Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 14 (2.4.1930)
- Date
- 1930-04-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Zahrgang Xnmmer 14 Der bericht der ShawkommWo« verösieutllcht «, tmuttliftaitn Ursach«n dir PalWna-Unrich«« >m «ngnft ISA- — L«e Schul» »« «rotzmufti «n» »« «»bis^n S«- Miw. - «nie ntt» die britischen ««amte» trifft kein Tadel. - Ti« Msche« «nftrtiche ««» die arnbisch«« Besürchtengen. - Segen Elnslnß »er Mdischen «rdeiterfSrderati-n «ns die «nrmchl der Einn>n«»«rer. - «e Regier««« wir» »«,,«. fordert, ein klares Statement über ihre Auffassung vom Mandat zu veröffentlichen. Gesamtbericht zugeschrieben wird. Ta die Palästina-Regierung nicht in der Lage war, mit eigenen Kräften die angegriffene jüdische Minderheit zu schützen, wäre es ihre Pflicht gewesen, aus der Mitte der Juden geeignete Personen auszuwählen und sie mit den Mitteln zur Selbstverteidigung,auszurüsten. Die Regierung könne auch nicht von dem Tadel zreigesprochen werden, daß sie nicht rechtzeitig ein Kommunique erlassen hat, in welchem den Gerüchten über angebliche jüdische. Absichten auf die moflemitischen heiligen Stätten entgegengetreten wird. Ein gut Teil Schuld trifft die Regierung auch darin, daß sie den noch vor Ausbruch der Unruhen in Umlauf gewesenen Beilage 2. April 1930 London. 31. März. (J.T.A.) Am Montag, den 31. März, abends, veröffentlichte die britische Regierung den Bericht der von Sir Walter Shaw geführten britischen parlamentarischen Untersuchungslommission sür Palästina, die in den letzten Monaten des Jahres 1929 und zu Beginn des Jahres 1930 in Palästina geweilt, an Ort und Stelle Erhebungen über die unmittelbaren Ursachen der Unruhen im August 1929 angestellt und zahlreiche von der Regierung wie von jüdischer und arabischer Seite namhaft gemachte Zeugen vernommen hat. Ter Bericht ist von allen Mitgliedern der Kommission, zu denen außer Sir Walter Shaw als Berufsjurist noch die Parlamentarier Sir Henry Betterton (konserv.), Hopkins Morris (lib.) und Harry Snell (Arbeiterparteiler) gehören, unterzeichnet. Ter Arbciterparteiler Snell machte zu einzelnen Feststellungen des Berichtes Borbehalte und fügte seine, eigenen Beobachtungen und Ueberlegungen bei. In dem Bericht wird erklärt, daß beim Ausbruch der Unruhen in Jerusalem an dem verhängnisvollen Freitag, den 23. August 1929, es sich nicht um einen Zusammenstoß zweier streitender Parteien, sondern um einen Angriff der Araber auf die Juden handelt, für den es keine Entschuldigung gibt. Tie von arabischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die Unruhen durch die Ermordung von Arabern durch Juden verursacht worden war, ist nicht erwiesen. Immerhin war der Ausbruch nicht verabredet und überlegt. In dem Bericht wird weiter festgestellt, daß die Unruhen, die die Form eines böswilligen Angriffes von Arabern auf Juden angenommen haben, mit Zerstörung jüdischen Eigentums verbunden waren. Wohl kamen auch jüdische Angriffe auf Araber vor, aber diese Angriffe waren das Ergebnis der von den Arabern vorher begangenen Gewalttaten. Der Großmusti von Jerusalem und viele andere arabische Führer - so wird in dem Bericht festgestellt — haben mit der öffentlichen Stimmung ihr Spiel getrieben und tragen ein gut Teil der Verantwortung für die Unruhen. Weder der Mufti als das Oberhaupt oes Moflemitischen Obersten Rates, noch die arabische Exekutive können von der Schuld freigesprochen werden, daß sie es unterlassen haben, öffentlich zu erklären, daß sie für Recht und Ordnung eintreten. Der Bericht befaßt sich mit der