Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-03-12 · 11 (12.3.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
11 (12.3.1930)
Date
1930-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614064--3497-2621093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

gebieten so auch auf dem des religiösen Lebens notivcndig. Wo Gc^ «einschast sei, da bildeten sich auch Formen, wenn auch räumlich in* zeitlich beschränkt. Allerdings könne das Formenioesen die Gsbanken der Religion, den eigentlichen Inhalt ersticken. Di« Formen sollen dar Verhältnis des Menschen zu Gott, zu seinen Mitmenschen regeln. Weiter meinte der Vortragende, daß in unserer Zeit das religiöse Judentum nur dann vorwärts kommen könne, wenn es seine Formen beibehält, in veränderter Gestaltung. Die Form sei inch notwendig, um dem Kinde die religiösen Gedanken verständlich zn machen. Hier müsse der Lehrer oder Erzieher ausgleichend wirken. Warum sollten wir denn gerade auf religiösem Gebiete die Formen missen, wo wir doch auf allen Gebieten, in Staat (Flagge) und Geschichte, oder in rein persönlichen Dingen (Ehering) die Schaffung von Symbolen sähen? Das liberale Judentum lasse die Form in modernem Gewände wieder zur Wirkung kommen. Der Vortragende nahm danach noch, soweit es die zur Verfügung stehende Zeit gestattete, zu einzelnen Formen Stellung. So setzte er sich mit besonderer Wärme für Aufhebung der Trennung nach Geschlechtern im Gottesdienst ein, ebenso für die Ausgestaltung der Barmizwohfeier imd der Trauungszeremonien. Aber auch den scheinbar unbedeutenderen Formen und brauchen wandte der Vortragende seine Ausmerk famkeit zu, u. a. dem Kiddusch, der Mesusoh, dem Tefillinlegen. Der Lorttagende schloß seine' mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit einer Mahnung an die Jugeird, sich klarzumachen, daß Formen nicht nur dazu da sind, beiseite gestellt zu werden. Die Form mag neu sein/ die Gedanken, die loir hineinlegen, seien alt- Als Veranstaltmrg der .Hauptgruppe hatte am 12. Februar ein Ausspracheabend stattgefunden über „Tic Bedeutung der liberalen Tagung für unseren weiteren Weg". Der größte Teil der Anwesenden setzte sich hierbei für Fortführung des bisher von der Vereinigung »nd in der Jüdisch-liberalen Zeitung beschnittenen WegeS ein. Tie in der liberalen Bewegung vorhandenen Difserenlierungen kamen auch in unserem Kreise zum Ausdruck, doch war man sich im Endziel durchaus einig. Ucber den Vortrag „Jugend und Tradition", den Herr Rechtsantvalt Erich Spitz am 29. Februar in der hauptgruppe hielt, berichten wir besonders, ebenso über einen Teil der Jüngeren- Kruppenveranstaltungen. In der Jüngereu-Gruppe hielt am 13. Ae bruar Heinz Silbermann das einleitende Referat zu einer „Aktuelle Theaterschau/' betitelten Aussprache. Er stellte sich im wesentlichen »uf den Standpunkt, daß das Theater in weitestem Maße kulturelle Wette vermitteln müsse. Im Anschluß an die Freitagabendspatandacht, in deren Mittelpunkt eine Predigt von Herrn Gemeinderabbiner Tr. Vogelstein stand, veranstalteten wir am 21. Februar ein gemeinsames Freitagabend essen. Bei dieser Gelegenheit erörterte unser 1. Vorsitzender, Wolfs Davidsohn, mit ernsten Worten die augenblickliche Situation des Bereinslebens, da sich einige unserer eifrigsten Freunde aus beruflichen Gründen vorübergehend von der Arbeit zurückziehen müßten, und «ahnte die Anwesenden zu ebenso verantwortungsvoller Arbeit für die Zukunft. Alfred Berger verstand es, schwungvoll wie immer, anch seinerseits auf unsere schwere Ausgabe hinzruveisen. Vulkan. Frankfurt a. M. (J l i -Jugendgruppe.) In unserer Zusammenkunft am 1. März hörten wir einen Vortrag von Hella Lion über die „Not der Jugend". Nach der Meinung der Referentiu