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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-06-25 · 26 (25.6.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
26 (25.6.1930)
Date
1930-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. Jahrgang Nummer 26 Beilage 25. Juni 1930 IMchKberaleNiümL Umschau Ei« Empfang für ..Ort" i« englische« Parlament. Das erhöhte Interesse, das sich in verschiedenen, auch nichtjüdischen Kreisen Englands für die Ziele und Leistungen des „Ort" be- MerVbar macht, fand seinen Ausdruck in einem von den Vertretern der drei Parlamentsparteien Englands in den Räumen des Parlaments veranstalteten Frühstück zu Ehren der in London weilenden Mitglieder der Zentralverrvaltung des „Ort""-Verbandes Tr. D. Lvovitch und Dr. A. Singalowsky. Die Einladung zum Empfang in den Räumen des englischen Parlaments ging von W. Allen, Frank Owen (liberal) und A. Fenner Brockway (Labour Party) aus.^ Ter Einladung folgten u. a. 46 Parlamentarier und ^Schriftsteller, der ehemalige High Cvmmissioner Sir Herbert Samuel, Vertreter des Foreign Ofsice, Miß Ellen Wilkinson vom Hauptgesundbeitsamt, Charles Roden Buxton, Colonel Cecil Malone, Mr. und Mrs. Horrabin Michael Marcus, W. Hendevson, Sohn des Außenministers, ferner John Paton (Redakteur des „The New Leader"), Mrs. Paton, W. H. Ewer ßRedakreur des „Daily Herald"), Mrs. Israel Zangwill, Tr. I. Kruck u. a. Eine Begrüßungsbotschast, in der die Sympathie sür das wertvolle und humanitäre „Ort"-Werk zum Ausdruck kam, traf von Sir Charles P. Treoelyan, dem Präsidenten des Boaro of Education ein. Professor Hugh Tälton, Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, gab in einer schriftlichen Begrüßung seiner zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß die Tätigkeit des „Ort", die ans den Umbau des sozialwirtschaftlichen Lebens des osteuropäischen Judentums aus der Basis der produktiven Arbeit hinzielt, bei allen fortschrittlichen Elementen Beifall finden dürste. Aehnliche Begrüßungen kamen vom Marquis os Tavistock und dem Mitglied des Parlaments George Lansburry. Ten Vorsitz führte Lord Marley, Vizeminifter sür Kriegsangelegenheiten. In den einleitenden Worten hob er die Leistungen des Verbandes „Ort" aus dem Gebiete der beruflichen Ausbildung der jüdischen Jugend sowie der Jndustriaiisiernng und der Landwirtschaft hervor. Eine bedeutsame Rede hielt Tir .Herbert Samuel. Er Khrte u. a. aus: Es gibt viele Juden, die sich vollständig auf das Palästina-Werk konzentrieren und die glauben, die Aufgaben des „Ort" stehen in einem Konflikt mit denen der Zionisten. Ich habe diesen Standpunkt nie geteilt. Tenn wenn die Seele des jüdischen Volkes in Palästina ist, so ist der Körper des Volkes immerhin anderswo, und man muß für den Körper ebenso wie für die Seele sorgen. Unter keinen Umständen kann Palästina ein Heim für sämtliche 8 Millionen Juden Osteuropas werden. Ter „Ort" ist zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme der jüdischen Bevölkerung Osteuropas berufen. Er weckt in den ruinierten jüdischen Massen das Gefühl des Selbstvertrauens und ihrer Selbsttätigkeit." Zum Schluß rühmte Sir Herbert Samuel den Geist der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, den die Anwesenden gegenüber dem „Ort" bezeugen. Ferner sprachen Mr. W. Allen, Mr. Frank Owen, Mr. A. Fenner Brockway und das Mitglied des Rates des „Ort""- verbandes Tr. I. Kruck. Sämtliche Redner betonten den humanitären und unparteilichen Charakter des „Ort"-Berbandes. Mr. Zangwill führte ans, daß sie gleich Herbert Samuel der