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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-01-08 · 2 (8.1.1930) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
2 (8.1.1930)
Date
1930-01-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sie ist in ihren Formgrundlage n. ihrem Stü abhängig, wie das Volt selbst. Sie besitzt keine absolute SelbsläirdiglÄt. Wir erwarten von der Kunst eines Bottes, daß sie der Ausdruck seiner besonderen Eigenart sei, ihren eigenen Stil habe. So bilden deutsche, niederländische, italienische Kunst geschlossene Einheiten, die voneinander bis zum vollkommenen Gegensatz unterschieden sind. Und es hat gar keinen Sinn, sich hier die Augen zu verbinden und die Tatsache abzustreiten, daß es in in diesem Sinn allerdings keine jüdische Kunst gibt. Ter Gang dieses Buches ist also ein Gang durch die gesamte Kunstgeschichte. In alten Ländern, in denen Israeliten wohnten, hatten sie für ihren Gottesdienst unt> für ihr Leben künstlerische Bedürfnisse und in allen haben sic sie mrt den Formen besriedigt, die ihrer ganz andersgläubigen und arrdersrassigen Umweltg eläufig waren. Tas geschieht sogar in der biblischen Königszeit, der politisch bedeutendsten und selbständigsten Periode des Volkes. und irr der Diaspora ist es um so vielmehr der Fall. Israel hat den spatantilcu, den islamischen, deir byzantinischen Stil erlebt, hat Gorik, Renaissance und Barock gesehen und hat in alr Dicfcit Stilen gebaut und geschaffen, wie seine Maler heute Jinpresfionisteu und Expressionisten find. Das ficht wie ein ständiges Assimilantentum, wie eine durch die Jahrhunderte geschleppte Un Persönlichkeit aus und ist es doch nicht. Tenn die Gesinnung Mischer Kunst ist immer eine eigene, spezifisch jüdische. Es handelt sich für den Juden nicht darum, einen eigenere Stil in seinen Kunstwerken zu haben, sondern einen eigc neu Inhalt, den Inhalt seiner Religion. Form ist ihm nur Mittel, nicht Selbstzweck. Ter Grundgedanle jüdischer Religion: Ter Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott sieht ins Herz, ist die beste Erklärung dafür, warum den Israeliten in der Kunst nicht die Form interessiert, sondern der Gedanke. So hat es nie einen jüdischen Stil gegeben, aber immer eigene Symbole und Bauformen Für die jüdische Religion ist die Form nur Hieroglyphe für das Geistige, das mit ihr gesagt sein soll. Und wenn man sich mit jüdischer Kunst beschäftigt, will es manchmal scheinen, als legte die Kunstgeschichte überhaupt zu ausschließlich den Wert aus die Fornr gegenüber dem Inhalt. Tamil sind die Grenzer, dieses Buches umrisch», aber auch seine Möglichkeiten. Auch der jüdische Mensch hat-immer den bildnerischen Ausdruck für seine Gedankenwelt gefunden, und in diesem Sinne gibt es eine jüdische Kunst. Sie hat nie die Tiefen der Bekenntnisse erreicht, die Israel in Lehre und Dichtwerk geformt hat. Aber sie begleitet den ganzen Schicksalsaang der Nation. Israel ist fraglos ein denkendes Bott gewesen, kein gestaltendes, war literarisch stärker begäbt, als künstlerisch. Aber seine Art, zu gestalten, gewährt die interessantesten Einblicke in seine Seele, auch! dort, .wo sie sehr schweigsam ist. Es sind gewöhnlich die tiefsten Dinge, die sich nicht nach außen werrden. Zionistischer Delegiertentag in Jena Ende Dezember scuro in Jena der Delegierterrtag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland statt. Er gewann durch die Arrwesenhejt des Präsidenten der Zionistischen Welt Organisation, Professor Weizmann, für die gesamte zionistische Welt an Bedeutung. Tie Erörterungen farrden ihren Ab schluß irr der Annahme einer politischen Resolution und der Wahl der neuen Leitung. Tie Resolution Blnmenfeld, die mit 82 gegen fr! Stimmen bei 8 Enthaltungen angenommen wntde, sautet: „Ter Delegiertentag ermächtigt die Leitung der Z.B. f.T., zu den außenpolitischen Fragen nach den folgende!' Grundlinien Stellung zu nehmen: 1. Das.Fundament jeder zionistischen Potitit ist der unzerstörbare Lebenswille des jüdischen Volkes, ihr not wendiges Ziel die Errichtung der nationalen im Palästina- Mandat anerkannten öffentlich rechtlich gesicherten Heim stättc. 