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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-02-05 · 6 (5.2.1930) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
6 (5.2.1930)
Date
1930-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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R--A. Stern (üb.) gedenkt des Führers Moritz Türk, des vorjährigen ersten Etatrcidners und dankt dem Gemeindevorsitzenden für seine Rede, die ihren Meister lobe, die ganze Versammlung aber ehre. Redner bekennt sich namens des Liberalismus zu Zukunft und Einheit des Judentums („Arewus Jisrocl") und zur jüdischen Aufgabe in der Welt, billigt auch die Förderung auherdeutscher jMscher Bestrebnngen. Er fordert den Reichsverband als jüdische Gesamtorganisation in Deutschland, Statutenrevision, das religiöse Parochialsvstem und zwecks Befriedung der Gemeinde und organischer Arbeit aller Richtungen getrennte Kultuskommissionen. Elternkurse zur Förderung jüdischer Erziehung, Einsetzung der Rabbiner und sonst jüdisch Interessierter in der Einzelarbeit bei Bekämpfung der Indifferenz, Fortbildung des Gottesdienstes im liberalen Sinne, Verlegung der Sonntagsveranslältungen in Synagogen, Beseitigung des „3-Klassenjystems" bei Beerdigungen, Ausschaltung von Parteipolitik aus Jugendpflege und Behandlung von Personalfragen. Tie Liberalen lehnten jeden Ausbau höherer Schulen ab. Bei den Volksschulen bestehe angesichts allgemein konfessioneller Schulen nur ein Notstand.' Alle Bedürfnisse der Gesetzrstreuen seien zu befriedigen. Zur Bewältigung und Beschleuniaung der Arbeit seien besoldete Gemeindeälteste zu berufen. Tic Gemeindearbeit sei ein Teil in der über dem ganzen Judentum leuchtenden Ewigen Lampe und dein nie verlöschenden von Mose als erstem geschauten brennenden Dornbusch Sic muß so geleistet werden, daß der Indifferente gleich Mose am Tornbusch sage: „Ich will hmzutreten und schauen!" T r. K l e e (Volksp.) drückt seine Befriedigung über das Geleistete aus, neben dem aber das nach zu Leistende immer wieder als Ansporn zu beachten bleibe. Redner wendet sich gegen die Austrittsdrohungen aus den Kreisen der Reformgemeinde und hält ihnen die Gemeindetreue der Zionisten zu einer Zeit entgegen, da diese allseitig unterdrückt und verfe'nr waren. Er fordert jüdische höhere Schulen, die in keiner Weise hinter den allgemeinen Schulen zurückstchen und eine besondere jüdische Erziehung vermitteln, ferner Förderung der kleinen Synagogenvereine als jüdische Mittelpunkte bis zur Ausbildung des neuen in Pankow geplanten Synagogentyps (Gemeindehaus), Förderung des Palästina- Gedankens und -Ausbaues, der rückwirkend jede jüdische Arbeit befruchte. Mit Männern wie Baech Seligmann und Elbogen gebe es Gemeinsames, nicht aber mit solchen liberalen Mimten, die Sabbat und hebräische Sprache entwurzeln wollten Tr. Klee berührt die Frage, ob die Gemeinde Abwehrarbeit leisten solle und führt aus, wenn der Central-, Verein überparteilich wäre und dort keine Abstimmungen gegen Richtungen innerhalb des deutschen Judentums stattsindcn würden, so tonnte er die Frage verneinen, so aber tst das nicht der Fall. Friede ist wohl möglich, aber Voraussetzung dabei ist absolute Unparteilichkeit. Tr. Klee wandte sich scharf gegen Verdächtigungen, daß einzelne Richtungen im deutschen Judentum hinsichtlich ihrer Staatspflichten unzuverlässig seien. Solche, nicht in der Hitze des Gefechtes hervorgcb'rachten Verdächtigungen, sind schlimm. _ In ferner weiteren Rede kündigte Tr .Klee an, daß seine Partei in den