Ansicht sei, daß es zwischen den Ideen des „Ort" und des Zionismus keinen Widerspruch gibt. Tie jüdische Volksmasse, führte sie aus, bleibt außerhalb Palästinas Tiefen Millionen Massen der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa in ihrer wirtschaftlichen Not beizustehen, ist daher ein großes und lobenswertes Werk, dem auch Israel Zangwill seine tiefe Sympathie entgegenbrachte. Ueber die Ziele und die praktische Tätigkeit des Verbandes „Ort" sprachen Tr. T. Lvovitch und Dr. A. Singaiowsky. „Wir nähern uns einer Zeit", so führt Tr. Singalowsky aus, „in der das Schicksal der einzelnen Nationen die Gesamtheit der Völker nicht mehr gleichgültig lassen kann. Eine endgültige Befriedigung Europas ist unmöglich, solange das wirtschaftliche Problem des acht Millionen zählende osteuropäischen Judentums seine Lösung nicht gesunden hat. Tas Problem dieser Masse besteht darin, daß sie ungleichmäßig — der nichtjüdischen Bevölkerung gegenüber — an den Prozessen im wirtschaftlichen Leben der entsprechenden Länder beteiligt ist. Ties ist eine Folge der Engherzigkeit '.ind der Intoleranz des Mittelalters. Deshalb sind alle diejenigen, die an der Liquidierung der Ueberreste des Mittelalters Interesse halben, auch an der Liquidierung der Ausnahmelage der jüdischer Bevölkerung in Osteuropa interessiert. Es ist nicht unsere Aufgabe, uns an der Umgestaltung des wirtschaftlichen Lebens und der wirtschaftlichen Ordnung in den osteuropäischen Ländern zu beteiligen, sondern vielmehr der jüdischen Bevölkerung zur Anpassung an dieses lLrben, wie es sich auch gestalten mag, zu verhelfen. Tie wirtschaftliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung erstrebt der „Ort" mit Hilfe eines Systems praktischer Maßnahmen, die er in jedem Lande, im Einklänge mit den herrschenden Gesetzen anwendet." Tr. D. Lvovitch gab dann einen Ueberblick über die Tätigkeit des „Ort" in verschiedenen Ländern, insbesondere auf dem Gebiete der Industrialisierung, der Versorgung der jüdischen Handwerker mit Maschinen und Rohstoffen, der konstruktiven Berwandtenhilfe und der Landwirtschaft. Indem die Mitglieder der Zentralverwaltung die Anwesenden über das große Ausbauwerk im Osten, das von Joint, Jca und „Ort" geleitet wird, informieren, wandten sie sich mit einem Appell an die öjsentliche Meinung Englands, die Arbeit des „Ort", die eine Hilfe sür die jüdische Bevölkerung und einen Gewinn für die Kultnrwelt bedeutet, zu unterstützen. Sämtliche Reden waren von tiefem Ernst und höchster Humanität getragen und zeichneten sich durch das besondere Interesse aus, das sie in bezug auf die Ausführungen der „Ort"-Vertreter zum Ausdruck brachten. Ter Vorsitzende, Lord Marley, schloß die Kundgebung mit einem Appell an die englischm Parlamentarier, der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa ihre erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ter Lunch im englischen Parlament fand in der englischen Presse starken W st» er hall und warmes Interesse. Von der Jewish Agency. Wie die Jüdische Telegravhen- Agentur meldet, hat vor kurzem namens der in Deutschland wohnenden Mitglieder des Council der Jewish Agency Herr DirMor Wassermann ein Schreiben an den britischen Botschafter in Berlin gerichtet, in dem daraus hingewiesen wird, daß die vom Colonial Office verfügte zeitweilige Suspendierung der Einwanderungszertisiläte von der ganzen am Palästina-Ausbau interessierten Judenheit mit größter Bestürzung ausgenommen wurde. Tie offenbar ausschließlich aus politischen Gründen getroffene Maßnahme des Colonial Osftce