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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-04-16 · 16 (16.4.1930) · page 10

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
16 (16.4.1930)
Date
1930-04-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Kirrbach (Rolläden). Die gesamten elektrischem Anlagen wurden durch die Elertrizitätsbrugesellschaft in Plauen und die HausteLephonanlage durch die Vogtländische Telephongesellfchast hevgeistellt. Die altehrwürdige Firma I. G. Vogel 8c Sohn lieferte das Orgelharmonium, das mit seinem schönen sonoren Klang alle Hörer erfreut. Schließlich sind noch die Tischlereifirmen Otto Kolbe und Oskar Luckner, Plauen, zu erwähnen, denen wir die Herstellung der Möbel für Gemeindesaal und Küche verdanken. (Siehe auch Inseratenteil.') i«i Sprechsaal imi lll Für diese Rubrik übernimmt die Schriitleitung lediglich die preßgesetzliche Derantwottung Zur Wirtschaftskrise Breslau, den 31. März 1930. Au die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung Berlin SW 11. Erst heute komme ich dazu, zu dem Leitartikel „Zur Wirtschaftskrise" in Nr. 10 des 10. Jahrgangs vom 5. 3. 1930 Stellung zu nehmen und möchte mir erlaubell, auf etwas hinzuweisen, was meiner Ansicht nach> nicht unwidersprochen in die Welt hinausgehen darf, da es sonst einen ganz falschen Eindruck von der Lebenslage unserer Arbeitnehmerschaft machen muß. Im großen und ganzen muß man, wie jeder liberale Jude, mit dem Inhalt des Artikels fast vollkommen einverstanden sein. Zum Beweise oasür, schr geehrter Herr Woyda, wie gering das durchschnittliche Jahreseinkommen nach Abzug der Werbungskosten und Sonderleistungen der steuerpflichtigen Arbeitnehmer ist, berufen Sie sich aus die Statistik und weifen nach, daß von den etwa 23 Millionen Steuerpflichtigen über 10 Millionen unter 1200 RM. jährliches Einkommen haben, während der Rest nur ein durchschnittliches Einkommen von 1651 RM. nach Abzug der Werbungstosten und Sonderleistungen hat. Tie Auswirkung dieser Zahlen dürfte meiner Ansicht nach von Ihnen nicht genügend gewürdigt werden. Wenn man dies so liest, müßte man annehmen, daß der verheiratete Arbeitnehmer mit Kindern höchstens auf durchschnittlich 1651 RM. kommen kann, während fast 40 Prozent aller solcher Arbeitnehmer unter 100 RM. zu stehen kommen. Ties ist nicht richtig: denn unter den 10 Millionen Arbeitnehmern, die unter i200 RM. Jahreseinkommen haben, sind sämtliche Lehrlinge, männliche und weibliche, sowie jugendliche Arbeiter und die gesamte Landwirtschaft und Hauspersonal inbegriffen, und auf der anderen Seite muß man in Betracht ziehen, daß unter den Arbeitnehmern Hie durchschnittlich 1651 RM. jährlich verdienen, nur ein Teil verheiratet ist und Kinder hat. Bei dem größten Teil unserer Arbeitnehmerfamilien arbeitet aber nicht nur der Vater, sondern, wenn man davon ausgeht, daß die Mutter den Haushalt versorgt, auch die Söhne und Töchter. Viele Arbeitnehmerfamilien, deren Söhne und Töchter über 14 Jahre alt sind, stehen sich gut, mir persönlich sind zahlreiche Familien bekannt, wo der Vater, zwei Söhne und zwei Töchter verdienen. Auf diese Art und Weise ist das durchschnittliche Einkommen einer Arbeitnehmerfamilie nicht 1651 RM., fonbertt 8200 RM. In den Großstädten stellt sich dieses Einkommen noch weit besser. Nehmen wir an, der Vater ist ein gewöhnlicher Arbeitnehmer und verdient als Kutscher 45 bis 50 RM. die Woche, die Töchter gehen ins Geschäft und sind an der Schreibmaschine oder sonstwie beschäftigt oder auch hinter der Ladentafel, und die Söhne haben etwas gelernt, ich will gar nicht den gut bezahlten Maurerberuf in Betracht ziehen, sondern Klempner oder Tapezierer, so stellt sich das Einkommen des Vaters aus 2500 RM., jeder Tochter aus rund 2000 RM., und