Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 15 (9.4.1930)
- Date
- 1930-04-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614068--3527-2621127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Tchweigend aus dem Judentum hinaus, ohne daß man ihre Zähl feststellen kann. Diesem Niedergang kann nur gesteuert werden durch positiv religiösen Liberalismus. Der Redner zeigt«, wie diese Betrachtungen zu bestimmten, formulierbaren Forderungen sür unser jüdische- Gememdeleben führen, von denen er die Forderung nach getrennten Kulturkommissionen, die Stellung zur jüdischen Schule und vor allen Dingen unser Verhältnis zu den Ostjuden ausführlich behandelte. Was die Ostjudenfrage betrifft, so legte der Redner dar, daH di« vielfache Forderung nach Karenzzeit keine „Bedrückung" der Ostjuden darstcllt, weil auch wir deutschen Juden diese Karenzzeit auf uns angewnadt wissen wollen, wenn wir nach dem Auslande verziehen. Umgekehrt darf aber die Feststellung, daß unsere Gemeinden, wie We jedes Landes, nationalkulturelle Färbung tragen, nicht zum Vorwand für Ostjudenfeindschaft gemacht werden; im Gegenteil müssen wir liberalen Juden die von uns geforderte Akklimatisierung der Ostjuden tätig und liebevoll fördern. In welcher Weise das zu geschehen habe, zeigte der Redner an einer Anzahl von Beispielen und erinnerte dabei u. a. an das vorbildliche Wirken des früheren Danzigc? Gemeinderabbiners Dr. Kaelter. Der Referent kam im Zusammenhang seiner Ausführungen auch ausführlich auf den Zionismus und die Jewish Agency zu sprechen. Die Annahme, daß es sich hierbei um Uebereinstimmung von Religion und Realpolitik handle, erweist sich bei näherer Betrachtung als irrig, weil der nationale Palästina- Aufbau sich als, «ine Utopie, also als das Gegenteil von Realpolitik erwiesen hat, wodurch das Unglück der Juden in der Welt in erschreckender Weise vermehrt worden ist. Die wirkliche realpolitischc und zugleich religiöse Aufgabe des Judentums ist die Emanzipation der Juden in allen ihren Heimatländern, auf die sie auch ein tatsächliches- „historisches" Anrecht haben. An die sehr anregenden und instruktiven Ausführungen des Redners schloß sich eine kurze Diskussion an, in welcher die Herren Justizrat Fabian und Deworetzki zu Worte kamen. Stettin. (Mitgliederversammlung.) Am Montag, den 24. März, fand «ine Mitgliederversammlung statt, in weicher Herr Rechtsantvalt Schaeser über „Das liberale Einheitsgebetbuch" sprach. Der Vortragende gab in großen Zügen ein Bild der Entstehung des jüdischen Gottesdienstes, insbesondere der Gebetsform. Diese Einleitung war besonders deswegen wertvoll, weil man hiernach beurteilen konnte, welche Gebete den Grundstock unserer gottesdienstlichen Ordnung seit altersher bilden und welche Gebete andererseits später hinzugekommen sind und teilweise nur poetisches Rankwerk darsteUen. Das neue vom liberalen Kultusausschuß des Preußischen Landesverbandes herausgegebene liberale Einhcitsgebetbuch besitzt gegenüber dem hier eingcführten Bogelsteinschen Gebetbuch eine bessere, sinn-- getreuere Uebersetzung und weist gewisse, aber nur unwesentliche Kürzungen auf. Im Wesen des Einheitsgebetbuchcs liegt es, wenn in ihm manche gottesdienstlichen Teile, die vielerorts verschieden gebräuchlich sind, in verschiedenen Fassungen ausgesührt sind, im großen Ganzen aber weicht es von unserm jetzigen Bogelsteinschen Gebetbuch nicht sehr weitgehend ab. Eine durchgreifende Reform unseres Gottesdienstes seit mit diesem Gebetbuche keineswegs geschaffen, solange aber eine solche nicht einheitlich verwirklicht sei, könne die Einführung des Gebetbuches, wobei ja auch unsere Chorpartituren unverändert bleiben dürsten, empfohlen »oerden. Hieran schloß sich eine längere Aussprache, in der verschiedene Wünsche zwecks Reformierung unseres Gottesdienstes ausgesprochen wurden, besonders bezüglich mancherlei Kürzungen und der jetzt leider vielfach unbeachteten Thoravorlesung. Infolge der vorgerückten Stunde wurde eine weitere Aussprache hierüber vertagt, und man schritt zu den Borstandswahlen. Als Vorsitzender wurde Herr Rechtsanwalt Auerbach neu gewählt; die übrigen Vorstandsmitglieder: die Herren Dr. Meyer, Dr. Tobias, Albert Rosenthal, Max Hirsch und- Fritz Apolant wurden wiedergewählt. Auf eine Anregung aus der Versammlung, auch Frauen in den Vorstand aufzunehmen, wurden die Damen Amalie Alexander, Ella Rieß und Grete Peiser gewählt. Vereinsnachrichten Konzert in der Singakademie am Donnerstag, den 17. April 1930, abends 8>/z Uhr, veranstaltet vom Reichshund jüdischer Frontsoldaten, Bezirk Nord. Mitwirkende: Jüdische