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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-06-18 · 25 (18.6.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
25 (18.6.1930)
Date
1930-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bracht haben, daß im Durchschnitt 67 Arbeiter im Jahre 1925 so viel produzieren konnten, wie 100 Arbeiter nn Jahre 1899, und dies trotz der Verminderung der Arbeitsstunden. Wenn diese Fähigkeit sich auf dieselbe Weise und tu demselben Tempo im Lause der nächsten 25 Jahre fortcntwickeln würde, brauchte man am Ende dieses Zeitraumes nur 45 Arbeiter dort, wo man gegenwärtig 70 beschäftigt und zu Beginn des Jahrhunderts 100 benötigte/' Das gilt für neue Industrie,! vielleicht noch mehr als ,ür alte In dem erwähnten Artikel wird z. B. ausgeführt, daß die Aulomobilindustrie im Jahre 1925 nur ein Tritte! der Arbeitskräfte chr die gleiche Zahl von Automobilen beschäftigte wie im Jahre 1914. Tie Gefahr, daß die Arbeit nicht mehr hinreicht, uni alle Menschen am Arbeitsprozeß teilnehmen zu lasse,!, wird ersichtlich. Bei uns ist es ja keineswegs anders als in Amerika. Ter Statistiker des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschastsbnndes, Woytinsti, hat aus Grund genauer Untersuchungen sestgestellt, daß der Aufwand an menschlicher Arbeitskraft iiti Jahre 1929 um 2°<. kleiner war als im Jahre 1927, dagegen der Gesamtumfang der deutschen Produktion 1921) um 9<>o über dem Niveau 1927 lag. Ans die Einheit der Arbeitskraft entfielen im Jahre 192" also rund II-.. mehr an sozialem Produkt als im Jahre 1927. Und diese Entwicklung trotz Kürzung der Arbeitszeit. Im Jahre 1890 betrug der Arbeitstag in den wichtigsten Jndu >strieländern iin Durchschnitt 10 stunden. Heute hat sich überall der Achtstundentag durchgesetzt. Tie normale. Arbeitszeit ii daher im Lause einer Generation um ungefähr 20",H verkürzt worden. Doch hat uns die Kürzung der Arbeitszeit glücklicher gen,acht? In meiner Jugend zitierten wir in revolutionärer Stimmung das Lied vom Arbeitsmann, das Richard Tehmel geformt hatte: .. uns fehlt nur eine Kleinigkeit, uni so frei zu sein wie die Vögel sind, nur Zeit". Hat sich dieser Glaube oes Dichters nicht als trügerisch erwiesen? Ist es nicht wahr, wenn der Pro.essor an der Universität Besancon. Louis Rougier, kürzlich in einem Ar tikel „Ter Maichinenrausch von heute" das Paradox geprägt hat: „Tie Maschine, die die Arbeitsstunden verminderte, hat' die Mußestunden verschlungen?" Und doch. Alle trübseligen Betrachtungen zu diesem Thema sehen nur die eine Seite der Entwicklung, so gewiß die grandiose Verwertung von Maschinen kraft neue Not und neue Sorge verursachte, nicht übersehen darf werden, das; sie auch Bereicherung und Segen mit sich brachte. Ter ehemalige badische Staatspräsident, Tr. Hermann Hummel, hat ganz mit Recht geschrieben: „Noch sind Hunger und Nol und Arbeitslosigkeit nicht ausgervttet. Man soll die Tinge aber doch nicht so hinstellen, als ob das Erscheinungen des Ma schinenzeikalters wären. Tas von Hungersnöten und Seuchen entvölkerte, von Scharen von Räubern und Vagabunden durchzogene Europa der Vorzeit ist erst durch das Zeitalter der Maschine in ein Land verwandelt worden, in dem es Hunger, aber keine Hungersnöte, Krankheit, aber keine Seuchen gibt, gegen die der Kampf nicht geführt und zum großen Teil nicht gewonnen worden wäre. Tie Glühlampe im be scheidencn Heim des Arbeiters, der Gasherd auf 'Miete mit Automat, Straßenbahn, Hygiene auf allen Gebieten, Land straßen ohne Lebensgefahr, Eisenbahnen usw. nsw. sind Einrichtungen, deren Existenz der romantische Gelehrte oder der dialektische Temagog als gegeben hinnimmt, wenn er mit Füllfederhalter oder per Rundfunk das goldene Zeitalter der böhmischen Dörfer herausstreicht gegenüber dem Zeitalter der