Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 9 (1929)
- Issue
- 51 (18.12.1929)
- Date
- 1929-12-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Zahrgimg Hummer S1 Beilage 18. Dezember 1929!•/ I 1 |J r f Wilhelm Äeemann 60 Jahre all Am 17. Dezember vollendete Direktor Tr. Wilhelm Kleemann, Mitglied des Hanptvorstandes und Schatzmeister unserer Vereinigung, sein 60. Lebensjahr. Kleemann kam nicht von ungefähr zur jüdischen Arbeit. Er, der Sohn eines jüdischen Lehrers, hängt mit inniger Liebe am Judentum und spricht mit Stolz davon, daß jüdisches Wissen von früh an seine Schritte geleitet hat. Es ist hier nicht der Platz, von seiner bedeutenden Wirksamkeit im deutschen Wirtschaftsleben zu sprechen, aber wir dürfen doch mit Freude feststellen, daß er zu der glücklicherweise jetzt immer stärker wachsenden Gruppe jüdischer Wirtschaftsführer gehört, die sich nicht nur dem Namen nach oder durch gewisse Gefühle pietätvoller Anhänglichkeit mit dem Judentum verbunden fühlen, sondern die auch ihr jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein in jüdische Tat umgesctzt haben. Wilhelm Kleemann bekennt sich aus tiefster Ueberzeu gung zum liberalen Judentum; die Fortentwicklung des religiösen Lebens auf allen Gebieten jüdischer Wirksamkeit unterstützt er mit Rat und Tat, wobei er in unserem Kreise wohl in religiöser Beziehung zu den.en gehört, die den Fortschritt und die Entwicklung von der Tradition herleiten und sich von ihr nicht ganz trennen wollen. Politisch ist Kleemann, gestützt auf seine Ueberzeugung von der geistigen Bedeutung des Judentums, ein ausgesprochener Gegner der nationaljüdischen Bewegung. Tennoch hat Kleemann zum mindesten in zwei Fällen mit allen Richtungen im Judentum Hand in Hand fruchtbare Arbeit geleistet, nämlich im Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin uird in der Deutschen „Ort" Gesellschaft, nicht zu sprechen von den vielen sozialen Vereinigungen, denen er fördernd und leitend altgehört. So überzeugt er von seiner Weltanschauung ist. glaube ich ihn jedoch richtig zu kennzeichnen, wenn auch bei ihm das Wort gilt, daß das Judentum über der Partei steht. In uliserein Kreise arbeitet der vielbeschäftigte Manu auch iu unserem engsten Ausschuß regelmäßig mit, und wir sind ihm dankbar für viele Anregungen, die er uns gegeben hat. Von dem, was er überall hin mit warmem Herzen und offener Hand gespendet hat, zu reden, widerstrebt mir: »denn ich weiß, er gehört zu denjenigen wahrhaft sozial denkenden Menschen, die die soziale Tat nicht als ein Almosen, sondern als schönstes Recht und höchste Pflicht des Juden altsehen. Tic Vollendung des 60. Lebensjahres wird für Dr. Kleemann nur ein äußerer Einschnitt sein. Wir lvissen, es wird sich weder in seiner allgemeinen Arbeit noch in feiner jüdischen Tätigkeit etwas ändern. Das einzige, worum wir zu bitten haben, ist, daß ihm die Kraft gegeben werde, die Last, die auf seine 'Schultern gelegt ist, mit der fügend lichen Frische und verständnisvollen Güte weiter zu tragen, die ihn auszeichnet. Als ich ihn in der erstell Sitzullg des Arbeitsausschusses der Bereinigung für das liberale Judentum mit einigen von .Herzen kommenden freundlichen Worten begrüßte, unterbrach er, der jedem Lobe abhold ist, mich mit den Worten: „Wieder vorlegen nach 25 Jahren". Möge es ihm beschieden fein, so lange der unsre zu fein, und möge er in eine glücklichere jüdische