Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 11 (12.3.1930)
- Date
- 1930-03-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-u stellen, dort ist der eigentliche, gefährliche „RischUS"', der nur schwer gehemmt werden kann, weil er sich im Berbovgenen, im Innern des Menschen frei entfaltet. Und diesem Haman, diesem Manne des Loses, diesem Menschen des Zufalls, steht Mordechai als das Symbol des Guten gegenüber. Er zögert nicht und fragt nicht, was er tun soll. Ein Weg der Klarheit und Gewißheit ist es, den er geht. Das Leben des Königs, des heidnischen Königs Ahasveruö, ist in Gefahr. Mörder haben sich gegen ihn verschworen. Mordechai hat es erfahren. Ueberlegt er erst, «b -er es melden, ob er dem König das Leben retten soll? Nein, er rettet das Leben des Königs, ein Selbstverständliches ist es ihm, etwas, was keiner Frage'erst bedarf. Wie leicht hätte er es dem Zufall überlassen können! — Oder Haman will die Juden vernichten. Esther allein vermag zu helfen, wenn sie Fürsprache beim König erhebt. Aber verwirkt sie damit nicht vielleicht ihr Leben, wenn sie unerlaubt und ungerufen vor den König tritt? Mordechai weiß von dem Schicksal, das ihr vielleicht beschieden sein kann. Trotzdem überlegt er nicht. Er will sein Judentum retten. Ein Selbstverständliches ist es ihm. Er verlangt, daß Esther zum König geht. Wie leicht hätte er das Schicksal der Juden dem Zufall überlassen können, um das Leben der von ihm ge liebten Esther zu sichern! Denken und Handeln, Gesinnung und Tat, Wollen und Sollen, schließen hier miteinander einen Bund. Alles Leben ist hier nichts anderes als eine selbst verständliche Erfüllung des Gebotes, das beit Menschen in feinem Innern ruft, nichts anderes als ein kathegorischer Imperativ. Gut und Böse, so (autei das Thema von Purim. Zwei Weltenzwei Prinzipien, stehen einander gegenüber. Haman, die Gestalt des Lösens und Ueberlegens, des Fragens und Zweiselns, des Unklaren und Ungewissen. Er ist der „Rvscho", der Frevler, dem es schwer wird, zu urteilen zwischen gut und schlecht. Und Mordechai, die Einheit von Sollen und Wollen, von Tat und Gesinnung, von Gebot und Leben. Die Gestalt des Guten, der Sinn des Judentums, spricht aus ihm. Gr ist „Jsch Jehudi", ein jüdischer Mann. Oer Monat Adar und Purim Bon «. Adler.Ulm „Und diese Tage sollen in Erinnerung erhalten, sollen festlich begangen werden in jedem Zeitalter, in allen Häusern, in allen Städten und Ländern. Diese Tage, in denen das unglückliche Los Israels sich in so unverhofftes Heil umgewandelt hat, sollen in Juda nie unbeachtet vorübergehen und ihr Gedächtnis soll nie verlöschen in seiner Mitte." Mit diesen Worten fordert die Denkschrift die von der Rettung Israels zur Zeit Mordecheis und Esthers erzählt, uns auf, alljährlich in dem Monat der Freude ein Fest der Freude vor Gott zu feiern, ein Fest des Dankes und des Jubels ob der Erhebung und Erlösung, durch die damals Israel das ihm entrissene Recht seines Daseins wiedergesunden hat, wiedergefunden die ihm geraubte Hoffnung in seine Zukunft. Cs ist das die erste schwere Gefahr, die an das Israel der Zerstreuung war herangetreten; es ist das die erste blutige Verfolgung, von der es in fremdem Lande sollte heimgesucht werden. Unter allen den verschiedenen Stämmen und Völkern, die in dem weiten persischen Weltreiche wohnten, sollte Juda allein, ausnahmsweise, der Schmach, dem Tode, der spurlosen Vernichtung preisgegeben werden, das ganze Volk — weil einer in seiner Mitte sich vergangen, einer dem Emporkömmling, den die Gunst eines launenhaften Alleinherrschers zu einer hohen Machtstufe erhoben