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Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-12-18 · 51 (18.12.1929) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
51 (18.12.1929)
Date
1929-12-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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chcn werden sollen, sondern als kurze fteie Gesteie der amticrenden Rabbiner. Eine wichtige Borlage war auch die Genehmigung der Tagung des sogenannten Jugendpflegeausschusses. Hier hat der Gemeinoevorftand trotz schwerer Bedenken der liberalen Fraktion bekanntlich das Jugendamt in zwei Teile auseinandergerisscn, i'.tdem die Jugendpflege und Jugendbewegung zwei besonderen Ausschüssen zugeteilt wurde. Hier standen die Satzungen des Jugendpflegeausschnsses auf der Tagesordnung. Die Sprecher der Liberalen, Herr Dr. Fleischer und Frau Falkenbera, betonten, daß sie, nur um die Vorlage endlich zu verabschieden, ihre Zustimmung geben würden, daß sie aber nach wie vor dafür sind, die ganz unnatürliche Trennung von Jugendpflege und Jugendbewegung auszuheben. Eine interessante Neuerscheinung der Berliner Sana gogenverwaltung ist die Schaffung von sogenannten Dauermielplätzen in den Gemeindesynagogen. Diese Dauermietplätze sollen an die Stelle der sogenannten Eigentumsplätze treten, welche sich nicht bewährt haben. Gegen Zahlung des Fünfzehnfachen eines einjährigen Mietpreises erwirbt der Platzinhaber das Mietrecht aus 25 Jahre. Endlich wurde eine Reihe von Personalsragen erledigt; insbesondere wurden die ausscheidenden bisherigen Gemeinde' Vorsteher, Kammergerichtsrat Wolfs, Professor Seligmann. Rechtsanwalt Kolleuscher, Kommerzienrat Simon und James Goldschmidt für die bekanntlich noch ein Jahr weiterlausende Legislaturperiode wiedergewählt. Endlich wurde Landgerichts trat Lilicnthat an Stelle des verstorbenen Professor Türk in den Rat des Landesverbandes der jüdischen Gemeindegewählt. Todesurteile im Heiligen Land! Der „Kreis jung-jüdischer Pazifist.-»" bin-n uu; um Beriissentlichung nachstehender Anssnhrungen: Ta; Nachspiel hal begonnen, die Gerichte gehen an die Arbeil. Strascn werden verhängt, Kollekiivbestrainngen,. d:e an regelrechte Äriegsmethode» erinnern nnd scheinbar noch zumeiieriien Bestand der Zivilisation gehören, die uran in kotov.iale oder halötoloniate- Länoer zu tragen bernsen ist. Und Tovesurieilc iverven gefällt, werden jezü von den Berufungsgerichten „bestätigt". Man tennt diese Attionen der Justiz. Tic. j>iuu aufgeh>ch:en Böfcivichte werde» natürlich schonungslos dem >tr:n der Gereihtigkeii ansgeliesert, — >v:e überall, die tatsächliche» Ursachen, nnd Urlieber dürscn straflos hinter irgend einem historischen Vorhang verschwinden. Man kennt diesen Gang der Gerechtigkeit.... ff cm Aeco »TrMliefert. — Bekanntlich' ist Äe Regier'wrg auch : gegen den Iafsaer aürbifchen Komm uni stenftchrer Hamdi el Husseiiti in ähnlicher Meise vorgegmrgen, in^em sie ibw nach Nazareth verbannte. Tn Boykott kauert in Pakastina Hort. I e r u s a l ff m, 12. ezembe r. (I. T. A,) Die arabische Boykott-P'wpaganda dauert fort. Araber,, die in jüdischen Geschäften emfaufeit; erhalten Drohbriefe, die mit „Schwarzer Hand^ unterschrieben sind und in denen ihnen schärfste Repressionen für dm Fall des Weiterkausens bei Juden angedroht werden. Die jüdischen Kaufleute in Jerusalem klagen über verschärften Boykott-Terror, der es be^ wirkt, daß nunmehr auch arabische Käufer, die bis setzt durch j die Boykott-Propaganda