Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 52 (25.12.1929)
- Date
- 1929-12-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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turrg entzünden das Licht des Judentums wahrlich nicht. Und so bleibt uns noch die dritte Gruppe; jenes Geschlecht, das wir so stolz Makkabäer nennen, jene „Härnrnerer", die den Felsblock des Judentums neu behauen haben, jenes Häuflein Aufrechter, die für ihre Ueberzeugun gekämpften, um in ihr und für sie zu le den. Sie, die sich nicht einem haltlosen Abwarten, noch einem feigen Uebertritt Hingaben „madlikiu ner schel charrukah" kämpften, bis sie das Licht im Heiligtum entzünden konnten! Ja, ihr Kamps war selbst schon ein neues Licht in der jüdischen Geschichte, das feine Strahlen bis in unser Zeitalter entsandte. Die Makkabäer begnügen sich nicht damit, die Freiheit ihrer Ueberzeugung zu erzwingen, die Schän düng ihrer Heiligtümer zurückzuweisen, nein, sie wollten auch die Ursachen selbst beseitigen, die das Judentum zum Verfall gebracht hatten, um es für immer neu aufzurichten. Von ihnen 'singt der Psalmist: „Gottes Ruhm ist in ihrem Munde und ein zweischneidig Schwert in ihrer Hand." Sie entzünden mit der Flamme der Wahrheit, des Rechts und der Treue das Licht, von dem wir an unserem Festlage jubeln: „Gelobt seist Du, Ewiger unser Gott, der uns geheiligt durch seine Gebote und uns befiehlt, das Weihelrcht zu entzünden." Wir dürfen mit Stolz sagen, das; es solche Fackelträger der Ueberzeugung von jeher im Judeuturn gegeben, das; auch in der Epoche der Aufklärung Seelenadel, Wahrheitsstreben neben Niedrigkeit und Würdelosigkeit Platz hatte. Die Gegenwart aber ist eine Zeit ungeheurer Spannung, eine große Zeit, die groß denkende Menschen braucht! Noch ringen in ihr die Kräfte des Rechts und der Freiheit gegen die der Gewalt und der Knechtung, wie Vieles ist da, was den Tempel der Religion entweiht und die Lichtfackel der .Heiligkeit verlöschen macht! Wie in der Zeit der Makkabäer liegt das Wohl und Wehe des religiösen I u d e n t u m s in den H ä n d e n d r e i e r Arte n strebenden Menschentums. Die Einen, welche für ihre überlieferte Ueberzeugung sterben würden, aber nicht fortentwickeln und neu erwecken können, befangen in der Erstarrung des einmal Gesetzten, die An deren, die in falscher Uederschätzung der Außenwelt dmr Judentum sich entfremden und durch lauliche Stellungslosigkeit das Ganze verraten, die Dritten, denen zuzugehören das Makkabäerfest auffordern will; sie kämpfen für das neue Licht, das entzündet werden soll, sie, die unsere v e r w a i st e n Gotteshäuser wieder füllen wollen mit neuer Weihe! Wahrhaftes liberales I u d e n t u m will entflammen e i n L i ch t strahlenden Glanzes o n der Menorah jüdischen Lebens. „H a u s I a a cob, auf, laßt uns wandeln im Lichte des Ewigen!" Zum Lhanukahfest Von Rabbiner Dr. F u ch s - Ehemnitz. Das religiöse Motto für Ehanukah ist der Bibelvers in der Haftara des Festsabbats, Sech. 4, 0: „Nicht durch Heere und nicht durch Gewalt, sondern durch Meinen Geist, — so spricht der Herr der Scharen." Gottes Geist — das Wort hat drei Bedeutungen: der Geist, der selbst Gott ist, der Menschengeist von Gott und der Menschengeist zu Gott. In allen drei Bedeutungen paßt das Prophetenwort auf das Fest, auf das es ursprüng lich ja nicht gemünzt ist; mib an den drei Bedeutungen läßt sich die Bedeutung des Festes erkennen! 