Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 24 (11.6.1930)
- Date
- 1930-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Jahrgang Hummer 24 Beilage 11. Juni 1930 Wünsche aus dem Ausland Claude G. Montefiore, London: Präsident des Weltverbandes für liberales Judentum Ich bin hocherfreut, daß es mir gestattet ist, meine Grüße und besten Wünsche für die Dresdener Tagung zu übermitietn. Ich kann mir keine wichtigere Versammlung des liberalen Judentums in Deutschland denken. Es ist ein äußerst hoffnungsvolles Zeichen der Zeit, daß, die jungen Menschen begmntn, ein tieieres Interesse an der künftigen Entwicklung unserer Religion zu nehmen, und zwar so gut, als cs unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist. Die Hoffnnng einer jeden Religion ruht unabweislich bei den Jungen. De sind es, die das Webt ihrer Väter fortsetzen müssen. Noch mehr muß dies der Fall sein bei einer Religionsauffassung lvie der des liberalen Judentums, welche nicht von unabänderlichen Bräuchen, Gesetzen oder sestgelegten Glaubensartikeln abhängt oder solche annimmt. Wie wir zum Teil die Auffassung und praktische Ausführung von unser e n Vätern empfangen und übernommen haben, sie teilweise auch abgeändert und weiter entwickelt haben, so muß es auch mit uns und unseren Kindern sein. (Ich spreche als atter erfahrener Mann.) Nur müssen sie ebenfalls so mutig sein wie wir — ich sage dies in aller Bescheidenheit — s o niutig, wie wir sür Judentum, Religion und Gott cingeirclen sind. Nur müssen auch sie den Willen haben, als Streiter und Diener des Herrn, die Sendung Israels vorwärts zu tragen. Es gilt, diesen Mut, diese Glut, diesen Eifer, diesen Enthusiasmus zu jestigen und zu vermehren, wie es gerade die Ausgabe solcher Zusammenkünfte, wie die in Dresden ist, Ihr Ausgang gibt ihnen erst ihre Bedeutung. Aber das ist noch nicht alles. Wir, die älteren, dürfen nicht erwarten, daß die Jugend über älle Fragen genau so denkt, wie wir, daß sie alle Tinge in demselben Lichte sieht, wie wir. Wie wir vorwärts kämen, so werden sie vorwärts tcvmmcn. Ties ist die eigentliche Grundlage des liberalen Judentums. Sie werden manche Tinge besser verstehen, als wir sie verstanden. Indem sie aus unseren Schultern stehen, werden sie, so es Gott gefällt, ein wenig weiter in die Kahlheit cindringen, als es uns möglich war. Nur laßt sie Gott lieben und aufrichtig sein; nur laßt sie Judentum, ihre und unsere Religion lieben. Dann laßt uns ihr Zusammenkommen begrüßen; laßt uns ihnen die Fackel weitergeben, im Vertrauen daraus, daß sie in ihren Händen noch, heller leuchte. Möge Gott Euere Zusammenkunft segnen' (llebertragung aus dem Englischen.) LNy h. Aloniagu, London: Die Konferenz der Jugend-Organisationen, die jetzt rn Dresden stattfinden soll, wird vielleicht die große Chance bieten, auf die wir Aelteren schon so lange warten. Wir möchten sehr gern wissen, wie unsere Jungen über die ungeheuren religiösen Probleme ihrer Zeit denken, und wir sind geneigt, ihnen ein wenig zu grollen, weil diese Jungen sich so garnicht aussprechen. Wir wissen, daß unter ihnen der Geist der Rebellion gegen eine behördlich geregelte Religion weit verbreitet ich Ein Teil der gegenwärtigen Unzufriedenheit ist — das geben wir zu — durch Fchler der Vergangenheit verschuldet worden. Die alten Formen und Gebräuche waren nicht immer der Ausdruck eines geheiligten Lebens, wenn sie auch mit dem äußeren Anschein der Heiligkeit