Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 17 (23.4.1930)
- Date
- 1930-04-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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die angeblich „judophilien" kommunistischen und mit ihnen sympaikhisierenden Kreise. Eben unter ihnen ist die Theorie Verbreitet, daß -die Juden eine Leiter sind, die für den Bau des Kommunismus notwendig ist, und welche abgetragen «werden wird, sobald an ihr kein Bedars mehr ist. Im Interesse des „Kampfes" gegen den Antisemitismus werden solche Ansichten, manchmal in schr aufreizender Form, in den Zeitungen veröffentlicht und erhalten sehr weite Verbreitung." „Das alles ist aber nicht ernst. Es gcht in der Tat im Leben ein großer und tiefer Prozeß vor sich. Die Juden in Moskau, ebenso in den anderen großen Städten, assimilieren sich schnell, gehen in der Bevölkerung auf. Juden heiraten Russinnen, Jüdinnen heiraten Russen. Die Beschneidung wird als eine barbarische Sitte angesehen, Sie werden von ihr in Moskau nicht hören. In der Schule verschwindet der jüdische Akzent, die russische Aussprache der Juden wird besser. Schon jetzt kann man manche Juden aus der jungen Generation von der übigen Bevölkerung nicht unterscheiden: Sprache, Manieren, Interessen, - alles ist bei ihnen dasselbe wie bei der übrigen Bevölkerung. Die Bevölkerung gewöhnt sich daran, Juden doxt zu sehen, wo sie früher nicht vorhanden waren. Andererseits geht auch ein Prozeß der Ausgleichung vor sich: In den Regierungsorganen gibt es weniger Jlwen als in den ersten Jahren der Revolution. Dabei arbeiten viele von ihnen ausgezeichnet, das sehen alle. Es werden noch einige Jahre vergehen, - die Kinder der zugereisten jüdischen Bevölkerung werden eingeborene Moskauer werden.. Auch ärgert die Russen, am meisten die Kommunisten selbst, die direkt pathologische Betonung der Rolle der Juden, der „Führer", in der Revolution. Es ist gut, daß die Benennungen der Straßen, Plätze, Universitäten oder Städte nach Trotzki, Sinovjew, Kamenev schon verschwunden sind. Und was für ein Glück ist es, daß der gegen Gott kämpfende Jaroslevski **) sich einen so wohl- Uingenden Namen beigelegt hat. So denken wenigstens diejenigen, die ihn nicht sehen, daß er kein Jude ist." So weit der Gewährsmann und Lebedev. Selbstverständlich trägt Lebedev die Verantwortung für die Richtigkeit der Wiedergabe des Gespräches. Ist es richtig wiedergegeben, -- woran zu zweifeln fein Grund vorhanden ist, — so darf es, wie schon oben gesagt, nicht verallgemeinert werden. Es gibt gewiß Richtungen in Rußland, die den Juden durchaus nicht so unvoreingerwmmen gegenüberstehen wie der Freund des Herrn Lckedev. Man darf sagen, daß, ebenso wie im zaristischen Rußland, die Judenfrage einen weit über ihre wirkliche Bedeutung hinausgehenden Raum einnahm, es ähnlich auch im nachbolschewistischen Rußland, das ja schließlich einmal kommen wird, der Fall sein wird. Es dürfte schwer sein, die Worte des Gewährsmanns LebedevsLU unterschreiben, daß der Antisemitismus mit dem Bolschewismus verschwinden werde. Dagegen erscheint sein Protest gegen die Behauptung, der Sturz des Bolschewismus sei unvermeidlich mit Judenpogromen verbunden, durchaus gerechtfertigt. Seit dem Beginn ihrer Herrschaft suchen die Bolschewisten bei den Juden der ganzen Welt den Gedanken einzuhämmern, nur sie, nur die Bajonette der bolschewistischen Roten Armee, schützen die Juden