Haltung des Chefsekretärs Luke, der zur Zeit der Unruhen in Abwesenheit des Oberkotnmissars als stellvertretender Oberkommissar fungierte und stellt fest, daß ihn kein Tadel treffen kann dafür, daß er nicht noch vor Ausbruch der Unruhen Verstärkungen aus den benachbarten Ländern heranzuziehen sich bemüht hat. Er konnte, da der Angriff ein plötzlicher und unüberlegter war, auf die Ereignisse nicht gefaßt sein. Tie Mitglieder der Kommission billigen auch die von Luke getroffene Anordnung, daß denjenigen Juden, die ihre Dienste als Sonderpolizisten anboten, keine Waffen gegeben und ihnen die erhaltenen Waffen nicht weiter überlassen werden. Auch die Polizeioffiziere, die die jüdische Demonstration an der Klagemauer am 9. Ab und die moslemitische Gegendemonstration am darauffolgenden Tage nicht verhindert haben, trifft kein Tadel, da auch sie die Ereignisse nicht voraussehen konnten. Ter Bericht wendet sich dann den politischen Aspekten iu und führt aus: Tie von den Zionisten erhobenen Ansprüche und ausgesprochenen Forderungen betreffend die zu- Wnftiae Einwanderung in Palästina erweckten bei den Arabern die Befürchtung, daß sie unter jüdische politische Herrschaft kommen werden und der Quellen ihres Lebensunterhalts beraubt sein würden. Die Kommission erhebt Einwand gegen die Auswahl von Einwanderern durch die jüdische Arbeitersörderation, die wohl mehr auf die politische Ueberzeugung als auf die besondere Qualifikation der Einwanderer sieht. Nicht gebilligt wird die Entfernung arabischer Bauern von ihrem Pachtboden, wenn ihnen auch Barentschädigung ausgezahlt wird. Die Kommission nimmt aber die jüdischen Bodengesellschaften, die korrekt Vorgehen, in Schutz. Tie Kommission empfiehlt der Regierung, ein klares Sta tement über ihre Politik in Palästina herauszugeben, das in unzweideutigen Ausdrücken dartut, welche Deutung die Regierung jenen Abschnitten im Mandat beimißt, in denen von der Sicherung der Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften Palästinas die Rede ist. Hat aber die englische Regierung einmal gesagt, wie sie ihre Ausgabe als Mandatar auffaßt, dann müsse sie auch klar zu verstehen geben, daß sie ihre Politik mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln durchführen wolle. Als unmittelbar Ursachen des Ausbruchs werden angegeben: 1. Eine lange Reihe von Zwischenfällen an der Klagematter, so u. a. die jüdische Demonstration am 15. August und Ae Tätigkeit der mohammedanischen Gesellschaft zum Schutze der Klagemauer. 2. Au Hetzend e Artikel in mehreren arabischen Zeitungen, aber auch in einer jüdischen Tageszeitung. 3. Die verhetzende Propaganda, die die arabische Presse und arabische Agitatoren unter der arabischen Bevölkerung getrieben haben. 4. Tie unter dm Arabern entstandenen Besorgnisse in Verbindung mit der Erweiterung der Jewish Agency. 5. Tie Unzulänglichkeit der militärischen Streitkräste und das Fehlen einer zuverlässigen Polizei. 6. Ter bei den Arabern ent- Pandene Glaube, daß man die Entscheidungen der Regierung durch eigene Mionen beeinflussen könne. Tie vom Arbeiterdoputierten Harry Snell dem Bericht angefügten Vorbehalte gehen darauf hinaus, daß der Großnmftl und die arabische Executive einen weit größeren Teil an Verantwortung Kr die Unruhen tragen, als ihnen im Sendet de« fälligen Beitrag für das S. Quartal 1980 auf das Postscheck-Konto der Bereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 187069 ein. Gerüchten von bevorstehenden Unruhen nicht die entsprechende Bedeutung beigemessen hat. Harry Snell führt aus, er stimme auch