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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-06-11 · 24 (11.6.1930) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
24 (11.6.1930)
Date
1930-06-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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George Goeh, Bettln; Tie Tagung der jüdisch-liberalen Jugend entlockt mir, sehr gegen meine Gewohnheit und Neigung, ein persönliches Bekenntnis, welches aber bitte nicht als schöne Redensart und nicht bildliche sondern als Ausdruck wirklichen Empfindens und in seinem Wortsinn genommen werden möge: Wiewohl nicht mehr weit von Vierzig, habe ich noch nie das Bewußtsein gehabt, „erwachsen" zu sein, als wäre ein neuer Abschnitt oder gar ein Gegensatz gegen früher. Wie ich bis vor fünf Jahren, bevor ich nach Berlin kam also, fast nur mit der Jugend gearbeitet und — gespielt habe, wie üfy jetzt mit meinen zwei Jungens fast als ihr „großer Bruder" arbeite und spiele, so fühle ich mich auch selbst durchaus als „Jugendlicher" und meine das nicht einmal in dmr übertragenen Sinn, in dem mau wohl auch von „Jugendlichen in weißem Haar" spricht. Muß ichnun noch, was ich anläßlich der Dresdener Tagung an Glück- und anderen Wünschen darzubringen habe, säuberlich in wohl abgewogene Worte fassen? Tas mögen die Erwachsenen tun; ich bin Euer — darin liegt alles, was ich zu sagen und zu wünschen weiß. Stephanie Forchheimer, Frankfurt a. Main: Ein großes Treffen vereinigt in diesen Tagen die jüdische Jugend aus allen Gauen Deutschlands. Religiöse, soziale und lülturelle Fragen sollen erörtert werden, das Ringen nach Erkenntnis und Wahrheit bewegt diese Jugend, die sich im jüdisch-liberalen Sinne zusammensindet. Es ist von großer Bedeutung sür die Entwicklung jüdischen Gemeindelebens, daß die Jugend mit ihrer Gemeinde verbunden ist. daß die ältere und die jüngere Generation sich in Verständnis und Vertrauen finden. Darauf weist auch das Referat der Tagung hin, daß sich mit der Frage „Jugend und Gemeinde" beschästigen wird. Die Jugend wird ihre Wünsche und Forderungen^ «stellen, ihre berechtigten Ansprüche zur Förderung ihrer geistigen Interessen, von Sport und Spiel, Schaffung von Heimen und Gemeinschastsräumen innerhalb der Gemeinde. In praktischer und ideeller Hinsicht ist unendlich viel zu leisten, um die Jugend einzugliedern in den Gesamt- «rganisinus ihrer Gemeinde, um ihre Verantwortung zu wecken für den Fortbestand des Gemeindelebens. Für die Jugend sind Berwaltungs- und Steuerfragen nicht das Ausschlaggebende^ in der Gemeinde, die Jugend will den Pulsschlag lebendigen Lebens suhlen, Verständnis für ihre Ideale I und ihre Aufgaben finden. j Aber sie fordert auch praktische Betätigung. Bereitstellung von Mitteln sür ihre Zwecke. Heute sollte im Etat jeder Gemeinde ein besonderer Posten für Jugendpflege und Jugendbewegung vorgesehen sein. Die Not der Zeit gebietet auch hier Einschränkung, aber eine weitblickende Verwaltung wird in der Schaffung des Jugendlebens innerhalb der Gemeinde den größten Aktivposten sehen. So möge denn diese große jüdisch-liberale Tagung, der wir die herzlichsten Wünsche entbieten, einen Markstein bedeuj ten für das Zusammenwirken von Jugend und Gemeinde, j sür das Leben der Gegenwart in eine verheißungsvolle Zu- : fünft.! Erich Beyer, Breslau: ' Ein Wunsch, vielleicht eine Hoffnung, aber leider leine Tatsache! Eine tiefe Kluft besteht zwischen Wort und Tat. zwischen Gedanken und Wirklichkeit. Wo ist die Verwirklichung der prophetischen Ideale, des Rechtes, der Gerechtigkeit und der Liebe in unserer Zeit? Forderungen sind es, die man in der Theorie anerkannt und in der Praxis belächelt. Tie Religion lebt vielleicht in unseren Gedanken und Anschauungen, in unseren Taten