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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-25 · 52 (25.12.1929) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
52 (25.12.1929)
Date
1929-12-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9. Jahrgang Nummer 52 Beilage 25. Dezember 1929 KWchKeraleZM Zu Samuel Fischers 70. Geburtstag am 24. Dezember Was iväre ein modernes Reich ohne ein Finanz und Wirtschastsministerium? - Ein lebensunfähiges Gebilde! Was wäre ein Reich des Geistes ohne einen in a t e v i e 11 e u, intelligenten und rührigen Sachwalter?!... Für den größten und wichtigsten Teil der ganzen mo dcrnen deutschen und europäischen Literatur ist der Verleger Samuel Fischer, der in den 8!) er Jahren de? vorigen Jahrhunderts nach Berlin kam, der kluge, uneigennützige unermüdliche und fleißige Organisator gewesen. Er hat sich damit in der deutschen Geistes., Literatur- und Kulturgeschichte für immer einen dauernden Ehrenplatz gesichert. Seine Stellung in der Geschichte des deutschen Buchhandels und de» Verlagswesens ist viel umfassender und überragender, als etwa die von Brvckhaus uns Eotta, der einst die Klassiker druckte. Das Lebenswerk Samuel Fischers ist für oas deutsche Geistesleben der letzten Jahrzehnte so wichtig und'bedeutungsvoll, daß es erst kommende Geschlechter in seinem ganzen Umfange werden würdigen und werten können. Ein'Urteil von Tausenden. Und dabei eins, vor vielen Jahren, nicht eins nd hoe, nicht zu irgendeinem Zweck, Fest, Jubiläum oder dergleichen geschriebenes: Hermann Hesse/einer der echtesten, deutschesten, bleibendsten Dichter unserer Zeit, schrieb einmal in einem Privatbrief an einen Freund: „Samuel Fischer hat' meinen Erstling, mein spärliches Lauscherbüchlein, ge lesen. Er lud mich in herzlichster Weise ein. Er ermunterte mich. Es war die erste literarische Anerkennung uns Er munterung in meinem Leben. Ich hatte damals den Peter Eamenzind begonnen, und Fischers Einladung spornte mich sehr an. Ich schrieb ihn fertig, er wurde sofort angenommen. Ich war arriviert." In ähnlicher Weise wie vier Hermann Hesse schrieben viele der bedeutendst eu Männer ganz Europas über S Fi schar. Und zwar, wie gesagt, in gelegenttichen, spontanen Aufzeich - nnngen oder Briefen, die deshalb überzeugender und wert voller sind, als Beiträge für Festnummern, Perlagskataloge odcr Jubiläen. S. Fischer hat außer Shaw. Meredith, Wilde, Dostoiewski, DM'.nunzio, Ibsen, Björnson. Strind berg. st nur .Hamsun, Arne Garbocg, Bang, Geisersto.m, Ran sen. Wied und viele andere große nordische Sichler in Deutschland zuerst besannt gemacht und propagiert. Von berühmten deutschen Dichtern der Gegenwart ist er Verleger n. a. von Hauptmann, Fontane, Flaischtcn, Hartleöeu, Friedrich .Huch, stcyserlina, St ehr, Strauß usw. .Seine vor länger als viertz Jahrzehnten begründete Zeilschrist „Tic Nene Rund scharr" ist die belangvollste Revue der modernen deutschen Literatur geworden! Aber das Wichtigste und Bemerkenswerteste ist: S. Fischer ist nichts weniger als bloßer Geschäftsmann! Er war und cr ist seinen sämtlichen Verlagsautoren und unzähligen deutschen Schriftstellern ein jederzeit hilfsbereiter, uneigennütziger, gsvstzügiger Freund. Tiefe Behauptung läßt sich aus vielen, vielen Briefen und Tagebüchern deutscher Dichter beweisen. Noch keiner der S. Fischerschen Autoren - es sind viele hunderte - - hat jemals Gelegenheit gehabt, sich über irgend eine Gleichgültigicit oder Engherzigkeit seines verlegerischen Sachwalters zu beklagen! Man lese nur einmal zum Vergleich hierzu die wutentbrannten Briese, die Schopenhauer und Nietzsche seinerzeit über ihre Verleger schrieben! Proscssor