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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-26 · 9 (26.2.1930) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
9 (26.2.1930)
Date
1930-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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schon Offenbarung, und wer an Gott selbst glaubt, glaubt im- ' plicite an seine Offenbarung. Objektiv vollzieht sich die Offenbarung perpetuierlich. Aber nur in besonderen Auge» genblicken öffnet sich da« „innere Auge" zu ihrem Ve»; ftändniS. Tiefer Augenblick aber gebiert das „Wunder".! Ten so gestalteten Glauben kann keine Wissenschaft erschüt lern. Sie bedarf dieses ihres Seitenstückes sogar. Glaube und Wisse» von der Scholastik als Gegensätze empfunden sind so zwei Wirklichkeiten, auf verschiedenen Ebenen wachsend, | beide notwendig und eine ohne die andere nicht erreichbar. Glaubt einer die andere überwinden zu können, so entsteht entweder eine gefährliche Mystik oder eiit pseudoreligiöser Okkultismus, Theosophie u. dgl. m. Kann der subjektive Glaube des Ich-Erlebens nicht entraten, so bedarf er als Korrelat des objektiven Glaubens als geschichtlicher Grundlage. Ein geschichtsloser Glaube ist undenkbar, und der Glaube in seinen beiden Komponenten ist kein individuellabstraktes, sondern sozial konkretes Erleben. Das Judentum; ist gestaltet von dem historischen (vertikalen) und sozialen oder gcmeinschafts (horizontalen) GlaubenSfaktor, dessen Wie derholung in jeder Generation Voraussetzung religiösen Lebens ist. Alle unsere historischen Erinnerungen münden in der Weihe Israels als Volk der Offenbarung. Daher ist auch für deil subjektiven Glauben das Geschehen am Sinai von überragender Bedeutung. Die Irage nach seiner geschichtlichen Tatsächlichkeit ist demgegenüber kleinlich und töricht. Mas; gebend ist, was es für die Gemeinschaft geworden ist. Seine überzeitliche Autorität verdankt das Sinaigesetz seiner einzig artigen sittlichen Größe, dargestellt in seiner Lehre vvn Men schenwürde, sozialem Recht und Moralgesetz, bezeugt durch den Opsertod ganzer Generationen und den Zauber, den es , noch heute auf fünf Weltteile ansübt. Psalmgesang und ein Postludium beschloß die Feierstunde. Für ein jüdisches Jugend- und Gemeindehaus in Berlin. Der Landesausschufz Groß-Berlin der Jüdischen Jugendoerbände, in dern die gesamte organisierte jüdische Ingens vertreten ist, veranstaltete am 2:>. Februar ein großes Massenmeeting in der Stadthalle, um die Gemeinde zur Schaffung ciries als iuitnreller und sozialer Brennpunkt jüdischen Lebens gedachten Jugend und Gemeindehauses aufznrnsen. Etwa 2000 jutige Menschen ans allen jüdischen Lagern Berlins in ihrer farbenfrohen Wariderkleidung und um die ein zelncn Bundes,simpel geschart füllten die riesige -Halle. Tie jüdische Oesseirrlichieit war durch führende Persönlichkeiten an« Vorstand, Repräsentanz. Wohlfahrtsamt. Jugendpflege amt der Jüdischen Ojemmiöc, der jüsischen Organisationen und ihrer Presse vertreten. Martin Sobotler eröffnet die Versammlung nach nr, leitendem Ehorgesang der „deutsch jüdischen Iugendgenrein jchnit" mit einem Bekenntnis zur Gemeinde als Mittelpunkt jedes jungen Inden. Der Vorsitzende des Gemcindevorstandes. Direktor Karefli, gibt ein