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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-06-25 · 26 (25.6.1930) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
26 (25.6.1930)
Date
1930-06-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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steht es über den -Fränkischen Stiftungen — ein echtes Jugendwort: „Die auf den Ewigen harren, verjüngen immer wieder ihre Kraft, daß sie auf fahren auf Schwingen wie Adler. Sie laufen, aber sie ermüden nicht, sie eilen vorwärts, aber sie werden nie matt." Vielleicht entspricht diesem alten klassischen Worte ein neues, das ein Dichter der Tage geprägt hat und das ebenso jugendlich klingt wie tief religiös: „Schreit' aus und glaube: Dir erklang das Werde! Schick Deine Blicke ans. Die ganze Erde blüht Dir ans Herz. Was schön ist, das ist Dein! Denn der ist König über alle Dinge und den berührt der Engel goldne Schwinge, der seine Blicke so aussenden kann, daß sie wie Adler- Beute heimwärts tragen und daß die Morgenstunden leuchtend sagen: Tu Mensch mit bellen Augen, nimm uns an!" Zugend und Gemeinde Referat auf der Dresdener Tagung von Or. Arthur Lilienthal Wir find dabei, uns über die einzelnen Gebiete der Jli-Arbeit auszusprechen. Innerhalb dieser Aussprache möchte ich mit einem kurzen Referat auf ein Gebiet bosonders Hinweisen, das von uns nicht vernachlässigt werden sollte. Wir sollten nicht die Stelle vergessen, die die Stätte gemeinschaftlichen jüdischen Handelns ist, unsere jüdische Gemeinde. — Vielfach in der Jugend steht man altem, was Gemeinde und was Gemeindearbeit heißt, mit einem gewissen Mißtrauen gegenüber, weil mit dem Begriff „Gemeindeailbest" die Vorstellung von Politik und Parteipolitik verbunden ist. So wird die Arbeit irr der Gemeinde nicht sehrgeschätzt. Doch ist diese Einstellung bedauerlich; sie geht von einer falschen Betrachtung aus. Es ist sicher richtig, daß vieles au der Politik, die heute getrieben wird, und an der Gemeindearbeit nicht gut ist. .Primär handelt es sich aber darum, welche Bedeutung die Gemeinde für das jüdische Loben hat. Sie ist die Stätte unserer Gemeinschastshand lungen, des sozialen Wirkens und der gottesdienstlichen und unterrichtlichen Versorgung. Sie verwaltet unsere gemein schastlichen Anstalten und Institutionen; sie ist repräsentativ für unser Judentum, kurz: sie ist diejenige Stelle, wo die Möglichkeit zur Gemeinschaftsarbeit besteht. Wir lehnen es alle ab, in der Palästinaarbeit die entscheidende jüdische Ge meinschaftsarbeit zu sehen; wir lehnen es überwiegend ab, auch nur eine entscheidende Gemeinschaftsarbeit in ihr zu erblicken. Aber gerade, wenn wir auf diesem Standpunkt stehen, müssen wir die Gemeinschaftsarbeit in unserer Gemeinde betonen. In den allerletzten Jahren hat sich die Einstellung der Gemeindearbeit zur Jugend stark geändert. Früher hatte die Gemeinde für die Jugend nicht mehr getan, als daß sie für den Unterricht gesorgt hatte. Das hat sich jedoch teilweise geändert. Und ich glaube, das; das nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Gemeinden so ist, daß die Gemeinde ansängt, die Arbeit nicht mit dem Religionsunterricht als abgeschlossen anzusehen, sondern die Arbeit der Jugend an sich selbst zu unterstützen, und daß das in der Weise geschieht, daß die Jugend zu dieser Arbeit herangezogen wird. In der Berliner Gemeinde liegen die Tinge jetzt so, daß ein Verwaltungsausschuß für die Jugendpslegearbeit gebildet worden ist und daß etwa die Hälfte der Mitglieder dieses Ausschusses