Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 3 (15.1.1930)
- Date
- 1930-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sollte, wo meine Ausführungen nicht gebilligt werden. Ter j erste Absatz der angenommenen Resolution lautet: , „Ter Große Rat des Preußischen Landesverbandes jü! bischer Gemeinden gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Wurde des jüdischen Namens und das Ansehen der deutsche!' Juden es dringend erfordern, den innerjüdischen Kampf zu entgiften. Tie Austragung von Meinungsverschiedenheiten, sei es vor der jüdischen, sei es vor der nichtjüdischeil Oefsentlichkeit, muß ohne jede Minderbewertnng einzelner jüdischer Gruppen in staatsbürgerlicher .Hin sicht erfolgen." : * S ft Sf Tie Tendenz, die hier erkennbar nnrd, muß nach meiner Auffassung von den jüdischen Teutschen mit großer Be sorgnis betrachtet werden. Muß die Turehführung des hier ausgestellten Grundsatzes doch den berechtigten Anspruch aus Gleichbewertnng der jüdischen Gruppen, die siel) als Teil des deutschen Volkes fühle», i» staatsbürgerlicher .Hinsicht ernstlich gefährden. Es ist selbstverständlich, daß heute kein vernünftiger Menseh mehr eineu Zustand als berechtigt anerkennen wird, bei dem die Bekleidung eines Briefträgeramtes oder dergl. von einer bestimmten nalionalen Gesinnung abhängig ge maehl wird. In der angenommene» Resolution aber wird weit mehr verlang!. Es wird gefordert, daß auch in einem Nationalstaat das ist ja das Teutsrhe Reich unztveiselhaft in staatsbürgerlieher Hinsicht die nationale Gesinnung irrelevant sein soll. Tie Berteidignug dieser These von jüdischer Leite muß erhebliche Bedenken wachrusen. Zwei Beispiele aus dem .streife des Landesverbandes. Vizepräsident des Verbandstages iß Herr Tr. Map Kol lenscher. Als der Ausgang des Weltkrieges Posen zu einem nationalen Streitobjekt zwischen. Teutschtand und Polen toer den ließ, verbreitete er im Februar 1919 ein Mitteilungs blatt des Jüdischen Volksrats Posen „Was ivir wollen". Ta rin hieß es: „Wir Inden hatten von vornherein die Situation durchschaut. Wir sahen uns aus einem Boden stehen, auf dem die schwersten nationalen Kämpfe entbrannten. Wir mußten zu ihnen Stellung nehmen. Für viele von unS konnte es keinen Angenblick des Zweifels darüber geben, tvv ivir hingehöre». Uns, die tvir das Judentum immer als Volkstum ausgesaßl und erlebt halten, die wir uns eins fühlten mit unfern 11 Millionen Volksgenosse» in der Welt, uns war die nationale Frage längst beantwortet. Uns Nationaljudeu war unsere Parole im Nationalitäls lampst gegeben, sie lautet: „Jüdisch..." __ Loli das Judentum als Ganzes erhalten werden, so muß es nicht nur als konfessionelle Leite im Individual lebe» englischer, französischer, deutscher, polnischer usw. Staatsbürger erklingen, sondern es muß direkt und nn mittelbar wie ein eigenes Instrument Völkerkonzeet er tönen lassen. Gerade jetzt, in einer Feit, in der das Lelbstbestimmungsrechl der Völker verwirklicht werden, in der auch den kleinsten Völkern ihr Recht werden, in der die nationale Minderheit innerhalb eines Staates allge mein nicht nur persönliche Freiheit, sondern auch nationales Reckst erlangen soll, ist es die Pflicht der Juden, für den Bestand des nationalen Judentums zu sorgen, nativtiale Rechte zu fordern . .. Alle kulturellen Aufgaben, Erziehung, Ausbildung, ins besondere das gesamte Schul und Unterrichtswesen, die soziale Fürsorge für die Stammesgenosseu, gewisse Gebiete des Wirtschaftslebens (die allerdings eng zu begrenzen sind) unterstehen der autonomen Regelung durch die Nationalitäten." Klarer als hier kann garnickst der Grundsatz, den