Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 16 (16.4.1930)
- Date
- 1930-04-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Doch der panarabische Gedanke bleibt lebendig. Tein Streben gilt nach wie vor dem Ziel der Vereinigung aller arabischen Länder zu einem Staat nach dem Vorbild Teutschlands. Aber diese Vereinigten Staaten von Arabien werden erst möglich sein, wenn jedes Land seine eigene volle Unabhängigkeit errungen haben wird. Heute schon bekennen sich die arabischen Länder, in denen freie Willenskundgebungen der Bevölkerung möglich sind, zu einem geeinten Arabien, und König Ibn Saud selbst ist ein entschiedener Verfechter der panarabischen Idee. Noch heute ist in den arabischen Ländern Politik aufs engste mit Religion verknüpft. Das ist oft für die Erreichung eines geeinten Arabiens von großem Nachteil. Tie religiöse Anschauung der Wahabiten war Anlaß zu den Kämpfen mit anderen Sekten des Islams in Hedschas. Und das öffentliche Leben im Reiche Ibn Sauds ist von diesen religiösen Prinzipien beeinflußt. Nach dem Kamps um die Bewahrung seiner „religiösen Ehre" konnte das Land wieder freier atmen, da als Folge der frühere Freund Englands, Exkönig Hussein und sein Nachfolger und Sohn Ali, aus dem Lande fliehen mußten. Seit etwa dreißig Jahren erstreckt sich das Interesse Englands nicht nur auf die Küste Arabiens, sondern auch auf das Jnnenland. Für das Auswärtige Amt in London bedeutet der Begriff Arabien das große Middle Eastern Empire: ein Reich, das im Osten den persischen Golf, im Westen die Westgrenze Aegyptens und des Sudans, im Norden die Nordgrenze des Bilajets von Aleppo und Mosul bis zunr Euphrat us'd zum Tigris, bis zur Einmündung in das Persische Meer als Grenze hat. Groß-Britannien hatte sich zum Schutze dieses Reiches verpflichtet. Zum nominellen Herrscher wurde 1911 der Khedive Abbas Hilmi 11. von Aegypten und später der Sheriff von Mekka Hussein gewählt. Ter erste Schritt zur Verwirklichung der britischen Herrschaftspläne war die Pilgerfahrt des Exkhediven nach Mekka im Jahre 1911, wo er eine Verständigung mit den einflußreichen arabischen Führern zu erzielen strebte. England be schenkte die Führer mit Geld und Kriegsmaterial. Auch während des Weltkrieges geschah das mehrfach. Tadurch konnte jeder Stammfübrer seinen Rivalen bekämpfen. So entstand Uneinigkeit unter den arabischen Stammen, wodurch die Stellung Englands befestigt wurde. Tie Araber, die den Briten im Weltkriege Hilfe leisteten, sollten als Lohn die Erweiterung der Souveränität erhalten. Doch die Araber tauschten nur das türkische Joch gegen die englische Herrschaft ein, und das große Middle Eastern Empire, wie es sich das britische Kolonial-Ministerium wünscht, wurde Wirklichkeit. Aegypten, der Sudan, Palästina, Trans- Jordanien, Irak und Arabien wurden der britischen Macht untertan. . Ibn Sauds Feldzug nach Mekka zerstörte dieses große britische Araüerreich. Erst wollte er dir Grenzen seines Landes noch auf Kosten der Mandatsgebiete Transjordanien und Irak erweitern, aber dann kam eine Zeit, wo er sich mit ganzer Kraft der Durchführung innerer Reformen widmete. Für Ordnung und Ruhe bei diesem kriegerischen Volk zu sorgen, ist keine leichte Aufgabe. Ibn Saud zwang die Nomaden, seßhaft zu werden, wo in der Wüste eine Wasserquelle war, baute er eine Schule und eine Moschee. Er verteilte das vorhandene Land unter die Nomaden, damit sie zur Landwirtschaft übergehen. Tie strengen religiösen Bestimmungen der Ibn Saud-Sette und die täglichen Vorträge über die Pflichten eines jeden Staatsbürgers wirkten günstig auf alle Zweige