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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-01-01 · 1 (1.1.1930) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
1 (1.1.1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ein liberales Rabbmerjennnar Eine dringende Forderung. Von Rabbiner Dr. Gotisch alk, Frankfurt a. M. Es gebt vorwärts. Das ist der erfreuliche Eindruck, den die liberale Bewegung seit einigen Jahren bis in die Gegenwart hinein macht. Einige rückschrittlich Gesinnte werden daran nichts ändern. Es war ebe;^ schon richtig, daß rnan das Wort von den Offizieren ohne Soldaten immer energisch bestritt. Die Offiziere brauchten nur zu rufen und den Mut zu sich selbst, und Vertrauen zu der Kraft ihrer Bewegung zu haben, und die Soldaten kamen. Erfreulich, daß in neuerer Zeit auch erst angehende und rverdende Führer sich beteiligen und dir Sorge vor der Karriere nicht Herr über die Liebe zur Sache werden, lassen. Aber sollte nicht gerade diese Tatsache im Verein mit der mutig vorwärts drängendeti Bewegung und den maruiigfacheir Problemen, die fiel) zu Wort melden und die cs zu bewältigen gibt, es nniwendig machen, auf die erstaunliche Tatsache hinzmoeisen, das; wir in Deutschland überhaupt kein Seminar für liberal gesinnte Theologiestudierende besitzen, das; es nur eine liberale Kommission gibt, von der ganz gelegentlich seitens eines Examinanden Gebrauch gemacht wird.' Das' Seminar in Breslau vertritt die Mittelpartei, die Lehr anstatt in Berlin aber »vill gar keine spezielle. Rabonirrbildnngsstüile sein, sie ivill Wissenschaft verbreiten und gibt außerdem auch Gelegenheit, das rabbinifche Examen abznlegcn. Sie schreibt ihren .Hörern keine Gesinnung .vor, gewiß,' aber die liberalen Hörer haben auch nicht das Recht, von ihrer, Dozenten liberale Gesinnung zu verlangen. Sie sind ja an einer neiutralen Anstalt. (Ich brauche nicht zu be tonen, das; hier nicht kritisiert, sondern nur die Sachlage geschildert wird. Unnötig deshalb, hervorzuhebcn, daß an dieser Anstalt immer auch liberale Dozenten tätig waren und honte noch an ihr wirken. Meine eigenen Lehrer, als deren Schüler ich mich noch heute gern und dankbar empfinde gehöre» zu ihnen.! Wir wollen nicht davon sprechen, daß dieser Zustand für die volle Verbreitung reiner Wissenschaft sicher immer ein Hemmschuh war vom Gesichtspunkt der Praxis aus gesehen. Nicht, daß irgendwann und irgendwie der wissenschaftliche Standpunkt nicht zu seinem Recht gekommen wäre. Aber die stete Rücksichtnahme ans die an gehenden Rabbiner, aus die also, die Examen machen wollten, mußte den Dozenten gewisse Rücksichten bei Auswahl ihres Stoffes und bei der Zielsetzung ihrer Vorlesungen auferlegen. Man sieht ja auch, daß gewisse Themen in den Vorlesungen einfach immer, natürlich nicht jedes Semester wiederkehren. So heißt diese Auftakt zwar „Lehraustalt für die Wissenschaft des Judentums", aber neben ihr konnte die ,,Akademie" uird neben ihr die „Jüdische Volkshochschule" und jetzt die „Schule der Jugend" errtstehen, während es nahe gelegen hätte, bei allen diesen Dnrgen an die Lehratrstalk zu denken u;ü> sie in modernem Sinne auszubauerr, das Geld, das jetzt 4 Anstalten benötigen, einer einzigen zuzuwenden. Mau hat eben immer mehr irr ihr die Lehrstätte für liberale Rabbiner gesehen, woran die jährlich stattfirrdenden 6 öffentlichen Vorlesungen nichts ändern. Und dabei ist sie das dock) gar nicht in dem auSgesproche;ven Sinn, den der liberale Hörer wünschen muß, und kann es, wie gesagt, auch gar nicht sein. Ob aber diese neutrale Ausbildung der späteren liberalen Rabbiner nicht manche« dazu