2. Zur Durchführung dieser Politik verlangen wir nicht nur, daß irr Zukunft unter allen Umständen Schädigungerr des Aufbaus oer Heimstätte durch die Regierung vermieden werben, wie sie iri der Vergangenheit aus Gleich gültigkeit oder Nachlässigkeit oder aus verständnisloser Ab neignng gegen unsere Sache entstanden sind, sonderir wir fordern die aktive Unterstützung der Mandatarmacht, zu deren Gewährung sie durch das Mandat verpflichtet ist und die sie uns bisher in hohem Maste vorenthalten hat. 3. Ter Erfolg unserer Politik beruht entscheidend aus der eigenen Leistung des jüdischen Volkes. Taher bietet der Zusammenschluß des Gesamtjrrdentums in der Jewish Agency für unser Werk eine neue bedeutende Chance, die durch die Kraft und das Wachsen der Zionistischen Organisation zu einer Verbreiterung unserer politischen und wirtschaftlichen Basis geführt werden muß. Schon heute ist unsere Position in Palästina und die Stärke des Jischuw eine zuverlässige Stütze für die Durch führung unserer irationalen Politik. Unser Recht, in vollkommener Freiheit in das Land einzuwandern, darf nicht angetastet werden. Die volle Verwirklichung unserer .Hoffnungen auf eine 'Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Erez Israel erfordert das ständige sichtbare Wachsen unseres Aufbauwerkes. Auf die Förderung und Unterstützung der Ehaluzbcwegung ist besonderer Wert zu legen. 4. Tie zionistische Bewegung wünscht mit dein ara bischen Volk in Eintracht und in gegenseitiger Achtung zu leben und zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat in ein blühendes Gemeinwesen umzuwandeln, dessen Ausbau allen seinen Bevölkernngsteilen ungestörte nationale Entwicklung sichert. (Resolution des XII. Zionisteilkongresses.'! In diesem Geiste soll die Zionistische Organisation eine aktive planmäßige, die Errungenschaften des Mandates dem Wortlaut und dein Geiste nach sichernde Politik der Verständigung mit dem arabischen Volke aufnehmen, durch welche die der Schaffung der Nationalen Heimstätte entgegenstehenden Hindernisse auf friedlichem Wege bes-eitigt wer den sollen. Politische Verhandlungen liegen ausschließlich in den Händerr der Exekutive." Mißtrauensanträge gegen die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" wurden mit 94 zu 47 Stimmen bei 4 Enthaltungen, bzw. 84 zu 54 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelchnt. Tie neue Leitung der Zionistischen Bereinigung wird geführt von Kurt Blumenfetd. Sie stellt eine.Koalition zwischen Allgemeinen Zionisten, Misrachi, Sozialistischen Zionisten und Hriachdulh dar. Radikale, Revisionisten. und< die neue von Tr. Koltenscher geführte Gruppe der Unabhängigen Allgemeinen Zionisten stehen in Opposition. Nicht nur in zionistischen uird auch nicht nur in jüdi scheu Kreisen hat man mit größter Ausmerksamkeit die Erörterungen des zionistischen Telegiertentages erwartet. Man war gespannt darauf, welches Programm in Zukunft die zionistische Organisation verfolgen werde, um zur Linderung der Judcnn'ot weiterhin beizutragen. Daß Palästina keine Lösnngsmöglichkeit bietet, daß von hier in absehbarer Zeit weder für das Judentum noch für die Juden Entscheidendes werden kann, mußten die blutigen Ereignisse dcs letzten halben Jahres und die Verhandlungen vor der britischen Untersnchungskon,Mission jedem Einsichtigen klar machen. Es zeigte sich, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland aus den Ereignissen nichts gelernt hat, und daß weder für eine Besserung des Verhältnisses zur arabischen Bcvölkerrrng Palästinas noch für eine Besserung der Beziehungen zur britischen Mandalsmacht erfolgversprechende Wege gewiesen werden konnten. Daß nichts damit erreicht ist, wenn frühere Resolutionen von Zionistenkongrefsen wieder hott werden, daß Friedensbeteuerungen wertlos sind, wenn