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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-05-07 · 19 (7.5.1930) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
19 (7.5.1930)
Date
1930-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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pflege trage dem stark Rechnung und schaffe neue Heime. Trotz wirtschaftlicher Nöte müsse den alten Menschen neuer Mut eingeflößt werden. Sie beglückwünsche die Gemeinde, die dieses Werk geschaffen habe. Für den Vaterländischen Frauenverein sprach Frau Wormitt dessen herzliche Wünsche aus. Als letzter Redner ergriff Rabbiner Dr. Apt-Allenstein das Wort. Er schilderte die Schaffung des Heims <zss die Erfüllung einer religiösen Tat. Erster Kantor Dr. Pick sang darauf den Greiscngesang von Schubert, womit die überaus würdige und eindrucksvolle Feier ihr Ende fand. Es folgte ein Rundgang der Ehrengäste durch das Heim, dessen Einrichtung allgemein anerkannt wurde. Am Abend vereinigte ein gemeinschaftlicher Tee Mitglieder und Freunde des Heims. Pirmasens. (Neuer Lehrer.) Die hiesige Gemeinde wählte den Lehrer und Kantor Lamm, bisher in Rockenhauscn tätig, zum Lehrer ihrer israelitischen Volksschule. In seiner früheren Gemeiirdr, in der Hauptlehrer Lamm seit sechs Jahren mit ßjfer und guten Erfolgen erzieherische Arbeit geieiftet hat, wird der Fortgang des allgemein geachteten Beamten lebhaft bedauert. Vereinsnachrichten Kantocen-Fortbildungs-Kursus in Berlin. In der Zeit des Monats Juli findet auch in diesem Jahre in Berlin ein Kantoren Fortbildungs- Kursus statt. Der Kursus >vird nicht nur alle Zweige des Kantoren- Beruses umfassen, sondern auch Vorlesungen für das Religions-Lehrfach enthalten. Bedeiltende Gelehrte werden für diesen Zweck gewonnen. Ter kantorale Unterricht liegt in den Händen der Kantoren Davidsohn, Gollanin und Ahlbeck. Die Teilnehmer erhalten freien Unterricht sowie nach Maßgabe vorhandener Mittel Reise- und Aufenthalts- Zuschüsse. Für die Unterbringung der Teilnehmer wird Sorge getragen werden. Meldungen sind möglichst bald an Oberkantor Magnus Davwsohn, Berlin W. 15, Knesebeckstraße 43, zu richten. Jüdische Altershilfe. Am Sonnabend, den 17. Mai 1930, abends 12 Uhr, veranstaltet die Nelson-Bühne, Kursürstendamm 193, eine Nachtvorstellung der Revue „Der rote Faden" zugunsten der „Jüdischer: Alters Hilfe". An dieser Sondervorstellung wirken außerhalb bes üblichen Abendprogramms als Gäste mit Dorothea Albu von der Staatsopee und Irene Kisinger von der Kroll-Oper. Karten ä RM. 20, 15, 10, 8, 6, 4 bei der Altershilfe, Charlottenburg 2, Kantftraße ICO, Telephon I 1 Bismarck 1221, 3850. Verein der Graetzer. Vortragsabend am Donnerstag, den 8. Mai 1930, abends 8 Uhr, im Restaurant Pschorr-Bräu, Tauentzienstraße 13 (gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche). Bortrag von Frau Margarethe Fried: „Unsere Heimat — unsere Gemeinschaft". Gäste willkommen! Jüdischer Friedensdund, Ortsgruppe Frankfurt a. M. Die neu gegründete Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Friedensbundes (Vorsitze,rder Dr. Martin Buber) beginnt ihre Tätigkeit mit einer Aussprache über das Thema: „Weshalb brauchen wir einen jüdischen FriedensbundV" unter Leitung von Herrn Martin Buber am Montag, 26. Mm 1930, 20 Uhr pünktlich, Frankfurt-Loge, Eschershermcr Landstraße 27. Tie Teilnahme ist für alle Interessenten kostenlos. Aus der 2 li-Bewegung Verantwort.