Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-05-07 · 19 (7.5.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
19 (7.5.1930)
Date
1930-05-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614072--3561-2621165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ökonomische Tinge, die nicht durch das Herz allein zu lösen sind. Er protestiert gegen die Ausführungen des Gemeindevorsitzenden über die Jüdisch-liberale Zeitung. Es erscheine ihm zweifelhaft, ob es sehr ilug ist, immer von Sondermaßnahmen zu sprechen. Bei den Fragen der Arbeitslosigkeit sei ohne einen Vergleich mit der allgemeinen Arbeitslosigkeit ein Urteil überhaupt nicht möglich. Auch der Antisemitismus ltzw. seine Stärke sei vielleicht in gewissem Umsange eine Folge der allgemeinen Wirtschaftsnot. Während von zionistrschier Seite in der Tebatte immer wieder die Wirtschastsnot ver Juden als ein besonderes jüdisches Problem dargestellt wird, dem durch jüdische Weltselbsthilfe und jüdische Volkspolitik beigenommcn werden müsse, betont Rosenthal noch>- nials, daß die Wirtschastsnot der deutschen Juden ein Teil ver deutschen Wirtschastsnot sei, und daß die jüdische Mittelstandsnot zur allgemeinen Mittelstandsnot in Deutschland gehöre. In dem Artikel der Jüdisch-liberalen Zeitung sei lächerlich nur das, was aus dem Etat der Berliner Jüdischen Gemeinde übernommen worden sei. Immer wieder müsse betont werden, daß durch große Reden aus diesem Gebiete nichts erreicht werden könne, was auch die kürzlich stattgefundeue Aussprache jüdischer Arbeitgeber gezeigt habe. Aus der Bewegung ★ Berlin. (R abbiner T r. N o r d e n l£-1 b e t j r 1 b spri ch t im Liberalen Verein für d i e A n g e l eg e n h e i t e n d t r Indischen W c in c in b e z n Berlin (£. V.- Am Monlag, den 28. Llpril, sprach int Liberalen Verein Rabbiner Tr. Norden aus Elberfeld über die Bewertung der Richljnden im jüdischen Schrift« tum. Der Vorsitzende, .Herr LandgerichiSrat Tr. Lesser, hob nach kurzen Begrüßungsworteil hervor, daß die Ethik des Judentums von dem Prinzip des NniversaiisinuS beherrscht lverde, d. h., daß Gebote und Forderungen dieser Ethik sich gleicherweise auf Juden und Richtjrrdc» beziehen. Abstammung und (Raube sind dabei bedeutungslos. Tie Grundpfeiler: Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit müsse" bei richtiger Erkenntnis dieses Prinzips ebenso bei Forderungen tftm Inden wie bei denen von Nichtjuden zur Geltung kommen. Hieraus führte Herr Tr. Norden ungefähr folgendes aus: Ich ivill hier keinen apologetischen Vortrag halten. Tas Juden tum hat es nicht nötig, nachzmveisen, daß es ebenso gut ist >vie andere' Religionen. Lediglich, um an Hand der Quellen einmal auszuzeigen, was an den Behauptungen unserer (Gegner wahr ist, daß die Schriften des Judentums einen Unterschied zivischen Juden und Nichtjuden machen, sollen diese Ausführungen gemacht iverde». Man muß dabei an ein Wort Gabriel Rießers denken, daß es nicht maßgebend ist, luetm in finstere" Zeiten einmal ein finsterer Rabbi irgend etwas gesagt habe, tvas uns heute nicht mehr tragbar erscheine, aus den Geist des Judentums in der Gesamtheit komme cs au. Tie Bewertung der Nichtjuden ist unter zwei Gesichtspunkten zu betrachten. Einmal: Wie urteilt die Schrift über Nichtjuden und dann: Was schreibt das Schrifttum über die Behandlung der Nichtjuden vor. Ta finden wir zunächst, daß überall in der Bibel nur vom Menschen die Rede ist, sei es in der Schöpfungsgeschichte, sei es bei dcir Propheten Micha, bei Kohetet, überall heißt es: jedem Menschen, nie