vor Pogromen. Dabei verschleiern sie die Tatsache, daß gerade durch das Sowjetregime die russischen Juden in **) Der ivirkliche Name Jaroslowskis, eines der Führer des „Bundes der Gottlosen", ist Hubelmann. I. L. fflommsen - Wäscherei neu eröffnet! Wäsche aller Art Spezialitäten: Herrenwäsche — Pfundwäsche — Gardinenspannerei Sauberste und schonendste Behandlung der Wäsche Mäßige Preise Abholung und Lieferung frei Haus in allen Stadtgegenden auf telefonischen Anruf Hommsen-Wäscherei Inhaber: E. Haupt Charlottenburg, Mommsenstr. 63, Tel.: Bismarck 6489 (ln unmittelbarer $ahe des Kurfürstendamms u. des Savignyplatzes) * Versammlungskalender Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. v.» Bezirksgruppe Halenfee-Krunewald. Am Montag, den 28. April, abends 8.30 Uhr, spricht Herr Rabbiner Dr. Norden- Elberfeld im Saal des „Pfchorr-Kaus", Tauentzirnftrrße 13 (Ge, -Schtnisttrche), Kauptaufgang, 1. Stock links, über das Thema: „Das Mische Schrifttum über die Bewertung und die Behandlung von Richtjuden". Herr Obertantor Wilhelm Friedmann hat e» liebenswürdigermeife übernommen, den Abend mit .Gesangsdarbietungen zu umrahmen. (Am Klavier: Frau Lili Goetz.) Nach den Borträgen geselliges Beisammensein. Gäste herzlich willkommen. Gottesdienste * BerliN'Norden. Liberale Synagoge Norden (SchSnhauser Alle« 182). Freitag, 25. Aprtl, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstraße 29/30). Freitag, 25. April, 7.30 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Boos. Berlin-Vestend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstr. 7, nahe Reichs, kanzierplah). Freitag, 25. April, 7 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin-Wilmerrdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Lecilienschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 25. April, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Dr. Mahler. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 27. April. Johannisstraße 16: vormittags 10 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Kleiststraße 10: vornüttags 10 Uhr; Gastpredigt Rabbiner Dr. Norden, Elberfeld. ein bisher in Rußland noch nie dagewesenes wirtschaftliches und moralisches Elend gestürzt worden sind. Aus diese Weise wird der Versuch gemacht, eine Interessengemeinschaft zwischen Juden und Bolschewisten herzustellen, die für die Juden außerordentlich gefährlich ist, da sie logischerweise jeden Bolschewistengegner zu einem Pogromantisemiten machen muß. Man braucht kein übermäßiger Optimist zu sein, um an der Richtigkeit dieser Prognose der Bolschewisten zu zweifeln. Kennt man die politischen Strömungen im alten Rußland, ebenso die jetzigen verschiedenen Richtungen in der russischen Emigration, so weiß man, daß es auch unter den Rechten und monarchistischen Elementen ganz verschiedene Schattierungen gegeben hat und gibt, und daß lange nicht alle, die sich zum rechten Lager rechnen, auch Anhänger der Pogrompolitik sind. Im rechten Lager gibt es nicht-weniger politische Nuancen wie im linken. Das Vorhandensein eines sehr bösartigen Antisemitismus in Sowjet-Rußland, wie auch in der russischen Emigration, ist gewiß nicht zu bestreiten, es ist aber durch nichts bewiesen, daß gerade diese Richtung unter den Bolschewistengegnern die herrschende ist, bezw. sein wird. Gewiß darf man sich keine rosigen Illusionen darüber machen, was in Rußland kommen wird: Nach einer Katastrophe vom