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hosfmann, Frankfurt a. Alain Auf zur Tat! Bon Alex Jakobsohn (Jli-Franksurt am Main). Die Jli-Tätigkeit hatte bisher ihren Schwerpunkt darauf verlegt, erzieherisch inr Sinne unseres jüdischen Liberalismus zu wirken. Man befaßte sich hauptsächlich mit Fragen, die unser Judentum und unseren Liberalismus angirtgen, nahm Stellung zu den aktuellen Fragen unserer jüdischen und deutschen Umwelt, befaßte sich mit Problemen, die uns als Jugend angingen: kurz gesagt, wir haben in erster Linie ausgenommen, diskutiert, gelernt. Das mußte so sein und ist auch in Zukunst notwendig. Aber wir dürfen über solches „Lerncn" nicht vergessen, daß es nur die Grundlage unseres eigentlichen Tuns sein kann. Und an solcher Tat hat es bisher in unserer Bewegung oft gefehlt. Wir brauchen mehr Aktivität. Jugend muß lebendig sein, Jugend soll wirken, Jugend will für Ideale kämpfen. Wenu die Jli-Bewegung vielleicht bis heute noch nicht überall den Erfolg gehabt hat, der der geleisteten Aufbauarbeit entspricht, so mögen hierfür die verschiedensten Gründe an¬ Kommt rum JU-Treffen nach Dresden! (14. und 15. Juni) zuführen fein; eurer dieser Gründe liegt bestimmt darin, daß wix bisher noch zu wenig aus der Theorie zur Praxis gekommen sind. Es ist daher für die bevorstehende Dresdner Delegierten-Tagung vielleicht der wichtigste Punkt, ein Programm für solche aktive Betätigung zusammenzustellen und die Wege auszuzeigen, die zu. seiner Durchführung erforderlich sind. Um schon heute einige Anregungen in dieser Richtung zu geben, seien kurz eine Anzahl von Aufgaben zusammengestellt, die zeigen sollen, wie vielseitig die Möglichkeiten zu solcher Aktivität sind und wie dringend die Aufgabe:: sind, die wir zu erfüllen haben. Inwieweit haben wir uns bisher um Fragen der Gemeinde bekümmert? Wir bellagen uns vielfach über Rückständigkeit der Gemeinde, die sich zu viel mit nur Verwaltungsmäßigem und zu wenig mit Verlebendigung ihrer Einrichtungen befaßt. Statt solcher Kritik zu üben, müssen wir uns um die Dinge selbst bekümmern, Anregungen bringen, Vorschläge machen, die darauf hinzielen, aus der Gemeinde den wirklichen Mittelpunkt des jüdischen Lebens werden zu lassen. Wir müssen mit praktischen Vorschlägen für die Ausgestaltung des Gottesdienstes, speziell auch des I ug en d gott e sd ieust e s kommen; wir müssen Vorschläge für die Umgestaltung des Religionsunterrichts machen, der doch neben der häuslichen Erziehung die Grundlage für die weitere Entwicklung des Judentums bildet. Er darf fernerhin nicht weiter eine Unterrichtsstunde wie alle anderen sein, in der historische Tatsachen und Geschichtszahlen gepaukt, Psalmen erlernt und Bibelverse zerpflückt werden, sondern j Kein iU-Mitglied darf in Dresden fehlen I j er muß in Zukunft die Grundlage einer Religiosität und jüdischen Erziehung sein, die die Erhaltung und Fortentwicklung unseres Judentums sicherstellt. ■ „ . . Wir müssen im eigenen Kreis, zu Hause m der Familie wieder lebendiges Judentum erwecken, den Freitagabend z. B. zu dem werden lassen, was