Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 12 (19.3.1930)
- Date
- 1930-03-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Doris Mttner zum Gruß Fünfzig Jahre — das ist eigentlich kein Alter, das mit Recht von der Allgemeinheit Beachtung beanspruchen darf. Sind dann doch erst zwei Drittel auf dem Wege zum Alter des Pfalmisten zurückgelegt. Doch da es neuerdings bei «ns so Sitte, sei hier aus vollem Herzen einer treuen Mitstreiterin ein Glückwunsch dargebracht. Toris Wittner hat die Journalistik ererbt. Als Tochter des verstorbenen politischen Publizisten Dr. jur. I. Levy, des spateren politischen Leitartiklers der „Vossischen Zei tung", wurde sic frühzeitig mit den Erfordernissen journalistischer Praxis vertraut. Sie, die ihre ersten Kindheit» eindrücke dem Ausland verdankt, wohin ihr Vater geflohen war, um einer erireuten Gefängnisstrafe wegen Bismarckbeleidigung zu entgehen, wo er mit Frau und Kind fürs Jahre im Exil zubringen mußte, bis Bismarck den Strafantrag zurückzog; sie hatte als politische Schriftstellerin, die in geistvoller Weise Mißstände und Auswüchse unserer Tage mit feiner Satire zu geißeln versteht, ihren Weg vorgezeichnet. Eine Weltbürgerlichkeit war ihr von Anbeginn eingeimpft, die sie späterhin durch große Reisen im Ausland noch gestärkt hat, so daß sie befähigt war, Welt und Politik unter universellen Gesichtspunkten zu betrachten. Kaum gibt es be deutende Zeitungen, an denen Doris Wittner nicht gelegent lich mitgearbeitet hat oder noch milarbeitet. Weltblälter, wie „Berliner Tageblatt", „Neues Wiener Journal", „Neue freie Presse", „Neue Züricher Zeitung" oder der „Berliner okalanzeiger" — selbstverständlich nur, bevor er auf den Hugenberg gekommen war zählten sie zu ihren Mit arbeitern. Führende Laubes und Provinzzeitungen ebenfalls: Die „Frankfurter Zeitung", „Neue Badische Landeszeitung", ,,Neue Leipziger Zeitung", „Hamburger Fremdenblatt", „Königsberger Hartungsche Zeitung" usw. Daß sie auch in kritisch eingestellten Zeitschriften wie „Tagebuch" oder „Weltbühne" nicht fehlte, ergibt sich von selbst. Vom Jahre 1911 bis 1914 war sie selbständige verantwortliche Redak leurin der großen Frauenbeilage der „Vossischen Zeitung": in den Jahren 1922 bis 1925 verantwortliche Redakteurin der damaligen Berliner Zeitschrift „Ter Roland von Berlin". Aber neben dieser umfangreichen journalistischen Tagesarbeit hat Toris Wittner sich als Romanschriftstellerin mit Erfolg als Uebermittlcrin weltgeschichtlicher Epochen hervortzetan. Was wir von ihrer Feder besitzen, ist eine Bereicherung an Kultur- und Sittengemälden im Gewandes des Romanes. So charakterisiert beispielsweise der Roman „Drei Frauen" den Charakter und das Liebesleben Napoleons mit .einer unvergleichlichen Wahrheitstreue und einem vsychologischen Einfühlungsvermögen, die uns den Helden eines schier überlebensgroßen Schicksals menschlich naherücken. Ein zwei tes> durch einen weittragenden buchhändlerischen Erfolg ge kröntes Buch, „Tie Geschichte der kleinen Fliege"', verklärt poetisch das an Höhen nnd Niederung, an sprühendem Witz und beißender Ironie, an seelischer Fülle und körperlicher Hinfälligkeit reiche Leben des scheinbaren Weltverächters Heinrich Heine. Ter Novellenkranz „Aus sterbenden Zeiten" führt uns farbentrunkcne Bilder längst verschollener Jahrhunderte vor Augen und prosiziert moderne geistige Probleme auf zeitlich entrückte kulturelle Hintergründe. Aus diesem Novellenkranz verdient in dieser Zeitung insbesondere die Erzählung „Ebräische Hände" hervorgehoben zu werden, die die Verfasserin als glühende Anhängerin des „Alten Bundes" und seiner well und sittengeschichtlichen Mission erkennen läßt. Nicht im Sinne einer starren Orthodoxie. Ihre eigenen Gedanken dürften es sein, wenn in dieser Novelle ausgesprochen wird: „Unsere größten Feinde find die Buchstaben unserer Gesetze. Sie rauben uns den Sinn für die Wirllichkeit. Und schmieden uns