Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 5 (30.1.1930)
- Date
- 1930-01-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fängnis oder Kerkers, wie man dort zu Lande sagt, dafür daß er seinen Vater, Mardochai Halsmann, erschlagen haben sollte. Fürwahr: eine milde Strafe, sofern in erster Instanz die gelehrten Richter in freier Beweiswürdigung die Schuld des jungen Halsmann für erwiesen erachteten und in zweiter Instanz Pie Geschworenen die Schuldfrage bejahten! Oder nicht vielmehr ein schnöder Kompromiß zwischen der Volksstimmung und per Verantwortung vor dem eigenen Gewissen? „Tut nichts, der Jude wird verbrannt!" läßt Lessing seinen Patriarchen in „Nathan dem Weisen" sagen. Tie Richter und Geschworenen Innsbrucks wähnten wahrscheinlich, diesem Lessingschen Postulat durchaus zuwider zu handeln, indem sie den vorgeblichen Vatermörder nur zu vier Jahren Gefängnis verurteilten. Themis, die Göttin der Gerechtigkeit, hatte wohl unter den verbundenen Augen ein .wenig nach beibeit Seiten geschielt. Sie hatte der „Straße" gegeben, was der „Straße" ist und dem Sohne Mardochai Halsmanns, was seiner nicht sein konnte, nicht sein durfte, wenn er wirklich der Mörder seines Vaters gewesen wäre. Ta fuhr plötzlich ein frischer und, wie es schieil, luftreinigender Wind in die muffige, dumpfe Atmosphäre des in Innsbruck herrschenden mittelalterlichen Obskurantismus. Man hatte die christlichen Hochschullehrer anderer Universitäten, als sie sich freiwillig erboten, die Unschuld Philipp Halsmanns kundzutun, in Innsbruck nicht zum Worte verstattet. Jetzt aber erhob sich ein Mitglied der Innsbrucker Hochschule selbst, ein über Rassen und Klassenhaß erhabener Mann, ein Jurist von europäischem Rang, um die Schmach, die in seinen Augen durch die irrigen Gutachten der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck angetan worden, zu tilgen und stellte sich aus eigener Initiative Philipp .Halsmann zur Seite, um die von dessen Verteidiger eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde | vor dem Obersten Gerichtshof in Wien zu vertreten.! Professor Tr. Theodor Rittler, der christliche Innsbrucker Universirätsprosessor, stellte vor dem Wiener Kassation shos die „sittliche Forderung" nach der Verwerfung des lückenhaften Indizienbeweises, auf Grund dessen Philipp Halsmann aus biev Jahre in den Kerker wandern und bis an sein Lebensende als Vatermörder diffamiert werden sollte. Ter Wiener Kassationshof hat sich ans engstirniger Kasuistik und Scholastik nicht zu befreien vermocht. Er ist nicht aus das große Problem der Erinnerungslücken und Erregungszustände des Altgeklagten eingegangen, sondern er hat, vielleicht dem Buchstaben s e i n e r A u f g a b e, nimmer mehr aber dem Ethos seines hohen Amtes getreu, das Innsbrucker Urteil nur auf Formfehler geprüft und mit seinem Verdikt die Nichtigkeitsbeschwerde im Prozeß Halsmann verworfen. Mit Recht hat der Berliner Kritiker und Schriftsteller Alfred Kerr (der längst aus dem Judentum ausgetreten ist und doch bei jeder Gelegenheit mit feurigen Zungen für das Judentum das Wort führt) durch den Rundfunk zu Millionen Hörern von der K u l t u r s ch a u b c dieses Ur teils gesprochen, das kein Ir und kein Nein zu diktieren wagte, sondern höchstens ein trübes und betrübendes Ja - aber und zu dessen Wiedergutmachung und Abtragung ein jeder von uns sein Scherflein beitragen müsse. Paris hat seine Affäre Dreyfuß gehabt, wo die bedeutendsten Männer Frankreichs - ein Jola neben einem Clemencean — mit den schärfsten Waffen für die Aufhebung eines aus überhitztem Nationalismus und Chauvinismus entstandenen Fehlspruches kämpften und die Kassierung des Justizirrtums erreichten. Wer auch der Oberste Gerichtshof zu Wien hat schon einmal, dank der Unerschrockenheit des ebenso impulsiven lvie explosiven Advokaten Tr. Rhode ein von ihm selbst ergangenes Urteil — im Fall der Witwe Pruschka - wieder gutmachen müssen. Wird er, kann er zum anderen Mal ein gleiches tun? Wir kennen die rechtlichen Mittel nicht, die noch zur Rehabilitierung Philipp Halsmanns führen können. Mer wir wissen, daß die Gesundheit eines Bolksorganismus leiden muß, wenn Recht und Gerechtigkeit — selbst in gutem