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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-19 · 8 (19.2.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
8 (19.2.1930)
Date
1930-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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1». Jahrgang Nummer 8 •teirfX m —-?i—— /\|ffil)n)fl(waip lymmg Beilage 19. Februar 1930 Ae MchWnifien in der Zewish Agency In öcn Mitteilungsblättern der Iewish Agency und des Keren Hajcssod in Deutschland „Unser Wer!" erscheint in der nächsten Nummer ein Artikel „Iewish Agency" von Direktor Oskar Wassermann, der durch die Jüdische Telegraphen Agentur »erbreitet ivird. Wir bringen ihn nachstehend in vollem Wortlaut, da er erfreulicher Weise zeigt, daß von den Nichtzionisten, die in der Iewish Agency glauben Mitarbeiten zu ' können, die Notivendigkcit einer Aenderung des zionistischen Werkes in Palästina in ein neutrales Gesamtwert nunmehr klac erkannt wird. Dadurch verlieren die Differenzen, die zwischen den nichtzionistischcn Agcncy- Anhängern und Agency Gegnern entstanden waren, ihre theoretische Bedeutung und stellen nur noch Meinungsverschiedenheiten bei einer praktischen, für alle Nicht zionisten sekundären Aufgabe dar. Wir bemerken zu den Ausführungen von Herrn Direktor Wassermann, daß wir nicht zu erkennen vermögen, weshalb eine Eliminierung des Ausdruckes von der „jüdischen natio nalen .Heimstätte" aus dem Völterbundsmandat beziv. der Balsour Deklaration nicht möglich sein sollte. Wir glauben sogar, daß gerade im jetzigen Stadium durch einen entsprechenden Lchritt nichtzionistischer Juden bei den maßgebenden Völkerbundsgremien ein wesentlicher Beitrag zur Befriedung Palästinas geleistet werden würde. Die Red. Zum 23. März ist der Verwaitungsausschns; der erweiterten Iewish Agency nach London einberufen. Er wird wichtige Entscheidungen zu treffen haben, unter denen die Festlegung der Politik sür die Verhandlungen über das Verhältnis der Juden zu den Arabern an erster Stelle steht. Es ist klar, daß die zu treffende Entschließung wesentlich dadurch bestimmt wird, ob sie als einmütige Stellungnahme der gesamten Judenheit gelten kann. Wichtig, sehr wichtig ist es daher, daß die Tagung des VerwaltungSansschusscs auch von der Sympathie derjenigen Juden getragen wird, die sich aus irgendwelchen Gründen bisher nicht an der Iewish Agency beteiligt haben. Von den Führern der arabischen Judengegner hat der hervorragendste durch die Erklärung, daß er die „Protokolle der Weisen von Zion" sür authentisch halte, ein zweiter durch die Behauptung, daß die palästinensischen Araber die Abkömmlinge der alten Hebräer seien, die heutigen Juden aber nur von den russischen Hasaren abstammten, Gesinnung und Kampfesweise deutlich charakterisiert. Sie haben damit sicherlich der Iewish Agency auch in Deutschland viele neue Anhänger geworben. Wenn trotzdem aus tief eingewurzelter Gegnerschaft zum Zionismus noch zahlreiche einflußreiche gute Juden beiseite stehen, so dürften immer noch nicht beseitigte Mißverständnisse über Möglichkeit und Tragweite einer Zusammenarbeit von Nichtzionisten mit Zionisten am Palästina-Ausbau und über Wesen und Tätigkeit der erweiterten Iewish Agency der hauptsächlichste Grund sein. Diese Mißverständnisse in einem kurzen Zeitungsartikel auszuklären, ist nicht möglich; einiges Grundsätzliche gerade im gegenwärtigen Augenblicke dazu zu sagen, halte ich aber doch für nützlich. Palästina ist den Juden immer das Land der Verheißung geblieben. Eine Rückkehr von Juden nach Palästina in unseren Tagen ist Erfüllung uralter jüdischer Sehnsucht. Die