Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-26 · 9 (26.2.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
9 (26.2.1930)
Date
1930-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2614053-2614062--3480-2621074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

!•. Jahrgang Nummer 9 M--- Beilage 26. Jebnmr 1939 Umschau Lentralvereinsresolution -egen das Nationaljudentum. Ter Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte am Sonntag, den 16. Februar 1930, eine .Hauptvorstandssitzung, die sich ausschließlich mit der Klärung innerjüdischer Fragen beschäftigen sollte. Nahezu einstimmig wurde die nachstehende Resolution angenommen: „Ter C.V. hat stets jede national-jüdische Bestrebung abgelehnt. In Uebereinstimmung damit haben diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die sich an der Palästina- Arbeit beteiligen, stets erklärt, daß sie als deutsche Juden den Mittelpunkt ihres politischen und kulturellen Lebens in Teutschland erblicken, und daß sie jede national-jüdische Propaganda, auch im Rahmen der Jewish Agency, abweisen. ' Ter Hauptvorstand des C.V. hat demgemäß das Vertrauen, daß alle seine Mitglieder überall, auch außerliatb des Verein«, diesem Gedanken zur Durchführung verhelfen." Keine außerordentliche Palöstiua-Sefsiou der Mandatskommission im April. Wie der Vertreter der Jüdischen Tele graphen-Ägentur erfährt, hat der Vorsitzende der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, Marquis Teodoli, dem Generaisclretär des Völkerbundes Sljr Eric Trummond, mitgeteilt, daß, die für den 2. April vorgesehen gewesene außerordentliche Session der Mandatskommission, ore ausschließlich der Erörterung der Palästina-Lage gewidmet sein sollte, ausfällt, da die britische Regierung nicht ln der Lage ist, ihren Bericht über die Palästina-Ereignisse rechtzeitig herzustellen. Die Palästinasrage, teilt Marquis Teodolr weiter mit, werde darum erst in der normalen Juni-Session der Mandatskommission zur Behandlung gelangen, die, statt wie in früheren Jahren Mitte Juni, in diesem Jahre schon am 4. Juni beginnen wird. In der vor einiger Zeit vom Völkerbundssekretariat veröffentlichten „Liste des Rcunions" war das Zusammentreten der Mandatskommission zu einer außerordentlichen Sitzung für den 2. April, aber mit Fragezeichen, vermerkt. In der soeben herausgegebenen weiteren „Liste des Reumons" ist eine solche außerordentliche Session nicht mehr erwähnt, sondern es ist eine ordentliche Session der Mandatskommission für den 4. Juni 1930 vorgemerkt. Das Ansetzen einer außerordentlichen Session für Anfang April hatte zum Ziel, dem am 12. Mai zusammentreten-den Völkerbundsrat den Bericht der .Kommission zu unterbreiten. Da nun diese außerordentliche Session wegfällt, wird sich die nächste Sitzung des Völkerbunds rat es mit der Palästina-Lage nicht beschäftigen. In der kommenden Juni-Session der Mandatskommission wird neben der Behandlung der Palästina-Geschchnisse vom August 1929 auch der normale Bericht der Mandatskommission über die Verwaltung Palästinas i. I. 1929 zur Behandlung kommen. Verlegung des Berbandstages des Preußischen Landesverbandes. Infolge unvorhergesehener Inanspruchnahme des Sitzungssaales im ehemaligen Herrenhause durch den Preußischen Staatsrat ist eine Verlegung des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden notwendig geworden. < Tiefer findet nunmehr am Sonntag, den 30. und Montag, den 31. März d. I., in Berlin, Leipziger- Straße 3, statt. Zuhörerkarten können in beschränkter Zahl vom Büro des Landesverbandes, Charlottenburg 2, Kantstcaße 158, angefordert werden. Die Moskauer große Synagoge beschlagnahmt. Der Moskauer Stadtsowjet richtete an die Moskauer jüdische Gemeinde die offizielle Aufforderung, binnen 14 Tagen die Große Chorsynagoge dem Arbeiterklub der Fabrik „Sichel und Hammer" zu übergeben. Tie Führer der Moskauer Gemeinde wandten sich an das Zentralexecutivkomitee der Sowjetunion mit der Bitte, den Beschluß des Moskauer Sowjets, die Synagoge zu beschlagnahmen, auszuheben. Tie Moskauer Chorsynagoge ist die größte Synagoge der Sowjetunion. Sie besitzt mehr als 200 Sifre-Thora und eine riesige Bibliothek. Aus verschiedenen Städten und