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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-06-04 · 23 (4.6.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
23 (4.6.1930)
Date
1930-06-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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10, Jahrgang Nummer 23 Beilage 4, Juni 1930 WWchDMul^MMg Umschau Tic israelitische Bevölkerung in Sachsen. Aus Veranlassung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Berlin ist in Lachsen bei der letzten Volkszählung von 1925 eine besondere Auszählung der 'Israeliten nach Alter, Geschlecht, Familienstand und Berus vorgenommen worden. Ueber die Ergebnisse berichtet Tr. Zahn in der Zeitschrift des Sächsischcn Statistischen Landesamtes folgendes: Bei einer Gesamtbevölkerung Sachsens von rund 5 Millionen wurden rund 23 252 Juden gezählt. Auf 1000 Einwohner kamen 4,66 Juden, gegen 3,66 im Jahre 1910 und 2,95 im Jahre 1900. Infolge Aufhebung der früheren Beschränkungen hat sich die Zahl der Juden in Sachsen von 1871 bis 1925 etwa versiebenfacht, während sich die Gesamtbevölkerung in demselben Zeitraum noch nicht ganz verdoppelt hat. Trotzdem liegt Sachsen mit 4,66 Promille noch unter dein Reichsdurchschnitt von 9 Promille. Ueber diesen Durchschnitt erheben sich Hamburg mit 17,3, Hessen mit 15,2, Preußen mit 10,6 (darunter Berlin mit 43) und Baden mit 10.4 Promille, während alle übrigen deutschen Länder mehr oder weniger hinter dem Reichsdurchschnitt Zurückbleiben. Seit 1910 hat die jüdische Bevölkerung in Preußen von 366876 auf 403969 --- 10,1 Prozent und in Sachsen von 17 587 auf 23 252 32,2 Prozent zugenommen; in fast allen anderen Teilen des Reiches hat sie dagegen abgenommen, so in Bayern um 10,8, in Hessen um 15,2, in Württemberg um 9,6 und in Baden um 7,1 Prozent. Fürs ganze Reich ergibt sich eine Zunahme der jüdischen Bevölkerung von 535122 auf 564 379 -- 5,5 Prozent. Verhältnismäßig am stärksten erweist sich mithin deren Zunahme in Sachsen. In Chemnitz betrug die Zunahme 74, in Dresden 324» und in Leipzig 32.1 Prozent. Für die von den Großstädten weiter entfernt liegenden Gebiete ist im allgemeinen ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen, so daß auch hier von einem Zug nach der Großstadt gesprochen werden kann, der allerdings gegenüber den Zuwanderungen von Juden aus außersächsischen Gebieten, namentlich von Rußland und Polen her, nicht allzuschwer ins Gewicht fällt. Bon den 23 252 Israeliten in Sachsen wohnt über die Halste, nämlich 54,2 Prozent (12594 Personen) in der Messe- und Pelzstadt Leipzig, 5120 — 22 Prozent wohnen in Dresden, 2796 — 12 Prozent in Chemnitz, 623 2,7 Prozent in Plauen; die übrigen 9,1 Prozent verteilen sich über den Rest des sächsischen Gebietes. Während bei der Gesamtbevölkerung Sachsens aus 1000 männliche Personen 1105 weibliche entfallen, fommeu auf 1000 Juden nur 951 Jüdinnen, weil namentlich in den Altersgruppen von 20 bis 60 Jahren das männliche Geschlecht stark überwiegt (1000 zu 912), während bei der Gesamtbevölkerung das Verhältnis gerade umgekehrt liegt (1000 zu 1125). Diese Erscheinung ist offenbar aus Wanderungszuwachs lediger männlicher Juden zurückzuführeu. Tie Anteilsquote der Erwerbsfähigen männlichen Geschlechts liegt bei den Israeliten etwas über (723), die des weiblichen etwas niedriger (718) als bei der Gesamtbevölkerung (714 bzw. 730 von 1000). Dem Familienstand nach waren von IjOOO Juden ledig (Erwachsene) 409 Männer und 307 Frauen (von 1000 der Gesamtbevölkerung 341 bzw. 327), verheiratet 555 (817 ) Männer und 564 (538) Frauen, und verwitwet oder geschieden 36 (42) Männer und 129 (135) Frauen. Von besonderem Interesse ist ein Einblick in die berufliche Gliederung. 