Bezeichnung der jüdischen Kolonisation als Aufbau einer „jüdischen nationalen Heimstätte" nach dem Ausdruck der sonst vorzüglichen und als Grundlage des Völkerbund- Mandates jedenfalls ohne große Gefahr nicht abzuändernden Balfour-Deklaration ist vom nichtzionistischen Standpunkt aus nicht glücklich und kann zu Mißdeutungen führm. Schlechtes Wort aber sollte gutem Werk nicht schaden. Kein Nichtzionift und nur sehr wenige Zionisten würden die nationale Heimstätte in der Form eines jüdischen Staates errichten wollen, selbst wenn solchem Unternehmen nicht unüberwindliche Schwierigkeiten entgegcnstehen würden. Dagegen ist es zweifellos, daß sehr viele Zionisten, wohl die Mehrheit, die nationale Heimstätte, wenn auch nicht als politisches, so doch als kulturelles Zentrum des „jüdischen Volkes" ausgestalten wollen. Die vielen geistig und sittlich hochstehenden zionistischen Führer werden also Auswahl der Siedler und ihre Erziehung im Lande hauptsächlich unter dem Gesichtspunkte betrachten, der Kolonisation ein hohes geistiges Niveau zu verleihen und zu erhalten. Dadurch unterscheidet sich die Kolonisation in Palästina von jeder anderen. Wie stehen nun wir Nichtzionisten hierzu? Den Begriff eines „jüdischen Volkes", soweit damit irgendwelche nationalen und politischen Vorstellungen verbunden sind, lehnen wir ab ebenso wie die Folgerung, daß Palästina sür andere als dort ansässige Juden eine nationale Heimstätte sein könnte. Wie weit die Geistig5stt Palästinas unsere Kultur, dann aber wohl auch die Kultur unserer Umgebung und der ganzen Welt beeinflussen wird, hängt ganz von der Leistung ab. Als das Kulturzentrum können wir Palästina jedenfalls nicht anerkennen, behalten vielmehr die Pflicht, unsere Kulturgüter, jüdische und nichtjüdische, zu pflegen und zu mehren, als ob Palästina nicht existiere. Es erscheint uns nicht wünschenswert und wir halten es auch nicht sür möglich, daß sich in kultureller ebensowenig als in politischer Hinsicht 15 Millionen Juden als Zubehör einer nationalen Heimstätte betrachten werden, die vielleicht sür eine halbe Million Juden Raum bietet. Dagegen erkennen wir den ungeheuren Wert, den es für die Selbstachtung und Selbsterziehung der Juden und sür ihre Einschätzung in der ganzen Welt hat, wenn die jüdische Bevölkerung in Palästina Gleichberechtigung und Autonomie genießt, nicht obwohl es sich um Juden handelt, sondern weil man ihr gerade als Juden Anspruch auf Ansiedlung im Lande zuerkennt. Wünschen wir also nicht nur aus religiösen Gründen die Kolonisation in Palästina, so müssen wir sie natürlich so wünschen, daß sie erkennen läßt, was jüdische Intelligenz, jüdischer Fleiß und jüdische Ethik leisten, wenn sie sich nur frei entfalten können. Mit anderer Zielsetzung verfolgen wir also den gleichen Weg wie die Zionisten. Einen Weg, der lange, länger als eine Generation, dauert, bis das Ziel winkt, und der daher die gemeinsame Kraft, den gemeinsamen Willen erfordert. Der gemeinsame Wille zu einem Werk, das endgültig zu gestalten wir Kindern und Enkeln überlassen müssen, dessen Einzelheiten, oft ferne Zukunftsfragen, heute die Geister nicht zu erhitzen brauchten, das aber unstreitig schön und erhaben ist, könnte und sollte die Judenheit der ganzen Welt verbinden und erweisen, daß es eine Einheit des Judentums gibt. Das ist das eigentliche Wesen und das Ziel der Iewish Agency, in der Zionisten und Nichtzionisten gleiches Recht und gleichen Einfluß haben. Wenn das bisher nicht so deutlich in die Erscheinung getreten ist, wie mancher wünscht, so liegt das an dem Vorsprung in Erfahrung und Sachkenntnis, den die Zionisten in zehnjähriger