jeder Sohn verdient, wie es in Berlin zur Zeit möglich ist, bei 52 wöchentlicher Arbeitszeit rund 4500 bis 5000 Reichsmark. Nehmen wir aber an, die Söhne feiern einen erheblichen Teil des Jahres und haben nur für 30 Wochen Einkommen, so stellt sich das Familieneinkommen dieser Familie auf etwa 12000 bis 14000 RM. Wenn man damit vergleicht, daß der Kommandeur einer Reichswehrdivision, der sicherlich auch ein Herr im vorgerückten Alter ist, und dessen Kinder ganz andere Anforderungen an beu väterlichen Geldbeutel stellen, indem die Söhne als auch die TiMer studieren, und man weiß, daß ein solcher Divisionskommandeur 13000 bis 15000 RM. jährliches Einkommen bezieht, gerade soviel wie eine Proletariersamilie, so wird man begreifen, daß die Statistik in dem vorliegenden Falle total versagt. Aber auch in den kleineren Städten und aus dem Lande stimmen die Zahlen der Statistik mit der Wirklichkeit nicht überein. Ich habe ja einen besonders günstigen Fall genommen. Nehmen wir aber einen ungünstigeren Fall und denken wir, daß die Jungen erst lernen und die Töchter ansangen zu arbeiten, oder umgekehrt, so stellt sich in einem solchen Falle, sofern der Vater einen Beruf hat und gewerkschaftlich organisiert ist, das Familieneinkommen auf 4500 Reichsmark. Mit diesen Zahlen, die in Ihrem Artikel niedergelegt sind, und die die Statistik ergibt, rnüssen aber doch die Zahlen verglichen werden, die vor dem Kriege erreicht wurden: damals war ein durchschnittliches Jahreseinkommen zwischen 600 bis 750 Mark, während es heute 1651 RM. beträgt. Ich kenne keinen ^erus im Deutschen Reiche, der es seit dem 1. August 1914 durchsetzen konnte, daß er über das doppelte Einkommen hat, wie die Arbeiterschaft. Wirkliche Not leidet nur der Mittelstand, der christliche wie der jüdische, der gebildete wie der ungebildete, der altere! noch mehr als der jüngere. Tort konnte das Einkommen nicht nur nicht erhalten bleiben, sondern es ist durchschnittlich auf unter den vierten Teil des Friedenseinkommens gesunken. Man kann das jüdische Herz auswirken lassen, wie man will, man kann aber nicht sagen, daß die Lage des Proletariats im Deutschen Reiche besonders schlecht wäre. Nur die Lage der kleinen Familien, die seit kurzer oder längerer Zeit keine Arbeit haben, ist schlecht, aber nicht schlechter, als die Lage des Mittelstandes. Es kommt noch etwas hinzu! Tie fast verzweifelte Lage des Mittelstandes ist unverschuldet, während an der Wirtschaftslage des Proletariats das Proletariat zu erheblichem Teil Schuld trägt, indem jeder einzelne die Führer des Proletariats in geheimer Wahl selbst gewählt hat. Daß die wirtschaftlichen Entschlüsse, die diese fassen, sich zu ungunsten des Proletariats derartig aaswirken, daß die Wirtschaft als solche einen erheblichen Teil nicht beschäftigen kann, sondern abstoßen muß, ist somit eigene Schuld. Hochachtungsvoll Paul K a u t e r. Nachwort. Tie vorfteheude Zuschrift, die in vielen Einzelheiten durchaus verständlich sein mag, stellt als Ganzes betrachtet m. E. ein typisches Beispiel dafür dar, tvie gering das Gesamtbewußtsein in der heutigen Wirtschaft ist. Um mit dem Schluß zu beginnen: Weshalb wählen die Proletarier die Führer des Proletariats selbst in geheimer Wahl, die andern Wirtschaftsgruppen aber ihre Führer nicht ebenso? Wer oder was hindert sie daran? Und kann man wirklich ernsthaft behaupten, daß die Lage des Proletariats infolge der wirtschaftlichen Entschlüsse seiner Führer sich ungünstig gestalten? Sind hier nicht viel tiefer liegende, sich ans Jahrzehnte erstreckende Ursachen die Grundlage? Es ist gegenwärtig in weiten Kreisen fast zur Selbstverständlichkeit geworden, die Not im eigenen Berufsstand stark zu empfinden, bei anderen Berufsständen aber zu übersehen. Ter Mittelstand glaubt, von