beigetragen hat, die ganze liberale Bewegung mehr als gut und mehr als hätte geschehen dürfen, zu neutralisieren? Selbstverständlich wieder rein sachlich gesprochen. Es ist aber rurtürlich nicht gleichgültig, welchen religiösen Geist der werdende Schüler Jahre hindurch in sich aufnimmt, besonders für den nicht gleichgültig, der ohnehin von Natur aus nicht zur Kämpfernatur ausersehen wurde. Ob es nicht daher mit kommt, daß man es seit Jahren immer wieder als selbstverstäMich angesehen hat, daß der liberale Rabbiner, besonders der mittleren und kleinen Gemeinden, Rücksicht zu nehmen und sich zu bemühen hat, die orthodoxe Minderheit - nur an solche Gemeinden ist natürlich gedacht — nicht „vorden Kopf zu stoßen". Um ihretwillen mußte;; daher Sie Kompromisse geschlossen werden. Ja, ist dieser Geist nicht auch in Gemeinden eingedrungen, in denen für die L ★ Versammlungskalender Duisburg. Montag, 6. Januar 1930, abends 20.45 (8.45) Uhr. Europäischer Hof, Marienstratze 7. Vortrag George Eoetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum E. V.: „Bedeutung und Ziele des liberalen Judentums". GelfenlirckM. Dienstag, 7. Januar 1930, abends 20.30 (8.30) Uhr, im Vortragssaal des „Hans Sachs-Haus" (Hotel-Eingang Vattmannstratze). Dortrag George Goeh (Berlin), Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum E. V.: „Liberales Judentum — jüdische Zukunft". Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (Schönhauser Allee 162). Freitag, 3. Jannar, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Prof. Dr. Wolde. Sonnabend, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten (Kaiserstraße 29-30). Freitag, 3. Januar, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Neumark- Duisburg. Verlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Aula Leistikowstratze 7, nahe Reichskanzlerplat;). Freitag, 3. Januar, 7 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Dr. Andorn. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdori (Cecilienschulc, Rikolsburger Play). Freitag, 3. Januar, 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsli. Berlin. Jüdische Resormgemeinde, Johannisstratze 16. Gottesdienste am Sonntag, den 5. Januar. Johannisstraße 16: vormittags 10.30 Uhr- Predigt: Dr. Jelsti. Meiststraße 10: vormittags 10.30 Uhr; Predigt: Dr. Rosenthal. Orthodoxen durch eigene Rabbiner gesorgt ist, aber unter einem Dach mit den Liberalen? Mau hat - reichlich spät — nun eingesehen, daß das nicht zum Vorteil der liberalen Bewegung, nicht zur Akt;- vieruug der echten Liberalen beigetragen hat. Man hat - teilweise - eingesehen, daß man unter einem Dache leben kann und leben können muß, wenn das Wort von der Einheit auch bei den Orthodoxen seinen vollen Sinn behalten soll — auch wenn nerre und weitergeherrde liberale Wünsche, als bisher, geltend gemacht wurden und werden, sich zu Worte melden und auf Sonderwegen nach Verwirklichung streben. Diese Sonderwege — neben den allgemein üblichen — sie wurden hier immer als Ausweg selbst für die kleinste Gemeinde und die Liberalen in ihr hingestellt. Jetzt geht man dazu über, sie zu beschreiten und die abseits stehenden Liberalen um diese neue Fahne zu sammeln. Sv bleibt die Einheit doch - aber auch die Befriedigung aller. So werden erst recht freilich d i e Gemeinden jetzt zu ihrem Recht kommen, in der die Mehrheit liberal, der Rabbiner liberal, aber der Geist ein rechts gefärbter ist — in Rücksicht ans die orthodoxe Minderheit. Hier wird es diese Minderheit sein müssen, die ihre Sonderwege einschlägt, wieder unter einem Dach mit den andern und selbstverständlich von ihnen in jeder Hinsicht unterstützt. Mer der wahre Geist der Gemeinde wird dann hoffentlich endlich und deutlich sein Gesicht enthüllen. Damit aber alles sich so, wie es wünschenswert und allein der inneren Gerechtigkeit entsprechend, sich entwickle, ist ein liberales Rabbinerseminar eine dringende Notwendigkeit. Das wird also die Anstalt sein müssen, in der zunächst einmal ein einheitlich liberaler Geist herrscht, einheitlich Dozenten und Hörer umfaßt. Man wird überall wissen, daß man (.