Heinrich .Heine so wunderbar besingt. S ed e r a b e n d e, Laubhütte und dergleichen müssen uns wieder zu wahren Erlebnissen werden, wir müssen dafür sorgen, daß alte Bräuche in neuem Lichte im Sinne unseres Liberalismus erstrahlen. Wir müssen an uns selbst arbeiten, um im Sinne unseres Judentums, seiner ethischen und sozialen Forderungen zu Persönlichkeiten zu werden und vorbildlich zu wirken. Wir müssen innerhalb unserer nichtjüdischen Umwelt, innerhalb nichtjüdischer Jugend die Unkenntnis über jüdische Dinge zu überwinden, dem Antisemitismus entgegenzutreten suchen. Die Möglichkeiten zu praktischer Betätigung unseres Liberalismus lassen sich noch weit ausdehnen, es sei nur noch daran e^nnnert, welche Aufgaben uns das Heer der Indifferenten stellt. Zweck dieser Zeilen ist ja nicht, diese Ausgaben erschöpfend zusammenzustellen, sondern die dringende Notwendigkeit solcher Aktivität darzulegen. Sicher ist von einzelnen Jlis auf solchen GLieten schon manches geschehen und erreicht worden. Mer vereinzeltes Wirken kann uns nicht weiterbringen, wir brauchen intensive und umfassende Aktivität, wenn wir etwas erreichen wollen, und wir werden mit solcher praktischen Arbeit wahrscheinlich viel schneller und wirksamer Propaganda für unsere Bewegung treiben, als wenn wir mit noch so schönen und wertvollen Referaten und Diskussionen nur uns mit der Theorie befassen und sicher auch dadurch manches wertvolle Mitglied gewinnen; vor allen 'Dingen aber werden wir selbst in solchem Wirken und Handeln das befriedigende Bewußtsein gewinnen, positiv unser Judentum gefördert und vorangebracht zu haben. Wo sott begonnen werden, welche Wege sind einzuschlagen, was wollen wir erreichen-darüb er mag in Dresden gespr och e n werden. Aber hiermit dürfen wir uns nicht zu lange aufhalten. Wir müssen in Dresden die Kräfte sammeln, alle diejenigen ausrütteln, die zur Bewältigung solcher Aufgaben mit uns gehen wollen. Aber dann, liberale Jugend: Auf, zur Tat! Aus der Ili-Arbeil Breslau. (Jüdisch-liberaler I u g e n d v e r e l n „Abraham Geiger".) Unsere Veranstaltung am 23. April hieß: „Freie Referate"; jeder konnte über ein ihm naheliegendes Thema berichten. Zwei Referate wurden gehalten. 1.: „Religionsunterricht" von unserem Vorsitzenden Wolfs Davidsohn. Er sprach über die Pflichten des Lehrers: Anteilnahme, Miterleben des Stoffes, Weltkenntnis und -gesühl, die Pflichten des Schülers: Ueberlvindung der Gleichgültigkeit, die vielfach von der Familie befürwortet wird, Aufwendung von Energie und Verständnis, lieber die äußeren Schwierigkeiten: die ungünstige Stellung des Religionsunterrichtes im Stundenplan. Freistchen der Teilnahme, was oft nicht zu erhöhter innerer Bindung führt, sondern zu dem Gefühl, man tue dem Lehrer durch die Teilnahme einen Gefallen. lieber die Erziehungsmethode: keine Vermittelung möglichst umfangreichen Wissens, sondern Ausbildung der Fähigkeit zum Lernen und Wissen. Schaffung eines fest in der Gegenwart stehenden Menschen, lieber den Stoff: besonders die Bibel als Menschenwerk, ernste Bibelkritik. Einteilung ihres Stoffes. In der Aussprache wurde über eine Trennung von liberalem und konservativem Religionsunterricht und von der Einseitigkeit des geschichtt lichen Stoffes gesprochen. Das zweite