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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-05-07 · 19 (7.5.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
19 (7.5.1930)
Date
1930-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
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10. Jahrgang Nummer IS Vellage 7. 21tai 1930 3eiiu»g t t f i! * I Aus den Gemeinden j * | t»+++44+++4+»♦♦♦♦»♦4444444444444444444-444444M ♦♦♦♦♦♦♦♦44444+ Barsinghausen. (P crsönlichc s.) Auf eine 40 jährige Tätige keil als Lehrer und Seelsorger der hiesigen Gemeinde koniuc Herr A. Cohen zurückblicken. Ter Jubilar hat sich durch fein charaktervolles Wesen in allen Kreisen der Bürgerschaft Achtung und Ansehen erworben und innerhalb der Gemeinde durch mancherlei geistige Anregungen, die u. a. in besonderen Vortragsabenden geboten wurden^ viel zur Erstarkung jüdischer Gesinnung beigetragen. Tie Gemeinde- Mitglieder und viele nichljüdischc Freunde brachten J>em geschätzten Beamten an seinem Jubiläumstage ihre besondere Sympathie zu,n Ausdruck. Berlin. (Prof e s s o r Julius G u t t m a n n 5 0 I a h r c alt.) Professor Julius Guttmann, Religionsphilosoph der Berliner Hochschule für die Wissenschast des Judentums und ivisscnjchastlicher Leiter des Forschungs-Instituts der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, feierte am 15. 4(pril seinen 50. Geburtstag. Tie „E.V. Zeitung" nimmt diesen Tag zum Anlaß, daraus hinzumeisen, in welchem Sinne der Tozent jüdische Philosophie lehrt und der Forscher die Mitarbeiter der Akademie anleitet und berär. Die Zeitung schreibt: „Tie Strenge der Methode und die Zuverlässigkeit der Arbeit im kleinen und großen — zugleich beobachtet und gefordert — verstcheir sich von selbst. Tic tvissenschaftliche Arbeit, wie sie Guttmann getrieben nnd gelehrt hat, hat sich in Unabhängigkeit und stolzer Selbständigkeit ihre Probleme und ihren Weg immer selbst bestimmt. Sie ist nie geschäftig hinter der Praxis, der Politik oder der Mode hergelaufen, um sich ihren Bedürfnissen oder ihren Liebhabereien diensteifrig zur Verfügung zu stellen. Sie ist dabei nicht weltfremd geworden, sondern hat so die fruchtbarste Stellung zur Wirklichkeit gewinnen und bewahren können. Im Sinne einer idealistischen Wissenschaftsauffassung, wie sie auch die Begründer der Wissenschast des Judentums hatten, als sie diese Wissenschaft zur Rettung des Judentums forderten, iverden so die Maßstübe und die Einsichten getvonnen, an denen sich eine unsichere und in Auslösung begriffene Wirklichkeit: des sozialen, politischen, geistigen und religiösen Lebens orientieren kann. Professor Guttmann hält sich gerade jetzt als Gastdozent in Amerika auf. Wenn er zurückgekehrt ist, werden tvir bald ans seiner Feder ein Werk ertvarten dürfen, das nur er heute schreiben konnte nnd das die Entstehung nnd Entwicklung solcher Maststäbe und Einsichten in der Geschichte der jüdischen Philosophie darstellc." Berlin. (A u S z e i ch n n n g.) Professor Hermann Strauß, Direktor der inneren Abteilung des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, wurde zum Ehrenmitglied der Balneologischen Gesellschaft gewählt. Berlin. (Kunstausstellung der Jüdische n G e - in f i ii b c.) In der Berliner Indischen Gemeinde besteht die Absicht, im Herbst 1930 eine Ausstellung von Werten jüdischer Künstler zu veranstalten, die als eine Art Generalschan des zeitgenössischen Schaßfens gedacht ist. Es soll der Zweck dieser Ausstellung fein, die wichtigsten Repräsentanten jüdischer Knust in Berlin in einer einzigen Ausstellung zu vereinigen und der lvcitcsten Oesfentlichkeit zu zeigen, tote