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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-01-22 · 4 (22.1.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
4 (22.1.1930)
Date
1930-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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schließlich dem persischen Ratsmitglied, für diesen Beschluß den Dank seiner Regierung aus. Der persische Vertreter Forenghi begründete seine Stimmenthaltung damit, daß er die Tragweite der Entschließung nicht prüfen kannte. RMdschreiden des Rektors der Frankfurter Universität. Der Rektor der Universität Frankfurt Pros. Küntzel hat an sämtliche eingetragenen Korporationen und Vereine folgendes Rundschreiben gerichtet: „Ich weise wie mein Herr Amtsvorgänger, durch einige Ereignisse der letzten Zeit veranlaßt, mit allem Ernst darauf hin, daß jeder Mensch, welches immer seine Nation und Rasse, seine religiöse und politische Ueberzeugung oder sein Stand und seine Weltanschauung sein mag, voller Achtung wert ist, so lange er sich diese nicht selbst durch seine Handlungen verscherzt. Allen Angehörigen unserer Universität mache ich diese Achtung jedes ehrenwerten Mitmenschen und seiner Ueberzeugung zur Pflicht." Vor einigen Wochen ist bekanntlich an der Frankfurter- Universität die dortige nationalsozialistische Studentengruppe verboten worden. Sprechsaal * : §•> diele Rubrik übernimmt die Schriftleitun, lediglich die |K+ acicfclidic Berantwortuun. Die Bewertung jüdischer Gruppen in staatsbürgerlicher Hinficht An die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung Berlin. Im Sprechsaal der letzten Nummer har Herr Rudi Meyer etwas sehr nachträglich den bekannten Beschluß des Rates des Landesverbandes bemängelt, in dem die Forde rung aufgestellt wurde, daß in der jüdischen und nichtjüdischeir Oeffentlichkeit bei der sachlichen Auseinandersetzung vermieden werden müsse, den Gegner, sei es deutscher, sei es jüdischer Minderwertigkeit, zu zeihen. Damit sollte einem Zustand ein Ende gemacht werden, der von einsichtigen Führern seit langem beklagt wurde, daß nämlich der liberale Jude als der schlechtere Jude, der zionistische Jude als der schlechtere Deutsche in deutscher und jüdischer Oeffentlichkeit angeprangert wurde. In etwas verklausulierter Form wird der Vorwurf des schlechteren Deutschtums heute von Herrn Rudi Meyer wieder ausgenommen und damit eine Auffassung vertreten, die wir schon mindestens seit Kriegsbeginn in den tiefsten Schacht der Vergessenheit versenkt zu haben glaubten; oder soll ich an die bekannte Tatsache erinnern, daß der Nationaljude Dr. Elias Auerbach mit einigen seiner Freunde bei Kriegsbeginn unter erheblichen Beschwerde und Gefahren aus Palästina nach Deutschland zurückkehrte, um sich freiwillig zum Heeresdienst zu melden. Schlechteres Deutschtum? Ueber die Geschmacklosigkeit, ja Verwerflichkeit, der zitierten Wienerschen Worte, die ich nicht gelesen habe und die ich so, wie in der Briefkastennotiz mitgeteilt, annehmen muß, kann kein Zweifel bestehen. Ich glaube auch, daß kein verständiger Zionist sie billigt. Ebenso habe ich es nicht verstanden, warum gerade Kollenscher, der bekanntlich einer der schärfsten Gegner der Theorie von der Galuthverneinung ist, sein Buch herausgegeben hat, wobei ich ihm keinen Vorwurf daraus mache, daß er seinerzeit in der ungeheuren Verwirrung der Ereignisse glaubte, so handeln zu müssen, wie sein Buch mitteilte. Aber die spätere Sanktionierung dieser Handlungen durch Herausgabe des Buches scheint mir schlecht zu der sonstigen mir bekannten .Haltung Kollenschers zu passen. Darauf kommt es hier