Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 21 (21.5.1930)
- Date
- 1930-05-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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„Psychologie des Jngendaltcrs" dargcsteilt hat, und wie er charalleri siert ist in den Worten: Tradition, Revolution und Restauration. Die Erziehung hat auf diese Entwicklung Rücksicht zu nehmen. In der ersten Stufe sind gcmütergreisende Erzählungen zu bevorzug-en. Sorgfältige Auswahl biblischer Stoffe, reiche Verwendung der aggadischen Literatur, der jüdischen Märchen, gelegentliches Beten, Bildbetrachtung, Vorführung jüdischer Musik, Besuch kultischer Stätte» sind zu empfehlen. In Hinblick auf die Hereinbcziehung Gottes ist -größte Zurückhaltung zu üben. In der zweiten Stufe ruht das Religiöse etwas im Gedankenkreis der Ju.'end. Hier muß das Heldenmütige im Judentum herausge arbeitet >verden, das Faustische, das sich natürlich nicht in kriegerischen Taten äußert sondern im geistigen und sozialen Leben. Die wich ig'te Stufe ist die der Klärung, der Restauration. Hier muß mit der h.rangcreiften Jugend in aller Offenheit über die tiefsten Fragen des Lebens geredet iverde». Tie Zusammenhänge zwischen Religion und Ge.-.-.mmrt sind aufzuzeigen in der Betrachtung von Leben und Werk der besten Juden und Richtjuden. Hier ist auch die Stelle, an der die tiefen Gedanken der Bibel zu »vürdigen sind. Reli gionsgeschichte, Litcraturtunse, Geschichte der jüdischen Frau u. dergl. Gebiete sind eingehend zu behandeln. Dem Hang zum mystischen Er leben komme der Gottesdienst entgegen. Rach der Schulentlassung müsse die Jugend ihre Arbeit in den Bünde» fortsetzen. Tic in großer Zahl erschienenen Zuhörer lauschten dem Redner in gespanntester Aufmerksamkeit. Bor Schluß der Velsammlung, die Herr Konsul Bend ix leitete, befasste sich Herr Tr. Braun mit den Angriffen auf die Gemeinschaft und erklärte, sie iverde ansscsttießlich aufbauende Arbeit im Tienst des Jildentums leisten und sich im übrigen um unsachlich.' Anfeindungen nicht kümmern. Stettin. (Vortrag von Rabbiner Tr. V o g e l st c i ». In der „Liberalen Vereinigung" sprach am l. April Herr Rabbiner Dr. Vögelst ein, Sohn unseres unvergessenen Gcmeinderabbincrs .Heinemann Vogcistem, vor liiuT ausserordentlich zahlreich erschienenen Hörerschaft. Tee Vw/chende der Ortsgruppe, .Herr Tr. Auerbach, leitete die Versam aig init einigen herzlichen Morten ein, begrüßte die Erschienenen und sprach seine Genugtuung über den stattlichen Besuch aus. Als Thema nannte der Redner zwei kurze Worte: „Woher und Wohin." In diese wenigen Worte legte der Vortragende im Laufe des Abends eine Fülle tiefer Gcdankengänge und es ist vonvcgzuzunehmen, daß der Vortrag ans einem so hohen Niveau stand, daß er auch an die Hörer recht hohe Anforderungen stellte. Nicht nur einzig das starre „Gestern", aber auch nicht nur allein das „Heute" — nur in Verbindung des Gestrigen mit dem Heutige», der Vergangenheit mit der Gegenwart, kann es zu einem lebendigen „Morgen", z» einer segensreichen Zulnnft führen. Erst das Wohcr begreifen, erst die Vergangenheit verstehen, diese in Einklang bringen mit den Forderungen der Gegenwart, dann haben wir die Geiuißheit, den richtigen Weg eingcschlagen zu haben, der in eine lebensiverte Zukunft führt. Und so führte Vogelstein uns zurück in die Vergangenheit unseres Stammes, zeigte