Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 1 (1.1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614054--3416-2621002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tt. Zahrgcntg W»mm-r 1 w1"1"«" , "IW.j^WWWMWWWWWW (WOWhWWMMmW Benage 1. )a»uar 1930 Die llniersuchungskommisfion in VaiSstina vor Beendigung ihrer Arbeit Tie nach den Unruhen in Palästina im Sommer ver gangenen Jahres von der britischen Mandatsmacht eingesetzte Untersuchungskommission hat nach etwa zweimonatlicher Tätigkeit in Palästina ihre Arbeit beendet und wird nach ihrer Rückkehr nach London das Ergebnis der Untersuchung bekanntaeben. Wir versagen es uns, das Verfahren in seinen Einzelheiten hier zu schildern und über das zu erwartende Ergebnis zu prophezeien. Wir würden die bisher von uns befolgte Methode schweigenden Abwartens auch weiterhin verfolgt haben, wenn nicht Zusammenstöße zwischen dem Anwalt der Regierung und dem zionistischen Anwalt sowie die darau geknüpften Kommentare der zionistischen Presse ein Eingehen auf die letzten Vorgänge notwendig machten. Als die ersten Zusammenstöße in Palästina erfolgten, war allen Einsichtigen alsbald klar, daß hier eine Schuld aus allen beteiligten Seiten bei Arabern, Zionisten und der Palästina Regierung gesucht werden müßte. In Artikeln der Jüdischen Rundschau.' das muß allseitig anerkannt werden, wurde der Auffassung einer arabischen Alleinschuld mehrfach entgegengelreteu. So hieß es beispielsweise im Anschluß an die Schilderung der zionistischen Temonstrationen am Tischo b'aw und an den folgenden arabischen Ueoerfall: „Aber in der Tat hatKn sich eine ganze Reihe von Raufereien in den letzten Tagen ereignet, bei denen die Frage, „wer angesangen hat", im Einzelsall schwer zu entscheiden sein dürfte, die aber im ganzen wohl häufiger auf arabische, als auf jüdische Provokation zurückzuführen sein dürste." Um eine Klärung der Situation herbeizusühreu, wurde alsbald allseitig, ganz besonders aber auch von jüdischer Seite, die Einsetzung einer Untersuchungskommission gefordert. Tiefer Forderung wurde von dem britischen Staatssekretär für die Kolonien Rechnung getragen. Als Ausgabe der Kommission wurde festgesetzt„dic Ursachen, die unmittelbar zu dem jüngsten Aufruhr in Palästina oen Anstoß gaben, zu untersuchen und Vorschläge zu machen,' welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um eine Wiederholung ähnlicher Unruhen zu vermeiden." Diese Beschränkung des Untersuchungsgegenstandes aus die unmittelbaren Vorgänge unter Ausschabung von Erwägungen höherer Politik mußte in nichtzioniftischen Kreisen Bedenken Hervorrufen. Wenn auch der äußere Anlaß für die Vorkommnisse in Demonstrationen, Uebersällen, Versagen von Polizeikräften oder dergleichen gesunde werden könnte, so war dock) für jeden Einsichtigen selbstverständlich, daß die Ursachen der Zusammenstöße in dem Zusammentreffen der Ansprüche des Nationaljudentums auf Palästina mit der Forderung des nationalen Selbstbestimmungsrechtes der Araber gesucht werden müßten. Beim Eintreffen der Kommission in Palästina sah sie sich allerdings einer unerwarteten Situation gegenüber. Der Brand, dessen Ursachen sie untersuchen sollte, schwelte noch ständig fort. Bon arabischer Seite erfolgten durchgreifende Maßnahmen gegen das zionistische Unternehmen, insbesondere auch aus dem Gebiete des Wirtschaftslebens durch Boykott usw. Von zionistischer Seite hingegen wurde der Theorie des „Nun erst recht!" weitgehendst Folge geleistet, den Arabern jetzt die Alleinschuld zugesprochen, Balsour-Erklärung uub Palästinamandat als die selbstverständlichsten Sache,! der Welt dargestellt, an