Bild von den Leistungen der Gemeinde aus dem Gebiete der Jugendfürsorge und Iugenopflege. Er hebt die Förderung der „Schule der jüdischen Jugend", die Schaffung des Iugeudvslegcanrtes mit feinem von der Jugend be herrschtet' VerwaltungSauSschuß. und die in Bildung r.'siud lichen Bezirlsjugendheime hervor. Er macht ,ich die For derung nach einem Jugend und Gemeindehaus zu eigen uns sieht in ihn' einen lebendigen Vermittler zwischen den (Ke rteratiauT und den Spielraum für das Hi»,einwachsen der Jugend in jüdisches Leben. Das Hauptrcferat hält Dr. Georg Lubinsti. tlnterdezeriicut im Gemeittdejugeudpslegearnt: Es bezeichnet das Iugend- und Gemeindehaus als eine zentrale Gemeindesrage. Tenn es gilt die was kaum je vorher der Fall war stürmisch sich äußernde Hinwendung der Jugend zur 6k inciiiic für das jüdische Leben zu nutzen. Zugleich ist hier ein .Kollettiversat für das von der Zeit zerstörte „jüdische Haus" zu schaffen. Referent regt an. das Heim ats Ehrenmcn r die jüdischen Kriegsgesalleneu zu errichten, in dein die Ufte Generation die Edelsten der früheren ehreir tvill. Nach einen, Beienntnis zu der Gesamtverantworstichkeit der Gen-: rationen für die Erhaltung von Judentum und Gemeinde schließt der Referent unter lebhaftem Beifall. „Gobi der Jugend Raum in der Gemeinde: Schasst das Ingeno und Gernei ndeheitn!" Sämtliche Gemenidcparteien beluitden ihre Sympathie mir der Jugendförderung durch ihre in Iugendfragen b-efouders sachkundigen Führer. Dr. Fleischer dankt namens der Liberalen der Jugend für das Beispiel jüdischer Einheit u»»t jüdischer Begeisterung, die aus gegenseitiger Ächtung beruhen, und ruft der Jugend zu: „Aust bleibt treu, und haltet fest, daun wird euch mehr gelingen!" Tr. Ludwig Dietz fasst namens des ..Reichsausschusses Jüdischer Jugendverbände" die F-orocrungen der Jugend im jüdischen Leben der Gegenwart nochmals zusammen und verspricht für die gesamte^, Jugend tätige Mitarbeit an dem Wirken der Gemeinde für die Zukunft des Judentums. Tic Ausführungen der Jugendredner wurden durch einen Sprechchor, der die Jugendheim-Parole wiederholte, unterstrichen. Ihren AusNang fand die Kundgebung in hebräischen Gesängen des Chores von Kadimah, Jung-jüdischer Wunderbund und „Zosim", untermalt von reigenartigen chassidischen und anderen Volkstänzen. Bemerkenswert war die Disziplin, mir der die Taufende junger Menschen auS allen Lagern ihre Kundgebung gestalteten und zum Erfolge führten. Schächten ist kerne Tierquälerei. Im Straf recht sausscyuß des Reichstags wurden in der Sitzung vom Dienstag -Abend die Tierquälerei-Paragrapheu des neuen Strafgesetzbuchs (3116 und 412) verhandelt, insbesondere Vivisektion und rituelles Schächten. Abg. Dr. Bell (Zentrum), ehemals Reichsjustizminister, beantragte, dem 8 412 folgenden Absatz 2 anzusügen: „Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werben, soweit sie zur Verfolgung ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religion-? Gemeinschaft des öffentlichen Rechts geboten sind." Nach Annahme der beiden Paragraphen in der Fassung der Vorlage wurde über den vom Abg. Dr. Bell beantragte»» Absatz 2 zum Paragraph 412 abgestimmt: der Antrag Tr. Bell wurde mit L3 von 27 Stimmen (von den 4 Deutschnationalen stimmten 2 gegen, 2 enthielten