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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-01-15 · 3 (15.1.1930) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
3 (15.1.1930)
Date
1930-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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10. Jahrgang Hummer Z Beilage 15. Januar 1930 Dritte Wettkonferenz des liberalen Judentums Juli 1930 in London Das Präsidium des Weltverbandes des liberalen Judentums hat beschlossen, die dritte Wettkonserenz des liberalen Judentums für den Monat Juli 1930 nach London cinzu berufen. Tie erste liberale Wettkonserenz, in der die Errichtung des Wellverbandes beschlossen wurde, fand 1928 in London, die zweite Wettkonserenz, in der die Gründung des Weltverbandes vollzogen wurde, sand 1928 in Berlin statt. Am 28. Januar d. Js. findet in Berlin eine interne Sitzung des Präsidiums und Hauptvorstandes des Weltverbandes für liberales Judentum statt. An der Sitzung werden Führer des liberalen Judentums aus Deutschland, England und den anderen Ländern teilnelMen. Emil Lohn zum 80. Geburtstag Emil Cohn wird am 20. Januar 80 Jahre alt. Ta er uns versichert hat, daß das Ereignis seiner Geburt vor 8 Tezennien in Krotoschin vor sich gegangen sest so müssen wir ihm glauben, wenn es uns auch schwer sällt. Strafen doch sein rosig-srisches, so gar nicht achtzigjähriges Angesicht, seine lebhast-blitzenden, so gar nicht achtzigjährigen Augen, seine klugtemperamentvollen, so gar nicht achtzigjährigen Worte die Angaben unseres sonst so wahrhaftigen Jubilars Lüge. Was Emil Cohn in den 80 Jahren seines taten- und erlebnisreichen Daseins für die Allgemeinheit und das Judentum geleistet hat, wird ihm ehrend und anerkennend von berufenerer Seite gesagt werden. Wir wollen uns hier nicht in Einzelheiten und statistischen Auszählungen seiner Berdienste verlieren, sondern in großen Zügen, gleichsam von der hohen Warle des Menschlichen und Jüdischen herab, von der Verehrung und Anhänglichkeit sprechen, die wir als liberale Menschen und liberale Juden in Geslinlungssreundschaft und weltanschaulicher Uebereiustimmuiig dem menschlich und jüdisch liberalen Emil Cohn entgegenbringen. Emil Cohn ist in einer Zeit und in einer Gegend geboren, wo eine freie Weltanschauung und freies religiöses Tenken gleichbedeutend mit Anarchie und Abtrünnigkeit war. Und doch war er schon in seiner Jugend ein echter Liberaler, der erkannte, daß wahre Religiosität nicht gebunden sei an überlebte Formen. Seinem klugen Sinn wurde früh offenbar, daß Juden- und Menschentum nicht aus Wort-, sondern aus Tatfundamenten aufgebaut sein müsse, daß Rechtschaffenheit, Reinheit in Handel und Wandel, soziales Empfinden und hilfsbereites Tun das vornehmste Ziel der jüdischen Lehre sei. Dieses Erkennen machte Emil Cohn zur Richtschnur seines Lebens, sei es in Krotoschin, wo er bis ins reise Mannesalter lebte und wirkte, sei es in Berlin, wo er die Früchte vieler arbeite und erfolgreicher Jahre genoß: überall stellte er seine Kräfte in den Dienst gemeinnütziger Interessen, wo es galt, ideelle Bestrebungen zu fördern und praktische Mitarbeit zu leisten. Mit klugem Rat hat er unsicheren und haltlosen Menschen wieder auf den richtigen Weg geholfen. Zahllosen Bedrückten flößte er durch Fürsorge und Fürsprache neuen Lebensmut ein. In zahlreichen Gremien hat er durch seinen kühl klaren Verstand, verbunden mit wärmster Herzensgüte, fördernd und segensreich gewirkt und gewaltet. Mit immer wachem Interesse verfolgte Emil Eohn die grisligeil Strömungen der Zeit, nie rückständig oder