uns ans den Worten unserer Propheten, daß auch sie das starre Wort ablchnten, daß Friede, Eintracht und Liebe auch zur Umwett jüdisches Gebot sei, daß das Ziel un'erer Lebnx die Religion der Menschheit sei. Zeigte uns, daß schon^ das alie^Jirar. Altes und Neues miteinander verband —, daß es selbst in der Sprache, sich anpaßte, daß Talmud und verschiedene Gebete noch hellte davon Zeugnis ablegcn (aramäisch). Und weiter ließ der Voriragende an uns vorüberzichen die Zeiten tiefster Bedrückung — Miitctalter, Giiel.'.o, er zeigte uns die Zeit der Aufklärung, der Einanzipation. Ta uhu es denn natürlich, daß die srcigewordene Judcnheit teitgenouunen. an den Errungenschaften der neuen Zeit. Vielleicht vergaßen sie etwas schnell das Astern — choer natürlich war, daß wir Juden mit der Umwelt zugleich hineinsegelten in die Tugenden und Untugenden der letzten 50 Jahre. Diese letzten 50 Jastre haue ja der Vortragende durchlebt und mit ihm ein großer Teil seiner Hörer. Es war eine öde Zeit, eine Zeit der Geschmackeosigkeit in Kunst und Baust,!. Aber es lvar auch eine Zeit des „seelischen" Verfalls, des krassesten Materia lismus. Man glaubte nicht zu den Gebildeten zu gehören, galt mal, nicht als Freigeist. Vielleicht hatten die Konsessionen selbst daran, schuld, denn in allen war wieder die alte Starrheit eingetreten, auch bei den Juden. Bei diesen Ausfährnngen gedachte Redner der Väter des liberal-jüdischen Gedankens. Sie crfanntni, da,; es die, starren Dogmen und Normen einer überlebten Zeit sind, d e die Menschen Hinaustreiben aus der Religion, daß Jnoe sei» heiß, n\ Liebe das Gestrige mit dem Heutigen mengen, damit wir nicht fremd werden Her Zeit, in der wir leben. So haben sicher die Männer dieser Zeit den Segen für sich zu buchen, daß das Judentum nicht ui Scharen zur voltelt Entfremdung zur Taufe üvergctreten. Gewig, die Ideologie des heutigen religiösen Lebens ist eine andere, als sie vor 50 Jahren war. Aber das ist ja das Wesen des Liberalismus, daß er sich ewig erneuert, verjüngt, entwickelt. Genau wie der Ltrom, der jede Minute sei» Wasser wechselt, der in jeder Minute ein anderer ncid doch der gleiche ist. So gilt ein Satz, den der Vortragende wiederholt zum Ausdruck bringt und der sich tief in die Seele des liberal nidifcsten, Menschen rinprägcn sollte, der Satz: „Geprägte Form, die lebend sich entwickelt." .Hierin liegt das Woher und das Wohin, liegt das Erhabene, das Große, das die Vergangenheit »ns geprägt ^hat, und uur erhalten werden kann, »venu cs lebend sich entwickelt, «eete und Geist dcS jüdischen Menschen müssen diese Form in sich lebend erneuern und gestalten tönncu, jeder für sich und so zum Wähle des Judentums. Deshalb warteten die .Hörer vergebens aus ein Programm, ans Richtlinien. Tie Ideen des jüdisch religiösen Liberalismus sind in keine Schablone zu pressen. Weil Liberalismus etwas Fließendes, sich immer und immer Erneuerndes fein muß — darum feine Richtlinien — keine Starre - Starre ist Tod. Liberalismus ist Leben, ist geprägte Form, die lebendig sich entwickelt. Und noch ein Wichtiges, das Vogelstein zum Ausdruck brachte: Jude sein heißt nicht politischer Kampf, sondern Friedenssehnsucht im Geiste unserer Propheten. Reicher Beifall lohnte den Redner. Spendenliste Tr. .Karl Bamberg, Berlin; Tr. Löwenstrin, Aachen; Konsul Grünbaum, Köln; N. N., Berlin; Dr. M. Lichtenstein, Königsberg; Jüdische ResormgemeinLe, Berlin; Kom.