Jukunft hineinleben. Ad meoh w essrill schon oh! H. S. 2. Tagung des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes (Eigener Bericht.) Diesmal hatte es sich die Gemeinde Ehemnitz ilicht nehmen lassen, die anwesenden Vertreter der Gemeinden und Rabbinate Dresden, Leipzig, Ehemnitz, Plauell, Zwickau, Annaberg und Bautzen am Verhandlungstisch und an gastlicher Tafel in der Saxonia ' Loge zu vereinen. Die Reichhaltigkeit der aus mehreren bedeutsameil Punkten bestehenden Tagesordnung hatte eine starke Teilnahme zur Folge. Das erste Wort des Vorsitzenden R. A. Salinger- Tresden (der ebenso wie der übrige Vorstand, bestehend aus Tr. Levy, Carl Goldfchmidt, Rabb. Pros. Winter, später wieder gewählt wurde) galt nach der Begrüßung bei dankbaren Erinnerung all die dahingcschiedencn Mitglieder S. Schocken und Just.zrat Lebrecht, zu deren Ehren sich die Versammlung erhob. Hatte sich schon die letzte Tagung mit dem damals im Entwurf vorliegenden Sächsischen Kirchen ge setz zu befassen, durch) welches bekanntlich! die Mischen Gemeinden nun auch in Sachserr Selbstverwaltung erhalten und Organe des öffentlichen Rechts werden, so besteht Aussicht, daß das Gesetz noch> in der diesjährigen Landtagssession zur Beratung gelangt. Dem Entwurf wird nach: gellauer Durcharbeitung im Benehmen mit dem Ministerium nunmehr zugestimmt bis auf die wiederum eine längere Debatte hervorrufende Begriffsbestimmung: wer Jude ist d. h. wer nach) sächsischem Gefetzt als Jude zu gelten hat; dies ist nicht nur für das Steuerrecht der Gemeinden von Wichtigkeit sondern auch weil es in anderen Landesteilen, z. B. Preußen, vorläufig noch anders gehandhabt wird. Tie dafür gefmidene Fassung, ursprünglich von Lappe-Ehernnih. stammend, ergänzt durch Goldberg-Plauen, soll nach endgültiger Redigierung in das Gesetz verarbeitet werden, ebenso die Schaffung eines aus zwei Instanzen bestehenden T i f z i p l i n a r g e r i ch t s der Gemeindelr |ür ihre angestellten Beamten, ulrd zwar soll die erste aus einem Vollsuristen und je einem Vertreter der betreffenden Gemeinde, der Rabbiner, Lehrer und Beamten bestehen, die zweite aus drei Nur-Juristen, möglichst Richtern. Beim Sch acht verbot, das bekanntlich erneut zu einer den sächsischen Juden drohenden Gefahr geworden ist, erscheint cs dagegen fraglich, ob es schon in nächster' Zeit vors Plenum gelaugt. In Verbindung mit dem Büro für Schächb schütz und dem über praktisches Material verfügenden E. B. werden inzwischen die einzelnen Landtagssrattionen möglichst tatkräftig bearbeitet, ohne daß sich!, wie hier schon kürzlich ausgesührt, ein endgültiger Erfolg bei der Abstimmung Voraussagen läßt. Es besteht Einmütigkeit darirr, gegebenen Falles zum letzten Mittel zu greifen unb den S t a at s ge r i chk s - ho s anzurufen. Ties und der jüdische Standpunkt in der Sache überhaupt wird aus Antrag Rabb. Goldmann-Leipzig der breiten Ocffentlichkcit in einer an anderer Stelle abgcdrnckien R e s o l u t i o n bekannt gegeben. (int sehr erschöpfendes und anfchaulichts Referat, das durch Umbiur! zur Kenntnis der beteiligten Gemeindeverwaltungen gebracht werden soll, erstattet Prediger Hcimann- Plauen. Es betrifft die nicht mehr stattsindmde A ufnahme der R e l i g i o n s z e n s u r e u in b i t allge m eine n S ch u l z e u g n i s s e aus Grund einer ministeriellen Verordnung. Sie best ehr, irre der Referent nachweist. einmal un Widerspruch