aber ist wenig von ihr zu finden; praktisch ist sie uns weltenfern. Und was man .Wirken für das Judentum nennt, ist zum großen Teil ein Kamps um Bagatellen. Kann das anders werden? Warum besteht ein Widerspruch zwischen Denken und Handeln? Die Ursache muß sestgestellt werden; wobei sich ergibt, daß. es Kummer und Leid, Unzufriedenheit und Unglück sind, die den Menschen durcheinanderrüttelu und ihn in Widerspruch, zu sich' selbst setz-en. Diese Kräfte spielen im Leben eines jeden Menschen bei seiner Charakterbildung, seinen Entschlüssen und seinem Handeln eine entscheidende Rolle. Sie sind der Anlaß dafür, daß der Mensch für seine egoistischen Zwecke kämpft: daß er mit aller Kraft ein Teilchen Glück zu erhaschen sucht. Die Jagd nach dem Glück ist in Wirtlichkeit eine aus Anglist geborene Flucht vor Mißgeschick und Leid; sie gestattet dem Menschen selten, in der Wahl seiner Mittel dev Anforderungen der Ethik, der Religion zu entsprechen. Solange diese Flucht vor Kummer und Leid, dieses Ringen um Glück und Erfolg Kamps gegen Mitmenschen bedeutet, hat die Religion mit ihren ethischen Geboten nur wenig Einfluß. auf die Welt der Tat. Der Selbsterhaltungstrieb, nicht die Kenntnis der ethischen Forderungen bestimmen das Handeln und so entsteht der Gegensatz von Gedanke und Wirklichkeit. Damit steht der Weg zur Lösung des Problems offen, der lang und schwierig ist!. Ter Versuch muß. gemacht werden, den Menschen so diel als möglich von Unglück, Unrast, Leid und Verzweiflung zu befreien, wie es die Arbeit der Medizin au, physischem. Gebiet ist. Tritt an die Stelle der Angst und Unzufriedenheit die ruhige Zuversicht, dann muß der Mensch besinnlicher und sozialer werden, und dann wird er in die Lage kommen, die Lebendigkeit der Religion durch sein Handln zu beweisen. Was ich damit sage, klingt unwirklich und utopisch; aber hat der Mensch oder die Gemeinschaft jemals etwas geleistet, die vor einer Aufgabe zurückgeschreckt sind? Nur eine kleine Zahl von Menschen, die sich über die Jahrhunderte verteilen, hat versucht, dem Menschen zu helfen und ihm Brot und nicht Steine zu reichen. Eine große Gemeinschaft hat sich an diese Aufgabe noch« nicht . herangewagt.. Unsere Pflicht als Juden ist es. uns zusammenzu- Mießen, um der Religion und dem Menschen zu helfen. Jedes Gebiet des praktischen Lebens ist; eine Arpeitsmöglichkeit, überall können wir versuchen, dem Menschen beizustehen, mag es sich um das Wirtschckftsleben handeln, um Rechtsprechung, Gesetzgebung oder Zusammenschluß der Völker. Wenn wir nicht mehr nachhumpeln, sondern voransch-reiten, dann werden uns genügend Menschen folgen, die mit uns wirken; dann sind wir nicht bedeutungslos und schwach, brauchen wir nicht mehr Reflexionen anzustellen und formvollendete Reden zu halten. Das Judentum ist« sicher hineingestellt ins pulsierende Leben, es hat wieder eine Mission in der Welt zu erfüllen, nämlich den großen Gedanken der Menschheit zum Bestien des einzelnen Menschen zu verwirklichen. Diese ernste Mahnung ist meine Begrüßung an die jungen Menschen, die sich zum Delegiertentag versammeln. An die Jugend richte ich sie, weil sie die Gabe der Be* geisteruug hat, die nicht unter tausend Bedenken erstickt; weil sie hoftnungsfroh und mutig ist, und weil ich an die Jugend glaube. Edith Salt, Frankfurt am Main: Bedarf es dieser? Ich glaube, wenn Menschen — und junge Menschen zumal — angefüllt sind mit einem Ideal, angefüllt sind mit dem Streben, das, was sie als erreichens-- und erkämpfenswert erkannt haben, durch mutiges Einsetzen zu verwirklichen, so werden sie aufmunterungslos kämpfen. Mer es genügt ja nicht, selbst zu kämpfen, selbst den rechten Weg zu gehen, sondern die, die abseits stehen, die in lauer Indifferenz nicht fühlen, daß sie das von Gott