Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 13 (26.3.1930)
- Date
- 1930-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau Zum Ableben m S$tb Balfour. Die Tage^eitungen haben bereits' ausführlich über das am IS. März erfolgte Ableben des großen englischen Staatsmannes Arthur James Balfour berichtet, der noch bis in das Greisenalter hinein — er starb im 82. Lebensjahr getreu seiner konservativen Weltanschauung die Geschicke des englischen Staates beeinflußt hat. Hier ist nicht der Platz, das politische Wirken des Staatsmannes oder seine philosophischen Werke „A Tefence of Philosophie Toubt" (1879), „The Foundation os Belief" (1895), „Theisui and Humanisin" (1914) u. a. zu würdigen. Was Anlaß gibt, des Verstorbenen hier zu gedenken, ist die Tatsache, daß in ihm unzweifelhaft der Urheber der Palästina-Politik Groß-Britanniens in der Nachkriegszeit zu erblicken ist. Tie Motive, die ihn zu der während der Kriegszeit an Lord Rothschild gerichteten Deklaration veranlagten, dürften einmal englisch-politische Gesichtspunkte ge wesen sein, dann aber auch der Gedanke, die christliche Welt sei verpflichtet, das an den Juden verübte Unrecht gutzumachen. Tie Deklaration, allgemein als Balsour-Teklaration bekannt, hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut: Auswärtiges Amt, 2. November 1917. Lieber Lord Rothschild! Es ist mir ein großes Vergnügen, Ihnen namens Seiner Majestät Regierung die folgende Shmpathieerklärung mit beu jüdisch zionistischen Bestrebungen zu übermitteln, die dem Kabinett unterbreitet und von ihm gebilligt worden ist. Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei Klarheit darüber herrschen soll, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte. Ich bitte Sie, diese Erklärung zur .Kenntnis der zio nistischen Föderation zu bringen. Arthur James Balfour. Tie mannigfachen Unklarheiten, die in dieser Deklaration enthalten, dürften einen wesentlichen Teil der Schuld an den unhaltbar gewordenen Zuständen in Palästina tragen. Während einerseits versprochen wird, daß der arabischen Gemeinschaft in Palästina keinerlei Rechte beeinträchtigt werden sollen, wird andererseits die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk zugesagt. Ob es möglich ist, die Rechte und die politische Stellung der Juden in ihren Heimatländern durch die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk nicht zu beeinträchtigen, ist ebenfalls stark umstritten. All das hat die Auffassung in weiten Kreisen befestigt, daß bei dieser Erklärung der Grundsatz des devide et impera zum Nutzen der englischen Staatspolitik für Palästina Anwendung gefunden hat, und taft es dem britischen Staatsmann mehr darauf ankam, jüdische Sympathien im Weltkriege für Groß- Britannien zu gewinnen, als zu einer Lösung der Judenfrage beizutragen, zumal auf der anderen Seite auch den Arabern zu gleicher Zeit Versprechungen gemacht worden sind. So ist das Wirken des verstorbenen Staatsmannes, der sicherlich den Interessen seines Staates außerordentlich genutzt hat, in jüdischen Kreisen stark umstritten. Erst die Nachwelt wird eine definitive Wertung seiner Handlungen für die jüdische Gemeinschaft vornehmen können. , Jüdische Einwanderung in Amerika. Unbeschadet des Einwanderungseinschränkungsgesetzes der Vereinigten Staaten ist dieses Land immer noch das wichtigste Einwanderungsgebier für Juden. Im Verlauf des Jahres 1929 sind 16347 Juden aus allen Teilen der Welt in die Vereinigten Staaten eingewandert; das ist ungefähr ein Drittel der Gesamtzahl der jüdischen Wanderer, die sich im Jahre 1929 in ein anderes Land begaben. Alle diese Einwanderer, die mit 946 Dampfern in den verschiedenen amerikanischen Häsen eintrasen, wurden von der Jüdischen Wanderer-Hilfs- und Schutzgesellschaft „Hias" empfangen und in Obhut genommen. Diejenigen Einwanderer, die von Verwandten abgeholt wurden, wurden deren Obhut überlassen, die übrigen Einwanderer wurden in das „HiaS"-Gcbäude gebracht, von wo aus die Verbindung mit