des Volkslebens. Noch heute ist der größte Teil der Bevölkerung analphabetisch. Nur sechs bis acht Prozent der Bevölkerung können lesen und schreiben. Neben den verschiedenen Tageszeitungen Aegyptens, Palästinas, Syriens und des Iraks wird im Reiche Ibn Sands das offiziöse Organ der Regierung von Mekka die einzige Landeszeitung gelesen. Neuerdings dringt auch die Technik in dieses Land. Tie Kamele in der Wüste sind überall durch Autos ersetzt. Acht Radiostaiionen werden vom Staat unterhalten. Flugzeuge und moderne Errungenschaften für das Militär fehlen nicht. Wenn das Tempo der Reformierung noch, zehn weitere Jahre anhält, wird man bald statt einerprimitiven Wüste ein zivilisiertes Land vorfinden. Freilich ist für diese Entwicklung ein friedliches Zusammenleben mit den Nachbarstämmen Voraussetzung. Ter wichtigste Nachbar Ibn Sauds ist Jman Yehia von Ucmen. Er hatte in seinem Land sogar zur Zeit der Türkenherrschast seine Souveränität behalten und ist auch heute noch als Souverän des Landes von verschiedenen europäischen Mächten anerkannt. Mit den Briten steht er wegen sieben kleiner Provinzen, die er mit Recht glaubt annektieren zu dürfen, im Konflikt. Es kann nicht bezweifelt werden, daß Nemen eine günstige wirtschaftliche Zukunft hat. Tie Landwirtschaft vor allem liefert die beste Kaffeebohne der Welt, außerdem besitzt das Land mannigfache Bodenschätze. Salz bildet einen erheblichen Teil des Exports. Während so das wirtschaftliche Leben günstig beurteilt werden kann, muß andererseits hervorgehoben werden, daß das Land kulturell auf noch niedrigerer Stufe steht als Ibn Sauds Reich. Auch, hier spielt die Religion eine Hauptrolle im Volksleben, allerdings eine sehr primitive Religion. Mit der Außenwelt steht das Land kaum in Verbindung, aber sein Interesse gilt doch auch den anderen arabischen Ländern. Diese stehen unter britischer und französischer Oberhoheit. Irak, das fruchtbare Land mit seinen Oelquellen, untersteht England. Als Faisul zum König ernannt wurde, verhielt sich England diesen Vasallen gegenüber loyal. Mehrfach hat England schon versprochen, das Land von den Okkupations- Truppen zu räumen und die Unabhüirgigkeit des Landes zu proklamieren. Als Baldwin noch Premier-Minister war, sagte er einmal: „England denkt nicht daran, auch nur einen Tag länger als bis zum Jahre 1928 im Irak zu bleiben, selbst wenn der Völkerbund dies bestimmen würde." Heule ist der Irak immer noch britisches Mandatsgebiet. „Tie ganze Frage des Iraks könnte nur gelöst werden", sagte jetzt ein Vertreter der Londoner Regierung, „wenn in erster Linie die Interessen Englands, dann die Interessen der anderen Fremdmächte und schließlich die Interessen der Jraken selbst berücksichtigt werden würden." Tie Gewaltpolitik der Bagdad-Regierung, unterstützt von dem Britischen Hochkommissar, züchtete eine Bevölkernngsschicht, die jede Tat der Regierung billigte. Bei der Schaffung eines Parlamentes gelang es der Regierung, die Wahl von Männern zu bewerkstelligen, die zu allem kritiklos Ja sagten. Doch neuerdings erstarkt die oppositionelle nationale Partei, da ja klar wurde, daß England niemals auf den Irak verzichten und freiwillig das Land verlassen würde. Es find nicht nur wirtschaftliche Interessen (vor allem Baumwolle und Oel), die England an den Irak fesseln, sondern auch seine günstige Lage lockt die Briten. Tie Tatsachen, daß die gesamte Wirtschaft sich in den .Händen britischer Kapitalisten befindet, daß die Regierung nur das tut, was der britische Hochkommissar befiehlt, verursachte eine neue revolutionäre Strömung im Bolle. Ter