Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 20 (14.5.1930)
- Date
- 1930-05-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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nachdem mir die oben zitierten „Liebenswürdigkeiten" entgegengeschleudert worden waren; also der Gesinnungsgenosse des Berichterstatters reagierte nicht auf meinen Vergleich, wie der Bericht es darstellt, mit dem Zuruf „Unverschämtheit", sondern ich zog den Vergleich! auf Grund seiner Zurufe. Auf einen groben Klotz pflegt man einer: groben Keil zu setzen. Ter Leiter der Versammlung — auch ein Gesinnungsgenosse des Tr. Max Berl — war obiektiv genug, ihm laut und vernehmlich zu sagen: „Tu hast das selbst verschuldet!" Herr Syndikus Waldstein hat mir auch nicht das Wort entzogen, wie der Bericht angibt; wie hätte er, der als Gast anwesend war. das auch machen sollen? — Nein, er hat mich gebeten, diesen Menschen keines Wortes mehr zu würdigen. In der Tat sollte man über einen Menschen hinwegsehen, dessen aufreizende Art hierorts bereits sattsam bekannt ist, insbesondere nach seiner Teilnahme und Betätigung an Kompromißverhandlungen als Vertreter der hiesigen zionistischen Ortsgruppe vor den letzter: Gemeindewahlen. Mit solchen Leuten läßt sich nicht rechten. Hochachtungsvoll Em. G o l d s ch m i d t. # Nochmals »Objektive Berichterstattung" Sehr geehrte Redaktion, in der Nummer 18 Ihrer Wochenschrift vom 31. April ds. Js. bemetken Sie in dem Nachwort zn der Mitteilung der Jüdischen Telegraphenagentur bezüglich der von mir in der Landesversammlnng des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gehaltenen Rede: „und bei dieser wird offen zugegeben, daß die Korrektur von dem Redner nahestehender Seite, also nicht einmal von ihm selbst veranlaßt wurde". Zn der ganzen Polemik bemerke ich, daß ich keine Veranlassung hatte, weder von meinen Freunden noch von der Jüdischen Telegraphen-Agentur irgend eine Korrektur zu verlangen, da die Erläuterung des Sinnes des von mir in der Landesversammlnng gebrauchten Ausdruckes sich im anschließenden Satz der Rede befindet. Es genügt ja hierzu, das stenographische Protokoll der Landesversammlung nachzulesen, um diese Polemik, die sich um ein Wort dreht, ohne den Sinn des ganzen Satzes zn erfassen, aus der Welt zu schassen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diese, meine Zuschrift in Ihrem werten Organ veröffentlichen, da auch ich ans eine objektive Berichterstattung besonderen Wert lege. Ich begrüße Sie hochachtungsvoll Fett. Wir haben loyalerweise die vorstehende Zuschrift zum Abdruck gebracht und warten nun noch auf eine Mitteilung, die tlarlegt, daß der beanstandete Satz überhaupt nicht gesagt worden ist. Die Tatsache, daß rrach dem sofort erfolgten Einspruch von liberalen Mitgliedern des Verbandstages gegen den Satz in der Rede des Herrn Fett, „wir werden es nicht dazu kommen lassen, daß Sie die Jüdische Gemeinde zu einer Religionsgemernde degradieren", Herr Fett seine Aeußerung zu mildern bemüht war, daß von sonstiger zionistischer Seite alsbald der Versuch unternommen wurde, den Inhalt des gesprochenen Satzes umzudeuten, erscheint uns für die Tatsache selbst recht belanglos. ►444M44444444444, ►4444-444444444-444444444 44 44, * >444»< Aus den Gemeinden * 44444444444444444444444444444444444444444444444444444» Berlin. (Leopol d Rosenow gestorben.) Im Alter von 82 Jahren verstarb der langjährige preußische Landtagsabgeordnete und Berliner Stadtrat Leopold Rosenow. Er