denen nicht gerüttelt werden könne, und für alles Geschehene das Fehlen einer gennügenden Anzahl ordnungsliebender Schutzleute verantwortlich gemacht. Tie Kommission hat in einer außerordentlich großen Anzahl von Zeugenvernehmungen eine Klärung herbeizuführen versucht. Die Zusammensetzung der Kommifsion mußte Gewähr bieten für di^ objektive Durchführung der Untersuchung. Ihr Präsident war Sir Walter Shaw, ehemaliger Oberrichter der Straits Settlements. Außerdem gehörten ihr drei Mitglieder au, die den drei Parteien des britischen Parlaments entnommen waren: der Konservative Sir Henry B. Betterson, der Liberale R. Hopkin und der Arbeirerpar teiler Morris Henry Snell. Auch die Tätigkeit der Untersuchungskommissiou wurde von zionistischer Seite zu Beginn gutgeheißen. Eine ihrer ersten Maßnahmen wurde von der Jüdischen Rundschau begrüßt „als ein Zeichen, daß die Kommission nicht von vornherein die Möglichkeit einer wirklichen Aufklärung des Sachverhaltes abschneide". Umsomehr muß bedauert werden, daß in letzter Zeit von zionistischer Seite die Arbeit der Untersuchungskommissiou herabgesetzt wird. Während früher begrüßt wurde, daß die hohe Politik nicht^zu ihrem Aufgabenkreis gehört, liest man jetzt beispielsweise in der Jüdischen Rundschau: „Auf jeden Fall heißt es keineswegs die Bedeutung der Untersuchung unterschätzen, wenn man sagt, daß die eigentlichen wichtigen politischen Entscheidungen ziemlich unabhängig von dieser Untersuchung werden getroffen werden müssen. Wenn die Untersuchung den Zweck hatte, Zeit verstreichen zu lassen und dadurch auch eine gewisse Beruhigung der Gemüter zu erzielen, so hat sie bisher diesen Zweck kaum erfüllt, da sie eher zur Steigerung und Versteifung der Gegensätze beiträgt." Tie Vorhaltungen, die hier noch in zurückhaltender Form ausgesprochen sind, finden sich in der sonstigen zionistischen Presse noch in erheblich stärkerem Ton wieder und arten teilweise zu taktlosen und ungehörigen Beleidigungen der Untersuchungskommission und der englischen Regierung aus. Unmittelbar vor Abschluß der Zeugenvernehmungen ergab sich bei der Vernehmung des Mitgliedes der zionistischen Exekutive Harrt! Sacher noch ein scharfer Konflikt zwischen Zionisten und Regierung. Tie Jüdische Rundschau berichtet hierüber: Regierung gegen Zionisten. Das Kreuzverhör, dem Sacher seitens des Regierungsanwalts Mr. Preedy ausgesetzt war, wird selbst bei denen Erstaunen Hervorrufen, die von früher erkannten, daß der Hauptkonflikt vor dieser Kommission zwischen der Regierung und der zionistischen Vertretung sich abspielt. Es ist nun ganz klar geworden, daß die Regierung es für ihre Ausgabe halt, die Sache der Araber zu verteidigen, . und man könnte daraus ohne weiteres den Schluß ziehen. daß eine Regierung, die solche Anschauungen und eine derartige Parteilichkeit zur Schau trägt, dadurch selbst beweist, daß sie die Schuld au dem Zusammenbruch der Pa l äst i nav er wa l t u n g im A ug ust trägt. Der Regierungsanwalt hat sich offenkundig zum Ziel gesetzt, nachzuweisen, daß die Politik des I übischen National hei ms unmöglich ist, und er übernimmt ohne weiteres alle Behauptungen, die den für die Araber bedrohlichen Charakter verschiedener zionistischer Ver anstaltungen und Resolutionen Nachweisen sollen. Obwohl sich bereits aus der Eröffnungsrede von Sir Boyd Merri - man ergeben hat, daß die Zionistische Exekutive die Untersuchung in erster Linie als gegen die leitenden Beamten der P a l ä st i n a - A d m i n i st r a - tion gerichtet betrachtet, so konnte man doch aus diese Zuspitzung des Konfliktes kaum gefaßt sein. Denn da die dwministration sich in der