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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-04-16 · 16 (16.4.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
16 (16.4.1930)
Date
1930-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. Zahrgang Ttummer 16 1. Beilage 16. April 1SZ0 Der ValWna-Serichl der Unlersuchuuas-kommMon Ter Bericht der parlamentarischen Kommission, die England nach Palästina entsandt hatte, um „die Ursachen, die unmittelbar zu dem jüngsten Ausruhr in Palästina den Anstoß gaben, zu untersuchen und Vorschläge zu machen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um eine Wiederholung ähnlicher Unruhen zu vermeiden", liegt vor. Wir haben bereits die wesentlichen Ergebnisse hier vor vierzehn Tagen wiedergegeben. £a wird festgestellt, daß die Unruhen einen arabischen Ueberfall auf Juden darstellten, der auf die zwischen den beiden Völkern bestehende gespannte Atmosphäre zurückzuführen ist. Tie Hetzkampagne, die diese Erregung schürte, ist von den arabischen Führern zumindest wohlwollend geduldet worden. Tiefer Bericht nun hat in zionistischen Kreisen helle Empörung hervorgerufen. In den offiziösen Blättern mäßigt man sich noch. In der Jüdischen Rundschau wird der Bericht bezeichnet als „ein Dokument, das leidenschaftlich umstritten werden wird und bereits auf den ersten Blick eine scharfe Kritik auch von unserer Seite herausfordert". In den Blättern der zionistischen Oppositionsgruppen aber übersteigert man sich geradezu in fanatischen Zornesausbrüchen. So heißt es beispielsweise in der von Robert Stricker herausgegebenen Wiener Zeitung „Tie Neue Welt" in den Ueberschriften: „Nach dem Lügenbericht". - Wie die zaristischen Pogrom-Kommissionen. — Tie Lüge von der Verdrängung. — Unsere englischen Freunde. Eine sonderbare Rede Weizmanns. — Der Zionistenkongreß muß tagen und sprechen!" Warum die Aufregung? Weil jetzt, da der genaue Wortlaut der Feststellungen der Kommissionen bekannt geworden ist, vielleicht recht folgenschwere Ergebnisse für die zukünftige zionistische Partei zeitigen dürften. Ta sind zunächst die Mitteilungen über die E i n st e l - lung der Palästina-Regierung zur Errichtung des „jüdischen N a t i o n a l h e i m s". Es heißt diesbezüglich im Berichte: „Tie Klage, daß die Palästina-Regierung dauernd einen Mangel an Sympathie für die Errichtung des jüdischen Nationalheimes gezeigt hat, und daß ihre Politik eine Politikder Schwäche gewesen ist, ist i n hohem Maße a uj b i e d e m Mandat s e l b st innewohnenden Schwierigkeiten zurückzuführen, sowie auf das Unvermögen, die zweiseitige Natur der Politik, die die Regierung durchzusühren hat, richtig einzuschätzen. Es ist unsere Ansicht, daß die Regierung die schwierige Aufgabe der Einnahme einer neutralen und unparteilichen Haltung zwischen zwei Völkern, deren Führer wenig Eignung zu Kompromissen gezeigt haben, nach bestem Können erfüllt hat." Sehr bezeichnend sind die Feststellungen über die j ü - di s ch e Arbeit und Einwanderung in Palästina, die viel von dem bestätigen, was einsichtsvolle Männer der Praxis seit Jahr und Tag betont haben, ohne bei den verantwortlichen Zionisten Gehör zu finden: „Jüdische Unternehmung und jüdische Einwanderung haben, wo sie nicht die Absorptionsfähigkeit des Landes überschritten haben, Palästina wesentlichen Nutzen gebracht, von dem das arabische Volk profitierte. Wir erachten jedoch, daß die Ansprüche und Forderungen, die von z i o n i st i s ch e r Seite h i n s i ch t l i ch der Zukunft der jüdischen Einwanderung nach P a l ä st i n a v o r g e b r a ch t w o r d e n sind, von einer A r t gewesen s i n d,d a ß sie