war der letzte der alten Berliner Kommunalpolitiker, die vor einem Menschenalter an dem Aufsti-cg der Reichshauptstadt führend mitgearbeitet haben. Noch nach dem Kriege hat er sich trotz seines hohen Alters in der Bezirksvev-» waltung Berlin-Mitte betätigt. Im Gegensatz zu Cassel, dem Sprecher der „Alten Linken", hat sich Rosenow als Führer der „Neuen Linken" in dem Vorkriegs-Stadtparlament bemüht, einen frischen Zug in das Getriebe des Berliner Verwaltungsapparates zu tragen. Rosenow wurde 1848 in Strasburg (Westprenßen) geboren und kam als junger Kaufmann nach Berlin. Ein kleines Industrieunternehmen, das er gründete, entwickelte sich schnell, und schon nach einigen Jahren konnte sich Rosenow der Politik widmen. Er stand an der Spitze des Freisinnigen Vereins im Köpcnicker Stadtbezirk, 1894 wurde er Berliner Stadtverordneter, 1903 kam er als Nachfolger Rudolf Virchows ins Preußische Abgeordnetenhaus, dem er bis zu seiner Auflösung 1918 angehörte. — Leopold Rosenow nahm als Jude auch an jüdischen öffentlichen Angelegenheiten teil, ohne in jüdischen Organisationen ein Mandat bekleidet zu haben. Im Landtage trat er Angriffen auf jüdische Ehre und jüdische Interessen energisch entgegen. Berlin. (Hohes Alter.) Am 10. Mai feierte Frau Clara Roth, eine treue Anhängerin der linksliberalen Richtung im Judentum, ihren 75. Geburtstag. Sie hatte sich früher in der sozialen Arbeit und Fürsorge sehr rege betätigt. In Berlin und Schweden begründete sie Volksküchen und war während des Krieges im Kriegslazarett in der Prinz Albrechtstraße tätig. Frau Clara Roth ist Inhaberin der Roten Kreuz-Medaille. Berlin. (P r e s s e e m p f a n g der „Os «".) Vom 17. Mai dis Ende September a. c. findet in Dresden eine Internationale. Hygiene-Schau statt. An dieser Hygiene-Schau beteiligt sich auch mit einem eigenen Pavillon wahrscheinlich als einzige jüdische Organisation der Verband der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „Ose" und „Toz". Diese Verbände bezwecken die Hebung der gesund heitlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in den osteuropäischen Ländern und der ostjüdischen Einwanderer in den Westländern. Ertüchtigung des jüdischen Nachwuchses und Bekämpfung der körperliä^en Verfallserscheinungen unter den Juden. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden beteiligt sich an der Ausstellung nicht mit einem eigenen Pavillon, sondern sie hat verschiedenen Kojen Material zur Verfügung gestellt. Ueber die Teilnahme der Gesellschaft „Ose" an der Internationalen Hygiene-Schau referierten auf einem Pressetee der „Ose" die Herren Dr. I. Brutzkus und Dr. E. Olschwanger. Dr. Brutzkus gab ein Bild von den Lebensbedingungen und Lebensverhältnissen der osteuropäischen, Juden.und dem sich daraus ergebenden Tätigkeitsgebiet der „Osc". Er erklärte im einzelnen Zweck und Ziele der von „Ose" in Osteuropa unterhaltenen 460 Anstalten und teilte mit, daß auf allen Gebieten der Gesundheitsarbeit außerordentliche Fortschritte erzielt worden sind. Die Heranwachsende Jugend ist in einem ungleich besseren physischen, und demgemäß auch geistigen Zustand als in früheren Jahren. Herr Dr. Olschwanger erläuterte die sozialhygienischen Grundsätze von „Ose" und „Toz". Das Hauptgewicht wird auf die profylaktische und soziale Medizin gelegt, die Vorbeugung von Krankheiten, Bekämpfung der gesundheitsschädlichen Gebräuche, Gewohnheiten und Milicnzustände, auf die hygienische Belehrung, körperliche Kräftigung des Nachwuchses und