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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-03-19 · 12 (19.3.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
12 (19.3.1930)
Date
1930-03-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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hätte, von. fernem Amt als Kanzler der Hebräischen Universität zurückzutreten; als Grund wird die von verschiedenen zionistischen Kreisen an seiner Tätigkeit, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Verbreitung ferner Broschüre „Like All the Natrons?", geübte Kritik angegeben. (Bekanntlich hat auch Dr. Hans Kohn wegen der Opposition gegen seine Brith Schalom-Tätigkeit sein Amt als Unioersrtätssekretär niedergelegt.) Eine Bereinigung von Studenten der Hebräischen Universität forderte in einem Zirkular die Studentenschaft der Universität auf, den Rücktritt Dr. Magnes' zu verlangen. In dem Zirkular heißt es, die Tatsache, daß Magnes Kanzler der Universität ist, verleiht seinen Worten und seinem Wirken besonderen Nachdruck; seine jetzige Tätigkeit tue aber der Würde der Universität Abbruch. Würden die Studenten dazu schweigen, so würde es so aussehen, als ob sie mit die Verantwortung sür seine Aktionen tragen wollen. Am 10. März sand eine Versammlung von Studenten der Hebräischen Universität statt, in der ein von den revisionistischen Studenten eingebrachter Antrag, daß der Rücktritt von Dr. Magnes zu fordern sei, mit 50 gegen 30 Stimmen aügclchnt wurde. Die Mehrheit der Anwesenden «Willigte in einem Votum das Verhalten von Dr. Mannes, erklütte aber, daß die Frage seines Verbleibens oder Nichtverbleibens als Kanzler der Universttät dem Waad Leunn zur Entscheidung überlassen werden müsse. Einige der der Versammlung beiwohnenden Professoren, unter ihnen Prof. I Klausner und Prof. Epstein, bedauerten zwar die separatistische politische Tätigkeit von Dr. Magnes, empfahlen aber den Studenten, die seinen Rücktritt fordernde Resolutiov abzulchnen. Schließlich wurde mit 49 gegen 31 Stimmen die folgende Resolution angenommen: Diese Versammlung von Studenten der Hebräischen Universität protestiert energisch gegen die Tätigkeit des Kanzlers der Universität Dr. Magnes, die den Aspirationen des jüdischen Volkes in seinem Lande diametral entgegengesetzt ist und geeignet sei, die nationale Disziplin zu untergraben, indem im allgemeinen kein Unterschied gemacht wird zwischen Dr. Magnes als Privatperson und Dr. Magnes als offiziellem Oberhaupt der Universität, unbeschadet seiner Erklärung, daß er aus eigene Verantwortung handelt. Diese Versammlung sordett deshalb den Waad Leumi und das zionistische Aktion s-Conntee auf, die nach dieser Richtung hin als notwendig erachteten Maßnahmen zu ergreifen. « Aus den Gemeinden O Dortmund. (Wanderausstellung jüdischer K^ü n st > i e r.) Hübet Mithilfe des Museumsdirektor Daum und seines Sohnes, Assistent am hiesigen Museum, ward im hiesigen Gemeindehaus eine sehr veachtensioerte Ausstellung jüdischer Künstler eröffnet. — Zwar umfaßt fi/t — wie der erste Vorsitzende der Synagogengemeinde Herr Konsul L. Jacody in seiner Eröffnungsansprache hervorhob, bei der grchen Zahl der in Deutschland schassenden jüdischen Künstler nur einen kleinen Ausschnitt des Wirkens derselben, aber immerhin gibt die Ausstellung einen sehr wertvollen Ueberblick. — Besonders begrüßte er den zur Eröffnung erschienenen Düsseldorfer Maler Westfeld (Meisterschüler von Prof. Gebhardt), der mit zahlreichen Gemälden vertreten ist. — Prof. Baum bezeichnete eines seiner Bilder, die Rötelzeichnung „Italiener", als eines der schönsten der ganzen Ausstellung. — In dankbarer Anerkennung der Verdienste der Museumsleitung um das Zustandekommen und die Vorbereitung der Ausstel-- laug wurde dieses Bild von der Synagogengemeindc angekauft und dem Dortmunder Museum