aber garnicht an. Mit Rudi Meyer stehe ich auf dem Standpunkt, daß in Deutschland nach der herrschender Auffassung nicht nur Staatsgesinnung, sondern Volksgesinnung verlangt wird, das heißt nicht nur ein Bekenntrris zur Staatsform und zur juristischer Ersüllurrg der Bürgerpflichten, sondern auch der Wille, sich kulturell denr Volksganzen einzuordnen. Es mag aber schon hierbei darauf hingewiesen werden, daß diese deutsche Auffassung keineswegs in der Welt allein dasteht, daß z. B. in den angelsächsischen Staaten die sogenannte Volksgesinnung Privatsache des Einzelnen ist, wenn er nur die notwendige konnte arr ihr teilnehmen, aber nur, um, wenn er überhaupt dieser Empfindung fähig war, noch mehr den Zwiespalt zu empfinden, der zwischen seinem religiös und geistig abgeschlossenen Sein urrd der geistigen Art der Umwelt bestand. Wurde er von dem Wunderglauben oder ekstatischen Hoffnungen erfüllt, waren Salomou Lurija und Sabbattai Zewi für ihn Namen, die ihn mystisch oder messianisch aus der Beengtheit seines Empfindens heraushoben, so sah er sich bald nicht nur durch Enttäuschung und Not zur Wirklichkeit zurückgeführt, sondern auch durch die strenge Zucht, mit der die rabbinischen Lehrer der Schwarmgeisterei wehrten. In Frankfurt zwang damals die strenge Gemeinde den berühmtesten und begabtesten Dichter der Zeit, den Italiener Moses Chajjim Luzatto, zur Unterzeichnung eines Protokolls, in dem er feierlich versprach, keinen Menschen der Welt in der Wissenschaft der Kabbala zu unterrichten. In der gleichen Gemeinde legte der Rabbiner Abraham Brodi einen Juden Jesaias in Bann, bis er seinen kabbalistischen Irrtum bereute und seine Sünde vor der heiligen Lade bekannte. Heidelberg selbst hatte in den ersten Jugendjahren des Jud Süß seine kabbalistische Sensation. Sein ehemaliger Rabbiner Hirsch Fränkel wurde in den großen Kriminalprozeß verwickelt, den der Markgraf von Ansbach gegen den einst allmächtigen Hosjuden Elkan Fränkel, den Bruder des Hirsch Frankel, anstrengte. Wegen abergläubischer und lästerlicher hebräischer Bücher, wegen Geister- und anderer Beschwörungen wurde er auf Grund eines Gutachtens der Altorfer! Universität zu ewigem Kerker verurteilt und büßte in einem Schwabacher Gefängnis fast bis zu seinem Tode seinen kabbalistischen Traum. Die Volksmeinung hat späterhin auch Joseph Süß zu einem Kabbalisten gestempelt. Sie sprach viel von einem Horoskop, durch das er dem Prinzen Karl Mäander die württernbergische Herzoaskrone prophezeite, sie schrieb seine gebieterische Stellung seinen magischen Künsten, die standhafte Liebe des Herzogs zu dem Juden einem kabbalistischen Geheimnis zu. Der Charakter des Süß, seine klare, bestimmte, beinahe nüchterne Art, eine gewisse Neigung zu Aufklärung Staatsgesinnung hat und betätigt. Daß diese Staatsgesinnung auch eine wahre Heimatgesinnung nach sich ziehen kann, zeigt kein Beispiel besser als das des Engländers, der bekanntlich fanatisch und konservativ an den tausenden von Einzelheiten spezieller britischer Kultur und Tradition hängt, und trotzdem würde man vielleicht in England gesellschaftlich aussallen, wenn man in gewissen Punkten andere Ansichten verträte, der Staat und das Volksganze halten Gesinnungssreiheit mit Staatsgesinnung für absolut vereinbarlich. Mir persönlich scheint es, daß wir auch in Deutschland nach dieser freieren Auffassung der Dinge streben sollten, insbesondere in einem Volksstaat, in dem die „internationale Sozialdemokratie" so stark den Ton angibt. Hinzu kommt aber entscheidend folgendes: Mit welchem Recht wird den einzelnen zionistischen Beamten, nennen wir hier nur ruhig die Namen