reichhaltig das künstlerische Schaffen der Inden ans allen Gebieten ist, ferner der jüdischen Künstlerschasi die Möglichkeit zu geben, in einem würdigen Rahmen sich der ganzen Ocsfcnlliclfteit zu präsentieren, um dadurch den schweren Taseinstamps der Künstler nach Möglichkeit zu erleichtern. Man hofft, daß es möglich sein »vird, auch diejenigen jüdischen Künstler von Rang und Ansehen für die Ausstellung zu gewinnen, die an fick der Förderung nicht mehr bedürfen, die aber durch den Glanz ihres Schaffens den jüngeren Mitstrcbenden den geeigneten Nahmen bereiten. Berlin. (Sommer s e in e st c r der .Hochschule für die Wissenschaft des Judentum ».) Tie Eröffnung des Sommersemesters 1930 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums fand am Montag, den 28. April, im vollbesetzten großen Hörsaale der Hochschule statt. Ter derzeitige Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Tr. Chanoch Albcü, lvics aus den erfreulichen Aufschwung, den die Hochschule in den letzten Jahren genommen hat, insbesondere aus das immer stärkere Anwachsen der Hörerzahl hin. Er schloß an die Begrüßung der Studierenden einen tvissenschaftlichen Vortrag über die Beziehungen der apokryphischcn Literatur zum rabbinischen Schrifttum. An einem Spczialsall, der der Untersuchung der hatachischen Auffassungen im Buche Tobit galt, wies Tr. Albeck nach, daß es unerläßlich ist, zum Verständnis und zur Beurteilung dieses großen Problemgcbictcs, zu dem auch das Neue Testament in seinen wesentlichen Bestandteilen gehört, die alte rabbinische Literatur hcranzuziehen, eine Arbeit, die erfreulicherweise neuerdings mehr und mehr auch von christlichen Theologen in Angriff genommen wird. Ncucingctreien in die Hochschule sind 25 Studierende, säst alte aus Deutschland. Tiefe Ucbersüllung der jüdisch theologischen Laufbahn ist eine Folge davon, daß vor mehreren Jahren für den Beruf des Rabbiners lvie des alademifch gebildeten Religionslchrers lebhafte Propaganda gemacht wurde. Sie birgt die Gefahr in sich, daß die in der Ausbildung befindlichen jüngeren Kandidaten kein Unterkommen mehr finden tverden. Wenn man erwägt, daß in Teutschlaud im Durchschnitt jährlich zehn Rabbiucrstcllcn zu besetzen sind, daß der Zustrom zu dieser Laufbahn von etwa 1925 ab an allen drei deutschen Anstalten ununterbrochen zugenoinmen hat, und daß die Arltcsten dieser Kandidaten in absehbarer Zeit ins Amt treten tverden, so kann zur Stunde nicht nachdrücklich genug vor dem Eingreifen der theologischen Laufbahn gewarnt werden. Der vielleicht augenblicklich noch vorhandene Mangel an Bewerbern wird in absehbarer Zeit behoben, in wenigen Jahren aber wieder durch einen Ueb-erfluß abgelöst sein. Wie sich die jetzt durch Erlaß des Ministers genehmigte Wahl von jüdischer Religion als Prüfungsfach für das höhere Lehramt auswirken wird, bleibt abzuivarlen. Beuthen. (Ergebnis der G em ein d e lv a h t e n.) Ucber das Ergebnis der Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Beuthen, die am Sonntag stattgefunden haben, meldet die Jüdische Telcgraphcn-Agentur, daß der lebhafte Wahlkampf, nachdem noch am Sonnabend-Abend der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Georg Kareski, in einer ungewöhnlich stark besuchten Versammlung das Programm der Volkspartei entwickelt hatte, zu einer besonders starken Wahlbeteiligung geführt hat. Es sind nicht weniger als 83 o,o btr Wahlberechtigten zur Wahlurne geschritten. Es erhielten die vereinigten Liberalen und Konservativen 510 Stimmen, die Jüdische Volkspartei 320 Stimmen. Demzufolge entfallen auf die Liberalen nnd die Konservativen zusammen 13, aus die