Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 7 (12.2.1930)
- Date
- 1930-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614060--3461-2621053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus den Gemeinden * Berlin. (Oscar intern« gestorbe n.) Im Alter von 62 Jahren ist in der Nacht zum 8. Februar Herr Oscar Heimann, Mitinhaber des Modehauses R. M. Maaßen, den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Sein Tod reißt in das gesamte Wirtschafts leben Berlins eine empfindliche Lücke. Dank seinem hervorragenden organisatorischen Talent konnte er das Haus Maaßen zu einem führenden Unternehmen der gesamten deutschen Modeindustrir ent wickeln. Er stellte seine hervorragenden kaufmännischen Eigenschaften auch in den Dienst der Allgemeinheit. Ihm ist der Aufbau des Berliner Messeamtes zu verdanken. Er gehörte dem Vorstand der Industrie- und Handelskammer und des Reichs Verbandes der deutschen Industrie an. Auch dem jüdischen sozialen Wohlfahrtsmesen wandte er seine Kräfte zu. Seit Jahrzehnten war er im Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens führend tätig, er war Mitglied des Hauptvorstandes und Stellvertretender Vorsitzen der des Vereins. Oscar Heimann war langjähriges treues Mitglied unserer Bereinigung und hat unsere Bewegung stets mit Rat und Tat unterstützt. Berit«. (Max Osborn 6 0 Jahr c.) Am 10. Februar feierte der Kunsthistoriker und Theatcrkritikcr der Ullstein-Presse Dr. Max Osborn seinen 60. Geburtstag. Er veröffentlichte bisher über 30 Publikationen größeren und kleineren Umfanges über bildende Kunst und Theater, die weite Beachtung fanden. Seine Kunstkritiken, die vorwiegend in der „Vosfischen Zeitung", der „Berliner Morgen post", der „B. Z. am Mittag" usw. erscheinen, gelten als mah^ gelttich. Max Osborn hat sich in den letzten Jahren auch dem jüdischen Kunstwesen zugewandt. Er ist Mitglied des Vorstandes des Vereins für Schaffung eines Museums für jüdische Kunst bei der Jüdischen Gemeinde Berlin und hielt vor einiger Zeit bei der ersten Veran fialtung dieses Ve. n-s eine großangelegte Rede über jüdische Kunst. Berlin. (Verein der B e a m t e n u n d A n g e st e l l t e u der jüdischen Gemeinde.) Der Verein der Beamten und Angestellten der jüdischen Gemeinde zu Berlin (wirtschaftliche und berufliche Interessenvertretung) hat sich wie folgt konstituiert: l. Bor fitzender: Eitel Rockmachcr; 2. Vorsitzender: Dr. Jlja Goldmann; Kassierer: Siegmund Salberg; Rendant: Moritz Rath; Schriftführer: Willy Rosenthal; Beisitzer: Mortin Goldstein, Georg Wittenberg, Dr. Erna Friedländer, Paul Lewin, Eugen Arndt, Paul Forste,izrr. Dortmund. (Vortrag in der Synagoge.) In der voll besetzten, zu 80 "’o wohl von Nichtjuden besuchten Synagoge hielt Rabbiner Dr. Appel einen mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag über den jüdischen Kultus. Er sprach über die geschichtliche Entwicklung des jüdischen Gottesdienstes, dem Inhalt des Sabbat gottesdienstcs, den Symbolen der Feiertage und schloß mit einigen Bemerkungen über die Dortmunder Synagoge. — Bon der Dring lichkcit solch öffentlicher Aufklärungsvorträge zeugten die persön liehen Anfragen nach Schluß des Vortrags. — Eine derselben sei des allgemeinen Interesses halber mitgeteilt: Frage: „Wenn der jüdische Kult von der jüdischen Gemeinschaft mit solcher Innigkeit gepflegt wird, >vie kommt es, daß in Rußland die Kirchen so stark bedrängt werden?" — Der Fragesteller war nicht wenig erstaunt zu hören, daß neben den Kirchen ebenso und noch stärker!bic Synagogen und die jüdische Religionsgemeinschaft von den Bolschc wistm bedrängt werden und daß Bolschewismus und Judentum nichts miteinander gemein haben. Hamburg. (Entwürfe zum Tempel bau., Tie vom Israelitischen