sich nicht beeinflussen ließen, aus- ’i bleiben. Ter Iafsaer Magistrat, der bekanntlich beschlossen hat, die Rnthenbergschen Elektrizitätswerke zuboykottieren, hat. nunmehr auch beschlossen, die Stadt durch. Luxlampen beleuchten zu lassen, obwohl sestgystetlt wurde, daß diese Art Beleuchtung viel teurer als die. Beleuchtung durch Elektrizität zu Lehen kommt. T Fortdauernde arabische Angriffe. I e r u s a l e m, 1L- T e z e in üe r. (I. T. A.) Kol misten aus der wahren) der Unruhen Mlig niedergebrannten Ko lonic Gebud Haawodah wurden, während sie, aus ihren Feldern arbeiteten, aus dem Hinterhut angegriffen. Es wurden Schüsse auf sie abgegeben, die aber ihr Ziel verfehlten. Tic Angreifer, sind unerkannt entkommen. In der Jerusa'iemer Altstadt i.r der Nähe von Torath Ehajim wurden zwei Juden von Arabern g-»schlagen i'tnd mit Steinen beworfen. In der Nähe der Hebräischen Universität wurden von Arabern Schüsse abgefeuert, die nirgends Schaden, an richteten. Irr Haifa wurde ein Araber bei dem Versuch, fünf silberne Uhren zu verr-rusen, die «ls ein mährend der Unruhen geplündertes Gat erkannt wurden, verhaftet. Im Torfe Bithania wurden zwei Araber, in deren Häusern Gegenständ?,, gefunden murden, die in der jüdischen Koibnie Beer Tobi-rlr während d-rr Unruhen beraubt nauaden, verhaftet. Sprechsaal tjSftr btei« %ubrii ttbemimmt die Schriftlettung febiglUI) bk tfirranzasiKtmiii. Es lief ein kalter Wasserstrahlherunter! Was tut die jüdische Oefsentlichteii? Ja, t> iutö dach bloß ein paar unbedeutende arabische Proleten, Plebejer, gewiß: es ist nun auch ein Jude darunter. Aber die jüdische Presse begnügt sich damit, bi« Meldungen über gefällte Todesurteile zu registrieren, wie man •etwa einen Börsenkurs oder eine Vereinsveranstaltung registriert, unfc' die jüdischen Organisationen, denen das Prinzip der Menschlichteu. und Gerechtigkeit sonst ein Gegenstand wesentlicher Betonung ist. hüllen sich in Schweigen, — jetzt, wo sie geaade am lautesten, am eindringlichsten reden sollten! Rücksichtnahme wieder einmal? Wahrscheinlich. Bus britischen Imperialismus? Ach, so: man soll sich in die „inneren" Verhältnisse eines andern Landes nicht „einmischen"! Diese Redensart blüht heutzutage rigoros, — nnd dazu hat man sich eimn 'Völkerbund geichafftn. posaunt Paneurova au; und predigt die Einheit des Menschenge' schlechts. Andere mögen meinen: Seht, das de und wehmütige i').'1.; der ^uicn! Jüdische „Würde" sollte nicht imnui-r in Menichenverbrüderuug chtvelgen! Es gilt, endlich einmal Ruche dieser jüdisch meuschl-chen liegung des ..Mitgefühls" gegenüber zu bewahren. Und schließlich: na.n brauch, da-; doch nicht in die Well zu rrnen, wenn mou — elbstverständ'.ich — gegen die Todesurteile und dr.- Lodesjtr-e,e an ich ist! Keine jüdische Stimme regt sich! Ter K r e i s j n u g! üdis ch c r Pazifisten hat ats einzige ^emeinschast geschlossen innerhalb >er jüdischen Oefsentlichkeit gegen die ungeheuerlichen Methoden der Aerichtsarbeit in Palästina pro:estierr. Leider ist es bis petzt nicht gelungen, wenigsten; die jüdisch Jugend zu einer gemeinsamen Jront gegen die Urteile zusammenzubringen. Tie jüdische Jugend muß diesen Schritt aber tun! Es gilt, in alter Tentlichkrit und Un eingeschränktheit für wahrhafte Gercchtigteit im Heiligen Lande enizutreten! Der Sinn des Judentum; verlangt das Betenntuis: Manu Schluß mit einer Justiz der Rache und Vergeltung! Arabische Siedlungen werden zu Kottettivstrast-n gezwungen, rin halbe-s