jüdische Volkspartei 8 Mandate. Breslau. (Goldene .Hochzeit.) Tie goldene Hochzeit feiert am 13. Mai 1930 Alexander Schreiber und seine Ehefrau Paula .Schreiber, geb. Landsberger, Breslau, Alsenstraße 19. Delmenhorst. (Persönliches.) Die Ehrenvorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, Frau Jda Meyer, ist verschieden. Ihr Heimgang wird allgemein bedauert, da sie sich auf sozialem Gebiet, auch als Mitglied des städtischen Jugendamtes, bestens bewährte und namentlich in der öffentlichen Wohlfahrts-Jugendpflege segensreich wirkte. Dem Israelitischen Fraucnvevein stand sie mehr als 20 Jahre vor; in der Kriegs- und Nachkriegszeit übte sie durch Betreuung der hilfsbedürftigen Jugend in vorbildlicher Weise eine von allen dankbar empfundene gemeinnützige Tätigkeit aus. Dresden. (Aus dem G e m e i n d e r a t.) Den infolge der bekannten Differenzen ausgeschiedenen Vertretern der Volkspartei tverden vom Vorsitzenden warme Worte der Anerkennung gewidmet, worauf die Einweisung und Verpflichtung der auf die freien Plätze nachrückenden Herren erfolgt. Die Vertreter der Volkspartei führen aus, daß sich an bereit Kurs nichts geändert habe, in der Wahlrechtssragc gibt Herr Weinreich eine Eriiärnug ab, in der es n. a. heißt: Wir wünschen nichts tveniger als einen Bruch mit den Liberalen, von denen rvir überzeugt sind, daß sic sich dazu bewegen lassen werden, eine Revision ihres bisherigen Standpunkts vorzunehmen und unserer Forderung des gleichen aktiven und passiven Wahlrechts zu entsprechen. Bei ividcr Erwarten einsctzendem Widerstand hat die Liberale Partei die Verantwortung für die aller Wahrscheinlichkeit nach dann ausbrechenden inneren Kämpfe zu tragen. Zu dem gleichen Gegenstand äußert sich in einer Zuschrift an die Gemeinde auch die Zionistische Ortsgruppe, und zwar in dem Sinne, daß sic den Ausführungen Tr. Levys in fernem Schreiben betr. der Mandatsniederlegung voll beitriti und daß in der Wahlrechtsfrage schnellstens eine Acnderung der Satzungen er wartet lvird. Hierzu liegen noch drei Anträge der J.B.P. vor, von denen aber nur der erste angenommen lvird, nämlich in der Satzungs,.! kommission, deren Einberufung schon für April beschlossen war, die ganze Gcmeindesatzung zu revidieren nnd gegebenenfalls zu ändern. Ein lvcilerer, schon früher gestellter Antrag, die Satzungslommission durch 2 bis 4 Gemeindemitglieder zu ergänzen, wird mit 10 gegen 9 Stimmen erneut abgclehm; Herr Lisfmann führt hierzu aus, daß der Standpunkt der Liberalen Fraktion sich in dieser Frage nicht ge ändert habe, seinem Ablrhnungsantrag wird durch das Ergebnis entsprochen. — Im übrigen interessiert die Mitteilung, daß die bisherige Fürsorgerin Thea Waitzselder gctündigt hat und daß an ihre Stelle am 1. Mai Lisel Schwab, die frühere Jugendfnrsorgerin der Dresdner Gemeinde, getreten ist. Ferner hat der Vorsitzende, vor allem in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Sächsischen Israelitischen Gemeindenerbanoes, an der scierlirhen Einiveihung der »enen Synagoge in Plauen teilgenommen und als Gabe der Dresdner Gemeinde einen K iddufchb e ch er übe rreicht. Hamburg. (Sitzung de s R e p r äfcnta » t e n - Kollegiums.) Tie am 23. März 1930 geivählten Repräsentanten der Gemeinde traten am 23. April dS. IS. zur ersten konstituierenden Sitzung zusammen. Es lag eine gcrvisse Spannung über dieser Sitzung, der sich aus dem in der letzten Zeit stärker als früher hervorgetretenen Gegen-' satz zwischen der zionistischen Partei einerseits nnd der religiös-liberalen und Wirtschaftspartei andererseits erklärt. Tie Zionisten hatten sich insbesondere in einem Wahlinserat in unnönger