Tempelvcrband veranstaltete Ausstellung der Entlvürfe für den geplanten Neubau eines Tempels in der Oberstraßc wurve in der Kunsthalle durch einen Vortrag des ersten Baudircklors Tr. Ranck eingeleitet, der sich ausführlich über die Grundsätze des Preis ausjchreibens und über einige der 29 eingereichten Entwürfe äußerte. Er wies hin auf die vielen Bindungen und Hemmungen, denen der Bau einer Kultstätte durch ZwcästeUung, Einordnung in das Straßen- und Städtebild und die Vorschriften der Baupftegeabteiiniig unterworfen ist und auf die Schwierigkeit, trotzdem höchste Kunst zu erzielen. Kunst soll eben nichts Hinzugefügtes, sondern der seelische Einschlag in ein technisches Gewebe sein. Diese Aufgabe ist in dem Wettbewerb in vielseitiger Weise und qualitativ sehr befriedigend gelöst worden. Der Baudireklor untersuchte in sehr fesselnder Weise acht einzelne Entwürfe aus ihre Zweckmäßigkeit und weitete damit; den Blick seiner Zuhörer für die besonderen Bedingungen der Bauauf gäbe in sehr entschiedener Weise, so daß sie mit Verständnis und Einverständnis der Entscheidung des Preisgerichts folgen konnten. Im Anschluß daran wurde stKmnn die Ausstellung der Zeichnungen und Modelle eröffnet und besichtigt. < Heldenbergt». (Todcsfa l l.) Unsere Gemeinde beklagt den Heimgang ihres Führers und Vorstehers Max Speier, der im Alter von 67 Jahren verstarb und unter großer Bcteiligrurg von Leidtragenden zur letzten Ruhe geleitet wurde. Provinzialrabbiner Tr. Hirschfeld, Gießen, und Lehrer Höxter schilderten in ihrer Trauerreden die persönlichen Eigenschaften und das gemeinnützige Wirken des Verblichenen. Karlsruhe. (R. A. Jacob Marx 0 0 Jahre. Rechtsanwalt Dr. Jacob Marx, Karlsruhe, begeht am 13. Februar die Feier seines 50. Geburtstages. Seit vielen Jahren steht er /an der Spitze des Landesverbandes Baden des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. R.-A. Marx gehört seit langen Jahren als eifriges und interessiertes Mitglied unserer Vereinigung an. Pattensen. (Todesfall.) .Hier wurde der langjährige Vorsteher der Gynagogengemeinde zu Grabe getragen. Neben den Gcineindcmitgliedern waren fast alle umliegenden israelitischen Gemeinden durch Abordnungen vertreten. Ferner waren der Kriegerverein, die Freiwillige Feuerwehr, die Handwerkerinnung und aus Hannover der Verband der Viehhändler mit ihren Fahnen vertreten. Der Landrabbiner Dr. Freund-Hannover sowie der Seelsorger der Synagogengemeinde, Lehrer Apt, widmeten den, Verstorbene» Gedenk- Wihenhauscn. (Todesfall.) Ter langjährige Gcmeindeälteste L. Trepp ist im Aller von 58 Jahren nach längerem Leiden ver storben. Die Gemeinde betrauert den Heimgang ihres um die religiösen Interessen eisrigst bemühten Sachwalters, der sich durch sein offenes, aufrichtiges Wesen und durch die Hingabe für das Allgemeinivohl die Wertschätzung vieler erwarb. Daß der Entschlafene auch außerhalb seiner Glaubensgemeinschaft hohes Ansehen genoß, bewies die außergewöhnliche Beteiligung vieler Freunde von nah und fern bei der Trauerfeier. Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, würdigte in einer tief empfundenen Ansprache die Verdienste des Heimgegangenen um die Leitung der Gemeinde. In bewegten Worten gab auch Lehrer Blumcnseld der allgemeinen Trauer Ausdruck über das frühe Ableben des arbeitsfrei,digen und Pflicht eifrigen Führers, dem das Wohl und Wehe der Gemeinde stets am Herzen lag, der darum auch allen unvergeßlich bleiben werde. Aus der Bewegung Dortmund. (Judentum und Christentum.) In der hiesigen Ortsgruppe hielt Herr Konrektor A n d o r n einen groß angelegten fesselnden Vortrag über das Thema: Judentum und Christentum in ihren Grundbegriffen. Bei dem umfangreichen und schweren Stoffgebiete, zeigte er an diesem