Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 17 (23.4.1930)
- Date
- 1930-04-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Broschüre des Zionismus als glich auf die Leitartikel der „I. R." vom 3. November 1911 verwiesen habe. 3. Weltsch entstellt in gleicher Weise gröblich den Sinn meiner Ausführungen in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 2. April 1930. Tort sind in Wahrheit drei Thesen aufgestellt worden. a) Es ist historisch zum Beweise für meine Anschauung, daß der deutsche Zionismus in der Vorkriegszeit wesentlich nationalistisch beeinflußt worden war, und daß auch die Programm-Broschüre des Herrn Lichtheim ihrer Grundtendenz nach ein nationalistisches Gepräge trägt, dafür Bezug genommen worden, daß der Verfasser dieser Broschüre und geistige Führer des Vorkriegs-Zionismus nuymehr bei der praktischen Anwendung der zionistischen Politik in Palästina eine Anschauung vertritt, die auch von der „I. R." selbst als schroff nationalistisch charakterisiert und abgelehnt wird. Wenn ich also auch insofern mit der „I. R." gegenüber Lichtheim konform gehe, so habe ich mich andererseits auf das Zeugnis Lichtheims und seiner Freunde dafür berufen, daß die Ge sinnungswandlung bei dem Flügel der „I. R." und nicht bei Lichtheim liegt. Tie von Weltsch, Goslar, Badt repräsentierte Richtung des deutschen Zionismus ist eben erst nach dem Kriege zur Geltung gelangt, während in der Vorkriegszeit die Herren Lichtheim und Kollenfcher durchaus den deutschen Zionismus repräsentierten. Tiefe Herren aber waren vordem Kriege Nationalisten gewesen, und sind es nach dein Kriege geblieben. b) Zum Beweise dafür, daß der zionistische Nationalismus bei seinen praktischen Auswirkungen in Palästina nicht im geringsten hinter dein schroffsten deutschen Nationalismus und Antisemitismus zurückstcht, habe ich mich auf die von mir wörtlich wiedergegebenen Ausführungen des Herrn Weltsch in der „I. R." vom 18. März 1930 berufen. c) Ter Kern meiner Ausführungen lag in dem Schluß teil, in dem ich darauf hingewiesen habe, daß sich die nationalistische Richtung Lichtheim - Kollenfcher die eben jene von Weltsch aufs schärfste getadelten Uebergriffe der Zionisten in Palästina billigt und stützt - praktisch die Vormachtstellung in Teutschland dadurch verschafft hat, daß sie bestimmenden Einfluß auf die Leitung der größten deutschen jüdischen Ge meindc ausübt, und daß sämtliche drei zionistischen Mit glieder des Berliner Gemeindevorstandes zu der Gruppe Kol lenscher gehören. Ter Trick der Entgegnung von Weltsch liegt nun, soweit es sich um meinen letzten Artikel handelt, darin, daß sie lediglich die These zu 3 b) erwähnt, die These zu 3 a) und c) aber verschweigt und dadurch meine Ausführungen für die Leser der „I. R." sinnlos macht. Wenn Herr Weltsch mir im gleichen Augenblick Jongleur- Kunststücke vorwirft, so darf ich dem Leser die Entscheidung darüber überlassen, ob derjenige Polemiker illoyal kämpft, der wie ich es in meinem Artikel vom 2. April 1980 getan habe — die Ausführung der Gegenseite wörtlich wiedergibt, oder derjenige, der - wie es der Chefredakteur der „I. R." gut befindet die Ausführungen der Gegenseite sinnlos entstellt. Herr von Gerlach in dessen Blatt, soweit ich mich erinnere, früher mit besonderer Ironie gegen die Naumaunsche Richtung polemisiert worden ist - hat sich in neuer Zeit veranlaßt gesehen, nicht nur von der zionistischen Gesamtpolitik aufs entschiedenste abzurücken, sondern auch mit der äußeren persönlichen Schärfe gegen ein zionistisches Blatt Palästinas Stellung zu nehmen, weil dieses die „Welt am Montag" als führendes antisemitisches Blatt in Teutschland hingestellt chatte. Auch die „I. R." sah sich damals