zur Rcichsverfassuug, danrt aber auch zur Verordnung über die Religionsgesellschafien. Die Denkschrift, welche unter Benachrichtigung des Ministeriums zunächst an beit Landtag gehen soll, fordert einen Staatszuschuß für Reli gioirsnnterrichi von 8000 Reichsmark, Ausnahme der Reli gioirszensuren und Zuziehung der Religionslehrer zu den Zensurtonserenzen. (Anm. des Vers.: Ter Begründung wäre zweckmäßig hinzuzusügen, daß die Religionszensur, sofern sie für die Durchschnittsbewertung in Platz- und Bersetzungsfragen von Bedeutung lst, dann gerechter Weise auch den jüdrschetr Schülern, »reiche mit Genehmigung der Schule Religionsunterricht bei ihren eigenen anerkannten Lehrern haben, zugute kommen muß) Ein Antrag der L e h r e r v e r e i n i g u n g, ihr einen Sitz im Vorstand einzuräumen, wird erneut abgelehnt. Ferner gestatten die Berbandsstatuten nicht, einer m letzter Minute eingegangenen Bitte der Jüdischen Volkspartei E h em u rtz. entsprechend ihre Delegation zu empfangen und in der Versammlung zu Worte kommen zu lassen. Rabbiner Gärtner (dem man zu seiner Berufung nach Braunsckwcig allgemein herzlich gratuliert) unterstützt zwar die Sache durch einen offiziellen Antrag, der Vorsitzende stellt jedoch! fest, daß er hierzu als Vertreter Zwickaus nicht genügend legitimiert ist. Tie Eingabe wird daher auf dem Ordnungswege weiter bearbeitet in Berücksichtigung des vorgebrachten Um« stcmdes, daß die Beschwerde führende Partei 60 Prozent der Chemnitzer Wählerschaft umfaßt. Der vorläufig genehmigte Kassenbericht für das Vorjahr, zu dessen Prüfern die Herren Weiger und Feuerstein- Dresden gewählt werden, ergibt beti erfreulichen Ueber - s ch u ß von 1000 Reichsmark, sodaß in die Positionen für den neuen Haushaltplan teilweise höhere Beträge der Not der Zeit entsprechend eingesetzt werden. Hierbei bietet sich Gelegenheit des verdienstvollen Wirkens des soeben pensionierten Rektors Saphra-Annaberg zu gedenken. Ern hervorragend soziales Projekt des Verbandes, das im Frühjahre auch erst im Keime vorlag, reift bereits seiner Erfüllung entgegen: das Altersheim in Leipzig aus Mitteln der A r -o w'its ch - Stif t u n g. Ihre Satzungen, für deren Genehmigung das Ministerium nur nochl zur Bedingung macht, daß sich, was selbstverständlich ist, der Verband für die Stiftung verbürgt, sehen vor, daß zwei Mitglieder von Verbands wegen dem Vorstand angehören — hierfür werden die Herren Gottlieb und Hodes-Leipzig gewählt — und daß die 20 Kuratoriumsmitglieder zur HÄfte vom Verband bestimmt werden. Nack) dem von der Kommission ausgearbeiteten, nunmehr gutgeheißenen Belegungsplane soll von den 36 bis 40 Insassen - beiderlei Geschlechts über 60 Jahre —, welche zunächst im Vorderhause Platz finden, ein Drittel unentgeltlich ausgenommen werden, wofür die einzelnen Gemeinden nach Maßgabe der ihnen vorbchaltmew Plätze auszukommen Haben. Hierbei wird der sehr niedrige Monatssatz von 100 bzw. 125 Reichsmark zu Grunde gelegt, einen etwaigen Fehlbetrag hoffen die Stifter durch freiwillige Beträge leicht aufzubringen. (Anm. d. Vers: Warum von vornherein ein Defizit veranschlagen? Lieber dann dir Sätze gleich ein. wenig erhöhen.) Alle Gem e i n d en lassen der Familie, vertreten durch Tr. Halberstam, nochmals ihren Dank und ihre Befriedigung für die Bekundung solcher Hoch- Herzigkeit aussprechen. Ebenso werden Tankesworte gerichtet an den Berbandsleiter R.