Ausrottung der in der jüdischen Bevölkerung besonders stark verbreiteten und die Gesundheit der ganzen Gemeinschaft gefährdenden Seuchen. Dr. Olschwanger schilderte im einzelnen Aufbau und Gruppierung der „Ose"-Expedition in Dresden. Danzig. (Religionsunterricht.) Die Schulstatistik zum letzten Ostertermin ergab eine Frequenz von 1000 jüdischen Schülern und Schülerinnen. Davon entfallen zirka 400 aus die Volksbezw. Grundschulen. Während der jüdische Religionsunterricht an den höheren Schulen schon immer in den allgemeinen Vormittagsunterricht eingereiht ist, waren die Bolksschüler nur sehr schwer zu erfassen. Den Bemühungen des Gemeinderabbiners Dr. Grün ist es nunmehr gelungen, an 6 Volksschulen, die eine besonders starke Frequenz von jüdischen Kindern aufweisen, jüdischen Religionsunterricht einzusühren, der im Rahmen des allgemeinen planmäßigen Volksschulunterrichts erteilt wird. Düsseldorf. (Erweiterung der Rosenau.) Das Kuratorium der Daniel Fleckschen Stiftung konnte am 11. Mai den Neubau des Alters- und Erholungsheims Rosenau seiner Bestimmung übergeben. Das idyllisch auf einer Anhöhe über der Ruhr unweit der Kruppvilla Hügel gelegene Heim steht in seiner Art in Deutschland wohl einzig da. Die Erweiterung des Landhauses ermöglicht es, die Zahl der Alterspensionäre aus 30 zu erhöhen, die hier »vie in einem modernen Sanatorium untergebracht sind. Durch eine .Stiftung des Düsseldorfer Bankiers Siogsried Falk, Mitglied der Repräsentanz, konnte das Kuratorium in den Umbau die Errichtung einer gedeckten Liegehalle cinbeziehen, so daß auch erholungsbedürftige Pfleglinge für Kuren Aufenthalt finden können. — Das erweiterte Haus »vurde am letzten Sonntag in Gegenwart von etwa 50 Düsseldorfer Ehrengästen, darunter fast vollzählig Gemeindevorstand, Repräsentanz, die Rabbiner Dr. Eschelbacher und Dr. Klein usw., seiner Bestimmung übergeben. Nach einem Bortrag des Soloquartetts des Düsseldorfer Synagogenchors nahm Herr , Erich Felsenthal namens des Kuratoriums das Wort und beglückwünschte vor allem Frau Geheimrat Fleck, die tatkräftige Förderin und „Mutter" des Heims, zu dem erreichten Ziele, das nur durch die opferwillige Hilfe der Düsseldorfer- Gemeinde erreicht werden konnte. Er gedachte ferner der unter schivierigstcn Terrainverhältnissen vollbrachten Leistung des Architekten Rosendahl, Mitglieds der Repräsentanz, wie auch die Innenausstattung von Düsseldorfer jüdischen Handwerksmeistern vorzüglich ausgeführt worden ist. Neben einer Reihe »veiterer Düsseldorfer Persönlichkeiten sprach u. a. noch der Vorsitzende der alten Synagogengemeinde Werden. Besonderen Beifall fand die Ansprache des Bürgermeisters von Werden, der das Werk in tatkräftigster Weise gefördert hat, getreu dem Versprechen, das er vor 16 Jahren dem Kuratorium bei der Uebernahme des Hauses gegeben hat. Mit herzlichen Worten gedachte er der Kriegsjahre, wo verwundete Soldaten in der Rosenau Genesung fanden und stets des Lobes voll für die liebevolle Aufnahme gewesen sind. Nach einem Rundgang durch die prachtvollen Räumlichkeiten unter Führung von Frau Geheimrat Fleck vereinigten Zich die Ehrengäste mit den Insassen des Heims zu gemeinsamer Kaffeetafel, bei der weitere Glückwnnschansprachen u. a. von Bankier 'Falk, dem freigebigen Spender, und von Handelsgerichtsrat Mancs, dem Vorsitzenden der Düsseldorfer Repräsentanz, gehalten wurden, der Frau Fleck die tatkräftige Hilfe der Düsseldorfer Gemeinde auch für die Zukunft in Aussicht stellte. — Das Heim kann jetzt auch junge Mädchen als Elevinnen für .Haushalt, Gartenbau usw. aufnehmen. Bemerkenswert ist, daß die Pflegesätze der Alterspensionäre sozial gestuft sind, einige von ihnen sind von jeder Zahlung befreit. Halle. (Beerdigung von San.