1. Wenn geniale Menschen Außergewöhnliches verrichten, so sagen wir: Gottes Geist liegt auf ihnen. Genius heißt ja: Geist, und genial: geistgetrieben. Wenn also Ideen auftauchen, die sich nicht erarbeiten lassen, wie der Quell aus verborgenen Tiefen, so glauben wir, Gott inspiriert den Menschen (Spiritus heißt ja ebenfalls Geist!). Er wirkt in ihm. Er spricht aus ihm, der Mensch ist nur Sein Werkzeug. Sei es nun ein Künstler wie Bczal'el (Ex. 27, 18) oder ein Krieger wie Otniel (Ri. 8, 10), der Volks führer Josua (Nrun. 27, 18) oder der Träume deutende Joses (Geir. 41, 38) oder David, der König (1. Sam. io, 13 f.) und religiöse Dichter (2. Sam. 23, 2). Nur ein besonderer Fall solcher allgemeinen Offenbarung ist es, wenn Propheten unerhört kühne religiöse Lehren oder Vorschrifteu künden. Sie sind so stark vom Gejst erfüllt, daß (ihre Genialität, ihre Hmausgehobenheit über das Gewöhnliche ansteckt, — wie es Saul geschah (1. Sam. 10, 6) und Elisa (2. Kön. 2, 15). Auch Mose übertrug seinen Prophetismus auf die 70 Aeltesten (Num. 11, 7), und am Ende der Tage teilt sich solche Geist-Erfülltheit einer ganzen Epoche mit (Jes. 32, 15. Joel 3, 1). Es ist bezeichnend, daß die Inspiration in nachbiblischer Zeit nur ganz wenigen noch zugeschrioben wird, etwa Rabbon Gamliel (Jer. Aboda sara 1, 40 d) oder Akiba (Lev. Rabba 21, 7): Das Judentum hält sich selbst nicht für so genial wie die alt-israelitische Zeit! Von solcher Geist-Ergriffenheit müssen wir uns auch Mattatias und seine Scharen Vörstetten, die in der Reli gionsverfolgurig des AntiochuS Epiphaues das Banner der Revolution plötzlich entfalteten. Der Eifer für Gott, der sie packte, war nichts Erdachtes, feit langem sorgsam Vorbereitetes, man kann fast sagen: nichts Gewolltes: Er kam über sie, sie wurden von ihm überwältigt, wie vom Sturm getrieben. Die Idee der Religion selbst brach in ihnen hervor, >vie die Lava eines Vulkans, die die Erdrinde über ihm sprengt, diese Religion, die tausendfach geschändet und von hellenistischen Elementen überstülpt war bis zum Ersticken, sie brach sich gewaltsam einen Ausweg zum Lebeu, sie explodierte mit einer Wucht, die um so stärker war, je schwerer sie vorher, betastet war. Der Geist, die Idee war es, die diesen Greis zu Taten. trieb, die er sich sicher STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNG BERLIN W 66 « MAUERSTR. 79 FERNRUFi ZENTRUM 5023 u. 5024 BLUMENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK INNENDEKORATIONEN IH KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRURS nie und niemand ihm in normalen Zeiten zugetraut hätte: sie war es, die wie Feuer zündete in allen Seelen, die überhaupt entzündbar waren, und die wie fressendes Feuer alles vernichtete, Ivas ihr im Wege stand. Es war die geniale Stunde eines ganzen Volkes, „durch Meinen Geist"! Nur durch solche Getriebenheit vom Geist ist ja auch ein Krieg und gar ein Religionskrieg zu rechtfertigen. 2. Solche Kraft aber hat nicht alles, was im Menschen Herzen pulst! Wohl packt die Inspiration unter Umständen auch Künstler, Gelehrte, Techniker; ja selbst geniale Kaufleute, Ehrgeizige, Machtgierige gibt eS ja. Ein ganzes Volk aber ergreift sic nur, wenn seine heiligsten Güter in Gefahr sind. Und das ist es, was dem Makkabäerkamps sein einzigartiges Gepräge gibt. Es existiert vielleicht in der ganzen Weltgeschichte nur noch einmal ähnliches, in den deutschen Freiheitskriegen, daß ein ganzes Volk aufsteht, um sein innerstes Wesen zu erhalten, um seinen Gott zu retten. Seine» Gott - das ist aber etwas ganz anderes, als man gewöhnlich denkt. Jedes Volk hat seinen Gott, seiner! speziellen Geist, eine Natur, die sich aus geographischer Lage, Klima, Bodenbildung, politischer Umgebung usw. ergibt, samt allen ihren natürlichen Folgen. Da aber jedes Volk daran zwangsläufig gebunden ist, so hat jeder der artige Volksgott nur relative Bedeutung, und wenn ein Volk ein anderes und der Siegergeist gleichzeitig den Geist des Besiegten einschluckt, so findet darin niemand ein Unrecht: Das Zergehen zeigt eben, daß das Zergehende keinen absoluten Wert hatte! - Anders in Israel! Seine Pro pheten waren Gegner alles Relativen, nur von Natur Er