ausgeübt wurden. Manchmal wurden auch die Zeremonien als Zweck an sich innegehalten und nicht als Hilfsmittel für ein richtiges Leben. Trotzdem, so scheint es uns, verlangt unser Zeitalter dringend nach mehr Religion, nicht nach weniger; denn nur Religion allein kann uns den absoluten Maßstab von Rechtschaffenheit. Liebe, Wahrheit und Schönheit geben, nach dem wir unserem Leben eine sehe Ordnung geben können. Nur die Religion allein kann wirksam zu jenem Kamps gegen Unwissenheit, Elend und Sünde begeistern, der das Königreich Gottes au, Erden näherbringen kann. Wir müssen unsere religiösen Glaubensbekenntnisse neu auWellen, denn diese müssen mit dem modernen Denken und Fühlen in Einklang stehen. Wir müssen unsere religiösen Werte neu einschätzen, denn unsere Perspvitioe hat sich geändert und das Judentum reicht so weit wie das Leben und kann uns helfen, alle Erlebnisse unseres Geistes und Gemütes zu harmonisieren. Um aber dieses Werk vollbringen zu können, brauchen wir Kopf und Herz der Jungen in unserer Mitte. Wir verstehen, daß ihr Schweigen oft auf Ehrfurcht vor der Größe des religiösen Problems beruht. Mit den Augen des modernen Menschen gesehen, ist das Universum so viel weiter geworden als in der Vergangenheit, und der Gott des Universums scheint völlig außerhalb der Grenzen jeder menschlichen Definition zu stichen. Es mag daher sein, daß der vorherrschende Agnostizismus, der dem T-enken der kommenden Generation eine Note der Depression verleiht, zum Teil gerade auf tiefer Ehrfurcht vor der Religion beruht. Nichtsdestoweniger bitten wir unsere Jungen, sich offen ausznfprochen und uns zu fügen, was sie von dem heutigen Judentum verlangen und was fie zu geben haben, denn das Judentum verlangt Opfer ohne Ende. Wir, die wir an die j ortschreitende Offenbarung glauben, sind der Ansicht, daß jedes ehrfürchtige Suchen unserer Jugend-Organisationen nach Wahrheit eine weitere Entwicklung der Wahrheiten des Judentums ergeben muß. — „Ein Feuer geht vor Gott einher und verbrennt seine Feinde." — Dieser Ausspruch mag grausam und rachsüchtig klingen — einen in seiner Wildheit elementaren Glauben an Gott enthüllen — wenn man ihn so auslegt, daß er sich aus menschliche Feinde Gottes bezieht. Wir, die wir den Gott des Universums verehren, sehen in seinen ewigen Armen die ganze Menschheit. Er hat keine Feinde. Wenn wir aber diese Worte in geistigem Sinne auslegen, enthalten sie sicherlich eine große Wahrheit. Das Feuer Gottes brennt mit ewigem Licht — es läßt alles Böse, alle Falschheit und Häßlichkeit dahinschwinden. An die Jugend ergeht der Ruf, in diesem Werl der Zerstörung und dem des Aufbaues, welcher unmittelbar daraus folgen muß, mit Gott zusammenzuwirken. Ich wünsche der Konferenz Gottes Segen und vertraue darauf, daß das Werk der Zerstörung zur Entdeckung der alten Grundlagen führen wird, auf denen ein neues, reines Glaubensgebäude errichtet werden kann. Aber das Auchauwerk ist von höchster Wichtigkeit, und die Jungen vernachlässigen es auf eigene Gefahr. Ich hoffe, man wird finden, daß die Gefäße, welche das Licht enthalten, nach einem schönen und dauerhaften Plan erdacht wurden und nicht achtlos beiseitegeworfen werden dürfen, wenn sie auch hier und dort vielleicht reduziert werden müsse'.?, um sie den Bedürfnissen der Gegenwart anzupassen. Aber das Licht selbst ist göttlich und die Männer und Frauen, die sich seiner bedienen wollen, müssen sich ihrer göttlichen Hevkurift