ihren Verwandten in Amerika, sofern sie solche besaßen, hergestellt wurde. Tie nach Ellis Island gebrachten Einwanderer wurden im Ellis Island-Büro von „Hias" betreut. Alle Neuankömmlinge hatten schon vorher Rat und Hilfe der „Hias" (Hicem-) .Büros in Polen, Litauen, Lettland, Rumänien, Danzig, Charbin, Deutschland, Frankreich und in anderen Ländern in Anspruch genommen. Bon den jüdischen Ankömmlingen waren 12883 als Immigranten, 3464 als Nicht-Immigranten qualifiziert. Mäßigung im antireligiösen Kampf in Rußland. Das Zentralexecutivkomitee der Sowjet-Ukraine hat an die Oberstaatsanwaltschast die Weisung ergehen lassen, amtlich festzustellen, wieviele Synagogen und Kirchen durch lokale Sowjetbchörden ohne vorher eingeholte Genehmigung der Zentralregierung geschlossen worden sind. Behördliche Personen, die Andachlsstätten ohne Regierungs-Sanktion für geschlossen erklärten, sollen wegen Ueberschreitung der Regierungs-Orders vor Gericht gestellt werden. Laut Gesetz dürfen Andachtsstätten nur dann geschlossen, bzlv. beschlagnahmt und anderen Zwecken nutzbar gemacht werden, wenn das Zentralexecutivkomitee der Sowjetregierung diese Maßnahme gebilligt hat. In der Weisung des Zentralexecutivkomitees an die Oberstaatsanwaltschaft wird sestgestellt, daß in mehreren Gegenden der Ukraine lokale Behörden sich in ungesetzlicher Weise in das innere religiöse Leben eingemischt und Synagogen geschlossen haben, ohne vorher die Erlaubnis des Zentralexecutivkomitees erngeholt zu haben. Im allgemeinen ist diese Anweisung symptomatisch für eine Politik der Mäßigung gegenüber den Religionen. Das offizielle Organ der Sowjetregierung „Jswestrj" ruft in einem Leitartikel dm Kommunisten zu, das Volk in der religiösen Uebung nicht zu stören. imiitiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiintnitiiiimiiiiiiiHiiiiimiiiiiHiiitinuiiiHiiitiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiim Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands itmmnmumHiniuiimHiiiHiiiimiitiKmiittimmiimumtmimimiMitmmtntimiiitHimuti Zu Schnitzlers .Professor Bernhardt" Bon Kaplan H. Der Berliner Theatcrwintcr brachte eine Neuaufsührung von Schnitzlers Drama „Prosessor Bernhards", das seit seinem Erscheinen, wie sich zeigte, an Aktualität nichts eingcbüßt hat. Auch heute noch empfindet der Zuschauer der Aufführung, oic hier b-ereits eingehend rezensiert wurde, den Konflikt zwischen ärztlicher Pflicht erfüllung und religiöser Seetsorge als ungelöst. Die Fragen, die sich aus der Zugehörigkeit zum Judentum für den a»r einer interkonfessionellen Anstalt wirkenden Professor Bernhardt noch besonders zuspitzen, haben ja bei gegenwärtigen üblichen nationalsozialistischen Hetzen noch erhöhte Bedeutung. Nachdem in der Rezension zu den Frage,« bereits vom jüdischen Standpunkt Stellung genommen ivurde, haben wir uns an den bekannten katholischen Geistlichen Kaplan Fahsel mit der Bitte gewandt, uns seine gruird sätzliche Stellungnahme mitzuteilen. Herr Kaplan Fahsel ist unserer Bitte liebenswürdiger Weise nachgckommen. Wir glauben, daß seine Antwort für unsere Leser besonders interessant sein wird. Die Red. Ihrer Anfrage gemäß ist meine grundsätzliche Stellungnahme zu dem „Konflikt zwischen ärztlicher Pflicht und religiöser Seelsorge" im Schnitzlerschen Werk „Prosessor Bernardi" folgende: Auf beiden Seiten liegen taktische Fehler im Verhalten der auftreteuden Personen vor. I. Ter prinzipielle Fehler auf seiten des Priesters und der sich ihm in guter und schlechter Absicht anschließenden Personen liegt in folgendem: Das Sakrament beruft sich dogmatisch auf die Schriftsteller „Ist jemand krank unter euch, so rufe er die Presbyter der Gemeinde... usw." (Jac. 5, 14). In unserem Theaterstück hat die Kranke den Priester nicht gerufen. Ties schließt nicht aus, daß andere Personen rechtzeitig in taktvoller Weise dem katholischen Kranken einen Ruf nach hem Priester nahelegen. Auch dies geschieht nicht, sondern im Gegenteil führt die Krankenschwester in