geschenkt. — Die Ausstellung zeigt eine Füll« ivertvoller Gemälde, Plastiken, Radierungen und Zeichnungen. — Prunkstücke der Ausstellung sind zweifellos die Skulpturen Benno Elkans-Frairkfurt, dem Sohne Dortmunds: „Der alte Bettler" und der Kopf Rathenaus, wie seine beiden Leuchter, von denen wiederum die Gestaltung des Leuchters „Adam und Eva" ganz besonders hervorragt. — Neben den Gemälden Westselds, der als Porträtmaler einen besonderen Ruf genießt, das Gemälde „Kapellmeister M. N." otm Heinrich Gottselig-Frankfurt, „Morgengebet" von Laboschin s. A., Breslau. — Expressionistischer Richtung nähern sich die beiden Gemälde DO» Frau Cohn-Lebenheim-Berlin, „Tröstung" und „Spannung". — Künstlerisch hervorragend die Skulpturen und Medaillen von Leo Horowitz-Frankfurt, Pleßner-Berlin, Fleischhacker-Düsseldorf. — Bei de» Aquarellen, Radierungen und Zeichnungen fallen besonders Arbeiten vo« Benno Elkan-Frankfurt, Arthur Galliner-Frankfurt, Stanislaus Bender-München und E. M. Lilien s. A. auf. Dresden. (Zertvürfniffc in der B o l k s p a r t e i.) Immer mehr sich verschärfende Differenzen mit dem Leiter der Jüdischen Volkspartei Dr. Schornstein haben zwei seiner zionistischen Parteigenossen, die zugleich angesehene Mitglieder des Gemeinderats ivaven, soeben veranlaßt, ihre Aemter nicderzulegen: Vorsteher Dr. Levy und Verordneter Dr. Strauß; weitere Mandats»iederlegungen volksparteilich-zionistischer Abgeordneter stehen, rvie Versammlungskalender Berlin. Liberale Synagoge Rotten E. B., Schönhauser Allee 162. Gemeindeabend und Generalversammlung am Dienstag, den 25. März 1930, abends 8 Uhr pünktlich, Metzer Straße 1. 1. Vortrag: Warst «ns die Gemeinde? Herr Wilhelm Marrus, Repräsentant der Gemeinde. 2. Jahresbericht: Hermann Falkenderg. 3. Kassen» und Reoistonrbericht. 4. Aussprache. 5. Neuwahl des Vorstandes. 6. Revision der Statute«, Anträge, Verschiedenes. (Anträge sind vorher au de« Vorsitzenden zu richten.) Wir bitten alle unsere Mitglieder, mit Augehörig«« vollzählig zu erscheinen. Berlin. Mjitgliederversammiung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdische» Gemeinde zu Berlin E. V. am Mittwoch, de» 26. März 1936, 20.15 Uhr, im Vortragssaal der Synagoge Fasanenstraße. Wahl des 1. Vorsitzende«. Anschließend daran Teilnahme an dem Vortragsabend der Bezirls gruppe Charlottendurg-Ost. Besondere Einladungen ergehen noch. Berlin-Charlottenburg-Ost. Liberaler Verein sür die Angelegenheiten der Jüdische» Gemeinde zu Berlin E. V., Bezirksgruppe Charlottenburg-Oft. Am Mittwoch, den 26. März 1939, 26.30 Uhr, werde« im Vortragssaal per Synagoge Fafauevstraße über das Thema „Politische Weltanschauungen im Lichte des Judentums" Vertreter der sozialdemokratischen, der demokratische» und der Deutschen Bolksparlei spreche«. Die Redner werden in der besonderen Einladung noch dekanntgegeden wetten. Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdische« Gemeinde zu Berlin E. V. Anläßlich der Tagung des Preußische« Landeroerbandes jüdischer Gemeinden veranstaltet der Liberale Verein am Sonnabend, den 29. März, im großen Saal des Hotels Kaiserhof einen Gesellfchaftsabend. Näheres siehe Inserat in dieser Nummer. ¥ Gottesdienste * Berldr-Rorbe«. Liberale Synagoge Norde« (Schönhauser »Nee 162). Freitag, 21. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabends, vormittags 16 Uhr, Gottesdienst. Berttu-Ostrn. Liberale Synagoge Osten (Aula Kaiserstraße 29-30). Freitag, 21. März, abends 7.39 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensty. Berlin-Westeud. Liberale Synagoge Westead (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Freitag, 21. Mörz, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Raddinatskaadidat van der Zyl. Berlin-Wilmersdorf. Lideraie Synagoge Wilmersdorf (Cecittenschnle. Rtkolsdurger Platz). Freitag, 21. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin. Jüdische Resorm-Gemetnde. Gottesdienste am Sonntag, dm 23. März. Johannisftraß« 16: vormittags 16.30 Ahr; Predigt: Dr. Rosmthal. Kleiststraße 10: PormWag6_ 10.30 Uhr; Ansprache: Justizrat Dr. Julius Brodnitz. man hört, bevor. Damit wird, abgesehen von dem sich persönlich verändernden Bild des Gemeinderats, nicht nur die liberale Fraktion vor Tatsachen gestellt, aus denen sie ihre Schlüsse zu ziehen und nach denen sie ihre weitere Taktik einzurichten hat, es ist dies auch eine für den Frieden der Dresdner Gemeinde höchst bedauerliche Spaltung, die aber, wie die Dinge sich entwickelten, einmal kommen mußte. Eine gewisse Klärung wird wohl schon nächster Tage die Generalversammlung der Bolkspartei bringen. Rein tatsächlich dürfte intt'-essieren, daß der Zwist sich um gewisse seit langem von der Bolkspartei verfochtene Aenderungen des Dresdner Gemeindewahlrechts dreht, namentlich in den Punkten aktives und passives Wahlrecht der Mitglieder. Schornstein selbst ist Ausländer, war zor Jahren Rabbiner in Kopenhagen und macht nun als sogen, radikaler Zionist — im Gegensatz zu der gemäßigten Haltung der von ihren Aemtern zurückgetretenen Gemeindevertveter — diesen den schweren Borwurf, sich nicht genügend für die von ihnen unterschriebenen Forderungen der Partei eingesetzt zu haben. SrOUAVERCI^ KAKAO ■Billig. 'S : iDoh (Schmeckend, TUihrhaft. Bei aller sachlichen Gegnerschaft wird sogar von liberaler Seite anerkannt, daß die so Angegriffenen alles in ihren Kräften Stehend« getan haben, ihre Wünsche und die ihrer Partei zur Geltung zu bringe». Es kann dies aber nur auf diplomatischem Wege, in schrittweiser Anpassung der beiden Richtungen aneinander geschehen, zumal nach dem geltenden Dresdner Statut jede Wahlrechtsänderung eine Mehrheit erfordert, die aber bei dem gegenwärtigen Stimmenverhältnis nicht zu erzielen ist. Wie dem Bericht über die letzte GemeinderatS? sitzung zu entnehmen war, hatte man gerade eine neue Satzungskommission ins Leben gerufen zu dem Zwecke, die gesamte Satzung zu überprüfen und, sokveit möglich, zu modernisieren. Die Störungsversnche durch die zu so gewaltsamem Vorgehen keineswegs befugte Gruppe Schornstein gegenüber ihren eigenen Parteifreunden lassen es zweifelhaft erscheinen, ob die Liberalen vorläufig überhaupt für eine Verständigung zu haben sein werden, nachdem ihr ehrlicher Wille, neben den im Vordergründe stehenden deutschen Belangen denen der Ausländer Rechnung zu ttagen, durch ein Eingreifen unverantwortlicher radikaler Elemente derartig schlecht gelohnt und durchkreuzt worden ist. Frankfurt a. M. (Festsetzung des Steuersatzes.) Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer Sitzung am 12. März den Haushaltsplan für 1930—31 an die Finanzkommission zu verweisen. Die Festsetzung des Steuersatzes mußte, da die vom Finanzamt gesetzt« Frist am 1b. März ablief, zur Vermeidung der mit einer nachträglichen Festsetzung verbundenen höheren Unkosten sofort erfolge«. Vom Vorstand war vorgeschlagen, den Steuersatz mit 15 o/a sestzustellen. Herr Dr. Franz Wolf sprach im Namen der liberalen Fraktion zunächst sein Bedauern darüber aus, daß die Beschlußfassung über den Steuersatz vor Festlegung des Etats erfolgen müsse. Eine Ueberpcüfung des Zuschußbedarfes müsse alfe» noch erfolgen, aber zunächst würde man ihn als notwendig zugrundelegen. Beim Steuersatz sei dann zu berücksichtigen, daß die Wirtschaftslage in Frankfurt 1929 ungünstiger gewesen sei als im Reichsdurchschnitt und baß die Gemeindemitglitter besonders stark davon betroffen wurden. Die Schätzung des Vorstandes, daß die steuerpflichtigen Einkommen 15 o/o niedriger gewesen seien, werde also kaum zu pessimistisch sein. Vom Standpunkt der Steuerzahler sei zu beachten, daß die Steuerpolitik der Gemeinde sich schr rasch der Konjunkturbesserung angepaßt habe — entgegen