Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 8 (19.2.1930)
- Date
- 1930-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Vertreter der sozialistischen Richtung inner Halo des Zionismus ist - er is? Herausgeber der hebräischen sozialistischen Zeitung„Tawar" in TelAwiw machte einx Reihe von Feststellungen, die an sich gewiß wahr sind. So konstatiert er, daß die Juden in Palästina die neben ihnen lebenden Araber Toum kannten und kennen. „Unsere Unkenntnis der Araber ist erschreckend. Wenige kennen ihre Sprache, ihre Sitten und Gebräuche. Wir wissen ja aus unserer Galuth- Erfahrung, wie unvollkommen das Eindringen 'n das Leben des Volkes ist, wenn man mit ihm in seiner Sprache nicht reden kann, wenn die Berührung mit ihm nur oberflächlich ist und aus dem Handel allein beruht, Kauf von Ge müsen. Verlaus von industriellen Produkten, Beschäftigung von Arbeitern usw. Was wissen die Deutschen von den Ostjuden, mit denen sie während der Kriegsjahre n Berührüng standen? Was alles sind nicht die Russen und Polen über die Juden zu glauben bereit, die Hunderte von Jahren in ihrer Mitte wohnen?" Er zeigt auch, wie ungerechtfertigt und sinnlos die Geringschätzung der Araber als „wilder oder halbwilder Orientalen" ist, „die im Munde eines Teiles unseres Jffchuw geläufig i'l", die Hervorhebung der hohen Kulturstufe der Juden im Bergleich, zu derjenigen der Araber, welche „eine unnötige Belastung unserer an und für sich schon nicht leichten ^Politik" ist. Wie beschaffen muß also das Araberprogramm des Zionismus sein, wenn es zu einer jüdisch-arabischen Verständigung in Palästina kommen soll? Eine Verständigung mit den jetzt im Arabertum Palä stinas herrschenden Schichten, den „Effendis, den arabischen Beamten, der kevantinischen Intelligenz, dem Mufti und seinem Anhang," sei nicht zu erreichen. Obwohl diese Gruppen großen wirtschaftlichen und politischen Borteil aus der zionistischen Aktion gezogen haben, verkörpern sie doch die soziale und politische Reaktion, trotze der demokratischen Schlagwörter, wie nationales Selbstbestimmungsrecht usw., mit denen sie operieren. Sie sind Feinde des Zionismus,' weil dieser ihre Herrschaft über die arabischen Massen gefährdet Ter „Schlüssel zum Ausgleich" liegt nicht bei diesen Schichten, die an der Erhaltung der Feudalherrschaft über ihre armen Standesgenossen interessiert sind, sondern das Araberprogramm der zionistischen Bewegung müsse in der „Erhöhung des Lebensniveaus der arabischen Massen" bestehen. Denn', wenn das Larrd beiden Völkern gehöre» soll, so ist es ausgeschlossen, daß zwischen Juden und Arabern „derartig tiefe Unterschiede des Lebensniveaus bestehen wie heute" Für die jüdische Bevölkerung Palästinas sind trotz aller Schwierigkeiten des Lebens und der Arbeit, doch charakteristisch: „hohe materielle Lebensansprnche, sanitäre Einrichtungen, europäische Maß!labe. Schulen, Zeitungen. Bücher, europäische soziale und menschliche Begriffe, Gleichberechtigung der Frau" usw. Daneben aber bei den Arabern in nächster Nähe der jüdischen Einwanderer: „orieiitälische Lebensweise, Effendis und Muftis, die überd nmpfe Masse,: herrschen. Analphabetismus, schmutz, Krankheit, Unterjochung der Frau, Sklaverei in den Beziehungen zwischen Arbeitern mtb Arbeitgeber, mttbc Armut". Dieser rückständige Zustand innerhalb des Arabertum s wird aber solange beitehen bleiben, als die Herrschaft der gegenwärtig obepte» Schichten nicht überwunden ist. „Tie Grundlage der palästinensischen Ausbeutung und des tiefen Lebensniveaus der Massen bildet der Agrarseudalismus" (bei den Arabern). Dieser Agrarfeudalismus kann aus verschiedene Weise aufgehoben werden, auf revolutionärem Wege oder auf dem Wege der Agrarreformen. „Das Interesse des Zionismus, des Landes und der Regierung erfordert die Lösung durch Reformen" und der Verfasser entwirft