taktloser Weise gleichsam eine Ueberrumpelung durch den Priester herbei. Daher ist der Einspruch des jüdischen Arztes nicht unberechtigt, während der Priester in dieser Situation einen hinreichenden Grund besitzt, zurückzutreten und die Seele der Kranken Gott zu empfehlen. Tatsächlich tritt der Priester zurück. Ob aus diesem Grunde, erscheint aus der Darstellung des Dichters fraglich. Jedenfalls hätte sich der Priester ausdrücklich erkundigen sollen, ob er von der Kranken ge rusen und diese irgendwie aus sein Kommen vorbereitet worden sei. Also liegt hier Taktlosigkeit der Krankenschwester und Unterlassungssehler des Priesters vor. Fahsel, Berlin. Nachsolgenderweise besteht ein offenbar sittlicher Fester in dem Verhalten der gegen Prosessor Bernhardt austretenden Personen, die durch Berufs» ei v, Antisemitismus und andere geistigen Laster getrieben die Situation mißbrauchen. III. Ter prinzipielle Fehler aus seiten des Arztes und dec sich chm in guter und schlechter Absicht anschließenden Personen liegt in folgendem: Tie Pflicht des Arztes besteht im wesentlichen in der Herbeiführung der körperlichen Gesundheit des Kranken. Ta in unserem Theaterstück der Tod der Kranken wissenschaftlich gewiß und zeitlich ganz nahe bevorsteht, so handelt der Arzt nicht richtig, wenn er die Abwehr des Priesters als eine mit seinem Berufe schlechthin notwendig verbundene Pflichterfüllung aufsaßt und durchsetzt. In unserem Falle war der Arzt sehr wohl berechtigt, dem Priester seine Bedenken mündlich vorzustelle», aber nicht dem Seelsorger körperlich den Weg zu verstellen. Wie ferner der Geistliche die Pflicht hat, auch auf das körperliche Wohl des zu Behandelnden eine getvisse Rücksicht zu nehmen, ebenso hat auch der Arzt die Pflicht bis zu einem gewissen Grade Rücksicht zu nehmen auf den Seetenzustand seines Patienten, also konfessionelle Rücksichten, wenn es sich um einen Katholiken handelt. In unserem Falle handelt es sich um ein katholisches Land, wo zumal ein jüdischer Arzt den Takt besitzen muß, außerdem als Leiter einer Anstalt, solchen sakramentalen Situationen in kluger Weise vorzubeugcn durch Anweisung der Schwester oder persönlichen Hinweis rechtzeitig vorher auf die Möglichkeit eines Priester lichen Besuches. Alles dies scheint hier unterlaffen worden zu sein, vielmehr scheint mehr oder weniger bewußt die weltanschauliche Einstellung des Arztes, nicht etwa als Jude, sondern vielmehr als Ungläubiger, ein ausschlaggebendes Mo tiv seiner Handlungsweise gewesen zu sein. Würde er in derselben Situation einen Notar zurückhalten, wenn der reiche Patient seinen letzten Willen noch nicht festgelegt hat? Schließlich mußte Professor Beruhardi als Weltmann die Folgen feiner Handlungsweise der Möglichkeit nach überblicken, und um der Sicherheit des öffentlichen Friedens und des Bestehens seiner Anstalt willen sich in seinem Entgegeutreten beherrschen. IV. Nachfolgeuderweise besteht ein offenbar sittlicher Fehler in dem Verhalten derjenigen gegen den Priester auftretenden Personen, welche die Situation benutzen, um gegen Religion, Kirche und christlichen Staat als solchem zu agitieren. Die^ Personen läßt der Dichter allerdings in sehr milder und blasser Form als organisierte Freidenker auftreten. f Aus den Gemeinden;* Aachen. (Todesfal l.- Einen bedemendcn Verlust har die Synagogen Gemeinde und darüber hinaus die Stadt in dem in der vergangenen Woche erfolgten Ableben des bekannten Tuchfabrikanten Bernhard Struch zu beklagen. Ter Heimgegangene war einer der bedeutendsten Vertreter der Aachener Luchindustrie, der lange Jahre der Repräsentantenversammiung d-er Synagogen Gemeinde cmgehörr hatte. Darüber hinaus war er in den Jahren 1912—1924 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, der er seine großen Fähigkeiten aus wirtschaftlichem, und vor allem aus finanzpolitischem Gebiete zur Beifügung stellte. Ec ivar Vorstandsmitglied der hiesigen Temokra tischen Partei, zu deren führenden Köpfen er gehörte; des ferneren, war