und von seinen poetischen Psalmübertragungen sind seither manche in andere Sammlungen überaegangen, vor allem der berühmte Sabbatpsalm (Ps. 92). Als 1918 die Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Hamburger Tempels erschien, war es wiederum Rieger, der den grundlegenden Aufsatz über die „Bedeutung des Hamburger Tempels für die Geschichte des neuzeitlichen Judentums" schrieb, eine Arbeit, die zugleich ein Geschichts- und Bekenntnisdokument für das liberale Judentum ist. In Riegers Persönlichkeit und literarischem Schaffen zeigt sich auch die Wesenseinheit des religiösen Liberalismus mit dem politischen Emanzipationsgedanken: im Aufträge des C ent ral v e r e i n s verfaßte er 1912: „Zur Jahrhundertfeier des Judenedikts vom 11. März 1812"; 1918: „Ein Vierteljahrhundert im Kampf um das Recht und um die Zukunft der deutschen Juden (ein Rückblick auf die Geschichte des C.-V. von 1893 bis 1918)", und schließlich errang er sich auch allgemeine Popularität mit seinem 1922 erschienenen, grundgelehrten und doch kurzen und schlagkräftigen Schriftchen: „Vom Heimatrecht der deutschen Juden". —»Daß Rieger als Vorkämpfer des religiösen Liberalismus und des politischen Emanzipationsge dankens ein unnachgiebiger und weithin gefürchteter Gegner des Zionismus ist, ist ebenso selbstverständlich wie bekannt. Weniger bekannt aber ist, daß er auch einem andern, erst ganz neuerdings sich Bahn brechenden Gedanken bereits vor sechsundzwanzig Jahren Ausdruck verliehe hat: die 1901 erschienene Schrift „Hillel und Jesus" gipfelt in dem Gedanken: „Erkennt das Christentum die einfache Tatsache an, die jedem unbefangenen Leser des Neuen Testamentes offenkundig ist, daß Jesus ein klassischer Jude in seinem Leben, Lieben und Leiden gewesen, und daß Israel noch heute dem Ideale Jesu, d. h. der prophetischen Auffassung der Religion Israels nachlebt, dann ist der Boden zu einer Versöhnung der beiden großen Bekenntnisse gewonnen." — Der theoretischen Klärung, der geschichtlichen und (was hier nicht berührt werden konnte) philologischen Forschung, der religiösen Poesie, der politischen Tat urrd vor allem der Nachfolge wirkenden Kindererziehung hat der nun sechzigjährige Paul Rieger Unvergängliches geleistet; rückschauend aus solch Lebenswerk erkennen wir, daß solche Leistung nicht herabgemindert ist, wenn ihr Träger kriegerisch daherkommt. Ein Geisteskcieger ist er, dem wir dankbar die Siegerpalme reichen. George Goetz.!»! Aus den Gemeinden.j*'i: .... Berlin. (Jonas $«11 tu er gcstorb e ii.) Im hohen Gretjeitaltcr von 86 Jahren ist Jonas Galliner hier in Berlin nach kurzer Krankheit gestorben. Mir ihm ist einer der letzten aus vergangener Generation einer Kuttusbeamlen-Epoche dahingegangcn, die geradezu richtunggebend gewirkt und geschaffen. Es war ihm nicht deschieden, trotz seines großen und umfangreichen Wissens in einem weiteren Wirkungsjeld zu arbeiten. Ta aber, Ivo er stand, füllte er nicht nur seinen Platz aus, sondern, schuf weit darüber hinaus für eine kommende Generation. Tauroh und Awaudoh, das war die Sphäre, in der er lebte. Lein Geist war geschärft in taimndischer Wissen^ schast: er verband ein ungewöhnlich hohes Maß von hebräischem Wissen mit jener gottgesegnetcn Klugheit, die ihn befähigte, das große Wissen in den Dienst des religiösen Judentums zu steticn. 50 Jahre wirkte ec in Ostpreußen; feine Löhne wurden bekannte Rabbiner und ausgezeichnete Wissenschastier. Sie lvirken alte an weithin sichtbarer Stelle. Fast zwei Jahrzehnte war es ihm noch beschieden, sich der wohlverdienten Ruhe zu erfreuen und das Glück seiner Kinder zu schauen. Am vorvergangenen Sonntag haben wir den Patriarch zur letzten Ruhe in Weißensee gebettet. Neben seiner Familie scharten sich eine große Anzahl von Trauernden um die Bahre. Leise Töne der Seelenfeier erklingen, dann hält der Sohn — der in weiten Kreisen bekannte und überaus geschätzte Rabbiner Dr. Julius Galliner — dem Vater einen kurzen, herzlichen Nachruf. Der Dank des Sohnes an den Vater, der ihnen als köstlichstes Erbe seinen Geist und seine tiefe Religiosität