hatte, nicht die Ehrerbietung und Huldigung dargebracht, die alle die feilen Höflinge ihm bewiesen. Es war das erste Mal, daß unsere Väter, die treu den Mahnungen ihrer weisen Lehrer überall, wo sie wohnten, das Wohl des Landes hoben und förderten, es erfahren sollten, wie dennoch kein Recht für sie bestehe, es fühlen sollten, wie sie dennoch da als schutzlose Fremde angesehen werden, die keine Heimat besitzen, kein Vaterland haben und dem verhängnisvollen Spiele der Willkür und des Zufalls preisgeaeben sind. Aber auch die Verheißung hat zum ersten Male sich bewährt und verwirklicht: „Auch wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, ich verlasse sie nicht, ich verwerfe sie nicht, ich lasse sie nicht untergehen, ich entziehe ihnen meine schirmende Vatertreue nicht, denn ich bin der Ewige, ihr Gott, und in dem Schutze meiner Macht und Gnade sind sie geborgen." Was hatte Hamann nicht alles aufgeboten, um seinen Vernichtungsplan gegen Israel durchzusühren, was hatte er nicht alles in Bewegung gesetzt, um an dem Volke Mordechais seine Rache auszulassen! Das giftige Wort der Verleumdung, das klingende Gold der Bestechung, die wirksame Kunst der Ueberredung, das blitzende Schwert der Verfolgung, den machtvollen Einfluß seines Amtes! Wahrsager und Sternseher wurden berufen, daß sie es ausfindig machen, an welchem Tage, in welchem Monat für Israel ein Unglückslos falle, Schreiber und Dolmetscher wurden herbeigeholt, daß sie in allen Sprachen und Schriftarten, die von Indien bis Äthiopien bekannt sind, den königlichen Befehl zur Vernichtung Israels ausfertigen, Boten und Schnelläufer nach allen Richtungen ausgesmdet, daß sie weithin bis in alle Enden des Reiches es verkünden, was da über die jüdischen Bewohner des Landes ward beschlossen. Kaum war die Einstimmung des Königs zu dem verruchten Vorschläge erfolgt, da wurde er sofort zum Gesetz erhoben, da wurden Tausende von Abschriften des königlichen Erlasses durch alle Länder des Reiches versendet und ausgeteilt, damit ja nur alle Bewohner Persiens davon Kenntnis erhalten und nicht irgendwo der Tag versäumt werde, an dem es jedem frei steht, über Recht, Eigentum und Johann-Georg- Garagen (am Kurfürstendamm) Johann - Georg - Str. 9/10 Tel.: H3 Uhland 5300-9825 Modernster Komfort Leben der Israeliten nach Willkür zu schalten und zu verfügen. Tie Laune des Königs, die hatte Hamann bereits für sich erobert, die Leidenschaft des Volkes, die war durch die Aussicht auf die reiche Beute ebenfalls gewonnen. Was fehlte noch dazu, um den so wohl gelungenen, den so sicher vorbereiteten Plan zur Ausführung zu bringen? Und dennoch ist er vereitelt worden, ist das Verderben, das Hamann anderen bereiten wollte, auf sein eigenes Haupt zurückgefallen. Das Schlingnetz der Verfolgung, das durch so viele Fäden des Truges und des Lasters gewoben war, das ward zerrissen und Israel war gerettet, gerettet durch den Beistand des Ewigen, der mächtiger ist als alle Mächtigen auf Erden, der mit seinem gnadenreichen Walten erhaben ist über der Menschen Torheit und Niedrigkeit. So ist auf die erste Gefahr, die über Israel in seiner Zerstreuung hereingebrochen, auch da zum ersten Male die unerwartete Rettung und Erlösung gekommen und so für Israel aufgegangen ein Stern unvergänglicher Hoffnung, der da freundlich hineinleuchtete in die finstere Nacht des Elends, die auf den Gefilden seiner Zukunft ausgebreitet lag. Das Andenken an die Rettung, die Israel in den Tagen Mordechais und Esthers zum Teil geworden, konnte in den Herzen unserer Väter nicht erlöschen: haben sie ja gar oft beobachtet, wie eine solche stets