Forderungen' für Palästina noch weitere Wünsche habe. Wir werden, sagte Tr. Klee, Beteiligung der Gemünd e am Keren Hajessod verlangen und erwarten Verständnis überall, wir hoffen, dies wird keine Kampsforderung mehr sein. Tr. Klee schließt mit einem Bekenntnis zur Einheitsgemeinde als dem Ausdruck der „Solidarität der Generationen" und bezeichnet als Ziel der Arbeit die Verlebendigung der Juden Berlins und ihre Verbindung mit dem Ganzen des Judentums und seiner Ausgabe. Das Ju- ’üuilum von morgen darf nicht das Judentum von gestern sein! Tie Fortsetzung der Debatte wird vertagt. Dem Hilssoerein, dem Verband Russischer Juden in Deutschland und dem Verband ostjüdischer Organisationen werden Beihilfen von 5000, 3000 und 6000 Mark bewilligt. Ter Aeltestenste'.lvcrtreter Tr. Lilienthal wird zum Gemeindeältesten und der bisherige Gemeindealteste Prof. Seligmann neck. Niederlegnng seines Aeltestenamts zum Stellvertreter gewählt. (Jta) f»! Aus den Gemeinden > V? . . . Beckum i. Wests. (E i n w c i h u n g d e s I u g e n d h e i m s.) In ->:r breiigen Synagogengemeinde wurde ein Heim für die Jugend und sie Gemeinde durch eine eindrucksvolle gemeinschaftliche Freitagabendicicr eingeweiht. Der jüdische Jugendverein hatte dazu als Festredner .'en geschäftsführenden Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Jugendvercine Deutschlands, Herrn F. Schwarzschild, Düsseldorf, gewonnen, der in seinen Ausführungen ein Bild von der heutigen Bedeutung jüdischer Jugend- und Gemeindeheime zu geben wußte. Mit der Schaffung jedes neuen Jugendheims werden neue Bindungen, neue Schaffenskräfte in die Zersallserscheinungen einer Zeit gepflanzt, in der das „Beß Hakncsftth" nicht mehr den Mittelpunkt jüdischer Aufbauarbeit bildet. Im Anschluß an den Wochenabschnitt »vurdc von Lehrer I. Raphael der Wunsch ausgesprochen, daß die „Kürze des Geistes und die Schwere der Arbeit", beides typische Kennzeichen unserer Epoche der Technisierung, durch den Geist eines Jugend- und Gemcindcheims in rastloser, einsamer Arbeit überwunden werden möge. Namens des Vorstandes der Synagogengemeinde überbrachte s>crr Josef Stein Glückwunsch und Gruß. An der Weihestunde nahmen fast alle Mitglieder der Gemeinde teil. Berlin. (Einweihung des neuen Röntgeninsti- \uli~ Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde.) Am. .Sonntag, den 26. Januar, mittags, fand im Krankenhause der Jüdischen Gemeinde eine schlichte Feier anläßlich der Inbetriebnahme oes neuen Röntgeninstituts statt. Professor Scligmann begrüßte Sie Erschienenen und dankte dem Gemcindcvorftande und der Re oräscmantenversammlung für ihren Opferwillen^ den sie bei Aufstellung des Krankenhausetats und der Anschaffung neuartiger Hilfsmittel stets bewiesen. Rabbiner Dr. Alexander bezeichnete' in seiner ' Weiherede das Krankenhaus als „Adamath Kodesch". Hier errichtete sie Gemeinde für sich und das Gesamtjudentum das schönste Ehrenmal. Der Leiter des alten wie des neuen Röntgeninstituts, Tr. Ziegler, gibt in seiner Festrede einen Uebcrblick über die Geschichte ses Röntgen-Wesens an den Gemeindekrankenhäusern. Bei der dem Vortrage folgenden eingehenden Führung durch das Institut, das in mehrmonatiger Arbeit gestaltet wurde, erläuterte Dr. Ziegler die erzielten Fortschritte. Das Institut, bar jeden Luxus, nur nach Zweckmäßigkeiten eingerichtet, stellt nach dem abschließenden Bericht seines Leiters die modernste, bestgefügte Röntgen-Diagnostik- und Dberapie-Anlagen Berlins dar. Berlin. (K a n t o r c n w a h l.) Zum Nachfolger des verftordenen