erste Erfolg war eine Spaltung in der Regierung, von der sich ein erheblicher Teil der oppositionellen Partei anschloß. Um den Ausbruch einer Revolution zu vermeiden, werden die Engländer wohl einige Reformen zugestehen müssen, die das wirtschaftliche Leben erleichtern und Elend und Armut mildern könnten. Durch die Aufnahme des Irak in den Völkerbund wird eine Beruhigung des Volkes wohl nicht eintretcn, schreibt dock die gesamte Presse von Bagdad wenig freundlich über den s Völkerbund. „Unter der türkischen Herrschaft hatten wir relas tiv mehr Freiheit als unter den Briten", sagte ein Minister des Irak. Abgesehen von der Presse hat sich das kulturelle Leben des Landes in den letzten zwanzig Jahren kaum verändert. England schaffte drei offizielle Organe, die in propagandistischer Weise britische Interessen vertreten. Tie britische Politik aber erstrebt eine Zerstückelung des Landes. Basra sollte abgetrennt werden, die Kurden sollten in ihrem nördlichen Teil das Land autonom verwalten, die religiösen Differenzen zwischen Schütten und Sunieten wurden gleichfalls zur Spaltung des Volkes benutzt. Alle diese Versuche scheiterten. Die Nationalisten unter den Führern des Irak vertreten jetzt die Meinung, daß nur mit dem panarabischen Sieg die Irak-Revolution mit Erfolg beendet werden kann. Deshalb verfechten sie mit Eifer den panarabischen Gedanken. Diesen Gedanken vertreten auch die Syrer, die vor kurzem ihren Unabhängigkeitstag feierten. Kurz nach Beendigung des Weltkrieges zog König Faisul nach Damaskus mit Kriegern aus allen arabischen Ländern Asiens. Hier konnte sich der j panarabische Gedanke frei auswirken. Mehrere Panaraber waren in der Regierung. Tie Unabhängigkeit der gesamten arabischen Länder wurde erklärt. Aber nach kurzer Zeit wurde Faisul gezwungen, gegen die französischen Truppen zu kämpfen, die den Besitz des Landes erstrebten. Faisul fand von englischer Seite Unterstützung und wurde in Bagdad zum König ernannt. Aber der Kampf Syriens gegen Frankreich ging weiter, bis Frankreich erklärte, es werde die Ansprüche und das Verlangen der Führer nachprüfen und sei dann bereit, berechtigten Wünschen nachzukommen. Diese Worte der französischen Regierung beruhigten für einige Zeit das Volk, hinderte aber nicht die blutige Niederschlagung der Trusen- Revolution. Erst die Tchafsung eines Parlamentes brachte einen Umschwung. Ter Wafsenkampf endete. Als aber das Parlament eine Verfassung beschloß, in die die Mandatarmacht Frankreich nicht einbezogen war, wurde es von Frankreich abgesetzt. Eipe provisorische Regierung wurde aus gemäßigten Nationalisten gebildet, die'seit drei Jahren ihre Aemter bekleiden. Tic Versuche, einen Mittelweg zu finden, um die dauernden Krisen zu beseitigen, wurden seitens des französischen Hochkommissars aufgegeben. Tie Pariser Regierung regelte nun die inneren Verhältnisse Syriens. Libanon wurde üou Syrien abgerissen und zu einer selbständigen Republik mit kaum Millionen Einwohnern gemacht, einer Republik, die Syrien zum Vorbild dienen sollte. Auch der Versuch, Aleppo von Syrien abzuschneiden, wurde mehrfach unternommen. Syrien, das in Handel, Kleinindustrie und Landwirtschaft eine wichtige Rolle gespielt hat, ist heute sehr verarmt und in Niedergang begriffen. Die Währung sinkt täglich, der Markt ist verwirrt, die Steuern sind erheblich, die Arbeitslosen verhungern, die Auswanderung dauert an. Die Landwirtschaft ist total verarmt, viele Industrien sind stillgelegt. Alle Voraussetzungen zu einer Revolution sind gegeben. Frankreich steht dieser Entwicklung seit drei Jahren machtlos gegenüber. Tie