aufopfernder Arbeit gewonnen haben und an der hemmenden Belastung, die die erweiterte Iewish Agency gleich zum Beginn ihrer Tätigkeit durch die Augustereignisse und ihre Folgen zu bestehen hatte, aber auch bestanden hat. Tie Iewish Agency stellt eine Arbeitsgemeinschaft für ein ganz bestimmtes Gebiet dar, dessen Neutralisierung nur klärend im Kampf um Galuthsrage und Gemeinde-Einrichtungen wirken würde. Bei Ausschaltung der Palästina-Frage würden sich die Parteien schärfer abzeichnen. Wenn die Gegner auch im Beratungssaale der Iewish Agency freundlich beisammensitzen, so haben sie darum ihre volle Handlungsi freiheit in allen anderen Fragen nicht aufgegeben oder auch I nur eingeschränkt; höchstens könnte sich die Diskussion in I urbanerer Form abspielen und das wäre kein Schaden. Der Londoner vberrnMner über den Kamps gegen die Religion in Sowjel-Rntzimd Die Londoner „Times" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 14. Februar einen Brief des Chief Rabbi I. A. Hertz, an die Redaktion, in welchem er zur Frage der Religionsbekämpfung in Sowjetrußjland Stellung nimmt. Er richtet die Aufmerksamkeit auf „das ernsteste Element in dem antireligiösen Feldzug der Sowjets, nämlich aus das Verbot jeden klassenweisen Religionsunterrichts an die Jugend, sogar nach der Schulzeit, ja sogar in den Wohnungen der Kinder. Drei Kinder, in einigen Gebieten sogar zwei,. werden als eine Klasse betrachtet, was für den Lehrer schwere Strafen sür die Erteilung von Religions- oder Bibelunterricht in der Schule nach sich zieht." „Es ist offenbar, fährt der Chief Rabbi fort , daß, diese Einschränkung des religiösen Unterrichts die tätlichste Gefahr für die Zukunft der Religion in Rußland bedeutet. Herr Rykow bestreitet, daß irgend jemand in Rußland sür seinen religiösen Glauben verfolgt wird. Möge er doch endgültig und unzweideutig das Verbot der Unterrichtserteilung an die Jugend ausheben und seine Erklärung wird nicht mehr ein grausamer Scherz sein. Es kann nicht nachdrücklich genug betont werden, daß alle diplomatischen Vorstellungen zu nichts führen werden, solange sie nicht eine derartige endgültige und unzweideutige Aufhebung dieses Verbots erzielen. Noch ein Wort! Die Häupter der Kirchen haben über diese einzigartige Glaubensverfolgung gesprochen. Tie Welt schaut jetzt mit Vertrauen auf die Führer der öffentlichen Meinung außerhalb der Kirchen, in der Erwartung, daß sie sich über diese Ereignisse äußern werden. Es gibt in England Gelehrte und Schriftsteller von internationalem Ruf, deren Worte in Rußland Wert besitzen und deren Proteste von den kämpfenden Atheisten nicht als die Meinung von „Klerikalen" und „Reaktionären" abgetan werden können. Mögen sie ihre Empörung und ihrem Abscheu über diesen geistigen Pogrom Ausdruck verleihen. Tenn das, was jetzt unter der Sowjetherrschcht mit Füßen getreten wird, ist das Gewissen, die religiöse Freiheit und alles, was im menschlichen Geiste am meisten göttlich ist." Der Oberrabbiner hat dabei die Erlasse des Bolksb'.tdungskommissanats der RSFSR. (russische sozialistische föderative Sowjetrepublik) vom 23. April 1921 und 22. Dezember 1923 im Auge, in denen es heißt: „Tie Gouvernementsabteilungen des Bolksbildungskommissariats haben alte Maßnahmen zu ergreifen, damit der außerhalb der Lehranstalten zugelassene Unterricht des sogenannten Gottesgesetzes (d. h. Religion) an Kinder, die 18 Jahre nicht erreicht haben, aus keine Weise die Form regelmäßig funktionierender und von der Geistlichkeit geleiteter Lehranstalten erhält." und „der Unterricht an Kinder außerhalb der Schute in Gruppen, die drei Personen überschreiten, ist