Oberkantors Felix Asch an der Synagoge Lützowstraße wurde vom Gemeindevorstand Herr Hanns John gewählt, der seit etwa drei Jahren als Vorbeter an der Liberalen Synagoge Wilmersdorf fungiert und in Berlin auch sonst durch vielfache kantorale Tätigkeit bestens bekannt ist. Die Wahl ist inzwischen durch die Repräsen tauten - versammlung bestätigt worden. Berlin. (Jadlowker kommt nicht als Kantor nach Berlin.) Wie wir hören, haben sich die Verhandlungen zwischen der Jüdischen Gemeinde und Hermann Jadlowker zerschlagen. Jadlowker hat seine ursprüngliche Honorarforderung von 24 000,— auf 30 000,— Mark erhöht. Berlin. (Gesellschaft für jüdische Familienforschung.) Die „Gesellschaft für jüdische Familienforschung" hielt am Mittwoch, den 22. Januar 1930, im Roten Saal des Brüdervereiushanses ihre Generalversammlung ab, zu der sich Mitglieder und Gäste zahlreich eingefunden hatten. Nach einer kurzen Begrüßung des Vorsitzenden, Herrn Dr. Arthur Czellitzer, und nach Darlegungen über den Bestand des „Archivs" der Gesellschaft, gab der Schatzmeister Herr Otto Neumann den Kassenbericht des abgelaufenen Jahres; den Revisionsbericht erteilte der Kassenprüfer Herr San.-Rat Dr. Rothmann; hierauf folgte ein kurzer Bericht des Schriftführers Herrn Josua Friedländer. Daran schlossen sich die Wahlen. Frau Bertha Falken berg erklärte, aus dem Vorstande ausscheiden zu müssen, an ihrer Stelle wurde Herr Prof. Wölbe in den Vorstand gewählt. Dieser setzt sich nunmehr zusammen aus den Herren: Vorsitzender: Dr. Arthur Czellitzer, Schriftführer: Prof. Wölbe, Schatzmeister: Otto Neumann, Beisitzer: Josua Friedländer, Dr. Jacob Jacobsohn, Dr. med. Hans Mühsam, Professor Pick, Reg.-Baumstr. Adolf Stern, Ernst Wolfs und Jakob Zons. Im Mittelpunkt der Tagesordnung standen die Ausführungen des Herrn Dr. Czellitzer über den Roman von Ludwig Lewifohn „Das Erbe im Blut", der vom Referenten insbesondere in Bezug ans seine Bedeutung für den jüdischen Familienforscher beleuchte: wurde. Ludwig Lewisohn gehört seit langem zu den Schriftstellern, die in Amerika verfchmt und in Europa gelesen werden. Der Roman „Das Erbe im Blut" trägt zum größten Teil autobiographischen Charakter. Die dort angeführte Judensamilie durch vier Generationen schilderte Dr. Czellitzer in lebendigster Form und veranschaulichte diese Familie in einer selbst ausgezeichneten Stammtafel. Nach einer lebhaften Diskussion gingen die Hörer bereichert und angeregt auseinander. ' i < Berlin. (Jubiläum.) Zwei Beamte der Berliner Jüdischen Gemeinde, der Oberkassierer Tarnowsky und der Amtmann der Gemeinde Leo Kreindler, begingen rm 31. Januar das Jubiläum ihrer 25 jährigen Zugehörigkeit zum Beamtenkörper der Gemeinde. Die beiden Herren wurden aus diesem Anlaß von dem Gemeindevorftand begrüßt, auch wurden ihnen Ehrengaben der Gemeinde überreicht Borken. (Kons ervatives Bezirksrabbinat.) Seitens des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden .ist in Westfalen ein konservatives Bezirksrabbinat mit dem Sitz in Borken eingerichtet »vordem Dem Rabbinat sind außer Borken selbst die folgenden Gemeinden angegliedert: Ahaus, Epe, Gemen, Gescher, Groß- Reken, Raesfeld, Stadtlohn und Vreden. Zum Bezirksrabbiner ist Herr Dr. Köhler, der bisher in Frankfurt a. M. als Religionslehrer tätig war, gewählt worden. Breslau. (Sitzung der Gemeindevertretung.) Die erste Sitzung der Gemeindevertretung im Kalenderjahr 1930 am 30. Januar beschäftigte sich mit der .Wahl des Präsidiums. Vor Eintritt in die Wahl gab der Vertreter der Zionisten die Erklärung ab, daß seine Partei den bisherigen Vorsitzenden Justizrat Peiser njcht Wiederwahlen würdH weil er den „Aufruf der deutschen Juden" mitunterzeichnet hätte. Tatsächlich wurde Justizrat Peiser mit nur 11 Stimmen .