sich der Stimme) angenommen. Mit dieser Abstimmung ist die erste Lesung des ersten Buches des Strafgesetzbuchentwurfes beendet. Wahrend der Aussprache über den Antrag Bell in der Sitzung des Ausschusses am Freitag, den 14. Februar, haben bekanntlich Ministerialdirektor Schäfer vom Reichsjustizministerium und der Vertreter des Reichsgesundheitsamtes Erklärungnr Abgegeben, daß man in denr Schächlakt.der Juden keine Tierquälerei sehen dürfe. Vom Wesen des jüdischen Gotteshauses Nachstehende Ausführungen find eine nahezu wörtliche Wiedergabe einer Ansprache, die vor kurzem Herr ccnrd. arch. Alex Blumenfeld in einem von der Jugendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde veranstalteten Gottesdienst in ihrem Tempel gehalten hat. Vom Wesen des jüdischen Gotteshauses will ich Ihnen sprechen. Von seinem Wesen, gewiß. Um jedoch die Grundidee der Synagoge Ihrem Erleben nahe zu bringen, muß ich Ihnen zuerst von der Form des jüdischen Gotteshauses sprechen. Denn nicht Ritus und Liturgie als solche sind das Ziel meiner Betrachtung, sondern diese Quellen des jüdischen Gottesdienstes möge»» für uns heute nur Voraussetzungen sein, die wir ohne Untersuchung hinnehmen, genau »oic sie zu allen Zeiten der Baumeister des jüdischen Gottes Hauses hinnahm, um aus ihnen als dem Gegebenen heraus die bauliche, die räumliche Form der Synagoge zu entwickeln. Nichts anderes als er in Steinen tat, will ich heute in Worten tun. Versuchen will ich, aus den Elementen des Ritus und des Kultus und ihrer räumlichen Verwirklichung im Ban ein Bild der überkommenen und der werdenden Synagoge vor Ihnen erstehen zu lassen. Das jüdische Gotteshaus ist eine Mischung aus zwei grundverschiedenen Elementen; die Gegensatzpaare: Tempel und Synagoge, Kultus und Ritus, Gott und Gemeinde deuten den doppelten Ursprung an. Das (Gotteshaus ist in wörtlichem Sinne Gottes Haus, ein Tempel, das ist eine Wohnstätte der Gottheit, wo das Göttliche intensiver, per sönlicher anwesend ist als an irgend einem anderen Orte der Welt: die sakrale Handlung, die mit dem Symbol der Gottheit, der heiligen Schriftrolle, vorgenommen wird, bildet den kultischen Mittelpunkt des Gottesdienstes. Aber gleich war das Thema unserer Hauptversammlung. Um die in diesem Thema ausgesprochene Mission zu erfüllen, muß der ewig unwandelbare Geist des Judentums in neuzeitlichen Formen zur Darstellung gelangen; denn überalterte Formen, engherzige Schranken würden den Tod des Juden tu. i s zur Folge haben. Darum: unterstützt und fördert den „Hilfsfonds des liberalen Judentums**! Die Namen der Spender werden fortlaufend in der „Jüdisch-liberalen Zeitung veröffentlicht. — Alle, dieihren Sonderbeitrag noch nicht geleistet haben, werden gebeten, sogleich Mk. 10.— auf das Postscheckkonto der „Vereinigung für dasliberale Judentum e. V.