Defensive befindet, hätte man annehmen können, daß es ihr Bestreben sein wird, zu zeigen, daß sie sich unparteiisch verhallen hat und keiner antizionistischen Animosität verdächtig ist. Man hätte sogar noch verstanden, wenn sie ihre Meinung über die zionistische Mitschuld an den August-Ereignissen begründet hätte durch Hinweise auf verschiedene Handlungen und Reden zionistischer Gruppen und Personen. Aber der Regierungsanwalt ist weit darüber hinausgegangen und hat versucht, die ganze zionistische Sache lächerlich zu machen. Man muß sagen, daß Sacher demgegenüber in bewundernswerter Weise seine Ruhe bewahrt hat und seine schwere Aufgabe mit Würde gelöst hat. Bevor nicht der genaue Wortlaut der Aussage vorliegt, kann man im übrgen Sachers Ausführungen nicht abschließend beurteilen: wir halten es jedenfalls für unrichtig, im Zuge des Verfahrens die Aussagen der einzelnen jüdischen Zeugen einer Kritik zu unterziehen. Eine Kritik des g a n z e n Verfahrens vor der Untersuchungskommission, das sich ja doch jetzt zu einer Auseinandersetzung über die Grundfragen der Palästinapoiitik ausgeweitet hat, wird erst erfolgen, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist und der Bericht vorliegt. Bei der Schlußrede des zionistischen Anwalts ergab sich dann noch ein weiterer Zwischenfall. Bei den Angriffen des zionistischen Vertreters aus die Führung der Verhandlung durch den Regierungsanwalt erfolgte eine Unterbrechung durch das liberale Mitglied der Untersuchungskommission und später durch den Vorsitzenden. Wir werden nach Vorliegen des Ergebnisses der Untersuchungskommission noch näher aus die Tinge zurückkommen. Soviel kann aber auch setzt wohl bereits sestgestellt werden: In Palästina stehen sich Juden und Araber als zwei Parteien gegenüber, die bei Beibehaltung der bisherigen Methoden in einen immer schärferen Konflikt geraten müssen. W e n n heute ein AnSbruch der Leidenschaften unmöglich gemacht wird, so i st d a s nur britischen Bajonetten zu danken. Daß ein solcher Z u -> st and unhaltbar i st, daß im Interesse ei n e s Friedens in! Palästina!)' i e 'F o r d e r u n g c n menschlicher Gerechtigkeit erfüllt werden in ü s s e n, -- eine derartige Einsicht fehlt v o r - c v st ii o ch, and] bei b e r M e h r z a hl de r Z i o u i st e u. Erklärung der bayrischen Rabbinerkonferenz In einer Strasverhandlung beim Schwurgericht Nürnberg waren auch die jüdische Sittenlehre und das rabbinische Schrifttum Gegenstand der Erörterung. Zu diesen Fragen, mit denen Gericht und Sachverständiger sich in ernstester Weise befaßt Haben, kann man auch von uns eine Erklärung erwarten: ist doch zur Feststellung der Lehren eines Religionsbekenntnisses vor allem nötig, daß sachkundige Vertreter dieses Bekenntnisses selbst zu Wort kommen. Als die berufsmäßigen Lehrer und Vertreter der jüdischen Lehre im Staate Bayern stellen wir deshalb folgendes fest: 1. Im Einklang mit den alten, unverbrüchlichen Grundsätzen des Judentums lehren unsere Rabbiner in den Gotteshäusern, unsere Lehrer in den Schulen stets Lauterkeit und Redlichkeit und unbedingte Wahrhaftigkeit in Handel und Wandet. „Tein Ja sei Ja, Dein Rein sei Nein" ist eine Forderung des Talmuds. Tas Gebot der Nächstenliebe ist eine Grundsäule der jüdischen Lehre. Kein Rabbiner oder Lehrer unseres Bekenntnisses wird lehren oder erlauben, daß von diesen Grundsätzen abgewichen wird, mag es sich um Juden oder Nichtjuden handeln. Unsere Gebetbücher und Lehrbücher stehen jedem zur Einsicht offen. Es ist jedem freigestellt, unserem Gottesdienst beizuwohnen. 