zwungenem, Einzelvolk-artigem. Sie wußten sich als Künder eines Universalen, einer allgemein-gültigen Wahrheit, eines Ueber-Naturhafien. Die Weisheit Israels, von der Sirach spricht, ist die Weisheit an sich; und die Thora der jüdischen Schristgelehrten in der Makkabäcrzeit war der Plan Neues über und von Zakob Wassermann Von den außerordentlichen geistigen Potenzen, die das deutsche Judentum unserer Zeit hervorgebracht hat, ist der Dichter Jakob Wassermann eine der wichtigsten und überragendsten. Seine Persönlichkeit, sein Wesen, sein Werk sind so bedeutend, daß man zu ihrer Beurteilung schon die größten Maßstäbe anlegen muß. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß nur ganz wenige der heute in Deutschland Schreibenden sich mit ihm messen können. Mit unendlichem Fleiß, mit einem heiligen, geradezu Ehrfurcht erweckendem Eifer hat er in wenigen Jahrzehnten ein Werk geschaffen, das den Vergleich mit der Lebensarbeit eines Dostojewski, eines Balzac zum mindesten aushält. Ein großes, jüdisch-ethisches Pathos durchzieht alle seine Dichtungen, eine schmerzvolle, glühende, nie zur Ruhe kommende Sehnsucht nach einem besseren Sein, nach einer geistigeren Menschheit, nach einem neuen, höheren sittlicheren Leben, die ihn immer wieder die Schäden unserer Zeit aufweisen und die viele seiner Schriften in erschütternde Klagen ausklingen läßt. Die Quelle seiner Fabulierkunst, seiner Erfindungs- und Gestaltungskraft sprudelt schier unerschöpflich! Fast jedes Jahr läßt er ein umfangreiches Werk erscheinen, niemals wiederholt er sich, keins seiner Bücher ist belanglos. Viele wichtige geistige und soziologische Probleme unserer Zeit haben in Wassermann einen klugen und auf höchster Warte stehenden Deuter gefunden. Zwei von der Mit-Generation schwer zu beantwortende Kardinalfragen sind bei der Betrachtung der Lebensarbeit eines großen Dichters zu stellen. Was hat sie dazu beigetragen, um die seelische Kultur seiner Zeit zu heben, was von ihr wird bleiben, wird noch für kommende Geschlechter wesentlich sein? Beide Fragerr müssen bei Wassermann sicherlich in positivem Sinne beantwortet werden. Aber es scheint mir, als habe der Dichter lediglich in verschiedenen seiner Novellen und in seinen Essays Höchstes und Bleibendes gegeben. In vielen seiner großen Romane findet man mitunter — neben Großartigem — etwas Konstruiertes, etwas treibhaushaft Ueberhitztes, es stören zuweilen — von bewundernswerter Erzählkunst geschickt verdeckt — psychologische Fragwürdigkeiten, seine wohl aus großer Enttäuschung und Gram entstandene Art, Menschen zu karikieren und statt erkennbare Gestalten aus Fleisch und Blut spukhafte Schemen zu schaffen, fällt manchmal schmerzhaft auf die Nerven. Was tut's? Es ist soviel Schönes und Tiefes in seinem Werk, das; man wegen des endgültigen Urteils der Kultur- und Literaturgeschichte über Wassermann nicht besorgt zu sein braucht. Vorläufig zählt Wassermann schon zu den Dichtern, um deren Interpretierung und Wertung sich bereits bei seinen Lebzeiten etliche Autoren in wichtigen Büchern strebend bemühen. 1923 erschien (im deutsch-österreichischen Verlageine liebevolle Studie von Jnlie Speyer „Jakob Wassermann und sein Werk". Sie gibt wertvolles biographisches Material und untersucht mit kluger Vertrautheit in erster Linie die Stilgesetze und Leitmotive seiner Kunst. In diesem Jahr erschien (bei S. Fischer, Berlin) die große Wassermann- Monographie von Siegmund Bing, eine gründliche und ausführliche literargeschichtlich-wertvolle Arbeit, die mit allem ästhetischen Rüstzeug versehen, für das Verständnis des Dichters mit Glück und Erfolg wirbt, und bei der leider nur das rein Biographische der letzten Jahre fehlt. Eine Art Hymnus aus den Dichter ist das schon im Herbst 1928 abgeschlossene, aber jetzt erst (bei Grethlein & Co., i