Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 16 (16.4.1930)
- Date
- 1930-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rottungspolitik), deren Urheber der erste japanische Gouverneur, General Terautschi, war. Tiefe Politik wurde abgelöst durch die sogenannte „Kulturpolitik" des Admirals Saito, der nach der Märzrevolution vom Jahre 1919 nach Korea gesandt wurde, um dort die Atmosphäre zu beruhigen. Der Unterschied zwischen den beiden politischen Systemen reduziert sich in der Wirklichkeit nur auf die Uniform. Unter dem General Terautschi war es das Gendarmeriesystem; Saito hat es durch Beamte ohne Uniform und Polizei ersetzt. Nach der Ankündigung des Systems der „Kulturpolitik" entstanden in ganz Korea Verbände der Jugend, Bauern und Arbeiter. Auch die Frauen organisierten sich in einer Vereinigung „Kunuhö". Tie Führung der Unabhängigkeitsbewegung übernahm die nationale Partei „Shinkanhö". Diese Organisationen waren zwar geduldet, aber die Einführung der. „Kulturpolitik" gab ihnen nicht nur keine gesetzliche! Basis, sondern verurteilte sie durch Versammlungsverbote! usw. zur Ohnmacht und Untätigkeit. Ten Schulkindern ist es verboten, sich zu vereinigen, jede „Versammlung" von über zwei Personen muß polizeilich gemeldet werden. Es gibt keine politische Versammlungs-, Presse- und Redefreiheit. Tie japanische Polizei kann ganz willkürlich verhaften, einkerkern und foltern. In welchem Ausmaße sie von diesem „Rechte" Gebrauch macht, geht aus der Zahl der im Jahre 1928 Verhafteten hervor. In den ersten elf Monaten des Jahres 1928 wurden 158 000 Verhaftungen aus politischen Motiven vorgenommen. Tiefe Zahl wird angesichts der neuen großen revolutionären Bewegungen im letzten Jahre und gegenwärtig wohl übertroffen werden. Tie japanische Kolonialregiernng gibt zur Bekämpfung der koreanischen Unabhängigkeitsbewegüng riesige Summen aus. Im Jahre 1919 betrugen die offiziellen Ausgaben für die Polizei ca. 4 Millionen Neu (1 Aen ca. 2 RM.). Sie stiegen auf 20 Millionen Peu im Jahre 1929. Tie Polizeikräfte sind in den letzten zehn Jahren verfünffacht worden. Tie Ausgaben für den Geheimfond betragen jährlich 450000 Pen, während für soziale Fürsorge nur 170000 Uen ausgegeben werden. Das sind wahrlich sonderbare Beweise für eine „Kulturpolitik" und für die Zufriedenheit eines Volkes. Wenn auch einige koreanische Zeitungen und Zeitschriften unter strenger Zensur erscheinen durften, so ist doch kennzeichnend, daß durchschnittlich monatlich ein Drittel der Zeitungsausgaben beschlagnahmt wird, ja oft sogar für Monate Zeitungsverbote erlassen werden. Tie Manuskripte der Zeitungen, Mitteilungen von Vereinen müssen vor der Veröffentlichung der Polizei vorgelegt werden. Viele koreanische Journalisten sind schon anti-japanischer Artikel wegen verhaftet und zu jahrelangen Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt worden. Tie Schulpolitik Japans in Korea wird von folgenden Motiven geleitet: 1. Das koreanische Volk soll in Unkenntnis gehalten werden, damit die Versklavung ungehindert weitergeführt werden kann. 2. soll die Erziehung (soweit sie sich als unumgänglich notwendig erweist) eine Assimilierung bezwecken. Tiefe Grundsätze der japanischen Politik blieben in beu erwähnten zwei Perioden dieselben. Tie Direktoren der staatlichen und städtischen Schulen sind stets Japaner. An den Privatschulen muß mindestens ein Japaner als Lehrer angestellt sein. Als Unterrichtssprache wird an den Schulen und Universitäten nur Japanisch zugehassen. Bei all diesen