und Bestimmung bewußt fein, und Betr. Ili-Tagung in Dresden Allgemeiner Treffpunkt (Wohnungsnachwrisj Gemeindehaus, Zeughausstraße 3. Nächste Verbindung: Neust adter Sahn Hof mit Linie 17 (ab Hauptbahnhof mit Linie 1, 5, 14 oder 16) bis Haltestelle Ralhenauplatz. Das gemeinschaftliche Mittagessen Sonnabend und Sonntag findet in nächster Nähe vom Gemeindehaus bei Herrmann, Serrestratze, statt. während sie für die Gegenwart arbeiten, Ewigkeit in ihren Herzen fühlen. Ich hoffe, viele Vertreter der Jugendbewegung auf der im Juli stattsindenden Konferenz der Welt-Union in London zu sehen. Wir werden dann in unserer besonderen Jugend- Sitzung einige der aus ihren Zusammenkünften herausgearbeiteten Ansichten zu hören bekommen. Tiefe werden der Jugend mehrerer Länder vvrgetragen werden, und wir zweifeln nicht, daß dies zu nützlichem und anregendem Gedankenaustausch führen wird. Nochmals Gottes Segen Ihrer Konferenz und deren Führern! Rabb. Dr. TNattuck, London: Ich nehme gern, die Gelegenheit wahr, dem Jli-Treftcn der Jüdisch-liberalen Jugendvereine meinen Gruß zu senden. Eine Zusammenkunft junger Männer und Frauen, um die Probleine des liberalen Judentums durchznfprechen, läßt vieles er hoffen für die zukünftige Entwicklung und Stärke der Bewegung, an der wir alle interessiert sind. Wir st;ehen vor dringenden Fragen, die nach Lösung verlangen. Die Faktoren, welche die heute vorherrschende Indifferenz gegenüber der Religion erzeugt haben, sind bei den Juden durch Momente verstärkt worden, die gerade im Leben des Inden austreten und an seine Religionstreue besonders große Anforderungen stellen. Tie wissenschaftliche Aujsajsung des Universums und die Industrialisierung des menschlichen Lebens haben zu Zweifeln an der Realität geistiger Werte und Mächte, an der Existenz des Geistigen im Universum und an dem Wert der menschlichen Persönlichkeit geführt. Das Judentum, welches für diese Grundideen eintritt, muß gegen die mechanistische Weltanschauung und die materialistische Bewertung des Menschenlebens um seine Erß stens ringen. Aber es hat auch noch einen anderen Kampf auszufechten. Es hat sich nie völlig den modernen Verhältnissen des jüdischen Lebens angepaßt. Tie Bewegung, die aus dem Ghetto herausführte in das weitere Leben einer erweiterten Welt brachte eine andere Lebeweise und eine erweiterte Lebensauffassung mit sich. Aus mißverstandener Traditionstreue hat die Synagoge es abgelchnt, sich und ihr Wirken den veränderten Verhältnissen und Auffassungen und ihre Lehren und religiösen Uebungen der veränderten Denkweise anznpassen. Tie Folge war, daß diejenige Institution, welche die Quelle jüdischen Lebens ist, an Einfluß verloren hat. Dadurch, daß sie in der Frage der Anpassung versagte, hat diese Institution, die der Leitung und Erhaltung des jüdischen kommunalen Lebens dienen und dem einzelnen Juden geistige Kültur übermitteln soll, ihre Macht eingebüßt. Wir müssen unter den neuen Bedingungen die enge Verbindung Knurrt der Magen, dann haperi’s mit der Arbeit. vcuuiu iioil uci DCriUStätige stets eine Schachtel Orba in Reserve, denn diese herbe Bitter- Schokolade bietet nicht nur angenehme Erfrischung, sondern auch vollkommene Nahrung. HOCHFEIN BITTEP zwischen Judentum und Leben wiederherstellen, um zu zeigen, welche Lehren für das Leben des Einzelnen, für das soziale und nationale Leben unser Glaube enthält. Vor dieser Aufgabe stehen die jungen Männer und Frauen, die