werde von der Judenheit als unvereinbar mit dem Wortlaut und dem Geist des Palästina-Mandates empfunden. Tie Errichtung des Jewish National Home in Palästina werde durch derartige Maßnahmen aufs schwerste gefährdet, denn sie könne ohne eine immer wachsende jüdische Einwanderung nicht verwirklicht werden. Tie deutschen Mitglieder der Jewish Agency bitten den britischen Betschaftcr, ihren Protest! und ihr Ersuchen, die erwähnte Verordnung rückgängig zu machen, zur Kenntnis der britischen Regierung zu bringen. Es ist wohl unnötig zu betonen, daß wir diesen Schritt nicht zu billigen vermögen. Wenn wir auch keineswegs die Einwanderungsbeschränkung nach Palästina grundsätzlich als Heilmittel anzusehen vermögen, fo glauben wir doch, daß im Augenblick weit wichtiger für die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina die Befriedung des Landes ist Tie Juden der ganzen Welt sollten weit mehr als bisher sich verpflichtet fühlen, auf die Herstellung friedlicher Zustände in Palästina bedacht zu sein, als aus die Erfüllung von wirtlichen oder Scheinrechten. Bedauerlich ist, daß auch bei diesem Schritt wieder der irrige Eindruck entstehen kann, als ob die Gesamtjudenheit sich'mit dem Werk der Agency identifiziert. In dem neuesten Heft der Zeitschrift „Unser Werk", das von den Mitgliedern der Jewish Agency und dem Präsidium des Keren Hajcssod in Deutschland herausgegeben wird, findet sich sogar die folgende Resolution des Administrative Committee abaedruckt: „Tie Jewish Agency spricht der jüdischen Beoölkermig in Palästina ihre Bewunderung aus sür die Widerstandskraft, die sic in der Zeit der Unruhen bewiesen hat, und stellt mit tiefer Genugtuung fest', daß die Judenheit der ganzen Welt ihren unbeugsamen Willen bekundet hat, das in Palästina begonnene Werk sortzusetzen. Tie Jewish Agency erklärt, daß sie entschlossen ist. alles was in ihrer Macht steht zu tun, um die Verwirklichung des Jüdischen Nationalen Heims in Palästina herbeizusühren." Derartige Resolutionen erscheinen uns auch vom Standpunkt der Agency-Anhänger aus STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN W 66 «g MAUERST«. 79 FERNRUF: ZENTRUM S023 u. 5024 BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IIHIENDEKORATIONEKIIIKOHSTLERISCHER AU8F0HRUR6 betrachtet durchaus unzweckmäßig. Leicht kann durch derartige unrichtige Verallgemeinerungen, die Veröffentlichung von Gegenerklärungen provoziert werden, wie es ja in einem früheren Fall bereits geschehen ist, und dann hat den Schaden sicherlich nicht zuletzt auch der Kreis derjenigen zu tragen, der in Jewish Agency glaubt Mitarbeiten zu sollen. Tie Hinrichtungen in Palästina. Am 17. Juni, morgens, wurden die drei im Zusammenhang mit den Unruhen im August 1929 zum Tode verurteilten Araber, die wegen mehrfachen Mordes in den Begnadigungsatt nicht einbezogen waren, in der Zitadelle von Akko hingerichtet. Tie Muezzim auf den Minaretts der Moscheen zu Haifa und Akko riefen während der Hinrichtung die Moslems zum Gebete, auch die Glocken der katholischen Kirchen läuteten eine Viertelsttmde lang. Ter Polizeiinspektor Mavrogordato weilte persönlich in Akko, um den Hinrichtungsakt zu überwachen, während Major Saunders in Haifa die Vorbereitungen traf, um evtl, aufkommende Unruhen im Keime zu ersticken. .In Haifa ist es zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei gekommen, in Jaffa hat die Polizei eine Araber-Demonstration gesprengt. Am Tamaskustor zu Jerusalem versuchten Schulknaben zu demonstrieren, die Polizei zerstreute sie und verhaftete vier