der Rat des Landesverbandes ausgestellt hat, widerlegt werden. Hier wird deutlich gesagt, daß, in einem Nationalitätenstaat die Forderungen nationaler Minoritäten Berücksichtigung siudeu müssen. Andererseits ergibt sich dochaber auch selbstverständlich dir Schlußfolgerung, daß in einem Nationalstaat die nationale Zugehörigkeit zu der LtaatSnation Voraussctzung sür die Bekleidung gewisser staatlicher Funktionen ist, ES wäre doch völlig absurd, wenn daS Teutsche Reich etwa in der Posener Uebergangszeit Herrn Tr. Kollenscher wichtige staatliche Funktionen, deren ErMlung im politischen Interesse Tentschlands lagen, übertragen haben würden. Eine verruckstung des letzten Jahrzehnts sind sie, die hauptsächlich mobile Werte besaßen unb keine Beamten sind, viel mehr in Mitleidenschaft gezogen als die andern. Bis vor kurzem war tue prozentuale jüdis ch e Lelbstmordzisjer doppelt so hoch wie die der katholischen und protestantischen Beoölkeiitun, nach der letzten Zählung iß sie sogar noch etwas höher! Loll man konkrete Namen nennen? Tcm jüdischen Filmregisseur Lubitsch ist erst vor kurzem eine Dankadresse seiner Angestellten wegen vorbildlichen sozialen Verhaltens überreicht worden, und der sehr tüchtige, politisch ganz rechtsstehende, nichtjüdische Filmregisseur Fritz Lang ist in einen üblen Prozeß, wegen Ausbeutung, (Verleihung) einer seiner Schauspielerinnen verwickelt worden. Ter erfolgreiche jüdische Luslspieldichter und Theater Tirettor Walter Leo Stein bat sich in voriger Woche erschösse n, lveit er jinanzielle Schwierigkeiten fürchtete und lieber nicht leben wollte, als sich in gewagte Spekulationen einznlassen, und damit die Existenzen anderer zu gefährden, desgleichen »ahm sich ans denselben Gründen der ausgezeichnete jüdische Regisseur und Theater Direktor Tr. Reinhard Bruck das Leben. Ich kenne sehr viele hervorragende jüdische Filmregisseure Berlins, eine Figur wie „Herr Landsberger aus der BrunnensNtste" ist nicht darunter, wohl aber Persönlichkeiten, die geradezu als Gegenpole derartiger Gestalten zu bezeichnen wären. Sicherlich haben Groß,mann und Hessel es nicht böse gemeint, aber sie dachten nicht daran, daß, es ungut war, gerade in heutiger Zeit einem antisemitischen Volksinstinkt entgegenzntommen. Ter einem alten Bauerngeschlecht entstammerrde Dichter Ti ehe nscl> mied hat vor kurzem auch ein BolkSstück geschrieben: „Hinterhauslegende", das im hiesigen Schillerth-- ater aufgesührt wurde, und von dem irr diesen Blättern die Rede war. Tie darirr voriommende jüdische Hauptgestalt ist viel ernster und würdiger gezeichnet als jene Lnstspi'lnguren. die komisch fein sollen und eS in Wirtlichkeit für den denkenden Betrachter nicht sind. Weshalb ist der außenstehende Nichtjude dem Judentum gegenüber gerechter, als die beiden jüdischen Autoren? Trotz alledem aber soll gegen beu sonstigen Wert des „BolkSstücks Apollo, Brunnenstraße" nichts gesagt sein, dem ein lachendes, der Alltagsmisere entrücktes Publikum am letzten Donnerstag bis Treivierteleins NachtS laut znjubelte.. Tr. Ludwig Tavidsohn - Berlin. * 1 Versammlungskalender Maimheim. Montag, den 20. Januar 1930, abends 8.30 Uhr, im Festsaal der August Lamey-Loge, Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Appel in Dortmund über: „Religion und modernes Leben". Wiesbaden. Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum. Montag, den 13. ds. Mts., abends 8.15 Uhr, im «aale des Lynagogen- Eesangvereins, Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M., über: „Das neue Gebetbuch". Gäste herzlich willlommen. * Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162s. Freitag, 17. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. «alomonfki. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstratze 29-30). Freitag, 17. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Swarsensky. Berlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Freitag, 17. Januar, abends 7 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabl».-Kand. o. d. Zyt. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienfchule, Nikolsburger Platz). Freitag, 17. Januar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Schreiber-Potsdam. Berlin. Jüdische Resormgemeinde, Johannisstcaße 16. Gottesdienste am Sonntag, den 19. Januar. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr, Predigt: Dr. Rvfenthal. Kleiststratze 10: vormittags 10.30 Uhr, Predigt: Dr. Lehmann. Minderbewectung in staatsbürgerlicher Hinsicht ergab sich als notwendige Folge des kehlenden Zugehörigkeitswillens zur deutschen Nation. Es ist abwegig, hierin einen tränkenden Vorwurf zu erblicken, da es sich lediglich um die Feststellung einer eigentlich selbstverständlichen Tatsache handelt. Wenn Herr Tr. Kollenscher das Judentum immer als Volkstum aussaßt und erlebt, und infolgedessen für ihn die nationase Frage längst beantwortet ist, wenn er für den Nationalitätenstaat selbst fordert, daß, alle tütturellen Ausgaben, Erziehung usw. der autonomen Regelung durch die Nationalitäten nntecstehen, so must sich hieraus im Teutschen Reich bei seiner gegenwärtigen Struktur ergeben, daß, er beispielsweise staatliche Funktionen, die der Erfüllung kultureller Ausgaben dienen, »ich! bekleiden kann. Ueberall da, wo für 'staatliche Aemter nicht nur staatsbürgerliche Loyalität, sondern nationales ZugehörigkeitSgesühl wesentlich ist, muß sür den Zionisten eine Minderbewertung in staatsbürgerlicher Hinsicht die natürliche Folge des Bekenntnisses zu einer Nation sein, die ihre Heimat außerhalb Deutschlands sieht. Von weiteren Konfliktsmöglichkeiken soll hier nicht gesprochen werden. Daß sie vorhanden sind, mag z. B. flit Hinweis aus den Posten eines deitlschen Delegierten in der Mandatskommission des Völkerbundes andeuten. Müßten sich nicht hier für einen zionistischen Delegierten seelische Koitslittc ergeben, sobald einmal die deutschen Interessen au der Mandatspolitik des Völkerbundes nrit den zionistischeir nicht im Einklang stehen? Weizmann hat auf dem jüngsten deutschen Zionistenkongreß in Jena von dem Sehnen der Zionisterl gesprochen, sich mit den Araberir in Palästina ein gemeinsames Vaterland zu bauen. Kann man dann denkenden nichtjüdischen Teutschen verargen, wenn sie in staatsbürgerlicher Hinsicht die Zionisten in Deutschland minderbewerten und die Ansgestaltung Deutschlands in den Händen derer sehen wollen, die hier ihr Vaterland besitzen? Ein anderes Beispiel auS allerneuester Zeit. In der Jüdischen Zeitung sür Ostdeutschland vom 10. Januar 1930 veröffentlicht Herr Arnold Wiener aus Beuthen, Mitglied der zionistischen VerbandStagSsraition des Preußischen Landesverbandes, einen Leitartikel zur jüdischen FriedenSkund gebung in Berlin. Darin findet sich bei einer Verurteilung von Kriegergedenkseiern der folgende Absatz, der jeden jitbischen Deutschen, er mag rechts oder links eingestellt sein, c.nfs Tiefste empören muß: „Für uns Juden haben solche Gedenkfeier» iroch ein besonderes Gesicht, darum nehme ich Tannenberg sür alle anderen. Hier sind 12 000 Teutsche gefallen, darunter <S0 Juden. Auf der anderen Seite 0000) Russenkrieger, dabei 3 000 aus unserem Volke, wahrhafte Juden, sie habeii unter ihrem Waffen rock Sterbekittel und Tallith getragen. So hat man sie