er im Vorstand des Reichsbanners, der Siädt. Sparkasse und des Ausschusses für die Stadt. Betriebswerke. Zu seinem Begräbnis hatten sich einige Hundert Mitbürger eingesunden, unter denen man zahlreiche Mitglieder der Stadtverordneten Versammlung und den Oberbürgermeister Dr. Rombach sah. .Herr Oberkantor A l i zeichnete am Grabe mit einfühlsamer Psychologie das Lebensbild des Verstorbenen und würdigte seine hohen Verdienste um Gemeinde und Vaterstadt, die den klugen Rat des Verstorbenen noch häufig vermissen werden. Ebenfalls war der Verstorbene langjähriges Mitglied der „Liberalen Vereinigung". Aurich. (7 0. Geburtstag., .Hier beging Herr David A. Wolfs, der Vorsteher des WohltätigteitSvereins, i„ voller Frische seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, der aus sozialem Gebiet mit großer Pflichttreue und Hingabe gearbeitet hat, u. a. auch dem Alliers heim in Emden als Vorstandsmitglied wertvolle Dienste leistete, wurde von vielen Seiten in verdienter Weise geehrt. Berlin. (S h n a g o g c n v e r e i n P r i n z r e g e n t e u ft r a ß e.) Am 17. März d. Js. fand der dritte Gemeindcabend im Bürgcrsaai des Rathauses Schöneberg statt. Nach einem einleitenden Gesang des Oberkantors Wilhelm Friedmann, der in geschmackvoller Weise von Fräulein Bordmann begleitet wurde, ergriff Herr Rabbiner Tr. Wcyl das Wort zu einem Vortrag über die geschichtliche Enttvicklung der Liturgie insbesondere an den hohen Feiertagen. In fesselnder Weise legte der Vortragende dar, daß die Liturgie im Lause der Jahrhunderte einem Wandet unterworfen war. Er zeichnete das Gerüst der Gebetordnung seit Beginn der Gottesdienste iu der Diaspora, um das sich dann die verschiedenen Einschaltungen und Ergänzungen bildeten, analysierte den Gottesdienst und dessen Grundgedanken an den hohen Feiertagen, dessen einzelne Gebete und die Einstellung des modernen Juden zum Gottesdienst und dessen Gestaltung in fortschrittlichem Sinne und forderte für den Gottesdienst innere Ergriffen^ heit des Menschen und Würde in der äußeren Gestattung, die beide geeignet sind, die Lauen und Fernstehenden wieder zu getvinnen. Nach Herrn Rabbiner Weyl sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Lamm über die Wohlfahrtspflege im Bezirk der neuen Synagoge. Er schilderte die Grundgedanken der Zedakah im Sinne der alten Kehilla, deren Aufgaben die Gemeinde in erster Reihe neben ihren rein religiösen Pflichten zu erfüllen verpflichtet ist, und gab ein Bild der Entwick lang der modernen Wohlfahrtspflege der Berliner Gemeinde, die zu den alten Aufgaben neue in großem Umfang übernommen hat. Er toies auf die Notwendigkeit einer Airtschaftsfürsorgc, der Jugendfürsorge und der Mitarbeit aller Gcmeindemitglieder an den neu zu begründenden kleinen Bezirken der Gemeinde, die den Zusammenhalt mit der Gemeinde und die Erfassung aller Gcmeindemitglieder zu fördern berufen sein sollen. Lebhafter Beifall dankte beiden Rednern für ihre interessanten und belehrenden Aussührungen. — Rach dem offiziellen Teil fanden sich die Mitglieder im Ratskeller zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Die Mitglieder des Wilmersdorfer Synagogenchors brachten ein Damenterzelt zum Vortrag, Frau Loessel, Frau Ring und Frau Ortmann trugen durch Sologesänge zur künstlerischen Ausgestaltung des Abends bei, der die Bereinsmitglieder bis in die späte Nacht zusammenhielt und die persönliche Fühlung unter ihnen förderte. Berit«. (Zwei jüdische Schuldersammlungen.) Am Montag, den 3 März 1930, fand in den Räumen des Hauses der jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2-4, eine Kundgebung der Schüler höherer Schulen statt, cinberufen von der Berufsberatung der jüdischen Gemeinde, gemeinsam mit dem Landesausschuß Berlin der jüdischen Jugendverbände. Die Kundgebung war von zirka 170 Schülern besucht. Nach den Referaten, die von Herrn S. Adler-Rudel, Herrn Tr. Ernst Bloch und Fräulein Lucie Zobel über die Fragen der Berufswahl der jüdischen Jugend gehalten