von der Jugeird delegiert wird; die Jugend hat also sehr Misch eidend mitzuberaten. So wird die Jugend allmählich aus einem bloßen Objekt an der Gemeindearbeit zum Träger dieser Arbeit. Man muß sich bei der Jugendarbeit der Gemeinde nur vor einem hüten, daß das, was die Jugend braucht, unmittelbar von der Gemeindebürokratie besorgt, daß besonders die Institutionen von ihr verwaltet werden. Die Aufgabe der Gemeinde kann nur sein, zu Helsen, zu unterstützen, anzuregen. Tie Selbstverwaltung der Jugend in ihren Einrichtungen wie Jugendheimen, Schulen der Jugend darf nicht beseitigt werden. Tie Mitarbeit der Jugend in der Jugendpflegearbeit der Gemeinde wird auch dazu beitragen, einen inneren Zusammenhang zwischen jungen Menschen und .Gemeinde herzustellen. Durch sie kommen die jungen Menschen mit einer Tätigkeit in die Gemeindearbeit hinein, in der der Kamps der Richtungen keine so überragende Rolle .spielt wie in der allgemeinen Gemeindeverwaltung. So werden sie hier sachliches Zusammenarbeiten auch mit den Andersdenkenden lernen. TaS wird dazu beitragen, später dem Kamps der Richtungen, der notwendig ist, seinen vergifteten Charakter zu nehmen und ihn sachlich zu machen. ES ist dringend notwendig, das; die liberale Jugend hier mitarbeitet, da es sich auch um ihre Angelegenheiten handelt und weil sie bestrebt sein muß, in Verbindung mit der Gemeinde zu kommen. Auch ist es notwendig, dafür zu sorgen, daß nicht nur Einfluß von anderer Seite auSgeübt wird. Das ist der erste Komplex von Gemeindearbeit, der sich besonders auch für uns, für die liberale Jugend ergibt. Tie Beziehungen her Jugend zur Gemeinde dürfen sich jedoch nicht darin erschöpfen, daß pe in ihren eigenen Angelegenheiten in der Gem-einde mitarbcitct. Ter letzte Zweck ist, daß sie an den allgemeinen Gemeindearbeiten mitarbeitet. Dazu muß der Weg gefunden werden, und hier liegt ein außerordentliches Tätigkeitsgebiet für die liberale Jugend. Wer die Gemeinde kennt, wird nicht verkennen, daß sic einen Auftrieb durch die Jugend vertragen kann. Es wäre wünschenswert, wenn in der nächsten Zeit in den Jlis über die einzelnen Fragen des Gemeindelebens diskutiert und zu ihr Stellung genommen würde. Vielleicht wäre es dann auf der nächsten Tagung möglich, ein Programm aufzustellen. Hier kann es sich im Augenblick nur darum handeln, auf diese Aufgabe hinzuweisen und kurz anzudeuten, in welchem Sinne die Jugend in der allgemeinen Gemeindearbeit wirken muß. Es sind zwei Gesichtspunkte zu betonen: Tie Aufgabe der Jugend wird es sein, dafür zu sorgen, das; eine gradlinige Politik betrieben wird, daß das, was von uns für richtig empfunden wird, ohne unsachliche Rücksichten getan, daß zu den einzelnen Dingen von unserem religiös weltanschaulichen Standpunkt aus Stellung genommen wird, daß Unsere religiöse Haltung sich auch in unserem gemeindepolitischen Handeln widerspiegelt. Tie Jugend muß ferner in der Gemeindearbeit dafür sorgen, daß nicht nur „nein", sondern auch „ja" gesagt wird. Hier lag vielleicht lange Zeit eine Schwäche der Jugend, soweit sie sich mit Gemeindedingen befaßt hat. Sie hat vielfach nur abgelehnt, ohne sich zu bemühen, dem Abgelehnten ein eigenes, positives Wollen gegenüberzustellen. Wir müssen nicht nur kritisieren, sondern wir müssen in die Gemeindearbeit hineingehen, um von unserem Standpunkt aus Stellung zu nehmen und die Tinge zu gestalten. Daß nicht nur „nein", sondern auch „ja" gesagt werde, das gilt aber in anderem Sinne für die Gemeindepolitik überhaupt. Es nttrd vielfach nur eine negative Politik