Schärfe gegen die liberale Liste geivandl und hierdurch bei den Libeialen eine erhebliche Verstimmung erzeugt. Den Zionisten hat ihre Kampfesweise nicht den von ihnen erhofften Nutzen gebracht, da sie nur mit 4 Kandidaten in das Kollegium einzogen. Nimmt man die aus den orthodoxen Listen gewählten Misrachisten hinzu, so erhöht sich die Zahl der Zionisten auf 7 Personen, denen 14 Nichtzionisten gegenüber stehen. Tie Zusammensetzung des Kollegiums nach religiösen Richtungen zeigt ein Ueberlvicgen der liberalen Richtung, die durch 7 Vertreter der religiös-liberalen Partei und 3 Vertreter der Wirtschasts- Partei repräsentiert lvird. Tie konstituierende Sitzung fand in Anwesenheit fast des gesamten Gemeindcvorstandes und unter starker Teilnahme der Oesfentlichkeit statt. Sie ivurde von dein Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Alfred Levy, eröffnet. Dieser dankte den Mitgtiedenr des früheren Kollegiums, von denen nur 6 wiedcrgewählt sind, für die von ihnen geleistete Arbeit, begrüßte das neue Kollegium, insbesondere die Frauen, die zum ersten Mal zur Mitarbeit in diesem Gremium berufen seien, sowie die Vertreter der Jugend. Er sprach die Erwartung aus, daß die Einheit der Gemeinde auch in Zukunft gewahrt werde und daß das bewährte Prinzip der Selbständigkeit der Kultusverbände innerhalb der Gemeinde aufrecht erhalten bleibe. Wenn auch die Finanzen — so führte der Redner weiter aus — nicht mehr die Stabilität wie in den Vorjahren aufweisen, so hoffe er doch, daß cs gelingen möge, die vielscitigenl Gemeindcansgaben weiterhin zu erfüllen. Es wurde alsdann zur Wahl des Vorstandes des Kollegiums geschritten. Die zionistische Partei wollte, bevor in die Wahlhandlung eingetreten wurde, einen Beschluß herbeiführen, durch welchen die Reihenfolge der Fraktionen festgelegt würde, aus denen die zu wählenden 4 Mitglieder des Vorstandes gewählt tverden müßten. Der Antrag wurde von anderer Seite als unzulässig bezeichnet. Man ging dann aus Antrag von Herrn Dr. Fränkel (lib.) zur Tagesordnung über. Es wurden alsdann gewählt: Herr Alfred L iss er (lib.) zum 1. Vorsitzenden, Herr Alexander Levy (gem.-orthod.) zum 2. Vorsitzenden, Herr Heine mann (Wirtschaftspartei) zum 1. Schriftführer, Herr Dr. Wohlgemut h (orth.) zum 2. Schriftführer. Bei der nunmehr folgenden Wahl von Mitgliedern iu die einzelnen Kommissionen wurden die Wünsche der Liberalen in weitgehendstem Maße berücksichtigt. Tie weitere Tagesordnung umfaßte einige finanzielle Anträge. Dem Vorjchußinstitut wurde gestattet, einen nicht verbrauchten Teil der im vorigen Budget zur Verfügung gestellten Mittel als Darlehen zu verwenden. — Es wurde ferner der Betrag von RM. 8000,— bewilligt zur Freimachung eines von der Gemeinde gekauften Grundstücks, dessen Erwerb zum Zwecke der Erweiterung des Pflegeheimes erforderlich war. — Dem ostjüdischen Verein ivurde ein Darlehen von RM. 1500 bewilligt. — Von Seiten der streng kons. Vertreter wurde daraus eine Erklärung abgegeben, in der sie sich zur Einl)eit der Gemeinde bekannten und ihre Bereitwilligkeit erklärten, für das Wohl der Gemeinde mitzuarbeiten, obwohl die Annahme des passiven Wahlrechts eine starke Belastungsprobe für ihre Anschauung dargestcllt hätte. Es wurde von ihnen die Erwartung ausgesprochen, daß man ihren religiösen Belangen Verständnis entgegenbringe und nicht eine Politik einschlageu werde, die weitere Kreise veranlassen könnte, sich von der Gemeinde zu trennen. — Auf Antrag der liberalen Mitglieder Herrn Tr. Löwenberg, Herrn Dr. Urias und Frau Bauer wurde alsdann eine Kommission eingesetzt, die eine Ueberprüfung des Wahlsystems! vornehmen