einem Wohlstand des Proletariats reden zu dürfen, der Landwirt vom Wohlstand des Kaufmanns, der Fabrikant von dem des Tetailisten usw. Eine derartige Betrachtungsweise ist, auch wenn man Sonderlagerungen in Einzelfällen gelten läßt, schon deshalb völlig abwegig, weil die Verflechtung der einzelnen Wirtschjaftsgruppen zu einem Kollekttv innerhalb kürzester Frist einen Ausgleich schafft. Tie wirtschaftliche Not der Gegenwart ist allgemein, und keine ständische Gruppe bildet eine Ausnahme. Kanu man wirklich behaupten, daß es einem Divisions-Kommandeur mit 13000 bis 15 000 RM. jährlichem Einkommen schlechter geht als einem Proletarier, der tagtäglich von der Gefahr bedroht ist, von der Erwerbsloscnunterstützung sein Dasein fristen zu müssen? Ich vermag auch nicht einzusehen, weshalb diese Söhne und Töchter eines Tivisions-Kommanoeurs der Reichswchr studieren, die einer Arbeitnehmer-Familie aber Proletarier werden müssen! Wo bleibt da der vielaerühmte Grundsatz „Freie Bahn dem Tüchtigen"? Weshalb muß für die Berufswahl der Stand des Vaters ausschlaggebend sein? Schließlich gibt es in Proletarierfamilien doch auch Kinder, die noch nicht verdienen können und von den Eltern ernährt werden müssen, und andererseits hoffentlich bei Divisions-Kommandeuren auch Kinder, die das elterliche Einkommen noch aus eigener Arbeit erhöhen. Ich muß, um nicht den Rahmen der Erwiderung zu überschreiten, auf meinen Artikel „Zur Wirtschaftskrise" verweisen. Was uns fehlt, und das geht gerade auch aus der Zuschrift des Herrn Kanter hervor, ist eine synthetische Wirtschaftsauffassung und eine Durchdringung des Wirtschaftslebens mit religiösem Geist. Nur duvch die Neuerweckung eines Kollektivbewußtseins kann, wie ich ausführte, die Ueberwindung der Wirtschaftskrisen, die nachgerade zu einer Dauerkrankheit der Menschheit werden, herbeigeführt werden. Bruno W o y o a. Aus der Ar-Vewegung Verantwort!.: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Zugendvereine Deutschlands Vorsitzender: Dr. Hugo Hoffmann, Frankfurt a. Main Weltbürgertum Von Kan Heinz Peiser, Jüngerengruppe Jli Breslau. Nachstehender Aussatz ist einem Bortrag, gehalten in der Jüngere,,-Gruppe des Breslauer Jli, entnommen. Weltbürgertum kann nur Wirklichkeit werden, wenn sich die Frieoensidee, der Pazifismus durchsetzt. Pazijismus ft ehr also mit Weltbürgertum in engem, in engstem Zusammenhang. Denn die Menschen können sich nie als Bürger eines Weltreiches fühlen, solange noch, Krieg unter den Nationen herrscht, und andererseits werden sich die Menschen solange bekriegen, als sie sich nicht als zusammengehörig, als Bürger erncs Weltreiches suhlen. Weltbürgertum soll und bars keine nebelhafte Beglükkungstheorie sein. Man kann die Menschheit nicht von Grund aus umformen, da sie einmal in Völker geteilt ist. Es wird immer verschiedene Völker geben, aber es soll und wird einmal ein Volk der Menschen geben, das sich nich selbst in Kriegen zerfleischt, sondern sich als Gemeinschaft fühlt. Keine Nation soll ihre Eigenart unterdrücken, jede soll sie bewahren und sogar herausarbeiten, sich aber darum nicht in feindlichen Gegensatz zu den anderen Nationen stellen. Auch, der einzelne muß Wer den Nationalismus im schlechten Sinne hinauskommen, der sich auf oer niedrigsten Kultur* stufe am stäMen ausprägt. Tie Idee des Weltbürgertums hat eine Entwickelung durchgemacht: Im 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Auftlärung hatte sie viele Anhänger und die Begeisterung für das Weltbürgertum fand ihren Höhepunkt in der Französischen Revolution, in der viele geradezu die Erfüllung ihrer Ziele sahen. Aber sie wurden sehr enttäuscht und ernüchtert, es trat eine starte Reaktion ein in Form eines krassen Nationalismus, (der in Deutschland durch den Aufschwung des Deutschen Reiches besonders begünstigt wurde). Erst nach dem großen Kriege gewann die Idee des Weltbürgertums an Macht und ergriff auch weitere Bolkstreise, während sie früher nur in einzelnen hervorragenden Köpfen lebendig war.