Städtchen treffen Meldungen ein, daß in den letzten Tagen massenhaft Synagogen beschlagnahmt worden sind. Tie Moskauer Zeitung „Emeß" druckt heute eine Liste von mehreren Dutzend in der allerletzten Zeit beschlagnahmten Synagogen ab und teilt dabei mit, daß, in dem Städtchen der kEektivisierren Rayone ausnahmslos alle Synagogen „ohne viel Federlesens" beschlagnahmt werden. Tie Charkower jiddische Zeitung „Stern" teilt mit, daß gegenwärtig in der gesamten Ukraine unter der jüdischen Bevölkerung Gebet-Utensilien (Tephilin, Talithim) und religiöse Bücher abgesammelt werden, damit sie als „Ramsch" nach dem Ausland verkauft werden; der Erlös wird dem Judustrialisierungsfonds zugeführi. Angeblich wurden Schulkinder für diese Sammelaktion mobilisiert. Im Kreis Schepctowke wird laut „Stern" der Erlös für die verramschten religiösen Bücher zur Anschaffung von Musikinstrumenten für das Orchester der Jung-Kommunisten verwendet. Umwandlung der Leningrader Synagoge in ein Kulturhaus. Nachdem das Präsidium des Zentratexecutivkomitees der Union der Sowjetrepubliken, das Oberste Legislative. Executive und Administrative Organ der Sowjetunion, in j einer am 15. Februar abgehaltenen Sitzung der Umwandlung der Leningrader großen Synagoge in ein Arbeiter Kulturhaus offiziell zugestimmt hat, ist am Sonntag, den 16. Fchruar, diese Umwandlung vollzogen worden. Die Leningrader Judenschast verfügt über keine öffentliche Syna goge mehr. Der erste Schritt zur Beschlagnahme der Leningrader großen Synagoge, einer der größten und schönsten Synagogen ganz Rußlands, wurde. Anfang Oktober 1929 getan, als die Mitglieder des Vorstandes der Leningrader Indischen Gemeinde unter der Beschuldigung, Gelder für die Renovierung der Synagoge gesammelt zu haben, was wider rechtlich wäre, verhaftet wurden. Zu dieser Geldsammlung sah sich der Vorstand der Gemeinde aber dadurch genötigt, daß ihm vom Stadtsowjet mitgeteilt wurde, daß die Synagoge, wenn sie nicht unverzüglich renoviert wird, der Beschlagnahme verfallen werde. In diese Klemme gebracht, wußte die Gemeinde nicht mehr ein noch aus, und schon damals rechnete man mit der Beschlagnahme der Synagoge. Die Moskauer jüdischen Kommunisten fordern immer stürmischer die Beschlagnahme der Moskauer großen Synagoge. In einer am Sonnabend, den 15. Februar, abends, abgehaltenen großen Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß die große Syna goge der Vereinigung der Atheisten übergeben werden solle, die in den Räumen der Synagoge ihr .Hauptquartier aus schlagen will. Jüdische Gebrechliche. In der vom statistischen Reichsamt herausgegebenen Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" werden im ersten Februarhest die Hauptergebnisse der Reichsgebrechlichen-Zählung veröffentlicht. Als Grundlage der Gebrechlicheu-Zählung im Deutschen Reich diente eine im Rahmen der Personenstandserhebung 1925 vorgenommeue besondere Erhebung der Gebrechlichen. Ein Abschnitt der .Veröffentlichung behandelt die Religionszugehörigkeit der Gebrechlichen. Er lautet: Auf je 10 000 Angehörige der einzelnen Religiousbekeuntnifse kommen Gebrechensarten Blinde Taubstumme Ertaubte Körperlich-Schwergebrechtiche Körperlich-LeichtgAirechliche Geistig-Gebrechliche Der Anteil der christlichen Religionsbekenntnisse an den Gebrechlichen weist nur bei den Körperlich-Schwergebrechlichen einen größeren Unterschied auf; bei diesen überwiegen die evangelischen mit rd. 50 auf 10000 der evangelischen Bevölkerung über die katholischen mit nur 44,4 auf 10 000. Dieser Unterschied ist nicht ohne weiteres aufzuklären, er ergibt sich im übrigen fast genau für die Gebrechlichen in Preußen, während in Bayern und Baden (sowie auch in Sachsen, wo allerdings der geringe Anteil der Katholiken ev. kath. ifr. sonst. 