politisch zweckmäßigen Erziehungsmaßnahmen Japans in der Schule vergißt es völlig die wirkliche menschliche Fortbildung und Erziehung, die Erziehung im eigentlichen Sinne des Wortes. Um die Ziele der japanischen Assimilationspolitik zu erreichen, wird die Geschichte gefälscht. Es wird versucht, den Freiheitsgedanken und die Idee der Unabhängigkeit Koreas vollkommen auszurotten. Ten Kindern wird früh schon Verehrung für seine Majestät, den japanischen Kaiser, eingeflößt. Tie japanischen Lehrer, die die koreanischen Schüler und Studenten unterrichten, stehen in enger Verbindung mit der Polizei, der sie Tenunziautendienste ictfteu. Bei all dem ist es auch klar, daß die japanische Regierung die japanischen Kinder in Korea bevorzugt. Nach dem Erziehungsetat für das Jahr 1929 gab sie für ein japanisches Kind je 114 Pen aus, für ein koreanisches nur 26 Aen, d. h. nicht einmal ein Viertel des Betrages, den sie für ein japanisches Kind verauslagt. Tiefe Schulverhältnisse verursachen, zusammen mit den allgemeinen Verhältnissen, die immer mehr wachsende Zahl von Schulstreiks. Nach der japanischen offiziellen Statistik vom 27. Mai 1929 ergibt sich folgendes Bild: 1921 22 Streiks, 1925 48 Streiks, 1922 52 Streiks. 1926 55 Streiks, 1923 57 Streiks, 1927 72 Streiks, 1924 14 Streiks, 1928 83 Streiks. Tie Zahl der Schulstreiks hat sich im Jahre 1929 riesig permehrt. Allein in den Monaten Dezember 1929 und Januar dieses Jahres zählte man schon über 100 Schulstreiks. Zum Studium an der Universität werden nur diejenigen zugelassen, die reich sind, noch nicht an Schulstreiks teilgenommen haben, und die nicht anti-japanisch eingüstellt sind. Tie Intellektuellen und die Führer der Arbeiter- und Bauernbewegung, die gegen die japanische Schulpolitik eingestellt sind, bekämpfen den Analphabetismus der Massen durch die Aufrechterhaltung privater Schulen. Auch diese Bewegung wird streng kontrolliert. Oft werden solche Schulen aufgelöst und die Lehrer grundlos verhaftet. Daraus ergibt sich, daß, so lange der japanische Imperialismus über Korea so ausrottend und unterdrückend herrscht, und anders können ja die Aeußerungen eines jeden Imperialismus nicht sein, das Volk sich nie ganz vom Analphabetismus wird befreien können. Tie wirtschaftliche Lage Koreas Tie japanische Unterdrückung führt zu einer immer größer werdenden Verelendung des koreanischen Volkes. Ties Mommsen - uiMerei neu emifnei! Wäsche aller Art Spezialitäten t Herrenwäsche — Pfundwäsche — Gardinenspannerei Sauberste und schonendste Behandlung der Wäsche Mäßige Preise Abholung und Lieferung frei Haus in allen Stadtgegenden auf telefonischen Anruf Mommsen-Wäscherei Inhaber: E. Haupt Charlotten bürg, Mommsenstr. 63, Tel.: Bismarck 6489 (In unmittelbarer Nähe des Kurfürstendamms u. des Savignyplatees) Versammlungskalender Berlin. Liberaler verein für die Angelegenheit«« der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. (Bezirksgruppe üarlshorst) gemeinsam mit der Israelitischen Bereinigung zu Karlsharst-Friedrichsfelde E. v. Gottesdienst mit Seelenfeier (Ritus Reue Synagoge) am Pesfachfeft, Sonntag, den 2V. April 1930, morgens 9.45 Uhr pünktlich» ln der Aula des Kant-Realgymnasiums, Karlshorst, Treskowallee 42/43. Predigt: George Goetz. Wir rechnen bestimmt damit, daß unsere Glaubensgenossen vollzählig erscheinen. Berlin. Liberaler Verein sür die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeind« zu Berlin E. B., Bezirlsgruppe Halensee-Grunewald. Am Montag, den 28. April, abends 8.39 Uhr, spricht Herr Rabbiner Dr. Rvrben- Elberseld im Saal des „Pfchorr-Haus", Tauentzienstraße 13 (GedSchtniskirche), Hauptausgang, 1. Stock links, über das Thema: „Das jüdische Schrifttum über die Bewertung und die Behandlung von Richtjuden". Herr Oberkantor Wilhelm Friedmann hat es liebenswürdigerweise übernommen, den Abend mit Gesangsdarbietungen zu umrahmen. (Am Klavier: Frau Lili Goetz.) Rach den Vorträgen geselliges Beisammensein. Gäste herzlich willkommen. * j Gottesdienste » Berklrr-R-rdrir. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 18. April, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Hermann Cohn. Sonnabend, 19. April, vormittags 19 Uhr, Predigt: Dr. Swarsensly, abends 7.15 Uhr, Predigt: Rabbiner Dr. Weyl. Sonntag, 2V. April, vormittags 10 Uhr, Predigt und Seelenfeier: Prof. Friedländer. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstraße 29-30). Freitag, 18. April, abends 7.39 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Platte. Sonntag, 20. April, vormittags 10 Uhr, Predigt und Seelenfeier: Dr. Hermann Cohn. Berttn-Vestend. Liberal« Synagoge Westend (Aula Leistilowstr. 7, nahe Reichs» kanzlerplah). Freitag, 18. April, 7 Uhr abends, Predigt: Dr. Swarsensky. Sonntag, 20. April, vormittags 10.30 Uhr, Predigt und Seelenfeier: Dr. Swarfenfky. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienschule, Nikolsburger Platz). Freitag, 13. April, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Boos. Sonnabend und Sonntag im BÜrgersaal des Rathauses Schöneberg, Rudolf Wilde-Platz. Sonnabend, 7.15 Uhr abends, Predigt: Dr. Wiener, Liturgie: Oberkantor Magnus Davidsohn. Sonntag, vormittags 10 Uhr, Predigt und Seelenfeier: Dr. Galliner. Berlin. Jüdisch« Reform-Gemeinde. Festgottesdienste am Sonntag, den 20. April, Pefsach-Schlnßfeft mit Seelenfeier. Johannisstraße 16: vormittags 10 Uhr, Predigt: Dr. Jelski. Kleiststraße 10: vormittags 10 Uhr, Predigt: Dr. Lehmann. kommt besonders stark zum Ausdruck, wenn wir die wirtschaftliche Lage Koreas untersuchen und erkennen, welche Schritte die Japaner zur systematischen Ausbeutung Koreas unternommen haben. Tie Wirtschaftspolitik der japanischen Imperialisten in Korea läßt sich in folgenden Sätzen zusammenfassen: 1. Ausbau des Eisenbahnnetzes. 2. Steigerung der Reisproduktion durch Anlegen von Wasserreservoiren. 3. Eine gewisse Industrialisierung. Was für eine Bedeutung hat sür Korea der Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Straßen, die von koreanischen Arbeitern und Bauern mittels Zwangsarbeit gebaut werden? Sollten die Koreaner nicht den Japanern dafür dankbar sein? Tie Ansdehnung des Eisenbahnnetzes spielt einerseits militärisch eine wichtige Rolle zur Niederhaltung Koreas und zur Ausdehnung des japanischen Imperialismus auf dem Kontinent und andererseits wirtschaftlich zur stärkeren Durchdringung und Ausbeutung Koreas durch das japanische Kapital. Tie Steigerung der Reisproduktion Koreas wird von den Sorgen Japans bestimmt, und nicht von den Interessen der Koreaner. Für Japan sind die Schwierigkeiten für die Nahrungsversorgung der schnell anwachsenden Bevölkerung infolge der raschen Industrialisierung ihres Landes gestiegen. Tie koreanischen Bauern, die mehr und mehr verarmen, sind gezwungen, an Stelle des Reis minderwertigere mandschurische Hirse zur Nahrung zu verwenden, falls sie nicht vorziehen, auszuwandern. Tie Zahl der ausgewanderten Koreaner beträgt über drei Millionen. Allein nach der Mandschurei sind in beu letzten zehn Jahren 350000 Koreaner ausgewandert. Für die