Badt und Goslar, der schließlich doch entscheidende Wille zum Deutschtum abgesprochen, wenn man sieht, daß diese Männer nicht nur selbst unermüdlich und erfolgreich in deutschem und preußischem Sinne öffentlich tätig sind, sondern wenn man berücksichtigt, daß die Staatsregierung und Reichsregierung selbst, die ja wohl nocF) mehr befugt sind, über die nationale Gesinnung ihrer Beamten zu wachen als Herr Rudi Meyer, diese Gesinnung für ausreichend halten, trotzdem die genannten Herren niemals ihr Nationaljudentum verheimlicht haben. Man kann also sachlich sehr wohl darüber ftmteu, wie das Prototyp des jüdischen Deutschen oder deutschen Juden aussehen soll, ob Staatsgesinnuug genügt, oder mehr gefordert werden soll. Ich betone nochmals, daß die deutsche Auffassung ein Mehr verlangt. Wogegen man sich wehren muß, ist, daß die andere Auffassung vom Wesen des Staatsbürgers die schlechtere Gesinnung in sich birgt und ^ine Diffamierung irr der Oeffentlichkeit rrach sich ziehen joll. Man soll sich sachlich auseinandersetzen und soll im Gegner die gute Gesinnung ebenso voraussetzen, wie man sie selbst zu haben glaubt. Man soll aber nicht die verschiedenen Empfindungen des Menschen, seine seelischerr Heiligtümer, vor die Oeffentlichkeit zerren und daraus, daß dieser feinste Mechanismus anders schwingt als der eigene, ein Verbrechen machen. Das ist der Sinn des Beschlusses des Rates, arr dem, soviel ich weiß, die liberale Fraktion von Blau bis Ostberg (man versteht diese Umgrenzung) einstimmig mitgewirkt hat. Hochachtungsvoll Heinrich Stern, Rechtsanwalt. Synagogen- oder Gemeindehäuser Wir dürfen uns den zwingenden Tatsachen — mögen sie uns noch so unangenehm sein! — nicht verschließen: die Bestandsziffer unserer Gemeinschaft verringert sich von Jahr zu Jahr. Ter Verlust von 12000 jüdischen Männern, die der unselige Weltkrieg dahinrasfte, wirkt sich erschreckend aus im Rückgang der Eheschließungen und der Geburten; der Zuzug aus dem Osten — diesem Kräftereservoir der deutschen Juden — hat aufgehört. Schulen, die noch vor zwei bis drei Jahren 23 jüdische Schüler aufwiesen, zählen heute deren nur noch zwei. Vornehme Geselligkeitsvereine klagen über den Mangel an Nachwuchs, der wirtschaftlich in der Lage ist, den Ansprüchen an Mitgliederbeiträgen zu genügen. Von einer Reihe namhafter Rechtsanwälte abgesehen, gibt es kaum noch reiche Glaubensgenossen; der Mittelstand ringt schwer, soweit ihn nicht die Dampfwalze erschwerter Erwerbsmöglichkeiten bereits zermalmte. Hochmut und Dünkelhaftigkeit haben einstmals hohnlachend auf dem bescheiden bemittelten Beamten herabgüblickt; die Zumutung, ihre Kinder der Post-, Steuer- oder Zollsekretärlaufbahn zuzuführen, hätten jüdische Eltern früher entrüstet abgelehnt: jetzt hat in unseren Kreisen auch der Beamtenstand endlich seine verdiente Wertung gesunden. Doch das nebenbei. Angesichts des so tief beklagenswerten Rückganges unserer Seelenzahl, gegen den unsere Führer noch auf keine Mittel gesonnen haben, berührt es sonderbar, wenn noch der Ruf nach dem Bau großer Synagogen laut wird. Daß der gegenwärtige Zustand, der sich arr den Hohen Feiertagen erheblich fühlbar macht, durchaus unerfreulich ist, wird ieder zugeben, der die Verhältnisse kennt! Diese „Drei Tage-Gemeinden" sind wahrlich kein Ideal. Aber besser die Saalgottesdienste als prunkvolle Synagogen, die in 30 Jahren leer stehen! Bei der Erwägung, ob der Bau eines neuen und Freigeisterei spräche jedem Mystizismus Hohn, wenn die Struktur der menschlichen Seele auf eine einzige Linie zu bringen wäre. Daß jedenfalls die aufgewühlte Stimmung der Zeit das Empfinden des