Dutzend Araber muß wochenlang in der Angst zwischen Leben und-Tod schweben. — Inden und Araber werden auch fernerhin in Palästina Zusammenleben, werden sogar pen Friedensweg zueinander finden müssen! Friedenswege führen nicht über drakonische Maßnahmen. Wenn das Judentum mehr ist als ein Kompositum ans synagogalen und stammesmäßigen Erscheinungen, dann muß es gerade in der gegenwärtigen Situation ohne Zögern ein Wogt der Menschlichkeit sprechen! I. Raphael. Nachrichten aus Palästina Weitere arabisch« Anschläge. Jerusalem, 9. Dezember. - (I. T. A.) Aus die Nachtwächter der jüdischen Kolonie Balsouria im Tale Jezreel wurden tn der Nacht von unerkannt gebliebenett Tätern Schüsse abgegeben, die aber keinen trafen. In Jaffa wurde'ein yemeuitischer Jude irr später Abendstunde von einem unbekannten Täter durch Messerstiche schwer rwAetzt. Ein komonmiftisches Mitglied der Assefach Heniocharim vrrhaftrt. Jerusalem. 9. Dezember. (I. T. A.i Jsaac Ehofschi, das einzige kommunistische Mitglied der jüdischen Nationalversammlung Palästinas (Assefath Haniwcharim). der ln TA Aviv lebt, erhielt den Befehl, sich für die Dauer -Ines Jahres unter polizeilicher Aufsicht in Tiberias aufzuhalten und ferner 60 Pfund als Bürgschaft für gutes Betragen zu erlegen. Als Elwfschi sich weigerte, diesem Befehl Folge zu leisten, wurde er verhaftet und in das Gefängnis _ Aus Oer letzten Sitzung o-.<r Berliner Repräsentaaien Versammlung vom 12s Dezember, über deren Verlaus! an anderer Stelle dieses Blattes berichtet wird, ist noch folgende T cct s ach e nachzutragen:. Als die Sitzung stattfand.. herrschte schlechtes Wttter, nnd es regne:;c sehr. Ein TriÄnenbesucher, öer etwaK verspätet kam. mußte durch den Regen lauft«. Als er auf der Tribüne war, wollte er von den Reden, auch etwas Horen und beugte sich über die Barriere, da man ja bekanntlicherweise sonst nichts vsrstehen k,mn. Nun hatte sich aber in der Krempe seines Hutes eine-Menge Regenwasser angesammelt, und dieses lief jetzt in einem langen Strahl hinunter, und dem liberalen Repräsentanten, Herrn Rosenthal,, direkt aus den Kops'! Als Herr Rosenthal die kalte Dusche bekam, da war er furchtbar erschrocken und begab sich schnell in Sicherheit. Es ist ja sehr schade, daß es gerade Herrn Rosenthal traf, aber in gewissem Stirne trifft auch auf ihn das Sprichwort zu: „Wer nicht hören will, muß fühlen" . Tenn seit Jahren, wird an dieser Stelle auf die völlige Um zulänglichkeit des Reprasentantensitzungssaales hingewiesen (zuletzt in Nr. •€ vom Ä). Novembrr: „Und es fiel ifyiten eine Aktentasche auf den Kops.und es wäre stljon längst Gelegenheit zum Umbau gewesen, und da keine Garderobenhakru vorhanden sind, konnte der betreffende Tribüneubesucher seinen Lassen Hui auch nicht aufhängen.. Als Herr 9iose»rthal sich von dem ersten Schreck erholt hatte, sagte er: „Was ist denn das?", und da es verboten ist, von der Tribüue etwa brrunterzAruseu, so sei ihm an dieser Stelle die AnUvvrt erteilt, und sie tiantet: „'S ci u i e ii b (i dj den R e p r ä s e n t a n t e n s i t - znngssa. al n m! Heinz L e v y. » :: - ► Aus den Gemeinden * Berlin, (ft o tt 3 er t b-c t „I ü d i s ch e n Orcheftervercinigiu<l".) Am Montag, den 16. Dezember, veranstaltete die „Jüdi s-che Örchesterverei'ligung" unter Leitung ihre; verdienstvollen Dirigenten Lev Kops einen ftonzertaöeno. Die „Jüdische Orcheftervereini gung"' hat es sich zur Ausgabe gemacht, jüdische Musik aus alter und neuester Zeit zu studieren und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. 