von neuem an ihnen selbst sich vollzogen. Diese Tage tonnten gar nicht vergessen werden, konnten gar nicht unbeachtet bleiben, nachdem stets in den eigenen Erlebnissen das Andenken derselben wiederkehrte unk in den vergangenen Jahrhunderten so viele Hamane, deren böse Anschläge zunichte geworden, dafür gesorgt haben, daß Israel mit Dank und Freude an seine Purimfeier schreit^ ja daß es sie an den Jahrestagen, an denen ein schweres Verhängnis von ihm abgewendet worden, wiederhole und erneuere. Diese alten Freudentage des jüdischen Freudenmonates, die zum Andenken an die erste Rettung des aus seine« Stammlande vertriebenen Israel eingesetzt sind, und die au alle die zahllosen Gnadentaten uns erinnern, die der Ewige uns im Laufe von Jahrtausenden fast in allen Ländern der Erde hat erwiesen, haben aber nicht bloß Bedeutung gehabt für die Geschlechter der Vergangenheit, die da, von Elend und Verfolgung umgeben, sich erhoben und ermutigt haben an der Betrachtung jenes unvergeßlichen Ereignisses, dessen Kunde uns die Väter überliefert haben, sie sind voll auch des belehrenden Inhalts für unsere Gegenwart, ja für alle Zukunft, für jedes jüdische Haus, für Israel iu allen Ländern, auch für das Israel, das da lebt in großen und volkreichen Städten, das da lebt in der großen Welt und in Sicherheit weilt unter dem Schutze der allgemein herrschenden Gesittung und Gerechtigkeit. Eine große geschichtliche Erfahrung hat für alle Zeiten ihren Wert. Moses und der Teufel Bon Max Hayek. Als der Teufel dereinst mit Moses zusammentraf, gad er ihm einen außerordentlichen Rat. Er sagte ihm: „Wenn du vor meinen Qualen bewahrt bleiben willst, muÄ du nur eine Kleinigkeit beobachten!" „Was für eine Kleinigkeit?" fragte Moses. „Du mußt unterlassen, das Wort „Ich" auszusprecken! Wenn du das zuwege bringst, steigst du aus der allgemeinen Mensch ensphäre auf und näherst dich. Ihm, den ich nicht nennen kann. Er wird dich dann mit Wohlgefallen betrachten und sich an dir freuen! Ja, du kannst es so vielleicht bis zum Engel und höher noch bringen!" „Da du so klug bist, Teufel, und so genau weißt, wie man Ihm näher kommen und es sogar bis zum Engel bringen kann", antwortete Moses dem Teufel, „warum tnft du selbst nicht, was du mir rätst? Warum sprichst du das Wort „Ich" noch aus?" „Weil ich nicht anders kann, Moses, weil ich nicht anders kann!" sagte der Teufel. „Und das ist mein Fluch! Und deshalb bin ich in der Hölle und deshalb muß ich in der Hölle bleiben! Ich weiß alles - aber ich kann nicht tun, was ich weiß! Verstehst du das? Ja, das ist mein Fluch! Und dieser Fluch macht mich zum Herrn über die Menschen, die das Wort „Ich" aussprechen, und er macht mich zum ohnmächtigen Knecht der Menschen, die das Wort „Ich" nicht aussprechen! Nun weißt du es, Moses!" Seither sprach Moses das Wort „Ich" nicht mehr aus. So wurde er zum Herrn über den Teufel und zum ge wattigen Diener Gottes. beim Nmvlcwm oder vci oerspäteter Zustellung der Zeitung bitten wir, sich sofort an den Zustellet oder vestzwerdefiihrmd an die zuständige Zustellpostanstalt zu wenden und erst, wenn dies keinen erfolg bat, uns davon Mitteilung zu matzen. vertag der lüdistiHiberalen Zeitung Einiges über Purim-Spiele Bon S. Meisels. Tie in jüdisch-deutscher Sprache vorhandenen Purim- Spiele stammen alle aus Deutschland und sind im wesentlichen den deutschen Fastnachtsspielen nach dem Muster Hans Sachsens nachgebildet. Aber lange vor den deutschen Fastnachtsspielen hat es Purim-Spiele gegeben. Die Fastnachtsspiele. auch Mummen- oder Schönbartspiele genannt, entstanden in Deutschland im 15. Jahrhundert. Dagegen