67,8 Prozent aller Juden, aber nur 19 Prozent aller Jüdinnen waren erwerbstätig (bei der Gesamtbevölkeruna 70,7 bzw. 38,7 Prozent). Dementsprechend liegt natürlich der Anteil der weiblichen Angehörigen ohne Haupterwerb einschließlich Ehefrauen bei den Juden wesentlich höher als bei "der Gesamtbevölkerung, nämlich 71,8 Prozent gegen 5314 Prozent. Ter Anteil der Personen ohne Beruf und ohne Berufsangabe stellt sich bei den Israeliten aus 7,7, bei der Gesamtbevölkerung auf 6,7 Prozent. Tie Statistik zeigt ferner die bekannte Tatfache, daß sich die Juden am stärksten am Handel beteiligen, der 67,4 Prozent ihrer Erwerbstätigen umfaßt, während auf die Industrie 24.2 Prozent und die übrigen Berufe 8,4 Prozent entfallen. Tie entsprechenden Zahlen für die Gesamtbevölkerung sind: Handel 17, Industrie 60,8, Landwirtschaft 1242, übrige Berufe 9,7 Prozent. In erster Linie beschäftigen sich die Israeliten mit dem Waren- und Produktenhandel, worin rund die Hälfte aller erwerbstätigen Juden (5486) zu finden ist (Gesamtbevölkerung nur 7,6 Prozent). Auf 1000 Erwerbstätige der Gesamtbevölkerung in diesem Wirtschaftszweig bezogen, ergibt sich ein Anteil der Juden von 26,6 Prozent. Tie Handelsvermittlung ist mit 616, Kürschnerei und Rauchwarenzurichtung mit 452, Hausier- und Straßenhandel mit 284, Wirkerei und Strickerei mit 280, Schneiderei und Kleiderherstellung mit I52, die offene Krankenpflege mit 160, Wäscheherstellung mit 153, Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe mit 126, Zigarettenherstellung mit 117, die Rechtsberaiuna ebenfalls mit 117 und das Bank- und Börsenwesen mit 103 Erwerbstätigen vertreten. .. Hinsichtlich der Stellung im Berus bestätigt die Erhebung dre bekannte Tatsache, daß die Israeliten zum überwiegenden s Teil den sogen, bessergestellten sozialen Schichten, den Selbständigen und Angestellten, angehören. 54,9 Prozent (Gesamtbevölkerung 16,9 Prozent) sind Selbständige, 32,1 (19,5) Prozent Angestellte, nur 7,5 (55,8) Prozent sind Arbeiter, und 5,5 (7,8) Prozent mithelfende Familienangehörige. Als Gebiete selbständiger Betätigung kommen in erster Linie wieder die erwähnten Wirtschaftszweige wie Waren- und Produktenhandel, Vermittlungswesen usw. in Betracht, in denen gleichzeitig and/ die Mehrzahl der jüdischen Angestellten zu finden ist, während jüdische Arbeiter in nennenswerter Zahl nur in der Kürschnerei und Rauchwarenzurichtung und im Schneiderhandwerk vertreten sind. Was das zahlenmäßige Verhältnis der jüdischen selbständigen Existenzen zu denen der Gesamtbevölkerung betrifft, zeigt sich der stärkste jüdische Einschlag in der Zigarettensabrikation mit 22,3 Prozent; ihr folgen die Kürschnerei mit 11,9, Waren- und Produktenhandel mit 4,5, Rechtsberatung mit 4,5, Handelsvermittlung mit 4,1, Bank- und Börsenwesen mit 3,3 und Wirkerei und Strikkerei mit 3,1 Prozent. bd. Ratssitzung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Am 29. Mai 1930 hat in Berlin eine Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden stattgefunden, die eine Tauer von 104» Stunden