unter den Arabern d i c Befürchtung geweckt haben, daß sie schließlich ihres Lebensunterhaltes beraubt und unter die politische Herrschaft der Juden kommen werden. Wir erachten ferner, daß Sir John Campbell im Recht war, als er darlegte, daß die Krisis von 1927 und J,928 auf die Tatsache zurückzuführen sei, daß mehr Einwanderer nach Palästina gekommen sind, als sie das Land wirtschaftlich absorbieren konnte." „Es liegt unanfechtbares Beweismaterial dafür vor, daß in der Angelegenheit der Einwanderung ein stärkeres Abweichen seitens dejüdischen A e m t e r von der l 922 durch die Zionistische Organisation angenommenen T o k t r i n e, laut der die Einwanderung nach der wirtschaftlichen Kapazität Palästinas, neue Ankömmlinge zu absorbieren, reguliert werde n s o l l e, sta 1 tgefunden hat. Neben anderen und unmittelbareren Ursachen der Unruhen war das durch die jüdische Einwanderung bei den Arabern verursachte Furchtgefühl ein Faktor, der zu dem Ausbruch der Unruhen beigetragen hat. Tie Auswahl von Immigranten gemäß der Arbeiter Schedula ist im wesentlichen der Allgemeinen Förderation der jüdischen Arbeiter in Palästina anvertraut. In der Bewilligung von Einwanderungszertifikaten ist es die Praxis der Föderation, auf den politischen Glauben der etwaigen Immigranten mehr Gewicht zu legen als auf ihre Qualifikation für die Arbeit in P al ästin a. Tiefes Sy ftem kann nicht gerechtfertigt werden: daß politische Ueberz e u g u n g ein entscheidender Faktor bei der Auswahl unter Immigranten sei, verdient schärfsten E i n w a n d." Stärkstem Interesse begegnen die Empfehlungen der Shaw-Kommission. Sie gipfeln in den Forderungen nach einem klaren Statement der englischen P a l ä st i n a p o l i t i k, nach einer entschiedenen Deklaration bezüglich der Regulierung und der Kontrolle weiterer jüdischer Einwanderung nach Palästina, nach einer wissenschaftlichen Untersuchung von Experten über die Bodenpolitik, nach einer S e l b st r e g i e r u n g, nach, A u s - s ch a l t u n g der Z i o n i st i s ch e n Organisation von der Führung Palästinas (!) und endlich nach einer präzisen Definition der Bedeutung des Artikels 4 des P a l ä ft i n a m a n d a t e s, der von den Rechten der Jewish Agency spricht. Wie man sieht, ein großes Programm. Gespannt blickt man nach London, wv die Regierung des Premierministers Macdonald die Geschicke des englischen Weltreiches lenkt. Und der Herr Premierminister hat auch das Wort genommen, er hat dem von der Untersuchungskommission geforderten Statement vorgegriffen, indem er im Unterhause laut und eindringlich verkündete, die Regierung werde die Verwaltung von Palästina gemäß den Bestimmungen des Mandates f o r t - führe n. Ter Premierminister fügte hinzu, die Verwirklichung des Mandates schließe die Verantwortung für die Errichtung, des Jüdischen Nationalheims in Palästina ein. Es sei dies eine internationale Verpflichtung, der man sich auf keinen Fall entziehen könne. Dabei aber dürfte nichts geschehen, w a s d i e Re ch t e der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina oder die Rechte der Juden in anderen Ländern beeinträchtigen könnte. Tie Regierung sei entschlossen, sowohl die gegenüber dem jüdischen Volke wie die gegenüber der nichtjüdrschen Bevölkerung Palästinas übernommenen Verpflichtungen im Geiste der Balfour-Teklaration in die Wirklichkeit umzusetzeu und allenthalben der palästinensischen Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese Pflicht, der die Regierung sich nicht entziehen könne, werde sie mit allen ihr zur Verfügung ^stehenden Mitteln erfüllen. MacTonald wies daraus hin, daß die Kommission