nicht mit der Ansicht der übrigen Mitglieder der Kommission hinsichtlich der Kontrolle über die jüdische Einwanderung überein, er wisse, daß die Juden zum Wöhle des gesamten Landes beigetragen und daß die Araber an diesem allgemeinen Wohle teilgehabt haben. Ein freundschaftliches Zusammenarbeiten beider Bevölkeruugsteile in Palästina würde die wlrtschaftlichie nutz politische Entwicklung des Landes fördern und zu einer Reserve des Friedens und Verständigungswillens für die Zukunft werden. Araber und Juden würden sich zu dein Aufbau eines glücklichen und gedeihenden Landes vereinige». Snell schlägt vor, daß einige jüdische und arabische Führer sich zu einer' gemeinsamen Aussprache vereinigen und versuchen mögen, Richtlinien sür eine friedlich« Zusammenarbeit zur Entwicklung des Landes auszuarbeiten. Ohne jüdische Einwanderung und jüdische Landwirtschaft sei aber eine wirtschaftlich« Entwicklung Palästinas nicht denkbär. Zud M im Lichte wissenschaftlicher Zorschun« Bon Hans Sternheim, Stuttgart. l. Als die bekannte Geschichtssorscherin Frau Dr. Selma Stern im Februar des vergangenen Jahres vor einer großen Stuttgarter Hörerschaft über Joseph Süß Oppenheimer, den Finanzagenten Karl Alexanders von Württemberg, sprach, entwarf sie mit dem Charakterbild des vielumstrittenen Hosjuden zugleich eine geistreiche historische Betrachtung der Geschichts^- und Kulturepoche, die zum Verständnis des Problems »Jud Süß" durchaus notwendig erscheint. Die von der Rednerin damals angekündigte und von weiten Kreisen mit Spannung erwartete Biographie Joseph Süß Oppenheimers ist nun vor kurzem im Akademie-Verlag*), Berlin, erschienen, und mit ihr wird zum ersten Mal der jüdische Emporkömmling so geschildert, wie es der geschichtlichen Wahrheit entspricht — als Mensch ganz großen Formats, als Jude, in dem sich zwei Faktoren zu fast dämonischer Aktivität verbinden — Ghettoinstinkt und Ideenwelt der Barockzeit. Diese umfassende, aus einem gründlichen Studium des ungeheueren, in Stuttgart, Darmstadt, Koblenz, Karlsruhe, Frankfurt und Tübingen befindlichen Aktenmaterials erwachsene Biographie zeigt für die Beurteilung Joseph Süß Oppenheimers völlig neue Wege. Was wir und unsere Umwelt bis zur ersten Darstellung des Problems aus Grund „sämtlicher Akten, Dokumente und Ueberlieferungen" durch Dr. Kurt Elwenspoek (1926) von Oppenheimer wußten, war herzlich wenig. Auch in den gebildeten Ständen spukte Jud Süß bis dahin als der „sameuse und berüchtigte Württembergische Avanturier", als der Erzschelm und gewissenlose Hofsaktor, der keine Mittel scheut, um sich und seine Ideen durchzusetzen. Und wenn auch Elwenspoek nur den „großen Finanzier und galanten Abenteurer", die „menschliche Persönlichkeit Oppenheimers mit ihren Fehlern und Schwächen" zeichnen wollte, so erahnte man aus dieser seiner Biographie doch schon die tragischen Zusammenhänge einer ungewöhnlichen Existenz. Auch Feuchtwangers Roman „Jud Süß" konnte bei aller dichterischen Freiheit, mit der Leben und Werk Oppenheimers behandelt wurde, dem psychologischen Verständnis des „Geheimen Finanzienrats" Karl Alexanders dienen — eine Lösung des Gesamtproblems bedeutete aber auch dieser dichterisch« Beitrag nicht. Und nun liegt eine große geschlossene Biographie Joseph Süß Oppenheimers vor uns, ein ernstes wissenschaftliches Werk, das nicht nur Lebensbeschreibung einer interessanten Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts, sondern gleichzeitig „ein Beitrag zur deutschen und jüdischen Geschichte" sein will — eine ausgezeichnete, groß angelegte