Kindes erfüllte, zeigt das mächtige religiöse Erlebnis des Mannes, das sein letztes Lebensjahr bestimmte. Alte Wandgemälde in fränkischen Synagogen Im 3. Heft der Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte, die. von der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" herausgegeben wird, berichtet Erich Toeplitz, Kustos am Frankfurter jüdischen Museum, über umfangreiche Decken- und Wandgemälde in einer Gruppe fränkischer Synagogen, die um 1700 entstanden sind. Es handelt sich um eine sehr reiche und bewegte, im wesentlichen ornamentale Malerei, die an den Wänden als Rahmung von Jnschriftfeldern angeordnet ist, während sie die tonnengewölbten Decken phantasievolU frei spielend überzieht. In das Rankenwerk sind Tierfiguren einkomponiert, die teilweise symbolisch ausdeutbar sind. Toeplitz kann die Quellen des Stils dieser fränkischen Denkmäler im Osten feststellen, da der urkundlich bekannte Künstler zu den ostjüdischen Emigrantenfamilien gehört, die am Ende des 17. Jahrhunderts in Franken eingewandert sind. Interessant ist, daß zwar das allgemeine inhaltliche und formale System aus etwas älteren ostjüdischen Synagogen übernommen ist, die Tetailformen aber von deutschen Ornamentstechern der Zeit beeinflußt wurden; vor allem' bei Nürnberger Künstlern findet Toeplitz ähnliches. Wie der Kunstmitarbeiter der „Frankfurter Zeitung" hört, hat man in der alten Synagoge von Heddernheim bei Frankfurt Reste von Waldgemälden sehr ähnlichen Charakters gefunden, diese aber loLer bei Herstellung des Raumes wieder zugedeckt. Tempels zweckmäßig ist, wird nämlich immer nur die Frage besprochen, ob für den Augenblick ein Bedürfnis hierzu vorliegt; niemals wird festgestellt, ob die Gemeinde, die sich um die neue Synagoge scharen soll, auch über einen entsprechenden Nachwuchs verfügt, der in 30 Jahren den Tempel bis auf den letzten Platz füllen wird. Ta geht die Berliner Gemeinde mit der Absicht um, für den Synagogenverein Moabit-Hansaviertel in der Klopstockstraße einen großen Tempel zu bauen, dessen Kosten die Aufnahme einer Anleihe decken soll. In einer Entfernung von fünf Minuten liegt die große — erst jüngst erweiterte — Synagoge der „Tdaß Jisroel"; in zehn Minuten ist die Synagoge Levetzowstraße zu erreichen. Muß also ein neuer Tempel gebaut werden?? Tie bisherige Andachtsstätte in der Lessingstraße ist zwar würdig, aber sehr eng. Sie hat einer ganzen Generation traditionell gerichteter Juden gedient und wird es auch ferner tun. Ist aber in 30 Jahren die jetzige Generation ausgestorben, dann ist nur ein ganz geringer Nachwuchs übrig; und wenn dieser der Fahne der Orthodoxie treu bleibt — was im Hinblick auf die Kinder anderer orthodoxer Familien sehr zweifelhaft ist —, so wird der Tempel Lessingstraße für diese Gemeinde der Zukunft eher zu groß als zu klein sein! Daß die Angliedernng dieses Synagogenvereins an die Hauptgemeinde in bezug auf die Besetzung des Rabbinats auf Schwierigkeiten stößt - die möglicherweise empfindliche Härten in sich schließen - - ist eine andere Frage, die der Vorstand der Hauptgemeinde zu lösen haben wiw. Mau wird einwenden: der Bau ist bereits beschlossen, die besten Entwürfe sind preisgekrönt. Tie hierfür verausgabten Beträge fiub nicht verloren, wenn die Hauptgemeinde statt der Synagoge ein großartiges Gemeindehaus baut, in welchem der geräunrige, stimmungsvoll auszustattende Hauptsaal am Sabbat und an den Feiertagen der bisherigen Gemeinde Moabit-Hansaviertel zum Gottesdienst zur Verfügung steht. Außerdem könnten in eiuer ständigen Betstube dieses Gemeindehauses täglich früh und abends Gottesdienste abgehalten werden. Ta