in die gefährlichen Ketten von Formeln und Dogmen, die unseren Geist allmählich so einengen werden, daß er jede Bewegungsfreiheit verliert. Das muß anders werden. Anders, ehe es zu spät ist." Sobald jüdische Probleme oder gar antisemitische Angriffe in Frage kommen, tritt Doris Wittner als feurige Ruferin im Streit auf den Plan. Nichts ist ihr mehr zuwider als Opportunismus und Duckmäuserei: „Ich halte nichts von der laschen Feigheit, mit der unsere Glaubensgenossen sich um unsere Schmach in weitem Kreise herumdrücken, ohne einen offenen Blick in ihr Angesicht zu wagen." Während der Vorkriegs- und der Kriegszeit hat sie eine Reihe künstlerisch abgefeilter Augenblicksbilder ans dem Judentum veröffentlicht, die fast alle in den Spalten des „Berliner Tageblatts" und vorkrieglich in dessen Beilage „Ter Zeitgeist" erschienen sind. Dabei hat sie sich stets mit Entschiedenheit für ein geistiges, gegen ein territorial gebundenes Judentum ausgesprochen: „Tenn wo jüdische Kinder ihrem Gotte dienen, vergessen sie Qual und Not, fühlen sie sich in der Heimat, rauscht das Glück der Verheißung über sie hin." Daß Doris Wittner neben der vorstehend geschilderten Tätigkeit auch die Mitarbeit au jüdischen Zeitungen nicht verschmäht hat, verdient volle Anerkennung, zumal es leider bei denen, die in der allgemeinen Publizistik Mitwirken, mcht selbstverständlich ist. In früheren Jahren arbeitete sie vornehmlich an der von Ludwig Geiger redigierten „Allgemeineil Zeitung des Judentums" mit, während sie ihre Feder späterhin, ebenso wie ihr Vater, hauptsächlich in den Dienst unserer „Jüdisch-liberalen Zeitung" stellte. Unseren Lesern ist sie nidjt nur durch zahlreiche aktuelle Aussätze über Kultur und Leben bekannt geworden, sondern auch durch novellistische Skizzen sowie durch ihren Roman „Ter tote Jude", der die kriegerischen Bilder und konfessionellen Streitigkeiten des noch nicht geeinten Deutschland zu Ausgang des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts - vor' der Emanzipation der Juden in Deutschland — schilderte. Augen blicklich beschäftigt sic sich damit, ihrem neuesten Roman „Das Auge Afrikas" die letzte Feile für die Buchausgabe äuge deiheil zu lassen. Hier verschmäht sie zum ersten Male die historischen Stützen und gibt stattdessen eine glutvolle Schilderung unseres eigenen, von Krieg und Staatsumsturz aus den Fugerl gerissenen Zeitalters. Ter Hintergrund dieses Romans, in dessen Mittelpunkt eine russische Jüdin steht, bildet der nordasrikanischc Küstenstrich, den die Verfasserin selbst gründlich studiert hat. Fernerhin ist Toris Wittner zur Zeit damit beschäftigt, die literarischen Porträts führender jüdischer Persönlichkeiten, die im Erftabdruck teilweise ebenfalls in unserer Zeitung erschienen sind, zu einer selbständigen Sammlung zusammenzufasscn, da sie öou einem namhaften Verleger als Buchausgabe von ihr angefordert wurden. So harrt an ihrem 50. Geburtstag mancherlei Arbeit auf ihre Meisterin. Und auch .journalistische Arbeiten, in denen sie durch eine vielmonatige schwere Erkrankung unterbrochen worden ist, warten aus Erledigung. Daß ihr hierzu wieder die volle Kraft für weitere Jahrzehnte gegeben sei, daß sie bei ihrer Arbeit sich auch fernerhin unseres Blattes erinnern möge, das sei der Wunsch, der uns mit ihr an ihrem 50. Geburtstag verbindet. Bruno W o y d a. Umschau Henry Torres und Hans I. Rehfifch schreiben gemeinschaftlich ein Schwarzbart-Drarna. Henry Torres, der berühmte französische Advokat und Schriftsteller, der Verteidiger des jüdischen Uhrmachers Schwarzbart, der den ukrainischen Hetman Petljura in Paris als Vergeltung für Pogrvmtaten in der Ukraine erschoß und darauf von einem Pariser Geschworenengericht freigesprochen wurde, hat den Berliner Anwalt und Dramatiker Hans I. Rehfifch, Mitverfasser des erfolgreichen Dramas „Die Affäre Dreyfus", aufgefordert, gemeinschaftlich mit ihm den Fall Schwarzbart zu