Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 22 (28.5.1930)
- Date
- 1930-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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yrrg WVjrWW "KP ,I.IPWfPJ>pn >^MFVT Unverwischbar, unverwirkbar ist die Spur eines.echten Menschen: Hugo Ostberg war beides, echt — das ist: sich selbst getreu — und ein Mensch — das ist: dem Göttlichen getreu! Wir werden seiner in Liebe gedenken! Heinrich Stern. * * Die Beisetzung von Hugo Ostberg erfolgte am vergangenen Sonntag von der neuen Halle des Friedhofs in Berlin-Weißensee. Ein außerordentlich zahlreiches Gefolge gab dem Verstorbenen das letzte Geleit. Unter diesen sah man nahezu sämtliche Führer des Berliner jüdischen Gemeindelebens und der jüdischen Organisationen. Der Sarg war von Kränzen bedeckt; unter den Schleifen fanden sich die letzten Grüße der Vereinigung für das liberale Judentum, des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Jüdischen Reformgemeinde, des Aktionsausschusses deutscher Juden und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Die Grab^ rede hielt Rabbiner Dr. Galliner, der in von Herzen konimenden Worten nochmals ein Bild der Persönlichkeit Hugo Ostberg zeichnete. Namens der Jüdischen Gemeinde sprach Abschiedsworte ihr Vor.- sitzender, Direktor Kareski, für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, für die Vereinigung für das liberale Judentum und die verschiedenen jüdisch-liberalen Gremien, denen der Verstorbene angehörte, Rechtsanwalt Heinrich Stern, für den Centralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Ludwig Holländer, für die Jüdische Reformgemeinde Rabbiner Dr. Lehmann und für die Bne Briß-Logen Amtsgerichtsrat Dr. Goldschmidt. Die erschütternde Feier war umrahmt von Gesängen, die von dem Chor der Jüdischen Resormgemeiude vorgetragen wurden. Jüdisches auf der Hygiene-Ausstellung Am 17. Mai sind in Dresden die von fast allen Ländern der Welt beschickte Internationale Hygiene-Ausstellung und das Reichs-Hygiene-Museum feierlich eröffnet worden. Tie jüdischen Gesundheitsorganisationen Ose-Toz und die dem Agro-Joint angeschlossene Medizinische Kommission Joint-Ose vertreten auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung das Werk der Selbsthilfe der jüdischen Bevölkerung Osteuropas auf dem Gebiete der Hygiene. Im Verlaufe des Weltkrieges und unmittelbar danach entwickelten die Ose- und Toz-Gesellschasten mit Unterstützung des American Joint Distribution Committee in Osteuropa eine umfangreiche Tätigkeit aus dem Gebiete der medizinischen Hilfe. Schon damals beschränkten sie ihre Arbeit nicht allein auf die ärztliche Hilfeleistung und Krankenunterstützung, sie verfolgten vielmehr von Anbeginn das Ziel, die physischen, und somit auch! die psychischen Kräfte der jüdischen Bevölkerung zu stärken und Krankheiten vorzubeugen. Je weiter das Leben in geordnetere Bahnen kam, desto mehr Aufmerksamkeit konnten die Gesellschaften der Hebung des hygienischkulturellen Niveaus der jüdischen Massen widmen. In den letzten Jahren wird diese Tätigkeit bei den meisten Abteilungen bereits planmäßig durchgeführt. Auf der Ausstellung werden die erzielten Erfolge in Diagrammen, Diapositiven, Photographien, Karten und Modellen verschiedener Anstalten anschaulich dargestellt. Es ist einer privaten Organisation selbstverständlich unmöglich, einen eigenen Pavillon von größeren Ausmaßen zu errichten, um ihre Tätigkeit gebührend darstellen zu können, doch -wird hier in verhältnismäßig bescheidenen Raumausmaßen eine Fülle