der AuffassunU der Gemeindevertretung — die größere Stabilität gewünscht habe. Ein Vergleich mit vergangenen Jahren würde also jeweils eine Konjunkturpcriode umfassen. Dann ergebe sich, daß in den 3 Etat- Jahren 1926—28 durchschnittlich fast 15 0,o Steuer nötig waren, in den Jahren 1928—31 auf Grund des jetzigen Verttages nur 13 •/«. Der Beschluß des Vorstandes wurde einstimmig angenommen. Bon den Mitgliedern des Vorstandes hat Herr Willy Wolfs sein Amt medergelegt, so daß die Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes erfordere lich wird. Herr Dr. Geiger sprach das Bedauern der liberalen Fraktion aus, daß es nicht gelungen sei, Herrn Wolfs von seinem Entschluß abzubringen und dankte im Namen der Gemeindevertretung für seine besonders verdienstvolle Tätigkeit. Herr Wolfs ist eines der wenigen Mitglieder des Vorstandes, die aus der Gemeindevertretnn-, und zwar aus der liberalen Fraktion, hervorgegangen sind. Auf Untre« Dr. Geiger wurde die Vorbereitung der Neuwahl der Wahl-Borschlag-- Kommission überwiesen. Die Frage der Subventionierung des Philantropins durch den Landesverband soll bei der Etat-Beratung besprochen werden. Der Borstand hält die Aussichten für gering. Frankfurt a. M. (Ungünstige Entscheidung fiik sabbattreue Angestellte.) Bor kurzem hat der oberste Spruchsenat für die Arbeitslosenversicherung eine Entscheidung gefällt, iw der den Arbeitsämtern die Verpflichtung auferlegt wurde, darauf Bedacht zu nehmen, daß kein Arbeitssuchender einem Gewissenskonflikt andgesetzt werde. Wenn ein Arbeitnehmer bei der Arbeitsvermittlun< geltend mache, er könne die Arbeit am Sonnabend nicht mit seiner religiösen Ueberzeugung vereinbaren, so müsse das Arbeitsamt ihm eine entsprechende Stellung mit freiem Sabbat beschaffen; ansonsten ist die etwaige Entziehung der Arbeitslosenunterstützung rückgängig zu mache«. — Neuerdings hat jedoch der Spruchsenat eine Entscheidung gefällt, die zwar an der Verpflichtung der Arbeitsämter, sich um Stellen »st fteiem Sabbat zu bemühen, nichts ändert, aber klar ausspricht, daß die Verweigerung der Sabbatruhe nicht als berechtigte Arbeitsverweigerung im Sinne des § 90 des Arbeitslosenversichernngsgesetzes gelte» kann. In der Begritndung wird u. a. ausgeführt, es sei Aufgabe der religiösen Körperschaften für soziale Fürsorge, die Arbeitslosen durch ihre Arbeitsvermittlung vor Gewissenskonflikten zu bewahren. «Vertonende schwermütige Musik des Leidens einer großen Frauenseele, wir schauen die langsame, erhabene Geste des in Tranen und Stummheit ausgNö-sten Schmerzes, wir erfahren die Tragödie des allgemeinen Menschenloses, das zwischen Geburt und Tod unweigerlich beschlossen liegt. Aber dort, wo der Achter uns den Flug der vom schlafenden Leid gelösten Seele Sultanas schildert, wo er es unternimmt, ihren Ausstieg durch den Lichtkreis der Läuterung nud den Lichtkreis der Heiligung zur endlichen Schau des auf Erden verlorenen und nun in Rechen des Ewigen lebenden Bruders Raphael zu schildern, dort zeigt er sich uns als großer Künüler, ja, Äs ein Eingeweihter, der mit dem intuittven Schervlick in die Welten des Spiritualen begabt ist. Man höre etwa das achte Kapitel dieses seltsamen Buches, das Kapitel vom Fluge der Seele durch die Sphäre der Heili- WH- „Verwirrt von der feurigen Flut und übergossen von dem flammenden Purpur des Rubins, vermochten sie, schmerzlich geblendet, sich nicht zu fassen und hingen mit unsicher schwirrendem Schlagen ihrer Schwingen über der Schwelle der Halle. Und als so Schweigen urn Schweigen ihnen verglitten war — ein Funkeln wie von Myriaden edler Steine durchzuckte mit roten Lichtern die Lust und schien in unaufhörlichen Hagelschauern auf ein feuriges Meer niederzuprasseln — da wurden ihre Augen des Feurigen und Blendenden gewohnt, und heilig fürchtend erschauten sie, was vor ihnen ausgetan