dramatisieren. Hans I. Rchsisch hat die Einladung angenommen. Trauer um den Erprasidenten Taft in der amerikanischen Judenheit. Tas Ableben des früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten, Taft,- hat auch die amerikanische Judenheit in Trauer versetzt. Taft war energisch für die Lösung des Handelsvertrages mit dem zaristischen Rußland eingetreten, als die zaristische Regierung sich weigerte. Einreisevisa amerikanischer Bürger, weil sie Juden waren, zu vidieren. Als Taft 1908 zum Präsidenten nominiert wurde, war der Handelsvertrag mit Rußland bereits in Kraft getreten. In seiner Ansprache bei der Nomination bezeichnete er das russische Vorgehen in der Paßfrage als den Prinzipien der amerikanischen Regierung zuwider und versprach, wenn er gewählt wird, dieser Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit zu widmen. 1911 lud er Jacob Schiff, Louis Marshall, Mayer Sulzberger, den Bnei Brith-Weltpräsidenten Adolph Kraus, Philip Stein, Jacob Furth, I. Walter Freiberg, Bernhard Bettmann und Simon Wolf zu einemrFrühstck in das Weiße Haus ein, um mit ihnen die Aushebung des Handelsvertrages mit Rußland zu diskutieren. Es war dies das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident eine jüdische Telegation in das Weiße Haus einlädt. Nach dem Frühstück besprach Präsident Taft mit seinen Gästen die Einzelheiten der Rußlandfrage und teilte ihnen mit, daß die Situation sich bessere, sodaß eine so dratrische Aktion wie sie Lösung des Vertrages nicht notwendig sei. Jacob Schiff widersprach dem und griff den Präsidenten später in einem Briefe an. Tie Führer der amerikanischen Judenheit setzten Zum so. Geburtstag Arthur Eloesiers Am 20. März wird einer der llügsten und begabtesten deutschen Literaturforscher, -Darsteller und -Kritiker, Arthur Cloesser, 60 Jahre alt. Eloesser, aus einer alteingesessenen jüdischen Familie stammend, ist ganz und gar ein Berliner Kind. Er ist sogar, zum Unterschied von so viel anderen sogenannten „Berlinern", in Berlin geboren und hat sämtliche Entwicklungen und Wandlungen unserer Literatur „an der Quelle" als Mitkämpfer und Schildgenosse wie wenig andere miterlebt. Seit mehr als einem Menschenleben ist er auch einer der prominentesten Theaterfrittfer der Reichshauptstadt, immer aus dem Qui vive, stets zur Klärung der Meinungen und Geister beitragend und ein gescheites Wörtlein mitredend, oft ein wenig ruppig, sehr selten daneben hauend, immer ein ehrlicher, überzeugter und aufrechter Rufer im Streit, frei von Manier und Stilmätzchen, .... „Sperre werfend und die Götter ehrend", wie er selbst einmal von sich gesagt hat! Ueber sein Amt als Richter vergänglichen literarischen Geschehens hinauswachsend hat Eloesser auch wertvolle Bücher veröffentlicht, die seinen Namen und sein Werk dereinst einmal sicher vor Vergessenheit schützen werden. Mit einer Feinfühligkeit, einem Wissen nnd Verstehen, wie es in der kritischen und essayistischen Literatur unserer Tage selten ist, hat er Studien über Kleist, Thomas Mann, theatergeschichtliche Themen usw. geschrieben., lind »gerade jetzt erscheint bei Cassirer eine großangelegte deutsche Literaturgeschichte von ihm, die so gar nichts Profefforales und geistig Vertrocknetes an sich hat, sondern — man kann es ohne jede geburtstagsfeier-begründete Ueberschwänglichkeit sagen — eine der besten und geistvollsten Gesamtdarstellungen der deutschen Literatur ist, die wir besitzen. Alle an der Entwicklung, der Erhöhung deutscher Kultur und Vergeistigung alles Seins Interessierten werden den 60. Geburtstag des hervorragenden Mannes mit dem Wunsche begehen, daß seine Arbeit und Leistung uns noch möglichst lauge erhalten bleiben mögen. Wir, die wir allenr jüdischen Wesen und Wirken kritisch und darstellend mit Interesse folgert, schließen uns diesem Wunsche an und freuen uns, daß wir in Eloesser nicht nur einen höchst fähigen „Kritiker" besitzen, sondern auch einen aufbauenden „Schaffer", dessen Bestes ja auch seit langem ganz allgemein anerkannt ist. Dr. Ludwig D a v i d s o h n, Berlin. Ein Kleinod der neueren jüdische« Literatur Im Jahre 1919 lernte ich in Wien, wo er damals lebte, Tr. Ariel Pension kennen, einen Dichter und Gelehrten, der mir von einer hebräischen Dichtung sprach, die er selbst ins Deutsche übertragen hatte und nun im Deutschen publiziert scheu wollte, nachdem sie in Jerusalem im Urtext erschienen war. Der Wiener Verlag von E. P. Tal L Ca nahm das kleine Werk — klein nur dem Umfange, nicht dem Gchalte nach, — an, und publizierte es in einer schönen Ausgabe mit interessanten Zeichnungen der Graphikerin Sascha Kronburg und einem würdigenden Vorworte von Tr. Richard Beer-Hosmann. „Hilulah", wie es ursprünglich hieß, oder „Die Hochzeit des Todes", wie es im Deutschen genannt wurde, fand seine Schätzer. Das Büchlein ist vergriffen nnd nicht mehr erhältliche aber da es sich um ein Werk von ungewöhnlicher Klaffe und von ganz besonderem Charakter handelt, sott es uns hier ein wenig beschäftigen. Dokumente, wie diese Dichtung eines ist, dürfen nicht vergessen werden. Sie sind Kleinode. Kleinode zumindest der jüdischen Literatur. Die Fabel der kleinen, großen Dichtung, in die hinein die Geheimnisse und Symbole der Kabbala und anderer, uralter Weistümer des Judentums mit erstaunlicher dichterischer Kraft gewoben wurden, die Fabel dieses Werkes, das durch Prunk und Tieffinn seiner Sprache ergreift. Kl schnell erzählt. Altana,' eine Mische Fra«, schreibt in der es durch, daß sowohl der Senat als auch das Reprchentanteuhaus Resolutionen annahmen, in denen der Präsident ausgeforderl wurde, oer russischen Regierung zur KenntuiS zu bringen, daß der Handelsvertrag am 1. Januar'1913 außer Kraft tritt. Präsident Taft hat seinerzeit gegen die geplante Dillingham Gardener Einwanderungsbitt, die eine Intelligenz- Prüfung für Einwanderer forderte, ein Veto eingelegt. Im Mai 1911 setzte er sich für die Errichtung eines Denkmals für Chaim Salomon ein, den polnischen Juden, der i« Befreiungskriege eine große Rolle gespielt hat. 1910 erschien er persönlich in der in Washington stattgesundenen Convention der Bnei Brith, im selben Jahre besuchte er in Ne« Port den Ball der Taughters os Jacob. Er war es, der den Juden Oscar Straus zum Botschafter in der Türkei und den Juden Lewis Einstein zum Gesandten in Costa Nie« ernannt hat. 1912 wurde dem Präsidenten Taft die Goldene Bnei Brith Medaille zuerkannt, die oem Mann oder der Frau, ungeachtet des Glaubens verliehen »oird, der oder die im Verlaus des Jahres am meisten zum Wohl der jüdischen Glaubensgemeinschaft beigelragen hat. In dem National Geographie Magazine vom Juli 1918 veröffentlichte Taft einen von großer Einfühlung zeigenden Aussatz über Charakter und Geschichte der Juden und ihre Rolle iu der Zivilisation. 1920 wohnte er der Konferenz der Liga gegen Verleumdung der Juden in Chicago bei und wandte sich dort in einer Ansprache gegen den Antisemitismus Henry Fords und seines Organs „Tearvorn Independent". Er bezeichnete den Antisemitismus als lasterhaft. unamerikanisch und nannte die „Protokolle der Weisen von Zion" eine „absurde Münchhausiade". In einer Proklamation gegen die Protokolle stand sein Name an der Spitze von 116 prominenten amerikanischen Christen, die die Protokolle als eine infame Fälschung erklärten. Die Moskauer Große Synagoge wird nicht beschlagnahmt. Bekanntlich hat der Moskauer Stadtsowjet am 15. Februar d. I. an die Moskauer Jüdische Gemeinde die Aufforderung gerichtet, die Moskauer Große Synagoge binnen 14 Tage« dem Verein der Atheisten zu übergeben, oer in der Große« Synagoge seine Hauptbüros unterbringen will. Tiefe 14tägige Frist ist nun beträchtlich überschritten, ohne daß die jüdische Gemeinde oer Aufforderung des Stadtsowjets nach Auslieferung der Synagoge nachgekommen ist. Die jüdische Gemeinde hat gegen den Entscheid des Moskauer Stadtsowjets au das Zentralexecutivkomitee der Sowjetunion appelliert. Wie der J.T.A.