(soviel liberale Gcmeindevertrcter waren anwesend) zum Vorsitzenden wicdergewählt. 3 Stimmen lauteten auf einen anderen liberalen Gemeindevertreter. Das veranlaßte die liberale Fraktion, nach kurzer Besprechung die Erklärung abzugeben, daß sie bei der Wahl der nichtliberalen Mitglieder des Präsidiums weiße Zettel abgeben würde. Im übrigen wurde das alte Präsidium wiedergewählt, d. h. Rechtsanwalt Spitz (lib.) zum 1., Dr. Schlesinger (kons.) zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden, Rechtsanwalt Jacobsohn (Zionist) zum 1., und Handelsrichter Gins (lib.) zum 2. Schriftführer. Aach Annahme einiger Jahrzcitstiftungen erklärte sich die Versammlung zur Uebernahmc der selbstschuldnerischen Bürgschaft für die auf dem Beate-Guttmann-Heim der'Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes zur ersten Stelle eingetragene Hypothek der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin von Mt. 100 000,— nur unter der Bedingung bereit, daß sich das .Heim unter die Aussicht der Gemeinde stellt. ($ 70, 1 der Gemcindesatzungen.) Zur Zusammenlegung der beiden in der Gemeinde bestehenden, nicht voll belegten Waisenhäuser soll ein letzter Versuch unternommen tverdeu. Herr Adolf Stein und Herr Mar Korn werden zu Mitgliedern des Ausschusses der Neuen Synagoge, Herr Lehrer Max Schönfeld und Herr Rechtsanwalt Littmaun zu Mitgliedern des Zwciggottesdienstausschusses gewählt. In die Gemeindevertretung ist anstelle des nach Düsseldorf versetzten Oberregierungsrats Dr. Marens (Zionist Kauf mann Louis Markowicz einberusen worden. Eine kurze geheime Sitzung regelte die Gehalts und Pensionsbezüge einiger Geineindeangestctlten. Fürth. (Hohes Alter.) Frau Rabbiner Tr. Neuburger konnte am 15. Januar ihren 80. Geburtstag unter herzlicher Anteil nähme der Gemeindeverwaltung, des Rabbinats und weiter Kreise der Gemciudemitgliedcr in Rüstigkeit und Frische feiern. — Herr Justizrat Tr. Moritz Dittelshöfer begeht am 3. Februar die Feier seines 80. Geburtstages in bemerkenswerter geistiger Elastizität. Seit langen Jahrzehnten in unserer Stadt ansässig, hat er den reichen Uebcrlieferungen seines Elternhauses, des verewigten Rabbiners von Floß und seiner Gattin, herzliche Treue bewahrt. Durch mehr als drei Jahrzehnte war er, ausgezeichnet durch gründliche juristische und allgemeinwissenschaftlichc Bildung, als angesehener Rechtsanwalt in Fürth tätig. Dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde hat er durch 27 Jahre bis 1925 angehört und an seinen Arbeiten mit großem Verständnis und mit unermüdlichem Eifer tcilgenommcn. Er ge hört zu den Mitbegründern der Ortsgruppe der „Bereinigung für das liberale Judentum" und hat die Bestrebungen des „Hilssvereins der Deutschen Juden" und der Gabriel-Rießer-Stistung als Mitglied der leitenden Komitees nachhaltig gefördert.. Ebenso hat er sich als langjähriges Vorstandsmitglied des Johanniszwcigvereins um die Pflege der earitativen Anstalten in Fürth große Verdienste erworben. Seit einer Reihe von Jahren hat er fick von dem öffentlichen Leben zurückgezogen und lebt, rastlos tätig, seinen wissenschaftlichen Studien. Fürth. (Todesfälle.) Am 29. Dezember starb Herr Nathan .Klugmann im Alter von 73 Jahren. Er hat durch zwei Jahrzehnte dem großen Vcrwaltungsausschuß der Israelitischen Kultusgemeinde angehört und stets