Glauben, den wir den Wiener Richten! gewiß nicht absprechen wollen — verfälscht und geschädigt werden. Tie Verteidigung Philipp Halsmanns hat, wie schon vor Monaten der" Dichter Jacob Wassermann spontan, nunmehroffiziell ein Gnadengesuch für Philipp .Halsmann ein- " ★ Versammlungskaleuder Berlin- Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. E. B.» Bezirlrgruppe Osten. Am Dienstag, den 4. Februar 1930, abends 8.15 Uhr, im Spiegelfaal der „Concordia-Festsäle", Andreasstratze 64 (Andreasplatz), Mitgliederversammlung. Es fall der Vorstand der Bezirlsgruppe Osten neu gewählt werden. Im Anschluß daran Vortrag des Herrn Studiendirektor Dr. Entmann, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, „Begründung des liberalen Gedankens im Indent«m". Freie Aussprache. Freunde des Vereins find zu dem um 8.45 Uhr beginnenden Bortrag und zu der Aussprache herzlich willlommen. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162s. Freitag, 31. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Alfred Satter. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsli. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Aula Kaiserstraße 29-30). Freitag, 31. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westrnd (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Freitag, 31. Januar, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Klein. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilieufchule, Nikolsburger Platz). Freitag, 31. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Berlin. Jüdische Reform-Gemeinde. Am Sonntag, den 2. Februar, Johannissttaße 16, vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Jelski. Kleiststraße 10, vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rofenthal. gereicht. Vielleicht, weil sie sich aus den Standpunkt »mt Porzias dialektischer Rede an die Gnade stellt: „Und ird'sche Macht kommt göttlicher am nächsten, Wenn Gnade bei dem Recht steht? darum, Jude, Suchst du um Recht schon an, erwäge dies: Daß nach dem Lauf des Rechtes unser keiner Zum Heile käm'; wir beten all' um Gnade, Und dies Gebet muß uns der Gnade Taten Auch üben lehren. Ties Hab' ich gesagt, Um deine Forderung des Rechts zu mildern." Wir, die Zeitgenossen Philipp Halsmanns, vermögen diesen Standpunkt nicht zu teilen. Wir verwerfen die Gnade und werden unsere Stimmen erheben, bis — allen Hakenkreuz lern, Nationalsozialisten und Heimwehrhelden zu Trotz — auch dem Sohne eines Mardochai Halsmann nicht Gnade, sondern Recht zuteil werde. Niemals ist ein Urteil mit mehr Fug „gescholten" worden; denn allzeit muß über das geschriebene Recht die ungeschriebene Gerechtigkeit obsiegen. Umschau 75. Geburtstag von Professor Eduard Meyer. Der Ordinarius für Altertumsgeschichte au der Universität Berlin, Professor Eduard Meyer, wurde am 25. Januar 75 Jahre alt. Seinen Weltruf als Historiker begründete er mit einer fünfbändigen „Geschichte des Altertums", einem Quellwerk ersten Ranges. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Die Entstehung des Judentums". Er ist Mitglied zahlreicher in und ausländischer Akademien. 1919 war er Rektor der Universität Berlin. Obwohl Nichtjude und politisch rechtsstehend, bringt STOIbWERCI^ föillig, ~ f iDohlSchmackcnd \ nahrhaft. er den Problemen jüdischer Wissenschaft Interesse entgegen." Vor einigen Jahren weilte er mehrere Wochen zur Wissenschaft-. lichen Forschung in Palästina und berichtete dann in einer , zionistischen Veranstaltung in Berlin über das Ergebnis seiner Forschungen. Zustimmung des Verfassungsausschusses des Bayerische» Landtages zur Antifchächtvorlage. Ter BersassungsauSfchutz des Bayerischeil Landtages ging in die Beratung des von der Regierung dem Landtag unterbreiteten Entwurfes eines Gesetzes über das Schlachten von Tieren ein und nahm den Gesetzentwurf mit einer Mehrheit an: Für den Entwurf stimmten die Ausschußmitglieder aller Parteim, einschließlich der Sozialisten, mit Ausnahme der Ausschußmitglieder der Fraktion der Bayerischen Volkspartei, die gegen den Entwurf stimnlten. Somit wird der Entwurf, der, wie schon ein bayerischer Regierungsvertreter in einer Landtagssitzung festgestellt hatte, der Reichsverfassung, die allen Teilen der Bevölkerung religiöse mW Gewissensfreiheit garantiert, wü«vspricht, dem Plenum des Bayerischen Landtags zur Beschlußfassung vorgelegi werden. Tie Haltung der Parteien im Plenum läßt sich heute rroch nicht Voraussagen. Ter vom Berfassungsausschuß angenommene Gesetzentwurf hat folgenden Wortlaut: „Ter Landtag des Freistaates Bayern hat folgendes Gesetz beschlossen:' Art. 1. Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Pferds Esel, Maultiere, Maulesel und Hunde sind beim Schlachten vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben. Auf Notschlachtungen (§ 1 Abs. III des Gesetzes über die Schlachtvich- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900 - RGBL. Seite 54|7), bei denen sich die Betäubung nach Lage der Verhältnisse nicht ausführeu läßt, findet die Vorschrift des Ws. I keine Anwendung. Art. 2. Tie näheren Vorschriften über das Schlachten der in Art. 1 be,zeichneten Tiere werden vom Staatsministvrinm des Innern erlassen. Art. 3. Zuwiderhandlungen gegen Art. 1 und gegen die auf Grund des Art. 2 erlassenen Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bestraft. Art. 4. Tiefes Gesetz tritt am 1. Oktober 1930 in Kraft." In der „Begründung" wird u. a. ausgeführt:: iTie Betäubung der Schlachttiere vor der Blutentziehung ist eine alte Forderung des Tierschutzes, die immer wieder besonders gegenüber dem jüdisch-rituelle:! (betäubungslosen) Schächten von Tieren erhoben wurde... Ter Entwurf sieht erg für Bayern allgemein verbindliches Gebot der Betäubung bestimmter Schlachttiere vor... Geflügel usw. dem Betäubunaszwange beim Schlachten zu unterstellen, ist im Landtagsbeschluß vom 8. Juli 1926 nicht gefordert und dürfte aüch schon wegen der Schwierigkeit der Ueberwachung des Vollzugs nicht angebracht sein. ' (Siehe auch in der Rubrik „Aus den Gemeinden", München/' Orthodoxe Neu gründun g. Ter Jüdischen Telegraphen- Agentur wird mitgeteilt:; Auf Initiative einiger orthodoxen führenden Persölnlichkeiten. darunter Rabb. Jonathan Horowicz, Rabb. Dr. Joseph Breuer, Tr. Salomon Ehrmann, Rechtsanwalt Är. Jsaac Breuer u. a., tvurde am 13. Januar 1930 in Frankfurt a. M. eine Samson Raphael Hirsch-Gesellschaft gegrün- Helden. Bernhard! weist in herzgewinnender Schlichtheit trotz großer Verführung alles von sich, was den Anschein eitler Ausnutzung der Angelegenheit, von Selbstbeweihräucherung und persönlicher Effekthascherei erwecken könnte. Er verzichtet. obwohl seine hysterische Hauptbelastungszeugin öffentlich widerruft, auf Revision. Er verzichtet auf alle Ehren und Vorteile, die ihm seine Partei und Gleich gesinnte bieten möchten. Er durchschaut überlegen und schmerzlich lächelnd das hohle, vergängliche Getriebe der sogenannten „hohen Politik" und hat nur noch, den einen Wunsch, ruhig als Arzt, uneigennützig und unauffällig, weiter wirken und helfen zu können. Hier zeichnet Schnitzler tatsächlich einen jüdischen Edeltyp; aber es ist erfreulich, konstatieren zu dürfen, kein weltfremdes Ideal! Man weiß, daß er in dieser Gestalt seinem eigenen Vater ein Denkmal gesetzt hat. Es hat jedoch zu allen Zeiten solch sachliche und bescheidene jüdische Naturen gegeben! „Deutsch handeln heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun," predigte einst Fichte in seinen „Reden an die deutsche Nation". Allein gutes Deutschtum und gutes Judentum sind wirklichnicht so verschieden voneinander! Mit welcher Bescheidenheit und Uneigennützigkeit hat, um nur von vielen Beispielen eines herauszugreifen, der große jüdische Arzt Paul Ehrlich jede Patentierung und geschäftliche Ausnützung seiner weltberühmten Entdeckung abgelchnt! Auch er hatte, wie Bernhardt, nur den einzigen Wunsch, ruhig und schlicht unter Hintansetzung seines eigenen Ich und seines eigenen Vorteils für die Allgemeinheit zu wirken, seine Sache mn ihrer selbst Een zu tun! Hohes selbstloses Menschentum, das zeigt uns Schnitzler, gibt es hüben wie drüben. Bor allem zeigt er «8 dramatischin der wunderschönen, dialektisch überaus geistreich herausgearbeiteten Szene, in welcher der menschlich freie, duldsame katholische Pfarrer feinen Gegner Bernhardi aufsucht, und beide Männer sich in klugen Worten ausfprechen und zuletzt die Hand reichen. Diese Sperre istin