Unzufriedenheit ergreift täglich neue Kreise. Und auch hier wie im Irak hofft man ans eine gemeinsame Aktion aller Araber. Syrien hat eine viel höher entwickelte Kultur als die vvrhergenannten Länder. Zahlreiche Syrer finden in andern Landern Platz und Arbeit. Fast jede Mittelstadt Syriens hat ihre eigene Zeitung. Wenn Aegypten der ideologische Führer der gesamten arabischen Länder genannt werden kann, so ist Syrien die rechte .Hand des Nillandes. Auch die A. aberbewegung in Palästina unterscheidet sich im Prinzip nicht von den Bewegungen in den andern arabischen Ländern. Volle Unabhängigkeit ist ihr Ziel. Tie palästinensische Araberbewegung hat Rassen- und Religions- Vorurteile überwunden. Würden sich heute die jüdischen Gemeinden in Palästina für die Souveränität des Landes einsetzen, so würde in der Zukunft ein Streit zwischen Juden uud Araberrr in Palästina überhaupt nicht entstehen. Kein Araber ist gegen die Gleichberechtigung der Juden in Palästina. wogegen er sich wendet, das ist staatliche Bevorrechtn-'g cher Juden. Freilich: die augenblickliche Staatsführung ruck Staatsform sind das Gegenteil von dem, was die Araber erstreben. Instinktiv fühlen sie, daß jeder Begünstiger dieser Regierung ein Feind der Unabhängigkeit Arabiens ist. Das crnzig Natürliche und Logische wäre ein gemeinsames Vorgehen und ein gemeinsamer Kampf für Palästina gegen die britische Macht — natürlich, weil Juden und Araber verwandt sind, und logisch, weil weder die Juden noch die Araber billigen können, daß das Land von Fremden beherrscht und von Fremden genutzt wird. Wenn in jüdischen Kreisen ernster Wille zu einer Verständigung mit den Arabern Palästinas vorhanden ist, wird es an Mitteln und Wegen zur Verwirklichung nicht mangeln. Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif, um eine Lösung der gesamten arabischen Frage zu ermöglichen. Toch was gefordert werden muß, ist, daß rein Volt und kein Staat die Lage noch erschwert. Tie Befreiung der arabischen Länder wird die Befreiung anderer Völker und Länder im Gefolge haben. Und das Ergebnis des Freiheitskampfes wird ein Segen für die Welt sein. Eineu weiteren Aussatz über „Aegyptens FreiWtskamps" ircrösseiMichcn wir in der 1. Beilage. Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Bilanz per 31. Dezember 1929 Aktiva Kasse, fremde Gcldsorten u. füllige Zins- und Dividendenscheinc . . Guthaben bei Noten- und Abrechnung- (Clearing-) Danken . . Schecks, Wechsel und unverzinsliche Schatzamveisungen . . . Nostrogutbaben bei Banken und Bankfirmen mit Fälligkeit bis zu 3 Monaten. Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere . . Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerto Waren. Eigene Wertpapiere . Konsortialbeteiligungen . . . . Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen Debitoren in laufender Rechnung Bankgebäude . Summa der Aktiva UM 25 375 459,40 54 222 370,92 605 316 091,33 257 722 608,62 160 989 520,60 377 618 276,80 38 000 C00,_ 37 000 000,— 24 000 000,— 1 016 777 353,07 25 OQQ OOQ,— 2 622 021 680,74 Passiva Aktienkapital . Reserven . Kreditoren ...... Akzepte .. Pensionsfonds für Beamte Sonstige Passiva . . . . Gewinn-Saldo . Summa der Passiva RM 60 000 000,— 60 003 C00,_ 2 383 555 054,83 90 183 712,13 5 000 000,— 11 483 741,61 11 799 172,17 2 622 021 680,74 Gewinn- und Verlust-Konto pro 1929 I Soli Verwaltungskosten Steuern . Gewinn-Saldo_. . 75 773 942.02 Haben Provisionen. Wechsel und Zinsen einschlieBlich des Gewinnes auf Kupons und Sorten . G ewinn-Vortrag von 1928 . . . 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