dem liberalen Judentum dienen wollen. Tie erste Generation liberaler Juden begründete es und baute es auf; die nächste Generation bewahrte und befestigte es: es ist Sache dieser Generation, es zu entwickeln. Das liberale Judentum ist diejenige Form des Judentums, die besonders danach streben sollte, eine Entwicklung des jüdischen Denkens zu modernem Denken und eine Anpassung jüdischer Formen an moderne Anschauungen durchzuführen. Darum fühlen viele von uns, daßi vom liberalen Judentum die Zukunft des Judentums und der Juden abhängt. Es hat die Macht, ihnen die Weiterexistenz zu sichern. Aber das liberale Judentum hängt selbst mit seiner Existenz und seiner Macht von der Treue, der Denkkraft und den Opfern seiner Anhänger ab. Nach seinen eigenen Grundsätzen darf das liberale Judentum nicht in der Vergangenheit leben. Es soll wohl die Leitung und Hilfe der Vergangenheit benutzen, muß aber die Gegenwart und noch in ehr die Zukünft bedenken. Es muß das Ziel anstreben, das Judentum zum Interpreten und Führer im Leben des modernen Juden zu machen. Mehr als alle anderen müssen die Juden durch ihren Glauben leben, und so stark sie durch ihren Glauben leben, so stark werden sie in der Welt leben. Louis Germain-Lewy, Paris: Ter Frühling der Natur währt nur einige Wochen. Nur zu bald geht es mit seiner Anmut und seinem Lächeln vorüber. Aber wir Menschenseelen haben eine Macht, die der Natur überlegen ist. Es hängt von uns ab, einen ewigen Frühling in Geist und Herzen zu bewahren; wir besitzen die Fähigkeit ständiger innerer Erneuerung. Und darin beruht alles Wissen vom Leben und alles Geheimnis des Glückes: Tem Geiste eine dauernde Jugend zu bewahren, dem Herzen eine unbesiegbare Zuversicht, der ganzen Seele eine unveränderliche Stimmung von Tapferkeit und Begeisterung. Tie Mächte, welcher dieser Gnade teilhaftig machen, sind Liebe zum Wahren, Wohlwollen, Begeisterung. Glauben. Sie lassen Saft und Kraft warm durch unser Wesen strömen und geben ihm den Segen der inneren Freiheit, eines edlen und harmonischen Idealismus. Wir glauben an die schöpferische Energie, die alles wiederherstellt und erneuert, an die siegreich« Macht unseres Strebens nach Vervollkommnung, an die Kraft des moralischen Optimismus, der alle Schwierigkeiten überwindet, an das Kommen des messianischen Reiches, da sich alle Menschen von der Milch der Gerechtigkeit und dem Honig der Liebe nähren werden. Mit meinen besten Grüßen. Louis-Germain Lewy. H. Bauer, Paris: Liebe Freunde! Wir wollen diesen Kongreß nicht «orübergehen lassen, ohne Ihnen den herzlichsten Gruß der liberalen jüdischen Jugend Frankreichs zu entbieten. Vereint durch das Weiche Ziel der religiösen und moralischen Erneuerung, fühlen wir wie Sie, was unser Judentum an Glauben und Vernunft den Bedürsnisfen unserer Zeit und besonders unserer Jugend zu geben vermag. Aus diese Arbeit bei den Jungen sollen alle Bestrebungen der jüdisch-liberalen Jugendgruppen in allen Teilen der Welt gerichtet fein. Ties ist im besonderen die Arbeit der Kongresse. Deshalb erwarten wir große Äuge von Versammlungen, die wie die Ihrigen alle zerstreuten Energien des liberalen Judentums in einem Bunde vereinen. Ich bin sehr betrübt, daß ich nicht unter Ihnen weilen kann; aber durch den Raum hindurch nehme ich! mit 'ganzem Bergmann über 70 Filialen in Groß-Berlin färbt! wäscht! reinigt! Wir reinigen und bügeln Ihre Sommerkleider - sportenzune ) ___ mantei-! DMkenundTepoiche