kulturhistorische Arbeit, für die Wissenschaft und deutsche Oeffentlichkeit der Verfasserin zu größtem Tank verpflichtet sind. — Diese Biographie will und kann keine Ehrenrettung Oppenheimers sein; sie will „weder ein Unrecht der Geschichte sühnen", noch „den vielgelästerten Mann als Märtyrer erscheinen lassen". Dr. Selma Stern kam es lediglich darauf an, an Jud Süß das Problem der Assimilation aufzuzeigen und zu beweisen, daß Oppenheimer in sich den Zusammenstoß zweier Welten erlitt, daß die Synthese von Ghettogeist, barocker Kultur und Denkweise einen letztendig nur dualistischen Menschen formte, xine merkwürdige Verbindmig von jüdischer Eingeengtheit, gewaltigster staatsmännisHer Expansionssucht und kaufmännischer Umsicht — eine vollinhaltliche Ghettoindividualität, die von der Perivüerie der Judengasse in die große deutsche Welt hineinwanderte und als Träger des „Ressentiments" ihre barocke, artfremde Umwelt überwinden wollte. Und an diesem inneren Konflikt scheiterte Jud Süß, dessen Großvater in der Frankfurter Judengasse noch als Chasen fungierte, dessen Vater (1703) schon Steuereinsammler der Pfälzer Landjudenschaft war, der selbst zwischen 1717 und 1735 als Großbankier Deutschland bereifte, wenig später Beherrscher der württembergischen Münze des Steuerwesens und Karl Alexanders selbst war und schließlich an einem trüben Februartage des Jahres 1738 am Stuttgarter Galgen endete. Mit einem „Sch'ma Israel" auf den Lippen, im vornehmen Habit der höfischen Gesellschaft — er trug einen „scharlachenen Rock mit einer schmalen goldenen Tresse, Camisol und Beinkleider von derselben Farbe, ein feines Ober-Hembde ohne Manschetten, weiße seidene Strümpfe, eine Perruque und einen Hut ohne Tresse" ging Jud Süß in den Tod. Und in den jüdischen Gemeinden Deutschlands brannte ein Jahr lang ein Licht um den, der sich mit ungeheurem Zynismus über die Gesetze seiner Religion hinweggesetzt hatte, der gegen Freund und Feind gleich unerbittlich sein und das ärmste württembergische Bäuerlein vor das Fiskalatsamt laden konnte, wenn er sich nur für des Herzogs Tasche — und nicht zuletzt auch sür die seine — etwas davon versprach. Tie ganze deutsche Judenheit zitterte damals um den Mann, der auf dem *) Broschiert 7,50 RM., gebunden 9 RM. . v; , Hohenneusfen und dem Hohenasperg allen Bekehrungsversuchen der christlichen Geistlichkeit widerstand, der srch m der Gefangenschaft weigerte, andere als rituelle Nahrung zu genießen, der längst vergessene Gebete murmelte um wenige Monate vorher seinem Geschäftsfreund Maram Kahn ärgerlich gesagt hatte, „er werde noch ein solcher Rosche werden, daß kein solcher vor ihm gewesen noch nach ihm sein werde". In der Verlassenheit des Kerkers, in der Nille des Körpers und der Seele sielen alle Hüllen ab, und da sein Leib so klein und schwach wurde, daß der Kommandant des Hohenaspergs in Stuttgart anfragen mußte, ob eine besonders enge Handschelle gemacht werden solle, „fetzt und nachdem er sich so verzöhrt", — da brach mit elementarer Gewalt sein Judentum durchs und als Mensch, der weiß, an was er scheitern mußte, ging er ein in den großen schützenden Bereich des einig einzigen Gottes. II. Wer war nun Jud Süß, was war, im Lichte exakter wissenschaftlicher Forschung gesehen, seine politische Mission, warum kam es zur Katastrophe? Wir haben die Beantwortung dieser Fragen eingangs schon kurz angedeutet; im folgenden soll nun der Versuch gemacht werden, auf der Grundlage der Sternschen Darstellung Ursache, Weg und Wirkung nochmals auszuzeigen. Während zu Süß Lebzeiten und noch