starr am Althergebrachten hängend, war in jugendlicher Aupassungssähigkeil empfänglich für Fortschritt und Neuerungen. Je älter und reifer er wurde, desto milder und philosophischer wurde sein Verstehen und Beurteilen von Menschen und Dingen, bis er angelangt war auf der Höhe der Abgeklärtheit, wo wir ihn heute als ehrwürdigen Patriarchen verehren und bewundern. Daß Emil Eohn neben seinen Yvyen Persönlichkeits- Werten auch die charmantesten und liebenswürdigsten Eigenschaften im intimen Streife gieren, haben wohl viele von uns schon beglückt empfunden. Wir haben manche angenehme und angeregte Stunde im Banne seiner sprühenden Unterhaltungsgabe mit ihm verbracht. Und dessen, was er seiner Familie war und hoffentlich noch ungezählte Jahre sein wird, brauchen wir hier nicht zu gedenken. Das weiß seine liebende, fürsorgliche Gattin, das suhlen seine Kinder und E.nkel im tiefsten Herzen. - Und so wünschen wir unserem lieben Emil Eohn ad multos annos geistige und körperliche Frische, aus daß wir uns noch lange, lange an ihm freuen mögen. Alfred Jaulus. Berliner Repräsentantenversammlung 9. Januar 1930 Aus der nur drei Stunden dauernden Sitzung verdienen drei Pinnte der Tagesordnung der Erwähnung. Zuerst der liberale Antrag (Tr.'Fleischer), die christlichen Mitbürger mit den Lehren des Judentums und öeir Einrichtungen der Gemeinde systematisch nach Fühlungnahme mit Kirchen- und Staatsbehörde bekannt zu machen und damit der Judensremdheit der Gerechtdenkenden zu begegnen. Religiöse Aufklärung durch Einladung von Christen zum Gottesdienst, zum Vortrag in der Synagoge, durch Demonstration der sozialen Einrichtungen, der Friedhöfe usw. und nicht staatspolitischer oder juristischer Abwehrkampf wird als neue Gemeindeaufgabe gefordert. Verbreitung der ausgezeichneten apologetischen Literatur nicht nur unter Juden, sondern unter Christen, Aufklärung der Schul- und akademischen Jugend muß dazu beitragen,' den mittelalterlichen Aberglauben vom Ritualmord, voni erlaubten Meineid, vom Talmud und seiner Bedeutung für das heutige Judentum zu beseittgen und daniit der Würde des deutschen Volkes einen Tienst zu tun. Ter Antrag wurde von allen Parteien einstimmig angenommen. wenn auch die zionistischen Redner Tr. Klee, 'Ministerialrat Goslar und Waldmann auch bei dieser Ge- Einladung zur ordentlichen Hauptversammlung am 1. und 2. Februar in Breslau Sonnabend, 1. Februar 1930: Vormittags 9 Vs Uhr: Festgoltesdienst in der Reuen Synagoge, Festpredigt: Herr Gemeinderabbiner Tr. Hermann Vogelstein. Nachmittags 4 Uhr: Gesamtlwrstandssihung: nachmittags 5 Uhr: HaiiPtoersannnlung (geschäftliche Sitzung der Telegierten). Tagesordnung: 1. Eröffnung und Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin). 2. Geschäftsbericht des Generalsekretärs, .Herrn George Goetz (Berlin). 3. Finanzbericht. 4. Entlastung des Vorstandes. 5. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 6. Neufestsetzung des Beitrages. 7. Generalaussprache. 8. Anträge ustd Verschiedenes. (Es ist für abends eine Pause vorgesehen, in der eine kalte Tafel ausgestellt werden soll.) Sonntag, 2. Februar 1930: 2. Tag der Hauplversammlung. (Tiefer Teil der Tagung ist öffentlich; Gäste als Zuhörer daher willkommen.) Vormittags 10 Uhr: Eröffnung; anschließend Erstes Hauptreserat: „Das Judentum als Weltreligio»." Rabbiner Dr. Cäsar S e l i g m a n n (Frankfurt a.M.) Zweites Hauptreserat: „Religion und Wirtschaft — Lebensnahe der Religion." Referent wird noch bekanntgegeben. Mittags 1 Uhr: Gemeinschaftliches Al i t t a g e s s e n. Nachmittags 3U Uhr: Aussprache der