veranlaßt, von jener palästinensischen Kampsesweise abzurücken. Wenn mau aber sieht, was am grünen Holz des deutschen zionistischen Zentralblattes möglich ist, so wird man sich über die politische Methode des palästinensischen Blattes nicht allzu sehr wundern dürfen, (Ein zweiter grundsätzlicher Teil folgt.) ★ Aus der Ill-Arbeil ★ Berlin. (Z u m Bericht der Generalversammlung.) Wir werden um Beröffentlichung nachstehender Ausführungen gebeten: Ter Berichterstatter der Generalversammlung hat sich bloß damit begnügt, den Verlauf der Tiskussion als erregt zu kennzeichnen, während er es sich versagt hat, irgendwie näher auf die Ausführungen der einzelnen Diskussionsredner einzugehen. Es er scheint uns daher geboten, den Bericht aus der vorigen Nummer zu ergänzen und im Sinne der Diskussion zu berichtigen, zumal Fragen angeschnitten wurden, die hinsichtlich der augenblicklichen Struktur des Jli und der Einstellung der Mitglieder von ivesentlicher Bedeutung sind. In wesentlichen Punkten schien der erste Referent — was ihm auch in der Diskussion zum Vorwurf gemacht wurde -- falsch unterrichtet zu sein. Was die vereinzelten Austritte aus dem Jli au belangt, so ivurde dazu bemertt, daß sie das in Jugrndvercinen übliche Maß keineswegs überschreiten. Mit derartigen Vorkomm. nissen muß in einer Organisation, die jugendliche Mitglieder umfaßt, stets gerechnet ivcrden; sie finden ihren Grund aücht in einer „schwachen Leitung", sondern in einer Umstellung, wie sie sich ganz ztvangsläufig aus dem Weg ihrer geistigen Entwicklung ergibt. Demgegenüber ist die Tatsache zu verzeichne», daß in der letzten Zeit zwei neue Gruppen, bereu Mitglieder in den Jli neu ausgenommen wurden, entstanden sind. In den seltenere Fällen, in denen Gruppen auf solche Weise an Mitgliedern eingebüßt haben, ist es gerade vom Standpunkt einer gesunden .Organisation erforderlich, sie unter einer einheitlichen Führung zu einer Gruppe zusammen, znschließen, was aber nicht einem „loser zusammengewürfelt sein" gleichbedeutend ist. Im Hinblick aus den regelmäßigen Besuch ans den Heimabenden ivurde dem ersten Referenten erwidert, daß wir es grundsätzlich ablehnen, einen äußeren Zwang auf unsere Mil glieder, vielmehr eine gcwisscnhastige Beteiligung voraussetze, die der Initiative des Einzelnen, von der >vir erwarten, daß sic einem Gefühl innerer Verpflichtung — wie sie der zweite Referent forderte — zur gemeinsamen Arbeit entspringt. Ter Kluftfrage — dieses Problem ist durch das Ueberwiegen der Jüngeren akut geworden — glauben wir durch unseren letzten Vorstandsbeschluß gerecht getvorden zu sein: „Der Vorstand verhält sich insofern passiv, als er das Tragen der Kluft nicht offiziell, macht, aber denen, die sie auf Fahrt tragen wollen, eine einheit' tichc Kluft vorschlägt." Weiterhin hat der erste Referent eine erhöhte Werbetätigkeit, in Form von Tisknssionsabenden, a» denen auch Nichtmitgliedcr des Jli teilnehmen sollen, gefordert. Dazu ivurde bemerkt, daß zn dieser Frage bereits vom Vorstand Stellung genommen worden ist. Es ist beschlossen worden, im Laufe der nächsten Zeit eine Reihe von Vortragsabenden im größeren Rahmen zu veranstalten, an denen zur Teilnahme dilrch diese Zeitung und durch besondere Einladungen aller an der jüdisch liberalen Sache Interessierten aufgefordcrt wird. Als Referenten sind bedeutende Vertreter des liberalen Judentums in Aussicht genommen worden. An diese Vortragsabende werden sich Arbeitsgemeinschaften anknüpfen, für die ivir gerade ans bcu streifen der jugendlichen Hörer rege Beteiligung erivartcn. Die Leitung dieser Arbeitsgemeinschaften ivird zum Teil in den Händen der betreffenden Herren Referenten liegen. In diesem Zusammenhang ivurde auch