- Kat N. Hamburger, Berlin; Syno. Leo Kamnitzer. Erfurt; Paul Michaelis, Dortmund; Martin Lesser, Dortmund; Philipp Weiser, Dortmund; S. Rintel, Dortmund. Theodor Lauter, Duisburg; Max Löwe, Duisburg; Siegst. Löwe, Tuisburg; Adolf Lnbitz. Tuisburg; Zahnarzt Tr. Preuß. Tuisbnrg; R.-A. Dr. Rottenstein, Duisburg; R. u. E. Scheibe, Tuisburg; Zahnarzt Tr. Schmeidler, Tuisburg: Hermann Strauß. Duisburg: Julius Strauß, Duisburg. B fj C M B M S <C M A U Kurt Sternberg: Heinrich Heines geistige Gestalt und Welt. Berlin-Grunewald: Dr. Walther Rothschild, Verlagsbuchhandlung, 1929. Kurt Sternberg hat sich die Aufgabe .gestellt, das Typische der geistigen Gestalt Heines aus seinen Werken und seinem wechselvollen Leben heraus/uarbeiten: Heine ist seinem Wesen nach Romantiker u n d Rationalist. Beides zugleich. Eine innere Synthese, eine innere Verschmelzung von Rationalismus und Romantik zum Klassizismus, wie sie bei Goethe gefunden wird, ist ihm nicht gelungen. Romantische Stirn imingen schlagen oft ganz jäh und unvermittelt ins Gegensätzliche um. Heine ist darum gerade unserer Zeit besonders nahe und innig verwandt. Mit gutem Geschick und verständnisvoller Hingabe an eine ihm liebgewordene Arbeit hat der Verfasser die einzelnen Geistesprodukte des Dichters nebeneinandergereilit und zergliedert. Wir folgen ihm in seiner gründlichen und vielfältigen Untersuchung und erkennen mit ihm die Eigenart, die Dopnelseitigkeit des Hcinescheu Geistes. Ein Leid gibt es, das Heine in sämtlichen Stadien seiner Entwicklung nüt derselben Intensität gleich lebhaft fühlt: das Leid der Juden. Dieses Leid, die unendliche Schwere und Härte des jüdischen Geschicks erregt sein tiefstes Mitgefühl und entbindet immer und immer wieder seine künstlerische Gestaltungsgabe. So im Rabbi von Bacharach, in der Simson-Episode, in den Memoiren des Herrn von Schuabelcwopski, den Hebräischen Melodien, Prinzessin Sabbat. Im Romanfragment „Der Rabbi von Bacharach“. — um ein Beispiel anzuführen — dem Werk, das Heine, wie er an Moser schreibt, „mit unsäglicher Liebe in seiner Bru^t“ tragt und das „eine ewige Lampe im Dome Gottes“ werden solle, zeigt der Verfasser besonders die typische Geistesart des Dichtes, die Vielfalt und das Wechseln seiner Stimmungen, das ln- und Durcheinander von Gefühl und Verstand, Aufklärung und Phantasie, von Stimmung und Reflexion. Das Geschick des jüdischen Volkes wird uns zuerst, fast „objektiv referierend“' in vollständig chro n i k h a f t c r Weise geschildert. Wir erfahren von dem Schicksal der Juden in Bacharach, von der Verfolgung während der Kreuzzüge, von dem Rabbi mul seiner schönen Frau Sarah, von der Passahfeier im Hause. Im Anschluß daran werden nun ganz anders die heiligen Sitten und Gebräuche der jüdischen Religion behandelt. „Seiten nur begegnet Heine einem heiligen Gegenstände mit so grober Reinheit und einem solchen Ernst, wD es hier der Fall isL“ Romantisch ist auch weder die Kemr-oichnutig der Frühlings»ach?, in wel-; her der Rah bi und sein? Frau ihre Fluch: iKwvrk.