von Material vorgeführt. Der Umfang der Arbeit wird durch eine große Landkarte Osteuropas veranschaulicht, auf der im Relief sämtliche Anstalten der Ose- und Toz-Gesellschasten in all den Ortschaften, 96 an der Zahl, dargestellt sind, wo Abteilungen der Gesellschaften tätig sind. Es sind insgesamt 416 Anstalten, von denen die überwiegende Mehrzahl — 257 — der Kinderfürsorge gewidmet sind; hiervon dienen 51 dem Säuglings- und Mutterschutze; 27 der Bekämpfung der Rachitis; 8». der schulmedizinischen Fürsorge und 84 sind Sommerkolonien und Halbkolonien. Auch in den übrigen Anstalten, wie zahnärztliche Stationen, Polikliniken, Tbc-Tispansaires, nimmt die Kinderfürsorgearbeit einen breiten Raum ein. Be- Versammlungskalender +H Stettin. Mittwoch, 4. Juni, abend» 21 (9) Uhr, in den Räumen der Allemannia»Log«, Friedrich-Karl'Straße 3: Bortrag George Soest (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum: „Religion und Realpolitik". Gottesdienste Berlin.Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 39. Mai, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Mehler. Sonnabend, vormittags 19 Uhr, Gottesdienst. Berttn-vsten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstrabe 39). Freitag, 39. Mai, 7.39 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsli. Lerlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstr. 7, nahe Reichs« kanzlerplast). Freitag, 39. Mai, 7 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensky._ Berlin-Wilmersdorf., Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 39. Mai, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. , Gottesdien st am Schabuothfest. S an n t a g, 1. Juni, abends 7.39 Uhr. Predigten: Norden: Dr. Salomonsli. Wilmersdorf: Dr. Swarsensky. Osten: Dr. Andorn. Montag, 2. Juni, vormittags 19 Uhr. Norden: Dr. Salomonsli; abends 7.30 Uhr: Gottesdienste mit Seelenfeier. Nor« den: Prof. Friedländer. Wilmersdorf: Dr. Salomonsli. Oste n: Dr. Swarsensky. Dienstag, 3. Juni» vormittags 19 Uhr. Norden: Gottesdienst mit Seelenseier: Dr. Salomonsli. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Sonntag, den 1. Juni: Schowuausfestgottesdienste mit Seelenfeier. Johannisstraße 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. Kleiststratze 19: vormittags 19 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. sonders dicht ist das Netz der Anstalten in Litauen, Polen pyd Beßarabien, wo auch in den kleineren Ortschaften intensiv gearbeitet wird. Auf derselben Karte sind auch die Anstalten des Agro-Joint in der Sowjetunion dargestellt, wo die Tätigkeit sich auf 61 Städte in der Ukraine und Weißrußland erstreckt und ca. 150 Anstalten umfaßt. Tic nächste Tabelle veranschaulicht die Ergebnisse der Gesundheitsarbeit im Jahre 1929. Man ersieht aus ihr, daß während dieses Jahres 9329 Säuglinge betreut wurden, was mit 85000 Besuchen verbunden war; über 900000 Flaschen Milch und 50 000 Kilo Nahrungsmittel wurden an Säuglinge verteilt; rund 7300 rachitische Kinder befanden sick in Behandlung; unter dauernder schulmedizinischer Aussicht standen ca. 60000 Schulkinder aller Altersgruppen; 9600 Kinder hielten sich in den Sommerkolonien aus; zahnärztliche Hilfe erhielten 16 000 Kinder; etwa 9000 Kinder wurden mit Röntgenstrahle-n behandelt, hiervon rund 4300, die an Haarkrankheiten litten. Insgesamt werden über 100 000 jüdische Kinder in Polen, Litauen, Lettland und Rumänien von Ose und Toz systematisch betreut. Eine gleiche Arbeit, in mancher Hinsicht sogar eine bedeutendere, leistet die medizinische Kommission des