getrieben, die sich von anderen abhängig macht. TaS kann sich in zwei ganz verschiedenen. Richtungen auswirken, darin, daß versucht wird, den anderen zu übertrumpfen, oder in der Weise, daß man stets fragt, macht das auch nicht etwa der andere. Eine Politik unter dem Gesichtspunkt: wie verhält sich der Zionismus, und wenn der es tut, machen wir es schon nicht, ist genau so falsch, wie die umgekehrte, die darauf abgestellt ist, sich nicht übertreffen zu lassen. Wir dürfen nur eine aus unserer eigenen Einstellung beruhende, in sich selbst sichere unabhängige Politik treiben. Auf eine Gefahr will ich hier noch Hinweisen: Es hat öfter eine gewisse Neigung bestanden, politische Arbeit alle Jugendbünde gemeinsam leisten zu lassen. Das kann im einzelnen Fall fruchtbar sein. Im allgemeinen aber wird sich das Gemeinsame oft im Negativen erschöpfen. Eine positive Arbeit, die wirklich positiv etwas leisten soll, ist, von einzelnen beschränkten Aufgaben abgesehen, nur von einer positiven, konkreten Anschauung aus möglich. Dieser Anschauung im Gemeinbeleben zum Durchsetzen zu verhelfen, wird im allgemeinen nur im Rahmen einer Parteiorganisation möglich sein. Ter Einzelne, ganz auf sich gestellt, wird wenig als Einzelner erreichen. Tie Arbeit ist auf Gemeinsamkeit abgestellt. Tie Jugend muß auch hier nicht beim Kritisieren bleiben, sondern sie muß in die Parteien hineingehen, in ihnen Mitarbeiten und sie umgestalten. Deshalb ist eS auch die Aufgabe der Jlis, in den liberalen Organisationen sowie in den Gemeinden mitzuarbeiten. ES ist klar, daß die Möglichkeit und Art der Tätigkeit mit Rücksicht auf das ganz verschiedene Alter verschieden sein wird. Die Jüngsten wird man nur über die Gemeinde unterrichten, für die Gemeinde interessieren und mit ihren Problemen befassen. Es ist abernotwendig, daß die Aelteren dann tatsächlich in die Arbeit hineingehen. Das wird auf verschiedene Weise geschehen. Ter eine wird in dft soziale Arbeit hineingehen, der andere sich mit den allgemeinen Gemeindeangelegenheiten befassen, mit Religionsunterricht, oder Kultus; er wird darum vielfach zunächst in der liberalen Organisation Mitarbeiten. In zweierlei Richtungen also wird unser Streben gehen müssen, dahin, in den Gemeinden, wo er noch fehlt, die Bildung des JugendpslegeausschusseS zu betreiben und nachhaltig in ihm mitzuarbeiten, sowie dahin, einen allgemeinen Einfluß in der Gemeindeverwaltung und in der Partei zu gewinnen. Es ist nicht befriedigend, wenn die Jliarbeit sich immer nur mit uns selbst beschäftigt und mit den theoretischen Problemen. Tie Erziehung von religiösen Menschen muß sich schließlich im aktiven Tun auswirkeu. Dessen Feld ist gewiß das ganze Leben. Lein Feld der Bemühung in irdischer Gemeinschaftsarbeit ist die Gemeinde. Deswegen muß die Frucht der Jliarbeit sich auch in der Gemeindearbeit zeigen. _ Benutzen wir die Zeit bis zur nächsten Tagung, um auf diesem Wege weiter.zukommen zu einer Gemeindearbeit einer iungen Generation, die nicht nur „nein" sagt, sondern aufbaut. Sie naUonalioiialiitijtie Delle Die Wahlen in Sachsen die am vergangenen Sonntag ftattfanoen, haben, wie erwartet, ein erhebliches Anschwellen der nationalsozialistischen Stimmen gebracht. Während bei den letzten Landtagswahwn rin Ma< 1929 nur 134000 Stimmen aus die nationalsozialistische Liste entfielen, schwoll diese Ziffer 'jetzt aus 377 000 an. Ta sich int Vergleich zur letzten Landtags wohl die Stimmen der T.P.T. ungefähr aus dem bisherigen Niveau halten ,so ist der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten fast völlig aus das Konto der verschiedenen bürgerlichen Partien zu setzen, von denen die VoUspartei etwa 13-3 000, Tie Teutschnationale Partei 91000, die T-einoiratische Partei 32000 Stimmen einbüßte. Ter tieftte Grund ist natürlich u. E. irr den katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnissen zu erblicken, durch die den Politiiecn erhöhte Schanzen eiugeräumt werden, die in gewissenloser Demagogie die Massen mit einem nationalen Phrasenrausch betören dürfen. Vielleicht ist es ö'ou einer geschichtlichen Warte aus betrachtet, ein Segen, daß diese Elemente einmal gezwungen werden, mit der Verwirtlichung ihrer Phrasen zu beginnen. Dann wird sich bei kommenden Wahlen zeigen, daß, Wählermassen von vcrantwortungslosetl Oppositions-Gruppen schnell schnell gewonnen werden können, und daß sie verantwortlichen Regierungsparteien nicht minder schnell zu entfliehen vermögen. Daß vorerst unbotmäßigen lieb ergriffen durch die Reichsregierung und die Regierung des größten deutschen Landes Einhält geboten werden tarnt, sollte die erregte Stimmung, der man in jüdischen Kreisen jetzt nur zu oft begegnet, mildern. * Große Thüringen-Debatte im Reichstag Während der Beratung des Haushalts des Reichsminifters des Innern führte der voiksparteiliche Führer Abg. von Kardorff aus: Im Konflikt mit Thüringen billigen wir durchaus das Vorgehen des Ministers Tr. OWirth. Ich bitte, mir nicht mit dem Einwand zu kommen, daß meine Partei ja in der thüringischen Regierung sitze. Leider sind manchmal in den Ländern Zwangsehen nötig; sie sind eine Folge der Parlamentsspielerei in den Einzelstaaten. Ich bcdaure, daß der frühere Reichsminister des Innern Sev'ering nicht sofort eine klare Anseinattdersetzuug mit der thüringischen Regierung Herberge,ührt hat, als Herr Frick Ministerin Thüringen gewordetr war. Nationalsozialisten gehören ihrer ganzen politischen Einstellung nach nicht in führende Beamtenstellen. Tie Schulgebete sind eine Profanierung der Gebetshandlung. Beschleunigung der Reichsreform tut not, damit Schluß gemacht wird mit der SelbMndigkeit der Einzelstaaten. Als der Redner sich gegen die Berufung Günthers als Professor der Rassenkunde an der Universität Jena wairdte. soeban erschienen! Constantin Brunner uon dm flüchten der Mn und uni den Pfltcmen des Staates 50 Vorzugs-Exemplare, numeriert, signiert, und in Pergament gebunden 20.— RM. Broschiert 6.— RM, gebunden 8.— RM. Das Werk beurteilt die jetzige Lage der Juden ohne andere Rücksicht als die der Wahrheit und gipfelt in grundlegenden Forderungen an die Juden und an den Staat. „Denn es ist nicht genug, daß die Juden ewig so fort ihrer Feinde mit Worten sich zu erwehren suchen — sie müssen auch tun: die einzige wirklich Rettung verheißende Möglichkeit ist offenbar noch niemals von ihnen ernstlich in Erwägung genommen worden. Verlag fiuslav Kiepenheuer rtej ihm der Nationalsozialist Straffer zu: Sie sind wohl Jude? Als der Sozialdemokrat Tr. Rosenfeld einen Zwifchcnrus mäcktte, ries Goebbels: „Was will hier der Jude'?" Goebbels wird daraufhin votrr Präsidenten aus dein Saale gewiesen. Abg. Tr. Frick führte aus, es fei nicht wahr, daß die Nationalsozialisten mit Gewalt die Verfassung stürzen wollen: das wäre eine Dummheit. Das heutige System erledigt sich von selbst. Die von mir einpsohlenen Schulgebete enthalten leinen Angriff gegen irgetrd eine Volksschicht. Ich habe in der Erläuterung gesagt, daß sie sich gegen die art iittb volrssremden Elemente richten, und daß zu diesen Elementen in erster Linie die Juden