-.telÜgc». Die Nacht ist zwar „lau und heügestimt und dennoch erfüllt sie die Seele mit seltsamen Schauem“. Und vviter die Schilderung ' de-* nächtlichen Rh ein fahrt: auf die rheinischen Märchen und Sagen wird hingewiesen, in den Träumen der fliehenden Rabbinersgattin wird ihre Kindheit wieder lebendig, in ihren Visionen nehmen die Aengste, denen sie ausgesetzt ist, und die Hoffnungen, die sie für die Zukunft hegt, Gestalt an. Ganz un romantisch dagegen sind die Berichte über den Krieg der Frankfurter Juden mit den Ratten, über die Kaufmannsläden, den Zug der Freudenmädchen usv. Verstandes m ä ß i g a u c h die Beschreibung des Tempels und die ganz rationale Reflexion über den Grund, weshalb die Juden aus der Synagoge die Instrumentalmusik v erbannen. Aber in die Beschreibung des Gottesdienstes kommen mit einem Male, fast ganz unvermittelt, romantisierende Elemente. Wenn die Thora der Bundcslade entnommen wird, scheint es der Frau des Rabbiners, als ob die Säulen der heiligen Lade zu blühen beginnen, die wunderbaren Blumen und Blätter der Kapitaler immer höher hinaufwachsen, „die Töne des Sängers sich in lauter Nachtigallen verwandeln, die Wölbung der Synagoge von der gewaltigen Stimme gesprengt wird und die Freudigkeit Gottes herabströmt aus dem blauen Himmel. Der Verfasser gibt im Vorwort zu seinem Buche dem Gedanken Ausdruck: „Mich dünkt übrigens, daß die „Schuld der Zeiten“ besonders in Deutschland, gegenüber keinem bedeutenden Kulturträger so groß ist, wie gerade gegenüber Heine.“ Indem wir diese Worte Nachdruck liehst unterstreichen, möchten wir gleichzeitig auch das uns vorliegende Buch über Heine zu einer guten Einführung in den Geist und das Lebeuswerk Heines bestens empfehlen. A. M a r g o! i u s. i i i Klassiker der Weltliteratur im jüdisch-hebräischen Kulturkreise. Von Samuel Meiseis. Verlag: Die Neuzeit. Wien 1950. Heft 3. — 16 Seiten. Einzelheft 1.— M. Subskriptionspreis für sämtliche 15 Hefte 12 — M. Das dritte der Meiselschen Hefte setzt die Betrachtung über Dante fort. Dr. Saul Formiggini, ein Triester Arzt, Uebersetzer der „göttlichen Komödie“ ins Hebräische, wählte den Titel „Mar’oth Elohim“ ----- göttliche Visionen. Das Fragment gebliebene Werk erschien 1859. Auf der letzten Seite findet man ein in gutem Hebräisch und in schwungvollen Rhythmen dem großen Dante anläßlich der GDI). Wiederkehr seines Geburtstages gewidmete» Gedicht Formiggini». Sodann geht Meiseis auf den italienischen Klassiker Metastasio über. Im hebräischen Schrifttum ist dieser so wenig bekannte Dichter nur mit einigen seiner Prosastücke zu finden. Von Jjnteresse dürfte es sein, zu wissen, daß das dreiaktige biblische Drama „Gemul Athalja“ von David Franco-Mendez (Amsterdam 1770) Racine und Metastasio zum Muster hat. Es erlebte drei (!) Auflagen, ein guter Beweis für seine Gediegenheit. Derselbe Dichter hat ein Judithdrama Metastasios ins Hebräische übersetzt, und Elias Bardach gab „Akedalh Jizchok“ (Wien 1833) heraus, die Uebertragung eines biblischen Dramas des großen Dichters, betitelt „lsacco“. Die Reihe der italienischen und spanischen Klassiker schließt Cervantes, der Dichter mit dem bewegt romantischen Leben. Sein Hauptwerk Don Quijote ist von Bialik in vortreffliches Hebräisch übersetzt, erschienen 1923 in Berlin. — Auch in jiddischer Sprache existiert eine Uebersetzung, und zwar von der Hand Alexander Harkavys (New York 1872). Eine hebräische Nachahmung des Don Quichote in Form einer interessanten Umarbeitung stellte Nachman Fraenkel her. Das Werk erschien unter dem Titel „Abinoam ha-Galili“. Don Quijote, der Spanier, wird zum Hebräer. Sehr lehrreich ist die Parallele, die Meiseis zwischen Cervantes und dem prachtvollen jüdischen Erzähler Mendele Macher Sforim zieht. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenberg. Dr. Manfred Saalheimer: Der Jüdische Reichsverband. Verlag B. Heller, München 1930. 55 8. Es ist sehr verdienstlich, daß sich der Verfasser, ein Münchener Jurist, bemüht hat, das gesamte Material über die auf Gründung einer öffentlich-rechtlichen Gesamtorganisation der Deutschen Juden abzielenden Bestrebungen in der angezeigten Schrift zusammenzutragen. Die Schrift zerfällt in drei Teile. Im ersten Kapitel wird die Geschichte dieser Bemühungen sorgfältig, im wesentlichen erschöpfend, auch durchaus objektiv zusarnmerigesteiit. Der zweite, juristisch-dogmatische, Teil erörtert die Rechtsgrundlagen des zu schaffenden Verbandes. Er kommt zu dem Ergebnis, daß der Reichsverband nicht ohne weiteres einen Verband der Religionsgesellschaften und auch nicht ohne staatliche Verleihung eine Körperschaft des öffentlichen Rechts darstellen würde. Die Ausführungen Saalheimers sind auch auf diesem Gebiet gründlich und überlegt; im Ergebnis wird man auch zu andern Schlüssen kommen können. Der Preußische Landesverband steht, im Gegensatz freilich zum preußischen Unterrichtsministerium, auf das sich Verfasser berufen kann, einhellig auf dem Standpunkt, uaß ueine Körperschalt öffentlichen Rechts bereits sei und der Verleihung dieser Eigenschaft rechtlich nicht bedürfe. Im letzten Teil seiner Schrift erörtert Saalheimer Aufgaben und Aufbau eines Reichsverbandc. der Land.»Organisationen. Dieser Teil, ebenfalls fleißig und erschöpfend, behandelt den im Vorjahr gescheiterten Entwurf in überwiegend apologetischer Art. Saalheimer wird dadurch den Bedenken, die zur Ablehnung des Entwurfs durch die Tagung des Preußischen Landesverbands geführt haben, nicht voll gerecht. Bekanntlich haben hierbei im wesentlichen zwei Gruppen züsamriiengewirkt, diejenigen, die, wie die Jüdische Volkspartei, einen auf den Landesorganisationen aufgebauten Reichsverband grundsätzlich ablt-huen, und uct Teil der Liberalen, der den Entwurf weeen einseitiger Bevorzugung orthodoxer lute resse".! abgelehnt hat. Der \ erfasser betont mit Recht, daß die Verbandsverfassung auf die Bedürfnisse der beiden religiösen Hauptriehtungen Rücksicht nehmen und sachgemäße Schutzbestimmungen zum Schulz der religiösen Minderheiten enthalten müsse. Er nimmt zu Unrecht an, daß der Entwurf von 1928 dem in der richtigen Weise entsprochen habe, und übersieht, daß der Entwurf den Reichsverband in mehrfacher Hinsicht insbesondere hinsichtlich der Führung der Anstalten, einseitig auf die Interessen der strengen Orthodoxie festgelegt, auch jeder Entwicklung durch eins Erfordernis qualifizierter Mehrheiten für Statutenänderung den Weg \ erbaut hatte. Die- Zahl derer, die einen Reichsverband nur zu acceptieren bereit sind, wenn er alien religiösen Richtungen freien Raum gibt, hat sich seit 1929 nicht vermindert, sondern vermehrt. Bei Wiederaufnahme der Bemühungen zur Schaffung des Reichsverhandes, die hoffentlich bevorsteht, wird das wohl zu beachten sein. Dr. W. Breslauer, Berlin. Franz Oppenheimer. Mein wissenschaftlicher Weg. Verlag Felix Meiner, Leipzig, 1929. 