Maschine. Dieses Zeitalter und die Einführung der Maschine in die Technik sind seit der ersten Anwendung des Feuers die stolzeste Leistung des menschlichen Geistes." Nicht darum also kann es sich für uns handeln, das Gute und das Schlechte des Maschinenzeitalters hier gegeneinander abzuwägen. Nur ein Bild zu entwerfen hielt ich mich für verpflichtet. Nock einige Feststellungen muffen in diese«! Zusammen hang ohne Versuch einer Wertung als Folge der Entmist lang gemacht werden. Erstens: Der Anteil der Landan der Gesamt-Bevölkerung ist in ständigem Rückgang. Im Jahre 1875 wohnten nur 6,8 Prozent der Reichsbeoölkerung in den Großstädten. Um die Jahrhundertwende waren es 16,2 Prozent, im Jahre 1925 betrug die entsorechende Ziffer bereits 26,8 Prozent. In diesen 50 Jahren ist die Reichsbevölkerung in den Landgemeinden von 60,9 Prozent der Gesamtbevölkerung aus 35,6 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung gilt nicht nur für Deutschland. Zweitens. Innerhalb der Befchäftiguugsgrupven sind selbstverständlich recht erhebliche Verschiebungen vor sich gr gangen. Die Ergebnisse der Berufsstatistik zeigen, daß in den Jahren 1882 bis 1925 der Anteil der Berufszugehörigen an der Gesamtbevölkerung in der Land und Forstwirtschaft von 40 auf 23 Prozent fank, in Handel und Verkehr hingegen von 9,7 Prozent auf 16,9 Prozent stieg. Auch das gilt keineswegs nur für Deutschland. Und drittens. Tie Zahl der Arbeitslosen ist in der ganzen Welt - Ausnahmen wie Frankreich bestätigen nur die Regel außerordentlich hoch. Dabei besteht im all gemeinen kein Unterschied zwischen Staaten, die sich am Weltkrieg als Sieger, als Besiegte oder als Neutrale beteiligten. Schließlich noch als Viertes die Feststellung, daß die Möglichkeit des Unselbständigen, sich eine selbständige Wirt schastsposition zu erringen, nahezu gleich Null geworden ist. So etwa ist das Bild. Und wenn dieser oder jener Einzelnes auch anders sehen mag, an dem Gesamtbild dürfte sich dadurch wohl sehr wenig ändern. Und nun ergibt sich die Frage: .Haben wir Forderungen aufzustellen, weil wir einen Widerspruch zwischen Wirklichkeit und unserem religiösen Idealbild erkennen? Welche Forderungen können die Uebereinstimmung herbeiführen? Oder können wir eine Uebereinstimmung der beiden Bilder feststellen? Wieder kann ich nur einige Teilprobleme, nicht den Gesamtkomplex erörtern. Ich habe bereits die Arbeitslosigkeit gestreift. Sie wissen, daß es als ein sozialer Fortschritt angesehen werden muß, daß durch die Einrichtung der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge wenigstens für eine gewisse Zeit der Erwerbslosigkeit ein begrenztes Einkommen auch dem Beschäftigungslosen gesichert ist. Daß ich eine solche Regelung für erfreulich halte, bedarf wohl für die, die mich kennen, keiner besonderen Erwähnung. Daß ich bei den gegenwärtigen Reformplänen und ihrem Echo oft die Empfindung habe, es gibt leider noch Menschen, die nicht nur — und das mit Grund — gegen Sonderbelastungen einzelner Gruppen protestieren, sondern es gibt Menschen, die mehr um die besorgt sein zu müssen glauben, die das Glück eines Erwerbes haben, als um jene, die sich ihr Brot wider ihren E Gottesdienste verttn-Nordei». Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 20. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Dr. Swarsenfty. «onnabend vormittags 10 Uhr Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Lften (Kaiserftrahe 20-30). Freitag, 20. Juni, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst. Predigt Dr. Andorn. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westenb (Aula Leistilowstr. 7, nahe Reich»- kanzlerplah). Freitag. 20. Juni, avends 7 llhr, Gottesdienst. Predigt Radbinatslandidat Mchler. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdors (Cecilievschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 20. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Neumarl, Duisburg. Jüdisch« Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Lonntag, 22. Juni. Johannisstratze 18: vormittags 10 Uhr; Predig!: Dr. Rosenthal. Kleiststratze 10, vor vormittags 10 Uhr; Gastpredigt: Rabbiner Dr. Goltfchalk, Frankfuct a. M. Willen nicht durch Arbeit verdienen können, das fei nur nebenbei erwähnt. Aber vom Standpunkt nuferer Weltanschauung aus muß, meine ich, gefordert werden, daß die heutige Auffassung, die Gesellschaft könne die Entziehung von Arbeitsmöglichkeiten durch Geld gutmachen, revidiert wird zugunsten der Erkenntnis, daß sie zur Schaffung von Ar beitsmöglichkeiten für die Gesamtheit ihrer Mitglieder mo-- ralisch verpflichtet ist. Das ist auch wirtschaftlich betrachtet zweckmäßig. Mit Recht hat Aushäuser, der Vorsitzende des Allgemeinen freien Angestelltenbundes, den Satz geprägt: ,Es ist unwirtschaftlich und aus die Tauer unerträglich, mit der fortschreitenden Rationalisierung immer mehr menschliche Arbeitskraft (Erwerbsloses aus Lager zu legen." Wie müssen wir dieses Problem sehen? Arbeftsleistniig ist uns nicht nur Vollbringung einer wirtschaftlichen Tätigtest, sie iß uns auch die Erfüllung einer sich aus dein Göttlichen für den Menschen ergebenden Ausgabe. Uns, die wir .nicht den Briet staben, sondern den Sinii des biblischen Wortes, bejahen, uns ist in deiii Worte ,,Jiri Schweiße deines Angesichtes sollst Tu Tein Brot essen" ja geradezu eine der wesentlichsten Ausgaben nienschilchen Lebens offenbart. Mag die Büchstaben-- gläubigieit in der Arbeit seit dem Sündensall . im Garten Eden Strafe für menschliche Vergehungen erblicfen, uns wird hier, will mir scheinen, der Sinn der Arbeit, die ethische Bedeutung menschlichen Tuns offenbart. Arbeit chird zum religiös-ethischen Postulat: sie ist Folge menschlicher Uuvülltommenheit und Werkzeug zum Bau göttlicher 'Vollkom menheit. Kann bei dieser Auffassung die Beantwortung der Frage noch zweifelhaft sein, ob die Gesellschaft ein Recht hat, den Menschen der Gelegenheit der Arbeit, zu berauben? Gerade diejenigen unter uns, die die Arbeitslosenversicherung als soziale Notwendigkeit der Jetztzeit voll und ganz bejahen/ muffen immer wieder daraus Hinweisen, daß Arbeitslosigkeit nicht nur wirtschaftliche, sondern seelische Interessen des Menschen gefährdet. Ist als Folge der Rationalisierung und der technischen Entwicklung bei achtstündiger Arbeitszeit die zur Befriedigung des Konsums erforderliche Prohüktioit von weniger inenschlichen Arbeitskräslen zu leisten als vorhanden sind, sodaß mit einen! ständigen Arbeitslosenheer zu rechnen ist, so niuß eine Lösung der Schwierigkeiten gesunden lverden, nicht durch Zahlung eines gewissen Entgeltes seitens der Gesellschaft an die Erwerbslosen, sondern durch weitere Pcrtürzung der Arbeitszeit oder Steigerung der Kon sumbedürfnisse, damit wieder alle Menschen, die willig sind, am Arbeitsprozeß teilnehmen können. Denken wir doch daran, daß der Psalmist beim Preise Gottes und der Schilderung der Vollkommenheit der sittlichen Weltordnung nicht!zu erwähnen vergißt, daß „der Mensch auszieht an fein Werk und an seine Arbeit bis zum Abend". Heule ist das vielfach anders geworden. Tausende und Abertausende ziehen an jedem Morgen aus mit der Hoffnung, eine neue Beschäftigung zu erhalten —- und kehren heim in dern Bewußtsein, statt geschaffen wieder auf Arbeitsgelegenheit gewartet zu baden. Iß es verwunderlich, wenn diese Menschen resignieren?. Wenn es sich dabei vielleicht gar um Menschen um die Vierzig herum handelt, die mit ziemlicher Gewißheit bereits bis zu ihrem Lebensende aus dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet sind? Sollte die Lage dieser Menschen nicht durch ein Sondergesetz vorweg geregelt