weiß ein hebräisches Quellenbuch zu berichten, daß bereits in den Zeiten der Geonim (im 3. Jahrhundert) in Babylon alljährlich am Purimsest ein „Haman-Spiel" aufgeführt zu werden pflegte, wobei Haman-Puppen aus einem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Auch bei den Juden in anderen Ländern dürsten derartige Spiele nicht unbekannt gewesen fern; gleichwohl ist uns von früheren Zeiten kein einziges solches Spiel erhalten geblieben. Nur aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts besitzen wir eine Purim-Schnurre (kein Purim-Spiel!) von dem Proven^alen Kalonymos ben Kalonymos. Dieser Kalonymos, auch Maestro Calos genannt, war ein sehr bedeutender Mann. Er war Gelehrter, Arzt, Dichter, und ein verdienstvoller Übersetzer aus dem Arabischen: er hat mehrere philosophische und medizinische Schriften aus dem Arabischen ins Hebräische übertragen und außerdem das reitsatirische Buch „Eben Bochan" (Prüfstein) versaßt, das zu den besten Werken juvenalischer Gattung in der neuhebräischen Literatur gehört. Von ihm nun stammt die literarische Schnurre „Massecheth Purim" (Purimtraktat), eine Parodie, die in dem hebräisch-aramäischen Joiom und in der Tisküssionsweise des babylonischen Talmud von dem „Gebotz handelt, sich gm Purimseste gütlich zu tun und ein wenig über den Durst zu trinken. Ter Purimtraktat, nach der Form der Talmudtraktate mit einem Doppelkommentar versehen, ist zum erstenmal in Venedig 1552 erschienen. Ten Traktat hat später der Gelehrte und Grammatiker Juda Löb Ben-Seeb, em bekannter Mitarbeiter an Mendelssohns Bibel- Kommentar, in einer Sammlung von Purim-Parodien neu herausgegeben (Wien 1800). Ben-Seeb selbst hat einige Purrm-Selichoth geschrieben, travestierte liturgische Lieder und Buhgesänge zur Belustigung am Purimsche. Ferner gibt es nach dem Muster der Pessach-Hagada eine „Purim- Hagada" von Hirsch Somerhausen, die 1842 in Brüssel erschienen ist. Ueberdies haben sich noch andere derartige Parodien, Travestien, Traktate und sonstige Purimscherze aus älterer Zeit erhÄten. c Aber alle diese Purimscherze blieben im Grunde doch nur Literatur, literarische Spielereien, die ihren Zweck, zur Erheiterung und Belustigung am Purimfefte beizutragen, nie und nirgend eksüllt haben. Ganz anders war es bei den aus Deutschland stammenden, in jüdisch-deutscher Sprache abgcsaßien Purim-Spielen. Diese wurden wirklich gespielt und trugen das ihre zur Steigerung der Festesfreude bei. Im Jahre 1710 erschien iu Frankfurt am Main ein Stück „Tie Verlausung Josefs" von einem gewissen Beermann aus Limburg. Dieses Stück wurde von jüdischen Wanderstuoenten aus Hamburg und Prag „mit außerordentlichem Aufwand von Dekorationen, Maschinen und sonstigen szenischen Effekten" anfgeführt. Außer diesem ziemlich rührseligen Stück gab es noch ein „Achaschwerosch-Spiel", eine Karnevalsposse, die den Esther-Stoff sehr launig behandelt; auch oiejes Stück wurde häufig am Purim ausgcführt. Eine alte Chronik weiß zu berichten, daß in Prag öfter die „Aetio Esther mit Achäschwerosch" von den Schülern des berühmten Rabbi David Oppenheimer „aus einem ordentlichen Theatrum mit Trompeten und andern Instrumenten" aufgesührt wurde. Es ist interessant, daß ein solches „Achaschwerosch-Spiel" sogar einer strengen Theaterzensur zum Opfer siel. Diese Theaterzensur übte kein geringerer als der Vorstand der Frankfurter Jüdischen Gemeinde: er untersagte nämlich man weiß nicht, ob aus religiösen oder politischen Gründen die Aufführung des Stückes uns ließ die gedruckten Exeinplare verbrennen.' Das Achaschwerosch-Spiel in in mehreren Bearbeitungen