Agro-Joint in der Sowjetunion, deren Tätigkeit auf einer besonderen Tabelle dargestellt ist. Ihre Anstalten wiesen im Jahre 1929 1350 000 Besuche auf, von denen etwa ein Drittel auf Kinder entfällt. Im Verlause einer fünfjährigen intensiven Tätigkeit wurden rund 26 000 Kinder, die an parasitären Haarkrankheiten litten, geheilt. SjOliWERCI-f u?oh (Sch mcckc rul nahrhaft. Eine weitere Tabelle veranschaulicht den inneren Aufbau der Ose- und Toz-Gesellschaften. Im Jahre 1929 existierten 11 Landesverbände mit 103 Abteilungen und rund 25 000 Mitgliedern. Wie sich die Tätigkeit der Gesellschaften auswirkt, das drückt am deutlichsten ein Diagramm der Säuglingsfürsorge in Chisinau (Kischinew> Beßarabien) aus. Während die durchischnittliche Sterblichkeit der Säuglinge in der Stadt Chisinau, infolge der Verschlechterung der allgemeinen Lebensoerhältnisse, in den Jahren 1927 bis 1929 auf 10 von 100 gestiegen ist, ist sie in der gleichen Zeitperiode bei den unter Aufsicht der Fürsorgeslellen der Chinsinauer Abteilung der Ose stehenden Säuglingen von ca. 6 auf 4 vom 100 gefallen. Ties ist wohl der beste Beweis dafür, welch ein mächtiges Mittel die Säuglingsfürsorge im Kampfe gegen die Säuglingssterblichkeit darstellt. Tie Bedeutung der Schulhygiene wird durch ein Diagramm, das die Erfolge der schulmedizinischen Aufsicht in Kowno darstellt, hervorgehoben. Durch planmäßige Arbeit sind die im Osten stark verbreiteten Erkrankungen an Trachom, Favus u. a. aus ein Minimum reduziert worden. Eine Reihe Diapositive in einer besoirderen Vitrine bringt bildliche Darstellung verschiedener Ose- und Toz-Anstalten. Zwei besonders wichtige Anstalten — das Gesundheitshaus der Kownoer Äbteilung der Ose und das Tuberkulose-Sanatorium der Bialystoker Abteilung der Toz — sind in großen Modellen dargestellt. Beide Gebäude, erst in den letzten Jahren erbaut, sind in modernen Formen gestattet und mit viel Licht und Luft und großen flachen Dächern, die als Sonnen- und Luftbäder dienen. Auch die Inneneinrichtung entspricht in jeder Beziehung den modernsten wissenschaftlichen Anforderungen. Das Kownoer Dr. S. Frumkin-Gesundheitshaus, in dem die wichtigsten Anstalten der Ose untergebracht sind, bildet das Zentrum der Gesundungstätigkeit der Ose in Litauen. Zu erwähnen sind noch die zahlreichen Broschüren, Flugblätter/ Plakate, Zeitschriften und auch andere Veröffentlichungen der Ose und Toz in jiddischer Sprache, die der sanitär-hygienischen Aufklärung und Propaganda dienen. Aus einer Tabelle ist zu ersehen, daß in den letzten fünf Jahren über eine Million Exemplare von Werken hygienisch-sanitären Inhalts unter der jüdischen Bevölkerung Osteuropas verbreitet wurde. Was die Propaganda in Wort anbetrifst, so haben allein iw Jahre 1929 ca. 1900 Vorträge,--Vollversammlungen usw. statt gefunden, die von rund 120000 Personen besucht waren. (Jta.) Spendenliste Leo Hirsch, Homburg; Louis Meyer, Lünen; Rudolf Löb, Berlin; Hermann Flesch, Danzig; Hans Adam, Berlin; Rabbiner Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M.; Joses Meyer, Dortmund; Max Würzweiler, Dortmund. der die erste „Merphologie der Fische" schrieb; da sieht man das sinnende Antlitz des Naturforschers Jsaac Simon, den Geographen Lichtenstein, den Psychologen Markus Herz, den Astronomen M a r k u s e. Unter den „berühmten Rechtstehrern der Berliner Universität" finden wir das scharsgeschnittene jüdische Gesicht von Friedrich Julius Stahl, des Gründers der konservativen Partei. Vergebens suchte ich Erinnerungen an den Professor der Rechte