untersagt". Diese Beschränkung der Schülerzähl beim erlaubten Religionsunterricht bietet in der Tat eine der größten Hindernisse sür die Erteilung dieses Unterrichts überhaupt. Bei der allgemeinen Verarmung in Rußland ist dort gegenwärtig kaum jemand da, der im Stande wäre, einen Privatlchrer, namentlich für einen solchen Gegenstand, wie der Religionsunterricht, sür seine Kinder zu bezahlen. Es ist auch sür dieses Verbot des größeren Gruppenunterrichts in Religion eben nur die einzige Erklärung vorhanden, - nämlich diesen Unterricht so teuer zu gestalten, daß er schon aus diesem Grunde allein für die allermeisten unmöglich gemacht wird. Tie Erklärung Rykows, welche der Oberrabbiner erwähnt, wurde vom Vorsitzenden des Volkskommissarenrntes des Sowjetverbandes Anfang Februar in einer Moskauer Versammlung des „Osoaviochim" (abgekürzter Name sür Gesellschaft für Gas-, Luft- und chemische Verteidigung) abgegeben. Rykow sagte dabei, daß die Sowjetregierung vollständige Religioussreiheit gewährleiste, niemand für feine religiöse Ueberzeugung verfolgt werde usw. Diese Erklärung Rykows erinnert an die bekannte Art, in der die Sowietregierung ihre Verantwortung jür die kommunistische Propaganda im Auslande abzulehnen pflegt, in dem sie behauptet, diese Propaganda werde nicht von ihr, sondern von der angeblich von ihr ganz unabhängigen Kommunistischen Jnternalionale (Komintern! geführt. Jeder kennt die intimen Beziehungen zwischen Sowjetregierung und Komintern, nichts deitowenigec wird dieses Argument von der Sowjetdiplomatie immerfort wiederholt. Aehnlich ist es jetzt mit dem Dementi Rykows betreffend die Religionsbekämpsung. Es wurde nämlich 1925 in Sowjetrnßland ein „Verband der Gottlosen" gegründet, der nominell mit der Regierung nichts zu tun hat und angebliche einen privaten Verein darstellt. Dieser Verband, dessen Mitgliederzahl 1929 nach verschiedenen Sowjetauellen 600000 bis eine Million erreicht hat, nimmt setzt die führende Stellung im Kampf gegen die Religion ein. da die Religion, wie es in einer Resolution heißt, „eine Bremse des sozialistischen Aufbaus und der Kulturrevolution" sei. Tie Sowjetregierung hat also aus diese Weise die Möglichkeit, formell zu behaupten, daß sie mit diesem Kamps nichts zu tun hat, denn die Beschlüsse über Schließung von Kirchen, Synagogen, ihre Verwandlung in Kinos oder Klubs usw. werden aus Veranlassung von der „Arbeitenden" gefaßt und daraus von den lokalen Behörden dementsprechend durchgeführi. Kennt man die in Sowjetrußland üblichen Berwaliungsmethoden, so weiß man, wie wenig dabei die Rch-e von Freiwilligkeit sein kann. Es geschieht in Wirklichkeit natürlich nur das, was die gegenwärtig allmächtige Leitung der kommunistischen Partei für erwünscht hält. Es muß übrigens gesagt werden, daß es außerordentlich unwahrscheinlich ist, ja richter gesagt, dirett ausgeschlossen ersch eint, daß die Proteste des Papstes, des Erzbischofs von Cauterbury, des Londoner Oberrabbiners »sw. irgendwelchen praktischen Erfolg haben werden. Das Sowjetsystem ist seinem ganzen Wesen nach ebensowenig im Stande, religiöse Freiheit zu gewähren, wie jede Gedankenfreiheit überhaupt. Alle Argumente derer, die die geistige Freiheit als das höchste Menschengut schätzen, müssen daher von dieser Wand unwirksam zurückprallen. Es genügt, um das einzusehen, einige Sätze aus einem Artikel des Zeutratorgans der russisch!