hatte und vom Präsidenten, Kammergerichtsrat Leo Wolfs, geleitet wurde. Tiefer gedachte zunächst mit warmen Worten des verstorbenen Ratsmitgliedes Hugo Ostherg. — Alsdann wurde den Aenderungen zngestimmt, welche der Verbandstag in seiner Sitzung vom 30. und 31. März 1930 an dem ihm vorgelegten Haushaltsplan für 1930 vorgenommen hat. Tamit ist nunmehr ein Verbrndsbeschluß über den Haushaltsplan zustandegekommen. — Ten Beschlüssen des Verbandstages wurde auch insofern Rechnung getragen, als grundsätzlich beschlossen wurde, daß unter gewissen Voraussetzungen eine Erhöhung der Subvention des Berliner Rabbinerseminars eintreten könne, und daß von dem zur Erhöhung der Ausgaben Achtung! Programm der Jli - Tagung in Dresden am 14. und 15 Juni 1930 siehe Beilage Seite 3 für Wohlsahrtszwecke vorgesehenen Betrage je 10000 RM. Pr die Errichtung einer Heilstätte für tuberkulöse Männer und für die jüdische Ärbeiterkolonie verwendet werden sollen. — Dem Anträge der Frankfurter höheren Lehranstalt Philanlropin um Gewährung einer Subvention konnte mit Rücksicht auf den ablehnenden Beschluß des Verüandstages nicht entsprochen werden. Dagegen wurden die im Etat für konservative Unterrichtszwecke ausgesetzten 50000 RM. entsprechend dem Vorschläge des Konservativen Unterrichtsausschusses verteilt. Es ergab sich dabei die Möglichkeit, u. a. dem Lehrerseminar in Köln den Betrag von 12000 RM. zuzuwenden. Tie Frage der Ausbildung von Lehrern nahm einen breiten Raum in den Erörterungen ein. Es wurde beschlossen, behufs genauen Studiums dieser sowie der damit zusammenhängenden Frage der Versorgung der Gemeinden mit geeigfneten Beamten einen besonderen Ausschuß niederzusetzery dem die Rabbiner Tr. Vogelstein-Breslau und Tr. Rosenthal- Köln, Studiendirektor Tr. Gutmann-Berlin und die Lehrer I. B. Levy-Frankfurt a. M. und Steinhardt-Magdeburg angehören sollen. Ein weiterer Ausschuß, der sich mit der jüdisch-religiösen Ausbildung der im Oberbau der Jawne in Köln zum Lehrerberuf sich vorbereitenden Zöglinge befassen soll, wurde aus den Rabbinern Tr. Horovitz-Frankfurt a. M., Tr. Arthur Levy und Dr. Emil Levy-Berlin und Tr. Rosenthal-Köln sowie dem Direktor Dr. Klibansky-Köln gebildet. Ferner wurde beschlossen, daß mit Rücksicht auf die den Lehrerbildungsanstalten in Köln und Würzburg zugebilligten Subventionen von ihnen genaue Aufklärung über ihre Ausnahme- und Ausbildungspraxis und die Gewährung einer Einflußnahme des Landesverbandes hieraus verlangt'werden soll. Auch in den Kuratorien der Rabbinerbildungsanstalten soll der Einfluß des Landesverbandes durch Aufnahme je zweier Vertreter in die einzelnen Kuratorien gesichert werden. Tie dem Rat von dem Verbandstag als Material überwiesenen Entschließungen über die Begründung einer Ruhegehaltskasse, die Ermöglichung einer Erhöhung der Ruhegehälter und Hinterbliebenengelder und über andere Angelegenheiten wurden zur Kenntnis genommen und den zuständigen Stellen zur Bearbeitung überwiesen. Mit der in Aussicht genommenen Aenderung der Verfassung des Landesverbandes hatte sich der Rat insoweit noch einmal zu beschäftigen, als der Verbandstag Anträge auf Abänderung der Artikel 11 (Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre) und 23 (Verminderung der Mitglieder des Engeren Rasch verreisen? Aber 0 R B A - Bitter- Schokolade, die Kraftreserve des Vielbeschäftigten, in handlicher Packung