Bartels, der bekannte Antisemit, hat vor einer Reihe von Jahren eine Attacke gegen die ganze moderne „vorjudete" Literatur geritten, und dabei den'S. Fiscber- Brrlag, den „Juden und Judengenossenverlag" genannt. TKse Arbeit Bartels sollte einmal niedriger gehängt und allgemein verbreitet werden, um die Engstirnigkeit und Verbohrtheit des Antisemitismus ganz allgemein anizuzeigen! E f v a! r. daß im modernen Geistesleben die jüdische Jntcliigenz nne hervorragende Roll« spielt. Im Empzangsraum der stc'nchcr'schen Verlages hängen die Bilder der ivich-- n ui Ve w'antoreu. Ich ftihre sie des Interesses und der st'.mr .a toter an, ldie jüdischen gesperrt gedruckt): .st' e r r, ' d w i g, Show. Alten berg, Dehmel. Per er N a n i e n, Strauß. Höllischer, Bjövnsou. Stessen, .I a c - 1 i i , <> ib«, g, Kaiser, Ellen Kay. Reisiger, Wassern! a u n, st'uch, Madelung, Gabriele Reuter. B e er - H o s - m a u, (Ü e o r g H i r s ch s e l d, Schtculher, Hartleben, Bahr, S-- j; l er, Lörke, Moritz H eimann, Walter Rat:) c n a u, O 11 o Br a b m, Keyserling, Stehr, Thomas Mann, Beradt, Herta König, Oskar Bie, Meier-Gräse, Siever:, Trebüsch, Sch nl om Asch, Forbes-Mosse. Bab, Egidh, Krövelin. Also tatsächlich von 42 Autoren: — 17 Juden! Aber ist das Schuld des Verlages? Ist das — nur aus Nichrruden bestehende - Nobelpreis-Komitee in Stockholm „vcrjudet", rceil es bisher von. im ganzen 5 6 Nobelpreisträgern J1 jüdische Gelehrte gewählt und preisgekrönt hat? Te>' Verlag S. Fischer hat seine Pforten bisher allen fruchlbaren Geistern, die Wesentliches zu sagen hatten, ganz gleich, welcher Herkunft und welcher Religion, geöftu't! Wir u-üusch-en ihm und seinem Leiter, dem jetzt 70jährigen Gebürtslagslind, noch ein langes gedeihliches Wirken zum Wöhle deutscher und europäischer Kultur!... Ludwig Gaßmann-Berlin. Aktion der deutschen Anden für Erziehung und Arbeit Von Hugo Ost berg. Die Fürsorgeerziehung gefährdeter jüdischer Jugendlicher selbst in die Hand zu nehmen. und aus eine Höhe zu führen, die der erfolgreichen Tätigkeit der anderen Konfessionen auf diesem Gebiete nicht nachsteht, ist ein Ziel, das die lebhafte Unterstützung unserer Glaubensgenossen verdient. Hier liegt einmal ein unpolitisches Arbeitsgebiet vor, ein Werk, das von der gesamten deutschen Jndenheit gelöst werden muß, das uns vom Reich und den Ländern übertragen worden ist. Von hervorragenden Persönlichkeiten des liberalen Judentums ist immer wieder betont worden, daß für die Zusammenfassung jüdischer Fürsorgezöglinge Gründe maßgebend sind, die nicht äußer Acht gelassen werden dürfen. Das religiöse Moment muß bei der Erziehung dieser gefährdeten Menschen eine besondere Rolle spielendas religiöse Erlebnis soll die Gefährdeten wieder ausvichlcu und ihnen die straft geben, die dunklen Triebe, die in jedem Menschen schlummern, zurückzudämmeu, um dem Edlen, dem Gesunden zum Durch bruch zu verhelfen. Sind wir uns des Ernstes, der dringenden Notwendigkeit dieser Aufgabe bewußt, daun müssen wir uns auch mit eiserner Energie der Pflicht unterziehen, sie so zu erfüllen, daß die jüdische Fürsorgeerziehung den höchsten An sorderuugen, die man an die Fürsorgeerziehung überhaupt stellt. Genüge leistet. Fehler der Vergaugenheii müssen wie der gut gemacht werden. Wir müssen uns den Erkenntnissen neuzeitlicher Erziehung-Kehren aupasscu. Im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden hat man bereits vor Jahren zum ersten Mal auf die Mißstäude in der jüdischen Fürsorgeerziehung aufmerksam gemacht. Tie Folge war der Beschluß, das bestehende Heim für männliche Fürsorgezöglinge in Repzin aufzulösen und an seiner Stelle in Wolzig ein neues zu errichieu. Hier wird von