-kommuniftischen Partei, der „Prawda" vorn 13. Februar zu zitieren. In diesem Artikel heißt es u. a.: „Gewiß, das Haupt der katholischen Kirche ist nicht so sehr um die Fragen der orthodoxen Kirche, des Judentums, ja sogar des Katholizismus) an sich besorgt, sondern um die materiellen Güter, die mit diesen Religionen Zusammenhängen. Ihm sind die Prozesse der Industrialisierung und der Kollettivisierung der Landwirtschaft, die den Welträubern des Imperialismus den Schlaf geraubt haben, welche ihre letzten Hoffnungen aus die Verwandlung des Sowjetverbandes in ihre AgrarkÄonie schwinden sehen, durchaus nicht gleichgültig. Der röm'sche Papst, wie jeder Ausbeuter, Kapitalist und Finanzmann, ist der Freund jeder Reaktion und der Feind per arbeitenden Massen. Daher richtet er an die Mächte den Ruf, die Religionsfreiheit zur Bedingung der Anerkennung des Sowjetverbandes zu machen. Dieser Ruf bedeutet den Vorschlags die diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland zu zerreißen, da es vollständig klar ist, daß die Sowjetregierung keinerlei Einmischung in ihre innere Angelegenheit, darunter auch in ihre Politik aus dem Gebiet der Religion zulassen werde." In einer Resolution des „Verbandes der Gottlosen" wurde erklärt, die verschiedenen religiösen Gebilde seien „politische Agenturen und Apparate der dem Proletariat feindlichen Klassengruppierungen der internationalen Bourgeoisie". Tie Schritte aller Vertreter der verschiedenen Konfessionen im Ausland werden in Sowjetrußland daher pur Anlaß zu neuen Variationen aus das schon zum Ueb'erdruß bekannte Thema der Sowjetpresse werden über einen in Vorbereitung begriffenen Feldzug des Welttäpitalismns gegen den Sowjetstaat geben, an eine Aenderung aber der jetzigen antireligiösen Politil seitens der Sonst etmachthaber ist nicht zu denken. T«r. I. Lewin. Umschau Jugendkonferenz des Jüdischen Friedensdnndes. Die Leitung und der Studenten- und Jugendbeirat des „Jüdischen Friedensbundes" hatten zum 11. Februar eine Jugendkonferenz eiuberufen zwecks Erörterung von Beitrittsmöglichkeiten sür die jüdischen Jugendorganisationen. Es waren Studenten Verbindungen und Jugendbünde aller Richtungen vertreten und von der Leitung des Friedensbundes Dr. Alfred Nossig, Sanitätsrat Dr. Goldschmidt, Grvßsekretär der Großloge Bnei Brüh und Frau Dr. Eschelbacher anwesend. Nach einem einleitenden Appell des Vorsitzenden R.-A. Dr. Julius Blumenthal an die Jugenübünde zur Mitarbeit referierte Lehrer Raphael (Beckum), Führer des „Kreises jungjüdischer Pazifisten". Er forderte den Eintritt des Judentums in den Kamps gegen die Ursachen des Krieges: Kapitalismus, Militarismus und Imperialismus, und fordert systematische Schulung der Jugend zu Friedensgesinnung und Friedenstrt im internationalen Maßstab und ehrlich bis zu den äußersten Konsequenzen. Der zweite Referent Rrbb. Dr. Eli Munk bezeichnet als Grundlage jeder, vor allem jüdischer, Friedensarbeit positive Religion und sozialgerechte Wirtschaft^ gesiunung. Er begrüßt das programmatische Bekenntnis des Jüdischen Friedensbundes zum Frieden als Faktor der jüdischen Lehre, fordert aber zunächst Klärung der noch nicht eindeutig festgelegten grundsätzlichen Fragen. Dr. Lubinski, Unterdezernent im Jugendpslegeamt der Jüdischen Gemeinde, lehnt als letzter Referent die Mitarbeit der Jugend im Friedensbund grmchsätzlich ab. Die Voraussetzungen des Friedens lägen nicht in der Religion, die für bestimmende Faktoren heute nur Aushängeschild sei, sondern in der Wirtschaft und der sozialen Machtverteilung. Die jüdische Gemeinschaft als solche könne sich nicht in den Kamps um die Tagesfragen hineinbegeben. Denn sie würde im entscheidenden Augenblick so einerseits ihre schon jetzt bedrohliche Lage nur noch komplizieren und verschärfen, andererseits die friedetts

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