“ Berlin Nr. In70(>0 zu überweisen. Jeder Punzeine muss durch einen Beitrag zeigen, dass er mitbauen will an dem Werk, weiches wir für unsere Kinder und Kindeskinder schaffen. Darum gebt alle» der Vermögende mehr, der andere weniger, und — gebt schnell! Vereinigung lür das lineraie Judentum L v. zeitig ist es auch Haus der Wemeinbe, Synagoge das ist Ort der Zusammenkunft, Versammlungsraum, in den alle ein zeln hineinströmen, um in rituell festgelegter Form ihrem Glauben Ausdruck zu geben, um ans der persönlichen Empfin dung heraus ein Gemcinschastserlebnis zu erschaffen. Ans dieser polaren Spannung zweier Grundrichtungen erwächst der ganze Sinn, erwächst aber auch die ganze Problematik des modernen jüdischen Gotteshauses: aus dieser Zweiheil soll Einheit werden, liturgische Einheit, bauliche Einheit, Gefüblskinheil. In der alten Synagoge ließ man die gegensätzlichen Teile ruhig für sich bestehen und schuf jedem seine gesonderte bauliche Form, ohne sich um ihren Zusammenhang viel zu kümmern. Der Thoraschrein, das Gehäuse der heiligen Schrift, war kultischer Mittelpunkt, in sakraler Haltung an das Ende der wichtigsten Raumachje gerückt, er war recht eigentlich der Tempel innerhalb des Gotteshauses. Der rituelle Mittelpunkt aber, das Zentrum der Synagoge, und zwar auch im architektonischen Sinne, war der Almemor, das Bema, die Estrade. Sie stutzen bei diesem Wort, vielleicht ist Ihnen selbst der Name unbekannt. Allerdings, im Gotteshaus der (Gegenwart existiert dieses zweite Zelttrum, Gegenpol des Schreines, fast nirgends mehr. Ein Podium war eS, einige Stufen über die Fläche des Saales erhöht, von einem Gitter umgeben und oft zu einem großen überdachten Zelt ausgestaltet, das sich folgerichtig im Zentrum des Raumes, mitten in der Gemeinde, eingefaßt von ihren beweglichen Pulten, erhob. Hierhin wurde die Thorarolle getragen, hier wurdesie vorgeleser» und ausgelegt. Ale dieser Stätte war die Gemeinde aktiv, und jedesmal, wenn die Thora ihr heiliges Gehäuse verließ und zum Volk herabstieg, wandelte sich das Gotteshaus vom Tempel zur Synagoge. Das Wesen des überkommenen jüdischen Gotteshauses erschöpfte sich in diesem Gegensatz, der gewollt und demgemäß auch in der baulichen Verwirklichung herausgearbeitet wurde. Sie werden empfunden haben, daß ich von einem jüdischen GotteSbause sprach, wie eS heute nicht mehr existiert. WarÄm solche Wandlung? Und was hat sich gewandelt? Und wohin führt, wenigstens in baulicher Hinsicht, die Entwicklung, in deren Strömung wir als Lebende treiben? Das neunzehnte Jahrhundert, als der große Anreger, Befreier, auch Zerstörer, hat auch am jüdischen Gotteshause seine umwälzende Kraft bewährt. Die räumliche Teilung in zwei liturgische Mittelpunkte ist gefallen. Die Stätten des Kultus und des Ritus sind jetzt an einer Stelle am Ende der Gebäudeachse vereinigt, der Höhe nach gestaffelt, um ihre Zusammendrängung auf engstem Raume zu ermöglichen. Noch immer sind beide Elemente, Tempel wie Synagoge, in unseren Gotteshause lebendig. Der Thoraschrein ist geblieber», wo er war, in seiner sakralen Bedeutung eher noch gesteigert, indem er sich höher in den Raum hineinreckt als früher. Der Mittelpunkt des Gemeinderaumes jedoch, der Platz des Predigers, dessen Ansprache, heute von überragender Bedeutung innerhalb des Gottesdienstes, ja die frühere Schriftauslegung ersetzt, ist in unmittelbare Nähe des Schreines gerückt, beinahe mit ihm eins geworden. Ter Verlauf der Eutwicklungslinie ist offenbar; ihre Formel heißt: Witte zur Einheit. Unter diesem Leitstern will ich es wagen, das Bild des werdenden jüdischen Gotteshauses Ihnen zu umreißen. Das werdende Gotteshaus; denn noch ist die Entwicklung nicht abgeschlossen, nein, es scheint