Telegierten über die Referate des Vormittags. Abends 8'/, Uhr: Große öffentliche Kundgebung des „Liberalen Vereins der Synagogen - Gemeinde Breslau". Sämtliche Veranstaltungen finden in der „Spinozalüge", Reichspräsidentenplatz 9, statt - bis auf die öffentliche Kundgebung am Sonntag abend, deren Oertlichkeit und Programm noch bekanntgegeben werden. Teilnahmeberechtigt an der Hauptverfammlung sind sämtliche Mitglieder der „Vereinigung für das liberale Judentum E. V." und ihrer Ortsgruppen, sowie die Mitglieder der Jüdisch-liberalen Jugendvereine. Auswärtige Einzelmitglieder können sich dürch Abgeordnete vertreten lassen, die soviel Stimmen abgeben dürfen, als der Zahl der von ihnen vertretenen Mitglieder entspricht. 8 , Abs. 2, 3 und 4 unserer Satzungen lauten: In der Hauptversammlung hat jedes Mitglied eine Stimme. Das Stimmrecht von Mitgliedern der Ortsgruppen wird durch diese ausgeübt. Jede Ortsgruppe hat soviel Stimmen wie Mitglieder. Die Ortsgruppen sind berechtigt, ihre Stimmen unter ihre Vertreter zu verteilen. Jeder der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer liberaler Jugendvereine Deutschlands" angehörende liberale Jugendverein hat soviel Stimmen, als ihm über 16 Jahre alte Mitglieder angehören. Tie Legitimation der Delegierten wird von der Versammlung geprüft. Tie Vorstandsmitglieder haben als solche eine besondere Stimme. Die Anmeldungen zur Teilnahme an der Tagung müssen bis zum 20. Januar 1930 an die Geschäftsstelle der Vereinigung, Berlin SW. 11, Hallesche Straße 1, erfolgen. Außerdem ist Anmeldung für das gemeinschaftliche Mittagessen ebenfalls bis zum 20. Januar 1930 an Herrn Erich Maschler, Breslau 18, Kürassierstraße 26, erforderlich. Es werden auch Gastquartiere, allerdings in beschränkter Anzahl, zur Verfügung stehen; entsprechende Wünsche werden ebenfalls bis zum 20. Januar 1930 an Herrn Maschler, Breslau, erbeten. Vereinigung für das liberale Judentum <£. V. Der Vorstand. I. A.: Heinrich Stern, Rechtsanwalt, Vorsitzender. lcgenhcit glaubten, ihre Parteisuppe kochen zu müssen. R.--A. Stern zerstreute diese Einwendungen durch ein1' groftingel^gte Rede Ein zweiter erfreulicher Beschluß betrifft die einstimmig' Annahme des dringlichen liberalen Antrags (Rosenthal), der neuen liberalen Synagoge Osten eine sofortige Subvention von RM. 1000 zu bewilligen. Angesichts des überraschend großen und schnellen Erfolges dieses neuen Fatkenbergschen Wertes wurde kein Widerspruch laut. Als dnlter und letzter erwähnenswerter Punkt sei die Ansrag.' unseres Freundes Rosenthal genannt, welche Kommissionen als Verwaltungskömmissionen der Gemeinde zu betrachten seien. Tie Antwort des Vorstandes wird schriftlich erfolgen und bei dieser Gelegenheit wird manches über die Leitung der Redaktion des Gemeindeblattes durch Herrn Tr. Freund bzw. die merkwürdige Abfassung der Berichte der Repräsentantenoersammlnng zu sagen sein. Tr. Fleischer. Aus den Gemeinden * Saunen. ((£ insühr u n g e i n r * » c u ni Rabbiner $.) Ain fehlen Freitagabend sand in der Barmer Synagoge die Einführung des neue» Rabbiners, .Herrn Tr. L» da sch, statt. Unter den feierlichen Klängen des „Boruch habo", gesungen von Herrn Kantor Jonas, tvnrde .Herr Tr. Ldurch die Vorsitzenden des Vorstandes und der Repräsentanz zu seinem fest.ich geschmückten Platz geführt. Herr S. R. Tr. Ockendorfs begrüßte namens der Gemeinde in herzlichen Worten den neue» Seelsorger, dem die Gemeinde großes Vertrauen enlgegenbringe uitb wies auf die seiner hier wartenden großen lind tvichtigen Aufgaben hin. Daraus bestieg Herr Tr. Lubosch die Kanzel