-Rat Oppenheimer.) Die Beerdigung des Sanitätsrats Dr. Gustav Oppenheimer gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Die Halle vermochte die Zahl der Trruergäste nicht zu fassen. Außer den Vertretern der Gemeindeverwaltung, der Germanialoge, der Ortsgruppe der liberalen Vereinigung und des barmherzigen Brüdervcreins waren zahlreiche Andersgläubige anwesend. Die Reichsbahn, bei der der Verstorbene als beamteter Arzt tätig >oar, und der Verein der Eichsfelder, dem er angehörte, hatten ebenfalls Vertreter entsandt. Nach den einleitenden Gebeten schilderte Herr Rabbiner Dr. Kahlberg den Verstorbenen als Ehemann, Vater und Großvater, als den treuen, bewährten Arzt und als den Gemeindevertreter, der mit fanatischem Eifer seine Pflicht erfüllt habe. Sein hoher Idealismus sei außerdem stark hervorgetreten, wenn cs sich um die jüdische Religion gehandelt habe, in der er ftne starke, positiv liberale Richtung, verkörperte. Denselben schrankenlosen Idealismus und Optimismus rühmten auch alle übrigen Redner. In treffenden Worten sprach Herr Mainzer, der erste Vorsteher der Gemeinde, über die rastlose, nie ermüdende Tätigkeit des Verstorbenen auf allen Gebieten der Verwaltung. Er hob besonders hervor, daß sich in ihm der jüdische Geist harmonisch mit dem Humanitäts!- ideal im Goetheschen Sinne von edel, hilfreich und gut vereinigt habe. In einem warmherzigen Nachruf rühmte der Logenpräsident zugleich auch im Namen der Großloge U.O.B.B., Herr Dr. Lewinsky, den Expräsidcnten, dessen menschliche Eigenschaften so recht die Verkörperung der Ordensideale gewesen seien. Herr Justizrat Aronsohn sprach für die Ortsgruppe der liberalen Vereinigung und betonte die leidenschaftliche Begeisterung Oppenheimers für die Entwicklung unserer Religion im liberalen Sinne, die er doch mit einer großen Versöhnlichkeit zu vereinigen gewußt habe. Nach kurzem Gebet wurde die sterbliche Hülle ins Grab gesenkt, über das sich zum Abschiedsgruß die Fahne der Eichsfelder neigte. Kassel. (Aus der G e m c i n d e s i tz u n g.) Dem Kollegium lagen wieder mehrere Gesuche um Subventionen vor. So bat der Reichsbund für jüdische Siedelung, Berlin, um eine Beihilfe, die der Ansiedelung und Seßhaftmachung jüdischer Landwirte und Gärtner auf dem bei Kotchus erworbenen Gute nutzbar gemacht werden soll Das Kollegium bedauert aber, aus finanziellen Rücksichten dem Gesuch nicht entsprechen zu können. Eine ähnliche Eingabe des jüdischen Friedensbundes wird von mehreren Gemcindeältesten befürwortet: der Antrag soll nochmals nach näherer Orientierung erörtert werden. In zustimmendem Sinne wurden mehrere Anträge erledigt, die sich auf lokale Verhältnisse beziehen. Ter öffentlichen Sitzung schloß sich eine zweistündige geheime Beratung an. Kassel. (Verurteilung wegen Religionsbeschimpfung.) Wegen Religionsbeschimpsung hatte sich dieser Tage vor dem hiesigen großen Schöffengericht der ehemalige Student und jetzige Schriftleiter der nationalsozialistischen Zeiiung „Der Sturm" zu verantworten. Im März des vergangenen Jahres behauptete der Beklagte iu einer öffentlichen Versammlung, die in Hilmes, Kreis Hersfeld, stattfand, daß jüdische Metzger das an Nichtjuden abgegebene Fleisch nach dem Religionsgesetz erst verunreinigen