mir, als ob gerade der entscheidende Schritt noch nicht getan worden ist. Weg zur Einheit? Wo stehen wir auf diesem Wege? Tie liturgische Anlage: Borbeter, Prediger, Schrein — ist baulich gesammelt, räumlich gedrängt, sinngemäß gestaffelt. Chor und neu eingeführte Orgel stehen in enger, auch architektonisch faßbarer Verbindung mit ihr. Das feste Gestühl, nach Grundsätze» »noderner Saalgsstaltung organisiert, wendet sich in straffer Orientierung der neuen liturgischen Gruppe zu, die sich nur den Thoraschrein kristallisierte'. Alles dies find Bauelemente, alles dieses ist noch nicht der Bau. Das Haus als Ganzes, die eigentliche Architektur, die räumliche Idee hat jener Wille zur Einheit noch nicht durchdrungen. Meistens führt die Bausorin ihr Eigenleben, ein recht leeres Leber», erborgt von den alten Grundformen des Langbaus oder Zentralbaus, ohne jede» inneren Zusammenhang mit dem Herzschlag des Gottesdienstes selbst. Die restlose Verschmelzung von ttturgischer Anlage und räumlicher Idee ist in moderuen Synagogen vielleicht noch nirgends erreicht worden. Ueberatt wendet sich im Gottesdienst die ganze Aufmerksamkeit dem liturgische», Zentrum zu. Aber die Wirkung dieses Zentrums bleibt an die Wand, aus der es hervortritt, flächenhaft gebunden, wirkt nicht darüber hinaus' auf das räumliche Gefüge ein. Das eigentliche Zentrum des Raumganzen, häufig durch die Mitte einer Kuppel feftgelegt, ist nur ideell vorhanden, »vird nicht lebendig und warum? Weil es vom Iuhaltszentrum der Synagoge, das allein während des Gottesdienstes unser Auge bannt, vollständig abgetrennt ist. Größte Intensität und Reinheit architektonischer Wirkung guillt aber nicht aus der Vielfalt, nur aus der Einheit. Dennoch ist die Forderung berechtigt: liturgisches Zentrum und architektonisches Zentrum »»»üfsen zusam»ne»»sallen, »Nüsse» eins fein. Moderne Architektur kennt Mitte! und Wege in Fülle, dieses Ideal zu verwirklichen. Ist erst eimnal' dieser entscheidende letzte Schritt auf dem Wege der Neuschöpfung des jüdischen Gotteshauses getan, jo werden alle Nebenfragen sich zwanglos lösen. Die Emporen, nun nicht mehr gesonderter Platz der Frauen, werden beibehalten aber umgestaltet werden. BerwattungSräurne und Schulräume, die das iminer wachsende soziale Verantwortungsgefühl der jüdischen Religionsgemeinschaft rn steigender Anzahl fordert, werden sich um den Kern des Gotteshauses zur Gruppe fügen. Alles Organisatorische ist leicht, »vo eine architektonische Idee im Wurf gelungen ist. Und nun erhebt sich eine letzte schtverwiegende Frage. Wird ein solches, im Grundgedanken neu gestaltetes Gotteshaus auch noch jüdisch sein? Wird mit der alten entschwundenen Bausorm nicht auch der jüdische Geist, der sie erfüllte, dahin sein? .Hier läßt sich nichts belegen uub beweisen, hier kann ich nur meine innere feste Sicherheit vor Ihnen befeuum. Das Jüdisch-Eigene, unverkennbar Besondere, bas aus dem geweihten Bau erst ein wesentlich jüdisches Gotteshaus für unser Erleben »nacht, ist ja nichts sinnlich Greifbares, nichts aus Bauteilen ober liturgischen Elementen Ableitbares, obwohl es in allen diesen Dinge»» enthalten ist, sondern es ist eine vertraute, verwandte Schwingung in der Luft, als ein Atmosphärisches, Schwebendes, kurz als Stimmung