ja am Sabbat und an den Feiertagen niemals gesellige Veranstaltungen stattfinden, wäre der große Festsaal des Volkshauses als Synagoge das Gegebene; und wenn er an den Wochentagen zu Vorträgen und Tagungen — bei denen kein in Tätlichkeiten ausartendes Auseinanderplatzungen von Meinungen, also keine Entweihung zu befürchten ist, hergegeben wird, so erfüllt er dm Zwech den die Synagoge seit den ältesten Zeiten gehabt hat: ein „Best ha-k'neßes", „Versammlungshaus" zu sein. Mag auch der Bau der neuen Synagoge Klopstockstraße bereits beschlosseil sein, so kann die Gemeinde dennoch einem Wort in letzter Stunde Gehör schenken, umsomehr, als ihre Finanzlage schlimm ist und Arbeiten bevölkerungspolitischer Art — hauptsächlich der Bau von Siedlungshäusern! — endlich tatkräftig in Angriff genommen werden müssen. Die Unterbringung von ein paar Tausend jüdischer Familien in derartigen Gemeindesiedlungshäusern stellt nicht nur eine unabweisbare Pflicht, sondern zugleich einen wertvollen Beitrag zum Wiederaufbau des Gemeindelebens dar. Selbstverständlich würde ein solcher Komplex jüdischer Siedlungshäuser auch ein Gemeindehaus mit einem zu Gottesdiensten herzurichtenden Festsaal entljaUeu müssen. Wie der ebenso zielbewußte wie warmherzige Moritz R o s e n t h a l bei der Jubelfeier der Toynbeehalle verkündete, beabsichtigt die Gemeinde, nicht nur inl Vorderhause des neuen Tempels Prinzregcntenstraße, sonder,: auch in anderen Stadtteilen Gemeindehäuser zu errichten— hoffentlich mit großen Festsälen, die auch der Andacht dienen sollen! Eine künftige Verschmelzung von Gemeinde und Gotteshaus würde nicht nur ein Zentrum jüdischen Gemeindelebens, sondern zugleich eine wirtschaftliche Entlastung der..Gemeinde darstellen. Wenn im Reiche die Notwend^keit eines Synagogenbaues oder -umbaues erwogen wird, so mögen die Gemeinden in erster Linie an ein Gemeindehaus als Mittelpunkt des religiösen und kulturellen Lebens denken und dies mit einer Synagoge ausstatten. Ein solches Gemeindehaus darf sich aber nicht zum „Klubhause" auswachsen (mit Billard-, Rauchzimmer, Schwimm- und Turnhalle) — mit einer derartigen Erweiterung ihrer Zweckbestimmung haben die amerikanischen Gemeinden so schlechte Erfahrungen gemacht, daß sie jetzt an die Trennung der religiös-kulturellen von den geselligen Aufgaben Herangehen! Für die deutschen — und insonderheit die Berliner — Gemeinden heißt die Forderung: Gemeindehäuser mit Andachtsstätten! Prof. Tr. Eugen Wölbe. BÜCHERSCHAU ü* Franz Werfel: Barbara oder die Frömmigkeit. Roman. 809 8. Paul Zsolnay-Verlag, Berlin-Wien-Leipzig 1929. Ein Buch von Werfel darf nach allem, womit sein reiches Können uns bisher beschenkt hat, von vornherein unser Interesse beansprucher Es wird auch nicht enttäuscht; denn in dem vorliegenden Roman, der schon an äußerem Umfang alle seine früheren Werke übertrifft, handelt es sich um ein großes Weltgebäude der Vorkriegs-, Kriegs-, Revolutionszeit und der Gegenwart, um eine leidenschaftliche Lebensdeutung aus tiefster Gläubigkeit. Dieses Kriegsbuch — denn das ist es in erster Reihe — mit seiner großen Fülle lebendigster Gestalten und tief erfaßter Zeitprobleme ist aber nicht bloß eine grandiose Darstellung unserer Epoche, die kein noch so tief schürfendes Geschichtswerk uns anschaulicher nahe bringen kann, es ist in der vernichtenden Absage an den Krieg ebenso das Bekenntnis eines großen und gpttgläuhigen Dichterherzens. Hier ist der Krieg geschildert, wie er wirklich war und erlebt wurde. Das gewaltige Schicksal, in das er die Welt jahrelang gebannt hat, wird an dem

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