müßten. Bei der Verhandlung suchte sich der „tapfere" völkische Agitator mit der Ausrede rcinzuwaschen, daß er mißverstanden sei und nur vom Hinterviertel gesprochen habe. Beachtenswert und in dem Urteil strafverschärfend war seine Erklärung, daß er genau vom Gegenteil überzeugt sei und durch die Beschäftigung mit Talmudübersetzungen wisse, daß das jüdische Religionsgesetz die ihm zur Last gelegte Auffassung; gar nicht kenne. Auf Grund der Zeugenaussagen, die den vollen Sachverhalt bestätigten, wurde der Beklagte wegen Vergehens der Religionsbeschimpfung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt, die in eine Geldstrafe von 180 Mark umgewandelt worden war. Der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt und besonders betont, daß die Aeußerung wider besseres Wissen getan sei und nur in der Absicht, um, wie auch in seinen anderen Reden, mit unredlichen Mitteln für seine Partei zu werben. Die Urteilsbegründung hob die rohe und verletzende Form der Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und ihrer Bräuche hervor. Zu erwähnen ist noch, daß durch die Bergemannsche Behauptung die jüdischen Metzger der Umgebung von Hilmes schwer geschädigt wurden, rveil viele Bewohner des Ortes kein Fleisch mehr von jüdischen Metzgern kaufen wollten. Köln. (Neue F r i e d h o f h a l l c.) Am vergangenen Sonntag vormittag wurde die vom Architekten B. T. A. Robert Stern erbaute Friedhofhalle eingeweiht. Tic Weihereden hielten die beiden Gemeinderabbiner Tr. Rosenthal und Dr. Kober. Ferner sprachen der Erbauer und der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr Emil Blumenau. Die Reden waren umrahmt von feierlicher Musik, deren getragene Weisen die Hörer ins Reich ernster Andacht trugen. Die großzügig errichtete Halle bildet in ihrer architektonisch wundervollen Gliederung, sowie in der feierlich abgemessenen Farbengebung einen Sakralbau erlesener Art. Königsberg. (Konstituierung des Gemeindevorst a n d s.) Der durch die Repräsentantenversammlung neugewählte Vorstand der Synagogengemeinde nahm in seiner Sitzung am Mittwoch, den 7. Mai, seine Konstituierung vor. Zum Vorsitzenden des Gemcindevorstands wurde Geheimer Mcdizinalrat Professor Dr. Falken he im (bei keiner Fraktion) wiedergewählt. Erster stellvertretender Vorsitzender und Kassenpfleger wurde Kaufhausbesitzer Sally Joachim (Mittelpartei), zweiter stellvertretender Vorsitzender sowie Schriftführer und stellvertretender Kassenpfleger wurde Bankdirektor Hermann Marx (konservativ). Stellvertretender Schriftführer wurde Rechtsanwalt Dr. Kurt Fraenkel (Mittelpartei), Synagogenvorsteher wurde Rentier Hermann Licbermann (Mittelpartei) und stellvertretender Synagogenvorsteher Rechtsanwalt Dr. I a c o b y II (Volkspartei). Die in Nr. 18 veröffentlichte Mitteilung, wonach in der Repräsentantenversammlung der Fabrikbesitzer Lesser Hirsch zum Vorstandsmitglied gewählt Ivurde, ist dahin zu berichtigeil, daß nicht dieser, sondern Kaufmann Elias Hirsch (Mittelpartei) zum Vorstandsmitglied gewählt wurde. Linz a. Rhein. (Todesfall.) Lehrer David Würzburger, der nach 40 jähriger ersprießlicher Tätigkeit in den Ruhestand getreten war, ist plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Die hiesig« Gemeinde bedauert das jähe Ableben ihres treuen Beamten, der ein Vorbild an Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue war, der jung und alt in dankbarer Erinnerung bleiben wird. Auch seine Amtsgenossen, besonders die jüdischen Lehrer am