ihnen anvertraute Gut des Kämpfenkönnens verschleudern, diese zur Arbeit zu führen. Ueber die Lebensnahe der Religion wird man sprechen. Lebensnahe der Ideale, — dies ist es, was ich Ihnen zurufen möchte. Die Ideen und Ideale nicht als ein Feicrtagsgewand in den Schrank hängen, das nur Lei festlicher Gelegenheit hervorgeholt wird, sondern das ganze Leben durchtränken mit dem Kampf um das Ziel. Immer und immer soll es um Euch sein und aus Euch strahlen, was Ihr erreichen wollt, die- Lauen sollen es fühlen und vor ihm staunend nachdenklich werden, daß sie reifen zum Sicheinreihen in den Kampf. Unsere heilige und geliebte jüdische Sendung, die Ihr erkannt habt und die Euch entflammt: tragt sie in Euren Händen, tragt sie vor Euch her, — Ihr tragt die Zukunft unserer Judenheit. Jeder Einzelne von Euch, keiner An die Teilnehmer der Dresdener Tagung! Ihr fördert unsere gemeinsamen Bestrebungen, wenn Ihr uns aus Euerem Bekanntenkreis Inserate (evtl, gegen angemessene Vergütung) verschafft. Kurze Anleitung und jede Auskunft erteilt während der Tagung gerne der verlas der Jüdisch-liberalen Zeitung Inseraten-Abteilung missionslos! Tragt die Idee und werbt für die Idee, kämpft für die Idee und lebt sie: unser Judentum fern von Ghetto- Enge und Chauvinismus zu leben — bestimmender Wirklichkeitsnahe und damit zum Heil der gesamten Menschheit werden zu lassen! Die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Von Max Gundershcim, Geschäftsführer der „Arge". Seit der Magdeburger Tagung der jüdisch-liberalen Jugendvereine hat die Tätigkeit der „Arge" einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen. Zunächst hat sie die Verbindung unter den einzelnen Jlis ausgenommen und sestgestellt, wie hoch der Mitgliederbestand der einzelnen Vereine war, und wie er sich zusammensetzte. Die Jli-Beilage der Jüdischliberalen Zeitung wurde erweitert ausgestaltet und erscheint seit dieser Zeit regelmäßig wöchentlich mit Aufsätzen über jüdisch-liberale Dinge vom Standvunkt der Jugend aus, mit Berichten über die Tätigkeit der Jlis und dem ausführlicher Jli-Programm in den einzelnen Städten. Dann wurde mit einer Reihe von Städten die Verbindung ausgenommen, in denen größere Gruppen liberaler Jugendlicher existieren. Wenn es auch noch nicht gelungen ist, in erheblichem Maße neue Jlis zu gründen, da besonders in kleineren Städten die Jugend in neutralen Vereinen zusammengefaßt ist, so bleibt die Verbindung ausrecht, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann neue jüdisch-liberale Jngendvereine in Deutschland entstehen können. Es folgte die Ostersternfahrt Deutscher Jugend zu den Goethe- und Lessingsiädten, an denen sich Frankfurt und Magdeburg von unserer Seite beteiligten, und deren Vorbereitung größere Arbeiten erforderlich machte. Die Treffahrt schlesischer Jlis in Oppeln brachte uns die Gründung des .neuen Jli in Oppeln und die Stärkung der liberalen Arbeit der Jugend in Schlesien, die ihren Ausdruck in der Breslauer Tagung fand. Der Schreiber dieser Zeilen unternahm eine Vortragsreise durch Schlesien, in denen die Probleme der Zeit und die Stellung des jüdischen Lib-cralismus zu ihnen erörtert wurden. Auch der Jli Liegnitz blühte unter der schaffensfreudigen Leitung Dr. Scheyers zu neuem Leben auf, während Potsdam von Berlin aus wieder in Gang gebracht wurde. Die Verbindung mit dem Auslande wurde ausgenommen. Vor allem mit dem Weltverband des liberalen Judentums, sodann mit der Union österreichischer Juden und mit einer ungarischen jüdischen liberalen Organisation. Die Tagung der Liberalen Vereinigung in Breslau führte eine große Anzahl von Jli-Mitgliedern der verschiedenen Städte zusammen, die in einer eigener: Sitzung die Stellung zur Agency, die Vorbereitung der Dresdener Tagung