2. Nach jüdischer Lehre ist der Eid unverbrüchlich heilig, ganz gleich wem gegenüber er geleistet wird. Meineid gilt als schwerste Sünde. Wenn Talmudstellen - wie auch christliche Moraltheologen — sichmit den Fällen eines erzwungenen Eides befassen, so beziehen sich solche und ähnliche Erörterungen auf die rechtlosen Zustände jener längst vergangenen Zeiten und kommen gerade nach talmudischer Lehre für die geordneten Rechtszustände der heutigen Zeit überhaupt nicht mehr in Betracht. Ter Talmud selbst erklärt, daß das Recht des Staates verbindlichist wie Lin Religionsgesetz. 3. Tas „Kol — nidre" am Vorabend des Versöhnungstages, das von Schwüren spricht, die im voraus für nichtig erklärt werden, bezieht sich nicht aus Eide, die einem anderen gegenüber geleistet werden, sondern nach seinem klaren Wortlaut nur auf Gelübde, die man persönlich auf sich nimmt (z. B. zur Kasteiung und Askese), und auch dabei nach der allgemeinen Auffassung derhüdischen Lehre nur auf unbedachte Gelübde solcher Art. Ein Unrecht, dos einem anderen zugefügt wird, sühnt nach jüdischer Lehre der Versöhnungstag nur dann, wenn es von dem Betroffenen selbst verziehen wird. 4. Daß man in unserem Jahrhundert sich noch gegen den Vorwurf des Ritualmordes wehren muß. ist ein trauriges Zeichen der Zeit. Es war das Judentum, das der Welt die! zehn Gebote überbracht hat. mit dem machtvollen Worte: „Du sollst nicht töten". Da das Vorgeben vom „Ritualmord" fich nicht ausrechterhalten ließ, haben nach Presseberichten die Angeklagten beim Schwurgericht vorgebracht, daß es eine „geheime jüdische Sekte" geben soll, die dem „Blrztinord" huldigt. Feierlich erklären wir, daß es eine solche Sekte nicht gibt, auch nie gegeben hat, und nicht geben kann. Sie stünde zu dem Geist und zu den Geboten des Judentums im stärksten Widerspruch. Es ist auch nie in der Geschichte des Judentums etwas von einer solchen Sekte bekannt geworden. Es gibt auch keine Stelle im gesamten jüdischen Schrifttum, die im Sinne eines Blutmordes zu deuten wäre; wer anderes sagt, fälscht. 5. Wir danken allen Behörden und Personen, die in Erfüllung gesetzlicher und menschlicher Pflicht die Verbreiter beschimpfender Angriffe gegen unsere Religionsgesellschast zur Rechenschaft gezogen haben. Unsere Glaubensgenossen aber möge dies in oem Vertrauen bestärken, daß im Kampfe gegen Haß und Lüge immer noch Recht und Wahrheit sich durchsetzen werden. Tagung der würltembergischisraelitischen Landesversammlung Zum letzten Male vor Ablauf ihres Mandats trat am Sonntag, den 22. Dezember, die Israelitische Landcsversammlung in den Räumen des Württembergischen Wirtschafts- Ministeriums zu einer ordentlichen Tagung zusammen. Präfibent Julius Rothschild erösfnete seinen Bericht mit einem Hinweis auf die Feier des 200. Geburtstages Moses Mendelssohns, dessen Bedeutung er kurz schilderte, und mit einer Trauerkundgebung für die beklagenswerten Opfer des Araberaufstandes in Palästina. Er streifte dann die bisherigen, erfolglos gebliebenen Verhandlungen zur Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Inden und schilderte die erfolgreiche Arbeit der Süddeutschen Arbeitsgemeinschaft, in der sich die Juden Bayerns, Badens, Hessens und Württembergs zu ersprießlicher Arbeit zusammengeschlossen haben. Im Anschluß an diese Begrüßung erstattete der Präsident des Israelitischen Oberrates, Regierungsrat Tr. Nördlinger, den Bericht über die Tätigkeit des Oberrates im letzten Jahre. Er bezog sich dabei aus den den Mitgliedern der Versammlung überreichten gedruckten Jahresbericht. Entscheidend für die Religionsgemeinschaft Württembergs ist die Neufassung der Lehrpläne für den Religionsunterricht an den Volksschulen, den höheren Schulen