Iaffe, der sich in den sechziger Jahren in Berlin erschoß, weil er die Zurücksetzungen, die er als Jude erleiden mußte, nicht länger ertragen wollte. In dem Saal, der die Entwicklung der Berliner Elektrizitäts-Industrie zeigt, sind Erinnerungen an Emil Rathenau, in den Abteilungen für Architektur einige wichtige von Alfred Messel und den jüdischen Architekten Jacobi und Obronsti. Messel steht im Mittelpunkt der modernen städtebaulichen Entwicklung Berlins, so weit sie gut war. Die Säle der Handwerker weisen 6tof, deshalb keine Judaila aus, weil nur die in Innungen und Zünften zusammengeschlossenen Handwerker, die keine Juden aufnahmen, berücksichtigt wurden. In der Medaillenstecherei, Petfchaftgravierung, Edelsteinslchileiserei, Feinmechanik und Brauerei sind ja manche Juden führend tätig gewesen! Ganz besonders interessant isch wie gesagt, die Abteilung der Jüdischen Gemeinde. Mendelssohnbilder. Der Hosbankier Jsaac Daniei Jtzig (1750—1806), der Großkaufmann Daniel Jtzig (1723—1799), der „königlich! preußische Major der Artillerie" Meno Burg (1789—1863), der auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee begraben ist und der — Ludendorfs verhülle dein Haupt! — preußischer Armeeinspckteur geworden wäre, wenn ec sich, hätte taufen lassen (vgl. Tänhardt: Geschichte der Preuße Artillerie II 380). Viele alte jüdische Bürgerbriefe. Vergilbte Statuten und Kassenbücher zahlreicher jüdischer WohltätW'eitsanstalten aus dem 18. Jahrhundert, z. B. Statuten des Instituts zur Ausstattung der Bräute. Erinnerungen an die erste „Genossenschaft für Reform im Judentum" (1846). Tie Konzession Friedrichs des Großen zur Anlegung einer jüdischen Buchdruckerei (1784). Sehr schön sind die lebensgroßen Bilder ehemaliger jüdischer Repräsentanten, Gemeindeälteßer, Stadträte des vormärzlichen Berlin, neu die Reproduktionen der Gräber der beiden gefallenen jüdischen MärMmpfer Alexander Goldmann und Simon Barthold. Wir sehen aus einem erst 1801 auftzehobenen Edikts, daß die jüdische Gemeinde für jede Schädigung und jedes Vergehen irgendeines einzelnen Juden insgesamt haftbar war. In dem Biedermeier Pavillon hängen wunderschöne zeitgenössische Bilder von Rahel Levin (Barnhagen) und deren Bruder Marcus Leviu, der nach der Taufe seinen neuen Namen Röbert-Ternow berühmt machte. Alte Elfenbeinmedaillons erzählen von der grazilen Schönheit einer Ludmilla Assing (1821—1880), Anna Gottheiner und Henriette Herz (1764—1847), alles jüdische Frauen, deren Ähicksale durch Leistungen ihres Geistes und Gemüts auf die Nachwelt gekommen sind. Max Ring (1817—1901) habe ich selbst noch persönlich gerannt. In den Abteilungen, die von der Geschichte der Heitkünst und medizinischen Wissenschaft in 'Berlin berichten, erübrigt es sich, jüdische Namen und Koryphäen zu nennen: es sind ja deren zu viele! Bloßes Aufzählen würde ern.üdend wirken. Jeder Ausstellungsbesucher stelle einmal selbst die ruhmoollgroße Beteiligung jüdischer Intelligenz auf diesem Gebiet fest! In dem Saat „Berliner Romantik" sind jüdisch« Erlicheinungen nicht ganz so zahlreich. Das Grab Amalie Friedländers der Jugendgeliebten Heinrich! Heines, weckt seltsame Erinnerungen. Im E. T. A. Hossmann-Zimmer ftndet man Bücher und Erstausgaben T>. F. Koreffs, jenes aus Breslau stammenden jüdischen Universalgenies, der ein intimer Freund des nicht judenfreundlichen, ja sogar öfters antisemitelnden großen Dichters war. Ter alternde und durch schwere Krankheit verbitterte E. T. A. Hosfmaun schrieb einmal an Korest: „Tu bist der einzige Mensch, mit dem