Ausmaße der Herrschaft des Bolschewismus sind zweifellos noch schr harte Prüfungen für das unglückliche Land zu erwarten, — aller Wahrscheinlichkeit nach auch für die russischen Juden. Das berechtigt aber noch nicht, alles auf die Formel zurückzuführen: Sowjetherrschaft oder Pogrome. Diese Vereinfachung der Situation, die in der Tat verwickelt genug ist, entspricht nur den Interessen der Bolschewistenherrschaft. Dr. I. L e w i n. SjOltWE RC1*{ i iDoh tfchmecJcc nd nahrhaft.;i*j! sprechsaal ♦ * j Für diese Rubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung Zur Politik der deutschen Zionisten Bon Rechtsanwalt Tr. Ernst Emil Schweitzer, Berlin. I. In der Jüdischen Rundschau vom 11. April 1930 findet sich eine Notiz des Chefredakteurs Weltsch^. die so charakteristisch ist, daß sie hier niedriger gehängt werden mag. „In eigener Sache. Etwa vor einem Jahre beschuldigte Dr. E. E. Schweitzer unscrn Freund Ministerialdirektor Dr. Bodt reaktionärer Tendenzen und b-chauptete, die deutscheil Zionisten hätten sich stets den in Deutschland herrschenden reaktionären Strömungen angepaßt. Dies wurde von Tr. Badt in der „I. R." vom 31. Mai 1929 scharf zurückgewicsen. 'Nun zitiert in der „Jüd.-lib. Ztg." Herr Dr. Schweitzer als einen neuen Beweis seiner Behauptung meinen Artikel in der „J.R/" vom 18. März 1930, worin die Haltung der Jerusalemer Studenten gegen Dr. Magnes verurteilt tvird. Es ist schwer zu verstehen, lvie man aus der Tatsache, daß die. „I R." gegen die nationalistischen Exzesse auch im eigenen Volke Stellung nimmt, den Beweis für die reaktionäre Gesinnung der deutschen Zionisten herleiten kann. Eher läge das Gegenteil nahe. Sollten nicht auch im Parteikamps solche Jongleur-Kunststücke unterbleiben? — R. W." Hierzu sei folgendes bemerkt: 1. Es ist unrichtig, daß ich in meinem Artikel in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 10. Mai 1929 behauptet hätte, „die deutschen Zionisten hätten sich stets den in Deutschland herrschenden reaktionären Strömungen angepaßt". Richtig ist, daß sich iit jenem Artikel der Satz fand, „daß die deutschen Zionisten in der Zeit vor dem Kriege vielfach gerade ihren Ehrgeiz darein setzten, sich möglichst in allen Fragen der Lebensanschauung den damals in Deutschland herrschenden konservativen Strömungen airzupassen". Uebrigens hat Herr Badt selbst in seinem offenen Briefe in der „I. R." vom 31. Mai 1929 Loyalität genug besessen, diesen Satz korrekt wiederzugeben; es blieb dem Chefredakteur Vorbehalten, den Satz meiner damaligen Ausführung dadurch! zu vergröbern, daß er das Wort „vielfach" gestrichen hat und dadurch in das Gegenteil zu verkehren, daß er an Stelle der Worte „in der Zeit vor dem Kriege" das Wort „stets" gesetzt Hai. In jenem Artikel in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 10. Mai 1929 hatte ich ja in Wahrheit gerade ausgefülftt, daß in der Zeit nach dem Kriege „eine eigentümliche Annäherung der verschiedenen jüdischen Richtungen auf dem hier fraglichen Gebiete stattgefundeu hat". Aus der Wiedergabe des Herrn Weltsch muß der Leser aber den Schluß ziehen, daß sich der von mir erhobene Vorwurf auch auf die Zeit nach dem Kriege bezogen habe. 2. Herr Weltsch übergeht geflissentlich die Tatsache, daß ich auf den offenen Brief des Herrn Badt bereits in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 12. Juni 1929 geantwortet habe und auch den einerseits den mir