die alltzemeinm Umrisse einer Agrarreform: Parzellierung des von den Besitzern nicht bebauten Bodens. Intensivierung der Pachtbelriebe usw. Diese Reform wird „den arabischen Pächter befreien und die Klasse der arabischen Landarbeiter stärken". Diej? Reform soll von der ziouistischen Bewegung und der Maudmtarregierung mit gemeinsamen Kräften durchgeführt werden, „die zionistische Bewegung utib der jüdische Jeschuw m Palästina sind verpflichtet, im Maß ihrer Kräfte sich um die Hebung des Lebensstandards der arabischen Massen ,m Lande z,l bemühen". Es ist nicht notwendig, dieses Programm eingehender zu kritisieren. Es genügt nur, daraus hinzuweiseu) welche schwierige Ausgabe der Verfasser seiner Bewegung ausbürdet, wenn er als Voraussetzung für den Erfolg 'des Zionismus die Durchführung einer Agrarreform bei den Arabern verlangt. Tie Zionisten behaupten immer, es sei die moralische Pflicht alter Elemente des Judentums, auch der nichtziönistischen, das indische Nationalheim iiach zionistischem Plan in Palästina aufzubauen. Tie zionistische Bewegung wird auch in der Tat (nicht nur durch die Jewish Agency) durch nichtzioitistische Kräfte im Judentum zu einem sehr großen Teil materiell und geistig gespeist. Nun soll jetzt de,n jüdischen Volt eine neue Aufgabe gestellt werden. zur Erfüllung der zionistischen Ideale und Agrarreform bei den Arabern Palästinas durchzuführen! Sind das nicht etwas zuviel Ausgaben für das jüdische Volk? Dabei ist ja noch zu bedenken, daß die Zerstörung des arabischen Agrarfeudalismus doch unmögliche an den Grenzen Palästinas Halt machen könnte, es müßte doch die Aufräumung dieser sozial rückständigen Struktur auch in den benachbarten Ländern des arabischen Kulturkreises damit parallel gehen, wo die Verhältnisse ja keineswegs besser sind. Und das alles sollen die Zionisten sertigbringen, sozusagen nur als Vorbedingung für die Beständigkeit des jüdischen nationalen Heim in Palästina? Ter Verfasser deutet dabei übrigens in ganz willkürlicher Weise den Text des Palästiin«Mandates, welches seiner Ansicht nach von der Mandatarmacht verlangt, die jüdische Einwanderung möglichst zu fördern, dagegen aber die Einwanderung von Arabern von außerhalb einzuschränken, da sie „nur zier Sorge für die Araber im Lande verpflichtet" sei. Diese Deutung ist offenbar gekünstelt, denn aus dem Text des Mandates ist gar nicht zu ersehen, aus welche Weise die Mandatarmacht die Einwanderung aus anderen arabischen Länder,: verhindern könnte. Diese Schaffung einer Art „Numerlls claiisus" für die Araber in Palästina ist im Mandat durchaus nicht vorgeschen. Noch wichtiger aber ist vielleicht ein anderer Irrtum des Verfassers. Er ist! der Meinung, daß eine Vernichtung der feudalen Ordnung im Arabertum der Gegnersch aft gegen die Juden den Boden entziehen würde, ist also mit anderen Worten der Ansicht, daß eine Demokratisierung der Agrarverhältnisse Palästinas die Garantie eines friedlichen Verhältnisses zwischen Juden und Arabern sein würde. Er meint, auf diese Weise werde der Zionismus zum iratürlichen Bundesgenoffen des jungen arabischen Geschlechts werden, „wenn es sich gegen den jetzigen Machthaber anflehnen und zu uns kommen wird, um von uns <! «! Versammlungskalender i *: Aachea. Mttwoch, de« 26. Februar 1930, abends 8.30 Uhr, im jaal, Wtlhelmftraße: Vortrag von Herrn Oberkantor Bernha über das Thema: „Kann man Religion „unterrichten"?" Adamrd Alt Gottesdienste : *:: Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 21. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salvmonstt. Sonnabend, vormittags 1V Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Aula Kaiserstratze 29-30). Freitag, 21. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein. Berltn-Westend. Liberale Synagoge Westend (Auta Leistikomstratze 7, nahe Reichs, kanzlerplah). Freitag, 21. Februar, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Prof. Dr. Wölbe. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdork (Ceciltrnfchule, Nikolsburger Platz). Freitag, 21. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Plotke. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 23. Februar. Iohannisstraße 16: ovrnyttags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Jelsti. Kleiststratze 10: vormjiltags 10.30 Uhr; Gottesdienst der Jugend. Der Gottesdienst wird von unserer Jngendgemeinschast ausgesiihrt. Ansprache: Hrlmnt KaUiner. die Gegenleistung für seine Zustimmung zur Errichtung der jüdischen Heimstätte im Lande zu fordern". Befreiung deines Volkes," fährt er fort - „das würde unsere Antwort auf die Frage der ehrlichen und reingesinnten arabischen Jugend sein, die nach Bundesgenossen in ihrer sozialen uttb seelischen Bedrängnis suchen wird." Dabei sollte doch dem Verfasser, wie jedem Beobachter der Entwicklung des Nationalismus bekannt sein, daß es ebenso gut eine demokratische Xenophobie gibt, wie bei höher gestellten Schichten. Mail braucht nur darauf hinzuweisen, daß es z. B. gerade dir Arbeiterpartei und die Arbeiterregierung in Australien ist, welche den Grundsatz eines „weißen Australiens" mit aller Schärfe aufrecht erhält und eine Einwanderung von Personell asiatischer Rassen in das fast menschenleere Kontinent unmöglich gemacht hat, in neuerer Zeit auch die Einlvauderuug aus Europa stark hemmt, obwohl in diesem Fall die Einwanderer „weiß" sind. Dasselbe war in Amerika der Fall, wo es wiederum die Arbeiterschaft war, die sich an die Spitze der Bewegung gestellt hat, welche zuerst den Japanern und Ehinese»r den Zutritt nach Amerika unmöglich mochte und später auch die Einwanderung von weißen Emigranten aus Europa so erschwerte, während gerade die kapitalistisch en Unternehmer gegen diese Einwanderungsbeschränkuilg waren, weil es ihnen daran gelegen war, billige Arbeitskräfte zu haben. In den letzten Jahren waren es ebenfalls die Arbeiter iu der Süd-Afrikanischen Union, welche die sogenannte „Farbenschranke" (Eolour Bar) durchgesetzt haben, d/h. das Verbot für nichtweiße Arbeiter, in gewissen qualiflzierten Arbeitszweigen beschäftigt zu werden, um aus diese Weise das Monopol der weißeil Arbeiter auf guten Arbeitslohn zu erhalten. Demokratie ist an sich also noch durchaus keine Vernichtung des nationalen Antagonismus, es kommt ganz auf die Art der Demokratie an, die ganz verschiedene Schattierungen ausweisen kann. Innerhalb der Demokratie sind ganz exclusive nationale Bewegungen möglich, namentlich Antisemitismus. — man braucht nur an den Antisemitismus der christlich-sozialen Bewegung in Oesterreich zu denken, an Leute etwa wie Lueger, die Führer von Volksschichten waren, an deren Demokratie nicht zu zweifeln war, wenn diese Demokratie auch politisch, im Vergleich zur sozialell Temotratie reaktionär war. Es ist! also garnicht einzusehen, warum die Vernichtung der feudalen Herrschaft bei den Arabern mit einem Mal eine natürliche Bundesgenossen - schaff des arabischen Fell ach ell und Juden schassen sollte. Eine solche Agrarreform hätte beit Boden für die Entstehung eines wohlhabenden arabischen Bauerntums liefern müssen, — was natürlich an sich ein Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand nud sehr zu begrüßen wäre, - aber Bauern sind stets die sichersten Träger des primitivsten Nationalismus gewesen, d. h. Träger der instinktiven Abneigung gegen fremde, „zugereiste" Elemente. Es wäre schwer einzusehen, warum gerade die arabischen Bauern in Palästina eilte Ausnahme bilden sollten. I. L. Eine bedeutungsvolle Tagung der Kölner Repräsentanz Um die Redaktion des Gemeindeblattes. — Einführung des F rauen wähl rechtes. — Neuwahlen 1930. Tie Tagesordnung für die letzte Repräsentantenversammlung hatte