-A. Salinger nicht zuletzt aus Anlaß seiner einmütigen Wiederwahl und an Herrn Eahn-Chem, nitz, welcher namens der Gemeinde die Gäste bgrüßt und der Tagung ben harmonischen Verlaus gewünscht hat, der ihr dank der Fürsorge der Gastgeberin auch in leiblicher Beziehung zuteil geworden ist. reb. Berliner Repräsenkanten-Bersammlung vom 12. Dezember 1929. Iu der letzten Repräseutantenversammluilg wurden aussckließjlich Berwaltuugsangelegeuheiten erledigt' und die hohe Politik trat zurück. Ein sehr wichtiges Ereignis für die Berliner Gemeinde ist die in duser Sitzung erfolgte Eingemeindung der Synagogengemeinden Köpenick und Oranienburg. Damit reicht die Berliner jüdische Gemeinde im Süden beinahe bis zum Spreewald und im Norden bis in die Gegend von Eberswalde. Sie dürste damit, was den Flächenraum aulangt, vielleicht die größte Gemeiirde der Welt geworden sein. Herr Kammergerichtsrat Wolfs sprach bei dieser Gelegenheit die Hoffnung aus, daß der räumlichen Eingemeindung der beiden Borortgruppen anck) das innere Einfühlen rocht bald folgen möge und verhieß vonseiten der Gemeinde au, diesem Wege jede Unterstützung. Herr Ehrenreich (lib.) wies bei dieser Gelegenheit darau, hin, daß m anderen Vorortgruppen von Berten für Gottesdienst Unterricht und Gemeindeleben mehr zu tun sei als bisher, und durch! Zuweisung geeigneter Personen und Räumlichkeiten unter ben zum Teil sehr versprengten jüdischen Bewohnern der Vororte gewisse Zusammenhänge zu schaffen seien. Au, eine Anfrage des Herrn Loeb (kons.) über die Verwendung der von der Gemeinde für die Opfer in Palästiu aufgewendeten Mittel erklärte der Gemeindevorstand, da die bewilligten 25 000 Reichsmark dem Bürgermeister von Tel Awiv zur direkten Verwendung für die geschädigten Opfer in ganz Palästina überwiesen wordeir sind. Bezüglich« der rieuen Synagoge Prinzregentenstraßc forderte Tr. Fleischer (lib.) nochmals die Bereitstellung der Vorderräume für ein Jugendheim und für Gemeindezusammenküufte. Ter Gemeinde Vorsitz end e, Herr Kareski. erklärte sich grundsätzlich damit einverstanden, daß die Räume im Vorderhause für Gemeindczwecke zur Verfügung gestellt werden, behielt sich aber eine endgültige Regelung der Frage solange vor, bis man baulich die Räume besser übersehen könne. Bon allen Seiten des Hauses wurde der Wunsch: ausgesprochen, daß man möglichst keine Wohirräume für Gemeindebeamte, sondern Versammlungsräume für Gemeindemitglieder und Jugendliche schaffen möge. In der orgellvsen Synagoge Rykestraße, oic angeblich den konservativen Gotteshäusern zugerechnet wird, hatten gegett 1000 Gemeinden! itglieocr den Gemeindevorstand um Wiedereinführung der deutschen Gebete ersucht. Mit einem dahingehenden Antrag ocr liberalen Fraktion kreuzte sich eine entsprechende Gemeindevvrlagc. welche die Wiedereinführung der deutschen Gebete an den Vorabenden vom Sabbath und Festen sowie beim Ein und Ausheben der Thora forderte. Tie Vorlage wurde mit 2er Maßgabe angenommen, daß die deutscher. Gebete iticht als feste formelhafte Gebete gespro- ' i \ t i i i j KMTMMH DONNA LUCIA Deutschlands meistgerauchte 20 Pfg. Zigarre. 20 Pfg. UNSERE WEIHNACHTS ÜBERRASCHUNG Eine Reihe unserer bekannten Originalmarken, die jahrein, jahraus von vielen Tausenden ausschließlich geraucht werden, haben wir jetzt in Geschenkpackungen herausgebracht mit 25 Stuck Inhalt — zu Originalpreisen. 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