hinsichtlich des Herrn Badt unterlaufenen persönlichen Irrtum ohne weiteres anerkannt und berichtigt habe, andererseits aber (vergl. die redaktionelles Vorbemerkung) hinsichtlich meiner allgemeinen Ausführungen sowohl auf die von Lichtheim verfaßte offizielle Programm- Sünden vor dem Ewigen seid .ihr rein!" erfüllte ein überströmendes Glücksgefühl all die religiös Erschütterten im Bewußtsein der errungenen Läuterung. Diese Stunde inneren Aufschwungs mag auch die Geburtsstunde unseres Gedichtes gewesen sein. So wird denn auch als erste Tat göttlicher Gnade die Vergebung der Sünden dankbar genannt, und wenn die Unendlichkeit der göttlichen Liebe mit Bildern der größten Höhe und Weite veranschaulicht wird, so fehlt nicht der Hinweis aus die gewonnene Sündenferne. Die väterliche Innigkeit der göttlichen. Liebe, wie sie hier gerühmt wird, hat schon oft Veranlassung gegtberr, diesen Psalm als „vorchristlichen" zu bezeichnen — trotzdem gerade unser Dichter auf die uralte Tradition der Selbstoffenbarung göttlicher Barmherzigkeit und Langmut hinweist. Und wenn man, um nm: doch das Vorstufige des Judentums zu betonen, Nachdruck legen will auf die Erwähnung der Frommen, der Verehrer, die der göttlichen Gnade teilhaftig werden, so ist es doch wohl selbstverständlich, daß nur iu einem frommen Gemüte, das zum Göttlichen strebt und sich ihm unterwirft, das beglückende Gefühl der Begnadung lebendig sein kann. Muß man besonders hervorheben, daß nach der Lehre des Judentums auch dem größten Sünder der Weg zu Gott nicht versperrt ist? (Jesaja 55, 6 f., Ezechiel 18, 21 ff., Psalm 25, 8.) Worin hat die göttliche Güte ihren Grund, ihre Berechtigung? so fragt sich unser Dichter mit seinem eingeborenen Gefühl für Gerechtigkeit. Er hat Mitleid mit der menschlichen Kreatur, denn er weiß ja, wie er ihn aus Niedrigem, geschaffen hat, wie kurz sein Erdeuleben ist und wie plötzlich es enden kann. Ein Bild aus der heimatlichen Anschauung! Das Feld prangt in herrlichen Blumen; aber wenn der glühende Wüstenwind darüber wcht, sinkt all die Blütenpracht zu Boden. Gewesen! Weiß der Ort noch etwas von dem bunten Leben, das dort prangte? Es ist dahin! Mer doch! Es ist in der Stimmung des Gedichts, als wenn die Sonne des Glücks den drüben Wolkmschleier, der sich einen Augenblick vor das strahlende Licht geschoben, wieder schnell verscheucht. Mag der einzeln« dahinsinkm, die Liebe Gottes bleibt und wirkt fort in Kindern und Kindeskindern, „von Wett zu Welt". Wie mancher Fromme hat aus diesen Worten die Zuversicht gewonnen, daß das Heil mit diesem Erdenleben nicht ende. Denn — so setzt das Lied fort — das Reich des überirdisch Thronenden hat Macht über alles. Und nun setzt ein Jubelchor ein von stürmischer Gewalt. Alle Kräfte der Welt, alle Wesen in Höhen und Tiefen, alles Erschaffene sott in der Glücksstimmung des Dankes ihn preisen! Es ist von ergreifender Schönheit, wie nun in dieses Jubilieren der gesamten Schöpfung, in biefen emporstürmenden Zusammenklang aus allen Sphären zuletzt auch die fromme Seele des Dichters, angerufeu durch das Wort des Eingangs: „Preise, meine Seele, den Herrn!" mit einstimmt. Diese tu der Ursprache so erhaben klingende Wendung verbindet unfern Psalm mit dem folgenden, in dem sich die kindliche Freude über Gottes herrliche Schöpfung in einer herzlich bewegten Naturschilderung offenbart. Beide Psalmen mögen von einem Dichter sein. Sie sind jedenfalls Dokumente