werden, das Großbetriebe zwingt, in einein beßinunten Prozentsatz auch ältere Arbeiter und Angestellte zu beschäftigen bzw. bei Neueinstellungen zu berücksichtigen und das für diese Menschen erhöhten Kün digungsschntz gewöhn? So ergibt sich als erste Forderung: Wiederertennen der gesellschaftlichen Verpflichtung, die Erfüllung des Einzelrechtes auf'Arbeit zu ermöglichen. Und nun kommen wir zur Frage des Arbeitsertrages. Bemühen wir uns auch' hier gerecht zu sein. Tie Sorgen des Arbeitgebers sind heute oft nicht geringer als die des Arbeitnehmers. Und es tzst dichterische Uebertreibung, nicht über Wirklichkeit, wenn Schönlank sagt: „Tie Kleider wirken, gehen bloßdie Häuser bauen, wvhnungslos, die Kohlen graben, ohne Herd, die Werte schaffen, ohne Wert." Doch wir müssen wohl auch hier tiefer prüfen. Die Unzufriedenheit der Tätigen hat meiües Erachtens ihre Ursache in der völligen Trennung von Schöpfer und Geschöpf. Tie Arbeit wird nicht znehx um eines Zieles willen, sondern um des Entgeltes willen getan. Das Ziel der Arbeit ist dem Arbeiter, der nur einen Einzelvorgang kennt, oft sogar unbekannt. Ob die Zwecke, deren Erreichung mit dem fertigen Arbeitsprodukt bewirft werden sollen, den Gesinnungen der an der Fertigstellung Mitwirkenden entspricht oder nicht, ist Ivöllig gleichgüstia, Gesinnungen darf sich kaum noch der Arbeitgeber, 'gewiß aber nicht der Arbeitnehmer im Wirtschaftskämpfe gestatte«^ Isis wirklich verwunderlich, daß all das viele Menschen und gewiß nicht die schlechtesten als unwürdig, als unerträglich empfinden? Daß ein neues KollektivbewuUfein inider Wirtschaft gefördert wird? Ein Arbeiterdichter, Karl Bröger, SjOltWERO^ Rillig, uiDohlSchmcjckcnd, \ nahrhaft. hat einmal gesagt: „Bausteine Gottes sind wir alle, jeder nur Stein, keiner Tempel allein." Wer ist sich dessen denn heute im Leben des Alltags noch bewußt? Wer darf sich dessen denn noch erinnern? Nirgends war vielleicht bisher eine solche gesinnungsmäßige Arbeitsdemokratie stärker vorhanden als in Israel. Hier herrschte Kvllektivbewnßtsein. .Hier gab es keine Minderbewertung irgend einer ehrlichen Arbeit; hier sollte sogar der Gelehrte eine weltliche Arbeit verrichten. > : ■ ■ V-«’ Wir find von 'der Jndividual Wirtschaft zur Kollektivs Wirtschaft gelangt. Tie Formen haben sich geändert. Mam-, mut-Betriebe sind entstanden, Einzelbetriebe scheinen dem' Urt*' tergang geweiht. Aber der Geist der Wirtschaft dünkt mich, wesentlicher als die Form. Ich will hier weder für/ noch weniger gegen die sozialistische Wirtschaftsauffassung sprechen: - Ich glaube, daß es nicht Sache der Religion ist, sich fijr,,ftns der möglichen Wirtschaftssysteme zu entscheiden. Tie' Religion hat ihr eigenes Recht. Sie hat das Gewissen eines jeden Wirtschaftssystems zu sein und ist so vielleicht dazu berufen, die Brücke zwischen privater und sozialistischer Wirtschaft zu bauen. Sie hat zu verhindern, daß die Wirtschaft zur Feindin der Persönlichkeil wird und sie hat ebenso (zu verhindern, daß einige wenige zu .Herren über Biele, zu Sklavenhaltern im modernen Gewände werden. Eine Wirtschaftsform freilich scheint 'mir auf Grund derartiger Erwägungen besonders fördernswerd. Eine Wirtschaftsform, die erfreulilicherweife auch von Anhängern der Privatwirtschaft ebenso gefördert wird, wie von Anhängern des Sozialismus: T i e G e n oft f e u f ch a f t. Sie scheint mir in der Praxis, die berufene .Vermittlerin. zwischen Individualismus und Sozialismus, die Brücke zwischen Kapitalisinuns und KollefttvismuL Sie ift meines Erachtens die einzige Möglichkeit zur Verwirklichung der Wirtschaftsdemokratie in einer dem' jetzigen Stand der Technik und der Wirtschaftsorganisation' entsprechenden Form. Sie birgt die Fähigkeit in sich, die verhängnisvolle Trennung der Menschen in die zwei Gruppen der