berieten. Die Fragen der Jugend wurden auf der Tagung besonders behandelt, und durch Anträge unterstützt. Anschließend an die Breslauer Tagung unternahm Dr. Hoffmann, der Vorsitzende der „Arge", eine Vortragsreise durch Schlesien nach Magdeburg und Dresden, die eine weitere Stärkung des liberalen Gedankens in den bereisten Städten bei der Jugeird zur Folge hatten. Die letzten Wochen standen im Zeichen der Vorbereitung von Dresden, die eine Riesenarbeit bedeuteten. Alle Schwierigkeiten, die sich einftellten, find jetzt behoben und nun kann die Tagung neue Wege aufzeigen, sowohl organisatorischer Art, was die Ausbreitung des liberalen Gedankens bei der jüdischen Jugend anbelangt, als auch des Inhalts unserer Arbeit, die sowohl in den Ideen als auch in der praktischen Arbeit auf eine viel breitere Grundlage gestellt werden wird. So hoffen wir, daß diese Tagung nicht nur sür die jüdisch-liberale Jugend, sondern sür die jüdischliberale Idee und ihre Umsetzung in die Praxis einen neuen Aufstieg bedeuten wird. Aus der Ili-Arbeit Breslau. (Jli-JüngLrengruppc.) Hans Hammer, der am 5. Juni über die „Affäre Dreyfus" sprach, behandelte zuerst die Auferstehung dieses sensationellen ^Prozesses in dem Rehfisch Herzogschcm Schauspiel. Er las daun einen Abschnitt aus dem Buch von Weil, in dem der zu Unrecht angeklagte und dann auf Grund eines nur lückenhaften Indizienbeweises verurteilte Dreyfus seine Leiden als Deportierter jraf der Teufelsinscl schildert. Ganz Frankreich glaubte an seine Schuld, denn eine Welle von Antisemitismus überschwemmte ganz Europa, und man traute den „Jniss" alles zu. Gerade war Graf Esterhazy, der wahre Schuldige, von einem Kriegsgericht freigcsprochm, da stand ein Verteidiger der Gerechtigkeit aus, der Dichter Emile Zola. Schon während des Dreyfns-Prozesses hielr er seine „Ansprache an die Jugend", die der Referent ebenfalls vorlas. Zola schrieb einen Brief an den damaligen Präsidenten, in dem er bif Richter, die Esterhazy frcigesprochen hatten, einer unerhört eil Rechts bcugung anklagte. Daraufhin wurde cr angeklagt und verurteilt. Er floh nach England. Dreyfus wurde später sreigesprochen, mit militärischen Ehren überhäuft, doch machte mau damit den Justizirrtum nicht wieder gut. Was für Konsequenzen muß man aber aus diesem Prozeß ziehen? In Deutschland wären die Zustände bei einer Herrschaft des Militarismus nicht anders geworden. Die Verurteilung von Dreyfus war. cm Justizirrtum, beinahe ein Justizmord, und der Vortragende schloß mit der Feststellung, ein solcher sei nicht zn entschuldigen, sondern doppelt scharf zu beuriesten und zu verdammen. Frankfurt a. M. (Heimabend.) Anläßlich des Schnvuans- Feftes veranstaltete der Jli, Frankfurt a. M, eine Feierstunde zum Fcstesausgaiig am 3. Juni. Nachdem der Abend mit einer religiösen Schallplatte eröffnet worden war, sprach Hella Lion mit feiner Betonung: „Es werde Licht" von Max Herchel; eine poetische Darstellung der Schöpfung aus dem Chaos, des ztveiten Lichtwerdcns durch die Offenbarung am Sinai mit einem Ausblick auf jene Zeit, da die ganze Welt erleuchtet sein möge vom Lichte der Herrlichkeit Got('es. Anschließend an diese lyrisch poetische Darstellung religiöser Gedanken hielt Rabbiner D r. Gottschalk eine Festrede, die dem Andenken an M o ritz und Ruth Lazarus gewidmet war. Wenn der heutige Festtag— so führte er etwa aus — seit altershcr bestimmt war, das Buch der biblischen Ruth zur Vorlesung zu bringen, so wollen wir heute einer anderen Ruth — Ruth Lazarus — gedenken, die als Christin geboren, an der Seite eines bedeutende;» jüdischen Gelehrten, wie es Moritz Lazarus war, voll und ganz, aus innerstem Herzen Jüdin geworden war. Moritz Lazarus mar einer der ersten Vorkämpfer sür den Liberalismus; er hatte erkannt, vast die iüdischc Religion nicht abhängig ist von Aeußerlichkeiten, sondern daß sie empfunden werden muß mit Herz und mit Geist. Religion, das ist Poesie, ein geistiges Erheben und ein innerstes Empfinden des Göttlichen. Seine Frau, die zu ihm strebte, zu ihm außblicklc und .mit ihm arbeitete, hatte als Christin bereits die tiefen ethischen Werte des Judentums und die Aufgaben der jüdisch.