Araber, unter ihnen den als Agitator bekannten Lehrer der Saint George-Schule. — Von den Hingerichteten waren zwei Hebron-Araber und einet: aus Sased. „Womm's Society" der Liberal Jewish Synaqogue. Tie „Women's Society" der Liberal Jewish Synagogue in London möchte jüdische Familien in Deutschland empfohlen haben, die bereit wären, junge englische Mädchen für einige Zeit „au pair" bei sich aufzunehmen. Die Leiterinnen der Women's Society wollen versuchen, im Austausch englische Familien in London zu finden, die dafür deutschen Mädchen in ihrem Hause Aufnahme gewähren. Angebote bzw. Anfragen wolle man direkt an Mrs. S. M. Gluckstein, London W 8, Kensington Court 31, richten. Vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Auf Grund des Ausschreibens und der von der Musikkommission des liberalen Kultusausschusses versüßten Richtlinien haben für die einstimmigen Gemeindegesänge zum Anhang des 2. Gebetbuchteiles 36 Autoren ihre Arbeiten eingeschickt und insgesamt 307 Kompositionen geliefert. Tie Prüfungsinsianz bildet eine ad hoc eingesetzte Kommission, der die folgenden fünf Herren angehören: 1. Chordirektor Louis Badrian, Königsberg i. Pr.; 2. Rechtsanwalt Tr. Richard Cale, Berlin; 3. Amtmann E. Ehrenreich», Berlin; 4. Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin; 5. Chordirektor Alexander Weinbamn, Berlin. Protest von Alfred Dreysns gegen eine sranzSftfche Aufführung des Dreyfus-Dramas. Wie aus Paris telegraphiert wird, haben Oberst Alfred Treyfus und sein Sohn gegen die für Paris geplante Aufführung des deutschen Dramas „Tie Affäre Treyfus"" von Rehfisch und Herzog Protest eingelegt. Unter der Ueberschrift „Ter Wunsch der Leidtragenden" schreibt hierzu die „Frankfurter Zeitung": „Tie extremen Nationalisten haben jedenfalls ihren tollsten Widerstand in Aussicht gestellt. Tas brauchte noch kein Grund zu einem Verbot zu sein. Aber es ist sicherlich das Beste, wenn es gar nicht so weit kommt. Von dem zu erwartenden Lärm würden wir uns gar nichts Vorteilhaftes sür die deutsch-französischen Beziehungen versprechen. Alfred Treyfus Wunsch wird zweifellos beachtet werden. Durch sein zurückgezogenes Leben beweist er, daß er nicht aüss neue in den politischen Kampf gezogen werden will. Es wäre falsch, ihn gegen, seinen 'Willen wiederum zum Gegenstand leidenschaftlichen Parieihaders zu machen." j iTj "* * ' Sprechsaal " l *:: Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die preßqesetzliche Verantwortunq. Die Diskussion um die Friedhofserweiterung . ■ . i. Ein Wort in eigener Sache. Ich habe ein Verbrechen begangen, in öffentlicher Repräsentant enoersammlung ist über meine Untat abgeurteilt worden. Ta nun diese Versainmlung ein so merkwürdiges Kriminalgericht darsteltt, daß sich vor ihm der Angeklagte nur dann verteidigen kann, wenn er zufällig selber diesem Kollegium angehört, so seien mir hier einige aufklärende Worte gestattet. Es handelt sich um den alten Streit wegen der Fried- Hosserweiterung. Aus Grund einer gesetzlichen Bestimmung ist noch türzlich wieder einer christlichen Kirchengemeinde in Weißensee die Friedhosserweiterung versagt worden, obwohl doch christliche Friedhöfe nach 30 Jahren eingeebnet werden können. Ein jüdischer Friedhof aber ist! sür „ewig", und trotzdem sucht die Jüdische Gemeinde sür ihren Friedhof eine Ausnahme zu erwirken, wodurch nicht nnr etwa 1000 K lein gart entulturen vernichtet, sondern auch die Verkehrsstraßen von Weißensee nach dem Osten und damit die weitere Entwicklung der Stadt sür „ewig" abgeschnitten wird. Tos Vorgehen der Gemeinde