bewährten Erziehern mich modernen Methooen versucht, dev uns überwiesenen gefährdeten Jugendlichen Kraft und Selbst vertrauen zurückzugeben, sie durch Selbsterziehung und Arbeitsschulung dahin zu bringen, ihre Fehler zu erkennen, zu überwinden und die Kraft zu geiviuneu, in Zukunft ein arbeitsames Leben zu führen. Ter A u s b a u die s e s E r z i e h u u g s iv e r t e s , dem sich später die Schaffung eines neuen Heimes für weibliche Zöglinge auschließeu muß, erfordert die Bereitstellung großer Mittel. Ihre Werbung dient der „Aktion der deut s ch c u Jude u für Erzie h u n g u n d A r b c i t". Darüber hinaus wirbt sie gleichzeitig für die W ander arbeite ft arte. Mit diesem Thema hat sich unsere Zei tuug bereits vefaßt. Wir alle kennen den Typ des bemitlei denswerten, heimatlosen, wandernden, jüdischen Schnorrers, wir wissen, daß mit planlosem Hergeven von Gelb, mit dem Verschicken von 'Gemeinde zu Gemeinde ihm nicht zu Helsen ist. Tie ungeheure Wirtschaftskrise, in der wir uns befinden, ireibr die Arbeitslosen trotz der Fürsorgcmaßnahmen immer wieder ans die Landstraße und der Boykott indischer Auge stellt er macht die Arbeitslosigkeit des jüdischen Arbeitnehmers besonders drückend und schwierig. .Hier soll die Wander arbeitsstätte eiusetzen, deren Errichtung ebenfalls eine zwingende Notwendigkeit ist. Ter der Arbeit Entwöhnte soll der Arbeit zu rückgewonnen werden. Mancher muß für einen anderen Berns umgeschult werden. Vor allem aber soll die Freude am geordneten Leben und Schassen in dem bisher unstet Wauderudeu erwecke werden. T a s i st d e r A u s g a b e n! r eis d c r „A k t i o n d e r d e n i s ch e n. Juden f ü r E r z i e h u n g u n d A r b e i t". Tie Sam m e I t ä t i g feit s o l l in der s p a r s a m st e n W r i s e d u r -ch g e s ü l> r t rv e r d e u. Das wird g e l i n g e n .. wenn das d e u t s >ch e I n deut u m s i ch der Bede u 1 u ng uud T r i u g l i ch k e i t di e s e r A n g e l e g c u - heit bewußt w ir d, wenn es eine Aktion stützt, d i e d e u wirklichen tiefen T i n n j ü d i s ch c r W o h l - f ah r t s p s l eg e verkörpert, nämlich Al in o s e u zu ersetzen bur ch E r z i e h u n g zu r A r b e i t, zur e l b st a ch tun g u n d Tel b st Hilfe. Umschau Die Organisation der italienischen Iudenhrit. Die.zu Beginn dieses Jahres vom Justizminister Roeeo eingesetzte Staatskommission zur Ausarbeitung eines Gesetzes über die Orgauisaiion der jüdischen Gemeinden in Italien hat soeben ihre Arbeiten beendet und ihren Bericht dein Minister vorgelegt. Ter Minister wird das von der .Kommission vorgeschlagene Statut dem Regierungschef Müsse-!ini zur Sanktion unterbreiten. Tie Kommission setzt sich aus Senator Berns als Vorsitzenden, Eommandatore RcniuKdi und Eommandatore Eousiglio als Vertretern des Justiz- und des Innenministers, dem Oberrabbiner von Rom Professor Tr. Sacerdoti und dem Präsidenten des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens Eommandatore Angelo Sereni als Bertreter der jüdischen Gemeinden und dem Professor für Canonisches Recht an der Universität Mailand Mario Falev zusammen. mont z. B. wird gegenüber der jüdischen Gemeinde ein 1857 erlassenes Gesetz in Anwendung gebracht, die jüdischen Gemeinden in Padua und Venedig werden nach Gesetzen verwaltet, die noch vor Errichtung des Königreichs Italien in. Anwendung waren. Das gleiche ist der Fall mit Bezug auf die Gemeinden in Florenz, Leghorn und Triests Tie zwei bedeutendsten jüdischen Gemeinden Italiens, die in Rom und Mailand sind, sind auf der Grundlage freiwilliger Vereinigungen organisiert. Das neue Gesetz aber verleiht den jüdischen Gemeinden Anerkennung als autoritative Körperschaften