Beschlußfassungen angekündigt, die für die Zukunft des geistigen, religiösen und sozialen Lebens unserer Kölner Synagogengemeinde von tiesgehettder Bedeutung sein werdett. Daß man sich dessen bewußt war, auch außerhalb der Verwaltung, das zeigte der ungewöhnlich starke Besuch im Zuhörerraum. Jrt drartgvoll fürchterlicher Enge saßen da Männer und Frauen — diese in besonders respektabler Anzahl —, und der Vorstaitd wird überlegen müssen, ob es nicht zweckmäßiger wäre, in Zukunft einen geräumigeren Saal zu wählen. Tie Versammlung befaßte sich dieses Mal wiederum mit der Frage der Gründung eines neutralen Gemeinde-, blattes. Wie erinnerlich, hatte der Vorstand seinerzeit' beschlossen, ein offizielles Organ ins Lebm zu rufen; auch der Schriftleiter war von ihm gewählt worden. Daraufhin erhoben die Konservativen und die Bolksparteiler Widerspruch und verlangten, daß die Repräsentanz die Frage entscheiden solle. Ter Vorstand entsprach dieser Forderung, die Vorlage kam vor die Repräsentanz, und dort stellten sich die beiden Fraktionen auf den Standpunkt, es läge kein Bedürfnis zur Einführung.eines Gemeindeblattes vor. 2Dte Vorlage wurde einer gemischten Kommission zur Prüfung übergeben. Diese Prüfung ergab die Geneigtheit zur Herausgabe des Blattes unter der Hauptbedrngung, daß der Pom Vorstand gewählte S ch.r iftleiter fallen -gelassen werde. In der Vollversammlung am Montag der verflossenen Woche berichtete der Kommissionsvorsitzende entsprechend. Tie Aussprache enbete mit dem Beschluß, die Angelegenheit an die Kommission zu nochmaliger Prüfung zurückzuverweisen, da die schwierigste Frage, die Bestellung des Redakteurs, immer noch nicht geklärt sei. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde sodann die Frage der vorzeitig eit Beendung der Legislaturperiode behandelt. Es lag folgender Sachverhalt zugrunde: Tie Repräsentanz hatte schon vor Jahren, als noch die früheren Mehrheitsvechältnisse Vorlagen, die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechtes beschlossen. Infolge des Protestes der Konservativett verzögerte sich die Erteilung der behördlichen Genehmigung; sie erfolgte erst vor wenigen Monaten. Der Gemeindevorstand entschloß sich nach eingehenden Beratungen, die Möglichkeit zu schassen dafür, daß die Frauen ihr Wahlrecht schmt vor Beendigung der Legislaturperiode ausLben könnten. Er brachte eine entsprechende Vorlage vor die Repräsentanz. Obwohl es völlig überflüssig war, noch einmal grundsätzlich die Frage „Frauenwahlrecht" zu erörtern, da ja ein positiver Beschluß längst vorlag, hielten es die Orthodoxen für angezeigt, ausgedehnte Betrachtungen darüber anzustellen, ob halachische Bedenkeit gegen die Gewährung des passiven Stimmrechtes vorlägen. Tie parlamentarische Möglichkeit zu dieser zeitvergeudenden Obstruktion gab ein Antrag zur Geschäftsordnung, der die Absetzung der Vorlage von der Tagesordnung verlangte, weil die Annahrne eine Satzungsänderung bedeute, die erst beschlossen werdett müsse, und weil wohlerworbene Rechte dritter widerrechtlich aufgehoben mürben. Wie sehr sich die Herren den Kopf über Möglichkeiten einer Intervention zur Verhinderung per Einführung des Frauenwahlrechtes zerbrochen haben, das merkt man, wenn man hört, wer diese dritten fein sollten. Es sind die Ersatzmänner, die in die Repräsentanz einrücken, wenn ein Mitglied ausscheidet. Tie Herrschaften hatten kein Glück mit ihrem Verschleppungsversuch; die Repräsentan-' beschloß die A u s s ch r e i b u n g von Neuwah - l e n z u d em T e r m i n, an d e >n au ch die Wahlen zum Landesverband preußischer Synagoge n g e m e i it b e tt ft a 1t f i u b nt werden. Uebrigens ließ die Behandlung dieses Punktes der Tagesordnung sehr deutlich die Kluft in den Reiben der zionistischen Fraktion erkennen, von deren Vorhandensein man schon seit langem wußte. Es scheint, als