48 Seiten. Diese äußerst interessante und reiche Anregung bietende Schrift des berühmten Soziologen Professor Dr. Franz Oppenheimer bildet einen Sonderdruck aus „Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungen“. Der Gelehrte dozierte bis zur erreichten Altersgrenze an der Universität Frankfurt a. M. und lebt zur Zeit in Berlin. Bei dem unermüdlich Schaffenden kann von einem Ruhestand keine Rede sein. Franz Oppenheimer ist der Sohn des verstorbenen Predigers der jüdischen Reformgemeinde Dr. Julias Oppenheimer in Berlin. Wie der Vater, so stammte auch die Mutter aus hochangesehener jüdischer Familie. Nach einer Bemerkung des Sohnes war der Vater mehr Dichter als Denker, während die Mutter „einen fast unheimlichen Intellektualismus“ repräsentierte. Ein Vetter der Mutter war der bekannte Schauspieler Bogumil Dawison. Bei der Betrachtung dieses „Milieus“ kann es nicht wundernehmen, daß die hohe Begabung sich vererbt^. Franz Oppenheimers Schwester Paula, als Kinderdichterin anerkannt, war die erste Gattin Richard Dehmels; die jüngere Schwester Elise ist die Gattin des LLc,;pziger Aegvptologen Georg Steindorff. Ein Bruder des Gelehrten, Carlj wirkt als Professor der Chemie in Berlin. Franz O. besuchte das Berliner Friedrichs-Gymnasium; er wandte sich dem Studium der Medizin zu, war von 1886 bis 1895 als praktischer Arzt in Berlin tätig. Diese seine Tätigkeit besonders in einer von der ärmeren Bevölkerung bewohnten Vorstadt erzeugte reges Interesse für ökonomische und soziale Fragen, denen er nunmehr mit Feuereifer seine Aufmerksamkeit widmete. „Tag für Tag. — schreibt er sab ich mit immer wachsendem Interesse und immer größerem Entsetzen in das Medusenantlitz der sozialen Frage.“ Jn einem Anhang finden wir ein „Verzeichnis der Werke und Schriften“ Oppenheimers. Hervorheben möchten wir hier nur seine Broschüre: „Die Judenstatistik des preußischen Kriegsministeriums“ (1922); er nennt diese Statistik ein ebenso bösartiges wie sehluderbaftes Machwerk. Schließlich geben wir dem lebhaften Wunsch Ausdruck, daß Oppenheimers Werkchen über seinen Werdegang allgemeine Verbreitung finden möge. Dieser Gelehrte kann vielen als Vorbild unbedingter Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit dienen. Dr. M. Spanier, Magdeburg. r statt Karten. A Die Ruth Weissenberg Artur Reiss RaDitiiiaissieiio in unserer Gemeinde ist Verlobte Berlin-Wilmersdorf Krefeld Kaiserplatz 2 Krefelder Hof Empfang: Sonnlag, den 25. Mai, 12—2, Kaiserplatz 2^ neuzuMzcn Gehalt nach Tarif 11 b. Ausführl. Bewerb, sind zu richten an den Vorstand der Synagogen Ramnlnrto flnnaln Geht uns Familien- "": MmM Anzeigen! Vormittags-Abendschule l’rivate Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alle Jakobstraße 124 Sanitätsrat or. Schioslnger maierarbeiten Renovierung von W olmim gen, G e schäf tsl ok al en, Treppenfluren und Fassaden. Robert Gutheim Berlin W 50 Kiilmbacher Strasse 7 B 5 Barbarossa 6260 WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNsT S. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERL1N-WEISSENSEE LOTHR1NGERSTR. 8 - TELEPHON’: U’EISSENSEE 407 Veretu für Feuerbestattung in Berlin von IS74, e W vor». kokH‘iiluB<‘ reucrhcstaltuiij Aü.-!-:!»tne W 55. Lützowstraße 44. Telephon: LWiciw Hausverwaltung od’Zwr Heisezeit übernimmt m. Ia Referenzen und bekanntem Erfolge Bruno Kantorowicz Charlottenburg, Schillerstr. 5 Verlag: Vereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin SW. 11. —- Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wegner L Co., Berlin-Mariendorf. 0