'Das Konzert begann mit d-er H-Moll-Symphonie von Schubert; dann folgte eine Uraufführung für Bariton und Orchester von James Simon „An die Parzen", durch den Bariton Iso Golland zu besonderer Geltung gebracht. Eine klangschöne Ouvertüre von Goldmark „Jrn Frühling" schloß den l. Teil. Der 2. Teil bot hebräische Gesänge. — Es wurden hier Werke von Linhardt, Birnbaum, L- Lewandowski, Schestopol, Arno Nadel, Leo Kopf und Israel Alter zu Gehör gebracht, die zum Teil von Leo Kopf inr Orgel gesetzt und von ihm mit einem gemischten Chor unter Mitwirkung de; vortresflichcn Organistnr Arthur Zepke aufgcführt wurden, lvobei die Baßsoli von Elischa Czerner besonders erwähnenswert waren. Als Solist für diese l^ebräischen Gesänge^ war Oberkantor Alter (Hannover) gewonnen worden, der mit seiner phänomenalen Leistung wahre Beifallssalven auslöste, wie überhaupt das Publikum sich über de» Verlauf des Abends höchst befriedigt zeigte. Frankfurt a. M. (S i tz u n g d e r G e m c i n d e v k r t r c tu n g.) Eine Trauerkundgebung für Franz Rosenzn>eig eröffnete die Sitzung der Gemeindevertretung am Mittwoch, dem 11. Dezember. Der Borsitzeude, sperr Dr. Merzbach, würdizre den Verstorbenen als einen Großen der Gemeinde, einen Mann von tvahrhaft prophetischem Schicksal. Als Zeichen des Daukes, den die Gemeinde ihm und mit ihr die -ganze Judenheit schulde, habe sie ihm das erste Grab auf dein neuen Ehrenfriedhof der Gemeinde bereitgestellt. Der Vorsitzende gedachte alsdann des gleichfalls in diesen Tagen verstorbenen langjährigen Mitgliedes des Vorstandes, Stadtrats Anton Horkheimer, der auch im Schulrat des Philanthropins lange Jahre gewirkt hat. Nachdem der Vorsitzende ferner noch die Mitglieder der Gemeinde, Herrn Fromm, Führer der konservativen Fraktion der Gemeindevertretung, und Herrn Hcß, ein 'ätiges Mitglied der liberalen Fraktion, zum 60. Geburtstag beglückwünschte, trat die Gemeinde^ verrwtung in die Tagesordnung ein, die schnell zu Ende ging. Es wurden Angelegercheiten des Krankellhau-je; erledigt, insbesondere die Krankenßausordttung an sie Rechts-Kommisfrou verwiesen, ein Vertrag. betrcfsenS^ die Weitervervachtung vom Friedhossgelände genehmigt und Zuschriften einiger Eltern von Phils,uhropin-Schülern der für 'Lhilanthropin Angstegenhetten gemischten Kommission überwiesen. In mchtöfsentlickrr Sitzung tvrrrden alsdann rsch persönliche Angelegen^- hr'cken erledigst. Gmündea.. (D e w Intel w c t h c.) Be, der Einweihung einer lvedmktafel für die Gefallenen hielt Rabbiner Dr. Jakobs Bad Kreuznacheine ivirtangsvolle Airfvrache, die zur Einigkeit der Konfeisioneir ermahnte. In ähnlichem Liume hatten vorüer auch der evangelische und katholische Geistliche zu den Zuhörern gesprochen. Die jüdische Gemeirrde hat fünf Söhne auf dem Felde der Ehre verloren. Ihnen galt der Besuch des jüdischen Friedhofs, wo der erste Vorsitzende des Kriciy-rverci,^ zum (Äedächtnis der Gefallenen ein Gebet sprach. GttßkN. (T 0 de s f ccl l.) Em-er der angesehensten Bürger unserer Stadt, der zugleich» als bester und würdigster Verrreter des Judentums angesehen werden tonnte, Herr Karl Frensdorf, ist gestorben. Al; Vorsitzender des Berkehrsvereins und Bezirksvorsitzcndsr seines Bernssverbandes stand er im. Dienst der Allgemeinheit. Auch den jüsischcn Interessen widmete -.r stets Verständnis und eifrige Förderung. Göttingen. (Aus der Gemeinde.) Bei den Wahlen der Repräsentanten wurde G. Stern wiedergewählt: neugcwählt wurden. H. Gräfenbrrg, G^ Neuhaus und Dr. Pohly. Die Gemeinde plant dem Bau einur neuen Friedhr!.sshalle- Hannvver. (G e m e i n d e >v a h l e n.) Bei de» kürzlich siatlgesundeue» Gemeindewahleu wurden die turnusgemäß ausscheidenden .Herren Rechtsanwalt Dr. Max Schl er?»er und' Jsaac Thalh-eimer s>:r die Jahre 1930 bis 1932 als Vorstandsmitglieder und die Her-e-i Julius Wechsler, Tr. Gustav Gumpel und Rechtsauwalt Georg Golo stein zu Repräsentanten: für d,-.