ob die Tauer ein ersprießliches Zusammengehen orthodoxer und liberaler Zionisten nicht möglich sei, und man darf aus die Form gespannt sein, in der die Partei zur Neuwahl schreiten wird. Und noch eine Beobachtung konnte mau an diesem Abend machen. Ter orthodoxe Sprecher stellte glatt in Abrede, daß der verewigte Rabbiner Tr. Nobel sich schriftlich für die Zulässigkeit des aktiven und passiven Frauenwahlrechtes ausgesprochen habe. Nach dieser Behauptung legte der Leiter der Verhandlungen, Rechtsanwalt Jonas, die Abschrift eines Brieses Dr. Nobels auf den Tisch des Hauses,in dem sich der anerkannte Führer der Orthodoxie in klarster Form dazu bekannte, daß gegen die Gewährung keinerlei religiöse Bedenken dorlägen. Als sich die orthodoxen Herren in die Enge getrieben sahen, erklärten sie, hier handle es sich nicht um eilt halachisches Gutachten, sondern um ein paar hingeworfene Brieszeilen. Das ftnttt doch nichts anderes besagen wollen, als das, daß. ein um seine halachisch bestimmte Meinung befragter Rabbiner leichtfertig und kurzerhand eine religiöse Entscheidung, getroffen habe. Mau muß es den Herrschasten überlassen, mit diesem Borwurf fertig zu werden. Das Schicksal dieser Repräsentanz ist nun besiegelt: sie wird im kommenden Winter verschwinden und einem Parlamente Platz machen, in dem auch die Frauen vertretett sein werden. Man weiß eS seit dieser letzten Versammlung, daß die Konservativen und die Mittelpartei keine Kandidatinnen präsentieren werden. Tie ersten aus religiösen Gründen, die andern, weil sie nicht viele Mandate zu vergeben haben. So sprachen es die Redner beider Fraktionen deutlich aus. Tie Tagesordnung enthielt als weiteren Punkt die Vorlage der K u l t u s t r e n n u n g, die aber wegen der vorgerückten Zeit auf die nächste Sitzung vertagt wurde. N a ch w o r t der R c d a k t i o u. Wir möchten diesen Bericht nicht hinausgehen lassen, ohne eittige Bemerkungen bezüglich des Streites um das Gemeindeblatt anzufügen. Ter Vorstand hatte den Schriftleiter der inzwischen eingegangenen Kölner Jüdisch-liberalen Zeitung zum Redakteur und Geschäftsführer des Verlages gewählt, und zwar mit Zustimmung von Vorstandsmitgliedern aller Parteirichtungen. Tie Wahl war erfolgt, weil man davon überzeugt war, daß die geforderte Neutralität durch! die Persönlichkeit des Schriftleiters gewährleistet sei, und weil man aus den nichtliberalen Parteien keinen gleichqualifizierten Herrn präsentieren konnte. Tie Stellung des Vorstandes gereicht unserem Freunde zur Ehre. Umso bedauerlicher ist es, daß die Angelegenheit in der Repräsentanz nicht sachlich, sondern persönlich behandelt wurde. Als noch der liberale Schriftleiter zu kommen drohte, da lehnten sowohl die konservativen und volksparteilicheu Herren als auch der Mittelparteiler die Schaffung des Gemeindeblattes ab, weil kein BÄürfms vorliege. Nachdem aber die Kommission die Gewißheit hatte, daß ein anderer Redakteur gewählt werde, wurde die Bedürsnissrage Plötzlich bejaht. Man kann es verstehen, daß die liberale Fraktion jetzt auch kein allzugroßes Interesse mehr daran hat, dem unberechtigtett Widerstand gegen einen ihrer bewährten Freunde zum Siege zu verhelfen, und es scheint, als sei das Schicksal des Plaues in der letzten Repräsentantensitzung besiegelt worden. Die Freude am Backe«, die wohl den meisten Hausfrauen innewohnt, wird erhöht, wenn man Zutaten verwendet, die ein Mißlingen der kleinen Kunstwerke häuslicher Backkuust ausschließen. Zu diesen gehört echtes Palmin, bei dessen Verwendung man nie Gefahr läuft, den Geschmack des Backwerkes durch das so unangenehme Borschmecken des Fettes beeinträchtigt zu sehen. Palmin ist nämlich völlig frei von störendem Eigengeschmack, fast unbegrenzt haltbar und außerordentlich ergiebig, deshalb auch das im Gebrauch sparsamste Koch-, Brat- und Backfett.