- liberalen Frau ^erfaßt. Ihre «zahlreichen Schriften, u. a. ,„Tic silbische Frau" und „Ich suche Dich", das ihr 'Leben und ihren Kampf um Moritz Lazarus beschreibt, wurden damals in mehrere Sprachen übersetzt, auch in das Hebräische, und geben eiuen Einblick in ihre klare Denkungsweise, in ihr Leben und ihr jüdisches Empfinden. Dem Sinne der Veranstaltung gemäß sprach dann Herr Jakobsohn die althergebrachten Worte der Hawdoloh in hebräisch und deutsch und las anschließend eine Betrachtung Steinthals, der Ruth Lazarus einst sehr nahe gestanden hatte, über die Worte der Hawdoloh-. ,,Der da scheidet zwischen Tag und Nacht, zwischen Sabbat und Werktag, 'zwischen heilig und profan....". Wer den Sabbat, wer das Heilige in sich aufnimmt, der ist auch am Werktag nickt vrosan; denn der Sabbat leuchtet hinüber auf den Werktag. Der ist aber profan, der da scherzt, wo Du Dich begeistern willst, ganz gleich, sei es Religion, sei cs Kunst, oder was immer. Ter Profane empfindet nicht das Heilige, cr kauft sich vielleicht einen Platz im Gotteshaus, aber nicht, um sich der Weihe hinzugebcn, sondern, damit man ihm ansieht, daß cr das Gotteshaus aufsucht. Es komm: aber nicht darauf an, was man tut, sondern w i e man etwas tust; das ist der Unterschied zwischen heilig und profan. So gibt es nichts Profanes sür den innerlichen Menschen; der liberale Jude kann seine Religion inniger empfinden als jener, der um der Aeußerlich-- keilen willen sich am Althergebrachten hält. In stimmungsvoller Weise las zum Abschluß Grete! Adler den bekannten Psalm: „Preise meine Seele den Herrn"; dann schloß die Feierstunde wieder mit einer religiösen Schallplatte. Nach der Feierstunde waren wir noch gemütlich bis in den späten Abend beisammen. Arthur Astheimcr (Jli, Frankfurt a. M.) Das Jli-Programm Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Fahrt nach Dresden am Sonnabend, den 14. Juni. Treffpunkt: Anhalter Bahnhof morgens um 5.45 Uhr. Diejenigen, die erst nachmittags fahren wollen, benutzen am besten den Zug um 16.41 Uhr und nicht, wie versehentlich angegeben war, um 6.41 Uhr. Westen. Dienstag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, bei Anni Jacobson, Charlottenburg, Schlüterstrahe 31. Thema: Jesaia. Oliva und Neu-Charlvtlenburg. Donnerstag,» den 12. Juni, abends 8 Uhr, bei Inge Götz, Schoneberg, Freiherr-vvn-Stein-Straße 16. Thema: Gandhi und sein Werk. Hermsdors. Gruppe 2. Mittwoch, den 18. Juni, abends 7.30 Uhr^ Thema: Grundlagen des Judentums. Pankow-Osten. Dienstag, den 17. Juni, im Heim Monbijouplatz 10: Geschichtc der Juden in Spanien. Steglitz. Dienstag, den 17. Juni, abends 7 Uhr, bei Irmgard Jacobsohn, Südende, Hermannstraße 11. Singeabende. Jli-Singkreis: Donnerstag, den IS. Juni, pünktlich abends 3 (iS Ahr, bei Paul Löwenstein, Moabit, Jagowstraße 1. Frankfurt a. M. Jli-Jugendgruppe. 21. Juni, 15.30 Uhr: Tresspunkl Friedhof-Süd (Linie 4). Aussprachnachmittag über Dresden. 28. Juni: „Dramatischer Lesenachmittag". 5. Juli: Geländespiele im Wald. 12. Juli: 16 Uhr bei Flörsheimer, Reumannstraße 153, „Eartennachmittag". Auskunst über die Jli-Jugendgrnppe bei Siegfried Stiefel, Reuterweg 50 (Tel. Maingau 73496). Verlag: «eremWma für das liberale Judentum r. Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW.29. - Druck: Hermann Wegner S Co., Berlin-Mariendorf.

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