Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 6 (5.2.1930)
- Date
- 1930-02-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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w WWWWW! - 'I WWHDWWMWWWMYWW, l ,, . 11 ji<l uomie, jene Gegensätzlichkeit und Spannung, die denr Angesicht des Judentums den zwiespältigen Zug ausprägt: ein Volk bewußtesten Eigenlebens mit stärksten Selbfterhaltungsinstinkten und zu gleicher Zeit weltenweiten Horizontes, das in seinem sorgsam Gehüteten den künftigen Besitz der Menschheit zu bewahren sich berufen weiß. Sv zwischen nationale Enge und inenschheituinspanncnde Weite, zwischen Partikularismus eines volkverhafteten Taseins und religiös sittlichen Universalismus als Grund und Sinn jüdischen Seins gestellt, hat es, wie der Tempel zu Jerusalem, Fenster, die sich nach innen verengen, nach außen weiten. Tie Saat der prophetischen Künder der reinen Menschheitsreligion war zur selben Zeit, da die Sopherim das Judentum verengten, in den Herzen der Verfasser der jüdischen Weisheitsliteratur, den Büchern .Hiob und Sprüche Salo mo's, Jona und Ruth, Sirach und anderen apokryphischeu Büchern, wie auch in einer große» Anzahl gleichzeitig während des zweiten Staatslebens entstandener Psalmen ausgegangen. Sie verkündeten, vielleicht im bewnßten Gegensatz zn den gleichzeitigen Repräsentanten der beginnenden halachisch-ge setztichen, national partitlitarislischen Literatur, die individu eile, von aller nationalen Bedingtheit losgelöste, allgemein menschliche Frömmigkeit.' umso allgemein menschlicher, als ihr Charakter vorwiegend ethisch ^ist. In den genannten Schriften, zumal in den Sprüchen Salomo's und Hiob, findet sich kein Wort von Kultus und Ritus, von Priestern uni) Leviten. Selbst der Raine Israel wird nicht genannt. Tie Verfasser dieser Schriften offenbaren durch ihr beredtes Schwei ge», daß es ihnen aus nichts anderes als ans die alte Ment scheu verbindende Sittlichkeit nnkommt. Sie lehren das, 'ivas man heute mit einem wissenschaftlichen Ausdruck den ethischen Monotheismus nennt. Auf den Schultern der Pro pheten stehend und die von den Propheten geprägte Formulierung akzeptierend fordern sie G o t t e s e r k e n n t n i s vor allem und verstehen unter dieser Gotteserkenntnis die Ertenntnis und Erfüllung sittlicher Gebote als Forderungen des heiligen Gottes. „Gottesfurcht ist der Anfang der Weis heit", und Weisheit ist das Fernhatten vom Bösen und das Tun des Guten. Tas ist der in hundertfachem Echo wiederkehrende Inhalt ihrer Rede. Aber nicht nur in diesen biblischen Büchern, sondern auch in der rabbinischen Literatur fließen die Ströme dieser MenschheitSreligivn. Reben der Halacha, dein retigionsgesetzlichen Teil der mündlichen Thora, entwickelt sich eine universalistische Hagada, von der in einer der ältesten Urkunden in der Mechilta zn Beschallach uns also berichtet wird: „Wenn Mose zu Israel sprach: ,so du aus die Stimme des Ewigen, deines Gottes, hörst und tust, was recht ist in seinen Augen', so sind darunter die Agadoth rneschubachoth, die vorzüglichen Agadot zu verstehen, hanischmaoth beosue chol adam, die in den Ohren jedes Menschen verständlich sind. Als Beispiel solcher Agadoth meschubachoth vorzüglicher universeller Hagada mag diese dienen: Als Mose vor Gott stand, um die Thora zu empfangen, widersetzten sich die Enget und riesen: „Rein, Meister aller Welten, gib den .Himmelsschatz der Thora nicht diesem Menschen". Ta verwandelte Gott das Angesicht Moses, lieh ihm die Züge Abrahams und sprach: Wie! erkennt ihr den nicht, der die Pflichten der Menschenliebe an euch als Wanderern, die ihr zu Abraham