Arbeitsgeber und der-Arbeitnehmer auszuschalten, sie kann,-bewirken, daß das Mitglied der Genossenschaft sowohl Produzent als auch Konsument ist. . i Ich kann hier naturgemäß alle diese Fragen - nicht erschöpfend bel-andetn--Hoffentlich bietet 4>t-e- Diskussion Gelegenheit, noch ausführlicher auf die angeschnittenen, Fragen zurückzukommen. Als wesentlich sehe ich aber auch noch dies an: Nicht nur den Egoismus des Einzelnen muß das Kollektivbewußtsein peredeln, nicht minder wichtig ist auch, daß der Gruppenegoismus überwunden wird. Fast will es mir scheinen, als ob. der Mensch heute oft seine Haupttätigkeft darauf verwendet, die göttliche Welt zu komplizieren. Weil uns der Begriff -er einen Menschheit noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden ist, weil wir das Beivußtsein, daß alle Menschen im Ebenbilde Gottes geschaffen sind, noch nicht in unseren Alltag ausgenommen haben, sind Schranken zwischen Mensch und Mensch errichtet worden, die Mühsal und Krisen statt Erleichterung und Segen geschaffen haben. All' die nationalen und wirtschaftlichen Schranken, die die Menschen errichtet haben, haben Uns fast den Gedanken der einen Menschheit auf dem Gebiet der Wirtschaft vergessen lassen. Deshalb glaube ich, sollten wir grundsätzlich für Freihandel und für Ersetzung der heutigen anarchi sch e n W e l dw i v t f cf) o f t d n r ch P a n w i r t s ch a s t eimreten. Wohl| mögen temporäre, örtliche Ausnahmen von diesem Prinzip! zweckmäßig sein, aber unser Grundsatz muß, denke feststehen. I Ich habe versucht, mit einigen Strichen die Wirtschafts-i sl'tuation der Gegenwart zu zeichnen. .Habe von dem.Hecht des; Menschen auf Arbeit gesprochen und einige Tinge,.die Wirt-! schastssormen betressen, gestreift. Eines, fast möchte ich meinen, das Wesentlichste, muß ich zum Abschluß dieser Betrach-', tungen noch erörtern. Es ist die Erstarrung der Menschen-! gruppen in der Wirtschaft. Hier sehe ich den stärksten' Wider- > sprach zu unserem Idealbild. Von dem soviel miUstäuDen! Wort „Freie^ Bahn dem Tüchtigen" kann keine Rede mehr; sein. Eine Statistik, die vor kurzem in der vom statistischen Reichsamt herausgegebenen Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" veröffentlicht worden ist, zeigte, daß der Arbeiter E in kaum nennenswertem Umfang die Möglichkeit sozialen Anf^ stregs ferner Küster lierbei'ühren 'kann. Und was hier die' soziale Statistik lehrt, das zeigt sich uns auch bei vielen anderen Betrachtungen. Wenn ein Mensch ein geMg-lit?raft-j. sches Wetzl schafft, wenn ihm eine technische Erfindung ge-..' lingt> so begrenzen wir das Recht des Einzelnen' cht 'Mm1 Ertrag, seiner Leistungen auf eine Anzahl von Jahren^ Wes^>, halb soll da Geld ad infinituin vererbbar sein. ZVeshakb sollen die einen als Millionäre, die anderen ohne Aussicht aus materielles Lebensglück geboren werden? Ist es richtig, daß Preissteigerungen des Bodens, die die Folge oer Arbeit der Gesamtheit sind, heute bei dem bestehenden Bodenrecht von einzelnen eingeheimst werden? Was‘ wir in dieser Beziehung fordern müssen, das ist! Auflockerung, Ueberwiudung der Erstarrung. Wir müssen zu einem Zustand zuriMehren, wie er einst wenigstens in der Theorie in Israel schon bestand. Ter Geist des Jobeljcchres muß wieder wach werden, die Posaune muß wieder ertönen, damit neues Werden ermöglicht wird, Hoffnung und Glaube geweckt werden. -Wie-einst in Israel nicht der Boden, sondern nur sein Ertrag für eine Zahl von Jahren verkauft werden kann, so nmß auch, in unserer Zeit wieder die Erkenntnis Platz greifen, daß die Produktionsmittel nicht zum ewigen Eigentum einer begrenzten Menschenschar werden, dürfen. , Mr, . wenn,so die Kluft zwischen Leben und: Religion überwunden werden wird, nird ihr Bestand gewährleistet

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