auf den Weg gegeben. Magnus Davidsohn betet innig das El mole rachamin und Organist Altinann schließt die ergreifende Feier mit den unsterblichen Klängen des Socharti loch. Das Andenken dieses wahrhaft Gerechten bleibt ein Segen für alle Zeiten. Berlin. (Lion W o l f s s 85. Geburtstag.) Mit vollem Recht nahm nicht nur die gesamte jüdische Presse Deutschlands, sondern auch ein großer Jnteressenteakreis Anteil an dem 85. Ge^ burtstag des hochverdienten Mannes, der nicht nur durch seine praktischschriftstellerische Tätigkeit, sondern auch durch seine fast zwei Menschcnaltcr währende Wirksamkeit zu einer der volkstümlichsten Gestalten des deutschen Jndentttms geworden ist. Was er aus religiösem und politischem Gebiete geleistet hat, ivard berichtet. Kein Wunder, daß ihm zahlreiche Ehrungen anläßlich seines Freudenfestes zuteil wurden. Glückwünsche von nah und fern, schriftliche und mündliche. Ehemalige Schüler, die heute zu hohen Aemtern berufen sind, Gemeinden, die gern seiner verdienstvollen Tätigkeit gedachten. Am Mittag des Tages erschien in seiner schönen Wohnung, in der er nun weiter emsig lebt und wirkt — mit erstaunlich klarem Geiste noch schriftstellerisch tätig ist — eine Abordnung der „Freien Wissenschaftlichen Vereinigung", geführt von dem Vorsitzenden. Nach den frommen Klängen des Al taschlichenu Gebetes, das Davidsohn dem Freund« mit bewegtem Herzen sang, sprach Lehrer Hirschfeld, der Dezernent für das Schultoesen bei der Jüdischen Gemeinde, Worte des Dankes und der Zuneigung dem alten Lehrervetcran. Lehrer Abraham schloß sich ihm an, und dann folgten weitere Ansprachen und Gesänge. Lion Wolfs selbst dankte nicht nur dem engeren Kreise, der bei ihm erschienen war, sondern allen denen, die in unendlicher Herzlichkeit seiner gedachten. Am darauffolgenden Sabbat waren ihm besondere Auszeichnungen innerhalb des Gottesdienstes der Synagoge Fasanenstraße zuteil. Möge er noch weiter wirken ad mutlos annos! Berlin. (H il s s v o r b et er-A n g eb o t.) Aus dem Kursus für Hilfsvorbeter an den Hoheit Festtagen, den die Jüdische Gemeind« zu Berlin veranstaltet hat, stehen eine größere Anzahl gut qualifizierter Vorbeter für größere und kleinere Gemeinden zur Verfügung. Gemeinden, die auf einen Vorbeter reflektieren, wollen sich an Herrn Obcrkantor Davidsohn, Berlin W. 15, Knesebeckstraße 43-44, wenden. Berlin. (D e r Reichsbund jüdischer Frontsoldaten beim Polizeipräsidenten.) Der Polizeipräsident Zörgiebel empfing am Mittwoch, den 25. Juni, die Vertreter des Rcichsbnndes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Dr. London und Koppe, die ihm ernste Besorgnisse über die neuerdings gesteigerte Pogrom- Stimmung zum Ausdruck brachten. Der Herr Polizeipräsident nahm Gelegenheit, mit Nachdruck zu betonen, daß die Polizei die ihr zu Gebote stehenden Machtmittel einsetzen werde, um allen Staatsbürgern die Sicherheit von Leben und Eigentum zu gewährleisten. Im übrigen verwies er ans seinen Vortrag „Polizei und Publikum", welcher am Sonnabend, den 28. Juni, durch den Deutschland-Sender übertragen wurde. Berlin. (Der Jahresbericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums.) Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums versendet soeben ihren 47. Bericht- Er enthält in hergebrachter Form den Jahresbencht des Kuratoriums für 1029 und als wissenschaftlichen Beitrag eine Untersuchung des derzeitigen Vorsitzenden des Kollegiums, Dr. CH. Albeck, über die Beziehungen des Jubilüenbuches zur Halacha. Der Geschäftsbericht nennt als neuen Namen unter den Mitgliedern des Kuratoriums Dr. Sigmund Wassermann; der Vorstand ist gegen 1928 unverändert geblieben. Die Hochschule ist in der erfreulichen Lag«, die bevorstehende Uebernahm«; einer größeren Erbschaft ankündigen zu können, die freilich mit großen Auflagen belastet ist. Der Ertrag soll in der Hauptsache Ausgaben der Studentenfürsorge zugute kommen. Ferner soll ein von der Erblasserin bewohntes Haus mit Park in Arendsee in Mecklenburg als „Erholungsheim für jüdische Akademiker" eingerichtet und von der Hochschule