eines altisraelitischen Optimismus, der wohl die Klippen und Abgründe des Lebens kennt, aber trotz Sünde und Tod beglückt ist in. seiner Lebensbejahung durch das Wirken göttlicher Gnade in Gewissen und Welt. Schalit-üonzerl in Frankfurt a. Al. Dieses Konzert, veranstaltet von den drei Frankfurter B. B. Logen, hat mehr als lokale Bedeutung, wird doch hier von einer großen jüdischen Organisation einem jüdischen Tonkünsller Gelegenheit geboten, vor breiter jüdischer Oessentlichkeit an einem ihm gewidmeten Abend durch seine Schöpfungen aus jüdischer Seele zu uns zu sprechen, durch jüdische Interpreten von hohem künstlerischen Format jüdisches Fühlen und Empfinden in uns auszulösen. Tank sei den Frankfurter Logen, daß sie einem Lebende n in der Vollkraft seines Lebens und seines künstlerischen Schaffens Gelegenheit gegeben haben, der Oesfentlichkeit sein Können zu unterbreiten und die für sein Künstlertum notwendige Anerkennung zu erhalten. Ist doch! dem Künstler der Beifall der Anerkennung notwendig wie der duftenden Blume die Sonne. Rhythmus und geheimnisvolles Weben der hebräischen Sprache raunt durch die deutsche Bibelübersetzung von R o * senzweig und B n b e r. wie auch durch die genial schöpferische Uebertragung der Gesänge des großen I e h u d a H a - l e v i von Rosenzweig. Schalit hat in die Tiefe dieser Rosenzweig-Buberschen Schöpfungen sich versenkt. Seine Künsülcrseele wurde verknüpft mit deren Seele, und so entlockte er seiner Leier Klänge, Oesänge, die uns aufhorchen taffen, da sie nicht in des Alltags Art erklingen. Und wahrlich«! Wer die Halevischen Hymnen in der Rosenzweigschen Uebertragung kennt, von der Wucht der Sprache und den« eigenartigeil Rhythmus gefesselt worden ist, der weiß, daß der Komponistder diese. Texte iit Tönen aufleben lassen will, diesem großen Dichter und seinem Uebersetzer kongenial sein muß. Und daß. Schalit sich gerade diese Texte zum Vertonen ausgesucht hat, zeigt, daß. er gewohnt ist, an seine Kunst und sein Können die höchsten Anforderungen zu stellen. Um so ehrender für ihn, daß. es ihm gelungen ist, den Texten in vielem roll gerecht zu werden. Ebenso schafft Schalit Neues, Eigenartiges, wenn er die von echter Poesie durchwehten Prosatexte: „Elieser am Brunnen", oder die Berufung Israels (Jefaia 49) in der kernigen Sprache Luthers in Tönen wiedergibt. Feinfühlig hat er auch die jüdische Seele Heines in dessen „Brich aus in lauten Klagen!" und ,Halleluja" erkannt und musikalisch interessant gestaltet. Sind Schälits Kompositionen jüdische Musik? - Ich möchte nicht entscheiden, schon nicht aus dem Grunde, weil die Frage, ob es jüdische Musik gibt, noch sehr umftritteu ist. Jedenfalls strömen sie aus einer jüdisch empfindenden Seele und bilden vielleicht Bausteine zum Palast für jüdische Kunst Wie frem1 auch sei: Alle Knnttositionen erweckten lauten und herzlichen Beifall eines zahlreichen kunstverständigen Publikums, aus dessen Kreisen auch der ad hoc zusammengestellte gemischte Chor dem Meister für sein Schlaffen in edler Begeisterung sich zur Verfügung gesteltt hatte und der unter der sachverständigen Leitung Frank RotschüdK, Studienrats am Philantropin und Leiters des Synagogenchors (Westendsynagoge) Hervorragendes bot. — Vielleicht folgen recht bald andere jüdische Gemeinden in der Ehrung des Münchener Komponisten Heinrich Schalit und auch anderer jüdischer Tonkünst! er. Fa bi sch, Frankfurt a. M.