vorhanden und wurde auch als Beitrag zur jüdischen Volkskunde oder als literarische Seltenheit in deutscher Schrift mchrsach gedruckt. Besonders zahlreich waren die zur Aufführung am Purimseste bestimmren „Purimscherze", von denen „Hamans Testament und Tod" und die „Actio von David und Goliath" die bekanntesten sind. Diese Stücke, die teils in lehrender, teils in belustigender Form Begebenheiten aus der biblischen und jüdischen Geschichte behandeln, wanderten später von Deutschland zu den Juden der östlichen Länder. Tort wurden sie für gewöhnlich auf fliegenden Bühnen in den Häusern der Reichen am Purimavend aufgeführt. Bezeichnenderweise war das Stück „Tie Berkaufung Josefs", im Ghetto schlechtweg Josef-Spiel genannt, viel beliebter und volkstümlicher als das Achaschwerosch-Spiel, ungeachtet dessen Aktualität am' Purimseste. Das Joseffpiel war sozusagen das Kassenstück; dcch sahen und hörten sie gern. Der alte Vater Jakob und der keusche Josef, die wäffengewaltigen Müder Simon uno Levi und der kleine Benjamin standen offenbar ihrem Herzen näher als der Tölpel aus dem Throne Achäschwerosch und der am Galgen baumelnde Haman, ja selbst als Maroochm und die anmutige Esther. Das Josesspiel sagte ihnen vielleicht deshalb mehr zu, weil cs im Grunde ein belehrendes Stück war, während das Achaschwerosch-Spiel mit seinen faden Witzen doch eigentlich nichts bot, was aufheiternd uno zugleich belehrend hätte wirken können. Das Jofeffpiel enthält in der Tat einige Szenen und Bilder, me recht eindrucksvoll sind. Ter unbekannte Verfasser verrät ein gewisses dramatisches Talent, nur kümmert er sich den Teufet um dramatische Regeln und einen geordneten Szenenbau. In einer Beziehung zeigt er sich tühner als Goethe. Der deutsche Dichterfürst, der in Weiinar auch Theaterdirektor war, hat bekanntlich gegen das Auftreten eines Hundes auf der Bühne in schärfster Weise Stellung genommen. Der „Dichter" de- Josesspiels dagegen läßt einen leibhaftigen Wolf vor dem Erzvater Jakob erscheinen. Tie Sache trägt sich nämlich folgendermaßen zu: Nachdem man dem alten Jakob das blutgetränkte Aermelkleid Josefs überbringt mit den Worten: „Haker no, hak'thoneth bincha hi im lo" („Sieh nach, rät es der Rock deines Sohnes ist oder nicht?") - nebenbei: es ist dies der einzige Satz aus der Bibel, der wörtlich im Stücke vorkvmmt jammert und wehklagt Vater Jakob: „Ein böses Tier hat ihn gefressen, ein reißend Tier hat Josef zerrissen." Er befiehlt darauf seinen Söhnen, diesereißende Tier zu fangen und vor ihn zubringen, welcher Auftrag denn auch prompt ausgeführt wird. Der böse Wolf erscheint und Vater Jakob schleudert ihm alle geschriebenen und ungeschriebenen Flüche an den Kopf. Das böse Tier steht voll Ehrfurcht und voll Mitleid vor dem schmerzdurchwühlten Vater; er nimmt sehr demütig die Flüche in Empfang und tritt zerknirscht ab, wie ein reuiger Sünder. Es ist seltsam, daß bis zum Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts ein Purim-Festspiel für die Jugend fehlt. Erst in jüngster Zeit ist hierin Wandel geschaffen worden. Wir besitzen jetzt in deutscher Sprache eine ganze Reihe von Purimspielen, die sich insbesondere für Kindervorstellungen eignen. Israelitische Religionslehre Das Buch Guttmanns, des bekannten Berliner Schukmannes und eifrigen Liberalen, ist „aus dem Unterricht vo» Seminaristinnen und Lehrerinnen hervorgegangen". Es sott von reifen Schülern und vom Haus benutzt werden. Und man wird sagen dürfen, daß es nicht nur diesen, sondern auch den liberalen Jugendvereinen reiche Anregung zu Diskussionen und zum Nachdenken geben wird. Frühere Bücher