war. Denn wie der ewige Brand im Herzen der Sonne und das Flammen ihrer Strahlen im Herzen des Goldes — also brandeten und flammten wilde Feuerbrände aus dem Herzen des Rubinmeeres, das bis an des Blickes Grenze die Halle erfüllte. Und Pfeile um Pfeile, wie geschnitten aus Opal und durchpulst von feurigen Adern, schossen erstarrt aus dem hohen Nebeldach der Halle zum Meere nieder und zerstäubten auf den Kämmen der rollenden Wogen und auf dm weißen Schwingen der Seelen, die am Ufer des Meeres harrend bereit standen. Und der Raum und die Luft in ihm flammte wie im Zucken des Wetterleuchtms. So glüht die Krone des Abmds, so loht sein purpurnes Gewand, wenn Tage, die licht und lauter waren, die Weihe ihres Todes feiern... Doch lechzend nach Läuterung stürzten die Seelen, taumelnde, lichtselige Falter, sich ins wogende Flammenmeer. Sieben Male tauchten die Seelen, tauchten die Seelen, die bloßen Seelen... Erglühende Wellenberge nahmen sie auf und stürzten mit ihnen — die Seelen wie auf feurigen Schwingen tragend, — weit, weit über die gischtende, rote Flut bis an dre Grenze des Meeres. Tann schwangen die Seelen sich, reine, silberne Tauben, ans Ufer zu Füßen einer breiten, purpurnen Stufenleiter, die zu geheimnisvoller Höhe ragte. Und ein Lodern, wie rote Wellen des Herzens, wälzte sich über die Stuben und umhüllte die weißm Seelen mit scharlachenen Burrussen, als sie nun die Stufm hinanschwebten. Und als ihre Füße nun am Haupte der Leiter ruhten — noch flackerte des Feuers Purpur wie drohmd vor den Antlitzen der Seelen — siehe, da glänzten vor ihrm Augm zwei verschlossene Tore auf, blaufarbm wie Saphire. Aus dem blauen Bogen aber, der auf den Schultern der Tore lag, ragte eine Hand, auf derm Fingerkrone ein Kelch stand, gefüllt mit dem Weine der Heiligung, der blau war wie das Heiy des Saphirs der die Tore und Pfostm umfloß. Feierlich, ein Gewölke von Alabaster, näherte sich Seele um Seele und flog, Schwinge an Schwinge, oem saphirmm Kelche zu. Uud sie tranken aus ihm dm Wein der Heiligung. Neu waren ihre Sinne und rein wie Aether. Und standen so vor dm Toren. Und reihten sich zum Kreise und Huben an die Reigen der Heiligung. Sieben Reigen reigtm die Seelen, reizten die Seelm, die geheiligten Seelen... Und als den siebenten sie reizten, siehe, da spränge« auf die blauen Tore, wie des Himmels Tore bei der Geburt des Blitzes zerreißen — uud schlossen jäh sich hinter ihnen." ' Und man höre den Ausklang dieser Todeshochzeit, diese weisen Worte einer leiderlösten Seele, die sich trostvoll in das unabänderliche Geschehen ergibt, die in das Licht demütigen Glaubens taucht, um dort zur Tochter Gottes z« werden, der das Wohlgefallen bereitet ist. „Doch leise, leise und wie die Ahnungen der UiW keimt diese Frage in mir auf: Siehe^ es wachsen und blühen die Blütm der ErkmntniS des Ewigen aus dem Abgrund der Vernichtung empor! Siehe, es wachsen und blühen die Blüten der Erkenntnis des Friedens aus dem Abgrund des Leidens empor! Hat Gott solches getan z« sein« LnstÄ '! *! Hat Gott solches geschaffen zu seiner Erquickung? Oder aber... war es Gnade, Gnade den Formm und Gnade ihrem Leben, aus daß sie nicht in Brüche gingm wie die sieben Sphärenreiche der sieben Könige, die vor der Fülle der Lauterkeit des ewigen Lichtes in Brüche gegaugm sind bei der Erschaffung der Welt?..." Das ist das kleine, große Werk des Dichters Ariel Bmsion aus Jerusalem, der sich damit als echter „Sohn Zions" (Ben sionl erweist, als ein Dichter, in dem der Geist des Judentums dichtend lebendig ist. Als eine großem lyrische Stimme voll Melodie, Kraft und Weisheit. Di« Juden dürfen stolz sein, einen solchm Dichter zu besitze«, in dem die hohe und gewaltige Ueberlieferung jüdischer Religiosität und Mystik erne neue und entzückende Bütte trieb. Max Hayek.

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