ich in Berlin überhaupt noch verkehren kann." Korest war Medizinprosessor, Staatsmann, Dichter, Maler und Musiker in einer Person! Starb zuletzt in Elend in Paris. Sehr stark ist das jüdische Element in den Sälen „Berliner Musik" vertreten. Mendelssohn-Bartholdy, Meyeöbeer, Tausig und der berühmte Gesangspädagoge Goldschmidt, der Musikalienverleger Schlesinger, der Dirigent Ochs und manche andere haben in der Berliner Musikgeschichte keine „Nebenrolle" gespielt. Erinnerungen an Fanny Lewald, Berthold Auerbach;, Julius Rodenberg (Letvy) und Alfred Klaar wecken Gedenken an ehemaligen Berliner Journalismus von der besten Sorte. Auf dem Grabstein Rodenbergs steht die von ihm verfaßte Inschrift: Was Tos Schicksal Schickt Ertragen,. Auch Im Leide Nicht Verzagen Ob In Freude Ob In Trauer Glaübe Niemals An Tie Dauer Trachte Nur Daß Bor Dem Ende , Sich! Tein Inneres Sein Vollende. In der Ausstellung der staatlichen bierliner Poizetlanrnanusaktur werden wir daran erinnert, daß in friederizianischen Zeiten jeder Jude bei seiner Verheiratung und einigen seiner übrigen Familiensestlichleiten ein gewisses Quantum Porzellan kaufen mußte. Tie letzten Abteilungen der Ausstellung, die über jüngste Berliner Vergangenheit, über Berliner Theater-, Literatur, Kunst- und Kulturgeschichte belehren, enthalten wiederum so viel prominente und garnicht mehr wegzudenkende jüdische Beteiligung, die gleichzeitig sehr jüdisch und dabei gleichzeitig ganz und gar berlinisch ist, daß man schon ganze Teile des Ausstellungsführers abschreiben müßte, um nur etwas Vollständigkeit zu erreichen. Auch in der Geschichte des Berliner Zeitungs- und Verkehrswesens haben Juden überdurchschnittliche Leistungen auszuweisen. Nicht allgemein Mannt ist es, daß Kremser, der erste Berliner Fuhrgroßunternehmer (Kremser-Wagen), ferner Litstaß^ der erste „Entrepeueur" der nach ihm benannten Säulen, schließlich Wolst, der Gründer des ersten Tetegraphenbüros in Berlin, und Weiß (einer der ersten Weiß» bierbrauer) Juden waren! Das mögen immerhin Kuriositäten und Einzelerschieinungen sein! Aber als nicht-zusältig hervorgehoben werden muß, daß der mit Recht vielgecühmte „Berliner Humor "des 19. Jahrhunderts, die Berliner Lolalposse, die Berliner Witzblätter fast, zu füitßtg. Prozent jüdisch waren. Ein flüchtiger Blick in die Pavillons: „Berliner Theater und Literatur" im 19. Jahrhundert zeigt, daß auf dem Gebiete des Humors, der Literatur und des Theaters' eine Amalgamierung berlinischen und jüdischen Wesens eintrat, die eben ein Ganzes, Neuartiges, Unteilbares und Ueber-Jndivfduelles darstellte. Es ist eine gar reizvolle Aufgabe, mit den Augen des jüdischen Historikers durch die Ausstellung zu wandern. Tie Wirklichkeit beweist, daß. alle Theorien eben „grau" sind. Vor allem die Theorie von der „jüdischen Inferiorität". Tann die zionistische Theorie von einem „besonderen, stetskonstanten jüdischen Volkstum". Das im Berlinischen aufgegangene Jüdische der letzten Jahrhunderte ist nun mal eine wichtige, ja integrierende Nüance! Aus zwei Elementen entstand eine neue, höherwertige Legierung! Das haben einige der besten, objektiv-urteilenden Historiker auch langst zugegeben! Für die schöne Schau muß man allen ihren Veranstaltern und Förderern dankbar sein. Es wird jeder etwas sehen, -.was ihn besonders interessiert. Und man kann nur jedem raten, sie sich» anzusehen. Freilich, es gehört viel Zeit und Muße dazu. Aber niemand wird die Ausstellung ohne Belehrung perlassen, lind wer sie nicht sieht, versäumt' sichen etwas! L. Gaß, mann.