Referat hielt Franz Meidner. Er beschäftigte sich mit der Arbeit unseres Kreises. Ausgehend von innerhalb und außerhalb der Generalversammlung überflüssig viel Raum einnehmenden Vorgängen und Debatten der letzten Zeit, die in das Gebiet der unfruchtbaren Arbeit gehören, forderte er eine Ergänzung der Veceinstätigkeit nach der, was den einzelnen angeht, aktiven Seite hin. Denn Vorträge und auch die bisherigen Aussprachen sind nur ein Teil, der passive, unserer Arbeit. Er schlug die Einrichtung von Arbeitsgemeinschaften mit geringer Teilnehmerzahl vor und sprach noch über die Praris dieser Arbeitsgemeinschaften; eine wurde gleich gebildet, eine weitere in Aussicht genommen. In der Jüngerengruppe sprach am 24. April Fredi Aschkowitz über Arnold Zweig. Er berichtete zunächst eingehend über dessen erstes Werk, aus dem er hauptsächlich Biographisches ableitete, sodann über „Novellen um Claudia", an denen er Zweigs dichterisches Können zeigte, und schließlich über seine Dramen, bei denen er auf den Juden Zweig und damit auch wieder auf seine Persönlichkeit einging und so in kurzen Zügen ein Gesamtbild des Dichters zeichnete. Frankfurt a. M. (Vortrag s a b e n d.) In einem sehr interessanten Vortragsabend der Jüdisch-liberalen Jugendgemeinschaft (Jli) sprach Fräulein Cohn von: Ortsausschuß für Jugendpflege über das Thema „Jugendpflege". Sie führte aus, daß Staat und Stadt in der Erkenntnis, daß der Jugend die Zukunft gehört, in dem Grenzen des Möglichen, d. h. durch mittelbare Hilfe die Jugcndvercine zu fördern suchen und ihnen Erleichterungen und Unterstützung gcm, tvie Fahrpreisermäßigung, Steuererlaß uslv. zuteil werden lassen. In viel stärkerem Maße durch unmittelbare Arbeit kann natürlich der Ortsausschuß für Jugendpflege den von ihm erfaßten Vereinen und Jugendgemeinschafteil helfend zur Seite stehen. Durch eigene Arbeit, wie Filmvorträge und ähnliche neutrale Veranstaltungen, gibt der Ortsausschuß den Vereine,: Anregung und steht ihnen stets mit Rat und Tat helfend zur Seite. Die 600 dem hiesigen Ortsausschuß angeschlossenen Vereine umfassen alle Richtungen, mögen sie auf politischer, konfessioneller, sportlicher Grundlage, oder als Vergnttgungs vereine bestehen. Daneben versucht der Ortsausschuß schwer erziehbare Jugendliche, die ihm häufig vom Fürsorgeamt überwiesen loerden, in passende Jugendvercine unterzubringen, um sie so durch Anschluß an eine sie interessierende Gemeinschaft sittlich zu erhalten, bezw. zurückzugcwinnen. Dies ist wohl das schwerste, aber auch wichtigste Problem für den Ortsausschuß. Stets werden neue Versuche gemacht, derartige Jugendliche, didurch häusliche Verhältnisse auf die schiefe beim Ausbleiben oder bei verspäteter Zustellung der Zeitung bitten wir, sich sofort an den Zusteller oder deschwerdeMrend an die zuständige Zustcllpostanstalt zu wenden und erst, wenn dies keinen Erfolg bat, uns davon Mitteilung zu machen. Verlag der Indisch-liberalen Zeitung Bahn gekommen sind, aus möglichst unauffällige und scheinbar freiwillige Art heranzuziehen, und sie durch Umgang mit gleichaltrigen, aber in sich gefestigten Führern festzuhalten. Vom Wert der zahlreichen Jugendgemeinschaften sprechend, führte Fräulein Cohn mit tiefer Wärme aus, daß auch die reiyen Ber— gnügungsvereine