‘»iwuaw STOlkWERCI^ 0i//< g, Wohlschmeckend, I. nahrhaft. diesen Geist erwarte; und in ihm gebildet sein will. Man wird liberale Begeisterung zu zeige;; und zu wecken haben. Mau wird auch außerhalb der Anstalt alle religiösen Erscheinungen der Gegenwart zu beachlen, zu diskutieren und zu ihnen Stellung zu nehmen haben. Man wird neue Möglichkeiten liberalen Lebens in gesonderten Stuiwen ins Auge fassen. Mai; wird es kurz mein mehr dem liberalen Hörer überlassen, selber für seine liberale Vertiefung und Durchdringung zu sorgen. Im Stoff aber wird es wieder der liberale Gedanke sein, der die Auswahl bestimmt, vor allem aber die Tendenz der Besprechung. Unnötig zu sagen, daß die reine Wissenschaft davon unberührt bleiben muß. Wer man wird dock; vor allein daran zu denken haben, daß mcnr. nicht eigentlich eine Lehranstalt für Wissenschaft ist, sondern ein Seminar für zukünftige Rabbiner, Leiter, Lehrer, Führer, Menschen der Tat, ein Seminar von Menschen für Menschen. Unbeschadet — noch einmal - der selbstverständlichen, wissenschaftlichen Grundlegung wird man auf dieses Lebensmomeut, dieses liberale Lebcnsmoment den größten Nachdruck zu legen haben. Abgesehen von der Bibel, dre selbstverständlich ganz zu beherrschen ist - aber freilich noch im liberalen Lichte gesehen - wird es bei allen aiweren Stoffen, die ja ohnhin nur grundleg e;ü> nnd einführend und ausgewählt — ihres Umfanges wegen dargeboten werden können, daraus ankommen, die Text und QueUenvermittlung mit der Aufzeigung des liberalen Entwicklungsgedankens, der Darlegung und Klarlegung des Lebensmomentes gerade in diesen Schriften alter und aller Zeiten zu verbirrden. Dieses Moment muß betont, immer wieder unterstrichen werden, damit so der liberale Gedanke als einheitliche Erscheinung durch alle Jahrhunderte des Judentums dargetan und als im Talmud ebenso vorhanden, wie in der Religionsphilosophie, nachgewiesen wird. Uivd nicht zuletzt in der Geschichte. Hier werden die liberalen Erscheinungen, Ereignisse und Gestalten, natürlich mit besonderem Nachdruck - vom Altertum bis zur Gegenwart --zu behandeln sein. Ter besondere Charakter der Anstatt wird sich natürlich auch bei der Behandlung des F o r m en g e b iet s erweisen. Man wird der Tatsache Rechnung tragen, daß der einstige liberale Rabbiner in der Praxis mit gewissen Fornwlien — Speisegesetzen nnd Quellbad etwa von Amts wegen entweder gar nicht - wie in Großgemeind en — oder doch nur mit einigen wesentlichen Stücken dieses Gebietes — wie in Mittelgemeinden etwa — zu tun hat. Man wird ihn also nicht — von Examens wegen oder von Stoffes wegen — veranlassen, sich eine so übermäßig große Zeit mit diesem Dingen zu befassen wie bisher noch und in die minutiösem Einzelheiten einzudringen. Niemandem soll es von sich aus verwehrt werden, aber bei jeden sollte es — aiufy für Prüfungen — genügen, den Geist dieser Tinge erfaßt zu haben und diesen Geist an den wesentlichen Vorschriften und in den Quellen erkennen zu können. Was aber durch diese Nebenbetonung des Formalen vor allem erreicht werden soll, ist natürlich, die Einstellung der liberalen Laien, die ja größtenteils — oder doch großenteils diesen Dingen ganz ablehnend gegenüberstehen, begreifen und sie doch als volle Juden anerkennen zu können und zu wollen. Mer auch für seinen eigenen Weg soll er in den Stand gesetzt werden, freimütigst entscheiden uno handeln zu können. Kapitole zu, wo jenes Schauspiel uralter Barbarei aufgeführt werden sollte. Oben auf dem Platze des Kapitols, vor dem Palast der Konservatoren, wimmelte es schon bunt durcheinander von Wachen und Garden, bunter Livreen, glänzender Equipagen und einem Zudrange Neugieriger, welche teils das Erscheinen der Konservatoren u;w ihre Abfahrt zum Korso in den reichen, goldenen Staatskarossen anschauen, teils das Erscheinen der Judendeputation abwarten wollten. Durch eine Hintertür gelangte ich in den festlich ausgeschmückten Saal, der gefüllt mit Neugierigen war, Römer und Römerinnen, auch Kinder fehlten nicht. Endlich traten durch eine Seitentür die Konservatoren; ein, vier an der Zahl, hohe stattliche Männer, aus alten römischen Familien, in langen gelb und weißen Mänteln. Sie nahmen Platz auf den großen vergoLeten rotsamtnen Armsesseln, welche aus einer um mehrere Stufen erhöhten Estrade standen: ihnen zur Seite der Fiskal in schwarzer Amtstracht. Jetzt erschienen aus ein gegebenes Zeichen aus einem Seitenzimmer die dort harrenden drei Abgesandten der römischen Inden, ein Rabbiner und zwei Unterbediente, schwarz gekleidet in seidenen Unterkleidern mit seidener;, hinten herabsollenden Mäntelchen, wie die römischen Abbaten. Sie nahmen unter tiefen Verbeugungen ihre Stellung an den Stufen der Estrade ein, der Sprecher (der Rabbi) in der Mitte, ihm zur Seite links derjenige von seinen Begleitern, welcher in der Hand einen großen Blumenstrauß nebst einem in demselben befindlichen Zettel trug. Nach wiederholter tiefer Verneigung nahm der Rabbiner auf den gewähre;ü>en Wink des einen der Konservatoren das Wort. In formulierter Rede, mit den vorgeschriebenen nnd hergebrachten Ausdrücken der tiefsten Unterwürfigkeit, erbat er von der hohen Gnade des römischen Volkes und Senates für sein „armes, allerdemüthigstes Volk der allergetreusten Ebräer der Stadt Rom" die Gewährung fernerer Duldung und ferneren großmütigen Schutzes auch für das nächste Jahr. Zugleich! verband er damit die erneuten Gelübde des untertänigsten Gehorsams gegen alle und jede Verordnungen und Gesetze des Staates, und die ausführlichsten Segenswünsche für das Haupt der römisch-katholischen Christenheit, für die heilige Kirche, für Staat und Stadt, Senat und Volk von Rom, und bat zum Schluß um die Gnade, den Tribut seines Volkes mit jenem Blumenstrauß überreichen zu dürfen. In ähnlich hergebracht-formnlierter Weise lautete nun die Antwort des ältesten der Konservatoren, welcher jetzt das Wort nahm, und den Bittenden unter nochmaliger Aufzählung aller Bedingungen, bei welchem die prompte und willige Zahlung aller Steuern und Tribute nicht vergesse;; war, den Schutz und die Duldung für das folgende Jahr zusagte. Es war mir interessant, den Ausdruck der Handelnden beobachtend zu vergleichen. Der jüdische Rabbi sprach fest, sicher, obschon ohne lebhafte Betonung, wie einer, der gewaltsam eine Bewegung seines Innern niederkämpft. Das Herz bebte ihm in der Brust vor Empörung über die ungeheure Schmach, aber sein Gesicht und der Ton seiner Sprache verrieten dieselbe durch kein Zucken, durch kein Schwanken. Er sprach seine ganze Rede mit geschlossenen Augen, oic er nicht einmal aufichlug, zu Ende. Der Entgegnende sprach, als sei er verlegen, stockte hie und da unsicher und schloß ohne jenes übermütige Andate (Geht!), welches noch vor wenig