Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 23 (4.6.1930)
- Date
- 1930-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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¥ i Umfange zutrifft, da ein Teil unserer Freunde den Aufruf der „Jewish Agency" unterzeichnet hat. Somit möchte ich annehmen, daß jedenfalls für die Liberalen die Politik unyesähr die geeignete ist, die Nachurn Goldmann — ob insoweit mit oder ohne Recht, kann hier dahingestellt bleiben — für die Zionisten empfohlen hat. Wir wollen auf der einen Seite betonen, daß wir Liberale als deutsche Bürger selbstverständlich keinen Anlaß haben, uns in die englische Justiz hineinzumischen, und wir wollen auf der anderen Seite bei dieser Gelegenheit auch feststes len, daß sich selbstverständlich an unserer prinzipiellen Gegnerschaft zur Todesstrafe nichts geändert hat. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die interessanten Ausführungen des dem Misrachi nahestehenden Tr. Wolfsberg Hinweisen, die — gerade weil sie unmittelbar auf die kleingeistigen Angriffe des Rechtsanwalts Tr. Simon gegen die „Prinzipienreiter" folgen — doppelt sympathisch wirken. „Daß es in der jüdischen Gesetzgebung einmal eine Todesstrasc gab, spricht nicht dagegen, das; dennoch die Todesstrafe von unseren Größten und Besten vielfach abgelehnt wurde. Es ist interessant, daß bei der Gründung des titanischen Staates einer der größten Rabbiner, der Mariampoler Ratv, als Mitglied der Taryba mit aller Entschiedenheit die Todesstrafe ablehnte. Zwingend aber scheint mir von den beiden Tannaiten, Rabbi Tarfon und Rabbi Akiba, in der Mischna (Makkoth 1, 10) in Fortführung des anonymen Textes angeschlossene Bemerkung -.. Die erwähnten Mischna- Lehrer fügen hinzu: „Hätten wir im Synhedrion gesessen, so hätte man niemals einen Menschen hingerichtet. Ich will hier nicht Halachah sagen und bin auf mancherlei Einwändc gefaßt, die man gegen dieses Zitat (besonders lvenn man die ihm folgende Auf^ fassnilg von Rabbi Simon Ben Garnliel ansührt) sagen kann. Mir aber kommt es nur darauf an, welche grundsätzliche Auffassung einmal zwei ganz große Denker und Gesetzeslehrer im klassischen Zeitalter kundgegeben haben. So möchte ich auch meine Stimme, und, wie ich glaube, die vieler traditioneller Zionisten mit den anderen vereinen, um in unserem Lande zur Ueberwindiing einer Rechtspraxis zu gelangen, die mit der Entscheidung über Leben und Tod allzu tief in die metaphysische Sphäre eingreift." Tie letzte Argumentation Wolfsbergs deckt sich übrigens mit der Kritik, die der bekannte deutsche Philosoph, Professor Driesch, vor einigelt Jahren in einem Berliner Bortrage an der Todesstrafe übte: wir dürfen nicht die Todesstrafe verhängen, weil wir nur mit Uebeln strafen dürften, die wir als Menschen ermessen können, der Tod uns aber ein Geheimnis bleibt. Aus den Gemeinden Bebra. (L e h r e r t a g u n g.) Am Himmclfahrtstage fand hier die von etwa -10 Lehrern ans allen Teilen .Hessens besuchte f)8. Jahresversammlung der „Israelitischen Lehrerkonserenz" statt. Schauniberg, Neukirchen, begrüßte Mitglieder und Gäste und zeigte im Rückblick ans die Geschichte des Vereins die geleistete Arbeit, die dem Wohl der Schule, der geistigen and materiellen Förderung des jüdischen Lehrers Lall. Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, überbrachte als Vertreter des Kasseler Vorsteheramtes der Israeliten Grüße und Wünsche und betonte die Uebereinstimmung mit der vom Ausschuß beantragten Forderung, daß nur die für das Lehramt borgebildeten Anlvärter Stellung als Lehrer finden dürften. Beifällig begrüßt wurden seine Erklärungen über die fürsorglichen Maßnahmen, die das Vorsteheramt in Kassel hinsichtlich der leistungsschwachen Gemeinden getroffen habe, und über die bezüglich der Verteilung von Staatszuschüssen unternommenen Schritte. Lebhaften Beifall lösten auch die Bcgrüßungsworte des Vertreters des Hessischen Volksschullehrervereins, des Lehrers Rehs, Asrnutshausen, aus, der von gemeinsamer Arbeit aller hessischer Lehrer am deutschen Kinde und am deutschen Vaterlandc sprach und die Notwendigkeit der Einheit am Werk betonte. Er überbrachte Grüße des großen Bruders und seines Vorsitzenden. Das Hauptreferat hielt Krön, Fritzlar, über das Verbandsthema „Apologetische Fragen im Religionsunterricht". Nach Betonung der Apologetik, die nicht als selbständiges Fach, sondern in Verbindung mit dem übrigen Religionsunterricht zu betreiben ¥ Gottesdienste ¥ Bertta-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 6. Juni, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstraße 30). Freitag, 6. Juni, 7.30 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt. Berlin-Weftend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstr. 7, nahe Reichskanzlerplatz). Freitag, 6. Juni, 7 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Nikotsburgee Platz). Freitag, 6. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 8. Juni. Johannisstratze 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Kleiststraße 10, vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. ist, zeigte der Referent die praktischen Möglichkeiten solcher Unterweisungen, die dem Aufbau und der Abwehr zu dienen haben, die einerseits mehr Rüstzeug für die Verteidigung des Glaubens schaffen sollen, andererseits aber irrige Meinungen Andersgläubiger berichtigte und unsere Religion als diejenige der Humanität, der Toleranz und des Universalismus zeigen können. Der Vorsitzende dankte für die durch rege Anssprache noch vertiefte, gedankenreiche Arbeit. Nach gemeinsamer Mittagsmahlzeit erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht mrd gedachte der im Geschäftsjahr in den Ruhestand ynd verstorbener Mitglieder, die in ähnlicher Weise geehrt wurden. Rosenbusch, Bebra, berichtete über einen zu schaffenden Anhang für das Lesebuch und ertvähnte, daß die Berliner Jüdische Gemeinde der Verwirklichung dieser Absichten ihre Mithilfe in Aussicht gestellt habe, wie sie auch bei anderen Organisationen Unterstützung finde. Tie Kassenverhältnisse wurden von ihm erläutert, über die Hilfskasse „Esra" referierte Jäckel, Kassel. Aus dem diesjährigen Verbandslag, der Weihnachten in Berlin stattfindet, läßt sich der Verein durch Moses, Kassel, und Rosenbusch, Bebra, vertreten. Nach Erörterung einiger interner Fragen schloß der Vorsitzende mit Tankesworten die anregend verlaufene Tagung. Berlin. (Hohes Aller.) Am 13. Juni d. Js. vollendet in geistiger und körperlicher Frische der srühere Lehrer und Prediger Lion Wolfs sein 85. Lebensjahr. .Herr Lion Wolfs, der jetzt hier in Berlin lebt, arbeitet noch heute rüstig weiter, obwohl er nun offiziell in den Ruhestand getreten ist. Sein Leben und Wirken galt in erster Linie den Kollegen und er nahm jede Fehde auf, wenn cs darüm ging, eine Lanze für die Kantoren und Lehrer zu brechen. Seine zahlreichen Werke sprechen von seiner Lebensarbeit und haben den Autor weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und beliebt gemacht. Sie alle aufzuführen, ginge zu weit; noch heute aber dürfte bekannt sein, daß alle Kollegen, auch die Jüngsten, die „Universal-Agende" nicht entbehren möchten. Noch vor wenigen Monaten brachte er ein neues Werk „Lehrbuch der israelitischen Religion für Proselyten", das auch bei uns gewürdigt worden war. Breslau. (Ehrungen Paula O'l l e n d o r f f s.) Die Feier von Paula Olleudorsfs 70. Geburtstag hat in würdig festlicher und besonders herzlicher Weise in Form von verschiedenen Beglückwüwschungsseierlichkeiten (öffentlichen und mehreren privaten) stattgesunden. Der Liberale Verein der Breslauer Synagogengemeinde ernannte die Jubilarin zu seinem Ehrenmitglied. Ter Vorstand der Breslauer Synagogengemeinde aber ehrte unter einstimmiger Zustimmung der Gemeindevertretung sein Mitglied Paula Ollcndorff in ganz besonderer Weise. Er setzte als ständig wiederkehrendcu Posten in den Jahresetat eine Summe von Mk. 300,— ein, die als „Paula O l l endo r f f - S t i f t u n g" alljährlich für eine besonders gute und richtig zu verwirklichende Idee sozialen Inhalts und Gedankens alljährlich ausgezahlt werden sollen. n,'ir!rR SroltWERO^ . 'Billig, > iDofilfchmcckend nahrhaft. Danzig. (E i n w e i h n n g der Räume der jüdischen Z e utr a l w o hl s ah r t s st e l l c.) Die jüdische Zentralwohlsrhrts-- stelle im Gebiet der Freien Stadt Danzig hatte in ihre neuen Räumlichkeiten zu einem „Freitag-Abend" ungeladen. In den neuen Räumen, welche von der Synagogengemeinde in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt worden sind, befinden sich außerdem die Bibliothek und Lesehalle sowie ein kleiner Sitzungssaal für Vereine. Der Abend gestattete sich zu einer Feierstunde. Nach dem Kidduschgcbet begrüßte der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle, Julius Becker, die zahlreich