von Bedeutung sind. So tragen Vereine etwa zur Förderung der Volkstänze oder ähnlichem dazu bei, daß gerade Jugendlichen aus kleine:: und kleinsten Verhältnissen, denen zu Hause oft jeder Sonnenstrahl an Freude und Heiterkeit fehlt, hier jung sein können und sich mit der Jugend ihrer Jugend freuen. So kann verhindert werden, daß sie zu verbitterten, mit der Welt und sich selbst hadernden Menschen heranwachsen. Ueberhaupt sollten alle Gemeinschaften dazu beitragen, die stets mit einer gesunden Opposition ausgerüstete Jugend allmählich in die Bahnen ruhiger und sachlicher Ueberlogung hineinzuführen, eine Jugend, die sich daran gewöhnt, sich der Umwelt anzupassen vnd aus der passiven Opposition zur aktiven Mitarbeit überzugehen. Mit dem Wunsche, daß auch unsere Gemeinschaft im Rahmen ihrer Ideen und Bestrebungen erfolgreich zum Wähle unserer Jugend sortarbeiten möge, schloß Fräulein Cohn. Die nun folgende längere Aussprache über alle uns besonders interessierenden Einzelheiten, insbesondere Fragen über die Zusammenarbeit mit gegensätzlichen Vereinen, wie antisemitische und jüdische, links- und rechtspolitische Vereine beantwortete Fräulein Cohn in liebenswürdiger und einleuchtender Art. Diese lebhafte Debatte betvies mehr als der starke Beifall, wie sehr "die Ausführungen allseitig interessiert hatten. Mit dem Dank des Vorsitzenden schloß dieser anregende Abend. A. Aftheimer (Jli-Franksurt.) Fkanksurl a. M. (V o r t r a g i m I l i.) Am 22. April 1930 sprach Herr Pfarrer T a e s l e r im Jli über den Leitgedanken in Goethes „Fau st". Der Herr Referent stellte zunächst die Frage: „Hat überhaupt Goethe den Vorsatz gehabt, den Faust an Hand eines Leitgedankens zu schreiben?" Die Antwort wird uns in dem Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe gegeben. „2 Seelen wohnen, ach, in meiner Brust...."; nichts anderes sind Faust und Mephisto, als eine Darstellung dieser 2 Seelen. Faust, die Verständigkeit, Mephisto, der Verstand. In. dem Augenblick, in dem ein Mensch Furcht und Hoffirnng empfindet (gemeint ist hier die Jllusionshofsnung), in diesem Augenblick ist der Stillstand im Streben des Menschen eingctreten. Das Strebe:: bedeute aber: über Erfolg und Mißerfolg stehen. Deshalb sagt Faust in seiner Abmachung mit dem Teufel: „Sollt' ich zum Augenblicke sagen: „Verweile doch, Du bist so schön." dann, in diesem Augenblicke will er dem Teufel verfallen sein. Er iveiß, daß ec als strebender Mensch nie dazu kommen wird. Und tatsächlich ist es auch so, daß Faust sein ganzes Leben nicht beharrt, und erst als 100 jähriger Greis zum Stillstatrd kommt. Nach dieser Ausmachung mit dem Teufel stürzt sich Faust, der bisher nur seinem Wissensdrang gelebt hatte, in den Weltstrudel, um seinen Lebensdrang zu betätigen. Er wendet sich zur Magie. Tie Magie bedeutet hier Sicheinfühlen in die Natur. So viel aber auch Mephisto den Faust mit seinem Eigenen, heuchlerischen Wesen zu beeinflussen sucht, immer wieder kehrt in Faust seine wahre Natur zum Rechten zurück. Wie es auch in der Szene im Himmel heißt: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt." Am Ende seiner Tage sinkt Faust aber doch von seinem Streben hinunter. Er wird blind, nicht nur körpecblind, auch sorgenblind, endlich gelingt es