Abend, das >vas hüben und drüben das Charakteristische ist, zunächst die Lehre von dem Menschen und die Erbsünde, wobei die Zuhörer an der .Hand des katholischen und evangelischen Katechismus geführt wurden. In einem kurzen und knappen Satze sei der wesentliche Ikiuerschied gegeben: Das Judentum lehrt, daß die Seele des Menschen von Geburt rein und sündlos sei, daß der Mensch von Natur aus mit der Fähigkeit begabt ist, das Gute zu tun und sittlich zu handeln aus eigener Kraft. Das Christentum lehrt, daß der Mensch von Geburt an mit Sünde behaftet ist, daß seine eigene Kraft nicht ausreichh. das Gute zu tun. daß Sünde und Schuld die herrschende Macht im Leben des Menschen ist. Was sagen die christlichen Quellen seit den ältesten Tagen bis zur Gegenwart hierzu? Wie ergeben sich daraus mit Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit die Dogmen der christlichen Kirche über die Person Christi, des Erlösers und seiner Sendung? Was sagt das liberale Christentum hierzu? Alles dieses beantwortet der Vortragende quellenmäßig. Und dann zunt Judentum; Guttmann hat dies klassisch formuliert: „Wir treten in das Leben ein.als ob wir das erste Mcnschengebilde lvären, das aus GottcS Schöpserhand hervorgegangen ist." Tie Kernstelle 1. Buch M., Kap. 8, 21, die als Begründung des Dogmas" von der Erbsünde herköinmlich gilt, wird nach der jüdischen Auffassung gezeigt, auch die „Erlösnngslehre des Judentums" und die Sünden Vererbung, nicht die E r b - süude. Zahlreich sind die Bibelstellen und Midraschim, die seit ältester Zeit darüber vorhanden sind. — Zum Schlüsse sucht der Vortragende die Frage zu beantworten: „Welchen Gegentvartswert habe» diese Au?, führu-ngcn?" und gelangt zu dem Optimismus des Judentums mit feinen Prophctenwortcn Maleacht 3, 6 und Jesaias 43, 10: „Denn ich, der Ewige, an d c r e mich nicht; darum seid ihr, — ihr Söhne Jakobs, nicht vernichtet worden; ihr seid meine Zeugend" An den mit großem Beifall ansaenomnu nen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache. Köln (Rhein). (Eine eindrucksvolle Veranstaltung der Gemeinschaft.) In der Gemeinschaft, Vereinigung flU fortschrittliches Judentum e. V., sprach am vergangenen Donnerstag Herr Rabbiner Tr. Gott schall aus Frankfurt a. M. über das Thema: „Der moderne Jude und die Religion". In einer tiefgehenden Analyse der Geisteshaltung moderner Menschen zeichnete btt '?.c‘mcr **ie mannigfachen Schwierigkeiten, die der Neubelebung religiöser Grundkräfte cntgegenftehen. Auf der einen Seite lehne man eine religiös fundierte Lebensführung entschieden ab; auf der andern, Seite offenbare sich dagegen eine geradezu leidenschaftliche Hinwendung znm Religiösen in allen Bezirken kulturellen Schaffens. Freilich vollziehe sich diese Betvegu'ng aufgrund veränderter Voraussetzungen uns unter neuen Formen. Der moderne Jude fei in beiden Lagern zu finden. Und daher sei ein Grundzug seines Wesens das Ringen um befriedigende Sinngehalte und ansprechende kultische Ausdrucksweisen. Ohne Zweifel werde dieses Ringen über die Re formen des 19. Jahrhunderts und auch über die 'gegenwärtig wirk l'amcit Tendenzen hinauSgchen und völlig neue Wege suchen. Redner wendet sich nach der hier nur andeutungsweise uinrissenen Ueberschau zu Erwägungen praktischer Natur, wobei er das methodische Schema zugrundclegt: religiöse Bildung, religiöse Weihe, religiös praktische Arbeit. Statt des üblichen Unterrichtes wird man den „religiösen Kreis" für die Unterstufe, das „religiöse Heim" für die Mittelstufe und den „religiösen Bund" für die Oberstufe einführen müssen. Alles Schulmäßige müsse aus dem Unterricht wegfallen. Der „Lehrer" solle Freund bei den Kleinen, Führer bei den Mittleren und Kamerad bei den Reiferen heißen. Ueberall