Mittelrhein, werden voll dankbarer Treue ihren langjährigen Führers und Mitarbeiters gedenken. Mannheim. (Fortbildungskurs für badische Religio n s l e h r e r.) Mehr als 40 badische Lehrer und 10 nichtbadische hatten sich am Nachmittag des 21. April Zn den vergrößerten. Räumen der Klausschule zur Eröffnung eingefunden, bei welcher die Herren Rabbiner Dr. Unna und Oberrat Dr. Pfälzer von der hohen Bedeutung der Einrichtung sprachen und mit Genugtuung deren wachsende Beliebtheit in der Lehrerschaft seststellten. Vor etwa 4 Monaten war in einer Sitzung von Vertretern des Oberrats, der Rabbiner und der Lehrer der Verlaus des diesjährigen Kurses vorbereitet worden, der Stundenplan selbst, die Wünsche aller beteiligten Faktoren berücksichtigend, bekam seine letzte Gestalt vom Kursleiter. Als Mittelpunkt war das „'Fest der Offenbarung" gewählt worden. Einzelne Stoffgebiete sollten im inhaltlichen Zusammenhang mit dem Ossenbarungsgedanken stehen, sich um diesen gruppieren. Folgende Themen trugen diesem Gesichtspunkt Rechnung: Die 613 Gebote; der Prophet Habakuk (Dr. Unna); aufs Wocheusest bezügliche Midraschim (Tr. Lauer): der Gottesbegriff bei Cohen (Dr. Ucko); Lehrbarkeit der Religion (Liebermensch). Dozenten, die in diesem Jahre zum ersten Male in Mannheim Vorlesungen hielten, waren: Dr. Höxter, Frankfurt a. M. (3 verschiedene Geschichtsepochen in Verbindung mit den vom Vortragenden veröffentlichten Quellenbüchern für den 'Unterricht in Jüdischer Geschichte), Dr. Landauer, Berlin (Rechtsgeschichte der deutschen Juden), Dr. Schlesinger, Köln (der Begriff Brera mit ausgewählten Stücken aus dem Traktat Beza), Dr. Ucko (Einführung in die Religions- Philosophie von Hermann Cohen). Aus der Praxis des hebräischen Unterrichts referierten die Kollegen Durlacher und Kälbermann (Das Schreiben des 1. Wortes; die Behandlung des Schwa: der Verlauf des 1. Schuljahres). Die allerliebsten Kleinen der Klausschule waren hierzu erschienen und man genoß ein Viertelstündchen freudigsten Unterrichtsbetriebs. Kantorale Uebungcn standen unter der Leitung des Kollegen Adler. Seit Beginn der Kurse (1924) hält der Synagogenrat Mannheim an dem schönen Brauche fest, Dozenten und Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein zu vereinigen, das sich alljährlich zu einem besonderen Erlebnis gestaltet, nicht zuletzt durch die „Begrüßungsansprache" des Gemeindevorsitzenden Professor Dr. Moses. Für die Dozenten sprach am gleichen Abend Dr. Höxter, während den Dank der Hörer Translateur übermittelte, für die Gasthörer außerbadischer Gebiete tat dies ein Vorstandsmitglied des bayrischen Lehrervereins. Ein Besuch des Instituts für Psychologie und Pädagogik am Nachmittag des 29. April bildete den Abschluß des (bedeutsamen und erhebenden Fortbildungskurses, Er wqr geglückt nach der Ansicht aller Teilnehmer, die voneinander schieden mit dem Willen zu leisten und dem Gefühle der Dankbarkeit für wertvolle wissenschaftliche Förderung. z Oedheim. (Friedhofss chändung.) Vor einigen Wochen wurde der hiesige israelitische Friedhof vou Bubenhand heimgesucht. Es wurden mehrere Grabdenkmäler umgeworfen. Die Angelegenheit wurde von dem Kochendorfer Landjäger verfolgt, der sie restlos rufklärte. Als Täter kommen auswärtige jugendliche Burschen in Frage. Pirmasens. (Todesfall.) . Durch den unerwarteten Tod des Bezirksrabbiners Dr. Eugen Mayer ist die hiesige Gemeinde und der gesamte Rabbinatsbezirk Pirmasens in tiefe Trauer versetzt worden. Als Seelsorger und Mensch