dem Dämon „Sorge", sich bei ihm einzuschleichen. Aber der Teufel muß selbst eingestehen, daß nicht er Faust's hohe Gesinnung in's Wanken gebracht hat, sondern daß es ein Zeichen des Alters, der Schwäche, ist. Packend und anregend hatte dieses Referat gewirkt; die nun folgende, eifrige Diskussion beschloß den für uns sehr wertvollen Abend. Hella Lion, Jli-Franksurt. ★ Das Ili-Programm * Berlin. Pankow-Osten. Dienstag, den 13. Mai, im Heim Monbijouplatz 1V. Thema: Geschichte der Juden in Spanien. Gemeinsame Veranstaltung. Sonntag, den 11. Mai: Fahrt nach dem Bötz-See. Treffe«: 6 Uhr Bahnhof Aleranderplatz, Normaluhr. Führung: Hilde Deutsch« land. Steglitz. Donnerstag, den 15. Mai, 18.30 Uhr, bei Hilde Deutschland, Heinrich Seidelstraße 6. Thema: Staatsaufsassungen. Oliva und Neu-Charlottenburg. Freitag, den 9. April, abends 8 Uhr pünktlich, bei Rose Seligsohn, Grunewald, Douglasstraße 30: Freitagabendseier. Dienstag, de» 13. April, abends 8 Ahr, bei Eva Block, Charlottenburg, Couerstratze 1. Thema wird in der Gruppe bekanntgegeben. Südende. Mittwoch, den 7. April, nachmittags 5 Ahr, bei Rosemarie Deutschland, Steglitz, Heinrich Seidelstrahe 6. Mittwoch, den 14. April, nachmittags 5 Uhr, bei Peter Fleischer, Südende, Potsdamer Sir. 17. Westen. Freitagabendfeier bei Renate Basco, Knefebeckstraße 83, 8 Uhr. Breslau. Jünger-n-Gruppe: Donnerstag, den 8. Mai, 16.15 Uhr, Jugendheim, Schweidnitzer Stadtgraben 28; Vortrag von Margit Berger: „Jüdische Musiker." — Hauptgruppe: Montag, den 12. Mai, 20.15 Uhr, Jugendheim: Arbeitsgemeinschaft: „Die Juden in ihrer Umwelt." Mittwoch, den 14. Mai', 20.15 Uhr, Jugendheim: „Tagesschau". (Aussprache.) Frankfurt a. M. Dienstag, den 13. Mai 1930, 20.45 Ahr, Heimabend, Westendsynagvge. Referat Alfred Laib: „Religion und Schicksal." Jli-Jugendgruppe. Samstag, den 10. Mai, bei Familie Pinkuß, Im Trutz Frankfurt 18. Referat Karlheinz Zucker: Cracchus Babeuf. Samstag, dkn 17. Mai, bei Familie Würzburger, Frirdbrrger Anläge 9. Referat Karlheinz Zucker: Bolschewismus. Mitteilung Der sicherste und gleichzeitig vollkommenste Schutz vor der Motten-- gefahr ist nur gewährleistet durch wiederholte Reinigung, fachmännisches Klopfen und Läutern sowie Aufbewahrung in dunklen kühlen Räumen. Diese Behandlung ist gleichzeitig im Interesse der Erhaltung der Schönheit und längeren Tragbarkeit eines Pelzes unbedingt notwendig, da das Haar durch Feuchtigkeit und Staub leidet und den in der Entwicklung befindlichen Motten sicheren Unterschlupf bietet. Unter den maßgebenden Pelzkonservierungsanstalten hat sich die Konservierung der seit fast 100 Jahren bestehenden Firma C. A. Herpich Söhne mit ihren großen Anlagen, Spezialklopstnaschinen sowie Druckluft- Bearbcitungsapparaten, als die größte und leistungsfähigste des Kontinents hcrausgebildet. Kostenlos werden Pelze, Bekleidungsstücke und Teppiche durch unsere Autos abgeholt. Zu mäßigen Gebühren werden die uns übergebenen Gegenstände sogleich nach Eingang gründlich vom Staub befreit; während der Ausbewahrungszeit von erfahrenen Fachleuten in kurzen Zwischenräumen sorgfältigst bearbeitet und im Herbst nicht nur bestens erhalten, sondern aufgefrischt und verschönt wieder zugestellt.

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