kämet, übte?" Und die Engel überließen dem Mose die Thora. Gott aber sprach zu Mose: lo nithnah lecha Thora ela bischuth Abraham, nur um des Verdienstes Mrahams willen wird dir die Thora gegeben." Was heißt das anderes als nur um des abrahamitischen, rein menschlichen, völkerverbrüdernden, sittlichen Inhalts willen, nicht um des partikularistisch-mosaischer, willen ward uns die Thora« gegeben. Immer und immer wieder wird in der Hagada der frühesten wie der spätesten rabbinischen Zeit dieser Gedanke in vielfältigen Variationen wiederholt: „Es steht geschrieben, ihr sollt meine Satzungen und Rechte wahren, die der Mensch üben soll, daß er in ihnen lebe der Mensch, und nicht etwa nur die Priester und Leviten und die Israeliten? Und ruft Jesaja etwa: ,Oesinet die Tore, daß die Priester, die Leviten, die Israeliten, einziehen?', ruft er nicht vielmehr: ,öffnet die Tore, daß einziehe ein gerechtes Volk, das die Treue wahrt?' Gleichermaßen heißt es nicht: ,Ties ist das Tor zuin Ewigen, die Priester, Leviten und Israeliten ziehen da ein', sondern ,dies ist das Tor zum Ewigen, die Gerechten ziehen da ein'.... daraus ist zu entnehmen: ein Heide, der Rechtschaffenheit übt, ist soviel wert wie ein Hohepriester in Israel." Tas war die Zeit und die Stimmung, da das Judentum, und zwar nicht nur das durch die Berührung mit griechischer Kultur zn einer freieren Auffassung gelaugte hellenistische Judentum in Alexandria und den anderen hellenistischen Ländern der Diaspora, sondern das palästinensische Judentum ansing, den Völkern das Evangelium des Judentums zu predigen. Von der gewaltigen, welterobernden Mission des Juden tums tief erfüllt und fast leidenschaftlich ihre Verwirklichung herbeisehnend, stand das Judentum, insbesondere von der Zeit der hasmonäischen Herrschaft an, den heidnischen Völkern gegenüber, von dem hohen Standpunkt seiner reingeistigen Gotteinheitslehre und seines heiligen Sittengesetzes auf die Torheiten und die Entartung des Heidentums mitleidig herabsehend. Nicht hochmütig verachtend, sondern mit dem edlm Pathos einer entrüsteten Sittlichkeit zu ihnen redend, voll heißen Verlangens, sie von ihren schamlosen Unsitten und Torheiten zu heilen und zum Anschluß an das Judentum zu führen, wo allein das Heil und die Wahrheit zu finde,: Nicht zu dem kultischen Gesetz, nicht zum nationalen Anschluß an das Judentum versuchten die Sendboten des Judentums die Welt zu bekehren, sondern einzig zu dem, was die Menschheitsreligion im Judentum genannt werden kann. Wohl gab es. insbesondere unter den strengeren Gesetzeslehrern viele, die von den Traußenftehenden den nationalen Eintritt in das Judentum als Bedingung ihrer Aufnahme forderten. Aber die Zahl dieser, unter dem Namen g-ere zedek voll und ganz Uebergetretenen ist sicherlich nur eine verhältnismäßig geringe gewesen. Zu schwer waren die Forderungen der Beschineidung und, des ganzen damals schon streng absondernden Religionsgesetzes mit seinen tausendfachen peinlichen Verboten und Geboten. Mer die Sendboten, die das Judmtnm als Missionsprediger, als Apostel vor den christlichen Aposteln, in alle Lande schickte, lehrten die Heiden eine rein ethische Religion, losgelöst von allen nationalen, kultischen, rituellen Forderungen. Damals vollzog sich, zunächst noch unbewußt, die welthistorische Tat der Befreiung der Religion von allem Zeitlichen und Räumlichen. Es kam den Missionspredi- ★ : Versammlungskaleuder j ★ A, faul, r Bonn: Aachen. n Sonntag, den 9. Februar, nachmittags 5.30 Uhr, im Abanrvilhelmstraße, Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Alfred Levy, „Das Schöpferische im liberalen Ju-entnm". : * Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 7. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Direttor I. Plaut. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Aula Kaiserstraße 29-30). Freitag, 7. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbinatskandidat Mehler. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistilvwstraße 7, nahe Reichskanzlerplatzl. Freitag, 7. Februar, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Seligmann-Frantsurt a. M. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdork (Lecilieufchule, Nilolsburg,r Platz). Freitag, 7. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Grün-Danzig. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Gottesdienste am Sonntag, den 9. Februar. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Kleiststraße 16: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Lehmann. gern des Judentums nicht darauf an, daß die Menschheit Juden werden, etwa nationale Inden, oder konfessionelle oder zeremonielle Juden, sondern daraus, daß die Völker sich zu einem Bund von Gottessürchtigen Jire adonai, griechisch phobumenoi oder sebontes ton Theo» vereinigten. Tas Sittlich-Religiöse wurde von allem National-Konfessionellen befreit. Tie gewonnenen Seelen brauchten nicht Israeliten zu werden, um des göttlichen Heils gewiß zu sein. In der rabbinischen Literatur, hinaufreichend zu den Anfängen der Mischna, aber später verdunkelt, wird der Begriff des nicht in die Nation Israels eintretenden Proselyten staatsrechtlich oder vielmehr völkerrechtlich festgelegt. Er wird „Noachide", „Sohn Roachs" genannt, und die Zahl der vor: ihm zu haltenden Gebote wird meist als sieben angegeben, schwankt aber in der Tradition zwischen nur einem einzigen und dreißig Geboten. Aber ob eins, ob sieben, ob dreißig: sämtliche ihm auferlegten Gebote beschränken sich auf die Forderung der Sittlichkeit, der Humanität. Ueber den staatsrechtlichen Sinn des Noachismus haben berühmte Staatsrechtslehrer wie Johannes Seiden und Hugo Grotius und ihnen folgend auch jüdische Gelehrte, vor allem Hermann Cohen die Meinung vertreten, daß es sich dabei um Festlegung der staatsbürgerlichen Rechte derer handelt, die in einem Lande anderer Religion leben, also in unserem Falle um Heiden im jüdischen Staate. Ihnen seien auf Grund des humanen jüdischen Fremdengesetzes staatsbürgerliche Rechte eingeräumt worden unter der Bedingung, daß sie auf die rein humanitären noachidischen Gebote sich verpflichteten. Ich halte das schon darum für einen Jrrtuvl, »veil es sich bei den Noachiden, gleich Vorläufern der Jire adonai, der Frommen unter den Völkern, in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht um die Noachiden in Palästina, sondern in der Tiaspora handelt. Nein, der Begriff des Noachismus bedeutet die erste bewußte Scheidung des Partikularistischen, fast möchte ich sagen des Jüdischen im Judentum, vom Menschheitlichen, Ewigen, Religiös-Sittlichen. Es bedeutet die Entdeckung der reinen, individuellen Religion, losgelöst von Staat und Nation und Kultussorm. Es bedeutet die EtMierung der persönlichen Religion als selbständige Macht. In diesem Sinne faßt es schon Dio Cassius, der römische Historiker aus der Zeit der antoninischen Kaiser auf, der sich darüber verwundert, daß der Name Jude anfange, die Bedeutung eines Volks namens zu verlieren und die Bedeutung des Namens einer religiösen Gemeinschaft bekommen habe. Wie die jüdischen Settdboten bei ihrer Propaganda verfuhren, dafür findet sich in talmudischen Quellen ein interessanter Beleg. Durch die Straßen einer Stadt ging ein jüdischer Händler und rief aus: „Wer will Leben kaufen?" Als sich viel Volks um ihn gesammelt hatte, begierig nach dem angepriesenen Lebenselexier, da zog er aus seinem Ge- und las: „Mi haisch hechophez chajim, wer ist der Mann, der Leben begehrt? Bewahre deine Zunge vor Bösem Mann, der Leben begehrt? Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor Reden des Trugs! Weiche vom Bösen und tue das Gute! Suche den Frieden und jage ihm nach!" Tas war das Evangelium, das die jüdischen Apostel den Heiden verkündeten. Wir besitzen noch heute eine teils in der Weltsprache jener Zeit, griechisch, teils hebräisch verfaßte gewaltige Literatur, die dem unverkennbaren Verlangen, in der Heidenwelt Proselyten für dieses universalistische Judentum zu machen, ihr Entstehen verdankt. Bor allem prägte man den. zu Bekehrenden die goldene Regel ein, die aus der berühmten Antwort Hillels bekannt geworden ist, die er jenem gab, der das Judentum gelehrt wissen wollte, solange er auf einem Fuße stehen könne. Seine Antwort war die erwähnte goldene Regel: „Was dir verhaßt ist, das tue einem andern nicht." Zn dieser Propaganda-Literatur zählen mit in erster Linie die sogenannten Terccherez-Gesetze, d. h. die Gesetze von dem sittlichen Wohlverhalten, die Lehre von den Wegen Gottes und der Menschen, aus denen schließlich eine Art Proselytenkatechismus, genannt Tidache, hervorgygangen ist. Aus ihnen haben die späteren christlichen Apostel ihr vorzüglichstes Werbematerial wörtlich entnommen und so mit rein jüdischen Gütanken und Worten für ihre neue Religion zu werbm begonnen. „Zwei Wege gibt es, einen des Lebens und einen des Todes; es ist wber ein großer Unterschied zwischen beiden", so hebt dieser jüdisch^chrisüiche uralte Katechismus an, „der Wog des Lebens nun ist dieser: zum ersten, STOIi:WERC*X iDohlSchmockcrui, i Jiahrfiafi. du sollst lieben Gott, der dich geschaffen hat; zum zweiten deinen Nächsten wie dich selbst: alles aber, was du nicht willst, was dir geschehe, das tue auch einem anderen nicht." Tie Wirkungen dieser gerade um die Zeit des entstehenden Christentums, im ersten Jahrhundert, ihren Gipfelpunkt erreichender: jüdischen Missionstätigkeit waren ungeheure, di« die ganze Welt von Grund aus zu verändern schienen. Es ging wie eine mächtige Bewegung durch die heidnischen Völker. Tas Wort des Propheten schien seiner Erfüllung nahe: Zehn Männer aus allen Zungen der Völker faßten den Rockzipfel eines jüdischen Mannes an und sprachen: „laßt uns mit euchzusammen gehen, denn wir wissen, daß bei euch Gott ist". „Von dem beständigen Anwachsen des Zustroms von .Gottesfürchtige»', von Noachiden", so schreibt Pros. Eduard Meyer in seinem Werke „Ursprung und Anfänge des Christentums"", „geben uns die Zeugnisse sowohl der jüdischen und urchriftlichen, wie der heidnischen Literatur ein lebendiges Bild: Parther, Meder, Elamiter, Bewohner von Mesopotamien und.allen Landschaften Kleinasicns, von Aegypten und Lybien bis Kyrene, Kreter und Araber... ganz Syrien, Griechenland mit Mazedonien, Cypern und Kreta, die Länder östlich des Euphrat — überall, wo die christlichen Missionare hinkommen, finden sie eine starke Judcngemcinde mit einer Synagoge. In Aegypten, in Kyrenaika. in Kleinasicn, aus Cypern zählen die Juden und Judengenossen das sind die „Noachiden" - nach Millionen. Auch in Rom waren sie schon zur Zeit Ciceros und Casars sehr zahlreich." So weit Eduard Meyer. Philo, der alexandrinisch-jüdische Philosoph, ein Zeitgenosse Jesu, spricht in begeisterten Worten von dieser Mlen Welleroberung des Judentums und ruft aus: „Unsere Thora unterwirft'sich alle Menschen und führt sie zur Sittlichkeit, Griechen