jedem Inden. Ja, im Talmud steht sogar, ein sittlich hochstehender Nichtjude ist bent Hohepriester gleich zu achten. Lediglich solche Völker lverden verurteilt, die einen sittenlosen Lebenslvandet führen, und nur bei diesen ist von einer Satzung der Fremden die Rede, der man nicht nachcifern soll. Es ist also ausdrücklich gesagt, daß nur das Häßliche und Gemeine fremder Völker von Juden nicht übernommen lverden darf, nicht aber das Gute lind Wertvolle. Tas ist für uns Liberale besonders ivichtig, lveit von orthodoxer Seite jo oft gegen uns angeführt tvird, mir ahmten die Titten Fremder durch Orgelspiel, Einsegnung der Mädchen, ja sogar Ausbildung von kranken schwestcln nach. Das Gute ist uns jedcrzeil erlaubt von alten denjenigen zu übernehmen, >vo wir es finden. Wenn sich nun im Talmud einige rälselhafte und besremdliche Stetten befinden, so muß man zunächst berücksichtigen, >vo und >vie sie entstanden sind. Ost ergibt eine Parallele mit anderen. Stellen, daß sie ganz anders klingen, ivenil man sie aus den: Zusammenhang herausreißt. Ein typisches Beispiel ist die Stelle: Ihr iverdct Mensch genannt lverden, die nicht aus mich hören, lverden nicht Mensch genannt werden. Abgesehen, daß diese Stelle von einem Menschen stammt, der Jahre lang in Höhlen lebeil mußte, um sich vor seinen Verfolgern zil verbergen, die er also mit Recht Unmenschen neinieil durste, ergibt ein Vergleich mit anderen Stellen zweifelsfrei, daß nur derjenige den Namen Mensch nicht verdienen kann, der die Menschenwürde zertritt. Also nichts anderes, ivas Sarastro in der Zauberslöte sagt: „Wen diese Lehren nicht erfreue», »frbimet nicht, ein Nie»sch zu sein." Was nun die Vorschriften zur Behandlung von Nichtjuden anbe langt, so uilterscheiden alte Schriften zwischen den Noachidcn, d. h Nichtjuden, die sich dem sittlichen Ethos des Judentums beugten, und den fremde» Völkern, die Götzendienst und Unsittlichkeit als selbstverständlich ansahen. Es ist überall die Rede von der Liebe znm Einheimischen ivie zum Fremden, keine Bedruckung des Fremden, denn „Tein Gott und sei» Gott bin ich". Nicht nur die Ruhe, sondern auch die Freude sollte der Fremdling teilen. Nur einige Stellen, die einen scheinbaren Widerspruch darstellen, und die einen Unterschied machen zivischen Fremden und Einheimischen sind nur so zu verstehen, daß das herrschende f o r m a l e Recht zwar gestattete, den gleichen Grundsatz: gleiches Recht für alle anznivende» lda die anderen Völker Zins von Ausländern, also auch von Juden nähme», mußte inan den Juden das gleiche Recht wenigstens formal zugestehen, von Ausländern im Gegensatz zu den einheimischen Fremden, bei denen es ebenfalls verboten lvar, Zinsen zu nehmen). Verboten war es aber immer, Unrecht zu tun, und der Geist des Judentums lvar immer: Es ist Dir gesagt, o M e n s ch , was gut ist, Liebe üben, Gutes tun und i» Demut wandeln vor Deinem Gotte!" Tie Diskussion, die sehr lebhaft lvar und das große Interesse der Anwesenden a» dem Thema bewies, eröffnetc Herr G o e tz, der davor warnte, übertrieben in den Talmudstellen zu suchen, >vas damalsj gesagt war, sondern in ivahchaft liberalem Sinne das zu tun, tvas gut und mit der heutigen Entlvicklung des Judentums in Einklang zu bringen ist. Es sei ein großer Fehler der liberalen Theologen, daß sie genau wie ihre orthodoxen .Kollegen alte Sa-ristcn zur Grundlage ihrer Vorschriften machten, anstatt den Geist des JudennimS zu vertreten, der doch nnzweisclhaft und erhaben lebendig sei. Ihm trat .Herr Tr. Gach entgegen, der gerade auf bcu Zusammenhang