vorgesunden und zu Grabe gebracht. Wenn man den jüdischen Genius über dieser Szene heransbeschwvrcn hätte, wer weiß, ob er sich neben den Feldmar schall Mackensen gestellt hätte oder ob er nicht eher über: den Erscklagenen seines Volles geschwebt hätte, die da liegen und ans de» Schosarrnf des Moschiach ivarten." Ter Rat des Preußischen Landesverbandes hat es mit seiner Resolution ja gewiß gut gemeint. Aber hier ist aus m. E völlig unzweckmäßigen jüdisch-politischen Erlväguugen eine Kompromißsormel acfuiibeit worden, die den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. So erwünscht es iß, daß Gegensätze im jüdischen Lager sachlich und ohne unnötige Schärfe ausgetragen werden, so dringend muß andererseits dock auch gefordert werden, daß nicht um des liebe,t Friedens willen Grundsätze preisgegeben werden. Tie Brücke, die der Rat des Preußischen Landlsoerbandes bauen zu können glaubte, wird von einem großen Teil der jüdischen Deutschen nicht betreten werden können. Rudi Meyer Spendenliste für dev Hilfsfonds Ist Gans, Magdeburg; Jul. Michaelis, Magdeburg; Apoth. Nathan, Magdeburg; Alfred Werthejmer, Magdeburg; J.-R. Brandes. Magdeburg; R.-A. Dr. Merzbach!, Magdeburg; R.-A. Jung, Nürnberg; Dir. Goldschmidt, Nürnberg; Dir Schmidt, Nürnberg; Dir. Scheyer, Nürnberg; Bernh. H. Bing, Nürnberg; Gustav Einstein, Augsburg: Jsr. Männerverein, Augsburg; Em. Polnisches, Augsburg; Ortsgruppe der Liberalen Bereinigung Augsburg; Ortsgruppe Magdeburg; J.-R. Heilbwnner. München: S.-R Dr. Baron, München; K.-R. Siegmund A. Weil, München. MlJl >n ST01!:WERCK< /' “Billig. '*• s tDohlSchmeckcnd. \ nahrhaft. Zur Organisation des Jugendamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde Wir hatten vor kurzem sNr. W vom 4. Dezember t'.>2!>) einen Artikel von Dr. Kurl Fleischer „Die neutrale Gemeindeverwaltung" verösfcutticht, in dem das Verhalte» der Berliner Gemeinde gegenüber der jüdischen Jugend gerügt wurde. Der Artikel ries den entschiedenen Protest des Leiters des Wvhlfahrts und Jugendaintes der Berliner Gemeinde, Herrn Eugen Caspary, hervor. Er bestritt in eine,» Artikel der Berliner Ausgabe des Israelitischen Familienblattes die Berechtigung der Fleiicherscheii Beanstandungen. Wir veröffentlichen nachsteheud einen Artikel von Herrn Dr. Lndivig Tieg, der als Vorsitzender des Reichsansschnsses der jüdischen Jngeiidverbände besonders zur Klärung der strittigen c'lngelegenheil beruseu sein dürste. Tie Red. Der Vocsitzendk des Wohlfahrls und Jugendamtes, Herr Eugen E a fp a cy, nimmt in Nr. 52 des Israelitischen Familienblattes Stellung zu den Ausführungen von Herrn Tr. Fleischer in der Jüdisch liberalen Zeitung Nr. 49. In beiden Artikeln wird die Frage der Organisation des Jugendamtes besprochen. Inzwischen ist die Debatte dadurch zum Teil überholt, daß die Satzungen des um zu bildenden JugendPflegeauSschnsses durch Gemeindebeschluß angenommen worden sind. In diesen Satzungen ist genau festgelegt, in welcher Weise die künftigen Mitglieder des Jugendpflege-Ausschusses präsentiert und gewählt werden sollen. Es erübrigt sich daher, aus die bisher wichtigen Fragen heute noch einmal einzngeheu. Wenn hier überhaupt zu diesen beiden Artikeln noch einmal Stellung getlommen wird, so nur deshalb, weil einige Behauptungen, die in dem Artikel von Herrn Easpary enthalten sind, nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Herr Tr. Fleischer hatte sich dagegen gewandt, daß der provisorische Jugendpflege Ausschuß beiseite geschoben wurde und daß an seine Stelle „zufällig" drei Zionisten als Refe reuten eingesetzt wurden. Herr Easpary glaubt die Tatsache, daß die ^Referenten Zionisten sind, damit rechtfertigen zu müssen, daß er behauptet, „die Jugend - auch soweit sie liberal sei , habe die drei zionistischen Herren als Führer präsentiert" und weiter in vorwurfsvoller Weife sagt, „er (Tr. Fleischer) möge unter der Jugend den liberalen (Gedanken verbreiten und die jugendlichen Liberalen anseuern, sich Führerstelten zu erringen! Tann werde ich... ebenso selbstverständlich mit liberalen Tez erneuten Zusammenarbeiten wie jetzt mit Zionisten und ebenso unparteiisch." Wer die Arbeit im Jugendamt der Jüdischen Gemeinde seit Jahren in der Nähe kennt, steht etwas verwundert vor dieser Behauptung und ebenso vor den anderen Ausführungen des Herrn Easpary, die sich aus die Anerkennung des Willens der Jugend seitens des Gemeindevorstandes beziehen. Es ist notwendig, wenn inan die Tinge richtig betrachten will, einige sachliche Erklärungen anzufügen. Nach der Beseitigung des provisorischen Jugendpflege- Ausschusses, den der Vorsitzende des Jugendamtes ebenso selbständig eingerichtet wie beiseite geschoben hat, wurde die Arbeit in drei Referate ausgeteilk: 1. Ein Referat für Sport. 2. Ein Referat sür Jugendbewegung (kulturelle und geistige Jugendarbeit). 3. Ein Referat sür Jugendpflege. Das Referat 2) umfaßt die gesamte in Bünden organisierte Jugend, während das Referat 3) sich aus die durch die BezirkSwohlsahrtSämter der Gemeinde gebildeten Jugettdpflegegruppen beschränkt, die die Aufgabe haben, die noch nicht erfaßte, zum Teil erwerbslose jüdische Jugend in Jugendpflegegruppen zu organisieren. Nach der Zahl der erfaßte» Jugendlichen zu urteilen, sind die drei Referate nicht gleich groß was keineswegs als Kritik an der Bedeutung der einzelnen Gruppen ausgefaßt werden soll. Tie Referate l) und 2) werden annähernd je die gleiche Zahl organisierter Sport und anderer Jugend umfassen, während das Referat 3) trotz der Entwicklung der Jugendpflegegruppen im letzten Jahre nur einen Bruchteil dieser Zahl umfaßt. Es kommt hinzu, daß das Referat 2) sich auf einen Kreis von Jugend erstreckt, der seinerseits organisatorisch fest zusammen geschlossen ist im Landesausschuß der jüdischen Jugendver bände. In ihm fttib sämtliche jüdische» Jugendbünde Berlins mit Ausnahme der großen Sportverbände vereinigt. Es ist vielleicht nicht unwichtig hinzuzufttgen, daß der Landesaus schuß für die gesamte Organisierung der Jugendarbeit in der Gemeinde bedeutende Initiative gegeben hat und eS muß gesagt werden, das; der Vorsitzende des Jugendamtes trotz vielleicht auch wegen? dieser Initiative sich stets bemüht hat, den Landesausschuß möglichst rasch zu beseitigen, oder doch in seiner Bedeutung zu schwächen. ES ist vielleicht nicht wichtig, kleinere Unstimmigkeiten, bie immer in der täglichen Arbeit sich ergeben, an die Oefsentlichkeit zu bringen. Vielleicht ist auch der gegenwärtige Moment auS anderen Gründen für eine objektive Betrachtung dieser Tinge nicht sehr geeignet. Trotzdem erscheint eS erforderlich, nicht nur mit Rücksicht auf die historische Wahrheit, sondern auch mit Rücksicht auf die weitere Entwicklung dieser Tinge festzustellen, daß die oben angegebenen Behauptungen von Herrn Caspary, obwohl sie sein engstes Ressort betreffe,t, den tat sächlichen Verhältnissen nicht in vollem Umfange entsprechen. Es ist nicht richtig, „daß die Jugend bte drei zionistischen Herren präsentiert hat". Jeder, der diese Worte.liest, muß annehmen, daß „die Jugend" überhaupt gefragt worden ist. Im voraus möchte ich bemerken, daß nichts gegen die einzelnen Referenten gesagt sein soll. Liest man aber die Worte von Herrn Easpary, so muß man zu der Auffassung