mit großem Eifer an ihren Arbeiten tcilgcnom men. Von der großen Verehrung, die er mit seinem Hause sich weithin erworben hat, legte die starke Anteilnahme bei seiner Bestattung am 1. Januar beredtes Zeugnis ab. Rabbiner Dr. Behrens gab der allgemeinen Trauer Ausdruck. Namens der Kaiscr-Karl-Loge sprach ihr Präsident Kaufmann Rades herzliche Worte des Gedenkens. Auch die Angestellten des Hauses ließen einen Kranz niederlegen. — Am 1. Januar starb- Herr Albert Reiner im Alter von 70 Jahren. Er war vor wenigen Jahren nach Fürth aus Rcgensburg gezogen. In Regensburg hatte er der Verwaltung der Israelitischen Kultusgcmeinde angehört und ebenso der Chewrah wertvolle Dienste geleistet. In Fürth hat er sein lebhaftes Interesse für das jüdisch-gemeindliche Leben bewahrt und sich schnell einen großen Freundeskreis geschaffen. Auch ihn ehrte bei seiner Bestattung am 3. Januar ein.großes Trauergefolgc. — Am 30. Dezember starb Herr Prof. Dr. Salomon Herzstein im Alter von 76 Jahren und wurde am 1. Januar zur letzten Ruhe bestattet. In Bodenfelde bei Göttingen geboren, auf der Jacobsonschule in Seesen und den: Humanist. Gymnasium in Göttingen vorgebildet, studierte er in Göttingen vorzüglich die Neueren Sprachen und war nach kurzer Lehrtätigkeit in Seesen durch 40 Jahre Lehrer der Neueren Svrachm an der Israelitischen Realschule in Fürth. Weit über den Kreis seiner beruflichen Tätigkeit hinaus, in der er ganze Generationen hcrangebildet hat, hat er sich einen großen Ruf als Sprachlehrer erworben. Sein Unterricht war ebenso begehrt wie sein sachkundiger, gründlicher, wissenschaftlicher Rat. Von vorbildlichem Fleiß bis zuletzt, hat er vorübergehend nach dem Tode des unvergeßlichen Direktors Prof. Dr. Alfred Feilchenfeld das Direktorat der Israelitischen Realschule mit gewohnter Energie verwaltet. In einer Reihe wissenschaftlicher Vereine unserer Stadt hat er in rüstigen Tagen hervorragend mitgearbeitet. Noch in hohem Alter hat er sich seinen Studien gewidmet und an dem Leben der Umwelt mit regstem Interesse teilgenommen. Dank, Liebe und Verehrung kamen noch einmal in hohem Maße bei seiner Bestattung zu ergreifendem Ausdruck. Rabbiner Dr. Behrens würdigte eingehend seine Persönlichkeit, sein Schwiegersohn Rabbiner Dr. Fritz Wejß-Teplitz sprach namens der Familie, Studiendirektor Prager für die Israelitische Realschule, Kuratorium und Schule, Verein und die Bereinigung -ehem. Realschüler, Direktor Karl Kunreuther für die ehemaligen Schüler. Georgensgmünd. (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g.) Am 21. Januar wurden auf dem israelitischen Friedhof Georgsgmünd bei Nürnberg Grabsteine umgeworfen, beschädigt und beschmutzt. Ein Polizeihund nimmt die Spur der Täter auf, verliert sie aber wieder, und so konnten sie bisher noch nicht festgenommen werden. Die nationalsozialistische Ortsgruppe Georgensgmünd hat hundert Mark Belohnung für die Auffindung des Täters ausgesetzt. Sie will damit offenbar deutlich von der Tat und dem Täter abrücken. Sie hat bas umsomehr nötig, als Georgensgmünd einer der Orte ist, wo die nationälsozialrstische Bewegung stark agitiert und der „Stürmer" viel gelesen wird. Hoffentlich wird hier die Ausfindung des Täters die Schuldfrage klären.! - , * Hamburg. (R e pr äs c n t a n t e n - K o l l etz i u m.) Die in der Sitzung vom 6. Januar 1930 erfolgte Ablehnung des liberalen Auftrags, betreffend Einführung des passiven Frauenivahlrechts für das Repräsentanten-Kollegium hatte unter den liberalen Mitgliedern der Gemeinde, insbesondere aber bei