- Jahre 1930 bis 1933 wieder«ewäch:. Hannover:. (7 0.. G e o u r l S t ag.) Am 26.. Dezember vollenset Freu Martha Fischer ibr 70. Lebensjahr. Bereits vor Jahren ha: öer Israelitische Frauenverein chc für jo viel selbstlose .Hilfsberriftchasl im Dienste jüdischer Wahltälicsteit dadurch gedankt, daß er dem' neu errichteten Kindergarten ihren Namen gab: Martha Fischer-Kinder-- garten. Zu ihrem Ehrentage vereinigten sich 32 jüdische Organisationen und Vereinigungen in: nmem. Ausruf zu einer -Martha Fischer Ehrensperdc ans.. Kassel. (Neuer Vorsteher.) Für den im Aeliestr» Kolleginm. der Gemeinde frei gewordenen Platz eines Gemcindeältesien ist Bankier Rudolf BaUin von den mit der Wahl beaustragten Instanzen in Vorschlag gebracht und dem Vorsteheramt und der Regierung zur Bestätigung-, empfohlen worden. Bad KWngrn. (Bad K i s s i n g e n 0 h n c Nationalsoz i o.t^i. st e n. j Die Tel. Um. hatte die Miltejirmg gebracht, daß w den -stadtrat von Bad Kissingen zlvei Nationalsozialisten geivählt worden seien. Wie uns von befreundeter Seite mitgeteilt tvird, stimmt dies nicht. Die Nationalsozialisten haben erfreulicherweise in Bad Kissingen keinen- Erfolg zu verzeichnen. Der neue Sladtral setzt sich vielmehr lünslighin folgendermaßen zusammen: Bayerische Volkspanei 8 Litze, Wirtschaftsgruppe 4, Bürgerblock 3, Demokraten 2, Kriegs beschädigte 2 und Sozialdemokraten l Sitz. Tamil ist das Weltbad Bad Kissingen von nationalsozialistischer Beherrschung im Dtadtrate frei und die Gewähr gegeben, daß die zahlreichen Gäste des Bades unbehelligt ihren Kuranfenthalt nehmen tonnen. Kövßgshrvg.^ (Persönliche s.) Ter Rechtsanwalt am Oberlandesgericht Justizrat Marlin Meyerowitz wurde als Rechtsanwalt beim Reichsgericht in Leipzig zugelassen. Damit ist seit langer Zeit wieder ein Jude zum Rechtsanwalt am RLichsgericht ernannt. Für das Reichsgericht sind nur eine beschränkte Anzahl von Anwälten zugelassen, die aus den besähigstcn Anwälten des Reiches, so weit sie sich um die Zulassung bewerben, besonders ausgesucht werden. Diese Zulasfü-ng bedeutet also eine ganz besondere juristische Auszeichnung. Justizrat Meyerowitz ist Mitglied der juristischen Prüsungskommicksron für die ersir juristische Staatsprüfung und, Wilgl-ed der Antvaltskammer. Königsbergs (Boykott gegen jüdische Geschäft e.) Das seit turzem in Königsberg erscheinende nationalsozialistische Blatt, „Ostdeutscher Beobachter", das von dem Gauleiter der Nationalsozialistischen T-eurscherr Arbeiterpartei Erich Koch (früher Elberfeld) herausgegeben wird, brachte kürzlich einen Artikel mit der Üeberschrist „Kauft,licht in jüdischen Geschäften!"