und hielt eine eindringliche Ansprache an die zahlreich erschienene Gemeinde. Leinen Ausführungen legte er das Wort der Wochenhaftarah ans Ezechiel, Kap. 37, B. 26, zu - gründe: „Ich will mit euch einen Bund des Friedens schließen, eiir ewiger Bund mit euch soll es sein." Er tvo.le nicht über der Gemeinde stehen, sondern einer unter vielen sein, ein Wacht e r, der de» Alten Anregniigcii geben und die Jungen leiten und führen will. Leine Ausführungen machten großen Eindruck auf die Er fchieneueu. Mil einem Legen jür die Synagogengemeinde Barmen, die Tladt und die Synagogengemeuide des Ortsteiles Elberfeld, deren Vorstand, Repräsentanz und Rabbinal vertreten war, schloß die Predigt, die van Gesängen des LmiagogenchoreS eingerahiiit war. Berlin. > tt u n dgeb u u g t> e s I ü d i s di e n „• rieden s b u u d e s.) Rachdem vor wenigen Monaten die „Arbeu: gemcinschast der Konfessionen für den Frieden" sich t'ouHiniifrt hat uio mit ihrem Arbeilsprogramm vor die Oefscntlichteit getreten ist, hatte der ihr aiigeschlosseiie „Jüdische Friedensbnnd" für Lountag, den 12. Januar, mittags, zu einer Massenkundgebung im aroßen Festchal der Staatlicheu Hochschule für Musik ausgerusen. Lange vor Beginn der Kundgebung waren der große L.cal und die Galerien überfüllt. Hunderte mußte» stehe» und iveilere Hnuderle tonnten nicht mehr in den Saal hinein. Mensche» aus allen sozialen und Gesiluuulgskreisen waren anwesend. Rebe» de» Vertreter» aller maßgebliche» jüdische» Orgauijatwnni unt> Institutionen <Jüd. Gemeinde, Lid. Vereinigung, Zion. Vereinigung, Cenlra'.verein, Rabl iuerr erband, Rvvdinerseminare, Logen, Akademieverbändel auch der Führer der protestantischen Friedens f'rennde Präsident Spicker. Direktor Oskar Wasserman», der Vorsitzende des Jüdischen Friedensbuudes, leitete die KunkMbuiig ein. Liv» F e n ch t w a „ g c r wünschte »ich!, daß man sich in diesem notwendigsten aller Kämpfe, dem für den Frieden, allzusehr auf die Bibel nütze. Temi zu viel schon sei die Bibel als Quelle für Gegen warlssch'.agworte mißbraucht. Ter Kamps in zu führen von uns als Gegenwartsmenschen, die leidvoll zur Friedensidee gekommen find durch das grausige Erlebnis des Welllrieges. Tie Berechtigung aber, das Judentum in diese» Kampf cinzustellen, schöpfen wir daraus, daß jeder Krieg Judeul,nn und Jiidenheii in jedem Lande in ihrem kulturellen und materiellen Bestände anss schwerste gefährdet und den Judenhaß ausslamme» läßt. Von welchem jüdischen Blickpunkt wir also forsche» und abwägeu: Ter Kampfruf' für den Weltfrieden einigt uns! Tr. Alfred Rosf'ig sieht die Ausgabe des Fricdeusbnudes in einer nnbeirrlen methodischen Erziehungsarbeit vor allem an der noch aufnahmefähigen, kampffrohen iungen Generation. Ihr gesunder Jilstinkt sei auf die wahren jüdischen und menschlichen Kampfziele biiijulenke», die unsere Propheten ausgestellt und uns eingcprägt: Gerechtigkeit und Friede»! Danach ergreifen Herr Rabbiner Tr. Prinz und Frau Rabbiner Tr. Eschelbacher und .Hansi Bvrchard das Wort, eine Botschaft Professor Einsteins wird verlesen. In seinem Schlußwort faßt Oslar Wassermann die Aassührunge» der Redner zusammen und erklärte, es werde alles unter Mitarbeit der Jugend geschehe». Das alte Talmudwort „Mipue scivah takum" (»or dem Alter steh' ans!) bedeute heule für die Jugend: ,/Steige ans vor dem Alter her" zu dem gemeinsamen Friedelisideal, das bald durch sie verwirklicht sehen zu dürfen wir der Jugend wünschen. Ten Abgesang der Feier bildete die prophetische Fricdenspredigt aus dem 2. und ll. Kapitel Jesajas, die die Rezitatoriu Frau Edith Herriistadt Oettiiigen, die auch nach der Erössiuingsansprache einen Prolog von Fritz Engel vorgetragen hatte, inner dem ergriffenen Schweigen der Versammlung sprach. Berlin. (T i t 2 f> j ähri g c Jubelfeier der I ü d i s d) e u Toynbee H a l l e.) Tie 25» jährige Jubelfeier der Jüdischen Toyn bee.Halle führte am Sonntag abend über 120t> Personen der besten Gesellschaftskreise im große«, Festsaal der staatlichen Hochschule für Musik zusammen und hielt die festlich gestimmte Menge über drei Stunden in ihre», Ban». Mendelssohns!)