gehören (Unruhe). Es handelt sich nicht um .Haßgebete, sondern um Freiheitsgebete (Lärm links!. Ich stihre die Politik in dem neuen Geist von Weimar, wie ich ihn verstehe. Reichsminifter des Innern Tr. Wirth führt u. a. aus: Ter thüringische Staatsminister Baum hat vor einigen Tagen dem thüringischen Volksbildungsministerium über die Art seines Vorgehens in der Schulgebetsfrage eine sehr kräftige Lehre erteilt. Ein Voll wie das deutsche, in dem so wenig Staatsgeist lebendig ist, das parteigemäß und klassenqemäß zerrissen ist, daS aüseinandergeht wie ein Faß ohne Reifen, ein Volt, das in schwersten Stunden sich gegenseitig zerfleischt, und in dem Augenblick, wo größte Gefahren drohen, innerlich uttd nach außen das Bild der Zerrissenheit gibt — ein solches Volt hat allen Anlaß zu beten. Aber bei diesen Gebeten des Hasses srage ich doch, welchen Betrug und welchen Verrat der Lehrer den Kindern darfteklen soll, wenn, sie tragen, was mit den von Dr. Frick empfohlenen Schulgebeteu geweint fei: „Herr, mach uns frei von Verrat und Betrug". Ein gewissenhafter Lehrer wird dann auch auf die verschiedenen Hochverratssälle eingehen. Vielleicht spricht er auch davon, daß der jetzige Minister Dr. Frick wegen Beihil;e zu Hochverrat zu einem Jahr und drei Monaten Festunasbaft verurteilt worden ist. Dr. Frick hat in seinen Erläuterungen klar gesagt, daß. der Vorwurf des Verrats sich gegen die Juden richten soll, er hat als art- und volksfremde Elemente auch die Juden bezeichnet. (Zuruf bei den Nat.-Soz. : „Bestreiten Sie das?"). Um der Ehre der deutschen Juden willen bestreite ich das! Ich weise diesen Vorwurf zurück. Niemand ist berechtigt, einen Vollsteil in Deutschland von vornherein ob seiner Art zu diffamieren. Tas ist der Kern unseres staatlichen Lebens, daß jeder Staatsbürger in seiner Ehre, Würde und Freiheit geschützt wird. (Beifall.) Die von Tr. Frick empfohlenen Schulgebete sind in den Gutachten hervorragender evangelischer Theologen abgelehnt worden, auch von dem jüngst verstorbenen großen Theologen von Harnack. Die Art, in der die Nationalsozialisten die Disziplin in unserer ffeinen Wehrmacht zu untergraben versuchen, htbcnt sie den Reichspräsidenten beschimpfen, zum gewaltsaw.en Sturz der Verfassung ausfordern, läßt es unmöglich, erscheinen, einen leitenden Polizeiposten in die Hände eines Nationalsozialisten zu legen. Die thüringische Regierung bestätigt die Arickschen Gebete Vom thüringischen Staatsministerium ist das im Streite um die sogenannten „Freiheitsgebete" des Kultusministers Dr. Frick an den vom Reichsinnenminister Dr. Wirth angerufenen Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich gerichtete Schreiben bekannt gegeben worden. Tie Ausführungen bedeuten eine Identifizierung der gesamten Landesregierung mit der Frickschen Verordnung. Es wird der Ansicht des Reichsinnenministers Dr. Wirth widersprochen, daß die Empfehlung der Schulgebete 2, 3 und 4 gegen Artikel 148 Absatz 2 der Reichsverfassung verstoße, und gleichzeitig Verwahrung eingelegt gegen die Behauptung, daß die Form der Gebete aus parteipolitischen Gründen gewählt sei. Die Behauptungen Fricks im Haushaltsausschuß des Landtages über Wesen und Zweck seiner Schulgebete (nämlich daß sie gegen die Juden gerichtet seien, Anrn. der Red.) seien „in nicht mißverständlicher Ironie" gehalten gewesen und darum nicht buchstäblich zu nehmen. Die Presse stellt fest, daß die jetzige thüringische Regierung dem nationalsozialistischen Einfluß verfallen ist.

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