rasche Verarmung der Bauern ist zum Teil maßgebend, daß die Wasserreservoirs „bie für die nötige Bewässerung der Reisfelder sorgen, mit japanischem Kapital gebaut worden sind. Tie Beträge, für die die Bauern aufzukommen haben, müssen in 30 Jahren bezahlt sein. Sie sind so hoch, daß die Ernte zur Bezahlung nicht genügt. Infolge der allgemeinen schlechten Verhältnisse müssen viele Bauern die Ernte sofort abstoßen und können nur zu äußerst niedrigen Preisen verkaufen. Sie sind daher bald zur Veräußerung ihrer Ländereien gezwungen, die ihnen vor allem von der „Ostasiatischen Kolonisationsgesellschaft", die im Jahre 1908 von der japanischen Regierung gegründet wurde, zu lächerlichen Preisen abgekauft werden. Von ihr und privaten Gesellschaften wird dann der Boden billig japanischen Kolonisten abgegeben. Wie wirkt sich die japanische „Kulturpolitik" auf dem Gebiete der Industrialisierung aus? Das japanisch« Kapital ist schon so fest in Korea verwurzelt, daß die Entwicklung koreanischer Unternehmungen so gut wie unmöglich ist. Nach der Statistik sür das Jahr 1927 betrug der koreanische Anteil an dem in der Industrie investierten Kapital 4,9 Prozent. Das Bankwesen liegt vollständig in den Händen der Japaner. Ter Kamps gegen den japanischen Imperialismus. Tie Ann^ion Koreas durck den japanischen Imperialismus verstärkte die anti-japamsche Bewegung. Diese war entstanden, sobald in Korea die Annexionsgelüste Japans bekannt wurden. In dieser Zeit wurde der Kampf gegen Japan vor allem durch die Jbyeng (eine Art Freister) geführt, die dem Staate in gefährlichen Zeiten zu Hilfe eilte. Im ganzen Lande floß das Blut in Strömen. Ter in jenen Jahren begonnene Kampf gegen den Jmperialis- STOLtWERO^ iDoh Ifch m ccJic ml nahrhaft. mus geht heute noch, wenn auch in veränderten Formen, weiter. Abgesehen von Heldentaten einzelner koreanischer Revolutionäre und von den Bewegungen in einzelnen Gebieten Koreas muß hier die revolutionäre Bewegung der Massen erwähnt werden. Am 1. März des Jahres 1919 — neun Jahre nach der Annexion Koreas — brach in ganz Korea gleichzeitig eine revolutionäre Bewegung aus, die von den Japanern grausam unterdrückt wurde. An den Tiemonstrationen während der Märzrevolution nahmen im ganzm Lande über zwei Millionen Menschen teil. Man zählte auf koreanischer Seite 7509 Tote und 15 961 Verwundete. 46 948 Koreaner wurden bei dieser Gelegenheit eingekerkert. Zwei Schulen und 715 Häuser wurden von den Japanern niedergebrannt. Solche Gentetzel wurden von den Japanern nicht nur innerhalb Koreas, sondern auch unter den Koreanern in Japan und in der Mandschurei veranstaltet. Wahrend des Vernichtungsseldzuges in die Ostmandschurei im Herbst des Jahres 1919 gegen die dort lebenden koreanischen Revolutionäre, die von der Mandschurei her immer wieder gegen Nordkorea vorstießen und japanische Beamte und Garnisonen überfielen, wurden 3106 Koreaner getötet. Beim Erdbeben in Japan im Jahre 1923 wurden dort ca. 5009 koreanische Arbeiter und Studenten getötet. Bon japanischer imperialistischer Seite aus wurde dieses Ereignis zu einer Hetze gegen die Koreaner benützt, die auch ihre blutigen Früchte trug. Nach dieser Märzrevolution hat sich der Charakter der koreanischen Unabhängigkeitsbewegüng stark geändert. Die durch die japanische Unterdrückung und Ausbeutung hervorgerufene Proletarisierung führte zu einer immer aktiveren Beteiligung der Arbeiter und Bauern am Kampf, und sie geben heute der Bewegung ihr Gepräge. Ein Beweis dafür ist die neue revolutionäre Bewegung, die