."». Psalm, von de» Ber einigten Synagogeiichöre» gesungen, eröfsnete die Feier: Frl. Hilde Lind sang die einleitende Arie. Kommerzienrat Maximilian Stein begrüßte die Anwesenden und entwarf ein fesselndes Bild von der Entstehung der Toynbeehalle» in England und ihrer Brr Pflanzung »ach dem Festlande durch den Wiener Iluiversiiätspro feff'or Leon Kellner. Tie Berliner Toynbeehalle hat bisher au 200(1 Abenden einer Million Mensche» Bildung, Unterhaltung und Geselligkeit bei freudig dargereichter Erfrischung geboten. Heule kann die Toynbeehalle, die 5,00 Personen saßt, ihre Pforten nur am Mittwoch und Sonnabend abends öffnen, doch hofft der Vorstand, durch die Vermehrung der Vereinsmitglieder i» die Lage versetz, zu werden, dies Volksbildungsheim zu eine», „Jüdischen Volks hause" mit Bibliothek, Kkubräumen, Beratungsstelle, llntcmdit* ■ kursen „sw. anszubaueil. Redner führte das Urteil eines bedeutenden »ichtjüdifche» Musikpädagoge» an, der vor kurzem die Toynbeehalle studienhalber besuchte: „Dieser Abend war für mich ei» Erlebnis: ein solches Beispiel edler Wohltätigkeit, wo die Spender sich den Armen gleichstelleu, habe ich »och nicht gesehen, aber auch in keinem Konzert und Bortragssaal eine solche Aufmerksamkei, wahrgeuom men." Mit Beifall bereits begrüßt, fang Oberlanwi Wilhelm F r i e d m a i, „ mit seinem .herrlichen Barriton iiniec Orgelbeglei lung Psalm 126 j» der Vertonung von Hans Herrman» („Wenn der Herr die Gesaiigeuen Zions erlösen wird"). Innig und klangschön trug er noch Schuberts „Allmacht" vor. £ieie beiden geistlichen Lieder bildeten die ivürdige Umrahmung für die eigentliche Festrede des Großpräsidenten U.O.BB.. Rabbiner Tr. Baeck, der den Zweck der Toynbeehalle dahin kennzeichnele: denjenigen, die im Schatten des Lebens wandeln. Stunden des Lichts und der Freude zu bereiten („Uns ist alles Soziale ei» Gottesdienst: diene, dem Eivige» mit Freude — also must auch das Soziale Freude bringen"), und de» Gedanken der Gemeinschast zu wecke». „Vorbedingung hierzu ist: den Respekt vor dem Armen zu wecken, dann wird der Arme auch den Glücklichere» ehren. TaS allein bedeme, helfen, das ist Gemeinschaft." Allseitige Freude löste die Ansprache des Vertreiers der Reprä scntantenkainmer, M o r i tz R o s t » I f> a l , aus, der die Tohnbee Halle alS Wegbereiterin für weitere, von der Gemeinde zu errich,- ton de Zufluchtsstätten für Arme und Bedrückte feierte: schon das Vorderhaus der Synagoge Prinzregentenstraße wird ein solches .Heim aufiveisen: weitere Gemeindehäuser wird die Gemeinde in anderen Stadtteilen errichten. Auch Prediger Tr. K a r I R o s e n t h a l beglückwünschte die Tohnbeehalle in sehr beifällig ausgeuommeuer Rede, in der er den in der Toynbeehalle verkörverten Gedanken als das Gegenteil von der so oft gleißnerisch im Munde geführten, aber nie verwirklichten Phrase feierte: hier ist endlich einmal durch persönliche Berührung mit Rot und Mühsal der soziale Gedanke in eine lebendige Tal umgesetzl worden.

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