Jahren, sobald es den Lippen des Konservators entflohen war, von aller; Seiten des Saales aus der Menge widertönte, und die Armen in die Finsternis ihres Ghettos zurückbegleitete. Welch eine tiefe, bodenlose Schmach bedeutet dieser ganze Auftritt! Bei diesem Anblick der albernen, kindischen und mutwilligen Demütigung eines wehrlosen Unterdrückten, bei diesem Schattenspiel uralter Barbarei, das zur Befriedigung der jämmerlichen Eitelkeit des Senatus Populusque Romanus von heute sorgfältig erneuert wird, erneuert inmitten der Hauptstadt des weltbeherrschend-en Christentums, unter den Augen und mit Genehmiguna der Kirche Christi und ihres sichtbaren Oberhauptes habe;ch ein brennendes Gefühl der Scham empfunden, mich in den Reihen derer zu sehen, die als Christen und just weil sie Christen sind, die Religion dessen entehren, der seinen Bekennern das Gesetz gibt: Liebet selbst Eure Feinde! Ueberall tu allen zivilisierten Ländern des christlichen Europas sind wenigstens diese äußersten Spitzen der alten Marterwerkzeuge, welche das Christentum nun bald anderthalbtausend Jahre lang gegen seine Mutter, das Judentum, m christlich liebevolle Anwendung gebracht hat, abgebrochen worden. Aber Rom genießt allein das Vorrecht, dieselben in der noch irgend möglichen Schärfe zu erhalten. Wie die Vorfahren dieses Senatus Populusque Romanus von heute nie die Großmut gekannt haben, wie sie ihre tapferen, kriegerischen Gegner überwunden und gefangen, sich! zur Augenlust mit wilden Tieren kämpfen, oder die Schwerter im grimmen Brudermorde einen auf das Herz des andern zücken, Sohn gegen Vater, Vater gegen Sohn, Bruder gegen Bruder kämpfen ließen, wie sie die gefangenen Könige und Feldherren im Purpnrgewande erst durch die Triumphstraße schleppten, ehe sie die tausendfach geistig Gemordeten in den Gewölben des Kerkers erwürgten, so haben auch diese ihre letzten Nachkommen an den unglücklichen Juden wenigstens ein Schattenbild solcher Hochgenüsse sich vorbehaltm. Freilich gibt es jetzt keine deutschen Kaiser mehr, denen man den Fuß auf den Nacken setzen, keine Ketzer mehr, die man in majorem Dei gloriam auf dem Scheiterhaufen als Feuerwerk verbrauchen kann; und so muß auch hierfür Ersatz gewähren. Ist es dock; schon Humanität genug, daß man seine abgesendeten Geistlichen, nachdem man sie gezwungen hat, den Segen ihres Gottes auf die heilige Kirche Christi und deren sichtbares Haupt herabzuflehen, nicht mehr mit einem Fußtritt entläßt! Ja noch mehr, ist man jetzt nicht christlich genug, iiify bloß damit zu begnügen, daß man die Juden die Preise des Pferderennens, mit .welchem je der Karnevalstag geschlossen wird, bezahlen läßt und swh begnügt, ihnen dadurch die Erinnerung immer ftisch zu erhalten, statt der jetzt zu Tode gehetzten barberi, die Juden selbst aus ihrer Mitte die wettrennenden Menschen stellen mußten? -- Nun aber, Ihr Juden selbst, ihr Rotschilde, ihr geadelten, baronisierten, mit christlichen Ritterorden geschmückten Bankiers und Millionäre, warum duldet Ihr diese Berhöhnungsschmach, diese jährlich! erneute Beschimpfung Eurer Glaubensgenossen? Warum knüpft Ihr nicht an das nächste Anleihe-Almosen, womit Ihr dem christliche;; Rom unter die Arme greift, als conditio sine qua non die Aushebung dieser Entwürdigung Eures Stammes und Geschlechts, auf welches Ihr doch, und mit Recht, als auf das älteste AdMgeschlecht der Menschheit so stolz seid? Ihr könnt die Makkabäer Eures Volkes sein, ohne ein Schwert zu ziehen, bloß durch die Skala Eurer Prozente. Ich habe das Meinige getan, tut Ihr das Euriae.

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