den Frauen, starke Enttäuschung hervor-- gerufen. Dies war u. a. zum Ausdruck gekommen in einem Artikel, den die Vorsitzende des israelitischen Humanitären Frauenvereins, Fräulein Sidonie Werner, im Hamburger Familienblatt veröffentlicht hatte. Bei der Abstimmung in dieser Sitzung hatten wider Erwarten zwei Herren, welche der zionistischen Partei angehören, gegen das Frauenwahlrecht gestimmt, obwohl der Führer der zionistischen Gruppe, Herr Dr. Calmus, sich für die Einführung eingesetzt hatte, ja sogar noch über den liberalen Antrag hinausgegangen war, um den Frauen auch die Wahl in den Vorstand der Gemeinde zu ermöglichen. - Es wurde nun der liberalen Gruppe mitgeteilt, daß jene beiden der zionistischen Gruppe angehörcuden Herren, die bisher auf der Seite der Opposition gestanden hatten, bei einer wiederholten Beratung des Antrages nicht mehr die gleiche Stellung einnehmen würden. Daraus ergab sich für die Liberalen die Pflicht, ihren Antrag wieder einzudringen. Dieser ausschließlich von den Liberalen gestellte Antrag auf Einführung des passiven Frauenivahlrechts für das Repräsentanten-Kollegium wurde in einer auf Veranlassung dieser Herren einberusenen Sondersitzung am 27. Januar behandelt? Wie groß das Interesse an dem Gegenstand innerhalb der Gemeinde war, zeigte sich darin, daß sich eine große Zahl von Zuhörern — die Sitzungen sind öffentlich — eingefunden hatte. Nachdem ein von konservativer Seite unternommener Versuch, die Sache von der Tages-- ordnung iviedec abzusetzen, fehlgeschlagen war, ivurde in die Debatte cingetreten, die sich zu einer sehr umfangreichen und eindringlichen gestaltete. Der Antrag wurde zunächst in ausführlichen Darlegungen von Dr. Frankel (lib.) begründet. Der Redner wies darauf hin, daß die Liberalen es den Frauen ihrer Partei und nicht zum wenigsten dem Interesse der Gemeinde schuldig zu sein glaubten, den Versuch zu machen, das Ergebnis der letzten Sitzung zu revidieren. Die Gemeinde habe aus Gründen der Gerechtigkeit und mit Rücksicht auf die besonderen Leistungen, die die hamburgischc Gemeinde den Frauen, verdanke, die Verpflichtung, den Frauen die von ihnen gewünschte Möglichkeit zur Mitarbeit im Repräsentanten-Kollegium zu gewähren, umsomehr, da sich ihr Wirken in den vielen Kommissionen der Gemeinde als segensreich erwiesen habe. Wenn den Frauen die Mitarbeit in den drei Hauptgebieten der Gemeindeverwaltung, im Wohlfahrtswesen, im Mädchenschulwesen und im Jugendamt nach der bestehenden Verfassung gestattet sei, so könne man sie auch nicht von der Mitarbeit im Repräsentanten-Kollegium ansschließen. Die Liberalen hätten sich wiederum lediglich auf die Forderung beschränkt, den Frauen das Wahlrecht in diesem Kollegium zn gewähren, weil der Vorstand für einen weitergehenden Antrag nicht zu gewinnen sei und die Vorlage nicht dadurch gefährdet werden sollte, daß man diese^ »veitergehende Forderung stellte. Die Opposition berief sich darauf, daß für sie der religionsgesetzliche Gesichtspunkt entscheidend sei, der keinesfalls ein Werturteil bedeute, sondern darauf beruhe, daß eine Verteilung der Pflichten und Aufgaben zlvischcn Männern und Frauen vorgesehen sei, welche den Frauen die Mittvirkung in den Gemeindebehörden nicht gestatte. Demgegenüber lvics Herr Alexander Levy darauf hin, daß bei Einführung des aktiven Frauenivahlrechts dasselbe Argument angeführt sei, um seinerzeit auch dieses zu Fall zu bringen, daß aber nach Einführung des aktiven Frauenivahlrechts die Frauen auch aus streng orthodoxen Kreisen sich an den Wahlen