an der bisherige» Ideologie sestgehalren wird, das haben wohl die Tatsachen bereits entschieden. Weizmann meinte in seiner Rede: „Das Judenprobtem in der Welt ist heute in schärferem Maße da, als vor zehn Jahren. Tie Welt wird morgen und übermorgen zu der Einsicht erwachen müssen, daß es nicht angeht, daß zehn Millionen Inden zermürbt und zerstäubt werden, und daß die Wett, lvas Juden betrisst, eingeteilt wird in zwei Kate gvrfen. in Länder, in welchen die Inden nicht leben können, und in Länder, in die man die Juden nicht hineinläßt." Vielleicht zeigt die groteske Verzerrung dieses Sapes am besten die irrige Grundlage des zionistischen Werkes. Während die Juden nahezu in sämtlichen Ländern der Welt „leben können", während ihr Leben am meisten gefährdet ist in dem Utopia des Zionismus, während mit Erfolg versucht wird, Juden in den Ländern ihrer Massensiedlungen wirtschaftlich und geistig zu prodnktivieren und allseitig erkannt wird, Saß Palästina rrach all den zionistische,r An strengungen nur die Heimat von einem einzigen Prozent der Jrrdenheit geworden ist und 99 Prozent auch in Zukunft außerhalb Palästinas werden leben müssen, wird hier noch immer der Auffassung Nahrung gegeben, daß Palästina und nur dieses - die Rettung von Judenheit und Judentum vor dem Untergang bewirken könne. Wäre die maß lose Uebertreibung Weizmanns richtig, all unserer Verurtei lung „zermürbt und zerstäubt zu werden", wäre kein Zweifel mehr möglich. Denn es gibt keine Revisionsmöglichkeit der Weltgeschichte nach 2000 Jahren. Aber freilich: derartige maßlose Uebxrtreibnngen sind nur notweltdig, um die Berechtigung des Zionismus noch immer der Welt glaubhaft machen zu können. Weizmann hat ganz osten betont, daß, „die ganze Frage des Zionismus, des Aujbaus des nationalen fieimS, heute vor dem Tribunal der Welt oftensteht". Unb er meinte, „heute stchen wir zwar vor einer. Welt, die uns weniger versteht als vor 40 Jahrs», über wir stabe,i gleichzeitig eine Leistung irr Palästina hinter uns, die mehr spricht als Deklarationen nnd Proklamationen". Ter Zionismus hat aus den, Weg von der berauschenden Phrase zur Wirtlichkeit feine Unmöglichkeit erwiesen. Und für ihn als Gesanrtheit gilt, lvas aus denr Telegiertentag ein Diskussionsredner.der gemäßigten Richttrng, Tr. Landauer, gegcu den Revisionismus ausführte: „Wenn der Revisionismus die Judenstaatsidee wieder aufs Tapet bringt, dann wiegt er die zionistische Idee in leeren aber gefährlichen Illusionen, er erzieht die Jugend zu leerer Demonstration. Er schützt nicht die Juden, sondern er bringt uns dazu, daß, wir geschützt werden müssen." Das wird, muß leider befürchtet werden, trotz der Beteuerung Weizmanns, daß wir Juden : uns nicht aus Bajonette stützen wollen rrnd sonnen, auch für die Forderung Weizmanns Geltung besitzen, zumal rrach seiner entschiedenen Absage an den Begriff „kulturelles H2irn". Weizmann betonte: „Marr verweist rurs aus Schwierigkeiten, aus Araber, aus englische Beamte, und findet, daß cs leichter sei, ein „kulturelles Heim" zu schuften. Ich verstehe das nicht; was ist das, ein Museum, ein Krankenhaus? Was I ist ein „kulturelles Heim"? Freilich, es ist einfacher zu I sagen- „belhi bcth tefilah lechol hoamim", es ist leicht, Pesukim zn deuten, „Palästina gehört allen Völkern cs gehört niemandein, Palästirra ist Niemandslaird" usw. Wir ioffen uns daraus nicht ein! Hat man uns ein „Kulturelles Heim" versprochen oder eine „Nationale Heimstätte"? Ersatz galt im Kriege, nicht im Frieden." Bei einer derartigen Austassnng an die Möglrchteit einer Verständigung ztrischen Arabern urrd Zionisten zn glauben, ist politisch absurd. Und wie man sich in der Praxis dreht und wendet mrd glaubt, Fragen lösen zu können, dafür ist charakteristisch die Instruktion, die Weizmaitn den zionistischen Vertretern für ihre Aussage vor der Untersnchungskommifsio,r aus den Weg gab: „Sollte nian Sie (Sacher) oder Ruppiu fragen, ob wir die Majorität erstreben, schlage