Erschienenen und lvies auf die in den letzten Jahren immer stärker werdenden sozialen Ausgaben des Danziger Judentums hin. Rechtsanwalt Dr. Brodnitz überbrachte die Grüße der Gemeindevenvallung, indem er die Hoffnung vor allem aus» sprach, daß die in Parteien gespaltene jüdische Jugend hier in den gemeinsamen Räumen sich auch zu gemeinsamer Arbeit zusammen,- finden möge. Gcmeinderabbiner Dr. Grün sprach von dem starken jüdischen Idealismus, der hier in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Not und Sorge daran gehe ein jüdisches Aufbauwerk zu leisten. Er bezeichnete das neue Heim als den Grundstock zu einem Gemeindehause und als einen Baustein auf dem Wege zur jüdischen Einmütigkeit und Entschlossenheit, während Lehrer Echt die Anwesenden aufforderte, Bauleute an dem weiteren Werk der jüdischen Wohlfahrts- und, Jugendpflege zu sein. Nachdem Frau Rica Neuburger und zwei Vertreter der Jugendvereine zu Worte gekommen waren, endete dir Veranstaltung mit dem Tischgebet. Dortmund. (Freitag - Abend - S p ä t g o t t e s d i e n st.) Ein langgehegter Wunsch der Mitglieder unserer Ortsgruppe und aller entschieden liberal denkender Gemeindemitglieder geht in Erfüllung. Vorstand und Repräsentanten haben beschlossen, den Freitag-Abendgottesdienst ab Juni um 7\._> Uhr abends zu beginnen und im Herbst und Winter einen 2. Freitag Abendgottesdieiist, >vie er schon seit Jahren in vielen Großgemeinden besteht, um 7>), Uhr einzurichten. Der Vorstand unserer Ortsgruppe erwartet von den Mitgliedern und Freunden der religiös-liberalen Richtung, daß sie durch fleißigen Besuch des Freitag-Abendgottesdienstes zeigen, daß dem Wunsche jetzt auch die Tal zu folgen hat. Wir erwarten auch von unfern liberalen Rabbiner», daß sie durch eine kleine Ansprache dem so schwer belasteten werktätigen jüdischen Menschen von heute zeigen, daß unser Glaube dem Leben von heute nahe sein kann und muß, soll er nicht ein roter Formalismus werden. Insterburg. (Jubelfeier des Synagogenverbands Ostpreußen.) Der Verband der Synagogengemeindeu Ostpreußens konnte an seinem Gründungsorte Insterburg die Feier seines fünfzigjährigen Jubiläums unter ungeheurer Teilnahme der Vertreter der Verbandsgemeinden begehen. Die preußischen Staatsbehörden wurden durch Regierungspräsidenten Dr. Rosencrantz-Gumbinnen, die Stadtverwaltung durch Oberbürgermeister Wedel und die Reichswehr durch Major von. Bittritz vertreten. Eröffnet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst i» der Synagoge. Die Festtcilnehmer begaben sich danach zum Gesellschaftshaus, wo der Verbandsvorsteher Arthur Colin- Königsberg die Erschienenen begrüßte, besonders die Vertreter der Danziger und der Memelcr Synagogengemeinden (Danzig hat vor lvenigen Tagen Anschluß an den Synagogenverband Ostpreußeir genommen) und die Vertreter der Behörden wie der jüdischen Organisationen. Besonderen Gruß und Dank widmete er dem Stadtältesten Otto Eichelbaum-Justerburg, der in einer unendlichen Fülle ehren- 9\Ä 9tin^ atiorv (ßedimvj^s^dd urv ffhiß mit eirtnnü. i Tasse berühmt guten Kaffees mit Sahneund Zucker M. 0,25 1 Portion feinster Mokka mit Schlagsahne . . . M.0,70 1 Tasse Fleischbrühe.M 0.30 Pastete mit Fleischfüllung.M.0.30 Brötchen mit verschiedenem Belag . . . M. 0,20 bis 0,30 Toast mit Butter.. . M.0,20 Apfeltorte eigener Herstellung . ... M. 0,25 Schokoladentorte, Mokkalorte.M.0,30 Sahnenrollen.. . . . M. 0,25 Napoleonschnitte . . . . ..M. 0,25 Windbeutel mit Schlagsahne.M.0,35 Gemischtes Gebäck, Kuchen verschiedener Art ab . M. 0,15 Sdunken in Blätterteig . ... , . M. 0,40 Wurst im Schlaf rock ............. M.0,60 Sonderfriihstüc/c.. . M. 0,35 bis 0,90 j Täglich von %l-3 Uhr Friedrichstr. 174, Linkstr. 1, Leipziger Str. 83, Spittelmarkt 8-10 Mittagessen zu volkstümlichen Preisen O Ragout fin mit Blättfrteighalbmonden.. 0,80 Gulasch mit Lyoner Kartoffeln...M.0,75 Täglich wechselndes Fleischgericht, je nach Art.. M. 0,90 bis 1,20 Nur Fr iedrichstraße 174: Täglich Essen aus 3 Gängen, dazu unberechnet 1 Tasse Mokka . ... M. 1,30 bis 1,50 Wollen Sie billig Und doch gut essen und trinken, besuchen Sie die Zuntz-Kciffeestuben Friedridistraße 174 Tauentzienstraße 15, a.d. Gedächtniskirche Linkstraße 1, am Potsdamer Platz Leipziger Straße 83, gegenüber Tietz Spittelmarkt 8-10, Ecke Kurstraße Königstraße 19, am Rathaus Schöneberg, Grunewaldstraße 45 Steglitz, Schloßstraße 32 Friedenau, Rheinstraße IC