hat in Weißensee begreifliche Erregung hervorgerujen, Versammlungen werden abgehalten, und die „Weißenseer Zeitung" ist seit Wochen voll von Artileln gegen die Jüdische Gemeinde. Ta nun aus biefeit Artikeln und Versammlungsberichten — begreiflicherweise! — bereits eine antisemitische Stimmung hervorkam, so habe ich mir erlaubt, in der „Weißenseer Zeitung" daran zu erinnern, daß die jüdische Bevölkerung Weißensees mit dem Vorgehen der Gemeinde ebensowenig einverstanden ist, wie die christliche, daß sie es als ein Unrecht empfindet, wenn die Gemeinde ihr Partikular-Jnteresse wichtiger nimmt als das Gesamtinteresse, und daß sie diesem Empfinden in einer Resolution Ausdruck verliehen hat, die aus einer Centralvereinsversammlung gefaßt und in diesen Blättern vertreten wurde. Wenn nun jemand mit meinen Ausführungen nicht einverstanden war, so wäre der richtige Weg der gewesen, daß man die Artikelserie der „Weißenseer Zeitung" um ein weiteres Eingesandt bereichert und vor der allgemeinen Öffentlichkeit dargelegt hätte, warum die Friedhofserweiterung berechtigt und zweckdienlich sei. Stattdessen zog man den — unter uns Juden leider vielfach beliebten — Weg der Beschwerde vor. Ein an mich gerichteter Privatbrief wird in der Repräsewtantenverfammlung öffentlich verlesen, der Gemeindevorsitzende weist darauf hin, daß mein Aufsatz „nur der Aufhetzung der Öffentlichkeit gegen die Gemeinde diene"', Herr Tr. Klee meint, „es gehe nicht an, daß der liberale Parteisekretär feiner Fraktion in den Rücken falle"", und auch die „Liberalen rücken von dem Inhalt des Artikels ab, wenn dieser auch im guten Glauben geschrieben fei"". Herr Tr. Klee als Schutzengel der liberalen Fraktion gegen meine Wenigkeit — das ist Stoff für eine Purim-Nummer. Tie Liberalen bekennen sich zu der bisherigen Gemeindepolitik in bezug auf die Friedhofserweiterung — das ist, meiner Meinung nach, Stoff für eine Tischa b’ Ab-Nummer, aber es ist schließlich ihr Recht; einzelne ihrer Mitglieder haben früher eine andere Auffassung gehabt, auch in dieser Zeitung wurde der jErweiterungsplan stets bekämpft; deshalb glaubte ich mich berechtigt, an einer Stelle meines Weißenseer Artikels gewissermaßen im Namen liberaler Gemeinde- Politik zu sprechen, während ich sonst nur rein persönlich geschrieben haben würde. — Da aber die ganze Angelegenheit öffentlich aufgerührt worden ist, so seien mir folgende Fragen gestattet: 1. Warum verficht die Jüdische Gemeinde rücksichtslos ihr Partikular-Jnteresse gegen das der Stadt Weißensee. Tie ganze Entwicklung nach Osten und der Durchgangsverkehr nach Hohenschönhausen werden „für ewige Zeiten"" unterbunden. Ist sich die Gemeinde dessen bewußt, und ist sie sich bewußt, daß keine christliche Gemeinde solcherart gegen die Bevölkerung handeln würde, daß auch eine jüdische Gemeinde die Interessen der Gesamtheit als ihr eigenes Interesse erkennen müßte?! 2. Ta die Erweiterung gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt und nur durch Gewährung einer Ausnahme erstritten werden kann, da die Verhandlungen hierüber in der Allgemeinheit Aufsehen erregt und zu Pressediskussionen geführt haben, warum greift die Jüdische Gemeinde in diese Diskussionen nicht ein und verteidigt ihr vermeintliches Recht nicht öffentlich, statt durch weitere Geheimdiplomatie Antisemitismus zu erregen? 3. In der Repräsentantenversammlung ist behauptet worden, „daß die Gemeinde bereits für tnitfe hunderttausend« Mark Gelände an gekauft habe, um die Laubenkolonistjen. zrr I

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