ihrer Poesie und Gefinnungsreinheit geradezu ein Juwel moderner dramatischer Kunst. Mit welcher Zartheit und mit welch ehrerbietigem Verständnis hat hier der Dichter die Berechtigung jedweder ganz gleich wie gerichteten religiösen Uebecher^ung, ja den Smn metaphysischen Fühlens überhaupt, dargetan! Wie ist es Schnitzler in ocm ganzen Stück gelungen, diesen äußeren Konflikt auf ein höheres geistiges uird philosophisches Niveau emporzuheben! Schließlich war es ihm ja auch darum zu tun, die Praktiken der Aerzteschaft dramatisch aufzuweisen, zu zeigen, wie weit die Verrottung unseres politischen Lebens geht, wie sehr das Handeln der Aerzte ml von opportunistischem Eigennutz abhängig ist, der ihnen doch so ganz fremd sein sollte! Man vergleiche einmal Shaws, des gespieltesten europäischen Tramatikers, Aerzteverullung „Ter Arzt am Scheideweg" und Schnitzlers Werk. Shaw gibt eine laute, überlegene, karikaturistisch gesehene Eulenspiegelei, Schnitzler --- einen kleinen Kosmos! — Dabei ist der jüdische Dichter nie laut oder demagogisch verletzend, sondern immer leise, behutsam verhallend, voll gütigen und kültivierten Verstehens für die Position und das Wesen des Gegners und gerade damit nur um so überzeugender und wirksamer. Biele feine aphoristische Prägungen, manche hübschen Bemerkungen fallen in den verschiedenen Szenen. Mit höchst bühnenwirksamer dichterischer Intuition ist diese ganze Galerie von Professorenköpfen lebendig gemacht. T-a ist der selbstlose Wissenschaftler, der skrupellose Intrigant, der kriecherische Streber, der Antisemit gewordene jüdische Renegat, — alles Meist erportraits, alles Typen von verblüffender Echtheit, alle heute rroch« so aktuell und unheimlich echt wie vor 20 Jahren! ... Die Aufführung in der Barnowsky'schen Regie war durchweg ganz vortrefflich!. Fritz Kortner war diesmal ganz schlicht, ganz das, was er sein sollte, der zuwellen etwas ironisch«, immer überlegene, unsenlimentale, gütige Avzt und Mensch. Nur am Schluß des dritten Aktes passierte ihm eine kleine seltsame Entgleisung: er verfiel plötzlich ganz unmotiviert in eine Art Kurfürstendamm-Jargon. Wozu? — Jedenfalls war im allgemeinen seine Schlichtheit ebenso witksam wie 1912 einst das temperamentvollere Auftreten Bruno Decarlis in der gleichen Rolle. Auch Erwin Kaiser, ein so vielseitiger, glänzender Schauspieler, jüdelte etwas in Gebärden und Tonfall, was zwar in diesem Falle recht eindrucksvoll, aber unberechtigt war und sicherlich nicht m der Absicht des Dichters log. Wenn man alle guten schauspielerischen Darbietungen der glanzvollen Aufführung loben sollte, hätte man bei den mehr als etwa 20 Personen, die äks Typen au; der Bühne erscheinen, viel zu tun! Denn eine ausgezeichnete Leistung iiand gleichberechtigt und gleich! wirksam neben der andern! Ganz besondere Kongruenz zwischen Intention und Idee des Tichters und darstellerischer Verwirklichung bot der österreichische Hofrat Paul Hörbigers in seiner unnachahmlichen Echtheit und lebensvoll-saftigen Komik. Nur ein einziger von den vielen famosen Künstlern war etwas sarAos: der jüdische Bezirksarzt Feuermann von Herbert Grünbaum. Ganz unvergeßlich spielte einst 1912 bei der Erstaufführung im „Kleinen Theater" John Gottowt diesen verfolgten, verängstigten und etwas würdelosen modernen Juden. Alles in allem, wie gesagt, eine wertvolle und sorgfältige Neu-Jnszenierung, für die man dem Bühnenleiter und Regisseur Barnowsky dankbar sein must, und für die ihm auchberechtigte, einmütige Zustimmung lohnte. Keine Zeitdistanz war spürbar, das Werk erzwang sich genau denselben herzlichen Beifall, wie in der Vorkriegszeit, in welcher politische Jntriguen einst genau so wirksam und verderblich waren wie heute. Das Stück soll und kann auch noch unserer Generation Mahnung, Warnung und Spiegel sein! Dr. Ludwig Tavidfohn, Berlin. - f r Nochmaliger Vortrag über den Prozeß Dreyfuß Rechtsanwalt Tr. Bruno Weil wiederholt seinen in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gehaltenen Vortrag „Ter Prozeß Dreyfuß" am Mittwoch, den 5. Februar, äbends 8 Uhr, in der Singakademie. Karten zum Preise von 3,— 2,— und 1,— RM. an den Theaterkassen von Werlheim, bei Bote & Bock und an der Abendkasse.