Leipzig) veröffentlichte Buch von Walter Goldstein „Wassermann, sein Kampf um Wahrheit". - Es hat viele Vorzüge. In fesselnder Weise setzt es die Werke des Dichters zu den brennendsten Zeitproblemen in Beziehung. Es ist stark und überzeugend im Darstellerischen, geht aber in manchen wich tigen Fragen einer eigentlichen Kritik aus dem Wege. Manche bisher erst wenig beachteten Zusammenhänge werden ausgezcigt, und es erfüllt in erheblichem Maße die oft erhobene Forderung, daß die Behandlung künstlerischer Themen selbst Knust sein soll. Alles in allem ein wichtiger und rvertvoller Beitrag zur Wassermann-Literatur. Wenig Neues bringen die erwähnten Monographien über Wassermanns Stellung zunr Judentum. Mancherlei Aufschlußreiches gibt des Dichters umfangreicher und großer Essayband „Lebensdienst" (ebenfalls bei Grethlein & Co., Leipzig, erschienen). Es siud „Studien, Erfahrungen und Reden aus drei Jahrzehnten". Diese mit außerordentlicher Präzision des Ausdrucks geschriebenen Ausführungen stellen zweifellos eins der bleibendsten und wertvollsten kulturkritischen Bücher des heutigen Deutschlands dar. Des Dichters Gerechtigkeits- und Billigkeilsgefühl ist meist so groß, daß er sich bei der Behandlung einzelner Themen zur dialogischen Fasder Weltschöpsuug! Die Thora war ihnen nicht „jüdische Kultur", sondern Menschentum, das sich nur innerhalb der jüdischen Welt offenbart hatte! Das jüdische Volk war «tttt Gelegenheits-Ursache für die Offenbarung eines Natur überwindenden Geistes, gleichsam das Wasser, das fortgeschlagen werden muß, damit das Boot der Menschheit vorwärts rudern könne, das Uebel, dessen Ueberwindung das Gute schafft. In diesem Glauben lebten die Chassidim jener Tage. Nicht für volksregoistische Dinge ließen sie sich hinschlachten und erhoben sie sich. Das wäre nicht heroisch gewesen und hätte nicht Erfolg haben müssen; und hätte es Erfolg gehabt, -- man hätte es vergessen dürfen, wie die Eroberung Jerusalems durch David vergessen worden ist. Hier aber war ein Volk zuin ersten Male für den einzigen wahrhaften Gott cingetreten durch Martyrium und Kampf, - das gibt dem Ehanukahfest seine Bedeutung für die Jahrtausende! ES ist die Freude darüber, daß der „Geist zu Gott" gesiegt hat, der Glaube nicht an das Eigene, sondern an das Ewige, das wahrhaft Heilige. Das allein ist Glaube, der siegt und siegen muß. Er durchbricht die Phalanx der blesantentürme und fegt das Heidentum aus dem Tempel. Die Welt verlöre ihren Sinn, wenns anders gekommen wäre. Daß es gekommen ist, wie es kommen mußte, darob sind wir fröhlich! 3. Das aber führt sofort zum letzten und tiefsten. Denn nicht bloß der subjektive Glaube hat in der Makkabäerzeit gestegt. ES ist doch eine objektive historische Tatsache, daß. wenn damals Zeus im Tempel von Jerusalem geblieben wäre, wie es der Hellenismus wollte, der gesamte Monotheismus für die Weltgeschichte verloren gewesen wäre, verloren wie der Monotheismus der Auaxagoras, des Echnaton und Zoro aster. Ohne den Lieg der Makkabäer hätte die Weltgeschichre ein anderes Gesicht! In ihm hat nicht nur das jüdische Volk sich seine Selbständigkeit ans ein Jahrhundert wieder errungen, für das Jahrhundert, das gerade noch notwendig war, um das Judentum innerlich so zu festigen, daß es nachher ohne politische Einheit sich erhalten konnte. Nein, mehr! Dieses Jahrhundert hat dem Judentum die volle Manneskraft gegeben, daß es später die Religion des Christen tums und Islams zeugen konnte und damit die morrothei stische^Kullur, die die Welt bezwingen sollte und weiter bezwingen wird, wie wir hoffen. Hat'sie auch z. T. andere Wege eingeschlagen, als uns lieb ist, sie bleibt doch Geist vom Geist des Judentums! Die Geschichte hat also irr jenen Tagen einen entscheidenden Schritt vorwärts getan! Der Geist der Menschheit und