durch die Mißhandlung einer koreanischen Schülerin durch japanische Schüler ausgelöst wurde, sich über ganz Korea ausbreitete und heute noch fortdauert. Mehrere hundert Fabriken und Schulen haben bis jetzt gestreikt. Tie Zahl der - Demonstranten geht in die Zehntausende. Ter Kamps wird unter der Losung „Nieder mit dem japanischen Imperialismus. Es lebe der anti-imperialistische Kampf", „Es lebe die Unabhängigkeit der unterdrückten Völker", „Nieder mit dem imperialistischen Krieg" geführt. Tie Zahl der im Laufe der Bewegung Verhafteten beträgt schon 117171. Tie Zahl der Teilnehmer wird auf über 200000 geschätzt. Tie Zahl der Toten und Verwundeten ist sehr groß. Allein in Busang wurden 100 Fischer ermordet. Wir Koreaner wissen, daß nur ein unermüdlicher Kampf uns von dem japanischen Imperialismus befreien kann. Wir wissen sehr wohl, daß unser gemeinsamer Feind, der WÄtimperialismus, nur mit vereinten Kräften geschlagen werden kann, und haben uns daher mit den Organisationen der anderen unterdriickten Völker in der Liga gegen Imperialismus vereinigt. Der Freiheitskampf der arabischen Länder Von Ibrahim I. Houssest Tie arabischen Länder der Welt verteilen sich aus zwei Kontinente: Afrika und Asien. Schon vor dem Weltkrieg beherrschten die europäischen Mächte England, Italien, Fran^ reich und Spanien die gesamten arabischen Länder Afrikas als Kolonien oder Halbkolonien. Tie arabischen Länder Asiens standen mehr oder weniger unter der Herrschaft des ottomanischen Sultanats; doch sie waren gleichzeitig Objekt der britischen und französischen Interessen und litten so unter doppelter Ausbeutung. Lange vor dem Weltkrieg war sich die Intelligenz der arabischen Länder darüber klar, daß man alle in Frage kommenden imperialistischen Mächte als einen einheitlichen Gegner zu betrachten habe. Schon irn ottomanischen Reich wurde 1908 dem Imperialismus offener Kampf angesapt. Zu dieser Zeit entstand die panarabische Bewegung, die sich vorerst in allgemeinen Kongressen auswirkte, die in Beirut, Kairo und Paris stattfanden. Zwar blieb die Bewegung vorerst unorganisiert, doch die führenden Männer in allen arabischen Ländern führten eine gegenseitige Verständigung herbei. Das zeigte sich am besten bei den Kämpfen von Tripolis gegen Italien und später bei den Kämpfen Syriens und Marokkos gegen Frankreich und Italien. An allen diesen Kämpfen beteiligten sich nicht nur Einheimische, sondern auch Aegypter, Tunesier, Palästinenser, Jraken usw. in dem Bewußtsein, für ihre eigene Sache damit einzutreton. Doch der Mangel einer hinreichenden Organisation mußte zur Folge haben, daß jeder Einzelkampf in einem der arabischen Länder mit einer Niederlage endete. Interessant dürste sein, daß auch gemäßigte Nationalisten, die in ihrer eigenen Heimat von Rechts- und Linksradikalen als Verräter bezeichnet, werden, sich nicht selten als eifrige Vorkämpfer ftir Panarabien zeigten und offen an den Kriegen gegen oie impe^ rialistischen Mächte teilnahmen. Ter seit eimgen Jahren bestehenden Absicht, einen Kongreß aller arabischen Länder einzuberufen, stehen zur Zeit noch unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Reben solchen innerer Natur verhindern auch die imperialiftischen Mächte des arabischen Orients die Verwirklichung einer derartigen Absicht. Muß doch die Herrschaft der Fremdmächte gefährdet sein, sobald die Millionen Araber, die die Länder von dev Küste des Stillen Ozeans bis zur Küste des Atlantischen Ozeans bewohnen, in voller Einigkeit ihren Willen zur Freiheit kundtun.