-— Nun zu etwas, was uns besonders näheliegt, wenn es auch für die Idee des Weltbürgertums nicht von so starker Bedeutung sein mag, zum Judentum. Tie Juden, früher eine nationale Gemeinschaft, sind in der Entwickelung von Jahrhunderten, ja säst Jahrtausenden zu einer rein religiösen Gemeinschaft geworden. Gerade weil das Judentum über die ganze Welt verstreut ist, ist es besonders befähigt, aber auch besonders verpflichtet, im Sinne des Weltbürgertums zu wirken. Wenn Bestrebungen vorhanden sind, wie der Zionismus, der die Juden gewaltsam zu einer nationalen Gemeinschaft machen will, sie also mit den anderen Nationen in eine Reihe stellen will, so ist das eben ein Rückschritt. Die große Ausgabe bleibt es, ans ein Weltreich, religiös gesprochen, aus das alte, jüdische messianische Reich hinzuarbeiten. Eine Vorbereitung des Weltreiches, die bereits in die Praxis umgesetzt ist, ist der Völkerbund, der erst nach dem großen Kriege entstehen konnte und mußte. Tenn dieser Kamps der Maschinen hat die Menschheit reif gemacht, an die Gründung eines Völkerbundes heranzugehen, womit nicht gesagt ist, daß sie auch reis sei, ihn duvchzuführen, einen Völkerbund, in dem jeder Staat ohne Rücksicht aus Größe oder Macht gleiche Rechte haben soll. Auch der Paneuropagedanke muß erwähnt werden, wenn er auch auf rein wirtschaftspolitischer Grundlage aufgebaut ist; denn seine Absicht ist es, in dem wirtschaftlich geeinten Europa, ein Gegengewicht zu Amerika zu schassen' Aber die Durchführung dieses Planes tvürde über das Ziel hinausreichen: die Völker Europas, die Kulturnationen der alten Welt, würden einander nähergebracht werden und vielleicht auch in geistiger Beziehung ein Ganzes bilden, wie es ja zum großen Teil heute schon der Fall ist. Wir könnten dann von einer europäischen Nation sprechen, die in mancher Beziehung einheitlicher wäre als z. B. die indische. Vorbedingung für ein Weltbürgertum und ein Weltreich ist erstens das Zusammenarbeiten aller Völker, denn ein ausgeglichenes umfassendes Reiche kann nicht von einem Volke, sondern nur von der in Nationen gegliederten Menschheit gefunden werden. Und zweitens die Angleichung der Staatswesen, da zwar in einem Weltreich Volksgemeinschaften bestehen werden und diese auch ihre Verfassungen haben können, aber nie die einzelnen Teile allzu verschieden organisiert sein dürfen, wie es heute noch der Fall ist. Ter wesentliche Unterschied zu den augenblicklichen und bisherigen Zuständen ist nicht die Aufgabe des Volkstums, sondern nur die Anerkennung der Gleichberechtigung und der Gleichwertigkeit des anderen Volkes, und daraus ergibt sich von selbst die Erfüllung des pazifistischen Ideals. Es bleiben zwei Möglichkeiten: entweder die Menschheit bekämpft sich weiter bis ins Unendliche, oder sie erstrebt Weltbürgertum im wahrsten Sinne des Wortes. Ter Mittelweg, daß nämlich die Völker ohne Feindseligkeiten und Kriege, aber auch ohne gegenseitiges Verstehen nebeneinander statt miteinander leben, ist hier nicht der „goldene" Mittelweg, sondern kann immer nur eine Uebergangsstuse zum Endziel, nämlich zum Weltreich und zum Weltbürgertum bleiben. Aus der Jti-ArbeU Berlin. (Generalversammlung.) Am 6. April hielt der Berliner „Jli" seine diesjährige Generalversammlung ab. Nachdem Manfred Schwarz die Versammlung eröffnet hatte, nahm Hilde Deutschland bas Wort zu einem Bericht über das letzte Geschäftsjahr. Es folgten die Kassenberichte von Hilde Bach und Irma Kindermanii. Darauf wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Die Neuwahl des