darauf aufmerksam ge macht, daß eine Arbeitsgemeinschaft über Sozialismus — ein Themas wie es der erste Referent forderte — mit der Jugendgemcinschast der Reform Gemeinde bereits beschlossen ist. .H—st. H G. M -Sch. Frankfurt a. M. (S e d e r a b e n d i m I l i.) An der tätigen Scdertafel sitzen mir junge Menscheil und lauschen den Worten Dr. Gott sch alks. Es ist eine außergewöhnliche Scderseier, denn unser Freund und Führer spricht nicht nur über den Auszug aus Aegypten, sondern er erzählt auch von bcu Märtyrern des Judentums zn atlcir Zeilen. Lebendig treten sie vor uns hin, die ehrwürdigen Gestalten. Rabbi Akiba stirbt für sein Judentum nach der Niederlage des Freiheitsheldcn Bar stochba dilrch die Hände römischer Legionäre. Spaniens Aufstieg bringt eine neue Blüte jüdischer Kultur. Inda Halevy und Maimonides sind die lnarkanten Zeugen dieser Epoche, aber die Jnqni sition scheint das Judentum Spaniens und Portugals vollends zu vernichten. Tausende sterben für ihren Glauben ans dem Scheiterhaufen, andere verliere» ihre Heimat. Tie Kreuzznge alsdann bedeuten für die deutschen Juden eine Zeit schwerer Prüfungen. Bis in unsere Zeit ivird der Jude seiner Religion wegen verfolgt und verachtet; im Rußland der Vorkriegszeit Pogrome, in Deutschland Anwachsen des Antisemitismus, in Frankreich verbannte inan vor wenigen Jahrzehnten einen Offizier nach der Teufelsinsel, tvcil er ein Jude war. Aber immer wieder siegte das Recht, und während schon seit Jahrtausenden das alte Aegypten und das gewaltige römische Imperium in Trümmern liegt, Inquisition und Kreuzzüge nur noch Histerie sind, ist das Judentum erhalten geblieben. Jüdische Religion hat bestanden, bevor man Osiris, Zeus, Baal und Astarte, Jupiter und Wotan anbetete, und sie lebt heute noch, und Millionen von Menschen bekennen sich zu ihr. Sind alle diese Ereignisse, Katastrophe und Rettung, nicht Zeichen Gottes in gleichem Maße ivie der Auszug aus Aegypten und der Zug durch das Schilsmcer? ----- Tie würdige Feier ivird uns allen in guter Erinnerung bleiben. Frankfurt a. M. (I u g en dg r u p p e des I l i.) Die Jli Jngcndgrnppe traf sich Samstag bei .Herrn Tr. Gottschalk. Unser Thema lautete Buddhismus. Zuerst gingen mir auf den Begründer der Religion ein, „Buddha". Er lebte 560 v. Ehr. Buddha war Prinz, entsagte aber allem Rkichtnm und ivurde Kettelmünch. Sechs Jahre lang zog er im Lande umher und kasteite sich, um von allen irdischen Sünden frei zu werden. Dann begann er zn predigen und fand alsbald viele Anhänger. Seine Lehre und seine Gesetze: Er verbot den Menschen zu arbeiten, da man durch das Arbeiten zum Begehren kommen könne. Und dies ist das erste Gebot des Buddhismus, daß der Mensch kein Begehren mehr hat ans Erden! Er glaubt ferner an eine Seelcnivanderung. Dies heißt: Wenn der Mensch stirbt, daß seine Seele in ein höheres oder niederes Tier oder Pflanze, je nach Verdienst, übergeht, bis sie schließlich im Paradies, im Nirtvana, ankommt. Er legt seinen Anhängern strengste Entsagung ans, auch dürfen sic nichts Totes genießen. Der Buddhist steht allem gleichgültig gegenüber. Er lebt nur auf ein Ziel zu, und das ist der liebere gang zu einem besseren Leben. Die Verbreitung des Buddhismus: Es gibt viele buddhistische Mönchsorden, die im Lande umherzichen und predigen. Ten Mönchen sind alle weltlichen Vergnügungen strengstens untersagt. In einem ihrer Gesetze heißt cs: Ihr sollt entsagen, dem Putz und Wohlgeruch und weltlichen Vergnügungen. Diesem in kurzen Zügen wiedergcgebenen Vortrag schloß sich eine allgemeine Unterhaltung an. Trude Haas. * Das IN-Prograrnm * Berlin. Norden. Montag, den 28. April, nachmittags 5.30 Uhr, im Heim, Monbijouplatz 10. Oliva und Ren-Charlottenburg. Donnerstag, den 24. April, abends 3 Uhr, bei Hilde Bach, Schöneberg, Kufsteiner Straße 13. Thema: Pantheismus. Tonnerstag. 