5,5 4,8 6,3 2,7 5,4 5,8 8,3 1,6 1,6 1,4 1,7 1,0 49,9 44,4 23,8 41,9 19,8 21,2 8,9 19,8 35,8 37,6 48,7 11,1 I an der Gesamtbevölkerung mit 3,6 v. tz. die Vergleichbarkeit beeinträchtigt) die Katholiken etwas überwiegen. Ausfallend , ist der verhältnismäßig große Anteil der Israeliten bei den Geistig-Gebrechlichen, aber auch bei den Blinden und Taubstummen. Diese seit langem in allen Ländern bekannte Erscheinung wird vielfach auf die langwährende Abschliehung der Israeliten von der übrigen Bevölkerung und die sich daraus ergebende starke Inzucht zurückgeführt. Z a h lde r Geb rcchli ch e N * ) nach > d e m R e l i g i c »nsbe! kennt n i s. Gebrechensarten Ev. Kath. Israel. Sonst. Unbek. Zus. Blinde 20 482 8 650 331 429 222 30 114 Taubstumme 20 236 10 496 440 252 246 31 670 Ertaubte 5 870 2 540 91 161 93 8 755 Körperlich- Schivergebrcchlichc 186 222 80 112 1 262 6 672 2 199 276 467 Körperliche Lcichtgebrechliche 7408! 38 240 4611 3 150 I 034 116 974 Geistig-Gebrechliche 133 620 67 768 2 577 1 768 1 781 207 514 Zusammenl) 440 511 207 806 5 170 12 -132 5 575 671 494 *) Die Mehrfa ch - Gebrechlichen sind bei jedem ihrer Gebrechen gezählt; in der Lumme erscheint daher die Zahl der Fälle und nicht der Personen. ') Ohne Württemberg und Baden. Erste Sonntays-Weihestunde in Berlin. Im vergangenen Jahre hatte die liberale Fraktion in der Repräsentantenverfammtuug der Jüdischen Gemeinde die Abhaltung religiöser Svnutagsweihestunden in den Synagogen beantragt. Der Antrag lautete: „Während der Wintcrmouate soll allmonatlich einmal in der Synagoge Fafanenstraßc und in der Synagoge Lindenstraße Sonntag vormittags eine religiöse Feierstunde veranstaltet werden, in deren Mittelpunkt, eingerahmt durch kurzes Orgelspiel, eine Ansprache steht, in der insbesondere Gegenwartsfragen im Geiste jüdischer Reli gi oft tat behandelt werden. Zu der Feierstunde sind reweils besonders auch die Kreise einzuladeu, die in engem Verhältnis zu dem behandelten Thema stehen." Der Antrag wurde in der Repräsentantenversammtung gegen die Stimmen der Liberalen von den Volksparteilern, Konservativen und Mittelparteilern abgelehnt. Ter Gemeindevorstand nahm ihn jedoch in veränderter, abgeschwächter Form wieder aup Tie erste Veranstaltung dieser Art fand am 23. Februar im großen Saale des Brüdervereinshauses statt. Kammergerichtsrat Wolfs begrüßte die Erschienenen und zeichnete die vom Gemeindevorstande mit dieser Vortragsreihe erstrebten Ziele: Sie sollen der Belehrung und der Festigung des Inden in der Geisteskrise der Gegenwart dienen. Nach Harmoniumspiel und Chorgesang hielt Rabbiner: Tr. Seligmann (Frankfurt a.. M.) einen Vortrag über. „Grundlagen des religiösen Glaubens". Er führte etwa folgendes ans- „Glaube" ist die aus seelischem Erleben beruhende Gläubigkeit (Glaube im subjektiven Sinne), andererseits eine Summe positiver Glaubensinhalte (Glaube im objektiven Sinn). Ten subjektiven Glauben lassen Bibel und Talmud aus einer allmenschlichen natürlichen Grundlage ruhen. Tiefe Grundlage vermochte der Rationalismus nicht zu erschüttern. Er übersteigerte die Bedeutung der Wissenschaft. Tie Wissenschaften, die selbst den letzten Grund aller Tinge gesunden zu haben glauben, wie nacheinander Materialismus, Monismus und Psychoanalyse werden durch Uebernahme bestimmter Wettanschauungsinhalte und Voraussetzungen selbst zu Glaubenslehren, Erkenntnistheoretisch kommt es nicht auf die exakte Beweisbarkeit und sinnliche Wahrnehmung an, da das reale Sein der Umwett nicht absolut gewiß sondern nach Kant und Schopenhauer Bewußtsein in der Vorstellung (Illusion) ist. Vielmehr beruhen Glaube oder Unglaube aus verschiedenen Erkenntnisgrundlagen, die ihre Eigengesetzlichkeit haben und scholasti sch^-phi losophischer Begründung spotten. Referent arbeitet das Zusammenspiel der äußeren und der inneren Erkenntnis (Intellekt-Intuition) nach dem System von James und Bergson heraus. Der Glaube selbst beruht auf einem Hineinragen des Göttlichen ins Menschliche und umgekehrt. So redet nicht der Prophet, sondern „es" redet aus ihm. Und alle Gottbegeisterung (Enthusiasmus) beruht auf dem Empfangen („Offenbarung"). Das Vorhandensein der Religion ist für meinen. Herck 0 frei mi einziges Ke, ich nur u9dm hjppenftijt, wenn ich am. Zetkin Die erprobte Konstruktion des HORCH8 und seine Qualität in Arbeit und Material schützen seinen Besitzer vor unerfreulichen Überraschungen. Darum liebt auch die Dame den HORCH 8 so sehr; sie hat das Vergnügen der Fahrt und braucht sich um technische Dinge nicht zu kümmern. Zeichnung von Olof Gulbransson

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.