die Aufgabe hatte, me unmittelbaren Ursachen der bedauernswerten Zwischenfälle im August: 1929 zu untersuchen und Maßnahmen vorzuschlagen, wie eine Wiederholung solcher Zwischenfälle in oer Zukunft zu vermeiden sei. Die Kommission war bemüht, sich ihrer Ausgabe in gerechter Weise zu entledigen, aber es liegt in der Natur der Sache, daß ihre Ausgabe eine sehr schwere war. Ihr Bericht erstreckte sich aus ein weites Gebiet. Tie Regierung sei jetzt mit oer Prüfung oieses Berichtes beschäftigt. Ter Premierminister betonte zum Schlußdaß die Willensmeinung der Regierung, für die Zukunft Zwischenfälle auszuschalten, so viel bedeutet, daß genügend Polizeikräfte zur Erhaltung von Ruhe und Frieden sofort zur Verfügung gestellt würden. Rasch verreisen? Aber 0 R B A - Bitter- Schokolade, die Ifraftreserve des Vielbeschäftigten, in handlicher Packungnicht vergessen! Ihr hoher Nährwert ersetzt eine Zwischenmahlzeit. Sie regt an und erquickt köstlich. % Xt HOCHFEIN BITTEP Der frühere Premierminister Balowin, auf dessen Interpellation hin diese Erklärung abgegeben wurde, sprach sein Einverständnis mit der vom Premierminister geäußerten Willenskundgebung der Regierung aus. Auch Lloyd George billigte im Namen der liberalen Partei die Erklärung MacDonalds. Jetzt ist das jüdische Palästina gerettet! Ter Sozialdemokrat MacDonalo hat eine Erklärung abgegeben, die sich fast wörtlich mit oer Balfour-Tellaration deckt, deren schwierige Durchführungsmöglichkeit gerade von der Untersuchungskommission konstatiert wurde, und der Konservative Baldwin und der Liberale Lloyd George haben zu dieser Erklärung zustimmend mit ihren Köpfen genickt. Tas jüdische Palästina hat also wieder einmal eine Versprechung, ähnlich der Balsour-Tetlaration, erhalten. Es wäre aber historisch und politisch gleich falsch, die Balfour- Tellaration isoliert zu betrachten. Sie ist: eine von drei Verheißungen, in denen die englische Regierung ungefähr gleichzeitg ihre künftige Palästinapolitik sestgelegt hat. Und diese Versprechungen sind so widerspruchsvoll, daß sie sich unmöglich reibungslos miteinander in Einklang bringen lassen. Kein anderer als MacTonald hat in seinen Reiseberichten aus Palästi n a aus die schr ei end en Witz e r s p r ü ch e hin gewiesen: „Wir haben eine arabische Revolte gegen die Türkei begünstigt, indem wir versprachen, ein arabisches Königreich aus den arabischen Provinzen des türkischen Reiches zu schaffen einschließlich Palästina. Gleichzeitig ermutigten wir die Inden, uns zu helfen, indem wir ihnen versprachen, daß wir ihnen Palästina zur Ansiedlung und Selbstregierung zur Verfügung stellen würden. Und schließlich haben wir zur gleichen Zeit mit Frankreich! den SykeS- Picot-Geheimvertrag geschlossen, der die Teilung desselben Territoriums vorsah, das unser Generalgouverneur von Aegypten den Arabern versprechen sollte. Hier ist ein k r a s s e r F a l l von D o p p e l z ü n g i g 5 e i t, und wir können uns die Borwürfe über die Folgen nicht erspare n." Als MacTonald diese Feststellung traf, war er noch Führer der Opposition und meinte etwas heftig von seinen politischen Gegnern: „Vielleicht wußte M r. B a l s o u r nicht, was er eigentlich sagte, aber die Regierung tut jetzt ihr Möglichstes, um zu zeigen, daß M r. B al f ours Versprechungen an die Juden denselben wertlosen mm ms wMA1tetye&efc //-; Für Ostern u.die Schule Kleidung nur von 95 LEIPZIGERSTRASSE RNOLD MULLE ___ TAUENTZIENSTRASS E QfQuig, spenaihauf Deutschlands für Kindcrmöden. Kleidung fürjun£e Damen u. jun£<? Herreru. 8 IN PREIS UND QUALITÄT STETS HD'CHSTLEISTU N Ci!

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