Orchcstervcrciiii gung unter Leitung ihres Dirigenten Leo Kops, Oberkantor Leo Gollanin, Willy Frey (Violine). Eintrittskarten von Mk. 0,60 bis 1,50 sind im Büro, Burgstraßc 26, Weidendamm 8903, und Bote & Bock, Leipziger Straße 37 und Tauentzienstraße 7 b, zu haben. Jüdische Nrrussberatung und Lehrstellenvermittlung. Sprechstunden: Für Mädchen: Montags und Donnerstags von 10—1 Uhr vormittags. Für Knaben: Dienstags und Freitags von 10—1 Uhr vormittags. Für die Bewohner des Westens Berlins und der westlichen Vororte:' Knaben und- Mädchen: Donnerstags von 3—6 Uhr nachmittags im Synagogmgebäude Fasan-cnstraße 79. Es ist zweckmäßig, beim Besuch unserer BerufsbcratuwgSstelle etwaige Handfertigkeitsarbeiten sowie die letzten Schulzeugnisse mitzubringen. Wir suchen noch handwerkliche Lehrstellen. Arbeitsgenrschast der Jüdischen Arbeitsnachtvcise, Abteilung Berufsberatung. Berlin N. 2-1, Auguststraße 17, Telephon: Weidend«mm 5936. Mitteilung. Am 1. April d. I. konnte die Leder- und Galanteriewaren- Fabrik Rob. Hart mann & Neuhahn , jetzt Berlin S. 42, Alexandri n e nstraßc 97, auf ein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma gehört zu den ältesten der Branche und hat sich in allen Teile» der bewohnten Welt einen treuen Freundes- und Kundenkreis geschaffen. Durch die rührige und umsichtige Leitung des jetzigen Inhabers, Herrn Siegmund Bereliowitz, hat sich das Unternehmen gut fortentwickelt; das Jubiläum wurde zeitgemäß nur durch Verlegung iu größere, moderner eingerichtete Räume gefeiert. Spendenliste Dr. M. Spanier, Berlin; Liber. Gemeindeverein, Nürnberg; Julius Hirsch, Dresden; Dr. Jul. Woyda, Leipzig; Dr. M. Ginsberg, Berlin; J.-R. Dr. Cohn, Dessau: Arnold Schwarz, Breslau; L. Jonas, Dortmund; R.-A. Dr.' Katzenstein, Bielefeld; Wilh. Kronhcim. Magdeburg; Dr. Hayum, Tübingen; Dr. E. Schlesinger, Berlin; H. Selinger, Lörrach; Mar Metz, Liegnitz; John Levi, Breslau; Stud.-Tir. Dr. Gutmann, Berlin; Rabb. Tr. Samuel, Essen; Sali Levi, Paris; Ortsgruppe Konstanz; Leopold Domnauer, Berlin; Moritz Sichel, Stuttgart; Dr. Eduard Baerwald, Frantsurt a. M.; Jüd.-lib. Bereinigung, "Mannheim; Pros. Stein, Karlsruhe; Tr. Mor. Strauß. Karlsruhe; Max Knopf, Karlsruhe; Fa. Elsaß u. Neumann, Karlsruhe; Dr. Fritz Strauß, Karlsruhe; Rudolf Alsberg, Duisburg; Harry Dannenberg, Duisburg; Arthur Gerson, Duisburg; Albin Hirsch, Duisburg; Siegfr. Hoffnung, Duisburg; Tr. Jüllich. Duisburg; R.-A. Tr. Katzenstein, Duisburg; R.-A. Dr. Kaufmann I, R -A. Tr. Kaufmann II, Duisburg; Ernst Lauter, Duisburg. DARMSTADTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellschaft auf Aktien Berlin Der GesdiSftsberidii für das Jahr 1929 ist erschienen und kann durch unser Archiv (Behrenstra/je 5) und unsere Niederlassungen bezogen werden ün das naturreine Cocos-Speisefett AriMfar f DRESDNER BANK Der Geschäftsbericht für das Jahr 1929, der in der am Freitag, den 11. April d. Js. vormittags 11% Uhr in Dresden, Johann - Straße 3 stattfindenden siebenundfünfzigsten ordentlichen Generalversammlung zur Vorlage gelangt, ist erschienen und kann von den Aktionären bei allen Niederlassungen in Empfang genommen werden. ras by i J. DOBRIN9Konditorei Jerusalemer Str.ltt Ztr. 7986,2927 Da.ISii Spaiidauer Hrtlcke 7 Potsdamer»tr.lö8,Mot»str.lO Ztr. 7986, Weidend. 6030, Linkste. 18 Der Verkauf meiner Österlichen Kuchen sowie Torten findet in diesem Jahre nur Spandauer Brücke 7 (Eingang vom Hof) und Jerusalemer Straße 31 statt. Versand nach auBerhalb Napfkuchen, Baumkuchen, makronen. saroni-SdioKoiaden, Nähr-zwieiiack, nuß-, mandel- und Makronen-Torten. Ananas-Torten, Baum-Torten, TOrklsche-lorten. Während der Feiertage österlicher Kaffeeu. Konditoreibetrieb nur Spandauer Brücke 7, Hof-Eingang. maierarbeiten Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Treppenfluren und Fassaden. Robert eutheim Berlin W 50 Kulmbacher Strasse 7 B5 Barbarossa 6260 Verein für Feuerbestattung In Berlin von 1874, e. V. Ter«, koateniose PenerbeRUttUK Annahme W 35, Lfltzowstrafie 44, Telephon: Lfitzow 960-61 Hochschule I. fl. uiissenschati fl. Judentums Berlin N, Artilleriestraße 14 Beginn des Sommer-Semesters Montag, den 28. April 1930, vorm. 11 Uhr Vorprüfung 24. und 25. April, vorm. 10 Uhr WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNST S. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERL1N-WEISSENSEE L0THR1N0BRSTR. 8 - TELEPHON: WEISSBNSBE 407 «erlag: Vereinigung sür das liberale Judentum e. B., Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl-Jng. Bruno Woyda, Berlin SW.29. — Truck: Hermann Wegner 8- Co., Berlin-Mariendors.