des Menschentums hat die Tribüne bestiegen, auf der er seinen Thron aufrichten wollte! Damit aber öffnet sich ein Blick in die innerlichste Be deutung dieser Zeit! Wir glauben ja, und das ist der Sinn aller Religion , daß, was geschieht, nicht nur von Naturgesetzen geschoben rvird, sondern gewollt ist von einer Macht, die im Geheimen Sinn gibt dem toten zwangsmäßigen .Kausalzusammenhang. Wie der Geist das macht, verstehen wir ebensowenig bei Gott wie bei dem Menschen. Nur soviel wissen >vir: das ist das eigentliche Wunder. Wo aber die Bibel davon spricht, gebraucht sic den Ausdruck Gottes Geist! Das bedeutet dann soviel wie das Wirken Gottes, oder noch besser ausgedrückt: der wirkende Gott selbst (z. B. Gen. 1, 2. Jes. 34, 16. Ps. 139, 7). - Und so ist der letzte Sinn des Secharja-Wortes „durch Meinen Geist" auf Ehanukah bezogen: Durch Gottes Absicht und Wirken. Oder anders ausgedrückt: Das Chanukah-Wunder besteht zu eigentlichst darin: Der Geist der Welt und Menschheit hat selbst jene Siege erwirkt, um sich durchzusetzen, nm der Menschheitsentwicklung willen, um die Geschichte vorwärtSzutrciben, - ihrem letzten Ziele entgegen, wo dann freilich in ganz neuem Sinne das Motto der Menschen sein wird: Nicht durch .Heere und nicht durch Gewalt, sondern allein durch de» Geist! Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands sung drängen läßt. Mit wundervoller Ruhe, Würde und vor nehmer Beherrschtheit versucht er hier, Zeiterscheinungen und Fragen, die in gewissem Sinne auch Ewigkeitsfragen sind, zu beantworten. Alles Persönliche tritt bei diesen Abhandlungen in den Hintergrund, überall ist es ihm um die Darlegung des Grundsätzlichen und Essentiellen zu tun. Mannigfache Probleme der Soziologie werden untersucht, über die rätselhaften Formen des imaginäre» Lebens in der Kunst wird Tiefes und Weises gesagt. Eingehend äußert er sich, wie erwähnt, zur Juderifrage, und hier interessiert besonders die Wandlung, die der Dichter seit Abfassung seines autobiographischen Werks „Mein Weg als Deutscher und Jude" (1921) durchgemacht hat. In dieser glühenden und echten Offenbarung bekenrtt sich Wassermann leidenschaftlich zum Judentum und mit ergreifender, damals in ganz Deutsch laud Resonanz findender Klage wendet er sich gegen die Niedrigkeit und Verbohrtheit des Antisemitismus: „Bei der Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der Bemühung wird die Bitterkeit in der Brust zum tödliche» Krampf. ES rst vergeblich, das Volk der Dichter und Denker im Namen seiner Dichter und Deriker zu beschwören. Jedes Vorurteil, das mau abgetan glaubt, bringt, wie Aas die Würmer, tausend neue zutage. Es ist vergeblich, die rechte Warrge hinzuhalten, wenn die linke geschlagen worden ist. Es macht sie nicht im mindesten bedenklich, es rührt sie nicht, es entwaffnet sie nicht: sie schlagen auch die rechte. Es ist vergeblich, in das tobsüchtige Schreier, Worte der Vernunft zu werfen. Sie sagen: Was, er wagt es, aufzumucken? Stopft ihm das Maul. Es ist vergeblich, beispielschaffend zu wirken. Sie sagen: wir wissen nichts, wir haben nichts gesehen, wir haben nichts gehört. Es ist vergeblich, die Verworrenheit zu meiden. Sie sagen: der Feigling, er verkriecht sich, sein schlechtes Gewissen treibt ihn dazu. Es ist vergeblich, unter sie zu gehen und ihnen die Hand zu bieten. Sie sagen: was nimmt er sich heraus mit seiner jüdischen Aufdringlichkeit? Es ist vergeblich, ihnen Treue zu halten, sei es als Mitkämpfer, sei es als Mitbürger. Sie sagen: er ist der'Protheus, er kann eben alles. Es ist vergeblich, ihnen zu helfen, Sklavenketten von den Gliedern zu streifen. Sie sagen: er wird seinen Prosit schon dabei gemacht haben. Es ist vergeblich, das Gift zu entgiften. Sie brauen frisches. Es ist vergeblich, für sie zu leben und für sie zu sterben. Sie