-. Auf Veranlassung des Centralvcreiils hat eine Reihe jüdischer Firmeninhaber gegen den „Ostdeutschen Beobachter", dessen verantwortlichen Redakteur und Verleger eine einstiveilige Verfügung herausgebracht, derzuf.olge es der Zeitung und ihren Funktionären verboten wird, die jüdisch» Geschäftsinhcrber durch den Vorwurf des Betruges und in anderer Weise verächtlich zu machen. In der Begründung wird ausdrücklich gesagt, daß sich die nationalsozialistischen Zeitungsleute nicht etwa damit heraus reden können, sie hätten nur eine ganz unbestimmte nnd nicht erkennbare Menge von Juden gemeint, sonderri mit Rücksicht darauf, daß das Blatt in Königsberg erscheine und für den Königsberger beztv. ostpreußischen Leserkw.is bestimmt sei, könnte auch nur gemeint sein, daß das Publikum nicht in Königsbergpr bezw. «stpreußischn jüdischen Geschäften, also ein deutlich erkennbarer Kreis, kaufen solle. Die Boykottaufforderung wird auch vom Landgericht als unsittlich bezeichnet. Diese Entscheiduirg des Königsberger Landgerichts ist besonders erfreulich. Gegen sie hat der „Ostdeutsche Beobachter" Widerspruch erhoben, der demnächst zur Verhandlung gelangt. In diesem Widerspruch »vird erklärt, daß der „Ostdeuttschc Beobachter" mit der Veröffentlichung lediglich den Zweck verfolge, durch Warnung und- Belehrung des „deutschen" Publikums dieses vor Ausbeutung zu schützen. Die Antragsteller seien garnicht die unmittelbar Geschädigten, sondern die eigentliche Triebfeder dieser ganzen Aktion sei der Centralverein, der die jüdischen Firmeninhaber pro forma vor-- geschoben habe, um in ijgenteiner Form preußische Gerichte zum Schlage gegen die nationalsozialistische Weltanschauung zu verwenden. Ter Entscheidung des Künigsberger Landgerichts über den Widerspruch wird allseitig mit Interesse entgegengesehen, da die einstweilige Verfügung prinzipielle Bedeutung weit über den örtlichen Kreis heraus hat. Leipzig. (7 0. Geburtstag des Philanthropen Ei-- t i n g 0 n.) Am Dienstag, den 17. Dezember, beging Herr Chaim Eitingon, der Senior der weit über Leipzig hmaus bekannten Eitingon A.-Ä. seinen 70. Geburtstag. Bor 40 Jahren kam Chaim Eitingon aus Moskau nach Leipzig. Seine damals gegründete Rauchwaren- Firma besitzt heute mit ihren zahlreichen internationalen Niederlassungen Weltgeltung. Chaim Eitingon hat aus eigenen Mitteln in Leipzig die größte und schönste Synagoge erbaut; mit einem Mkllionenaufwand stiftete er das Israelitische Krankenhaus, das als das modernste und besteingerichtete der Leipziger Krankenhäuser gilt. Auch gründete er eine Gemeinnützige Mittelstandsbank, die kleineren Leuten und Handwerkern Kredite gewährt. Der Leipziger Stadtrat hat in Anerkennung des gemeinnützigen Wirkens Eitingons die dem Krankenhaus anliegende Straße „Eitingon-Straße" genannt. Eitingon ist Repräsentant der Jüdischen Volkspartei der Leidiger Jüdischen Gemeinde. Gemeinsam mit seinem Schwager Paeusohn gründete er in Palästina die große Oelfabrik „Schemen", die mehreren hundert jüdischen Arbeitern Beschäftigung gibt. Rhina. (Hohes Alte r.) Am 28. Dezember vollendet Frau Jettchen Bacharach von hier ihr 95. Lebensjahr. Trier. (Siegmund Loeb 7 0 Jahre alt.) Wie wir, leider erst nachträglich, erfahren, vollendete am 2. ds. Mts. Siegmund Loeb sein siebzigstes Lebensjahr. Der Jubilar, der während eines Zeitraums von 25 Jahren Stadtrat in Trier war, gehört zu den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt. Auch in der jüdischen Gemeinde betätigt er sich seit Jahreu an führender Stelle; er gehört der liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden an und veranlaßte vor einigen Jahren auch die organisatorische Zu-- sammenfassung der liberalen Juden in Trier. Dem verdienten Manne sprechen wir an di-Rw Stelle trtfe'c wärmsten Glückwünsche aus.

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