muß «an grundsätzlich zwischen der Not der bürgerlichen und der der proletarischen Jugend unterscheiden. Die Rot der proletarischen Jugend zeigte die Refeventin an einem Stück au» dem bekannten Buch von O. M. Lampel „Jungens in Not". In diesem Abschnitt wurde das Schicksal eines Jugendlichen behandelt, dessen Eltern geschieden sind nud der dadurch sehr vcrtvahrlost ist. Als Beispiele bürgerlichen Jugendschicksals gab uns die Reserentin die Bücher von Hermann Hesse „Unterm Rad" und von Emil Strauß „Freund Hein". In „Unterm Rad" wird das Schicksal des schwäbischen Bauernsohns Hans Giebeuruth behandelt. Hans, der sehr begabt und ehrgeizig ist, muß Tag und Nacht für ein Examen lernen. Er besteht es sehr gut und kommt aufs Seminar, in den dazwischenliegenden Ferien muß er auch lernen, dazu kommt eine tragische Freundschaft. Schließlich muß er sich mit dem Mechanikerberuf begnügen. An allem diesem leidet er seelisch stark; schließlich geht er freiwillig in den Tod. „Freund Hein" ist das Schicksal eines Jungen, der an dem Wunsch seines Vaters scheitert, der unbedingt will, daß er Staat,sanwalt wird. Der Junge hat aber für nichts außer Musik Interesse; dadurch kommt er in der Schule nicht durch, da er für Mathematik völlig unbegabt ist, bleibt er immer wieder sitzen. Er will zwar Musiker werden und die Mathematik ist ganz unnötig für ihn, aber weder Vater noch Lehrer verstehen ihn. So endet auch er durch Selbstmord. An das Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion über Jugendfragen an. Wolfgang Edingcr. 7s Das Jli-Programm 8wl«. Aelterengruppe: Mittwoch, dev 19. März, -ei Werver van der Zyl» RW. 87, Brückevallee 5, -ei Marcufe. Sonntag, den 23. März, 10.3V Uhr, in der Synagoge Fasanen, straße 79-80, Heinrich Stern: Grundlagen des liberalen Judentums. Südende. Am Sonnabend, den 15. März, nachmittags 4.30 Uhr, bei Peter Fleischer, Südende, Potsdamer Straße 17. «tegtttz. Am Sonntag, den 16. März, vormittags 11 Uhr, bei H. Deutschland, Steglitz, Heinrich Seydelstraße 6. Breslau. * Sonnabend, den 15. März, 20.30 Uhr, Restaurant Schaal, Tauentzienstraße 12: Gemütliches Purimbeisammensein. Hauptgruppe: Mittwoch, den 19. März, 20.30 Uhr, Rcligionsschule II, Anger 8: Bortrag von Herrn Dozent Dr. Albert Lewlowitz: „Die geistigen Grundlagen der Emanzipation der Inden und die Weltanschauung der Gegenwart". Jüngeren-Grupp«: Donnerstag, den 13. Marz, pünktlich 20 Ahr, Religivnsfchule JI, Anger 8: Bortrag von Franz Meidner: „Raffe, Bvll, Nation". Frankfurt a. M. Dienstag, den 16. März: Heimabend. 20.45 Uhr Westendsynagoge. Zeitungsschau. Dienstag, den 25. März, 20.45 Uhr, Weftendfynagoge: Heimabend. „Wir und die Krise der Demolratie". Bortrag von Dr. Cdinger. Samstag, dev 29. März, Stiftungsfest anläßlich unseres fünfjährigen Bestehens in den Clubräumen Groh-Franlsurt. Karten zu RM. 2„— bei den Mitgliedern und an der Abendkasse. Liegnih. Am Freitag, den 21. März 1930 (nicht 14. März), veranstaltet der Liegnitzer Jtt in de» Räumen der Silesia-Lvge, Bäckerstratze, eine Freitagabendfeier. Alle Gönner und Freunde sind schon jetzt herzlich eingeladen. Es ergehen noch besondere Einladungen. Vereinsnachrichten Lrholungsjürsorge für bas Personal der jüdischen Organisationen. Der Verein der Beamten und Angestellten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beabsichtigt, zur Beratung der Schaffung billiger Erholungsmöglichkciten für das Personal (einschl. Familienangehörige) der jüdischen Organisationen eine Reihe von Beauftragten aller Interessengruppen zusammenzurufen. Der Bereinsvorstand bittet diejenigen beteiligten Organisationen, welche bas in Kürze herausgehend»'' Rundschreiben zu dieser Angelegenheit nicht erhalten sollten, sich an den