-Bertrtter erfährt, besteht in den Kreisen des Zentralexecutivkomitees in keiner Weise die Neigung. dem Beschluß des Stadtsowjets wegen Beschlagnahme der Synagoge die Sanktion zu erteilen. Ein hoher Sowjetbeamter erklärte dem Jta-Bertreter gegenüber: Solange die Erlöserkirche in Moskau, die die größte Kirche in oer Sowjet union ist, nicht beschlagnahmt wird, solange habt ihr Juden eine Beschlagnahme eurer Großen Synagoge nicht zu befürchten. Ter Verband der Atheisten setzt die Bemühungen fort, in beu Besitz der Moskauer Großen Synagoge zu gelangen Mitglieder dieses Perbanoes sammeln Unterschriften von Arbeitern unter eine Petition an das Exekutivkomitee der Sowjetunion, in der ausgesührt wird, oaß die jüdischen Massen selbst die Umwandlung der Synagoge in eine antireligiöse Kulturinstitution verlangen. Dem Jta-Bertreter wirb aber aus authentischer Quelle versichert, daß diese Bemühung -er Atheisten iveni?, Aussicht auf Erfolg hat. Ablehnung eines Antrages auf Sch acht verbot iu Baß«. Der badische Landtag hat in seiner am 13. März abgehaltenen Sitzung den von der Fraktion der Nationalsozialisten gestellten Antrag auf Erlaß eines Sch acht Verbots abgelchnt- Um geistige Freiheit in Palästina I. I e r u s a l e m, 1 2. M ä r z (J.T.A.). Wie der J.T.A.- Vertreter erfährt, wurde einem Kreis von Freunden Jabotinsky in Palästina seitens einer palästinensischen amtlichere Stelle zu verstehen gegeben, daß eine Rückkehr Jabotinsktzs nach Palästina den Bchörden unerwünscht sei. Grund hieffüc ist, wie man glaubt, die von Jcvbotrnsky kurz vor seiner Abreise aus Palästina gehaltene Ansprache, sowie einige von ihm später in der Palästina-Presse veröffentlichte Artikel. II. Jerusalem, 12. März (J.T.A.). In Jerusalem zirkuliert das Gerücht, daß Dr. I. L. Magnes beschlossen gegossen wurde. Wir hören die aus verschollenen Tagen Her- Nackt des elften Tebet einen Brief an ihren Neffen Jazitz. Sie schirerbt ihn in Mgier und berichtet dem Neffen darr» von einem Traume, den sie einst geträumt, damals, vor drei Jahren, in jener Nacht, da ihr Bruder, der große, erleuchtete Raphael, gestorben war. Sie erzählt dem Neffen von dem Aufstiege ihrer Seele im Traum jener Nacht, von der Läuterung und Heiligung ihrer Seele in den Sphären der jenseitigen Well, und von der Begnadung, die sie erfuhr, indeni sie den totgewußten Raphael, oben, in höchster Sphäre, nn Reigen der Verklärten schauen durste. Und sie erzählt ihm, wie ihrer Seele, nach dem Erwachen aus ihrem Traume, Ruhe und Befriedung wurde und Aussöhnung mit dem Geschick, das ihr der Herr der Welten zu tragen auferlegt habe. Es ist eine lyrische Dichtung, ein Bericht, wie gesagt, eine Erzählung, ein Brief —: aber es ist nicht das Was, da» diesem Werke seine Bedeutung gibt, es ist das Wie. das ihm seine Sonderstellung zuweist. In seinem Vorworte zu der vergriffenen Wiener Ausgabe der .Hochzeit des Todes" hatte Tw. Richard Beer- Hoftnann, der Dichter von „Jaakobs Traum", auch diese Zeilen an den Verfaffer Tw. Ariel Bension gerichtet: „Ihr Werk' ist in der Lprachx der heiligen Schrift geschrieben und die Uebertragung scheint mir manches von dem schwere«, wenig gelenken, feierlichen Ernst einer Sprache gewahwt zu haben, der seit mehr als ein und einhalb Jahrtausenden erspart bliebe in gleichgültigem täglichem Dienst gestumpft und abgegriffen zu werden." Es ist in der Tat vor allem der feierliche Ernst der Sprache, der uns in den Bann dieser starken, fremdartigen Dichtung zwingt, es ist die «Ser raschende Plastik des Ausdrucks, der Glanz ganz neuer, herrlicher Prägungen, die Fülle geistgeschauter Bilder, die üverwAtrgen. Mer wenn die Sprache dieses Werkes viel Rtz sv ist sie noch nicht alles. Sie ist nur das exotisch leuchtende und schimmernde Gefäß für einen Gchalt, der aus He^enStiefen heraufgeholt und wie Blut der Seele in dieses Gefäß