habe das Leben die führende Rolle zu spielen; der „Stofs", das ..Pensum" sei lediglich wünschenswerte Ergänzung. Der Vortrag, der namentlich in seinem grundlegenden Teste ivertvolle Aspekte darüot, an die die geistige Verarbeitung durch dir Zuhörer anzuknüpsen hätte, fesselte durch die Kraft des Wortes und die Tiefe der Gedanken bis zum Schluß und ließ den Abend zu einer der bisher eindrucksvollsten Veranstaltungen der Gemeinschaft nnrdcn. Ter Vorsitzende der Gemeinschaft, Herr Dr. Blank, ( den Abend mit einer kurzen Darlegung der Tenden. i der Bergung ein und schloß ihn mit einem Wort des Werdens r rnkes an den Redner ab. Briefkasten Kantor S. Scelig, Nvrdhausen. Sie legen —- wie wir ein:. Briefkasten Notiz des Israelitischen Familienblattes entnehmen — Gewicht auf die Feststellung, daß Sie am z tv eite it Freila g abend G o t t e s d i e n st der Nordhausener Synagoge nicht teil genommen haben. — Wir wollen nicht versohlen, Ihrem Wnnsm nacr Verbreitung dieser Ihrer Gesinnung auch von uns aus z» unierftützcn. Sattitätsrat A. in Danzig. Sie Ivundcrn sich, daß zur Eröfs nung der .Kampagne für den „neutralen" Keren .Haiesiod Herr Blnnicnfeld ein Referat „Die Kräfte der Judenheil und der Sieg des Zionismus" hält. Wir wundern uns aus diesem Gebier-, über nichts mehr. Dereinsnachrichten Ter Verein ehemaliger Zöglinge des Pankvwcr Wamilhaustveraustaltet am 22. Februar in dem Logenhause Joachimsrhaler Straße 13, am Kursnrstcndamm, sein 35 jähriges Skistungsfcft in Form eines Balles. Er ladet alle Gönner und Gäste hiermit Herz liehst ein. Eintrittskarten zum Preise von Mk. 2,50 -sind in nuferer Geschäftsstelle .Hermann Baß, Berlin SW. 18, Friedrichstraße 9, und an der Abendkasse erhältlich. Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin R„ Artillericstraße 11. Montag, den 17. Februar 1930, abends 8 Uhr, hält Herr Direktor Dr. Feist einen Vortrag über: „Das Problem der jüdischen Rasse". (Mit Lichtbildern.) Ter Rtichsbnnd jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruvvo Benin, Be zirk Zoo, veranstaltet am Sonnabend, den 15. Februar d. I., in den oberen Räumen des Logenhanses Kleiststraße ein Kostüm Fest. Empfang: Sonntag, iS. Februar 1830 Herta Falk Heinz Simonsohn Verlobte Berlin, Cöpenicker Strasse SS Möbl. Zimmer mit Frühstück, in ruhigem Hause, Nähe Untergrund¬ oder Stadtbahn von solidem jungen Herrn für sofort gesucht. Gefl. Angebote mit Preisangabe an die Geschäftsstelle dieser Zeitung unter l. H. 29 leim mr Inserat la Referenzen meine ZM meoiges Honorar ♦ Berlin-Schöneberg Verein ffhr Feuerbestattung In Berlin von 1874. e. V. ▼erau kouteniose Feuerbestattung; Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon; Lflticow 960-51 Hutstemer Str. 1 Fernsprecher: Stephan 2797 V_J Staatlich genehmigte, streng rituell geführte UNrtschaliiictie Frauenschule Wolf ratshausen i. Isartal (580 ni ü. M.) Gründg. d .Jüd. Frauenbundes Ortsgr. München bildet junge Mädchen aus zu tüchtigen Hausfrauen, und schafft die Grundlage zum Wirtschaftsberuf, zum Sezialberuf und zum Lehrberuf. Prospekt, Auskunft, Anmeldung: Leitung der Schule, Hannah Bodenheimer, Wolfratshausen, Frau Recha Stark, München, Rauchstr. 12/1. Beginn des neuen Schuljahres anfangs Mai. 181 die MB des ErloiDfis! (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 Preis: im Buchhandel M. 1.80, für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen. M.I.— vereiiüDung wr ms m. Berlin SW II, Hailesche Strasse 1 T^JFastnachis- M. Gebäck (BeriinerPfannkuchen^rapfen-Muzen) \mirmdemnaturmnm i Cocos- WM -erlag: Bereinigung für Im» liberale Ssbcnhua e. »„ Berlin «W. II. - «eruztwortlicher Bebakte«: SNH-fri* Bruno Woyda. ömsu TA. L8. - Druck: Hermann Wegnre fr Berin.-Mariendars. 769 52 9414