Vorsitzenden des Vereins, Eitel Rockmacher, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 29 (Schulbüro der Jüdischen Gemeinde), Tel. Weidendamm (D2) 5921, zu wenden. Hochschule für dis Wissenschaft der Judentums, Berlin, Artillerie straße 14. Vortrag des Herrn Dr. Ernst Cohn-Wiener am Montag, den 17. März, abends 8 Uhr, in der Aula der Hochschule: „Die großen Zeitalter der jüdischen Kunst", mit Lichtbildern. Gesellschaft zur FSrdirung der Wissenschaft des Judentums E. L. Am Mittwoch, den 19. März d. I., 20 (8) Uhr pünktlich, findet im Logenhaus, Berlin W. 62, Klciststraße 10, eine Mitgliederversammlung statt. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung wird Herr Dozent Dr. I. Heinemann-Breslau über das Thema: „Die geschichtlichen Wurzeln des neuzeitlichen Humanitätsgedankcns" sprechen. Die Zentralstelle Jugenddienst (Rachgehende Fürsorge) des Jüdischen Frauenbundes Frankfurt a. M. will allen alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite stellen. Anfragen und Mitteilungen an die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Langeftraße 8, tragen zum Erreichen dieses Zieles bei. Synagogenvercin Priuzregentenstraße E. B. Ter dritte Gemeinde abend findet Montag, den 17. März, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses Schöneberg, Rudolf Wilde Platz, statt. Herr Rabbiirer Dr. 29eyl spricht über die historische Entwicklung der Liturgie ins-- besondere an den hohen Feiertagen, Herr Rechtsanwalt Dr. Lamm über die Wohlfahrtspflege im Bezirk Prinzregentenstraßc. Herr Ober. kantor Wilhelm Friedmann bringt ernste und heilere Gesänge zum Vortrag. Im geselligen Teil werden die Mitglieder des Synagogenchors der Liberalen Synagoge Wilmersdorf Mitwirken. Eintritt frei. Gäste willkommen. Reichsdund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirke Nord und Süd, veranstalten gemeinsam am 20. März d. I., abends SH» Uhr, einen Vortragsabend mit Damen und Gästen in den Sophi«r-Sälen, Sophienstraße 17-18. Referent: Direktor Dr. 2. Hollaendcr, Thema: „Unsere politischen Sorgen". Religionsschule Baumfchulenweg-Treptow. Purimseier am Frei tag, den 14. März, nachmittags 5 Uhr pünktlich, verbunden mit Bewirtung der Kinder in der Aula der 3. Volksschule, Treptow, Kiesholzstraße 46, I. Frcitagabendgottesdienst, Ansprache und Schlußgebel. Festspiel: Ter gerechten Sache Sieg. Aajechulla und Kiddusch (Fortsetzung des Abendgebets). Kaffeetafel für die Kinder. Zur Deckung der Unkosten tvird ein Beitrag von 50 Pfennigen pro Person er hoben. „Jeschuah" Verein für religiöse Hilfe E. B. Die ordentliche Generalversammlung mit satzungsgcmäßem Programm findet Sonntag, den 16. März, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal der Synagoge Fasanenstraße statt. Vorher Vortrag des Rabbiners Dr. Prinz über die Entstehung des Kaddischgebets. — Herren, die sich an der Arbeit des Vereins beteiligen wollen, werden gebeten, sich bei der Geschäftsstelle, Windscheidstraße 16 (Arnold Wasser), zu melden. Stellenmarkt unterhält wirtschafts-politischen Dienst und fertigt Berichte über alle Gebiete der Börse, des Handels und der Industrie an. Anfragen erbeten unter B. 15 Bin wegen politischer Vergehen in Strafhaft befindlicher Kaufmann wird April Ire! und sucht Stellung. Grosse vornehme Erscheinung, beste Umgangsformen, weltgereist, Israelit, 25 Jahre. Gute Kenntnisse in: Herrenkonfektion, Herren- und Damenstolfen, Seiden, Spitzen, Modewaren, dekorations- und reklametechnisch nach modernsten Methoden (Werbebrief, gut. Texter). Erstklassiger Verkäufer, Empfänger, Personalaufsicht. Geschmackvoller Modefachman n, taktvoller Mitarbeiter. Beruf, Ort, Land gleichgültig. Angebote befördert unter Chiffre E. Sein 26 die Expedition dieses Blattes^ Gehildete einen gewissenhaften Mitarbeiter. mir in seriösem Hause eine neue Existenzgrundlage erarbeiten. dass Organisation, Propaganda und Aussendienst die Fundamente eines gesunden Geschäftes sind. wenn Sie sich umgehend wenden an die Exped. dieses Blattes unter Nr. B. D. 73. aus gutem Hause, mit engl, und französisch. Sprachkenntnissen, Führerschein III b, sucht geeignete Gefl. Zuschriften an die Expedition d. Bl. unter E, «L 68. Qualifizierte Krane finden Sie durch Stellen-Angebote in der weitverbreiteten Jüdisch-liberalen Zeitung Verlangen Sie Sondertarif f. Stellenmarkt Unsere Sprechstunden: Für Schulentlassene: Knaben: Dienstag u. Freitag, v. 10—1 Mädchen: Montag u. Donnerstag v. 10—1 Für Schüler: Knaben u. Mädchen: Montag, Dienstag, Mittwoch v. 1/24—5 Für Bewohner des Westens und der westlichen Vororte Berlins: Knaben u. Mädchen: Donnerstag, v. 3—6 im Synagogengebäude Fasanenstr. 79 Wir suchen noch handwerkliche Lehrstellen Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise Abteilung Berufsberatung Berlin R 24, Auguststrasse i? Telefon: Norden 9130 u. Weidendamm 5936 Religiöser uortrag Sonntag, den 16. März 1930, vormittags ll1/, Uhr, im Saale des Brüdervereinshauses, Berlin, Kurfürstenstiasse 115/116 Dr. Cohn-Wiener: „Jüdische Seelejüdische Kunst“ (Mit Lichtbildern) Vor und nach dem Vortrag: Chorgesang Jüdische Gemeinde Hochschule I. fl. uiissenschait fl. Judentums Berlin N, Arlilleriestrake 14 Montag, den 28. April 1930, vorm. 11 Uhr Vorprüfung 24. und 25. April, vorm. 10 Uhr ^'erel« für Fenerbestatttiug fw Berti» von 1H74, e. V. vern». koutenlutte Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltzowstrafle 44, Telephon: Lötzow 960-*l Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt. Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstraße 124 Einheirat gewünscht von seriösem Herrn, Anfang 30 Jahre, vielseitig gebildet, kaufmännisch gewandt, mit netter jungen Dame Herzensbildung, geistig regsam. aus guter Familie. Gegenseitige Diskretion Ehren sache. Austührl. Zuschriften mit Bild erbeten unter Nr. D. F. 36 an die Hauptgeschäftsstelle dieses Blattes Eine moderne Hagada für die Sederabende bearbeitet von Hermann Falkenberg Preis broschiert M. 0.60, in Leinen gebunden mit GoldprägungM. 1.50. Bei größerem Bezug Rabatt. Bestellungen und Zahlungen an Moses GofttfelcB», Berlin NO 55 Heinrich Rollerstr. 24 Tel.: Königstadt 1814 Postscheck Berlin 26553 Junge Dame Anfang 20, aus gutem Hause, sucht Heirat mit gebildetem Herren in gesicherter Position. Gefl. nur seriöse Zuschriften erbeten unter Nr. H. K. 516 an die Hauptgeschäftsstelle dieses Blattes Die Zf der World Union for progressive Judaism (Weltverband für religiös-liberales Judentum) findet Mitte Juli 1930 in London statt. Wichtige Fragen stehen zur Erörterung. Deshalb muss auch unsere Vereinigung zahlreich vertreten sein. Disponieren Sie jetzt schon Ihren Urlaub entsprechend! Staatlich genehmigte wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande Wolfratshausen im Isartal / 580 m Ober dem Meer (Gründung des jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München) bildet junge Mädchen aus au tüchtigen Hausfrauen und schafft die Grundlage zum Wlrtschaftsberuf, «um Sozialberuf und zun» I<ehrberuf iDie Schule wird streng rituell gelfihit. nmeldungen für das Winterhalbjahr jetzt I erbeten. Prospekte durch die Schulleitung. unserer Freunde gehören m die «erlag: Vereinigung für das liberal« Jubenttnn e. Berlin SW. 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyba, Berlin SW. 29. — Für den Inseratenteil: Ludwig Herrmann. Berlin-Friedenau. — Druck: Hermann Wegner 6c Co., Berlin-Mattendokf. 67 464467186^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.