sollte. Den Schluß der Tagesordnung bildete eine Anfrage von Herrn Dr. Fränkel (lib.) über die Gründe betreffend die Unvollständigkeit der Wahllisten. Es wurde hierüber vom Vorstand Auskunft erteilt und mitgeteilt, daß es sich nur um ganz lvenige Unvollkommenheiten gehandelt habe. Es wurden ivciter im Zusammenhang hiermit die Namen derjenigen zur Kenntnis gebracht, die aus Anlaß der Annahme des passiven Frauenwahlrcchts aus der Gemeinde ausgeschieden sind. Erfreulicherweise ist die Zahl nur recht gering gctvesen. — Nach dreistündiger Dauer wurde die Sitzung geschlossen. Hannover. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Ter 1. Vorsitzende teilt mit, daß nunmehr das Friedhofsgeläude durch Austauschvertrag erworben sei. Der Vertreter des Magistrats werde sich dafür einsetzcn, daß die Gemeinde von der Zahlung der Grunderwerbsteuer befreit werde. Feuerbestattungsvercin und Stadtgartenverwaltung hätten ihre Mithilfe bei Einrichtung des Urnenhains zugesagt. — Da der Magistrat den bisherigen Zuschuß nicht weiter zahlen will, hat der Leiter der M. M. Davidschen Freischule Schließung der Schule beim Magistrat beantragt. Bislang zahlte der Magistrat aus einem Til-- gungssond 1100 Mark Zuschuß. Er weigert sich neuerdings, auch diesen geringen Zuschuß zu zahlen, weil auch die Gemeinde keinen mehr leistet. Herr Dr. Schleisner und Herr Dr. Gumbert werden beauftragt, die Angelegenheit zu bearbeiten. Es soll versucht werden, den Magistrat zur Weitererhaltung der alten Schule, die viel Gutes wirkte und bedeutende Männer fürs Leben vorbereitete, zu veranlassen. — Einbrecher verursachten kürzlich am Geldschrank des Gemein de-- sekretarirts einen Sachschaden von 200,— Mark, der durch Versicherung gedeckt ist. — Wegen der geplanten Uebernahme des Altersheims durch die Gemeinde hat, wie der 1. Vorsteher berichtet, eine Sitzung mit der Hauskommission des Krankenhauses stattgefunden. Die Kommission ist in einer Zwangslage, sie muß das Gelände bis zum 1. Juli 1930 bebauen. Wird diese Verpflichtung auf weitere zehn Jahre verschoben, so sind an den Magistrat vertraglich 42000 Mark zu zahlen. Der Gemeindeverwaltung liegt natürlich daran, daß dies Geld nicht nutzlos ausgegeben wird. Auch würde sie kein Risiko eingehen, wenn sie jetzt das Heim übernehmen würde. Sie würde es begrüßen, wenn sie damit ihren alten Leuten ein Heim schassen könnte, das jetzt leider fast leersiehe. Doch sei es bis jetzt zu keinem Ergebnis gekommen, weil dar Kaufgebot der Gcmeindc der Gegenseite zu gering schien. — Zu diesen Ausführungen bemerkt.Herr Dammann, etlvaige Ablehnungen von Aufnahmegesuchen seien nie durch die Hauskommission, sondern durch das Ergebnis ärztlicher Untersuchung ersolgt, wenn die Satzungen es verlangten. Heute käme cs darauf an, die 12 000 Mark der jüdischen Gemeinschaft zu Erhalten. Für den Neubau eines SchwestcrnhcimS werden etwa 75 000 Mark benötigt; Das Krankenhaus könne nur bestehen, wenn cs voll belegt sei zu vollen Sätzen. Es könne niemand zu ermäßigten Sätzen ausnehmen. Darüber hinaus sei es auf Zufluß sreiwilliger Spenden angewiesen, genau so lvie die städtischen Kranierihäuser von der Stadtverwaltung subventioni-ert würden. — Auch Herr Landrabbiner Tr. Freund ist für b-cn sofortigen Erwerb des Altersheims. Das Heim könne vell belegt werden. Auch für 50 000 Mark sei das Haus, das tadellos in Ordnung sei, nicht zu teuer. Herr .Herzberg wünscht dringend, daß das Altersheim seiner Bestimmung wieder zugeführt, d. h. voll be.egt wird. Tie heule bei der Ausnahme bestehenden Schwierigkeiten mstßten fallen. Tie Gemeinde müsse jetzt zugreifeu, um die völlig