mit dem Recht juristischer Personen, sie dürfen Eigentum besitzen und über dieses Eigentum verfügen. Geleitet werden die Gemeinden durch Kommunalausschüfse in der Zusammensetzung von drei bis 15 Personen gemäß der Zahl der Bevölkerung der betreffenden Gemeinde. Die Ausschüsse werden für je 'vier Jahre von allen steueczahlendeu Mitgliedern gewählt. Innerhalb der Kommission wurde die Frage sehr viel erörtert, ob die Mitgliedschaft bei einer jüdischen Gemeinde eine freiwillige oder zwangsweise sein soll. Man einigte sich schließlich dahin, daß jeder Jude zwangsweise der jüdischen Gemeinde feines Wohnortes angehören und die Gemeindesteuer zahlen muß, sofern er nicht öffentlich eine Erklärung abgibt, daß er sich nicht länger als zur jüdischen Glaubensgemeinschaft gehörig betrachtet. Laut dem neuen Statut ist es Aufgabe der jüdischen Gemeinde, für die Erfüllung der jüdischen Bedürfnisse zu sorgen, die jüdische charitative Tätigkeit zu regeln, die jüdischen Ehe-Riten gemäß dem im Mai d. I. erlassenen Gesetz zu versehen, die den jüdischen religiösen Bedürfnissen dienenden Institutionen zu kontrollieren, u. a. m. Die einzelnen Gemeinden werden zu einem Verbände jüdischer Gemeinden zusammengeschlossen; Sitz des Hauptbüros des Gemeindeverbandes ist Rom. Dieses Hauptbüro wird von einem Ausschuß geleitet, der von den zu einem Kongreß versammelten Präsidenten aller Gemeinden Italiens gewählt wird. "Die Wahl des Präsidenten des Gemeindeverbandes unterliegt der Sanktion seitens der Regierung. Ter Rechnungsabschluß des Verbandes muß der Regierung zur Genehmigung unterbreitet werden.-Die Regierung behält sich auch die tteberprüfung gewisser anderer Funktionen und Unternehmungen des Gemeindeverbandes vor. Tie Kommission hat der Regierung in den neuen Gesetz entwarf nicht eingeschlossene Anregungen und Vorschläge unterbreitet, die die Fragen des Militärdienstes der Rabbiner, Befreiung der Juden von Teilnahme an Staatssnnktionen an Sabbat- und anderen jüdischen Feiertagen betreten. Jta. neue jüdische Ehornmsik von Erich Walter Sternberg Als ich vor ungefähr drei Jahren unter her nmiu-v lichcu Leitung des Heimgegangenen Siegfried Ochs den „König Tavid" von Honegger hörte, erlebte ich die Ncugeburt der jüdischen Musik. Tenn in diesen, Werke ist nicht nur die Grundsteinlegung von monumentaler Bedeutung, sondern in seiner ganzen melodischen Struktur, deren Ursprung in der ältesten Vergangenheit wurzelt, in seinem Ausbau der so ganz ungewöhnlich neu ist, bekundet der Komponist eine völlig neue jüdische Tonsprache. Aehnlich war der Eindruck, als ich neulich v\- Vuiiit.iu' „Gelobt:" aus einem Jehuda Halevi Zyklus von E W. Stern-- berg hörte. Tiefes Werk für fechsstimmigeu a-iapclla Ühor. Sologesang und Sprecher ist iu der jüdische» Ehoriiteratur eine einzigartige Erscheinung. Sternberg gibt dem Tert durch seine Melodik eine Ausdeutung von stärkster Prägnanz. Seine Harmonik strömt kristallklar ans der Melodie, und seine kühne kontrapunktische Führung ist trotz ihrer Selbständigkeit or ganisch wunderbar in aas Ganze eingeordnet, dazu kommt eine musterhafte Teklaination. Was aber dieses Werk de sonders anszei.chnet, ist das Pathos, der starke prophetische Ton, die Besessenheit für seine Mission, wodurch Sternberg seiner Musik den Stempel einer persönlichen Note anforückt. Tas ist neue überzeugende jüdische Musik! Tie Ausführung unter Leitung von Ätichael Taube mit Leo Riasancew als Solosäuger, Paul Lange als Sprecher und eifern gemischten Ehor verdient hohes Lob. Leo Kopf. j »| Sprechsaal j ALr dirft Siubrtk Übernimmt die Schnftteitung Lediglich bfe -««4? aeicfclisite Verantwortung. Lhamikahgebräuche Berlin, den 18. Tezbr. An die Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zeitung" H i e r SW. Als langjähriger Leser Ihres gesch. Blatrcs glaube ich im Sinne vieler Leser desselben zu sprechen, wenn ich hier mit folgende Anregung gebe: Jedes Jahr, wenn sich das Ehauulah-Fest naht, dräng! sich mir der Gedanke auf, wäre es nicht viel feierlicher, so gleich am ersten Tage des Festes alle 8 Lichte zu entzünden und den Ehanukah-Leuchter in feiner ganzen Pracht erstrahlen zu lassen, statt das Fest mit dem Anznirdeu eines einzigen Lichtes, das auf dem Leuchter einen winzigen Eindruck macht, zu beginnen. Wir sprechen von dem Lichterglailz, der dieses Fest erhellt, rnüssen aber acht Tage, wenn die Festesstim mnng schon sehr nachgelassen hat. warten, bis uns der Ehannkah Leuchter iu feinem vollen Glanz eutgegenstrahlt! Ties sollte gerade am ersten Tage ver Fall sein, lvo die Kinder die Geschenke erhalten, ans die sie sich schon lange Zeit vorher gefreut haben und der Jubel am größten ist. Genau wie das Pcßach-Fest seine Weihe durch die Seder-Abende an den ersten beiden Tagen erhält, sollte auch bei Ehcmukah der Schwerpulict aus die ersten beiden Tage gelegt werden. Auch bei großen festlichen Veranstaltungen von Wohttäligkeits vereineil macht es einen dürftigen Eindruck, iveuu die zu beschenkenden Kinder voller Freude versammelt sind und sie beim Betrachten des großen Ehanukah Leuchters nur ein einziges Licht daraus brennen sehen. Meines Erachtens würden zwei Tage zur Feier dieses Festes genügen, zumal kein religiöses Gebot hierdurch verletzt wird. Für ciucn großen Teil der Geschäftsleute, die erst abends spät von ihrer Tätigkeit nach Hause komnreu, ist es auch schwer durchführbar, die Lichte während acht Tagen im Beisein der Kinder anzuzünden, da diese dann häufig schon zu Bett gegangen sind. Fort also mit der langen, rricht mehr zeitgemäßen 8 Tage-Feier und dafür 2 Tage Ehanukah-Fest, von dem es danil heißen soll wie voll Purim: „Lajhudim hojßo aurotz wßimcboh wßoßon wijkor". Ich bin überzeugt, daß eine solche Festesseier im Sinne vieler Väter sein wird und daß dadurch der immer mehr zunehmenden Weihnachtsfeier unter unseren Glaubensgenossen ein Tamm entgegengesetzt wird, so daß sich viele von ihnen für das Ehanukah-Fest oder auf deutsch gesagt „Weihesesl" begeistern werden. Iw hoffe bei Ihnen, sehr geehrte Nedaktiou, für meine Anregung volles Verständnis zu finden und würde ruich freuen, wenn Säe diese Zeilen in Ihrem, gesch. Blatte veröffentlichen würden. .Hochachtungsvoll A. E. Aus den Gemeinden Breslau. (5p a u s w i r t s ch a f t s l u r s an, Beate G ult m a n n -- H e i in.) Um einem seit Jahren dringend gewordenen Be dürfnis abzuhelfen, hält cs die Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes für eine ihrer wichligsten Aufgaben, den erwerbstätigen jüdischen Frauen in dieser wirtschaftlich schweren Zeit, in der alle Berufe überfüllt find, durch diese neue Einrichtung neue Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Es soll allen jüdischen jungen Mädchen, besonders auch derr Volksschülerinnen, Gelegenheit gegeben werden, einen Beruf zu ergreifen, der ihnen bis jetzt — wenigstens hier im Osten — kaum zugänglich war. Der Berns der jüdischen Hausgehilfin gehört zu den wenigen, die noch nicht überfüllt sind, in vielen Arbeitsver-- mittlungsstellen wird sogar über einen Mangel an jüdischen .Hausgehilfinnen geklagt. Neben .streng sachlicher Ausbildung nach staatlichen Vorschrisien soll den Mädchen ein Heim geboten werden, das alle!- ~ s pädagogischen und hygienischen Forderungen entspricht i den Schülerinnen Verständnis und Liebe für das jü> V

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