ich Ihnen folgende Antwort vor: „Wir wollen die Durchführung des Mandates, wir wollen Fleiheit der Eiilwandecung im Einklang mit der ökonomischen Entwicklung des Landes. Diese Entwicklung soll von der Mandatarmacht gefördert unb die Gesetzgebung dazu im Sittne des Mandats ausgebaut wcrden. Ob dies zu einer Majorität führen wird, ist schwer vorauszusagen. Aber was immer geschehen wird, wir wollen niemanden beherrschen und von niemandem beherrscht werden " Wenn bei einer Aktiengesellschaft eine w'ue Gruppe die Mehrheit der Aktien zu erwerbe» versucht, so 'strebt siwohl keineswegs danach, die bisherigen Mehrheitsbesitzex zn beherrschen. Sie will die Leitung des Unternehmens in ihrem Sinne, will für die zukünftige Führung des Unternehmens bestimmend sein. Hat sich irgendwo in der Welt eine Mehrheit freiwillig ihrer Rechte zugunsten einer Gruppe, bi2' die Mehrheit erstrebte, begeben? W2nn aber eine derartige Einstellung schon auf geschäftlichem Gebiet als berechtigt anerkannt werden muß, so gilt das mit weit größerem Recht auf dem Gebiete nationaler Entscheidung, für den Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Tie Araber in Palästina werden sich ganz mit Recht gegen die Auftassung Weizmanns wehren, „daß Palästina ein nationales Heim für das jüdische Vdtt ist, und daß es ein Heim für 600000 Araber ist, daß das nationale Hejm des arabischen Volkes in Bagdad und Damaskus zu finden sei". Wenn Weizmann sagt, die. Araber betrachten Palästina als ein arabisches Land, sie wollen es einverleiben einem System von Föderationen arabischer Staaten vom Euphrat bis zum Indischen Ozean, so will uns scheinen, als ob diese Betrachtungsweise einen recht gesunden Kern enthält. Was Mtet man denr Araber in Palästina, tvenn man ihm davon spricht, daß die Araber aus dem Kriege mit vier Staaten hervorgegangen sind, seinen, Hedschas. Transjordanien und Irak und dann wie Weizmann fragt: „Wieviel nationale Heime braucht Ihr?" Man wird nur eins den Arabern Palästinas zrr Bewußtsein führen, daß ihm Recht ist, was seinen Nachbarbrndern frommt, und daß er mindestens das gleiche Recht an, Eigenverwaltung und Setbstbestimmung besitzt wie feine Brüder in den Nachbarländern. Ter Zionismus hat die Welt jahrelang mit Pyrasen überschwemmt. Er hat dann den Eindruck erweckt, als baue er im leeren Raum. ,Die Tatsachen haben die Welt belehrt. Heute lächeln wir darüber, wenrr man in diesem Zusammen hang von den Geburtswehen der messianischen Zeit spricht. Wissen wir doch, daß den Juden nur in ihren Heimatländer» geholserr werden kann, daß in Palästina nichts erreichbar ist, was nicht in jedem Land der Welt erreicht werden kann, uns daß Palästina bestehende Konflikte nicht löst, sondern vergrößert. Tie Zionisten wollen ihr Werk unverändert fortsetzen. Ein Brandherd der Welt bleibt bestehen. Unser organisierter Nachwuchs Von Louis Wolf s, Berlin. Von dem Bvrjipciiden de-- Perrins scwsländiger Handwerker jüdischen OMaubeu* c. P. Berlin geht uns der nachstehende Artikel *u, der einen interessanten Einblick i» die Wirksamkeit der triruppe jüdischer Handiverk'lehrlinge darstetli. Wenn auch der harte Lebenskampf heute alle Kräfte eines jeden Einzelnen in Anspruch nimmt, so ist es ein glänzendes Zeichen unseres unbesiegbaren Optinlisntus, trenn besonders in unserer Gemeinschaft auf allen Gebieten des sozialen, geistige» und kulturellen Lebens Orgainsationcn bestehen, die in ihrem Endziel eine Bereicherung des geistigen Lebens herbeiführen, oder aber durch Zusammenschluß bewährter , Kräfte, die iin Judentum wirksam sind, zu ge meinsamer segenSspendender Arbeit ausrufen wollen. Vielleicht kann man heute schon von einer Ueberorgimisieimifi sprechen und es bedeutet eine KräftevergeudunZ, wenn Orgatiisationeli mit bestimmten gleichgerichteten Ausgabe» in größerer Zahl selbständig nebeneinander bestehen. Nicht allein, daß man die Kräfte zersplittert, sondern durch die Anfzehrnng oftmals erheblicher BerwallutrgSkostetr werden Gelder