sinnlose Ausgabe der 42 000 Mark zri verhindern. Diese Hilfsbereitschaft müsse aber auch die Krankciihauskommission anerkennen. — Herr Dr. Schleisner meint, man könne nicht mehr tun, als das Altersheim angemessen bezahlen. Das Krankenhaus solle versuchen, sich aus Mitteln der sozialen Fürsorge das Darlehen zu verschaffen, das es zur Errichtung des Nenbaus benötige. — Herr Kommerzienrat Berliner glaubt, daß nach dem Erwerb noch etwa 10—15 000 Mark für Sonde» anschaffungeil notwendig sein werden. Das Geld dafür sei allerdings durch zwei Stistungen gesichert. Für ztvei durch Rei e verhinderte Kommissionsmitglieder tverden die Herren Sternheim u w Dr. Gumbert in die Kommission gewählt. — Aus einem Schreiben des Schulvorstandes geht hervor, daß in die Religionsschule 75 Kinder neu cingetreten sind. Neue Unterrichtsstunden, neue Schulklassen mußten eingerichtet tverden. Tic Turchschnittsklassenzahl beträgt 30 bis 37 Schüler. Man werde an einen Herrn des Lehrerkollegiums herantreten, der über seine Pflichtstunden hinaus gegen besondere Vergütung die Mehrstilnden geben soll. Es roerde sich um einen Jahrcsmehrbetrag von einigen Hundert Mark handeln. Das Kolleg ermächtigt den Vorstand, diese Angelegenheit in der vorgesehenen Weise zu regeln. Dem Verbände der Jüdischen Jugendvcreine Deutschlands tverden 100,— Mark, den Kameraden eine einmalige Beihilfe von 50,— Mark bewilligt. \ Insterburg. (5 0 Jahre Verband dc r Synagogeugcm e i n b e n Ostpreußens.) Aus Anlaß des 50 jährigen Jubiläums des Verbandes der Synagogeugcmeinden Ostpreußens findet aus Einladung der Synagogengemcinde Insterburg am Donnerstag, den 29. Mai 1930 eine Feier statt, an der Vertreter der Reichs- und Staatlsbehörden und sonstigen Behörden, sowie Vertreter der großen jüdischen Organisationen teilnehmen tverden. Köln. (R e p r ä s e n t a n t e n s i tz u n g.) Tie Etatberatuiigen nähern sich ihrem Ende. Die Repräsentanz hat unter Führung der liberalen Fraktion diesmal nach Grundsätzen strengster Sparsamkeit entschieden. Es wurden an fast sämtlichen Positionen des Voranschlags Abstriche bis zu 25 o/o gemacht, so daß die Hoffnung besteht, den bisherigen Steuersatz von 15 o/o der Einkommensteuer beibehalten zu können. Die Gemeindevertretung wird sich nach Abschluß der Etatberatungen erneut die Frage „K u l t u s t r e n n u n g" zmvenden, zumal die „Gemeinschaft" darauf drängt, daß das Verhältnis zwischen Großgemeinde und ihr noch in diesem Monat vertraglich geregelt werde. Tie „Gemeinschaft" hat ein entsprechendes ultimatives Schreiben an den Vorstand der Synagogengemcinde gerichtet, das seinen Eindruck nicht verfehlt hat. Köln. (Todesfall.) Hier starb hochbetagt Herr Philipp Amsel, der Herausgeber des „Kölner Israelitischen Gemeindeblattes", das lange Jahre hindurch als einziges jüdisches Organ Westdeutschlands erschien, das aber während des Krieges sein Erscheinen hat einstellen müssen. Königsberg. (Einweihung des Jüdischen Altersheims.) Vor einigen Tagen fand die feierliche Einweihung des Jüdischen Altersheims in der Regentenstraße statt, zu der sich ein besonders geladenes Publikum eingefunden hatte, unter dem neben den Vertretern der jüdischen Religionsgemeinschaft, der Organisationen auch diejenigen der Staats- und Kommunalbehörden sowie der Vertreter der katholischen Gemeinde erschienen waren. Auffallend war, daß sich unter ihnen genau wie bei der Einweihung bes jüdischen Friedhofs in der Stesfeä.