oes Judentums mit seiner Tradition hin'.vieS und es als ivesentlich ansah, den Kontakt mit dem Schristnun nicht zu verlieren. Herr Tr. Lesser lvü's als Jlirist aus den Gegensatz zivischen Recht und versöhnender Liebe hin. Summuiu ins, summa injuria, Rechtsvorschriften müßten objektiv sein, der Geilt der Reügion aber sei von Liebe und Menschlichkeit getragen. Herr Hermann betonte, daß es Ivesentlich sei, den Geist des Judentums vorzuleben, das sei die beste Antwort ans alte Angriffe. Man dürfe auch «die andern, nicht einmal im Scherz, verächtlich machen. .Herr Tr. Caro lvarntc auch vor jeder lleberheblichkeit und bat, heute nur zum Thema zu sprechen. Herr G u n - derShcim nahm einen vermittelnden Slandpuntl zivischen Herrn Goetz und Herrn Gach ein, gerade ivenn das Ewige im Auge habe, dürfe man nicht in Formen und Zeitgebundenheiten stecke»' bleiben. Er betonte besonders, daß in praktischen Fragen, wie liberale rtitUuv-’ angelegenheiten, Ehcgesetze, auch von liberaler Seite noch viel zu eng herzig auf alten Schriftstelten gefußt mürbe, und wies demgegenüber anf die Ausgaben hin, die brr Liberale Verein an offenen Ausspracheabenden mit den liberalen Rabbinern und Repräsenianien hier noch zu vollbringen habe. .Herrn Schwerfen z erschien es selbstverständlich, daß der Gottesdienst heute so gestattet ivird^ mir .es den Formen des heutigen Lebens entspricht. Herr Tr. L i P s ch ü tz beioin den einende» Geist des Judentums, der Orthodoxen und Liberalen tu glichem Maße der Lebensinhalt sein mußte. In seinem Schlußwort führte Tr. Norden aus, daß er sich freue, hier so viel Begeisterung für jüdische Tinge gefnnben zu haben, und daß es gerade die Aufgabe des Liberalen sei, immer nachzndenken, und nach eigener Verantwortung zu handeln. Eiugerahmt wurde der sehr gut besuchte Abend von Gesangsvor trägen . des .Herrn Obertantors Wilhelm F rieb in a n » , begleitet von Frau Goetz, die sich in liebenslvürdigster Weise zur Vertilgung gestellt hatte. Tie musikalischen Darbietungen ivaren erstklassig und fanden de» verdienten Beifall der Zuhörer. Mit diesem aktuellen Abend hat der Liberale Verein wieder einmal den Beweis erbracht, daß er aus dem richtigen Wege ist, nämlich durch die Herstellung der Verbindung von Religion und Leben lveiteste .Streife zu inleressieren und die Begeisterung für jüdische Religion zu wecken und zu verliefen. Ter Abend war ein voller Erfolg. Vivant ftqnentes! Max Gnndersheim. Köln. (Neuer Vorsitzende r.) Herr Rechlsanwall Dr. Rudi E a l l in a n n hat bis auf lveitereS den Vorsitz in der „Vereinigung für daS liberale Judentum" übernommen. Znm Geschäftsführer lvnrde Herr Lehrer Grünebaum II gelvählt. r Die Verlobung ihrer Tochter <r!er<l«l mi Herrn Artlllir Frank beehren sich Jinzu/.eigen Prof. Dr. Srligmann n. B rau KIna geh. W J ö. Xnntenerstrasse r» Gerda Seligmann Arthur Frank Verlobte Empfang: Sonntag, den 11, Mai l'h’.O Hilfsverein für die Taubstummen _in_ej._ zu der am Montag, den 12. mal 1930 abends i/2g unr in Berlin, synagogengouuudeFasanenstr. stattfindenden _ * . > außerordti. laden wir die geehrten Mitglieder hierdurch ergebenst ein. Tagesordnung: Abänderung des § 10 der Satzungen. Der Vorstand Frau Johanna Löwenberg, Vorsitzende Malerarbeiten Renovierung von Wohnungen, (>eschüftslokaien, Treppenfluren und Fassaden. Robert Butheim Berlin W 50 Kulmbachei* Strasse 7 B5 Barbarossa 6260 Verein für Feuerbestattung: In Berlin von 1874, e. T. ver«. kostenlose Feuerbestattung: Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon: Lützow 960-61 WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUN.vT 8. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BEFLIN-WEISSENSEE L0THR1NGERSTR. 8 - TELEPHON: WEISSENSEE 407 99 stehen für Hai noch einige Plätze zur Verfügung. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß in den folgenden Monaten fast ausschl. die hündische Schuljugend berücksichtigt wird. Schriftl. Anmeldungen sind umgehend an das Büro des Reichsausschusses der jüdischer : Jugendverbände, Oranienburger Straße 13/{4 zu richten. Der Verpflegungssatz beträgt Mk. 2.75 pro Tag r 1 CONDITOREI tan Potsdamei Platz Oehildete Dame wünscht für die Nachmittag™- shmden Beschäftigung als Gesellschafterin, V orleserin etc. Kätle Marens e9 Berlin - Friedenau, Taunusstraße 23 (Rheingau 8058) Drei Worte: Qualität! I Preise! I Bedienung! | Inh. Conditorei Hessler \ Markus Friediger HJJglty.4V, ,’«y. «'*''■»« »•»r.r’-" - **< Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Hamburg - Berlin Hausverwaltung odVÜMur Reisezeit übernimmt m. Ia Referenzen und bekanntem Erfolge Bruno Kantorowicz Charlottenburg, Schillerst». 5 Mit. MraMa Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstraße 124 iiiiiiiiiiiBiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiil Kapital 75.000.000, RM Reserven 40.000.000,— RM 250 Niederlassungen 125 Depositenkassen Telegramm-Adresse: „Hanseatic" DEUTSCHE BANK UND DISCONTO - GES ELLSC HAFT Aktienkapital und Reserve 445 Millionen Reichsmark Bilanz am 31. Dezember 1929 Aktiva Kasse, fremde Geldsorten und fällige Zins- und Dividenrfenscheine. 81,559,587.97 Guthaben bei Noten- und Abrechnungsbanken .- - .111,457.4<4.2< Wechsel und unverzinsliche Schatzanweteungen.... Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen. Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere .. Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren Eigene Wertpapiere Beteiligungen an Gemeinschafts-Geschäften. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen. Schuldner in laufender Rechnung. Langfristige Dollar-Vorschüsse. Bankgebäude.-. Sonstiger Grundbesitz. Mobilien ... RM Passiva Aktienkapital. Allgemeine Reserve...142,o00,000. Besondere Reserve.-.,17,509,000. Gläubiger in laufender Rechnung. Akzepte.- 6 o/o Dollar-Darlehn, fällig 1.9.1962 Unerhobene Dividende. Dr. Georg von Siemens-Wohlfahrlsfond 3,782,820.— David Hansemann-Wohlfahrtsfond. 3,000,000.— Sonstige Wohlfahrtsstlftungen..... 298,812.03 Übergangsposten der eigenen Stellen untereinander Zur Verteilung verbleibender Überschuß. RM 193,017,002 1,249,899,924 431,927,341 152,413,968 099,976,744 78,065,208 73,558,788 35,014,387 2,403,001,557 104,450,000 09,375,663 12,530,361 1 5,533.830,068,83 RM 285,000,000 - 100,000,000 4,728,636,949 213,158,340 105,000,000 273,593 7,081,632 497,418 34,182,135 RM I 5.533,830,068 GewinnundVerlustrechnung am 31. Dez. 1929 ü Soll RM 155.936,440 12 24,892,591 87 1 Wohlfahrtscinriclitungen, Pensionen und Abfindungen sowie Versicherungsbeiträge für die Beamten 15,167,248 985,443 34,182,135 71 97 ~ Zur Verteilung verbleibender Überschuß.. 31 üü RM 231,163,859 98 ~ Haben RM 2,027,686 101,755,718 119,887,231 1,896,494 5,696,728 91 10 79 55 63 RM 231,163,859 98 llllllllllllllilllillllllllllEllllllllilllllllllllllllillllll V">og: Vereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin E-W. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW. 29. — Druck: Hermann Wcgner 8-Co., Berlin-Mariendorf. 57 52^985 089928 519944994597459^^392519741991499559945994599159254

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.