wurden, entstand eine lebhafte Diskussion über die wirtschaftlichen mrd beruflichen Fragen der jüdischen Jugend. Eine zweite Versammlung ivurde im gleichen Raume am Mittwoch, den 5. März, für die jüdischen Volksschüler und die jüdischen Schüler der unteren Klassen der höheren Schulen, die zum April die Schule verlassen, abgehalten. Auch hier folgten den Referaten, die Herr Hans Jacob und Fräulein Lucie Zobel über die Derufsfragcn der jüdischen Jugend hielten, eine lebhafte Aussprache der Schülerschaft über die Fragen ihrer Berufswahl. Die ^Versammlungen waren insgesamt von zirka 800 Schüler«, besucht. Sie stellen einen gelungenen, ersten Versuch dar. durch eine öffentliche Kundgebung die Schüler für die Einrichtung der Berufsberatung zu interessieren und ihnen die Probleme ihrer Berufstvahr von einer neuen Seite zu beleuchten. Berlin. (Persönliches.- Herr Tr. L a m NI, der stell». Vorsitzende des Wohlfahrts und Jugendsürsorgeamts der Jüdischen Gemeinde, ist zum Bürgerdeputierten in der zentralen Wohlfahrtsschusses des Landesjugendamts wiedergewählr worden. Berlin. (G e d 'e n k i a s e l >v e i h e am B o t t s t r a u e r t a g.ß Ter Volkstrauertag gab dem Jüdischen Turnverein Berlin 1905 Gelegenheit, zugleich aus Anlaß seines 25 jährigen Stiftungstages, seine im Weltkriege gefallenen Turngenossen durch die Anbringung einer Gedenktafel in der Turnhalle der Jüdischen Knabenschule z« ehren. Nach einem Präludium und einleitendem Gesang ergriff der Mitbegründer des Vereins, .Herr Grabolvski, das Wort. Kurz skizzierte er die Tätigkeit des Vereins in der Vergangenheit und begrüßte die Vertreter des Gemeindevorstandes, der Repräsentantenversammlung und der erschienenen Organisationen. Nachdem die Hülle von der lorbecrumtränzten Marmortafcl, aus der die Namen der 10 gefallenen Helden für immer verewigt sind, gefallen war, sprach der Gemeinderabbiner Herr Dr. Salomonski zu den Anwesenden. Er kenn-- zeichnete das Wesen dieser Tafel als eine Mahnung an die kommenden Geschlechter, in Liebe und Treue am deutschen Vaterlande und am Judentum fcstzuhaltcn. Die turnerische Betätigung möge das Heranwachsende Geschlecht zu körperlich und geistig hochstehenden deutschen Juden erziehen. .Herr Rechtsanwalt Dr. Fritz Lamm übernahm im Austrage des Vorstandes die Gedenktafel in die Obhut der Jüdischen Gemeinde. Unter Leitung des Chordirigente» Martin Epstein schloß ein Chorgesang die schlichte Feier. Breslau. (7 0. G e b u r t s t a g.- Ter Vorsitzende des Vorstandes der Israelitischen Kranken Verpslegungsanstalt und langjähriges Mitglied unserer liberalen Vereinigung, .Herr Adolf Danziger, feierte am Sonnabend, den 22. März, seinen 70. Geburtstag und hat es in seiner allbekannten Bescheidenheit vorgezogen, diesen Tag fern von Breslau im engsten Familienkreise zu begehen. Was der Name Adolf Danziger für die jüdische Gemeinde Breslau und ihre Institutionen bedeutet, läßt sich in kurzen Worten kaum schildern. Geboren in einer kleinschlesischen Stadt, verlegte er vor mehr als 20 Jahren seinen Wohnsitz nach Breslau und seinem Gemeinsinn und sozialem Empfinden, wie der ihm im .Herzen wurzelnden Liebe zum Judentum folgend, kam er dem Rufe, sich in den Dienst der jüdischen Allgemeinheit zu stellen, gern nach. Seit vielen Jahren wirkt Herr Herr Danziger mit seltener Pflichttreue als Vorsteher der Neuen Synagoge und durch seine langjährige Zugehörigkeit zur Gemeindevertretung konnte er dank seiner hohen Begabung und reichen Erfahr rungcn auch hier wertvolle Mitarbeit leisten. Mit aufrichtiger, freudiger Genugtuung, erfüllte ihn die im Jahre 1919 erfolgte Wahl in den Vorstand der Israelitischen Kranken-Verpflegungsanstalt. Hierdurch wurde sein Herzenswunsch, werktätige Menschenliebe zu üben und seine hohen Geistesgaben der Fürsorge für arme Kranke, Sieche und Altersschwache zur Verfügung zu stellen, voll erfüllt. Auf Antrag des Herrn Eduard Sachs wurde er bereits im Jahre 1921 zum stellvertretenden Vorsitzenden und nach dem. Heimgange