nicht vergessen! Ihr hoher Nährwert ersetzt eine Zwischenmahlzeit. Sie regt an underquickt köstlich. Xi % HOCHFEIN BITTER Rates) angenommen hatte. Diesen beiden Bersassungsänderungen hat der Rat die Zustimmung versagt. Tie für den 30. November 1930 in Aussicht genommenen Neuwahlen zum Verbandstag haben die endgültige Festsetzung der Wahlordnungen für den Berbandstag und für den Rat notwendig gemacht. Sie wurden im Wesentlichen in der vom Verbandstag abgeänderten Form angenommen. Ferner wurde beschlossen, durch den Rechtsausschuß die Satzung für ein Wahlprüfungsgericht fertigstellen zu lassen, ^as für die Wahlen zum Landesverband zuständig sein soll. Seine Zuständigkeit! auch auf die Wahlen zu den Vertretungen der einzelnen Gemeinden auszudehnen, erwies sich aus technischen Gründen als nicht angängig. Tie in zwei Beschlüssen des Verbaudstages angeregte Einberufung einer Konferenz, welche sich mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden befassen soll, kann erst nach gründlicher Vorbereitung erfolgen. Tie zu diesem Zwecke erforderlichen Arbeiten wurden einem aus den Ratsmitgliedern Seckelsohn, R.-A. Tr. Klee und Struck bestehenden Ausschuß übertragen. Ein weiterer Ausschuß, welcher aus den Herren Kammergerichtsrat Wolfs, Geheimrat Goldfeld, Breslau, Tr. Sandler, Tr. Freund und Seckelsohn besteht, wurde eingesetzt, um die aufs neue anzustrebende Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden vorzubereiten. Tiefer soll sich nach Beendigung seiner Arbeiten zunächst mit dem Ständigen Ausschuß des Verbandstages in Verbindung setzen und gemeinsam mit ihm weitere Vorschläge machen. Besprochen wurde ferner noch die in Aussicht genommene Errichtung einer jüdischen Sektion an einer zweiten Pädagogischen Akademie sowie die Begründung einer Religionslehrerakademie, endlich der von einem Ratsmitglied an ein Mitglied des Verbandstages gerichtete Brief, der sich im wesentlichen mit der Tätigkeit des vom Landesverband vorgeschlageuen Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten beim Kultusministerium befaßt hatte. Es wurde einstimmig beschlossen, dem Sachverständigen beim Kultusministerium, Herr» Rabbiner Tr. Baeck, das volle Vertrauen des Rates auszusprechen. Vor der Tagung des Großen Rates hatte eine Sitzung des Engeren Rates stattgefunden. In dieser wurde das durch das Ausscheiden des Herrn Tirektor Kareski freigewordene Finanzdezernat Herrn R.-A. Tr. Klee, das durchi das Ableben des Herrn Tirektor Ostberg freigewordene Dezernat für Wohlfahrtsangelegenheiten Herrn Landgerichtsrat Tr. Lilienthal übertragen. Aufruf! Wir werden vom „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland" um Veröffentlichung nachstehenden Aufrufs gebeten: Die schwierigen Verhältnisse unseres Vaterlandes. erfüllen uns Juden mit ernster Sorge. Die Angehörigen des Kaufmanns- und Handelsstandes und selbst der geistigen Berufe, zu denen wir gemäß unserer zwangsweisen, geschicht- NEUE BOENICKE OTTO B0EKICKE-5UMATRAS0RTIMENT Neue illustrierte Preisliste kostenfrei Abbildung: Sumatra - Sortiment Boenicke-Sumaira-Sortiment Nr. % .... io*u cm IS Pf. Boenicke-Sumatra-Soitimeni Nr. 2, .... ri%j2 cm 20 Pf- Boenicke-Sumatra-Sortiment Nr. 3, Sandblatt io% cm 25 Pf- Boenicke-Sumatra-Sortiment Nr. 4, Sandblatt nlU cm 30 Pf Kisten zu SO Stück Boenicke-Sumatra-Sortiment Nr. 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