verschleudert, die durch Zentralisierung verwandter Organisationen eingespart und zur Beseitigurrg der doch> geiviß nrcht wegzuleugnenden ungeheuren Not auf den verschiedensten. Gebieten nutzbringend angelegt werden könnten. Will man aber das Uebel beseitigen, so mrrß man die Axt an der Wurzel des bei uns iroch immer in voller Blüte stehenden ParneßunWesens anlegen, denn schließlich sind Orgatlisationeu nicht des persönlichen Kowcts wegen da, sonder u um ihrer selbst willen. Wenn aber Organisatimreti, die seit Jahrzehnten eine segensreiche und besonders kulturelle Tätigkeit im Interesse des Judentums ausgeübt haben, ihre Aufgaben ein- oder umgestellt haben, so scheint dies zu beweisen, daß ein starker Schuß persönlichem Ehrgeizes doch erforderlich sein kann, um eiire gute rrnd notweirdige Sache liicht Schift'bruch erleiden zu lassen. Ueber die gewiß nicht unberechtigten Klage über die Verilachlässiguug des Hanowerks unter den Juden, dessen Fürdcrrlllg wohl von ecklen Seiten gepriesen, aber in Wirtlichkeit wenig rnlterstntzt wird, lann sich das Handwerk immer noch nicht über allzugroße Liebe oder Wertschätzung beklageir. Mit einem Federstrich habeir zwei in Bcrlilr besteherrde Oraanisatiouell ihre Tradition ausgelöscht, die sowohl der handtverftichen Jugend, als auch dem Alter eine Stützt war. Unser Traum von der sichtbaren Hilfe für unsere Handtoertlicke Jugend und für den müde gewordeneu alten Handwerker ist zu Ende geträumt. Ullser Handwerkerstolz hält urrs zurück,, darüber zu rechter, ob die Zeit, die wir durchleben, der ge2rgnete Augenblick war, unfern Nachwuchs, sei es moralisch oder materiell, im Stich zu lasse),. Die Tatsache bleibt bestehen, daß rrnstre hmidwertliche Jugend mehr als jemals auf gefährdetttir Posten steht und um nicht wankend zu werden, der Führung bedarf. Daß unser Bekenntnis zu unfern, Judentum und zu unserm Haudlvcrk nicht nur Lippendienst ist, bringen wir ernent dadurch zun, Ausdruck, indem wir nunmehr die Lücke ausfüllcn und unsere jungen Handwerkslehrlinge organisiert haben. Sie sind zusainmengesaßt i» der Gruppe jüdischer Handwcltslchrl'uge und bei weitgehendster Rücksichtnahme auf ihr« Selbstverwaltung der Leitung unseres Handwerkcrvereins unterstellt. Ter Leitung nicht im Sinne einer Unterordnung unter die meisterliche Autorität, sondern im weitesten Maßjk Betreuung und Führung durch die Fährnisse ihrer Lehrzeit. Dieser Gruppe gehören bereits 120 Lehrlinge der verschieb ei,stcit handwerklichen Berufe an und sie sitrd glücklich, endlich eine Stelle gefunden zn haben, der sie in aller Offenheit ihre kleinen und großen Sorgen offenbaren können. Ein jeder wird von uns beraten und betreut. Allwöchentliclwerden Heimabende veranstaltet, die mit Vorträgen und Unterhaltnngsspielen ansgefüllt werden. Es finden Besichtigungen verschiedener Betriebe, während dcs Sommers gemeinsanie Wanderunaen statt. Minderbemittelten Lehrlingen und solchen, die Halb oder Vollwaisen sind, werden Zuschüsse nicht nur für ihre fachliche Ausbildung bewiltigt, sondern sie werden bis zur Beendigung ihrer Lehrzeit vollkommen bekleidet. So hat beispielsweise die Bekleidung anläßlich des letzten Ehanukkähfestes eine,, Ko'terraustvand von nrnd 2000 RM. erfordert. Sicherlich wird die Zahl der organisierten Handwerkslehrlinge nicht unerheblich steigen und damit werden auch die finanziellen Lasten wachsen. Zunächst muß endlich einmal der Anfang gemacht werden mit denr von uns seit Jahren gefor-derten Gemeindehaus. Was uns zur Auffüllung des jüdischen Lebens nottut sind nicht prunkvolle Synagogen oder das Bauen jüdischer Volks¬ und höherer Schulen, sondern der jüdische Mittelpuntt, dessen Bestehen in weitesten jüdischen Schichten große Freude und Betzriedigung auslösen würde. Tie jugendliche Handwerkerbewegung zu fördern, ist; aber auch eine Aufgabe der jüdischen Körperschaften. Ueber kurz oder lang werden wir deshalb von der Gemeindeverwaltung

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