- straße kein Vertreter der evangelischen Kirche befand. Der Erbauer des künstlerisch ebenso ansprechenden wie zweckmäßigen Heimes, über dessen Gestaltung wir bereits berichtet hatten, Architekt Frick, eröffnete nach einem feierlichen hebräischen Gesang vom ersten Kantor Dr. Pick, der von Professor Dr. Rudolf Cohn auf dem Harinoni»m (begleitet wurde, die Reihe der Festreden und dankte allen denjenigen, die am Bau mitgearbeitet haben, dem Bauführer, der Bausirma, den Handwerkern und den Arbeitern, vor allem aber dem Vorsitzenden des Vereins Jüdisches Altersheim, Elias Hirsch, sowie allen Mitgliedern des Bauausschusses. Er erstattete sodann die Fertigmeldung und übergab dem Vorsitzenden den Schlüssel. Namens des Vorstandes des Jüdischen Altersheims begrüßte Kaufmann Elias Hirsch die Erschienenen, insbesondere die Vertreter der Behörden, der charitativen Organisationen und der Geistlichkeit. Das Heim solle denjenigen, die nach getaner Mühe und Arbeit ausruhen wollten, eine sorgende Stätte sein. Entp standen sei die Schöpfung aus dem Verein für Gründung eines jüdischen Krankenhauses, das auf die Initiative des verewigten Kommerzienrats George Marx hin begründet sei. Die Wirtschaftsnöte hätten den Bau eines jüdischen Krankenhauses zerschlagen und infolgedessen habe man sich darauf umgestellt, die vorhandenen Kapitalien für ein Altersheim bereit zu stellen. Der Verein und sein Vorstand seien vor Schicksalsschlägen nicht bewahrt geblieben. Sein Schöpfer George Marx sei dahingegangen und seine Förderer und Vorstandsmitglieder spaul Cohn und Salomon Winter, deren in dieser Stunde dankbaren Herzens gedacht sei, ebenso wie des verschiedenen Mitgliedes Wilhelm Herzfeld. Die Schaffung des Heims habe in Stadt und Provinz, im Reich und über die Grenzen hinaus, ja sogar in Amerika starkes Verständnis gefunden. Eine Anzahl Brüder habe den Bau des Altersheims durch Opferwilligkeit und .Hingabe ermöglicht. Er sprach allen freundlichen Gebern und Mitarbeitern den herzlichsten Dank des Vorstandes aus. Dem Heim werde eine Haushaltungsschule für jüdische junge Mädchen angegliedert werden. Darauf ergriff Gemeinderabbiner Dr. Letvin das Wort. Er weihe das Heim mit dem Segenswort, das der Jude auf den Lippen trage, wenn er etwas Neues begrüße. In diesem Heim werde die Sehnsucht nach Ruhe verwirklicht. Er weihte das Haus und gab dem Wunsche Ausdruck, daß Rechtlichkeit und Frömmigkeit in ihnt weilen mögen als Wegweiser der Liebestätigkeit für alle Zeiten. Darauf saug Dr. Willy Rosenthal-Berliu das Arioso von Händel, wonach der Vorsitzende der Königsberger Synagogengemeinde Geheimer Medizinalrat Dr. Falkenheim das Wort ergriff und seitens der Gemeinde seinen Erbauern den herzlichsten Dank aussprach. Durch das Heim sei die soziale Arbeit in der Gemeinde durch ein neues wichtiges Glied gefestigt und gestärkt worden, in dem sich die alten GlrubeyKgrundsätze des Judentums mit seinem Gebot der Nächstenliebe, das aber nicht nur für die Angehörigen der eigenen Glaubensgemeinschaft gälte, breit mache. Das Judentum habe von jeher Wohlfahrt geübt, doch sei dies in der heutigen Zeit schwerer als je, da der jüdische Mittelstand zur Zeit aufs stärkste gelitten habe. Redner dankte dem Vorstand des Heims, insbesondere aber dessen Vorsitzenden Elias Hirsch, für die Hingebung, Umsicht und Tatkraft, mit der die Schöpfung gelungen. Namens der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen .Juden sprach Frau Weinreich-Berlin, die betonte, daß hier Außerordentliches geleistet sei, um einen bestehenden Notstand zu lindern. Sie wies auf den Geburtenrückgang und die Ueberalterung im deutschen Volke wie innerhalb seines Judentums hin, welch letztere besondere Maßnahmen für die alten Menschen erforderte. Die jüdische Wohlsahrts-

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