Vorstandes schloß sich an. Der neue Vorstand sieht folgendermaßen aus: 1. Vorsitzender: Manfred Schwarz, 2. Vorsitzender: Heinz Kellermann, l. Schriftführerin: Hilde Deutschland, 2. Schriftführer: Adolf Marcuse, 1. Kassenwart: Hilde Bach, 2. Kassenwart: Irma Kindermanii, Beisitzer: Helmut Galliner, Fritz Michaelis, Beiräte: Dr. Arthur Lilienthal, Dr. Ellen Littmann, Betty Marcus. Der Vorstand wird noch 2 weitere Mitglieder kooptieren. Es folgten dann 2 Referate, die Adolf Marcuse und Herbert Schlvarz hielten, mit dem Thema: „Was wollen wir vom Jli?" Adolf Marcuse ging aus von den verschiedenen Austritten ans dem „Jli" während des letzten Jahres. Er glaubte, daß der Grund in der Schlaffheit der Organisation läge. Er schlug vor, damit die Heimabende und gemein^ samen Veranstaltungen besser besucht würden, daß der Führer beim Fehlen seiner Gruppenkinder von wichtigen Veranstaltungen eine Ent schuldigung verlangen sollte. Zur Gruppcneinteilnng meinte er, daß sie augenblicklich keineswegs ideal sei: daß aber die durcheinandergewürfelten Gruppen eine Zwangsmaßnahme seien, da es an Mitgliedern fehle. Um dem abzuhelsen, machte er den Vorschlag, monatlich einen Diskussionsabend oder direkt einen Werbeabend zu veranstalten, zu dem jeder seine Freunde einladcn sollte. Dann sprach er über die Klustfrage. Er meinte, daß Kluft das Gemeinschaftsgefühl fördere; ein Faktor, der ihn am meisten zur Annahme der Kluft bestimme. Auch noch aus anderen Momenten trat er für Kluft ein; z. B. dem sozialen. — Zur Gruppenarbeit bemerkte er, daß er eine rein jüdische ablehne, da viele aus dem „Jli" kein« Gelegenheit hätten, mit Gleichaltrigen über wichtige Weltanschauungsfragen zu sprechen. ihm ging er auf die einzelnen jüdischen Themen ein. Einer allzu großen Beschäftigung mit der Bibel stand er etwas skeptisch gegenüber, da die meisten ungern an die Bibelthcmen herangingen. Er bat, mit diesen Themen Maß zu halten. — Für sehr ivichtig hielt er, daß man sich mit den inncrpolitisch jüdischen Fragen auseinandcrsetze; d. h. mit Orthodoxie, Zionismus und Liberalismus. Zu allgemeinen Themen führte er aus, daß eine Gruppe vor allem 2 Probleme behandeln solle, Sozialismus und Pazifismus. — Zum Schluß schlug er vor, ein Rundschreiben heruingehen zu lassen mit den verschiede,isten Fragen; wieso wir im „Jli" sind, was wir von ihm verlangen usw., um allen Wünschen gerecht zu werden. — Herbert Schwarz' Ausführungen, die darauf folgten, machten den Eindruck eines Korreferats, da der Redner den „Jli" von ganz anderen Gesichtspunkten ansah. Er betrachtete den „Jli" als eine Interessengemeinschaft, die nur für ihre Mitglieder da ist, und deren Schwerpunkt nicht in ihrem Auftreten nach außen hin liegt. lieber die Gruppenarbeit dachte er ungefähr so wie der Vorredner; aber in der Klustfrage, über die nachher viel diskutiert wurde, war er entgegengesetzter Meinung. Er meinte, daß Kluft keine Verbindung, sondern, im Gegenteil, eine „Kluft" zwischen Trägern und Nichtträgcrn schasse. Außerdem seien wir ja tveder eine Jugendbewegung noch ein politischer Schreiverband, für die die Kluft nötig sei. Er wehrte sich gegen eine Schematisierung, die er in der Kluft erblicke und in der er eine Unterdrückung des Individuums sehe. Zum Schluß, stellte er noch -einmal die Frage; was soll der Einzelne für sich aus dem „Jli" mitnehmen? „Wenn der Einzelne mehr aus seinem Innersten hergibt, dann werden die Heimabende nicht nur eine Reihe angenehm verbrachter Stunden, sondern sie werden in ihrer Gesamtheit zum Erlebnis!" — Nach einer schr erregten, leider aber zuletzt vor Erregung ausartenden Diskussion, schloß die Generalversammlung. A. M. Das Jli-Programm finden unsere Leser in der 1. Beilage dieser Zeitung.

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