in erheblicher Zahl beteiligt hätten; außerdem sei im Verhand der israelitischen Gemeinden Schleswig Holsteins uird der Hansestädte auch von den orthodoxen Rabbinern die Mitarbeit der Frauen akzeptiert ivorden. Nachdem Herr Dr. Calmus (zion.) seine Zustimmung zu dem liberalen Antrag erklärt hatte und noch eine Reihe weiterer Redner zu Worte gekommen war, lvurde zur Abstimmung geschritten, die das Ergebnis hatte, daß der liberale Antrag auf Einführung des passiven Frauenivahlrechts zum Repräsentanten-Kollegium mit der im Statut vorgesehenen Majorität angenommen wurde. Nach den Statuten ist eine weitere Lesung nach Ablauf von 4 Wochen erforderlich und außerdem die Zustimmung des Vorstandes der Gemeinde ebenfalls in zivei Lesungen. Die Liberalen hoffen, daß die Vorlage auch vom Gemeindcvorstand angenommen und die weitere» Lesungen dasselbe Ergebnis haben werden, so daß bei der Ende März ds. Js. stat? findenden Neutvahl des Repräsentanten Kollegiums auch Frauen in das Gemeindeparlament einziehen können. Das Kollegium hatte alsdann noch drei Gemeindevorsteher zn wählen. Es wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder Alfred Levy, Tr. Hermann Samson und Hermann Philipp tviedergewählt. Hannover. (O esse ntli che Sitzung des Repräsentant e n ko l l e g i u m s.) Zu Beginn der Sitzung vom 28. Januar wurden die wiedergewählten Mitglieder des Kollegs durch den 1. Vorsteher in ihr Amt eingcführt. Anschließend eriunerte er an einige für die Gemeinde wichtige Begebenheiten des letzten Jahres: Neuwahl des Gesamtkollegs, Einweihung der neuen Friedhosslmlle, Herrichtung der Aula im Gemeindehaus. Die Anzahl der den Religionsunterricht besuchenden Schüler und Schülerinnen sei erfreulicherweise auf annähernd 400 gestiegen. Im Jahre 1928 seien acht, 1929 sieben zahlungsträftige Mitglieder aus der Gemeinde ausgetreten. Auch lasse die Zahlungsfrcudigkcit vieler Mitglieder zu wünschen übrig. Redner schließt: „Sorgen Sic beim nächsten Wahlgang dafür, daß solche Streitigkeiten lvic bei den letzten Wahlen vermieden werden. Setzen Sie sich sachlich mit Ihren Gegnern auseinander, aber nicht versönlich! Wir müssen hier unter uns Frieden halten, wir müssen die Einheit der Gemeinde bewahren, sonst kann die Gemeinde nicht weiter bestehen!" — Die Kommissionswahlen bringen nur geringfügige Aerrderungen: aus gegebener Veranlassung wird beschlossen, daß künftig jedes Kollegmitglied berechtigt sein soll, das Amt eines Synagogenvorstehers zu vcrscheri. — Der Gemeinde ist Mitteilung vom Magistrat zugegangen, das; dem Tauscherwerb Friedhofsgelände gegen Grundstück Ohestraße nichts mehr im Wege steht. Lediglich eine Zuzahlung von 3000 Mark ist notwendig. Der Vorstand wird ermächtigt, entsprechend abzuschließen. — Der Tarif der Friedhofsverwaltung wird einstimmig genehmigt. Die Sätze in der seitherigen Höhe sollen auch für 1930 beibchalten werden. Das Kolleg bringt einhellig zum Ausdruck, daß die Zahlung der Sporteln an die Gemeindekasse eine unentbehrlichc Mithilfe für die gemeindliche Stcuerkraft sei. Tie Herren Rabbiner werden deshalb gebeten, jeden einzelnen Fall, in dem ihre Mithilfe in Anspruch genommen wird, der Gemeindeverwaltung zur Kenntnis zu bringen. — Wegen des Antrages betr. Errichtung eines Urnenhains hatte Herr Landrabbiner Tr. Freund von sieben Großgemeinden Berichte eingefordert. Die ein-- geaangenen Antworten sind den Herrn Repräsentanten zur Kenntnis gebracht worden. Ergänzend berichtet Herr Kommerzienrat Berliner

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