und Nichtgriechen, die Bewohner des Festlands... der Inseln, die Völker des Ostens... des Westens, Europäer, Asiaten, alle Nationen der Erde." Und Josephus, der ein Menschenalter später lebte, berichtet: „Schon seit lange ist unter den Völkern ein großer Eifer ausgekommen, unsere Religion nachzuahmen... Sie ist durch die ganze Welt geschritten; jeder, der sich in seiner Stadt und in seinem eigenen Hause umschaut, wirb meineu Worten, zustimmen." ... . So schien die Saat des Judentums zur Ernte zu reifen. So schien der Augenblick nahe, da der ethische Mono-« theismus des Judentums die Welt erobern werde. Da trat aus dem Höhepunkt, auf der Peripetie der jüdischen Geschichtstragödie, das retardierende Moment ein, das all« Blütcnträume zum Ersterben brachte und in Wirklichkeit eine jetzt schon zweitausend Jahre währende Tragödie schuf, deren Ende noch nicht abzusehen ist: Tas Christentum entstand, das paulinische Christentum. Wir haben nicht den Willen, an dieser Stelle am Christentum, seiner Entstehung und Entwicklung Kritik zu üben. Darum seien hier nur die Worte eines christlichen Relrgionsforschers angeführt: „Was aus dem Urchristentum geworden ist, die christliche Kirche, ist ein Kompromiß zwischen Heidnischem und Christlichem. Tie Heiden haben das Evangelium übernommen, so gut wie sie konnten. Sie konnten es aber nur so, daß, sie es mit dem Inhalt ihres Bewußt^ seins vermittelten und ausglichen: sie mußten es verheidnischen." Der: Kämpf gegen dieses Heidnische führt das Christentum bis zum heutigen Tage. Alle Entwicklungen und Reformationen innerhalb des Christentums sind im tiefsten Grunde nichts anderes als ein Zurück von dem Heidnischen zum Jüdischen. Tas Judentum aber, zur Zeit der Erstehung des Christentums, mußte sich, wenn es sein innerstes Wesen nicht preisgeben wollte, der Verdunklung seiner reingeistigen Gotteinheitslehre, der Umbiegung seiner Lehre von der Sündenvergebung, vom messianischen Gottesreiche u. a. widersetzen. Es sah im werdenden Christentum den ungeheuren Wstand dessen, was das Messiasreich sein sollte, aber in dem sich Messiastum denn das heißt Christentum - nennenden Neuen nicht geworden ist. Die Zeutralbegrisfe des Judentums wurden in der neuen Religion aufgegeben und oft durch geradezu entgegengesetzte Lehren ersetzt. Aus dem Heil, das das Judentum allen sittlichen Menschen, wes Glaubens und welcher Rasse und Nation sie auch seien, zu erkennt, wurde der furchtbare, den religiösen Partikularismus bis zum Paroxismus steigernde Grundsatz: „Kein Heil außerhalb der christlichen Kirche." Dazu kam der Haß der neuen Kirche den die Mutter, von der sie geboren wurde. „Oportuit Synagogarn „cum honore sepelire", es wäre notwendig gewesen, daß sich das Judentum mit Ehren hätte begraben lassen", schreibt der Kirchenvater Augustinus. Die Welt hat sich wahrlich redliche Mühe gegeben, das Judentum zu begraben. Sie warfen ihre Legionen wider Jerusalem, bis der Tempel in Feuerglut lohte, sie rissen das todwunde Volk mit roher Gewalt weg von seinem heiligen Heimatboden. Sie richteten den Holzstoß auf, wie der Libanon so hoch-, um die Lehre des Judentums zu verbreunen. Hadrian erklärt das Judentum für ein Verbrechen. So mußte die jüdische MissionsMigkeit in den Zeiten nach der Tempelzerstörung und dem Barchochvakriege vor der christlichen weichen. Was seitdem dem Volke, das zuerst die Menschheit und Menschlichkeit verkündet hatte, geschehen, bildet eins der traurigsten Kapitel der Weltgeschichte. Das Christentum, durch Konstantin zur privilegierten lAaatsreligion geworden, hetzte die Mutter in Not und Tod. Und als es nicht sterben wollte.