erfreute sich der Heimgegangene, den hoher Idealismus auszeichnete, der in seinen Kanzelreden und Gelegenheitsansprachen sich als Meister des Worts bewährte und gründliches talmudisches Wissen mit bedeutender Gelehrsamkeit verband, höchster Wertschätzung und allgemeiner Beliebtheit. Am letzten Tage des Pessachfestes hat er in der Predigt, die er als letzte vor seiner Gemeinde hielt, noch treffliche Gedanken über die Not des deutschen Vaterlandes entwickelt. Sein Tod weckt allgemeine Teilnahme bei allen, die über das Grab hinaus seiner stets in Verehrung gedenken werden. In Jngenheim, der Heimat des Entschlafenen, wurde seine sterbliche Hülle zur letzten Ruhe gebettet. Seesen a. Harz. (Todesfall.) Am 23. April d. Js. verschied nach langem schweren Leiden in einer Göttinger Klinik der Studienrat i. R. Professor Dr. Bernhard Dannenberg. Mit ihm ist eine eigenartige Persönlichkeit dahingegangen, die in gesunden Tagen eine starke Wirkung auf den verschiedensten Gebieten ausgeübt hat. 32 Jahre war er an der ehem. Jacobsonschule (jetzigen staatlichen Oberrealschule), deren Schüler er einst gewesen war» tätig, und zahlreiche Schüler gedenken in Dankbarkeit des meisterhaften Lehrers und Erziehers. Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmete er seine Kraft ganz besonders den Angelegenheiten des liberalen Judentums. 15 Jahre lang bekleidete er das Amt des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, für die er durch Ausarbeitung eines Statuts eine feste Grundlage geschaffen hat. Mit großer Energie, die vou einer außerordentlichen Verstandesschärfe geleitet war, setzte er sich für die jüdischen Interessen ein und scheute keine Mühe und keine Arbeit, um das zu erreichen^ was er als recht erkannt hatte. Bei der Einäscherung in Kasstl sprach, Herr Oberstudiendirektor Dr. Friedland sowohl namens der Schule wie der jüdischen Gemeinde dem Dahingcschieüenen herzliche Anerkennung und tiefen Dank aus. Den Abschiedsgruß der ehemaligen Schüler überbrachte Herr Studienrat Dr. Peinecke, den seiner Freunde Dr. Wolfsdorf. Wesel. (Persönliches.) Ter Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Hermann Leyens, ist aus einem arbeits- und erfolgreichen Leben abberusen worden. Die Gemeinde beklagt den Heimgang dieses menschenfreundlichen und schaffensfroheu Vertreters ihrer Interessen und wird ihm den Dank für seine selbstlose Hingabe für das» Wohl der Gesamtheit durch treues Gedenken dauernd bewahren. Vereinsnachrichten Die Chorangestellten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben sich zusammengeschlossen und den „Verband der ChorangefteHten der Jüdk« sähen Gemeinde r. B. zu Berlin" begründet. Der Verband ist gerichtlich eingetragen. Er bezweckt die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Chorangestellten und verfolgt auch ideale Ziele durch Begründung einer Pensions-, Darlehns- und Sterbegeld lasse. Zur materiellen Stützung seiner Wohlfahrtseinrichtungen wird der Verband mit eigenen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit treten. Der Verband zählt z. Zt. 150 Mitglieder, 1. Vorsitzender ist Herr Julius Berggruen, Charlottervburg, Droysenstraße 6; dortselbst befindet sich auch die Geschäftsstelle. Dorothea Albu und Iren« Eisinger wirken am 17. d. Mts. außevhalb des Abendprogramms bei der Nachtvorstellung der Revue „Der rote Faden" im Palmenhaus zugunsten der „Jüdischen Allershilse" mit. Karten bei der „Altershilfe", Charlottenburg 2, Kantstraß« 160* Bismarck 1221, 3850.