und dem Heilbrunner Lehrerseminar gewesen. In der Berichtszeit sind Fortbildungskurse für die Rabbiner und die Lehrer im Jahre 192& und im April 192;) mit bestem Erfolge veranstaltet worden. Die Bibliothek des Oberrares sowie die Wanderbibliothek für Rabbiner und Lehrer sind wesentlich bereichert worden. Für die Erhaltung der Friedhöfe der aufgelösten Gemeinden Hochberg, Pfla-umloch und Laibach ist Sorge getragen worben. Auf Wunsch des Preußischen Landesverbandes hat Württemberg die Aufgabe übernommen, den Friedhof in Dettensee in Schutzaufsicht zu nehmen. Tie Synagogen in Braunsbach, Buchau, Berlichingen und Mühringen sind einer baulichen Erneuerung unterzogen worden. Die Stelle eines -Rabbiners in Stuttgart, der im wesentlichen als akademischer Religionslehrer tätig fein soll, ist wieder besetzt worden. Auch in der Besetzung der Lehrerstellen in den Landgemeinden sind mannigfache Aenderungen vorgekommen. Die Israelitische Religionsgemeinde Wiesbaden ist aufgelöst und ihre Mitglieder sind der Gemeinde Miesenbach zugeteilt worden. Tie Neuwahlen für die Vorsteherämter und für die neue Landesversammlung haben am 8. Dezember stattgefunden. Die Arbeit des Oberrates hat sich im letzten Jahre ohne Störung vollzogen. Für das neue Etatsjahr wird zur Deckung des Abmangels eine Landesumlage von 4>/j «» erforderlich sein. Von einer Erhöhung des Betriebsfonds wird in diesem Jahre mit Rücksicht auf die angespannte wirtschaftliche Lage Abstand genommen. Ter Bericht des Oberrates wurde mit dankbarem Beifall entgegengenommen. Tr. Würzburger-Heilbronn sprach diesen Dank besonders ans und stellte eine Anfrage über die Abhaltung von Jugendgottesdiensten anläßlich der Turnusreisen der Bezirksrabbiner. Hierauf erstattete Ministerialrat Tr. Hirsch den Bericht des Finanzausschusses über den Haushaltplan, der mit einem Abmangel von Mk. 232 000, abschließt, die durch die Landesumlage zu decken sind. In kurzer Darlegung der einzelnen Positionen schlug er die Annahme des vom Oberrat vorgetegten Haushaltplanes ohne Abänderung vor. Eine Aussprache veranlaßte der Posten: Beiträge zu Ausbildungszwecken, der nach Aeußerungen der Abgeordneten Adler- Mergentheim, Leopold Kahn-Stuttgart, Oberlehrer Preßburger-Creglintzen und Tr. Würzburgcr-Heilbronn, schließlich unverändert angenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit dankte Dr. Würzburger dem Oberrat besonders für die Ueberführung der jüdischen Seminaristen nach Heilbronn. Ein Antrag der Gemeinde Mergentheim, Buchau und Horb, die Beiträge zu den Bezügen der Rabbiner auf die Zentralkasse zu übernehmen, wurde der nächsten Landesversammlung zur Entscheidung überwiesen. Ein Antrag Kahn-Baisingen, den Betrag der Unterstützungen der Gemeinden von Mk. 22 500 auf Mk. 25 000 zu erhöhen, wurde, da für diese Mehrausgabe keine Deckung vorhanden ist, abgelehnt. Mit der Aussprache über den Steuerbeschluß war die Besprechung eines Antrags der Gemeinde Heilbronn betreffs Wanderung des § 17 der Verfassung verbunden. Dieser Antrag konnte lediglich dem Oberrate zur Berichterstattung in der nächsten Landesversammlung überwiesen werden, da er im Widerspruch mit 8 31 des Staatskirchengesetzes steht. Auf Grund einer Anfrage über die Steuer der Lohnempfänger wurde mitgeteilt, daß in Stuttgart 500 jüdische Lohnempfänger, im weiteren Württemberg noch etwa 100 vorhanden sind. Der Haushaltplan und der Steuerbeschluß, 41/4 <y0 aus dem einfachen Betrage Joer Reichseinkommensteuer für das Kalenderjahr 1928 und aus dem dreifachen Betrage, der auf 1928 veranlagten Vermögenssteuer, wurden hierauf einstimmig angenommen. Dabei wurde der Wunsch geäußert,