überall fühlbar. Nicht in der hohlen, endlich hoffentlich überwunbenen architektonischen Stilphrase ist der Geist des Judentums lebendig, sondern in einem merkwürdig intimen, beinahe familiären Zauber, wie ihn alte Synagogen so zart und mächtig ausstrahlei». Der jüdische Mensch hat einen Abglanz des innigen Familienlebens, das sein Heim erfüllt, auch in das Haus seines Gottes hineingetragen. Das Wesen des jüdischen Gotteshauses ist intime Nähe, private Wärrne, liebende Gerncinschaft. Seine Sphäre tvill »licht trennen, sonder»» binden: den Menschen an den Menschen, den Menschen an die Erde, den Menschen an Gott. Solches Wesen geht selbstverständlich zusaminen mit den Grundzielen moderner Architektur, in der der Wille zur Gemeinschaft ebenso stark ist wie der Wunsch, vom Pathos toter Formen befreit zu sein. Daher dürfen wir hoffen und glauben, daß alles Unverlierbare jüdischen Wesens im werdenden Gotteshause ebenso lebendig sein wird, »vie es iin vergangenen jemals « Aus den Gemeinden * l5et litt. (ö l t i f d> c Schändung ö o r Synagoge ü o i t b u ) c r I »c.i Zu bei Nacht vorn Sonnabend zum Sonntag ivurde die Synagoge Kottbuser Tor von bisher unbekannt«» Tätern in einer Weise besudelt, »vie eS bisher weder in Berlin, noch irgendwo im ganzen Reiche der Falt war. Zivanzig .Hakenkreuze in Höhe von einem Meter und mehr bedeckten die ganze Front des .Sause-? und seine Türen. Ueber die ganze Breite kr Fassade erüreckt-en sich die Worte: „Inda verrecke! Judas den Tod! Die Rache naht!" Ter sozialdemokratische vorwärts" berichtet, daß die „Empörung über das Bubenstück" eine allgemeine ist; keiner geht vorüber, ohne seiner Entrüstung über di? Tat laut Ausdruck zu geben. Auch die um die Synagoge heruin liegenden Baulichkftttn sind in dieser Weise beschmutzt worden. Tie Polizei tzat die Nachforschungen nach den Tätern ausgenommen. Berlin. .'Jubiläum.) Unser langjähriges Mitglied, Herr Leo Tarnvlvski, feiert am 1. März sein 25 jähriges Jubiläum als Beamter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Seit Beginn seiner Tätigkeit stets in den verschiedenen Kassen tätig, bekleidet er seit 7 Jahren den verantwortungsvollen Posten des HauptkajsicrcrS. Tank seiner Gewandheit im Verkehr mit den Gemeiudemitgliedern und seines immer freundlichen und hilfsbereiten Wesens erfreut er sich bei Publikum und Kollegen allseitiger Beliebtheit. Friedelsheim. (Synagoge als Wohnhaus? Ten Augsburger Neuesten Nachrichten entnehmen wir: „Tie Gemeinde Friedelsheim hat die hiesige Synagoge für rund 9000 »Mark angekauft und zu Wohnzwecken umgebaut. Tamit gilt die Wohnungsnot der Gemeinde als behoben." Fulda. (Persönliches.) Im Alter von 74 Jahren starb in Bad Homburg, wo er Heilung suchte, der langjährige Vorsteher der Gemeinde, Herr Emanuel Stern. Bier Jahrzehnte stand er dem jüdischen Gerne indewesen vor und in allen religiösen Angelegenheiten. auch aus dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, entfaltete er eine segensreiche und vorbildliche Tätigkeit. Auch im wirtschaftlichen Leben spielte der Verstorbene, der zuletzt Aufsichtsrats-Vorsltzender der Lack und Jarbu»erke „Stern" war, eine 'einflußreiche Rolle. In einer besonderen Trauerseier, an der viele Be--

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