in den vielen folgenden Jahrzehnten die Juden Deutschlands in beinahe vollständiger Abschließung und ohne jeden Kontakt mit deutschem Kultur- und'Staatsleben von jedermann verachtet vegetierten, hatten einige wenige Juden es verstanden, in die Ghettomauer eine Bresche zu legen und als Großkaufleute, Bankiers usw. sich eine gewisse Bedeutung und Machtstellung zu verschaffen. Einer solchen für die damalige Zeit ungeheuer reichen und auch geistig regsamen Familie entstammt Joseph Süß Oppenheimer. „Als Juwelenhändler und Wechs- -ler, als Bankiers und Rentner, als Hoffaktoren und Armeelieferanten" beherrschten die Oppenheimer weite Kreise, machten sich Adel und Bürgerschaft dienstbar und traten sogqr durch den berühmten Hoffaktor Samuel Oppenheimer zum deutschen Kaiserthron in Beziehung. Aber auch Gelehrte von umfassendem Wissen gingen aus dieser Familie hervor —, und so vereinigte Jud Süß in seiner Person die hohen geistigen Fähigkeiten seiner Ahnenreihe in stärkstem Maße. Im Jahre 1732 lernte Jud Süß in Wildbad den Prinzen Karl Alexander kennen. Mit dieser Begegnung wurde der Grundstein zu einem Verhältnis gelegt, das man im wahrsten Sinne des Wortes als schicksalhaft bezeichnen darf. Wie sehr Karl Alexander und sein späterer Berater sich gegenseitig selbst bedingten, wie beide in fast magisch zu nennender Gemeinsamkeit den württembergischen Staat in seinen uralten Grundrechten zu erschüttern und absolutistisch zu stabilisieren suchten, das hat, besonders nach der psychologischen Seite, schon Feuchtwanger glänzend geschildert. Die Selma Sterns Biographie zur historischen Wirklichdichterisch intimtive Darstellung erhärtet sich nun in Dr. k e i t s f o r m, und auch hier tritt klar und deutlich in Erscheinung, wie Süß und Karl Alexander schicksalhaft — auf Gedeih und Verderb — aneinandergekettet waren. Gleicht die Vorliebe Karl Alexanders für kostbare Edelsteine vielfach schon einer pathologischen Wunsch- und Bedürsnissucht, so mutet die Bereitwilligkeit, mit der Süß den diesbezüglichen Wünschen seines Souveräns entspricht, auch irgendwie manisch an. Diese gemeinsame Aktivität tritt aber besonders da in Erscheinung, wo beide in schöpferischer Wechselwirkung im innenpolitischen Leben zusammenftehen. Aus der Sternschen Darstellung geht hervor, daß der Herzog der Initiator all der Reformen und Neueinrichtungen war, die das Land in größte Erregung versetzten; Süß dagegen war das Vollzugsorgan, der Mann, der die Anregungen Karl Alexanders mit nüchternem Wirklichkeitssinn aus der an sich sittlichen „Vorstellung von Beruf, von Ausgabe und Verantwortung" auf den Nenner des Möglichen und Zweckmäßigen brachte, der in jugendlichem Draufgängertum erkannte, daß Industrialisierung und Kapitalisierung die rettenden Wege waren, um aus der unter Eberhard Ludwig entstandenen verhängnisvollen finanziellen Ebbe herauszukommen und das brüchige württembergische Staatsschiff wieder flott zu machen. Das System des Absolutismus blühte in allen Ländern, während Württembergs Regent die Rotte des „ersten Adeligen" zu spielen hatte. Diese Stellung des Herzogs wollte Oppenheimer durch die der unantastbaren Souveränität ersetzen und den ersten Ansatz hierzu machte er durch die Bildung eines Konferenz-Ministeriums, dem die alten Gehermräte weichen müssen. Wein, Leder, Salz, Tabak usw. werden monopolisiert, eine Zentralbank soll die württembergische Wirtschaft und Kreditnot heben, und eines Tages dann der große Schlag gegen die Selbständigkeit der Landstände deM Rrtzruten Matorische Machtbefugnis verleihen. Das war