1. Mai. bei Eva und Adolf Markuse, Taunusftratze 23, 8 Uhr. Thema: Panieismus, Fortsetzung. Pankow-Osten. Dienstag, den 29. April, 8 Uhr abends pünktlich, im Heim, Monbijouplatz 10. Breslau. Hauptgruppe: Mittwoch, den 23. April, 20.15 Uhr, Jugendheim: Freie Referate. Jüngeren-Eruppe: Donnerstag, den 24. April, 16.15 Uhr: Referat von Fredy Afchkvwitz: „Arnold Zweig". Frankfurt a. M. Am nächsten Heimabend, Dienstag, den 29. April 1930, 20.45 Uhr, im Sitzungszimmer der Westendsynagoge, spricht Herr Dr. Seelig über „Arbeitsnot". Jli-Jugendgruppe. 26. April bei Familie Sündermann, 16 Uhr. Referat Rene Metz: „Paneuropa". Köln. Jugendgruppe der Gemeinschaft. Dienstag, den 29. April, abends 8 Uhr, Vortrag des Herrn Heinz Edgar Eitel über Flegs, der kleine Prophet. Mitteilung. Eine neue Sehenswürdigkeit der Weltstadt Berlin ivird das Institut für Hochfrequenz-Therapie am Wittenbergplatz, Tauentzieustraße 4, bilden, das heute unter der sachärztlichen Leitung von dem bekannten Spezialisten auf diesein Gebiet, Herrn San.-Rat Dr. Ludtvig Meyer, eröffnet wird. ERÖFFNUNG SAN ZEIGE! Mittwoch, den 23. April, Tauentzienstrasse 4. Institut für Hochfreqieiz-Therapie Original Zeileis-Gallspach Rpparator Röntgen Helium Fachärztliche Leitung Geöffnet 9-1, 3-7, ausser Sonntags Tel. B 4, Bavaria 4961 —-Fahrstuhl Voranmeldungen erbeten! Da die Hochfrequenzentladungen in der Intensität und Gleichrichtung der patentierten Zeileisapparatur bei sacligcmiisser Anwendung eine stark anregende Wirkung auf gewisse Gewebe und Zellen des Körpers ausüben, wird eine derartige Umstellung und Belebung des Stoffwechsels hervorgerufen, dass eine grosse Anzahl von Krankheiten in überraschend günstiger Weise durch diese Bestrahlungen beeinflusst werden, so besonders folgende Leiden: Rhenmatlsche und gichtische Erkrankungen, Neural* Kien, Migräne, Blutarmut, Schlaflosigkeit, Arlerienvcr* kalkung, Blutilrnckstcigerung, Magen* und Barmleiden, Dyspepsie und Magengeschwür, Neurasthenie, sexuelle Schwäche, Frauen»Enterlcibsleidcn, gewisse Iiüh* mnngen, allgemeine Erschöpfung, Bronchialkatarrh, Asthma, Kiefern* und Stirnhöhlenkatarrh, Basedow, Epilepsie, die verschiedensten Hautlciden. Behandlung erfolgt nur nach ärztlicher Untersuchung. .für Hochfrequenz-Therapie Tauentzienstrasse 4. T.l, 14, Bav.ria 4961 T«l. 6 4, »wirte 4661 Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Bilanz per 31. Dezember 1929 Aktiva RM.; 3 Kasse, fremde Geldsorten und Irillige Zins- und Dividendenscheine . 25 375 459 Guthaben bei Noten- und Abrechnungs- (Clearing-) Banken . . . 54 222 370 Schecks, Wechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen . 605 316091 Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen mit Fälligkeit bis zu 3 Monaten. 257 722 608 Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere . 160 989 520 Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren 377 618 276 Eigene Wertpapiere . 38 000000 Konsortialbeteiligungen. 37 000000 Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und 24 000000 Debitoren in laufender Rechnung .. 1 016 777 353 25 000 000 Summa der Aktiva 2 622 021 680 74 Passiva RM. 60 000000 Reserven. 60 000 000 Kreditoren .. 2 383 555 054 Akzepte. 90 183 712 Pensions-Fonds für Beamte.. 5 000 000 Sonstige Passiva.. . . . 11 483 741 Qewinn-Saldo 11 799 172 Summa der Passiva 2 622 021 680 74 FabriiniüonsgesGiiait handelsgerichtlich eingetragene , Firma, ohne Aktiva und Passiva, , wegen vorgeschrittenen Alters an zahlungsfähigen Käufer preiswert zu verkaufen. 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